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Full text of "Jahresberichte für neuere deutsche Literaturgeschichte"

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HANDBOUND 
AT THE 



UNIVERSITY OF 




<4H 



JAHRESBERICHTE 



FÜS 



NEUERE 



DEUTSCHE LITTERATÜRGESCHICHTE 



UNTER MITWIRKUNO VON 

E. BRANDENBURG, F. COHRS, W. CREIZENACH, K. DRESCHER, G. ELLINGER, E. ELSTER, 
R. FÜRST, W. GOLTHER, C. GURLITT, 0. HARNACK, A. HAUFFEN, E. JACOBS, 
G. KOHFELDT, M. KRONENBERG, R. LEHMANN, R. M. MEYER, V. MICHELS, ERNST MÜLLER, 

F. MUNCKER, E. NAUMANN, L. PARISER, 0. PNIOWER, TH. POPPE, A. REIFFERSCHEID, 
F. SARAN, A. SAUER, L. SCHMIDT, FRANZ SCHULTZ, AD. STERN, A. L. STIEFEL, 
P.STÖTZNER, A. STRACK, ALEX. TILLE, 0. F. WALZEL, A. VON WEILEN, R. WEISSENFELS, 

R. WÖLK AN . 

MIT BESONDERER UNTERSTÜTZUNG 

VON 

ERICH SCHMIDT 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

JÜL. ELIAS, MAX OSBOM, WILH. FABIAN, C. ALT, 
FRIEDU. GOTTHELF. 



NEUNTER BAND (JAHR 1898). 





BERLIN 1902. 

B. BEHR'S VERLAG 

STEGLITZ ERSTR. 4. 



Redaktionssekretär: O. Arastein. 

2231 



Uie Jahresberichte weisen diesmal geringeren Umfang auf, ohne dass der Plan 
des Ganzen angetastet wäre. Erstlich war es unser Bestreben, die einzelnen Kapitel so 
weit wie möglich von dem Ballast alles irgendwie entbehrlichen Materials zu befreien, ein 
Bemühen, das wir auch in Zukunft besonders für Grenzgebiete, wie Kunst- und Musik- 
geschichte, walten lassen werden. Sodann erschien es uns zweckdienlich, für gewisse Ab- 
schnitte ein für allemal „Doppelberichte", d. h. zusammenfassende Besprechungen zweier 
Jahrgänge, einzuführen. Wir hoffen dadurch das Erscheinen der Bände beschleunigen zu 
können; ferner empfiehlt sich diese Neuerung deswegen, weil das Material bestimmter 
Kapitel, das in den einzelnen Jahren sehr spärlich fliesst, bei einer Aufsammlung dem 
Bearbeiter Gelegenheit zu einer mehr abgerundeten Darstellung gewährt. Dies Verfahren 
werden wir in Zukunft bei folgenden Kapiteln in Anwendung bringen: Geschichte der 
Philologie (1, 2), Geschichte der Metrik (1, 9), Stoffgeschichte (l, 10), Weltanschauungs- 
geschichte (I, 11), den ganzen Teilen II und III und dem Abschnitt „Herder" (IV, 7). 

Aus anderen Gründen sind diesmal die folgenden Kapitel ausgefallen, um im 
nächsten Jahrgang nachgeliefert zu werden: Litteraturgeschichto (1,1), Kunstgeschichte 
(I, 12), Musikgeschichte (I, 13), Poetik und ihre Geschichte (1, 14), Goethes Leben (IV, 8a), 
Das junge Deutschland (IV, 11). Die Kapitel „Die deutsche Litteratur und das Ausland" 
(IV, Id) und „Lessing" (IV, 6) sind, was das Jahr 1898 anbetrifft, schon im achten Baude 
vorweggenommen worden. 

Im Kreise unserer Mitarbeiter ist wiederum eine Reihe von Veränderungen fest- 
zustellen. Für Ernst Naumann ist Rudolf Lehmann (1, 6) eingetreten, in dem wir zu 
unserer Genugthuung einen älteren Mitarbeiter aufs neue begrttssen. Erich Brandenburg 
hat das Kapitel von Georg Winter übernommen (IV, Ib), und August Sauer hat den Ab- 
schnitt Lyrik (IV, 2) einer jüngeren Kraft, Franz Schultz, übergeben, ohne deshalb die 
Beziehungen zu den Jahresberichten für immer zu lösen. Wir sprechen den genannten 
Mitarbeitern für ihre treue Förderung unseres Unternehmens unseren aufrichtigen Dank aus 
und hoffen, sie in nicht allzufernor Zeit in unserem engeren Kreise wieder erscheinen zu 



sehen. Es wäre noch hinzuzufügen, dass Richard Batka auch in diesem Jahre nicht in 
der Lage war, das Kapitel Musilfgeschichte zu liefern; deshalb haben sich Leopold Schmidt 
und "Wilhelm Fabian des verwaisten Postens angenommen. 

Da in den nächsten Jahren die mitunterzeichneten Herausgeber Carl Alt und 
Friedrich Gotthelf aus Motiven, die mit ihrer veränderten Berufsthätigkeit zusammen- 
hängen, ausscheiden werden, so haben wir es schon jetzt für nötig erachtet, eine neue 
Kraft in ein näheres und festeres Verhältnis zu den Jahresberichteu zu bringen ; wir 
haben sie zu unserer Freude in Kurt Jahn gefunden, den wir hiermit herzlich will- 
kommen heissen. 

Den Freunden der Jahresberichte, die im stillen wieder für die YervoUständigucg 
unseres Materials gesorgt haben, ist, wie früher, am Schlüsse des Bandes eine Danktafel 
gestiftet. Wir fügen dem hinzu, dass wir mittelbar auch dem Herausgeber des „Euphorien", 
August Sauer, verpflichtet sind, der in der fortlaufenden Bibliographie seiner Zeit- 
Schrift unseren Mitarbeitern für die Ergänzung und Kontrolle -des Stoffes eine wertvolle 
Quelle bietet. 

Berlin W.io 

Matthäikirchstr. 4ll- 

JULIUS ELIAS. MAXOSBOßN. WILHELM FABIAN. CARL ALT. 
FRIEDRICH GOTTHELF. 



Inhaltsverzeiehnis. 



1. Allgemeiner Teil. 



1. Litteraturgeschichte. Von Dr. Franz Muncker, Professor an der 

Universität München. Vgi. Bd. lo der jbl. 

2. Geschichte der deutschen Philologie. Von Dr. Alexander Reiffer- 

scheid, Professor an der Universität Greifswald. vgi. Bd. lo der jbl. 

3. Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. Von Dr. Paul Schwenke, 

Direktor an der Königl. Bibliothek in Berlin. 

4. Kulturgeschichte. Von Wilhelm Fabian in Berlin. Vgi. in jbl i897 i 4 Vorwort. 

5. Volkskunde. Von Dr. Adolf Hauffen, Professor an der Universität Prag. 

6. Die Litteratur in der Schule. Von Dr. Rudolf Lehmann, Professor am 

Luisenstädtischen Gymnasium zu Berlin. 

7. Geschichte des Unterrichts- und Erziehungs wesens. Von Dr. Paul 

Stötzner, Oberlehrer am Gymnasium in Zwickau. 

8. Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. Von Dr. Wolf- 

gang Golther, Professor an der Universität Rostock. 

9. Geschichte der Metrik. Von Dr. Franz Saran, Privatdocenten an der 

Universität Halle. \gi Bd. lo der jbl. 

10. Stoffgeschichte. Von Dr. A. L. Stiefel, Professor an der Kgl. Industrie- 

schule in München. Vgi Bd. lo der jbl. 

11. Weltanschauungsgeschichte. Von Dr. Alexander Tille in Berlin. 

Vgl. Bd. 10 der JBL. 

12. Kunstgeschichte. Von Dr. Cornelius Gurlitt, Professor an der Technischen 

Hochschule in Dresden, vgi. Bd. lo der jbl. 

13. Musikgeschichte. Von Dr. Leopold Schmidt und Wilhelm Fabian in 

Berlin. Vgl. Bd. lO der JBL. 

J4. Poetik und ihre Geschichte. Von Professor Dr. Richard W^eissenfels 
in Berlin, vgi. Bd. lo der jbl. 



II. Von der Mitte des 15. bis znm Anfang des 
17. Jahrhunderts. 



1. Allgemeines. Von Dr. Max Osborn in Berlin, vgi Bd. lo der jbl. 

2. Ij y r i k. Von Dr. Rudolf Wolkan, Privatdocenten an der Universität Czernowitz. 

Vgl Bd. 10 der JBL. 

3. Epos. Von Dr. Adolf Hauffen, Professor an der Universität Prag. vgLBd.ioderjBL. 

4. Drama. Von Dr. Wilhelm Creizenach, Professor an der Universität Krakau. 

Vgl. Bd. 10 der JBL. 

.5. Didaktik. Von Dr. G ustav Kohfeldt, Bibliothekar in Rostock, vgi. Bd. lo der jbl. 

6. Luther und die Reformation. Von Dr. Ferdinand Cohrs, Pastor 

Primarius in Eschershausen bei Braunschweig. Vgi. Bd. lo der jbl. 

7. Humanisten und Neulateiner." Von Dr. Georg Ellinger, Oberlehrer 

an der 6. Städtischen Realschule in Berlin. Vgi. Bd. lo der jbl. 



Inhaltsverzeichnis. 



III. Vom Anfang des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. 

1. Allg-emeines. Von Dr. Alexander Reifferscheid, Professor an der 

Universität Greifswald. Vgi. Bd. lo der jbl. 

2. Lyrik. Von Dr. Karl Drescher, Universitätsprofessor in Bonn. Vgi. Bd. lo der jbl. 

3. Epos. Von Dr. Alexander Reifferscheid, Professor an der Universität 

Greifswald. vgi. Bd. lo der jbl. 

4. Drama. Von Dr. Friedrich Gotthelf in Berlin, vgi. Bd. lo der jbl. 

5. Didaktik. Von Dr. Ludwig- Pariser in München, vgi. Bd. lo der jbl. 



IV. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. 



1. Allgemeines. 

a) Litteraturg-eschichte. Von Dr. Adolf Stern, Professor an der 

Technischen Hochschule in Dresden. 

b) Politische Geschichte. Von Dr. Erich Brandenburg-, Professor an 

der Universität Leipzig-. 

c) Memoiren und Briefwechsel. 1897, 1898. Von Dr. Victor Michels, 

Professor an der Universität Jena. 

d) Die deutsche Litteratur und das Ausland. Von Dr. Adolf Stern, 

Professor an der Technischen Plochschule in Dresden, vgi. Bd. 8 der jbl. 

2. Lyrik. 1897, 1898. Von Dr. Aug-ust Sauer, Professor an der Universität Prag-. 

3. Epos. Von Dr. Rudolf Fürst in Prag-. 

4. Drama und Theaterg-eschichte. Von Dr. Alexander von Weilen, 

Professor an der Universität Wien. 

5. Didaktik. 

a) Allgemeine Didaktik. Von Dr. Richard M. Meyer, Professor an 

der Universität Berlin. 

b) Geschichte der Wissenschaften. Von Dr. Moritz Kronenberg 

in Berlin. 

6. Lessing. Von Dr. Erich Schmidt, Professor an der Universität Berlin. 

Vgl. Bd. 8 der JBL. 

7. Herder. Von Dr. Ernst Naumann, Direktor des Gymnasiums in Rawitsch. 

Vgl. Bd. lü der JBL. 

8. Goethe. 

a) Allgemeines. Von Dr. Otto Harnack, Professor an der Technischen 

Hochschule in Darmstadt. v?i. Bd. lo der jbl. 

b) Leben. Von Dr. Adolf Strack, Professor an der Universität Giessen. 

c) Lyrik. Von Dr. Otto Pniower in Berlin. 

d) Epos. Von Dr. Carl Alt in Weimar. 

e) Drama. Von Professor Dr. Richard Weissenfeis in Berlin. 

9. Schiller. Von Dr. Ernst Müller, Oberlehrer am Gymnasium in Tübingen. 

10. Romantik. Von Dr. Oskar F. Walzel, Professor an der Universität Bern. 

11. Das junge Deutschland. Von Dr. Ernst Elster, Professor an der 

Universität Marburg, vgi. Bd. lo der jbl. 

Autorenregister. 

Sachregister. 

Siglenregister. 

Bemerkungen für den Gebrauch. 

Danktafel. 

Druckfehlerberichtigung. 



I. Allgemeiner Teil. 
1,1 

Litteraturgeschichte. 

Franz M ii n c k e r. 

[Der Bericht über die Erscheinung-en des Jahres 1898 wird im zehnten Bande 
nachffeliefert.l 



1,2 

Geschichte der deutschen Philologie. 

Alexander Reiffe r scheid. 

[Der Bericht über die Erscheinungen des Jahres 1898 wird im zehnten 
Bande nachg-eliefert.] 



1,3 

Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. 

Paul Schwenke. 

ÄlIgeTneines N. 1. — Schrift wesen N. 25. — Papier N. 34. — Bnchd-uck: Erfindung N. 4 1 ; älterer 
BochdrncV, InVunabeln N. 53; lokale Drackergeschiclite N. 5S; moderner Buchdruck, Illustration K. 93. — Bucheinband 
K. 111. — Buchhandel: Geschichte N. 122; heutiger Buchhandel, Antiquariat, Auktionen K. 138; Autor- und Verlagsrecht 
N. 153. — Bibliographie: Aufgaben N. 158; allgemeine Fragen N. 161; lokale Bibliographie N. 226. — Zeitnngswesen 
N. 252. — Bibliothekswesen: Allgemeines und Verwaltung N. 274; Bibliothekenknnde N. 332; Ex-Libris N. 490. — 

Die erste Hälfte des Berichts für 1896 und 1897 s. JBL. 1897 I 3. 

Allgemeines. Die Geschichte des Schrift- und Buchwesens bis ca. 1500 be- 
handelt das katalanisch geschriebene Buch von Brunety Bellet^), mit besonderer 
Berücksichtigung des älteren Buchdrucks, aber aus Quellen zweiter Hand. — Eine 
reichhaltige Ausstellung über das ganze Gebiet hat das Mährische Gewerbemuseum 
in Brunn veranstaltet. Den einzelnen Abschnitten des Katalogs^) sind orientierende 
Einleitungen aus der Feder von Fachmännern vorausgeschickt. — Zahlreiche grössere 
und kleinere Beiträge, von denen nur ein Teil hier angeführt werden kann, finden 
sich wie bisher in den bibliothekarischen und verwandten Zeitschriften und Gesellschafts- 
Verhandlungen^'^j ^^u hinzugekommen sind die Italienische Bibliographische 

1) J. Brnnet y Bellet, L'escriptnra, lo gravat, Tiraprempta, lo llibre. (Erros historios V.) Barcelona, tip. 

„rArenj". 1898. X, 300 S. Pes. 10,00. — 2) M&hrisches Gewerbe-Museum in Brfinn. Katalog d. Bnchansst. BrQnn, 

Gew.-Mus. 1898. IV, 278 S. — 3) X t!Bl. für Bibliothekswesen her. v. 0. Hartwig. 15. L., Harrassowitz. 1898. XIX, 596 .S. 

M. 12,00. — 4) X Bcitrr. z. Kenntn. d. Schrift-, Buch- U.Bibliothekswesens, her. v. ü. Dz ia tzko. IV. (= Samml. bibliothekswias. 

Jahr.'Sberioht« fDr neuere duutsche liitteriiturgesohiclite. IX. (1)1 



I 3 : 5-39 P. Schwenke, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1 897, 1898. 

Gesellschaft'3-15)^ derOesterreichische VereinfürBibliotheksweseni^) und die Bibliotheks- 
sektion der deutschen Philologenversammlung'" "^ö), während die Brüsseler sogenannte 
internationale bibliographische Konferenz im wesentlichen nur die Bibliographie im 
engeren Sinne pflegt und die englischen und amerikanischen Bibliothekarversammlungen, 
wie auch der „internationale" Bibliothekarkongress ganz überwiegend den eigentlich 
bibliothekarischen Fragen gewidmet sind. — Neuerdings hat die bereits mitangeführte 
sehr anerkennenswerte „Zeitschrift für Bücherfreunde" begonnen, in ihrem Beiblatt 
die Zeitschriftenaufsätze zum Schrift- und Buchwesen sachlich geordnet zu verzeichnen. 
Elinzelne Kapitel der Bibliophilie (alte Verkaufskataloge, Preise, glückliche Funde usw.) 
behandelt Slater^o). — Wertvoll ist Quaritchs^') Sammlung von Skizzen über 
englische Büchersammler mit Nachweisen über den Inhalt ihrer Sammlungen, — In 
der Zeitschrift für Bücherfreunde wird eine Serie von Bibliophilen mit einer Studie 
über Eduard Grisebach von F. von Zobeltitz22j begonnen. 23-24-) _ 

Schriftwesen. Für Palaeographie und Handschriftenkunde kann auf 
die Berichte von Tan gl 25) und B e e r - We inb e r g e r 26) verwiesen werden. 
Letzterer behandelt durchaus nicht nur das für die klassische Philologie in Betracht 
Kommende. — Die Palaeographie der späteren Zeit berücksichtigt einigermassen das 
neue Lehrbuch von R e u s e n s 2'). — Von den Arbeiten über Handschriften- 
illustration seien angeführt die von T h u a s n e -^) über die Illustration einer 
französischen Uebersetzung von Augustinus De civitate dei, ausgeführt durch Francois 
Foucquet nach Anweisungen des bekannten Robert Gaguin , wozu D e 1 i s 1 e 2'') 
weitere Nachweise geliefert hat, und von A r n a u 1 d e t ^o^ und H e r m a n i n ^i) über 
einige Prachtwerke von Attavante und seiner Schule. '•^2 33) — (Handschriftenkataloge 
s. unter Bibliothekenkunde.) — 

Papier. Die Untersuchungen zur älteren Papiergeschichte der Schweiz 
von Web er 34)^ einiger Gegenden des östlichen und südlichen Frankreichs von 
B r i q u e 1 35) , G a u t h i e r 36) und Rouchon3') zeigen , welchen bedeutenden 
Aufschwung die Papierfabrikation seit der Mitte des 15. Jh. genommen hat. 
Nur an einer Stelle, im Herzogtum Bar, werden urkundliche Nachrichten aus älterer 
Zeit , aus der Mitte des 14. Jh., angeführt. — H e r z b e r g 38^ bespricht die 
I)ereits 17Ü5 — 72 von J. Chr. Schäffer angestellten Versuche, Surrogate an die Stelle 
der Lumpen zu setzen. — Wegen der Gefahren, die infolge der Minderwertigkeit 
des Papiers der Litteratur drohen, hat Mac Alister3"), der Präsident der Library 
Association, bei den englischen Verlegern Umfrage gehalten. Sie hat leider ergeben, 

Arb. XI.) L., Spirgatis. 1898. 125 S., 2 Taf. M. 7,50.- 5) X Zcitschr. für Bacherfreunde. Monatshefte für Bibliophilie n. Terw. 
Interessen, her. v. F. v. Zobeltitz. Jg. 1. 1897-98. Bd. 2; Jg. 2. 1898—99. Bd. 1. 2. Bielefeld n. L., Velhagen & Kl.ising. 
S. 34.5-656, 536. ä Jg. M. 24,00. — 6) X Rerne des bibliotheques. Dir.: S. Chatelain et L. T>orez. Ann. 8. 1898. Pari», 
K. Bouillon. 475 S. Fr. 17,00. - 7) X Bulletin du bibliophile et du bibliothecuire. Dir.: G. Vicaire. Paris, Techener. 1893. 
020 S. — 8) X Revue biblio-iconographique publ. sons In direction de P. D a u z e et d " E y 1 a c. 3. Serie. Ann. 5. 1898. Paris, Adrain. 
de la Revue. 492 S. u. Snppl. Fr. 12,00. — 9) y( he bibliographe moderne. Courrier international des archives et des 
bibliothfeqnes publ. sous la direotion de H. Stei n. Ann. 2. 1898. Paris, H. Welter etc. 464 S. Fr. 12,50. — 10) X R'vista 
delle bibliotechee degli archivi. Feriodico di biblioteconomia e dibibliograiia, di paleografla e di archivistica, dir. da 6. ßiagi. 
Ann. (vol.) 9. Firenze-Venezia, L. S. Olschki. 1898. 176 S. n. Beil. Fr. 15,00. — U) X Eevista de archivos, bibliotecas y 
museos. 3. Epoca. T. 2. Madrid (Ool. de sordomudos). 1898. 607 S., 14 Taf. Fr. 15,00. — 12) X The Library. A raagazine of 
bibliography and library literatnre, ed. by J. Y. W. Mac Allster. Vol. 10. London, Libr. Bureau. 1898. 417 S. Sh. 13,00. — 
13) X Bollettino della Societii bibliograflca Italiana. Ann. 1. 1898. Bergamo, Istit. d'arti grafiche. 12 Nrn. (N. 1/2; 24 S.) 
M. ö,00. — 14) X -^^^i della prima rionione bibliograflca, Mlluno, 23.-25. settembre 1897, promossa dalla societä bibliograflca 
italiana. Milano, Soc. bibl. it. XIX, 91 S. — 15) X Societii bibliograflca Italiana. 2* Rinnione generale tenuta in Torino 
8.-12. Sett. 1898. Processi verbali d. adunanze publiche: Riv. d. biblioteche 9, S. 145-51. — 16) Mitt. d. österr. 
Ver. für Bibliotheltswesen. red. v. J. D o n a b a u m. Jg. 1/2. Wien, Selbstverl. d. Ver. 1897-98. 16 u. 58 S.; 80 u. 36 S. 
ii M. 4,00. - 17) Sektion für Bibliothekswesen : Verhandl. d. 44. Vers, dtsch. Philol.'u. Schulm. in Dresden 1897. L.,Tenbner. 1898. 
S. 175-89. — 18) A. Reichardt, D. erste dtsch. Bibliothekarversamral. im Anschlüsse an d. 44. Versamml. dtsch. Philologen u. 
Bchulmänner (Sektion für Bibliothekswesen): CBlBibl. 14, 1897, S. 572-81. - 19) S. Frankfurter, D. Verhandl. d. 
.Sektion für Bibl.-W. auf d. 44. Vers, dtsch. Philol. «.'^Schulmänner in Dresden: Mitteil. d. österr. Ver. für Bibl.-W. 2, S. 10-24. 

— 20) J. H. Slater, The Romance of book-collecting. London, Elliot Stock. 1898. 168 S. Sh. 5. — 21) (B. Qnaritch), 
Contributions towards a dictionary of english book-collectors. P. 1-12. London, Quiiritch. 1892—98. ä 10-20 Bl. mit Taf. 
iisb. P/j. — 22) F. V. Zobeltitz, D. Bibliophilen. I. E. Grisebach: ZBöcherfrennde. Jg. 2, 1. 1898, S. 163-70. - 23) X Almanach 
du bibliophile. Ann. 1 ponr l'a, 1898. Paris, Pelletan. VL 276 S. Fr. 10,00. — 24) O X A. Growoll, American book cinbs, 
their beginnings and history, and a bibliography of their pnblications. New-York, Dodd, Mead & Co. 1898. XIV, 423 S. 

— 25) M. Tangl, Palaeographie (1897-98): JBG. 21, S. 149-53. - 26) R. Beer u. W. Weinberger, Ber. üb. d. auf 
Palaeographie n. Hss.-Kunde. bezügl. Litt, aus d. J. 1874— 96: JBKA. 98, 1898, S. 187— 310. — 27) E. Reusens, l5lement8 de 
paleographie. Louvain, chez lauteur, Impr. Ch. Peeters. 1897-99. 496. S., 60 Taf. Fr. 15,00. — 28) L. Thuasne, 
Fran^oit Foucqnet et les miniatures de la Cite de Dien de St. Augnstin: RBibl. 8, 1898, S. 33-57. — 29) L. Delisle, 
I^a OitÄ de Dien de St. Angustin, illustr^e d'aprfes les indications de Rob. Qagnin: JSav. 1898, S. 563;8. — 30) P. 
Arnanldet, Etudes sur Attavante et son ecole. I. Attavante et la bible de Belem.: Bibliogr. mod. 2, 1898, S. .185-93. — 
31) F. Herrn an in, La Bibbia latina di Federigo d'Urbino nella Bibliot. Vaticana: L'Arte 1, 1898, S. 256-72. — 32) X A. 
Venturi, II Pontificale di Antonio da Monza nella biblioteca Vaticana: ib. S. 154-64. — X 33) J. Chavanon, 
Initiales .-irtistiqnes extraites de chartes du Maine: RHMaine. 44, 1898, S. 1-12 n. 6 Taf. [Delisle: JSav. 1890, 
S. 5I-63.]| — 34) O A. Weber, D. Papierfabrikation in d. Schweiz im allgem. und im Kanton Zug im besond.: Znger Nen- 
jtthrsbl. für 1898, S. 8-30. — 35) CM. Briqnet, Les anciennes papeteries du dnohe de Bar et quelques filigranes barrois d« 
la 2« moitie du l.ö« sifecle: Bibliogr. mod. 2, 1898, S. 16-41. — 36) J. Gauthier, IVindustrie du papier dans les hautes vallee» 
frano-comtoises, du 15. au 18. si&cle: MSßmMontbeliard. 26, 1897, S. 15-44 n. 9Tttf. — 37) G. Rouchon, Origines des fabriques 
de papier de Chamaliferes, prfes de Clermont-Ferrand : Congr^s archöol. d. France. 62. Sess., 1897, S. 360/8. - 38) W. Herr,- 
borg, D, Sohätt'erschen Papierversucbe: Mitt. auM d. kgl. teohn. Versuchsanstalten zu Berlin. Jg. 16, 1898, S. 143-60. - 39) 



P. Schwenke, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. I 3 : 40-59 

dass viele von ihnen ihren Verlag' ganz oder teilweise für so ephemer halten, dass 
ihnen dauerhafteres Papier unnötig" scheint.*^) — 

Buchdruck: Erfindung. Die von Gilliodts van Severen hervor- 
gesuchte Fabel von der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johannes Brito in 
Brügge, die an Ronimel*') einen eifrigen Verteidiger gefunden hat, wird zurück- 
gewiesen von Bockenheimer*'^), von Gilliodts eigenem Landsmann Bergmans^^) und 
von We al e '**"''^). — lieber Gutenbergs Strassburger Aufenthalt handelt, ohne neues 
Material beizubringen, Thudichum *^). Er glaubt, dass Gutenberg sich damals 
mit Bilderdruck beschäftig-t habe. — Mit Gutenbergs Strassburger Versuchen bringt 
man gewöhnlich die geschäftliche Thätigkeit des Prokop Waldfogel in Avignon 1444— 46 
in Zusammenhang. C 1 a u d i n *') setzt auseinander, dass die von ihm gelehrte 
Kunst nicht die Typographie gewesen sein könne, sondern nur ein Schreiben ver- 
mittelst Einzelstcmpeln, ohne Vervielfältigung. — Einen ganz neuen Druck von 
Gutenberg glaubt Hupp *^) in einem früher ihm gehörigen, jetzt im Besitz von 
L. Rosen thal befindlichen Missale speciale nachweisen zu können. Seiner im ü])rigen 
sehr sorgfältigen Abhandlung fehlt die genügende Grundlag'e, nämlich die genauere 
Kenntnis voii Gutenbergs Druckerpraxis. Beifall hat die Hypothese bei H. Stein*^) 
gefunden. Die weitere Erörterung, die sich an Hupps Schrift angeschlossen hat, fällt 
ausserhalb dieses Berichts. Die Kontroverse darf jetzt (1900) als im negativen Sinn 
entschieden gelten. — Ein novellistisch ausgeführtes Lebensbild Gutenbergs liefert 
Ni e ts c h m ann^ö). — Die reich mit Faksimiles ausgestattete Schrift von Cust-^i) 
über den Meister E. S. bestätigt lediglich das jetzt anerkannte Ergebnis der Unter- 
suchungen von Lehrs, dass die Kupferstichfolge der Ars moriendi jenes Meisters die 
Vorlage des Blockbuchs gewesen ist. ^^j _ 

Ae Iter erBuchdruck: Inkunabeln. Von Copingers^^) Supple- 
ment zu Hain ist der zweite Band, enthaltend den ersten Teil der eigentlichen Nach- 
träge, erschienen. Das Werk wird ohne Zweifel gute Dienste thun, wenn es auch 
weder an Vollständigkeit noch an Zuverlässig'keit idealen Anforderungen genügt. — 
Bei weitem die bedeutendste Erscheinung zur Inkunabelnkunde ist Proctors^*) 
Verzeichnis der F'rühdrucke des British Museum und der Bodleiana. Er giebt zwar 
nur ganz kurze Titel ohne weitere Beschreibung, aber streng nach Druckereien und 
nach der Entstehungszeit geordnet und, was ganz neu ist, mit Angabe der in jedem 
Druck gebrauchten Typensorten. Diese Angaben beruhen auf ausserordentlich 
genauen Untersuchungen und werden, obgleich sie der Abbildungen entbehren, auf 
lange Zeit hinaus eine feste Grundlage für die Inkunabelforschung sein. — Für 
solche Typenuntersuchungen wichtig ist der von M 1 s d r f •''^) beschriebene 
Apparat zur Aufnahme einzelner kleiner Stücke auf ein und derselben photographischen 
Platte. — Kleine Inkunabelsammlungen beschreiben S c h r a m ^ö) und Martin ^''). — 
(lieber die älteren Erzeugnisse einzelner Druckstätten s. den folgenden Abschnitt.) — 

Lokale Druckergeschichte. .Zur deutschen Druckergeschichte 
der älteren Zeit sind Fortsetzungen zweier Unternehmungen von H e i t z ^^'^^*') zu 
verzeichnen. Die erste behandelt die Initialen der Strassburger Joh. Grüninger und 
des weniger bekannten Joh. Herwagen, jedoch wird ausdrücklich das Vorkommen 
von Verleihung und Verkauf solcher Zierstücke festgestellt. Die zweite enthält die 



J. Y. W. Mac Alister, The durability of modern booV papers: Library 10, 1898, S. 295-304. — X 40) E. Loevinson, 
Sni provvedimentl atti ad impedire il deterioramento della carta negli Bcritti e negli stampati : Boll. d. Soc. bibl. Ital. 1, 
1898, S. 135-40. — 41) (JBL. 1897 I 3 : 53.) -42) K. G. Bockenheimer, Joh. Brito a. Brügge, d. angebl. Erfinder d. Bnch- 
druckerkunst. Mainz, Mainzer Verlagsanst. 1898. IV, 46 S. M. 0,50. -■ 43) 0. P. Bergmans, L'impriraeur Jean Brito et 
les origines de Timprimerie en Belgique d'aprös le livre recent de M. Gilliodts- Van Severen. Gand. 1898. 17 S. — 44) 
W.. H. J. Weale, Jean Le Breton prototypographe franjais: RBibl. 8, 1898, S. 58-64. (Im weaentL identisch mit 
N. f45, aber ohne Facs. Erwiderung darauf v. G i 1 1 i o dt s -V a n S e v e r e n: ib. S. 128-33.) — 45) id., Early printing 
at Bruges: Transact. of the Bibliogr. Soc. 4, 1897—98, S. 203-12 mit 1 Facs. — 46) F. Thudichum, Joh. Gutenbergs 
Erfindungen in Strassburg 1420—44: N&S. 78, Sept. 1896, S. 417-23. — 47) A. Claudin, Les origines de l'imprimerie en France. 
Premiers essais ä Avignon, en 1444: BBiblioph. 1898, S. 1-14. — 48) 0. Hupp, E. Missale speciale, Vorläufer d. Psalteriums v. 
1457. Beitr. z. Gesch. d. ältesten Druckwerke. München u. Eegensburg, Nat. Verl.-Anst. 4». 30 S. M. 5,00. — 49) H. Stein, 
Une production inconnue de Vatelier de Gutenberg: Bibliogr. mod. 2, S. 297-308. — 50) A. Stein (H. Nietsch- 
mann), Gulenberg. E. Zeit- u. Lebensbild ans d. 15. Jh. (= Dtsch. Geschichts- u. Lehensbilder 26.) Halle, Waisenhans. 
XI, 178 S. M. 2,10. — 51) L. Cnst, The master E. S. and the „Ars Moriendi". A chapter in the history of engraving 
during the 15th Century. With facsim. reprodnctions. Oxford, Clar. Pr. 1S98. 4". 21 S., 19 Taf. Sh. 17'/». - 52) X E. 
Fromm, D. Busse d. Heil. Hieronymns. E. neu aufgefnnd. Holztafeldrnck d. 15. Jh.: ZBQcherfreunde. Jg. 2, Bd. 2. 1898—99, 
S. 419-24. — 53) W. A. Copinger, Supplement to Hain's Repertorium Bibliographicura, or coUections towards a nBw edition 
of that work. Part 2, vol. 1. Abano-Ovidius. London, Sotheran & Co. 1898. 454 S. - 54) R. Proctor, An index to the 
early printed books in the British Museum: from the invention of printing to the y. 1500. With notes on those in the 
Bodleian Library. Vol. 1,2. (= Part 1/4.) London, Kegan Paul, Trench, Trübner ä Co. 1898. 908 S. Sh. 50. — 55) W. Mols- 
dorf, D. Photographie im Dienste d, Bibliogr., mit bes. Berücks. älterer Drucke: Samml. bibliothekswiss. Arbeiten, lieft 11, 
1898, S. 83/9. — 56) W. Schräm, D. Incunabeln d. Franzens-Museums: Mnsenm Francisceum. Annales 1, 1895 (Brunn 
1896), S. 131-53. — 57) J.B. Martin, Incnnables de hibliothfeqnes privees: BBiblioph. 1898, S. 69-76, 128-39. (Französische Kloster- 
n. Seminarbibliotheken.) — 58) P. Heitz, D. Initialschmuck in d. elsäss. Drucken d. 15. n. 16. Jh. 2. Reihe. Zierinitialen 
in Drucken d. Joh. Grüninger 1. (Strassburg 1483-1531) u. d. Joh. Herwagen (Strassburg 1522-28). Strassbnrg, Heitz. 1397. 
12 S., 19 Taf. M. 6,00. — 59) id., D. Kölner BRcbermarken bis Anf. d. 17. Jh., mit Nachrichten über d. Drucker r. 0. 

(1)1* 



i 3 : 60-86 P. Schwenke, Schrift- und Buchwesen. 1096, 1897, 1898. 

kölnischen Büchermarken mit einem Text von Zaretzky, der ausser den be- 
kannten Nachrichten über die Drucker manches bisher Unbekannte verarbeitet hat. 
Die notwendige kritische Behandlung dieser wichtigen Druckstälte steht aber noch 
aus. — Roth^ö) handelt über die Drucker von Würzburg bis zum Anfang des 
17. Jh. — Für den Osten ist Bauch ßi— ß2) thätig gewesen. In der Arbeit 
über die schlesische Renaissance verzeichnet er nicht nur die einheimischen 
(Breslauer) Drucke bis 1521, sondern auch die auswärts für Schlesien gedruckten 
oder von Schlesiern verfassten Werke. Aus Frankfurt a. O., das durch Konrad 
Baumgarten mit Breslau zusammenhängt, führt er von 1502—28 im ganzen 75 Drucke 
auf, gegen 22 bei Panzer. — Die Wichtigkeit des Buchschmuckes für die Bestimmung 
der zahlreichen anonymen Drucke der Reformationszeit ist anerkannt. Luther "s 64-j 
weist aber nach, dass hier grössere Vorsicht nötig ist als man bisher angewendet 
hat, nicht nur wegen des Besitzwechsels, sondern vor allem weil die Zierstücke 
unglaublich häufig und oft geradezu täuschend nachgeschnitten worden sind. ^'•) — 
K ö n i g 6^) beschreibt eins der wenig-en erhaltenen Schriftprobenbücher der älteren 
Zeit, das der Fuhrmannschen Schriftgiesserei in Nürnberg von 1616. — Unter den 
übrigen Arbeiten zur deutschen Druckergeschichte ist die splendid ausgestattete 
Festschrift von F a b e r ^'J zum 250 jährigen Bestehen der Faberschen Buch- 
druckerei in Magdeburg hervorzuheben. ^^~ß^) — Die Anfänge des Buchdrucks in 
Freiburg i. d. Schw. dürfen, wie Holder''^) darlegt, nicht über das J. 1584 hinauf- 
gerückt werden. — Von den ersten Druckern Italiens Sweinheim und Pannartz 
hat Schlecht^ ^) das Original der Supplik an Sixtus IV. und die Entscheidung 
des Papstes darauf gefunden, durch die ihnen eine Expektanz verliehen wurde- — Ueber 
die Wirksamkeit französischer und niederländischer Drucker in Italien hat Arnauldet'^) 
in italienischen Bibliotheken und Notariatsarchiven erfolgreiche Üntersuchung'en 
angestellt, über die er kurz berichtet. A. handelt an anderer Stelle '3) über Ge- 
sellschaftsunternehmungen für Buchdruck in Mantua von 1472, in denen das deutsche 
Element stark vertreten ist. Von 1482 an geben sie den Druck auf und gehen zum 
Buchhandel über. Aus dieser Zeit wird ein interessantes Lagerverzeichnis mit 
Preisen mitgeteilt, '■^-'i^) — Auch über ihren heimischen Buchdruck haben die 
Franzosen wie bisher eifrig gearbeitet. Renouard'^) giebt, zum grossen Teil auf 
(jrund neuer archivalischer Forschungen, ein alphabetisches Verzeichnis der Pariser 
Drucker, Buchhändler und anderer mit dem Buchwesen in Zusammenhang 
stehender Personen aus dem 15. und 16. Jh. — Eine eingehende Monographie über 
die erste Druckerei in Paris, die Privatdruckerei Joh. Heynlins in der Sorbonne, 
erhalten wir von C 1 a u d i n '''~''^). — Eine bisher ganz unbekannte Pariser Buch- 
druckergenossenschaft zieht Marie Pelle che t''-*) ans Licht. — Claudius Werk über 
den Buchdruck in Poitiers^o) hat Veranlassung zu einer Polemik zwischen ihm und 
Ä. de la B ou ral i e r e^'~^2) gegeben. ^'"'**') — Für die pyrenäische Halbinsel 

Zaretzky. (= D. Bflchermarken oder Bnclidrucker- u. Verlegerzeichen Bd. 6). ebda. 1898. i". LH, 5 S., 63 Taf. M. 35,00. 
— 60) J. W. E. Roth, Gesch. d. Verlagsgeschäfte u. Buchdrnckereien zu Wnrzbnrg 1479—1618: AGDBnchhandel. 20, 1898, 
S. 67-85. — 61) G. Bauch, Bibliogr. d. schles. Renaissance (1475—1521): Silesiaca, Festschr. für Grünhagen, S. 145-36. — 
62) id., Drucke t. Prankfurt a. 0. (Erweiter, zu Panzer, Annales typogr. VII, 54 n. XI, 464k CBlBibl. 1.5, 1898, S. 
241-60. — 63) J. Luther, D. Reformationsbibliogr. u. d. Gesch. d. dtsch. Sprache. Vortr., geh. auf d. 44. Vers, dtsch. 
Philolog. u. Schulm. in Dresden. B., G. Reimer. 1898. 32 S. M. 0,60. (Auszug in: Verh. d. 44. Vers, dtsch. Philol. 1897, 
S. 181/3.)— 64) id., Ideendiebstahl in d. dekorat. Bücherschmuck d. Reformationszeit: ZBücherfreunde. Jg. 1, Bd. 2, 1897—98, 
S. 463-71. — 65) X ^- Ahn, „Newa Zeytnngen" aus Joh. Manneis Drnckerpresse (Laibach, 16. Jh.): Mitt. d. österr. Ver. für 
Bibl.-W. 2, 1898, S. 1,9, 29-32, 66-72. - 66) H. König, G. L. Fuhrmanns Schriftprobenbuch v. 1616: ZBücherfrennde. 
Jg. 2, Bd. 1, 1898. S. 220,6. - 67) A. Faber, D. Fabersche Bnchdruckerei. E. Skizze. Magdeburg, Faber. 1897. 4«. VII, 
220 S. u. Taff. - 68) X ß- Hof mann, Z. Gesch. d. Buchdrucks im Schönbnrgischen : Schönburgische Gesch.-Bll. Jg. 2, 
1896-96, S. 95-111. (Druckerei begr. 1702 in Glauchau, 1707 nach Waidenburg verlegt.) — 69) X E. Wittich, Z. Gesch. d. 
Bachdruckerkunst in Hessen. 1. Kurze Gesch. d. L. C. Wittichschen Hofbnchdruckerei in Darmstadt: QBllHVHessen. 1, 
1891-95, S. 666/9. — 70) K. Holder, Melanges d'histoire fribourgeoise I. (Extrait de la „Liberte" 1896-98). (Excerpt im 
CBlBibl. 15, 1898, S. 59-60.) - 71) J. Schlecht, Sixtus IV. n. d. dtsch. Drucker in Rom: Festschr. z. lOOj! Jab. d. Dtsch. 
Oampo Santo in Rom (Freiburg i. B., Herder. 1897), S. 207-11. — 72) P- Arnauldet, Mission en Italie: Annuaire de ri5c. 
prat. d. hautes ^tudes 1396, S. 85/7; 1897, S. 95/8. — 73) id., Les associations d'imprimeurs et de libraires h Mantone 
au 15« Bi&cle: Bibliogr. mod. 2, 1898, S. 89-112. - 74) X T. de Marinis, L'introduzione d. stampa in Aquila: Boll, 
d. Soc. di stör, patria negli Abruzzi 9, 1897, S. 185/3. — 75) X M. Fava, Sulla introduzione d. stampa in Aquila: Riv. d. 
biblioteche 9, S. 49-51. — 76) Ph. Renouard, Imprimenrs parisiens, libraires, fondeurs de caracteres et correoteurs 
d'imprimerie dep. l'introduction de Timprimerie ii Paris (1470) jnsqu'ii la fin du 16e siecle. Leurs adresses, marques, enseignes, 
dates d'exercice etc. Paris, Clandin. 1889. XVI, 431 S. Fr. 12,00. — 77) A. Claudin, The flrst Paris Press, an account 
of the books printed for G. Flehet and J. Heynlin in the Sorbonne, 1470—72. (= Illustr. Monographs issued by the Bibliogr. 
Soc. 6.) London, Bibliogr. Soc. 1898. VI, 100 S., 1 Taf. Nicht im Handel. — 78) id., Les origines de Timprimerie a Paris. 
La premifere presse de la Sorbonne: BBiblioph. 1898, S. 469-36, 548-56, 574-83; 1399, S. 22-36. (Auszug aus N. 77.) — 

79) Marie Pellechet, üne association d'imprimeurs au ISe siecle. Paris, Picard & Fils. 1897. 5 S. u. 6 Taf. Fr. 5,00.— 

80) (JBL. 1897 I 3:94/5.) — 81) A. de la Bouraliere, Chapitre retrospectif sur les d^buts de Timprimerie ä Poitiors. 
Paris, Paul & Guillerain. 1898. LXXl S. Fr. 4,00. — 82) A. Claudin, Les origines et les debuts de limprimerie ä Poitierg. 
NouTellea recherohea: BBiblioph. 1898, S. 171-94 u. separ. — 83) X^- Rondot, Graveurs sur bois ä Lyon au 16e gi&ole. 
Paris, Rapilly. 1898. 116 8. Fr. 7,.50. — 84) y, 3. A.. Brutails, Nonv. recherches sur les origines de rimprimerie ü Bordeaux; 
Bibliogr. mod. 2, 1898, S. 197-200. — 85) X A. A ssier, Nouv. bibliotheqne de Taniatenr Champenois. Pifeces rares ou 
inödites rel. a l'hist. de la Champagne et de la Brie. 8. L'imprimerie en Champagne et en Brie au 15^ siecle; 9. L'impr. 
«0 Ch. au 16» siÄcle; 10. L'lmpr. en Ch. de 1600 -.-)0. Paris, Lechevalier. 1897-98. 12«. il 60 S. ?i, Fr. 2,50. — 86) 



P. Schwenke, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. I 3 : 87-ii8 

erhalten wh' von H ae b 1 er^^~^^j wichtige Nachträg-e zu seinen Early printers of 
Spain and Portug-al, sowie eine Uebersicht der dortig*en Büchermarken, die übrigens 
nur von den Druckern deutscher, später von denen italienischer und niederländischer 
Herkunft gebraucht wurden, während die Spanier sich ihrer enthielten.®^) — Für die 
Niederlande ist der umfassende Nachtrag zum Verzeichnis der Elzevierdrucke von 
B er gh ma n'-"*) zu erwähnen. — Zur englischen Druokergeschichte des 16. Jh. sind 
einige Beiträge von Plomer^') und Thompson''^) geliefert worden. — 

Moderner Buchdruck, lllustratio n.^^) In den Erörterungen über 
die künstlerische Ausstattung des Buches steht die Frage des Anschlusses an die 
alten Vorbilder in erster Reihe. In diesem Sinn giebt Jessen'**) im Führer durch 
eine reiche Ausstellung, die Ende 1898 im Berliner Kunstgewerbe-Museum stattfand, 
einen kurzen Ileberblick über die historische Entwicklung der Buchkunst. ''^) — 
Die antikisierende Richtung hat niemand mehr gefördert als der verstorbene 
Morris ^^). Der letzte Druck, der aus seiner, nun aufgelösten, Kelmsoott Press 
hervorgegangen ist, enthält von ihm selbst eine kurze Darlegung seiner Grundsätze 
und Absichten, w^ährend von anderer Hand die üeschichte der Druckerei und die 
Bibliographie ihrer Erzeugnisse hinzugefügt ist.**") — Einen wenig beachteten, aber 
nicht unwesentlichen Punkt der Buch-Aesthetik behandelt Milchsack"®), nämlich 
die Grössenverhältnisse der die Textkolumne umgebenden Ränder. — Einige Beiträge 
zur Geschichte der deutschen Buchillustration des 18. und 19. Jh. liefern Witkowski"**) 
und Weini tz^****). — Von Oswald^''') erhalten wir ein nach Litteraturgattungen 
geordnetes Verzeichnis der jetzt lebenden für Buch- und Zeitschriftenillustratioji 
thätigen deutschen Künstler mit Angabe der von ihnen illustrierten Werke. 'o^-ios^ _ 
Grosse^oß) behandelt den Vorgänger der jetzigen Zinkhochätzung, den lithographischen 
Hochdruck, der die ursprüngliche Erfindung Senefelders ausmacht und in den 
dreissiger Jahren wieder geübt wurde. ^^'') — Ueber den mit der Plakatkunst stark 
verwandten modernen Buchumschlag sind orientierende Aufsätze von H a b i c h ^'^) 
und Von zur Westen^^^) anzuführen. i'^) — 

Bucheinband. Eine kurze Uebersicht über die Geschichte des Einbandes 
giebt Pazaureki^i) an der Hand von Bänden des Nordböhmischen Gewerbe- 
museuins in Reichenberg. '^^j — Schw^enke ^^^) behandelt die Notwendigkeit und die 
Methode einer Erforschung des älteren deutschen Bucheinbandes nach historischen, 
nicht kunstgewerblichen Gesichtspunkten. — Urkundliche ^Nachrichten über ältere 
französische Buchbinder sind, wie im vorigen Bericht, von Pro s t'^*) und Rondot^^^^ 
zu verzeichnen. Die von letzterem behandelten Buchbinder von Troyes sind zum 
Teil zugleich Schreiber, Illuminatoren und Drucker.i^^) — Uzanne^i') stellt unter 
Beigabe vieler Abbildungen die neue Art der äusseren Buchverzierung dar.^'®) — 



X E. ForestiS (neren), Hist. de rimprimerie et de la librairie äMontanban: Bibliographie montalbanaise, ut. reproductions. 
Montanban, (E. Forestie). 1898. 378 S. u. Suppl. mit Taf. Fr. 10,00. — 87) K. Haebler, Z. Drnclcer - Gesch. Spaniens: 
CBlBibl. 15, 1898, S. 176-89. — 88) id., Span. u. portugies. Bücherzeichen d. 15. u. 16. Jh. (=: D. Büchermarken od. 
Bnchdr.- n. Verlegerzeichen Bd. 5.) Strassburg. Heitz. 1898. XL, 46 S., 46 Taf. M. 35,00. — 89) X id., D. Drnckermarken 
mit d. Y: ZBächerfrennde. Jg. 1, Bd. 2, 1897—98, S. 533—7. — 90) G. Bei-ghman, Nouvelles etndes sur la bibliographie 
Elzevirienne. Snpplöraent ä l'onvriige snr les Elzevier de M. Alph. Willems. Stockholm, Idnns trycVeri aktiebolag. 1897. XVII, 172 S. 
11. 4,80. — 91) H. R. Plomer, New documents on english printers and booksellers of the 16'h Century: TransBiblSoc. 4, 
1896—98, S. 153-83. — 92) S. P. Thompson, Peter Short, printer, and bis marks: ib. S. 103-28. — 93) X Th. Goebel, 
Vom Fortschritt in d. graph. Kunst u. Technik: ZBächerfrennde. Jg. 2. Bd. 1, 1898, S. 63-70. — 94) P. Jessen, Kgl. Museen, 
Berlin. Knnstgew.-Uns. Führer durch d. Sonderausst. D. Kunst im Buchdruck Nov. -Dez. 1898. B., 0. t. Holten. 23 S. 
M. 0,20. — 95) X J- Lonbier, D. Kunst im Buchdruck. Sonderansstellung im Kgl. Kunstgew.-Mus. zu Berlin: ZBächer- 
frennde. Jg. 2, Bd. 2, 1898—99, S. 424-33 n. 475-87. — 96) W. Morris, A note on bis aims in fonnding the Keimscott Press. 
Together with a short description of the Press by S. C. Cockerell and an annotated list of books printed thereat. Keimscott 
Press. 1898. 71 S. Sh. 10. - 97) X M. Sondhe im, William Morris: ZBächerfrennde. Jg. 2, Bd. 1, 1898, S. 12-20. — 98) G. 
Milchsack, D. Bnchformate, histor. u. ästhet. entwickelt: Verh. d. 44. Vers, dtsch. Phil. S. 183/5. — 99) G. Witkowski, D. 
dtsch. Bücberillustration d.l8.Jh.: ZBücherfreunde. Jg. 1, Bd. 2, 1897- 98, S. 401-14. — 100) F. Weinitz, Th. Hosemanns Thätig- 
keit u. Bedeut. f ör d. Berl. Verlagsbuchhandel: Beitrr. z. Knltnrgesch. v. Berlin. Festschr. d. Körper. Berl. Buchhändler 1898,8.247-63. 

— 101) U. Oswald, Unsere Illustr.-ttoren: Börs.-Bl. fftr d. dtsch. Buohh. 1897, N. 70, 75, 233, 237, 240, 249-51. — 102) X V. v. 
Zobeltitz, Neuere dtsch. Drucker-, Verleger- u. Antiquarials- Marken. 1. Reihe: ZBücherfreunde. Jg. 1, Bd. 2, 1897—98, 
S. 637-41. — 103 X J- Meier -Graefe, D. mod. Illnstrationskunst in Belgien II. D. Neueren: ib. S. 505-19. — 104) X 
J. Folnesics, D. mod. Buchillnstration in England: Mitt. d. Österr. Mus. für Kunst u. Industrie. 6, 1896-97, S. 289-94, 
317-28. — 105) X Fr. Deneken, Frederik Hendriksen n. d. dänische Buchliandwerk d. Gegenwart: ZBücherfreunde. Jg. 2. 
Bd. 2, 1898-99, S. 363/7. — 106) E. Grosse, E. vergess. Illnstrationsverfahren: ib. Jg. 1, Bd. 2, 1897-98, S. 561-72. — 
107) X C. Lamparter, Gesch. d. Lithographie in Württemberg: Württ. Jbb. 1898, 1, S. 47-76. — ■ 108) G. Habich, Mod. 
Buchnmschläge: D. Knnst für Alle 13, 1897—98, S. 245/8. — 109) W. t. Zur Westen, D. künstler. Buchnmschlag. Frank- 
reich u. Nordamerika: ZBücherfreunde. Jg. 2, Bd. 2, 1898/99, S. 401-16. - HO) X E. F. Strange, Japanese illustration. A. 
history of the arts of wood-cntting and colour printing in Japan. London, Bell 4 Sons. 1897. XX, 155 S. u. 79 Taf. Sh. 12',,. 

— 111) Pazaurek, Alte Bucheinbände: Mitt. d. Nordböhm. Gew. -Mus. 15, 1897, S. 617, 85-93. — 112) X Buch-Einbände. 
Litt. n. alte Originale. Kat. N. 15 v. E m i 1 Hirsch, Antiquariat, München. (1897.) 12 S., 12 Taf. M. 1,00. — 113) P. 
Schwenke, Z. Erforsch, d. dtsch. Bucheinbände d. 15. n. 16. Jh.: Samml. bibliothekswiss. Arbeiten Hft. 11, 1898, S. 114-25. 
(Auszug in: Verhandl. d. 44. Vers, dtsch. Philol. S. 176,17.) — 114) ß. Prost, Documents sur l'hist. de la relinre. Eitraits de 
comptes royaux des 14® et 15» sifccles: BBiblioph. 189S, S. 28-35, 83/8. (Fortsetzung n. Schlnss t. JBL. 1897 I 3:126.) — 
115) N. Bondot, Les relieurs de liyres ä Troyes du 14e au 16e siecle: ib. 8. 27S-84. — 116) X L. Gruel, Les Thouvenin, 
relieurs fran9ais au commencement du 19^ siecle: ib. S. 435-46, 608-12. — 117) 0. ITzanne, L'art dans la decoration eiterienre 
des liTres en France et ä l'etranger. Les convertures illustrees, les cartonnages d'editeurs, la reliore d*.-»rt. Paris, May. 1898. 4». 
VI, 275S. »V. gray. Fr. 40,00. [ZBücherfreunde. 2, Bd. 1, S. 41/4.J( - 118) X O W. Y. Fletcher, Keliures d'art modernes 



I 3:119-146 P. Schwenke, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. 

Von der Technik des Einbandes erhält auch der Laie ein gutes Bild durch 
A dam si"^-i20) Buch über die praktischen Arbeiten des Buchbinders. — Eine Folge, 
jedoch keine durchaus notwendige, des Maschinenbetriebs in der Buchbinderei ist 
die leidige Drahtheftung, deren Nachteile, ziemlich gleichzeitig mit einem dagegen 
gerichteten preussischen Ministerialerlass, von S i e b e r 1 121) überzeugend dargelegt 
worden sind, wenn auch der Gegenstand von ihm nicht ganz erschöpft worden ist. 
Bezeichnend ist, dass nur in Deutschland Verleger und Grossbuchbinder draht- 
geheftete Bücher auf den Markt zu bringen wagen, und das Publikum sich diese 
Behandlung des Buches gefallen lässt. — 

Buchhandel: Geschichte. Material zur Geschichte des Buchhandels 
bietet ein Teil der oben unter Buohdruckergeschichte angeführten Litteratur. — Der 
neue Band des Archivs ^^^^ für Geschichte des Buchhandels enthält ausser mehreren 
Abhandlungen, die an ihrer Stelle angeführt werden, namentlich ein ausführliches 
Namen- und Sachregister zu den erschienenen 20 Bänden, wodurch der in ihnen 
niedergelegte Stoff erst recht der Benutzung zugänglich gemacht wird. — Ebenda 
veröffentlicht Burger^^s) auf Grund der Messkataloge eine Ergänzung seines Ver- 
zeichnisses der Geschäftsrundschreiben in der Bibliothek des Börsenvereins. — Für 
die Geschichte des älteren Buchhandels interessant sind E. Schulze 8^24^ Mitteilungen 
aus dem Geschäftsbuch des Görlitzer Kaufmanns Hans Brückner, der von 1476 — 81 
auch mit Büchern handelte, die er meist von der Leipziger Messe mitbrachte. 125-126) __ 
Bei Gelegenheit der 200 Jahr -Feier der Franckeschen Stiftungen in Halle hat 
^ c h ü r m a nn '2'') die Geschichte der Waisenhausbuchhandlung gegeben, deren 
Gründung so ziemlich mit der des Waisenhauses zusammenfällt. Die eingehende 
Behandlung namentlich des 18. und des beginnenden 19. Jh. bildet einen wertvollen 
Beitrag zur Geschichte des deutschen Buchhandels überhaupt. ^^Sj — Zu Arbeiten über 
den Berliner Buchhandel hat die Feier des 50jährigen Bestehens der Korporation 
Berliner Buchhändler Veranlassung gegeben. Neben der Geschichte der Korporation 
von Vollert*^") ist eine Sainmelfestschrift'^'^) allgemeinen Inhalts erschienen, aus 
der hierher namentlich die Geschichte der Nicolaischen Buchhandlung von Roden- 
}) erg. 131) gehört. 132-133) _ Dem Historiker des deutschen Buchhandels A. Kirchhoff 
ist durch eine Lebensskizze^^*) mit Verzeichnis seiner Schriften und Aufsätze eine ver- 
diente Aufmerksamkeit erwiesen worden. — Zur Geschichte des ausländischen Buch- 
handels ist N y r p s l35^ Festschrift zum 150jährigen Bestehen der Miloschen Buch- 
handlung in Odense, einer der bedeutendsten Provinzialbuchhandlungen von Dänemark, 
und Mrs. Oliphantsi^ß) Werk über William Blackwood in Edinburgh anzuführen.i^^j — 

Heutiger Buchhandel; Antiquariat, Auktionen. Ueber 
Vorgänge und Strömung'en im deutschen und österreichischen Buchhandel unter- 
richten die bisherigen periodischen Organe '38-143)^ 2u denen als Vertreterin der 
Gehilfenschaft die „Buchhändler-Warte" 1**) hinzugekommen ist. — Ueber neue Ver- 
lagskataloge unterrichtet eine Artikelreihe im „Börsenblatt" i*5-i46) _ y'üt die laufenden 

exeontees en Ängleterre. Essai historiqne. Catalogne de l'exposition ouverte du 13 juin an 2 juillet 1898. Paris, Boussod, 
Manzi, Joyant & Gie. 32 S. — 119) P. Adam, D. prakt. Arbeiten d. Buchbinders. Wien, Pest, L., Hartleben. 3 Ell., 
128 S. M. 3,00. — 120) id., D. „Vorsaty." im Buche u. d. Innenseite d. Deckels: ZBücherfrennde. Jg. 1. Bd. 2, 1897—98, S. 622/8. 

— 121) P. Siebert, D. Nachteile d. Drahtheftung u. d. Notwendigkeit ihr vorzubeugen: CBlBibl. 15, 1898, S. 124/7. — 122) Archiv 
für Gesch. d. Dtsch. Buchhandels. Her. v. d. Hist. Komm. d. Börsenver. d. Dtsch. Bnchhändler. XX. Nebst Register zu Bd. I-XX. 
L., Börsenverein. 1898. 208, 346 S. M. 8,00. — 123) C. Burger, Beitrr. k. i<'irmengesch. d. dtsch. Buchh. aus d. MessVatalogen : 
AGDBnchhandel. 20, S. 168-95. - 124) E. Schulze, E. Kräraerbnoh aus d. Ende d. 15. Jh.: NLausitzMag. 73, 1897, S. 181-201. 

— 125) X P- E. Richter, Z. Vorgesch. n. Gesch. d. vormals Waltherschen, jetzt Bnrdachschen Hofbnchhandl. (Warnitz & 
Lehmann) in Dresden: AGDBuchhandel. 20, 1898^ S. 109-67. (Beginnt Mitte d. 17. Jh.) — 126) X D- G- Bnchwald, Aus 
d. Briefwechsel d. Frankfurter Buchdruckers Johann Arnold Cholinus (1664—78): ib. S. 86-108. (Betrifft hauptsächlich d. 
Buchhandel.) — 127) A. Schürmann, Z. Gesch. d. Bucbhandl. d. Waisenhauses u. d. Cansteinschen Bibelanst. in Halle a. S. 
Halle, Buchh. d. Waisenh. 1898. IX, 255 S. M. 3,00. — 128) X 6- Fr ick, A. H. Prancke n. d. Bnchhandl. d. Waisenhauses in 
Halle: ZBücherfrennde. Jg. 2, Bd. 1, 1898, S. 201/9. — 129) E. Vollert, D. Korporation d. Berliner Buchhändler. Festschr. z. Feier 
ihres 50j. Bestehens am 1. Nov. 1898. ß., Korp. d. Berl. Buchh. VII, 200 S. M. 3,00. — 130) Beitrr. z. Kulturgesch. y. 
Berlin. Festschr. z. Feier d. 50j. Bestehens d. Korporation d. Berliner Buchhändler. B., Korp. d. Berl. Buchh. 1898. 303 S. 
M. 4,00. — 131) J. Rodenberg.D. Nicolaische Bnchhandl. (= N. 130, S. 220-46.) -132)XAßnchholtz,Ansd. Gesch. d. Berliner 
Buchhandels : DRs.97, 1898, S. 451/6. - 133) X (M. Müller), Gesch. d. Chr. Fr. Müllerschen Hof buchhandl. in Karlsruhe. 1797- 1897. 
Karlsruhe, Chr. Fr. Müller. (1897.) Fol. 40 S. n. Facs.-Beill. — 134) Herrn Dr. Albrecht Kirchhoff z. Feier d. 70. Geburtstages am 
30. Jan. 1897 (Sep.- Abdr. aus : Börs.-Bl. für d. Dtsch. Buchh. 1897, N. 24). L., Ramm & Seemann. 23 S., 1 Portr. - 135) C. N y r o p , Ved 
det Miloske Jubilaenm 12. Sept. 1898. Bidrag til Dansk Boghandels historie. Festschr. Odense, Mi loske Bogtr. 4». 117 S. u. Beil. 

— 136) Mrs. Oliphant, Annais of a Publishing house. William Blackwood and his sons, their magazine and friends. Vol. 1,3. 
(Vol. 3 unter d. Titel: John Blackwood by his d.iughter Mrs. Gerald Porter.) Edinburgh & London, Blackwood. 1897 — 98. XV, 522 S.; 
IX, 514 S.; XI, 435 S. Sh. 63. - 137) X G. Du val, Nouvelles recherches sur Antoine VÄrard et sa famille: BBiblioph. 1898, S. 526-32, 
593-606. — 138) Adressbnch d. Dtsch. Buchhandels n. d. verwandten Geschäflszweige. Jg. 60. 1898. Mit d. Bildnissen A. Berg- 
straessers n. W. Volkmanns. L., Börsenverein. XI, 786, 496 S. u. Beil. M.l 2,00. — 139) Neues Adressbuch d. Dtsch. Buchhandels. 
1898. L., Fiedler. 10, 5, 349, 82, 10, 34, 110, 32 S. M. 4,00 ~ 140) O Adressbnch für d. Buch-, Kunst- u. Musikalienh.mdel 
d. öslerr.-ung. Monarchie, mit e. Anh.: Oesterr.-ungar. Zeitungs-Adressbnch. Her. v. M. Perles. Jg. 33. 1898-99. Wien, 
Perles. VII, 370 S. M. 6,40. — 141) Börsenbl. für d. Dtsch. Buchh. u. d. verwandten Geschäftszweige. Red. v. M. Evers. 
Jg. 65. 1898. Bd. 1/4. L., Börsenver. 40. 10034 S. M. 20,00. — 142) Oesterr.-ungar. BnchhündlerCorresp. Organ d. Ver. d. öst.-ung. 
Bnchhändler. Red. v. C. Junker. Jg. 39. 1898. Wien, Ver. d. öst.-uBg. Buchh. 4». 768 S. M. 16,00. - 143) Allg. Buohhandler- 
Zg., verb. mit „d. Verlag". Jg. 5. 1898. L., C. Müller. 4». 52 Nrn. M. 6,00. — 144) Buchhändler-Warte. Nachrichten d. Allg. 
Vereinig. Dtsch. Buchhandlnngs-Gehilfen. Jg. 1. 1897-98. B., Fr. Weber. 464 S. M. 3,90. — 145) Neue Verlagskataloge : 
Börsenbl. für d. Dtsch. Buchh. 65, 1898, No. 200, 203, 209. - 146) X Th. Goebel, D. grossen dtsch. Verlagsanstalten. I. D 



P. Schwenke, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. I3:i47-i64 

Antiquariatskataloge darf jetzt auf die zum Teil mit Auszügen versehenen Ver- 
zeichnisse im Beiblatt der Zeitschrift für Bücherfreunde verwiesen werden. — lieber 
die auslcändischen Bücherauktionen, unter denen die des dritten Teils der Ashburnham- 
Bibliothek den ersten Ka.ng einnahm, berichten der englische und amerikanische Book- 
prices-current^^^-^^ä) und die oben angeführte Revue biblio-iconographique. — Einige 
allgemeine Bemerkungen über das englische Auktionswesen giebt von Schlei nitz^*®). — 
Auch Wh e a 1 1 e y s'^^) Buch über Preise, namentlich der älteren englischen Litteratur, 
bezieht sich grösstenteils auf die Auktionen. — Bei uns kommen nur die Autographen- 
versteigerungen in Betracht, über die Fischer von Röslerstamm^5i-i52-) berichtet. — 
Autor- und Verlagsrecht. Ueber die Fragen des Autorrechts 
orientiert fortlaufend das Organ des Berner Bureaus^^aj — qj^ bezüglichen Ver- 
hältnisse in der Schweiz stellt Röthlisberg'er ^^) dar und giebt zugleich eine 
statistische Skizze der geistigen Produktion des Landes, des Bibliothekswesens usw., 
wobei er zur Forderung einer guten Landesbibliographie gelangt. — Brandis'^^^ 
verlangt grösseren Schutz der Titel, ausgehend von dem Prozess um den Titel 
„Modenwelt". — Für die Geschichte des Verlagsrechts wichtig sind die aktenmässigen 
Mitteilungen, die Voigtländer^se^ über die Entstehung der bezüglichen Paragraphen 
des Preussischen Landrechts macht , darunter namentlich ein ausführliches Gutachten 
Fr. Nicolais. 157) — 

Bibliographie. Tn einer Zeit, in der die litterarische Produktion 
überhaupt und besonders die Hervorbringung kleinerer Arbeiten in Zeitschriften und 
Sammelwerken ungeheuer zunimmt, wendet sich naturgemäss der Verzeichnung 
dieser Produktion, der Bibliographie im engeren Sinne, erhöhtes Interesse zu. ^^^) 
Trotzdem bestehen noch die grössten Meinungsverschiedenheiten über Aufgaben, 
Umfang und Art der Verzeichnung. Einige hierauf bezügliche Fragen erörtert 
Stein •s^-ißoj |fj (j^j^ Einführungsartikel seines „Bibliographe moderne" in der Absicht, 
auf die Schaffung allgemein gültiger Regeln in der Bibliographie hinzuwirken. St. hat 
ferner im „Manuel de bibhographie generale" ein sehr nützliches Handbuch geschaffen, 
durch das Petzholdts vielfach veraltete Bibliotheca bibliographica grösstenteils ersetzt 
wird.. Er verzeichnet die allgemeinen. National- und Fach - Bibliographien und 
bibliographischen Hülfsmittel, oft mit kritischen und den Inhalt erläuternden Zusätzen, 
unterscheidet sich von Petzholdt aber dadurch, dass er Veraltetes und durch andere 
Veröffentlichungen Ueberholtes weglässt. Beigefügt sind Verzeichnisse der Druckorte, 
der Indices von Zeitschriften und der gedruckten Kataloge grösserer Bibliotheken. 
Die deutschen Werke sind mit einer bei einem französischen Verfasser ungewöhn- 
lichen Vollständigkeit und Sorgfalt berücksichtigt. — 

Zu zahlreichen Erörterungen über allgemeine Fragen der Bibliographie 
Anlass gegeben zu haben, ist ein Verdienst des rührigen Institut international de 
bibliographie '^i), das man zugestehen muss, auch wenn man die beabsichtigte 
Schaffung- eines Universalrepertoriums der gesamten geistigen Produktion für 
unmöglich oder unnötig, und das Decimalsystem, mit dem das Institut steht und 
fällt, für verfehlt und schädlich hält. Leber seine Thatigkeit und seine Ziele ersieht 
man Näheres aus dem Bulletin. Ein Werk des Instituts sind auch die Conferences 
bibliogTaphiques „internationales", von denen die zweite 1897 in Brüssel stattgefunden 
hat '62-i63j^ Wenn dort so gut wie kein Widerspruch erfolgt ist, so darf daraus nicht 
auf eine internationale Anerkennung geschlossen werden. Erfolge hat die Agitation 
des Instituts in Oesterreich und Italien gehabt, wo als Vorkämpfer Junker '^^), 



Bibliograph. Institut in Leipzig: ZBücherfreunde. Jg. 2, Bd. 2, 189S-99, S. 371-86. — 147) Book-prices current: a record of the 
prices at which boolts liare been sold at auction. Vol. 11. Dec. 1896 — Nov. 1897; Vol. 12. Dec. 1897 lo the close of the seagon 
1898. London, E. Stock. 1898. 624, 738 S. ä »h. 27 V». — 148) L. S. Livingston, American book-prices current. Record of 
books, mss. and autographs s()fd at anction in NYorV, Boston and Philadelphia. Vol. 4. Sept. 1, 1897—98. New York, Dodd, 
Biead * Co. 1898. 516 S. Sh. 24,00. — 149)0. t. Schleinitz, Schlnssbetracht. z. englischen Versteigernngssaison: ZBücher- 
freunde. Jg.l,Bd.J, 1897—98, S. 381/3. — 150) H. B. Wheatly , Prices of books. An inquiry into the changes in the price of books 
wliich have occnrred in England at different perioda. (= Tho Library Series ed. by R. Gar nett. IV.) London, G. Allen. 1893. XVI, 
275 S. Sh. 6. — 151) E. Fischer v. Röslerstamm, D. letzt, grossen Autographen-Auktionen in Deutschland: ZBücherfreunde. 
Jg. 1, Bd. 1, 1897—98, S. 361,7. - 152) id.. Vom dtsoh. Antographenraarkt: ib. 2, Bd. 1. S. 216/9. - 153) Le Droit d'antenr. 
Organe offlciel du Bureau de l'Union internationale ponr la protection des ueuvres litteraires et artistiques. Ann. 10/1. 1897 - 98. 
Berne, Impr. Collin. 1897-98. 4^ XVI, 144S.; XVI, 148 S. ii Fr. 5,60. — 154) E. Röthiisberger, Geist. Eigentum u. geist. 
Produktion in d. Schweiz. (Ver. d. Schweiz. Presse.) Bern, Schmid A Francke. 1898. VUI, 120 S. M. 1,50. — 155) W. Brandis, 
R«chtsschntz d. Zeitungs- u. Bfichertitel. E. Beitr. t. ungen&genden Bekämpfung d. unlauteren Wettbewerbs durch d. Gerichte. 
B., Lipperheide. 1898. 88 S. JI. 1,00. — 156) R. VoigtUnder, D. Verlagsrecht im Preuss. Landrecht u. d. Einflnss t. Friedrich 
Nicolai darauf: AGDBnchhandel. 20, 1898, S. 4-06. — 157) X P- Rodelle, Des rapports jnridiqnes entre les autenrs et les editeurs. 
Paris, A. Rousseau. 1898. 285 S. Fr. 5,00. — 158) X F""- Campbell, The theory of national and international bibliography. London, 
Library Bureau. 1896. 15, 500 8. Sh. lO'/i. (Zusammenstell, t. Artikeln aus The Library; vgl. JBL. 1896 1 3:220/1.) — 
159) H. Stein, Fragments d'une theorie generale de la bibliographie: Le bibliogr. mod. 1, 1897. S. 5-15. — 160) id., Manuel 
de bibliographie generale. (= Manuel de bibliographie bistorique II.) Paris, Picard * Als. 1897. XX, 895 S. Fr. 18,00. — 
161) Bulletin de llnstitnt international de bibliographie. Ann. 1. (1895— 96j - 3. (1898.) Bruielles, Inst, intern, de bibl. 335, 
263, 234 S. ä Fr. 10,00. — 162j C. Junker, D. zweite interaat. bibliograph. Konferenz: MGeogrGesWien. 40 (NF. 30j, 1897, 
S. 854-60. - 163) P. Bergmans, La denxieme Conference bibliogr. de Bruielles: Le bibliogr. mod. 1, 1897, S. 192-200. 
— 164) C. Junker, E. allg. bibliogr. Kepertorium u. d. erste internat. bibliogr. Konferenz in BrfiBsel 1895. Decimal-Index 



I 3:165-184 P. Schwenke, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. 

J e 1 li n e k i*^^), C h il o v i •««), de M a r c h i i^^) thätig- gewesen sind. ^^^) In Frank- 
reich hat, sich eine Pariser Gruppe des Instituts gebildet, obgleich eine Reihe der 
kompetentesten Persönlichkeiten, Delislei«^), Polaini^"), Langlois i^»), Stein^'^), 
Funck-Brentano •"'S-i'*), sich entschieden gegen die Brüsseler Bestrebungen aus- 
gesprochen haben. Die beiden letztgenannten betonen, dass die Aufg-abe der Biblio- 
graphie nicht in der einfachen Aneinanderreihung- und Anhäufung- von Titeln 
besteht die bei einer Universalbibliographie mit Buchung- sämtlicher Zeitschriften- 
aufsätze ja eine ganz ungeheure werden muss, sondern vielmehr in der kritischen 
Sichtung des Materials. — Gegen Funck-Brentano hat sein Landsmann Marcus e^'^^j 
für das Decimalsystem Partei genommen und versucht, eine Subdivision für die 
Geschichte Frankreichs aufzustellen. Für den Unbefangenen beweist er damit 
freilich nur die Unmöglichkeit, ein derartiges Gebiet unter einer einzig-en Nummer 
944 unterzubringen. Hier tritt eben der Amerikanismus des Systems sehr viel mehr 
hervor als in den exakten und Natur- Wissenschaften. Auf dem Gebiet der letzteren, 
das indes diesem Bericht ferner lieg-t, ist es in der That von einigen Bibliographien 
angenommen worden, während es für das von der Royal Society in London an- 
geregte grosse internationale Unternehmen einer mathematisch-naturwissenschaftlichen 
Bibliographie ^''^) abgelehnt worden ist. — In Deutschland hat das Decimalsystem 
eine ablehnende Kritik, speziell vom bibliothekarischen Standpunkt aus, durch 
Joachim*") erfahren. — Positiver fasst die Frage D z i a tz k o '"'^j in seinem 
Vortrage über die modernen Bestrebungen einer Generalkatalog-isierung. Nach einer 
Würdigung- des auf diesem Felde bibliothekarisch und bibliog-raphisch Geleisteten 
verlangt er zunächst Katalogisierung der Bücherbestände der einzelnen Länder nach 
möglichst gleichmässigen Grundsätzen. Erst in zweiter Linie steht, die Plerstellung 
möglichst vollständiger laufender Fachbibliographien unter internationalem Zusammen- 
wirken und auf Grund eines international festgestellten Systems (nicht des Decimal- 
systems). Ihre nach rückwärts reichende Ergänzung, das eigentliche „Universal- 
repertorium", sieht er als die letzte, noch im weiten Felde stehende Aufgabe an. Mit 
seinen Ausführungen berühren sich zum Teil diejenigen Funck-Brentanos (N. 173). — 
Die - laufende Bücherproduktion Deutschlands wird in der bekannten musterhaften 
Weise von der H i nrichs sehen Buchhandlung '■'^"•^*) in Leipzig- verzeichnet. Es 
muss anerkannt werden, dass die Redaktion der Verzeichnisse sich bemüht, ausser 
den ihr zunächst zur Verfügung stehenden Veröffentlichungen des Buchhandels auch 
die nicht in den Handel gekommene Litteratur aufzunehmen. Aber es ist eine That- 
sache, dass sich immer noch viel mehr als man glaubt an privaten, Vereins- und 
amtlichen Veröffentlichungen und an kleinen Drucken von lokalem Interesse der 
Verzeichnung- entzieht. Als Ergänzung sind daher die unten anzuführenden lokalen 
Bibliographien unentbehrlich. — Von den zusammenfassenden Bibliographien ist 
das jetzt vierjährig-e K ay s e r sehe '^2) Bücherlexikon für 189.1—94, dessen Be- 
ginn im vorig-en Bericht notiert wurde, abg-eschlossen und mit einem Sach- 
und Schlagwortregister versehen worden. — Einer solchen Einrichtung erfreut 
sich schon länger der „fünfjährige PI i n r i chs" '^3)^ von dem die Periode 1891—95 
erschienen ist. — Von den Schlagwortregistern dieser Bücherlexika unterscheidet 
sich Georgs ^^*) Schlagwortkatalog dadurch, dass er die ganzen Titel, allerdings in 
möglichst gekürzter Form, mit Verlag, Jahr und Preis anführt, also ein doppeltes 
Nachschlagen entbehrlich macht. — Beim Suchen nach den Schriften eines bestimmten 

010. (= PnH. de rinst. intern, de bibliogr. [6]). Wien, Holder. 1896. 34 S. M. 1,00. — 165) A. L. Jellinek, E. Encyklopädie 
d. Wissenschaften: ZBücherfreunde. Jg. 1, Bd. 1, 1897, S. 200-10. — 166) D. Chilo vi, I cataloghi e l'Istituto internazionale di 
bibliografla 1/2. Firenze, Bocca. 1897. 42, 26 S. Fr. 2,00. — 167) Ij- de Marchi, Relazione d. commissione norainata in 
seguito alla conferenza di Firenze snlla classifioazione decimale, 21.-22. sett. 1897. (Assoz. tipogr.-libr. ital. in Milano.) Milano, 
tip. J. Pagnoni. SS. — 168) X M. Castille, Una gran adquisiciön para la bibliografla moderna. La clasificaciön decimal 
Dewey: Hol. de archivos, bibliot. y mnseos. 1896, S. 68-72. — 169) L- Delisle, Decimal Classification by M. Dewey etc.: 
JSav. 1896, S. 155-70. - 170) A. Polain, Le Systeme decimal en bibliographie et les publications de l'office international 
de bibliographie: RBibl. 6, 1896, S. 05-82. — 171) Ch. V. Langlois, A propos de llnstitut international de bibliographie: 
R. Internat, d. archives, d. bibl. et d. mns. Bibl. 1, 1895-97, S. 97-125. —172) H. Stein, L'Institnt Internat, de bibliographie et 
le projet de bibliogr. universelle: Le bibliogr. mod. 1, 1897, S. 121/5. — 173) Fr. Funclt - Brentano, Les problfemes 
bibliogr.-iphiqnes et leurs Solutions: RDM. 4. Per., T. 145, 1898, S. 175-99. — 174) id., L'office Internat, de bibliographie et la 
Classification decimale: Corr. bist, et archeol. 3, 1896, S. 33-46. — 175) E. Mareuge, L'office Internat, de bibliographie et 
la Classification decimale: ib. S. 65-74. — 176) Internat, catalogue of scientific literatnre. Report of the Coramittee of 
the Royal Society of London with schednles of Classification. London, Harrison & Sons. 1898. 32 S. u. Beil. — 177) J. 
Joachim, D. Brüsseler (Melvil Dewey'sche) Decimalsystem: Samml. bibl.-wiss- Arb. Hft. 10, 1896, S. 73/8. — 178) K. 
D ziatzko, D. mod. Bestreb, o. Generalkatalogisierung: ib. Hft. 11, 1898, S. 90-113. — 179) Wöchentl. Verz. d. erschienenen u. d. 
vorbereiteten Neuigkeiten d. dtsch. Buchhandels. Nach d. Wissensch. geordnet. Nebst Monatsregistern. Jg. 55/7. 1896 — 98. 
Jj., Hinrichs. 1389, 1461, 1415 S. ä M. 7,50. — 180) Vierteljahrs-Kat. d. Neuigkeit, d. dtsch. Buchhandels. Nach d. 
Wissensch. geordnet. Mit alph. Reg. Jg. 51/3. 1896-98. L., Hinrichs. 905, 952, 959 S. M. 7,50; 8,10; 8,00. (Wird 
auch in Sonderausgaben nach d. einzelnen Fächern ausgegeben.) — 181) Verz. d. im dtsch. Bachhandel neu ersoh. n. 
neu aufgel. Bücher, Landkarten, Zeitschr. etc. Her. v. d. Hlnrichsschen Buchhandl. in Leipzig. 1896, Halbj. 1/2; 1897, 
Halbj 1/2; 1898, Halbj. 1/2. (Hinrichs Halbjahrskat. Forts. 196-201.) L., Hinrichs. 1896-99. 854, 284; 812, 266; 869, 294; 852, 315; 
872, 300; 832, 296 S. äM.8,50. — 182) Chrn. G. Kaysers Vollständ. Bücher-Lexikon Bd. 28, 1891—94. Bearb. v. 0. Wetze 1. 
L.-Z. ; Sach- u. Schlagwortreg. v. A.Dresselu.A.Hilbert. L., Tauchnitz. 1896. 4». 1066, 370 S. M. 24,00. — 183 ) H i n r i c h s 
Fünfjtthrs-Katalog d. im dtsch. Buchhandel ersch. Bücher, Zeitschr., Landkarten etc., bearb. v. H. Weise. Bd. 9, 1891—95. 
Ttelverz. Bd. 1/2 u. Sachreg. L., Hinrichs. 1896. 1482, Ö48 S. M. 100,00. — 184) K. Georgs Schlagwort-Katalog. Verz. d. 



P. Schwenke, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. I 3:i85--»io 

Autors leisten Kürschners '*'^) deutscher und K e i t e r s '^) katholischer Litteratur- 
kalender g-ute Dienste. — Die stark angeschwollene weibliche Bücherproduktion hat 
Sophie P a t a k y i^^) in einem stattlichen Schriftstellerinnenlexikon zusammen- 
getragen. — Lieber die bis zum Ende dieser Berichtsperiode erfolglosen Versuche, 
eine allgemeine österreichische Bibliographie zu stände zu bringen, und über die 
dort vorhandenen bibliographischen Veröffentlichungen berichtet Junker^^). — 
Von den sonstigen laufenden National- und Landesbibliographien kommt an dieser 
Stelle nur die der Schweiz 's^) in Betracht. — Eine Auswahl der wichtigsten 
Erscheinungen des Auslandes giebt die Bro c k ha us seh e^^^) Allgemeine Biblio- 
graphie. — Ueber die von den offiziellen Katalogen des Buchhandels grösstenteils 
ausgeschlossenen Universitäts- und Schulschriften unterrichten die nützlichen Monats- 
berichte von F o c k ^^V)! ausführlicher und zuverlässiger die Jahresverzeichnisse '^^^^^^j 
der Berliner Königlichen Bibliothek. — Eine Ergänzung zu diesen nach rückwärts 
bildet Milkausiö*) Verzeichnis der Bonner Universitätsschriften bis 1885 mit einer 
lesenswerten Einleitung. — Nach dem Muster des deutschen Jahresverzeichnisses 
haben auch die Schweizerischen ITniversitäten ^^^) begonnen, ein solches über ihre 
Schriften herauszugeben. 196-199-) — gj^ zweites grosses Gebiet, das unsere Bücher- 
lexika nicht berücksichtigten können, bildet der Inhalt der immer mehr zunehmenden 
periodischen Litteratur. Die Engländer und Amerikaner besitzen seit längerer Zeit 
mehrere Unternehmungen 2oo-203j^ welche diese Lücke ausfüllen wollen, wenn sie 
auch den Forderungen, wie sie Campbell -*'* ) und C o t g r e a v e ^o») stellen, nicht 
genügen. Ihnen ist nun, von 1896 beginnend, auch Dietrichs-''®) Bibliographie 
der deutschen Zeitschriftenlitteratur gefolgt, die im zweiten Jahrgang bereits den 
Inhalt von 400 Periodicis nach Schlagworten g'eordnet verzeichnet und geeignet ist, 
vorzügliche Dienste zu leisten. Es ist dringend zu wünschen, dass das Unternehmen 
durch weite Verbreitung die nötige pekuniäre Unterstützung erhält, damit es sich 
ohne ängstliche Rücksicht auf Raumökonomie und Druckkostenersparnis entwickeln 
kann. — Dem deutschen ist von 1897 an ein analoges französisches Unternehmen 
von J r d e 1 1 -''') gefolgt, das bei dem Eifer, mit dem jetzt in Frankreich deutsche 
Litter aturgeschichte betrieben wird, hier gleichfalls der Beachtung empfohlen sei. — 
Von Fachbibliographien, die den Gegenstand dieser Jahresberichte betreffen oder 
ihm nahestehen, ist zunächst die Fortsetzung' der sorgfältigen Neubearbeitung von 
Goedekes ^os) Grundriss zu nennen. Die erschienenen Hefte behandeln noch 
die Zeit der Romantiker. — Bezüglich speciellerer bibliographischer Veröffent- 
lichungen zur neueren deutschen Litteraturgeschichte kann auf die einzelnen Ab- 
schnitte der JBL. verwiesen werden. Doch seien Ba h 1 m a n n s209-2io^ biblio- 



B&cher n. Landkarten in sachl. Anordn. Bd. 2, 1388—92. Hannover, Lemmermann. 1893. 1328 S. M. 54,00. — lg5) J. 
Kürschner, Dtsch. Litt. -Kai. anf d. J. 1896-1898. Jg. 18-20. L., Göschen. 1582, 1638, 1642 Sp. n. je 2 Bildn. ä M. 6,50. 

— 186) H, Kelter, Kath. Litt.-Kalender. Jg. 5. Regensbnrg, Keiter.- 1897. IV, 275 S. n. 4 Portr. M. 2,70. — 187) 
Sophie Fataky, Lexikon dtsch. Franen d. Feder. E. Znsammenst. d. seit d. J. 1840 erschien. Werke weibl. Autoren, nebst 
Biograph, d. Lebenden n.e.Verz.d.PseBdonyme. Bd. 12. B.,Pataky. 1898. XVI, 527 S; 546, 72 S. - 188) O.Junker, Ueb. d. Stand 
d. Bibliogr. in Österreich. Bericht erstattet d. 2. internat. bibliogr. Konferenz. [01.09 (436)] Wien, Holder. 1897. 23 S. M.0,80. 

— 189) Bibliogr. n. litter. Chronik d. Schweiz. Bibliographie et chronique litteraire de la Suisse. Jg. 26,8, 1896 — 98. 
Basel, Georg & Co. 224, 200, 124 Sp. ä M. 3,00. — 190) Allg. Bibliographie. Monatl. Verz. d. wichtigeren neuen Erschein, d. dtsch. 
u. ausländ. Litter. Red.: 0. Kistner. Jg. 1896—98. L., Brockhaus Sort. ä 12 Nrn. ä M. 1,50. — 191) Bibliogr. Monatsber. 
Ob. neu erschien. Schul- n. Uniyers.-Schriften. Mit syst. Sachreg. Jg. 7 9, 1893— 96 bis 97— 98. L., Fock. 1896—98. 160,43; 176,45; 
156, 43 S. ä M. 3,20. — 192) Jahres- Verz. d. an d. dtsch. Universitäten erschien. Schriften. 10;3. 15. Aug. 189 1-95 bis 97— 98. 
B., Asher & Co. 1895-98. 310, 344, 361, 321 S. M. 8,00; 9,00; 10,00; 10,00. — 193) Jahres- Verz. der an d. dtsch. Schnlansl. 
erschien. Abbandl. 7/9, 1895—97. ebda. 1896—98. 44,77,80 8. ä M. 2,40. - 194) F. Milkau, Verz. d. Bonner Universitätsschr. 
1818- 85. Im Auftr.d. Bonner Univ.-Bibl.zusammengest. Bonn, Fr. Cohn. 1897. XXIV, 440S. M. 10,00. — 195) Jahresverz. d. Schweize- 
rischen Universitätsschr. Catalogue des eerits acad. snisses. 1897 — 93. Basel, Schweighanser. 1898. IV, 63 S. — 196) X F- 
Eich 1er, Zu Korns Schrift: „D. Disputationen n. Promotionen usw.": CBlBibl. 14, 1897, .S. 179-83. — 197) X id., D. Autorschaft 
d. akad. Disputationen. T. 1/2: Samml. bibl.-wiss. Arb. Hft. 10, 1896, S. 24-37; Hft. 11, 1893, S. 1-40. — 198) X J. Gutenäcker 
u. E. Renn, Verz. d. Progr. u. Gel. -Schriften, welche an d. Kgli Bayer. Lyceen, Gymn. u. Lateinschulen erschienen sind. Abtl. 5, 
7889-90 bis 1894- 95. Progr. Landshut, Krnll. 1896. 69 S. M. 1,35. — 199) X O Verz. d. in d. Programmen d. Österreich. Gymnasien, 
liealgymn.u. Realschulen üb. d.Schnlj. 1894—95 bis 1896—97 verölfentl. Abhandl.: Verordn.-Bl. für d. Dienstber. d. österr. Minist, für 
Kultus n. Unterr. 1895—97, Beilage. — 200) W. F. P o o 1 e , Indei to period. literatnre. 3d suppl. 1892- 96 by W. J. F 1 e t o h e r and F r. 
U. Pool ewiththe Cooperation oftheAmer. Library Assoc. BostonANew York, Houghton, Miffliu 4 Co. 1897. XIX, 637 S. Doli. 10,00. 

— 201) W. J. Fletcher & R. R. Bowker, The annoal literary index inclnding periodicals, American and English, essays, book- 
chapters etc., wilhauthor-index, bibliographies, necrology . . . 1895—1897. New-York, Pnblishers Weekly. 1896—98. 259, 244 
u. 253 S. k Doli. 3,50. — 202) (Miss Hetheri ngton), Index to the periodicals of 1895, 1896, 1897. (The Review of Reviews.) 
London, Kev. of Reviews. 1896-98. 4». 282, 226 S. ä Sh. 10. — 203) O Cleveland Public Library. Cnraulative index 
to a select list of periodicals: .inthors, subjects, titles, reviews, portraits. Vol. 1 (1896), 2 (1397). Cleveland, Publ. Libr. 
1897—93. 4». 384, 636 S. — 204) F. Campbell, The bibliography of periodical liter.iture: Library 8, 1896, S. 49-64. — 
205) A. Cotgreave, An Index to the Contents of general and periodical literature: ib. 9, 1897, S. 270/5. — 206) (F. 
Dietrich), Bibliogr. d. dtsch. Zeitschr.-Litt. Bd. 1/2. Alphabetisches nach Schlagworten sachlich geordn. Verz. t. ca. 
S500 (15000) Aufsätzen, die währ. d. J. 1896 (1897) in ca. 275 (400) zumeist wissenschaftl. Zeitschr. dtsch. Zunge erschienen 
sind. L., Frd. Andreä's Nchflg. 1897-98. 4». 184, XIV u. 32 S. Aut.-Beg.: 232 u. 46 S. M. 7,50; 10,00. - 207) D. Jordell, 
Repert. bibliogr. des principales revnes fran^aises ponr l'a. 1897. (= Beil. zu Cat. annnel de la libr. fran9ai8e.) Paris, P. Lamm. 
1898. 210 S. Fr. 10,00. — 208) K. Goedeke, Grundriss z. Gesch. d. dtsch. Dicht. 2. neu bcarb. Aufl., fortgef. v. Edni. 
Goetze. Heft 15/9 = Bd. 6, S. 113-822; Bd. 7, S. 1-192. L., Dresden, B., Ehiermann. 1896-98. ii M. 4,20. — 209) P. 
Bahlmann, D. Erneuerer d. antiken Dramus u. ihre erst, dramat. Versuche. 1314 — 1478. E. bio-bibliogr. Darstell, d. 
Anfänge d. modern. Dramendicht. Münster, Regensberg. 59 S. M. 2,00. — 210) id., Jesuiten-Dramen d. niedeirhein. 

Jahreslierichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte. IX. (1)~ 



I 3:211231 P. Schwenke, Schrift- imrl Buchwesen. 180R, 1097, 1898. 

graphische Arbeiten über dramatische Werke der Humanisten und über die Jesuiten- 
dramen der rheinischen Ordensprovinz, ein Verzeichnis der zahlreichen, aber nur in 
wenigen Exemplaren erhaltenen Aufführung-sprog-ramme, besonders angeführt. ^H) — 
Von verwandten Fächern kommen die Bibliographien der germanischen und romani- 
schen Philologie2'2-2i5') j^ Betracht. — Die zuletzt von Blau^'^) herausgegebene 
Bibliotheca philologica ist mit dem Jahrg-ang 1897 eingegangen. — In den histo- 
rischen Fächern 2 'f -219^ ist als neue Erscheinung zu nennen Be 1 1 el h e im s^20) 
„Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog", das zwar auf eine Bil)liographie 
der behandelten Personen verzichtet, aber ein jährliches Verzeichnis der bio- 
graphischen Litteratur von Luther ^'•^i) bringt.222) — Jn seiner Bibliotheca g'eographica 
Germaniae, enthaltend die Litteratur, soweit sie sich auf Deutschland im ganzen 
bezieht, fasst P. E. Richter^^S) den Begriff der Landes- und Volkskunde im weitesten 
Sinne. Jedoch ist der Abschnitt „Geistige Kultur" etwas mag'er ausgefallen, wohl 
aus der begründeten Besorgnis, hier zu sehr in die selbständigen Gebiete der poli- 
tischen, Litteratur-, Kunst- und Kirchengeschichte überzugreifen — Endlich sei 
erwähnt das systematisch geordnete, auf selbständige Werke beschränkte Ver- 
zeichnis der philosophischen Litteratur ^24) und K ehr b a c h s 22'^) fast zu weit an- 
gelegte Bibliographie des deutschen Erziehungs- und Unterrichtswesens mit ausführ- 
licher Inhaltsangabe der verzeichneten Werke und Artikel. 220») _ 

Die lokale Bibliog'raphie ist, wie bereits angedeutet, eine besonders wert- 
volle Ergänzung unserer sonstigen bibliographischen Hülfsmittel, weil sie in der 
Lage ist, eine Menge kleines Material zu sammeln, das sich sonst der Beachtung 
ganz entzieht. Sie sollte deshalb von den historischen und geographischen Orts- und 
Pro vinzial vereinen noch mehr gepflegt werden als bisher geschieht. Wenn auch die 
Organe der meisten derartigen Vereinigungen eine Rubrik für die in ihr Gebiet ein- 
schlagende Litteratur führen, gehen doch nicht alle wirklich systematisch vor. Für 
Ost- und Westpreussen hatte bisher R e i c k e226) ein alphabetisches Jahresverzeichnis 
der auf die Provinzen bezüglichen oder von einheimischen Autoren verfassten 
Schriften gegeben. Mit Ausschluss der letztbezeichneten Kategorie wird diese Biblio- 
graphie seit 1896 von W. M e y e r 22'?) jm Auftrage dos Vereins für Geschichte von 
Ost- und W'estpreussen in systematischer Anordnung und bedeutend grösserer Voll- 
ständigkeit fortgeführt. Diese Jahreshefte schliessen sich gleichzeitig an an Rauten- 
bergs 228) ebenfalls systematisch geordnetes Verzeichnis der über Ost- und West- 
preussen bis 1895 erschienenen Zeitschriftenaufsätze, durch das der Inhalt der pro- 
vinzialen Periodica erst eigentlich erschlossen worden ist. 229) — Parts chs230) 
Litteratur der Landes- und Volkskunde von Schlesien, deren Plan etwas mehr nach 
geographischen als nach historischen Gesichtspunkten entworfen ist, lieg't jetzt ab- 

feschlossen vor. Es fehlen nur noch die Nachträge und das Register. — Zur landes- 
undlichen und historischen Litteratur des Königreichs Sachsen bringt P. E. 
Richter23i) einen Nachtrag seit 1894.232) _ Der als erste Hälfte einer braun- 




Ordensprovinz: CBlBibl. 15. Beiheft. L., Harrassowitz. 1896. IV, 351 S. M. 15,00. — 211) X G- C. Keidel, Roniance and 
other stndies. N. 2. A manual of Aesopio fable Hterature, a flrst book of reference for the period ending a. d. 1.500. 
Fase. 1. Baltimore, Friedenwald Co. 1896. 76 S. Doli. 0,75. (Wertlos.) — 212) JB. üb. d. Erschein, auf d. Gebiete d. 
german. Philol., her. v. d. Ges. für dtsch. Philol. in Berlin. Jg. 17/9 für 1895—97. Dresden n. L., Beissner. 1896-98. 
391, 409, 388 S. ä M. 9,00. — 213) F. Menty, n. A. Braunholtz, Bibliogr. 1892: ZRPh. 17, 1893, Suppl.-Heft. 
Halle, Niemeyer. 1897. 181 S. M. 6,00 (Abonn. 3,00.) — 214) A. Schulze, Bibliogr. 1893 n. 1894: ib. Bd. 18 n. 19, 1894 n. 1895. 
Snppl.-Heft. Halle, Niemeyer 1897—98. 285, 249 S. ii M. 8,00. (Abonn. M. 4,00.) - 215) id., Ueber einige Hülfsraittcl 
französ. Bibliogr.: ASNS. 99, 1897, S. 100-20.— 216) Bibliotheca philologica od. vierteljährl. System. Bibliogr. d. auf d. Gebiete 
d. klass. Philol. u. Altertumswiss., sowie d. Xeuphilol. neu ersch. Schriften u. Zeitschr -Aufsätze, unter Mitw. t. Fr. Kuhn her. 
V. A. Blau. Jg. 49-50 (NF. 11/2), Jg. 1896-97. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht. 1896-98. 364, 365 S. M. 6,60 u. 7,20. 
— 217)XA. Potthast, Bibl. historica medii aeTi. Wegweiser durch d. Gesch. -Werke d. enrop. MA. bis 1500. 2. Aufl. Bd. 
1/2. B., W. Weber. 1896. CXLVII, 1749 S. M. 48,00. — 218) X JB d. Gesch.- Wissensch. Jg. 17. 1894, her. v. J. 
Jastrow; Jg. 18, 19, 1895-96, her. v. E. Berner. B., Gaertner. 1896-98. XX, 135, 436, 338, 268 S. ; XVIII, 206, 431,328, 
286 S.; XVIIl, 280, 512, 317, 352 S. M. 30,00; 30,00; 32,00. — 219) X 0. Masslow, Bibliogr. z. dtsch. Gesch. 1895-97: DZG. 
NF. 1, 2. n. Hist. Vjs. 1 (Beilage). 164, 155, 156 S. — 220) Biograph. Jb. n. dtsch. Nekrolog., her. v. A. Bettel he im. Bd. 
1/2. B., Keimer. 1897—98. 77, 463: 55, 468 S. ii M. 12,00. — 221) J- Luther, Uebersicht d. Bibliogr. d. biogr. Litt. 1896. 
1897: Biogr. Jb. u. dtsch. Nekrolog. 1, 1897, S. 54* -77*; 2, 1898, S. 1*— 55*. - 222) X 0. Baschin, Bibliotheca geographica. 
Her. V. d. Ges. für Erdkunde zu Berlin. Bd. 2/4. Jg. 1893-95. B., Kühl. 1896-98. XVI, 383; XVI, 402; XVI, 
411 S. ä M. 8,00 — 223) P. E. Richter, Bibl. geographica Germaniae. Litt. d. Landes- u. Volkskunde d Dtsch. Reichs. 
L., Engelraann. 1896. X, 841 S. M. 22,00. Antoren-Reg. 1897. 54 S. M. 2,00. — 224) Bibliographie d. ges. philosoph. Litt. 
1895-97: A. syst. Philos. 2, 1896, S. 521-94; 3,1897,8.521-92; 4,1898, S. 529-624. - 225) D. gesamte Erz- u. Unterrichtswesen in d. 
Ländern dtsch. Zunge. Bibliogr. Verz. n. Inhaltsangabe d. Bücher, Aufsätze... her. v. K. Kehrbach. Jg. 1. 1896. B., llarr- 
witzNachfl. 1896-98. 1242, 32 S. M. 20,00. — 225 a) Alphabet. Verz. d. in Kloss Bibliographie d. Freimaurerei und Tautes 
nianrerischer Büoherknnde angeführten anonymen Schriften. München, Ackermann. 95 S. M 2,40. —226) R Reicke, Alt- 
preuss. Bibliogr. (Beilageheft z. AHprMschr.) für 1894-95. Königsberg, Beyer. 1396—97. 66, 64 S. ä M. 3,00. — 227) 
W. Meyer, Altpreuss. Bibliogr. für d. J. 1896 u. 1897. Im Auftr. d. Ver. für Gesch. v. Ost- u. Westpreussen zn- 
sammengestellt. (S.-A. aus AltprMschr. Bd. 35.) ebda. 37 S. M. 1,00. — 228) 0. Rautenberg, Ost- u. Westpreussen. 
B. Wegweiser durch d. Zeitschriftenlitt. (= Publ. d. Ver. für Gesch. t. Ost- u. Westpreussen.) L., Duncker & Hum- 
Wot. 1897. 4 Bl., 161 S. M. 4,80. - 229 X J- N. Weisfert, Biograph.-litt. Lexikon für d. Haupt- u. Residenzstadt Königs- 
berg u. Ostpreussen (2. Ausg.). Königsberg, Bons Buchh. 1898. V, 259, VI S. M. 3,00. (Ganz ungenügend.) — 230) J. Partsch, Litt, 
d. Landes- u. Volkskunde d. Prov. Schlesien. Hft. 4/6. Ergänzungshefte z. 73.-75. JB. d. Schles. Ges. für vaterlftnd. Kultur. 
Breslau, Aderliolz. 1896-98. S. 267-444. a M. 2,00.-231) P. E. Richter, Litt. d. Landes- n. Volkskunde d. Kgr. Sachsen. 



P. Schwenke, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. I 3:232 243 

schweigischen Bibliographie 238) ausgeg-ebene Band ist lediglich ein anastatischer 
Neudruck der 1889 — 91 in den Jahresberichten des Vereins für Naturwissenschaft in 
Braunschweig' veröffentlichten Stücke und enthält nur Mathematisch -Naturwissen- 
schaftliches. — Zwei weitere Nachträg-e zu A ck er m an n s^^*) Litteratur des ehe- 
maligen Kurfürstentums Hessen enthalten zum g-rossen Teil iältere, bisher über- 
sehene Litteratur, darunter auch vieles Handschriftliche. — Die laufende (kur)hessische 
Geschichtslitteratur verzeichnet Lohmeyer 235^ alphabetisch mit Anmerkungen und 
Auszügen. — Ein Stück aus der lokalen Litterärgeschichte Ingolstadts, die schrift- 
stellerische Thätigkeit der Jesuiten, die 1550 — 1773 an der dortigen Universität 
lehrten, behandelt Ro m s t ö c k^^ß). Die Aufzählung ihrer vielen Theses, Dis- 
putationes usw. ist kaum geeig'net, den Vorwurf litterarischer Bedeutungslosigkeit, 
der von Planck geg"en sie erhoben war, zu entkräften. — He y d s^^"^ ausgezeichnete 
Bibliographie der Württembergischen Geschichte ist mit dem lokal- und personal- 
historischen Teil abgeschlossen. In letzterem sind bei den einzelnen behandelten 
Personen kurze biographische Notizen beigefügt, so dass hier zugleich ein beachtens- 
werter Ansatz zu einer "Württembergischen Biographie vorliegt. — Die laufende 
BibliogTaphie der Württembergischen Geschichte und Landeskunde liefert wie bisher 
Steiff-38). — Auch in Baden ist eine sehr weit angelegte historische und landes- 
kundliche Bibliograph ie239j in Angriff genommen. Der erste Teil behandelt auf 
Grund der Materialien in der Karlsruher Hof- und Landesbibliothek Staat, Verwal- 
tung, Recht, Kirche, Finanzen, Kriegswesen und ist mit den erschienenen zwei 
Bänden abgeschlossen. — Die laufende badische Geschichtslitteratur wird jährlich in 
der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins verzeichnet ^^o), auch unter Berück- 
sichtigung von Zeitschriftenaufsätzen. — In ähnlicher Weise wird ebendaselbst von 
M a r c k w a 1 d-*') die elsässische Litteratur bearbeitet. — Von der ausserordentlich 
specialisierten Bibliographie der Schweizerischen Landeskunde 2*2) sind eine Anzahl 
weiterer Abteilungen erschienen, unter denen die Verzeichnung der Gesellschafts- 
schriften, Zeitungen und Kalender besonders hervorzuheben ist. — Holders'-43) 
Bibliographie für den Kanton Freiburg' enthält die auf den Kanton bezüglichen 
und die von einheimischen Autoren herrührenden Schriften. — Sehr nützlich und als 
provinzielle Vorarbeit für ein deutsches Anonymenwerk beachtenswert ist Hittmairs24*) 
Arbeit über die Verfasser der anonymen Salisburgensien, der erste Teil nach den 
Autoren, der zweite nach den anonymen Stichwörtern geordnet. — Die livlän- 
dische Geschichtslitteratur stellt wie bisher Poelchau2*5) zusammen. — Wegen 
der vielfachen Beziehungen der deutschen Litteratur zu Dänemark ist hier aus 
Bruuns246) Bibliotheca Danica die Abteilung Personalhistorie anzuführen, welche 
die bezüglichen Schriften bis 1830 zusammenstellt. — Die Bibliographie einzelner 
Personen gehört, soweit diese von litteraturgeschichtlicher Bedeutung sind, in die 
einzelnen Abschnitte dieser JB. Als von allgemeinem Interesse seien hier erwähnt 
der erste Teil von Van der Haeghen s247) fast übergenauer Bibliotheca Erasmiana, 
enthaltend die Ausgaben und Uebersetzungen der Adagia, ferner Finslers^*») 



Nachtr. 3. (Beil. z. 26. Jahresber. d. Ver. für Erdkunde.) Dresden, Hnhle. 1898. 77 S. M. 0,80. — 232) X D- ü**- Leipzig. Ulnstr. 
Hdb. d. ■ Schriftsteller- n. Gelehrten weit, d. Presse u. d. Verlagsbuchh. in Leipzig. L., Fiedler. 1897. 304 8. M. 3,00. — 
233) Brannsohweigische Bibliogr. Verz. d. anf d. Landeskde. d. Herzogst. Brannschw. bezQgl. Litt. Bearb. n. her. vom Ver. für. 
N.itnrwiss. zn Brannschweig. 1. Hälfte: Bibliogr. d. Litt.; LandesTermessnng; Landesknndl. Gesamtdarst. ; Landeunatur 
Braunschweig, Schnlbuchhdl. 1897. XI, 513 S., 1 Kte. M. 9,00. — 234) K. Ackermann, Repertorinm d. landeskundl. Litt- 
für d. Reg.-Bez. Kassel. Nachtr. 7 u. 8. Kassel, Selbstyerl. 1896-97. 9 u. 37 S. M. 0,40; 1,00. — 235) E. Lohmeyer, Verz. neuer 
Hessischer Litt.: MVHessG. 1896, S. 1-LXIl; 1897, S. I-LXIX; 1898, S. I-LXXIL — 236) F. S. Rom stock, D. Jesuitennullen 
Prantls an d. Universität Ingolstadt u. ihre Leidensgenossen. E. bibliogr. Studie. Eichstätl, Brönner. 1898. Vlll, 521 S. M. 10,00. 
— 237) W. Heyd, Bibliogr. d. Württemberg. Gesch. Im Anftr. d. Württemb. Komm, für Landesgesch. bearb. Bd. 2. St., 
Kohlhammer. 1896. VIII, 794 S. M. 5,00.-238) Steiff, Württemberg. Litt. Tom J. 1895-97: Württemb. Jbb. 1896, S. IX- 
XXVIII; 1897, S. IX-XXVIII; 1898, S: IX-XXIV. — 239) Badische Bibliothek. Systemat. Zusammenst. selbständ. Druck- 
schriften über d. Markgrafschaften, d. Kurfürstent. u. Grossherzogt. Baden. I. Staate- u. Kechtskunde. Bd. 1/2. Karlsruhe, 
Bielefeld. 1897-98. XII, 432 S. M. 10,00. — 240) Badische Gesch.-Litt. d. J. 1895. Zusammengest. t. H. 1 s e n b a r t ; 1896 v. A. 
Werminghoff n. A. Winkelmann; 1897 v. A. Winkelmann: ZQORh. 50 (NF. 11), 1396, S. 467-96; 51 (NF. 12\ 1897. 
S. 529-55; 52 (NF. 13), 1898, S. 482-505. — 241) E. Marckwald, Elsäss. Gesch.-Litt. d. J. 1894-95 u. 1896: ib. 
51 (NF. 12), 1897, S. 280-352; 52 (NF. 13), 1898, S. 302-56. - 242) Bibliogr. d. Schweizerischen Landeskunde. Her. r. d. 
Centralkomm. für Schweiz. Landeskunde. Bern, Wyss. Fase. I b. Bibl. d GeseHschaftsschriften, Zeitungen u. Kalender 
V. J. L. Brands tett er. 1896. XIX, 302 S. M. 3,00; Fase. II d. Landesvermessung, Karten, Pläne n. Panoramen. Red. v. 
J.H.Graf. Gen.-Reg., Ergänzungen u. Nachtr. 1896. S. 491-712. M. 3,00; Fiisc. IV 6. Fauna helvetica. Hft. 2: Seen- 
fanna v.F.Zschokke. 1897. 24 S. M. 0,60; Hft. 5: Reptilien u. Amphibien v. H. Fi s c h e r - S i g w a rt. 1898. 27 S. M. 0,80: 
Hft.6: MoHusken V. Th. Stnder, G.Amstein, A.Brot. 1896. 12 S. M. 0,60; Hft. 9: Crustacea etc. v. J. Henssler u. and. 
1893. 26 S. M. 0,80; Fase. V 8. Gesundheitswesen v. Fr. Schmidt. Hft. 1: Allgera. u. Gesundheitsverhältn. 205 S. M. 3,00; Fase. 
V9c. Fischerei. 1898. 57 S. M. 1,20; Fase. V 10 e«. Bibliogr. d. evang.-reform Kirche. Hft. 1 : D. dtsch. Kantone v. G. Finsler 
1896. 77 S. M. 2,00. — 243) K. Holder, Bibliogr. für d. J. 1895, 1896-97, 1897-98: FreiburgerGBU. Jg. 3, 1896, S. 119-30; 
Jg. 4, 1897, S. 162-74; Jg. 5, 1898, S. 209-19. — 244) A. Hittmair, Die Verfasser anonymer Salisburgensien I, II: MGSalz- 
burgL. 37, 1897, S. 237-86; 38, 1898, S. 153-93. - 245) A. Poelchau, D. livländ. Gesch.-Litt. i. J. 1895, 1896. 1897. Riga, 
Kymmel. 1896-98. III, 76 8.; 2 Bl., 139 S.; 2 Bl., 59 S. ä M. 1,00. — 246) C. Bruun, Bibliotheca Danica. Hft. 9 (= Bd. 3, 
Sp. 934-1590). Personalhistorie. Kjöbenhavn, Gyldendal. 1896. 4". (Auch separat ausgeg.) — 247) F. Van der Haeghen 
Bibliotheca Erasmiana. Bibliographie des oenvres d'Erasme. (I.j Adagia. (Extr. de U Bibliotheca Belgica.) Gand, Vyt. 1897. 
579 S. — 248) G. Finsler, Zwingli-Bibliogr. Verz. d. . gedr. Schriften v. u. über Zwingli. Her. durch d. Stiftung 

(1)2* 



I 3:249.274 P. Bchwenke, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. 

Zwingli-Bibliügraphie und Meisners^«) auf langer Sammelarbeit beruhende Ver- 
zeichnung- der vielen kleinen von E. M. Arndt herrührenden Schriften. 200-251) — 

Z e i t u n g- s w e s e n. Als seltenes Beispiel einer genauen Verzeichnung 
der Zeitungslitteratur ist das bezügliche Heft der oben (N. 243) angeführten Biblio- 
graphie der Schweizerischen Landeskunde zu nennen. Gleichzeitig hat der Verein 
der Schweizer Presse ein Sammelwerk ^52) herausgegeben, in dem neben all- 
gemeineren Aufsätzen zur Geschichte der Zeitungslitteratur die bestehenden ein- 
heimischen Zeitungen und Zeitschriften verzeichnet, und Nachrichten und Bemerkungen 
über einzelne gegeben werden. — Von Lundstedts '^^'^) vorzüglichem Werk über 
die schwedische periodische Litteratur ist ein weiteres Heft erschienen. — Nicht auf so 
systematischer Sammelarbeit beruhend, aber doch sehr reichhaltig sind die Ver- 
zeichnisse elsass-lothringischer Zeitungen und Zeitschriften, die L i b 1 i n^s^-j ^jj^j andere 
zusammengestellt haben, darunter die Bestände der Pariser Nationalbibliothek und 
der neuen Strassburger Stadtbibliothek. — Auf die Notwendigkeit eines solchen Ver- 
zeichnisses für Hamburg weist nachdrücklich Ko w al e w s k i^S'^) hin, indem er 
selbst Material von 1616 ab beibringt. — Das Zeitungswesen von Hamburgs 
Schwesterstadt Altona, das Wedekind^^^) behandelt, beginnt mit der Gründung 
der Stadt um die Wende des 17. und 18. Jh. — Weiter zurück, bis 1640, 
verfolgt Stieda257) das Zeitungswesen Mecklenburgs. Doch sind dauernde Unter- 
nehmungen dort erst in der ersten Hälfte des 18. Jh. (in Rostock, Schwerin 
und Wismar) geschaffen worden. — Mit 1749 beginnen Göbls^^S) Mitteilungen 
über die Zeitungen in Würzburg. — Der 2. Hälfte des 18. Jh. gehören die 
Naussauischen Intelligenzblätter, namentlich das Dillenburger, an, über die Z e d 1 e r^^'-*) 
archivalische Forschungen angestellt hat. — Der einzigen noch jetzt bestehenden 
alten Berliner Zeitung, der „Vossischen", deren Anfänge bis 1704 zurückgehen, 
widmet Bachmann^^O) eine kurze historische Skizze. — Zum 50 jährigen 
Jubiläum des „Kladderadatsch" erhalten wir in einer Sammelschrift ^f»') seine Grün- 
dungs- und Entwicklungsgeschichte auf Grund vorhandenen Quellenmaterials und 
persönlicher Ueberlieferung, und Mitteilungen über seine hauptsächlichen Mit- 
arbeiter 262j, — Die Geschichte der etwas älteren Münchener „Fliegenden Blätter" 
wird von von Boettiche r^^s) behandelt. 264-266^ — lieber die gegenwärtig in 
Deutschland und Oesterreich erscheinenden Zeitungen geben die bisherigen Hülfs- 
mittel Auskunft. 2ö'~72-) _ 2um Zeitungsvertrieb macht von Kupffer2''3) in einem 
Aufsatz über das Berliner Post-Zeitungsamt interessante Mitteilungen. — 

Bibliothekswesen: Allgemeines und Verwaltung. Von 
Graesels bekannten Grundzügen der Bibliothekslehre ist eine französische Ueber- 
setzung von Laude2''4) erschienen, die wegen der vielfachen Verbesserungen und 
Zusätze des Autors und des Uebersetzers selbständigen Wert hat. — Das gleich- 
zeitig veröffentlichte Handbuch von Maire-''^) ist besonders auf französische Ver- 



Schnyder y. Wurtensee. Zürich, Orell Fössli. 1897. X, 187 S. M. 4,00. — 249) H. Meisner, E. Arndt-Bibliogr. : ZBüchorfreunde. 
Jg. 1, Bd. 2, 1897-98, S. 433;S n. 471/4. — 250) X M. G e y e r , Z. Bibliogr. Flemings : ScliönburgischeGBll. 2, 1893-96, S. 16.5,9. — 251) 
X Bibliogr. Übersicht über d. Schriften v. Dr. Joh. Jak. Merlo. Her. v. d. Stadtbibl. in Köln. Köln, Du Mont- 
Schanberg. 1896. VI, 26 S. M. 0,80. — 252) D. Schweizer Presse. Her. v. Ver. d. Schweiz. Presse. La Fresse Suisse etc. 
Bein, Jent & Co. 1S96. VIII, 523 S. Fr. 12,00. — 253) B. Lundstedt, Sveriges periodiska litteratur. 11. Stockholm 
1813—94. Stockholm, Klemming; L., Harrassowitz. 1896. 324 S. M. 10,00. — 254) J. L i b 1 i n u. and., Notes et docunients 
pour servir ä l'hist. de la presse en Alsace-Lorraine: BAIsace. 47 (NouvS. 10), 1896, S. 289-304, 433-53; 43 (NS. 11), 1897, 
S. 32/8, 234-42, 527-35. - 255) G. Kowalewski, Hamburgs period. Litt. u. d. Herausgabe e. Verz. über dieselbe: ZVHambG. 
10, 1896—99, S. 273-88. — 256) 0. Wedekind, Z. Gesch. d. Zeitungswesens bei Begründ. d. Stadt Altona: MVHambG. 6, 

1895, S. 229-38. — 257) W. S t i e d a , D. Anfänge d. period. Presse in Mecklenburg: AGDBnchhandel. 19, 1897, S. 60-178. — 
258) S. Göbl, Z. Gesch. d. Presse in Würzbnrg bis z. J. 1815: AHVÜnterfrankon. .S8, 1896, S. 201-73. — 259) G. Zedier, 
D. Intelligenzbll. d. Nassanischen Fürstentümer: AnnVNassauG. 29, 1897-98, S. 93-114. - 260) H. Baohmann, Gesch. d. 
Voss. Zg.: Beitrr. ?.. Knlturgesch. v. Berlin. Festschr. d. Korpor. Berl. Buchh., 1898, S. 200-19. — 261) D. Kladderadatsch 
u. seine Lente 1848-98. E. Kulturbild. B., Hofmann & Co. 2 Bl., 304 S. M. 5,00. — 262) X F- ▼. Zobeltitz, Z. 
Gesch. d. Kladderadatsch: Beitrr. z. Kultnrgesch. v. Berlin. Festschr. d. Korpor. Berl. Buchh., 1898, S. 173-99. - 263) G. 
Boetticher, D. Mflnchener „Fliegenden Blätter" u. ihre Gesch.: ZBücherfreunde Jg. 2, Bd. 2, 1898-99, S. 343-62. - 264) X •^■ 
H. Graf u. H. Türler, Hist. Kalender oder d. Hinkende Bote. Seine Entsteh, u. Gesch. Bern, Stämpflische Buchdr. 1896. 
103 S. M. 5,20. — 265) X C. Angermayer jun., Gesch. d. „Pressburger Zg." (magyar. u. dtsch.). Pressburg, Angermayer. 

1896. 23 S. M. 0,75. — 266) X W. P. Sautijn Kluit, Het Algeraeen Handelsblad v. 1828-65: Geschiedenis d. Neder- 
landsche dngbladpers tot 1813. (= Bijdragen tot de geschiedenis v. d. nederlandsche boekhandel. D. 7, Afl. 1.) Amsterdam, 
V. Kampen * Zoon. 1896. 284 S. Fl. 2,00. — 267) Preisliste d. durch d. Kaiser!. Post-Zeitungsamt in Berlin u. d. Kaiserl. 
Postanst. d. Reichs-Postgebiets zu beziehenden Zeitungen, Zeitschrr. usw. J. 1896-98. B., Post-Zgs.-Amt. Fol. 390, 
400, 415 S. u. Nachträge, ä M. 6,00. — 268) Preis-Verz. d. in d. österr.-ungar. Monarchie erschein. Zeitungen u. period. 
Drnckschr. Bearb. t. d. k. k. Postamts-Zeitungsarate I in Wien. 1896-98. Wien, Waldheim. 4». VII, 245 S.; VII, 
264 S. ; VII, 273 S. u. Nachträge, ii M. 2,00. — 269) H. 0. Sperling, Adressbuch d. dtsch. Zeitschrr. n. d. hervorrag. 
polit. Tagesbll. Jg. 37/8. 1896-98. St., Sperling. 1896-98. 185, 122, 137 ; 190, 119, 153 S. ä M. 4,00. — 270) i d., Kleiner Zeitsehrr.- 
Katal. Alphab. Verz. aller Zeitschrr. u. d. wichtigsten polit. Tagesbll. Mit Ang. d. Redakteur- u. Verlags- Adressen, Er- 
scheinungsweise, Preis u. Tendenz d. polit. Tagesbll. Jg. 1. 1896. ebda. 138 S. M. 1,00. (Anscheinend nicht weiter er- 
schienen.) — 271) 0. Gracklaner, Dtsch. Jonrnal-Katal. für 1896-98. Jg. 32/4. L., Gracklaner. 1895-97. 84 S.; 
85n.24S. ; 109 S. M. 1,35; M. 1,00; M. 1,00. - 272i O X !>• dtsch. Presse. Verz. d. im Dtsch. Reich erscheinenden Zeitungen 
(Amts-, Lokal- u. Anzeige-Blätter, polit. Ztgen.). 6. Aufl. Forbach, Albrecht. 1896. IV, 195 S. M. 1,50. — 273) H. 
V. Kupffer, D. Kaiserl. Post-Zeitungsamt in Berlin: Beitrr. z. Knlturgesch. t. Berlin: Festschr. d. Korpor. Berl. Buchh., 
1898, S. 264-79. - 274) A. Graesel, Manuel de bibliothöconomie. Edition franyaise rerue par l'auteur et considerablement 



P. Schwenke, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. I 3 : 275-300 

hältnisse zugfeschnitten. Von allgemeinerem Interesse ist das beig^egebene erklärende 
Verzeichnis der Termini technici des Buchwesens, sowie die Zusammenstellung- 
der Reg-lements für die französischen l'niversitätsbibliotheken. — Eine Reihe 
von selbständigen Schriften über alle Zweige des Bibliothekswesens will 
Garn et ts^'«) Library Series liefern. Das darin enthaltene Werk über Bibliotheks- 
verwaltung' von Ma cf ar lan e^^'') behandelt den Gegenstand ganz vom englischen 
Standpunkt, speciell von dem des British Museum aus. Mit Ausnahme der Biblio- 
theque nationale werden ausländische Bibliotheken wenig berührt. ^'S) _ lieber die 
mannigfachen neuen Forderungen, welche die gegenwärtige Zeit an die Bibliotheken 
stellt, handelt Gra s s a ue r^"^). — Eine grosse Alenge von Einzelfragen de.> 
Bibliothekswesens werden in den oben (N. 3 ff.) angeführten, mehr oder weniger auch 
das allgemeine Buchwesen berücksichtigenden Zeitschriften erörtert, besonders aber 
in dem mehr als jene dem eigentlichen Bibliothekswesen, seinen Zielen und Mitteln 
gewidmeten amerikanischen Library Journal ^^o), dem sich neuerdings in England 
Library World -s') anschliesst. — Auch die Verhandlungsgegenstände der 2. inter- 
nationalen Bibliothekskonferenz 282-282» j^ die übrigens fast ausschliesslich aus englischen 
und amerikanischen Bibliothekaren bestand, bewegten sich in dieser Richtung, die, 
wie M i 1 k a u ^^^) hervorhebt, dadurch charakterisiert wird, dass sie neben der 
früher ausschliesslich gepflegten Technik die Diskussion über die allgemeinen Ziele 
der Bibliothek und ihre Beteiligung an der Volkserziehung in den Vordergrund 
stellt. — Es ist dies die Aufgabe der Free Public Library. Ihre Geschichte inner- 
halb Englands und ihren Stand in den einzelnen Städten stellt Ogle^^*) dar. ^s» 2b6j 

— Auf ihre dortige Entwicklung sind die amerikanischen Verhältnisse von grossem 
Einfluss gewesen. Dieselben skizziert Bonfort^s") in der Absicht, in Deutschland 
zur Nachahmung anzuregen. — Hier hat die allgemeine Bildungsbibliothek immer 
noch nicht die wünschenswerten Fortschritte gemacht. Ueber das, was in dieser Be- 
ziehung erreicht ist, giebt N ö r r e n b e r g ^^^) eine gute Uebersicht. — Unter den 
Schriften und Aufsätzen, welche die deutsche Bibliotheksbewegung zu fördern be- 
stimmt sind, ist hervorzuheben die von A s c hr 1 1^^«), der nachdrücklich für Ein- 
greifen der Gemeindeverwaltung plädiert, und von Jeep '^^^), der ausgehend von den 
Verhältnissen in Charlottenburg für die Gründung* leistungsfähiger Centralbibliotheken 
eintritt im Gegensatz zu der vielfach, so z. B. auch in Berlin, beliebten Errichtung- 
kleiner selbständiger Büchersammlungen in verschiedenen Stadtgegenden. 29 1^294^ — 
Zur Begründung imd Verwaltung von Volksbibliotheken geben Wiegan d295) und 
Bube296) praktische Anleitungen. 29^-299-) — jrQr die deutschen wissenschaftlichen 
Bibliotheken ist Kl e 1 1 es^*'*') einst anonym ausgegebene Schrift über die Selb- 
ständigkeit des bibliothekarischen Berufs von grosser Bedeutung gewesen. Der 
Vf. hat sie jetzt neu ausgehen lassen, mit Zusätzen versehen und vermehrt 
um zwei Aufsätze, die zum Teil auch älteren Ursprungs zu sein scheinen und den 
gegenwärtigen deutschen Bibliotheksverhältnissen nicht durchaus gerecht werden. 
Er verlangt eine Organisierung des gesamten Bibliothekswesens unter staatlicher 

:uigmentee. Trad. de J. L a u d e. Paris, Welter. 1897. XIX, 628 S., 4 Taf. Fr. 12,50 — 275) A. Mai re, Manuel pratique da biblio- 
thßcaire. Biblioth^qnes pnbliqnes, bibliotheqnes nnirersitiiires, bibliotheqnes privees. P.iris, Picard & fils. 1896. 600 S. Fr. 12,00. — 
276) (= N. 150, 277, 284, 304.) — 277) J.Macfarlane, Library Administration. (= Tlie Library Series ed. by R. Garnett. IH ) London, 
Allen. 1898. XI, 244 S. M. 6,00. — 278) G. Biagi, Questioni nrgenti di biblioteconomia: RiBiblioteche. 9, 1898, S. 113-25. (Bespricht 
d. erst. Bände d. Library Series.) — 279) F. Grassauer, Ziele u. Aufgaben d. mod. Bibliothekswesens; CBlBibl. 13, 
1896, S. 239-47. — 280) The Library Journal. Official organ of the American Library Association. Cliiefly devoted to library 
econoray and bibliography. Vol. 21/3. 1896—98. General Inde.x to 1-22. 1876-97. NewYork, Pabl. Office. 1896—98. 
732, 793, 709, 130 S. ä .Jg. Doli. 5,00. — 281) The Library World. A medium of intercommunication for librarians. Vol. 1. 
1898—99. London, Library Sapply Co. 1899. 264 S. Sh. ö'/s. — 282) Transactions and proceedings of the 2nd international 
Library Conference held in London, July 13—16, 1397. London, print. for members of the Conference. 4". IX, 288 S. — 
282 a) The second International Library Conference, July 13-16, 1897: Library 9, 1897, S. 285-96. — 283) Fr. Milk an, 
D. 2. Internat. Bibliothekar-KxJngress in London: CBlBibl. 14, 1897, S. 454-73. — 284) John J. Ogle, The free library, its 
history and present condition. (= The Library Series 1.) London, Allen. 1897. XX, 344 S. Sh. 6. — 285) X H. VV. 
Fovargne, The adoption of the public libraries acts in England and Wales. (The Library Association Series.) London, 
Simpkin. 32 S. Sh. >/,. — 286) X E. Schnitze, Engl. Volksbibl. (Public Libraries): AZg". 1898, N. 229, 230. — 287) 
H. Bonfort, D. Bibliothekwesen in d. Vereinigten Staaten. Hamburg, Seippel. 1896. 44 S. M. 0,75. — 288) 0. Nörren- 
berg, D. Bücherhallen-Beweg. im J. 1897: ComeniusBU. 6, 1898, S. 35-58. (Auch separat: Vorträge u. Aufsätze aus d. 
ComeniusGes. Jg. 0, St. 2. B., Gärtner. 24 S. M. 0,75.) — 289) P. F. A s c h r o 1 1 , Volksbibl. u. Volkslesehalle, e 
koraninnale Veranstalt. B., Liebmann. 1896. 66 S. M. 1,00. — 290) E. Jeep, Centrale Volksbibl. Vortr. Charlottenburg, 
Münch. 1896. 22 S. M. 0,30. — 291) X C Nörrenberg, Bücher- u. Lesehallen. Ansz. aus e. Vortrage: ComeniusBU. 5, 1897, 
S. 50/3. — 292) X id. , Wissensch. u. populäre Bibll. (= Päd. Reform. 1897, N. 36.) Hambnrg-Eimsbattel, Köhncke. US. 

— 293) X id-. Neues Leben in dtsch. Bibll.: MagdZg». 1898, N. 31,2. — 294) X E. Reyer, Leistung d. dtsch. Volksbibl.: 
CBlBibl. 13, 1896, S. 30/3. (Statistik namentlich aus Sachsen n. Württemberg.) — 295) L. Wiegand, D. dtsch. Volksbibl. 
nebst e. Verz. bewährter Volksschriften. Hilchenbach, Wiegand. 1897. 64 S. M. 0,60. — 296) W. Bube, D. ländl. Volks- 
Bibl. E. krit. Wegweiser u. Mnsterkatalog nebst Grundstöcken u. Winken z. Einriebt, u. Leit. 2. Aufl. B., Trowitzsch 
* Sohn. 1897. 116 S. M. 1,20. — 297) O X K- Boss, Öffentl. Bücher- u. Lesehallen. (Lehrerver. für d. Pflege d. künstler. 
Bildg., Jugendschriften-Ausschuss, Hamburg.) Hamburg, Boysen. 1897. YII, 64 S. M. 0,.ö0. — 298) OXJNiessenu. 
P. S 1 1 z , D. kath. Schfilerbibl. E. Ratgeber für d. Einriebt, n. Verwert. y. Schülerbibl., nebst e. Verz. mit Inhaltsang. u. 
Benrt. d. besten Volks- u. .lugendschriften. Rheydt, Kirschbaum. 1897. III, 82 S. M. 0,75. — 299) X H. Herold, 
Jagendlektüre n. Schülerbibl. unter Berücksicht. d. Zeitverhältn. Mit Auswahl u. Inhaltsangabe guter Jugendschrifteu u. e. 
Vorworte ?. L, Keller. 2. Aufl. Münster, Schöningh. 1898. 12«. Vll, 168 S. M. 1,50.-300) A. Klette, D. Selbständigkeit 



I 3:301-324 P. Schwenke, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1890. 

Aufsicht und die Verschmelzung- der Gymnasial- und Stadtbibliotheken. — lieber 
die wissenschaftliche Grundlag-e des bibliothekarischen Berufs und über die Vor- 
bildung- des Bibliothekars handeln zwei Schriften von E i c h 1 e r^^r ^02^ ^j^^l ^[-^ Yq^,. 
trag von F r an k f u r t er^os). — Ein zusammenfassendes Werk über den. Bau und 
die innere Einrichtung der Bibliothek hat B u r g o,y n e^o-*) füj. ,]ie Library Series 
geliefert, mit einer grösseren Anzahl von Abbildungen und Plänen, freilich haupt- 
sächlich nach englischen und amerikanischen Bauten. — Einzelne dahin gehörige 
Fragen behandeln B e r g h ö f f er^'^-^^^o^) und D ü r i n g ='07-)^ (]gp seine früheren Aus- 
züge aus Patentschriften und der technischen Journallitteratur fortsetzt. — Eine auf- 
fallend reichliche Erörterung hat die Technik des Bibliotheksumzuges durch Maas-'****), 
List^o^) und Maire^io) erfahren. - Auf die Notwendigkeit, die Bibliotheken mehr 
als jetzt der Fall ist, feuersicher unterzubringen, weist T hu d ic h u m^^i) hin. — 
Einer anderen Gefahr für die Bibliotheken, dem Bücherwurm, hat ' C o n o r^^^) ein 
eigenes Schriftchen gewidmet. Er unterscheidet sieben Coleopterenarten, deren 
Larven die Bücher in der bekannten Weise schädigen. — Auf die Dringlichkeit 
von Massreg'eln zur Erhaltung der bedrohten ältesten und wertvollsten Hss. hin- 
gewiesen zu haben ist das Verdienst des Präfekten der Vaticana Ehrle^is). — Ijie 
wichtige Frag-e der Dotierung wird für die grossen preussischen Bibliotheken von 
H ac k r a d t'^'*) einer Prüfung unterzogen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass trotz 
der beträchtlichen Steigerung- der Aufwendungen, namentlich zu persönlichen Zwecken, 
die Ausstattung der sächlichen Fonds immer noch ungenüg-end ist. — Gegen die 
Ablieferung von Pflichtexemplaren seitens der Verleger ist im preussischen Ab- 
geordnetenhause von neuem Sturm g-elaufen worden. Die dort vorgebrachteji 
Argumente widerlegt Frank e^'^). — Für die Anlegung des alphabetischen Zettel- 
katalogs hat K u k u 1 a^^^) eine zunächst für Prag bestimmte, aber auch auf all- 
gemeinere Benutzung berechnete Instruktion herausgegeben, die indes von ver- 
schiedenen Seiten für verfehlt und übereilt erklärt worden ist. — Eine Schrift über 
Katalogisierung- von Daruty deGrandpr e^^'^) ist zu erwähnen, weil sie eingehender 
vom Format der Bücher handelt, ^'s) _ Die Hülfsmittel, die für die bei der alphabetischen 
Katalogisierung und bei bibliographischen Arbeiten überhaupt wichtige Ermittelung 
der fehlenden oder abgekürzten Vornamen gebraucht werden können, stellt Lau e^i«) 
zusammen. — Ueber das System des Realkatalogs und der Bücheraufstellung- wird 
schwer eine Einigung- zu erzielen sein. Brown^^oj gjebt eine Uebersicht über die 
verschiedenen Systeme, nicht ohne selbst ein neues hinzuzufügen, das er adjustable 
Classification nennt und das durch freien Raum für Einschübe einer Weiter- 
entwicklung mit den wissenschaftlichen Bedürfnissen nicht zu sehr präjudiziert.^^i 22^ 
— Für den Schlagwortkatalog, der bei uns noch wenig' üblich ist, hat die American 
Library Association ^^^) ein nützliches Hülfsmittel geschaffen, das in 2. Auf lag-e vor- 
lieg-t. — Als eine wesentliche Förderung- für die Nutzbarmachung der Bibliothek gilt 
der Katalog-druck. Turner324) bespricht eine interessante Wandlung der An- 
schauung-, die in dieser Beziehung namentlich in Amerika eingetreten ist, indem man 
an Stelle der schnell veraltenden vollständigen Kataloge periodische Veröffentlichungen 
setzt, die besser geeignet sein sollen, zur Benutzung- anzuregen. — Auf andere Weise 



d. bibliothekar. Bernfes in Deutschland als Qrnndlage e. »11g. Bibl.-Reform. Jubil.-Ausg. Marburg, Elwert. 1897. VIII, 79 S. 
M. 1,60. — 301) F. Eichler, Begriff u. Aufgabe d. Bibl.-Wiss. Vortr. L., Harrassowitz. 1896. 32 S. M. 1,00. — 302) 
id., Bibliotheltspolitilt am Ausgange d. 19. Jh. ebda. 1897. 4 Bl., 23 S. M. 1,00. — 303) 8. Frankfurter, D. 
Qualifikation für d. staatl. Bibliotheksdienst in Oesterreich. Vortr. Wien, Holder. 1898. 31 S. M. 0,60. — 304) F. .1. 
Burgoyne, Library construction, architecture, fittings and furnitnre. (= The Library Series II.) London, Allen. 1897. XX, 
336 S. Sh. 6. — 305) Ch. Berghöffer, Ueber d. Ordnung d. raod. Bibliothekebaues u. einige neuere Ausstattungsmittel: 
BFDH. NF. 12, 1896, S. 306-21. - 306) id., Bewegl. Repositorien: OBlBibl. 13, 1896, S. 152/7. - 307) H. 
Dfi ring, Bibliothekstechn. Mitteil.: ib. 14, 1897, S. 27-38, 65-74. — 308) G. Maas, Bibliothekumzüge. E. bibliothektechn. ^tndie. 
L., Hiersemann. 1896. 31 S. M. 1,60. [[F. Mentz: CBlBibl. 14, 1897, S. 120/4.]| — 309) W. List, üebersiedeinng d. Kais. 
Univ.- u. Landesbibl. in Strassburg i E. in d. Neubau: CBlBibl. 13, 1896, S. 145-.52. — 310) A. Maire, Comraent proceder 
ponr demenager une bibliothfeque de plus de 100000 volumes: ib. 15, 1898, S. 260-71. — 311) F. Thudicbnra, Feuer- 
sicherheit d. dtsch. Bücherschätze: AZg^. 1898, N. 87, S. 5/6. — 312) J. F. X. O'Conor, S. J., Facta about bookworms, their 
history in Hterature and work in libraries. London, Senkung; New-York, Harper. 1898. 87 S. Sh. 7'/«. — 313) Fr. Ehrle, 
Ueber d. Erhalt, u. Ausbesser, alter Hss.: CBlBibl. 15, 1898, S, 17-33. — 314) A. Hackradt, D. Leistungen Preussens für 
seine Bibliotheken u. d. Bedürfnisse derselben: ib. 14, 1897, S. 437-53. — 315) J. Franke, D. Pflichtexempl.Tre in d. Sitzung 
d. preuss. Abgeordn.-Hanses vom 16. Mirz 1898: ib. 15,1898, S. 482-90.— 316) B. Kukula, Arats-Instruktion für d. Ausarbeit, 
d. Zettelkataloges d. k. k. Oeffentl. u. Univ.-Bibl. in Prag. Prag, Univ.-Bibl.; L., Harrassowitz. 1897. 63, VII, IV, III S. 
M 3,00. |[J. Meyer: MÖsterrVerBibIW. Jg. 1, 1897, N. 2/3, S. 27-43 u. separ.; F. Milkau: CBlBibl. 15, 1898, S. 20.3/7.]! — 
317) I>aruty de Grandpre, Yademecum du bibliothecaire, ou regles prati((nes pour la redaction des catalogues et le 
olassement des volnmes suivies d'nne instrnction raisonnee sur le format des livres. Paris, Paul & Als & Gnillemin. 1897, 
IV, 64 S. Fr. 3,00. — 318) X E- Kuhn n. H. Schnorr v. Carolsfeld, D. Transskription fremder Alphabete. L.. 
Harrassowitz. 1897. 15 S. M. 1,20. — 319) M. Laue, Ueber Vornamenermittelnng: CBlBibl. 13, 1896. S. 114-23. — 320) J. 
D. Brown, Mannal of library Classification and shelf arrangement. London, Library Supply Comp. 1898. 160 S. Sh. 4. ~ 
321) X !'• S. Jast, The Dewey Classification in the reference library and in an open lending library: Library 8, 1896, 
8. 333-53. — 322) X T. W. Lyster, Some observations on the Dewey notation and classiflcition, as applied fo the 
arrangement of books on library shelves: ib. S. 482-90. — 323) List of subject headings for use in diotionary catalogs, prepared 
by a committep of the American Library Association. 2nd ed. revised. Boston. Library Burean. 1998. 206 8. Doli. 2,00. 324) 



P. Schwenke, KSchrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. I .3:325-348 

sucht man eine bessere Ausnutzung- des Katalogdrucks zu erzielen, indem man die 
Bestände mehrerer Bibliotheken zusammenfasst. Dahin gehört, wenigstens in seiner 
ursprünglichen Gestalt, der Plan eines (Jesamtkatalogs der preussischen Staats- 
bibliotheken. Im Hinblick darauf hat MilkauS^s) die in Betracht kommenden 
Verhältnisse wie überhaupt die ganze Frage des Titeldrucks einer eingehenden Er- 
örterung- unterzogen und auf Grund einer kritischen Würdigung der bisher in dieser 
Richtung- gemachten Versuche einen Arbeitsplan für das g-rosse und schwierig-e 
preussische Unternehmen aufgestellt. — Nicht so schwierig denkt sich die Sache 
Bonnang-e326), der von 1896 bis zur Weltausstellung einen Gesamtkatalog der fran- 
zösischen Bibliotheken herstellen wollte: natürlich eine reine Llopie. — Eine einzelne 
wichtige Materie hat man in Oesterreich in Angriff genommen durch einen Gesamt- 
katalog der laufenden Periodica ^^-j^ die an den Staatsbibliotheken gehalten werden. 
Lassen sich auch gegen Plan und Ausführung manche Einwendungen erheben, so 
steht doch die ausserordentliche Nützlichkeit eines solchen Katalogs ausser Zweifel. 

— Van der Haeghen^ss^ macht auf die Gefahren aufmerksam, die das unmanier- 
liche Benetzen der Finger beim Umblättern für die Bücher und für die Leser mit sich 
l)ringt. Letztere Gefahren sind um so grösser, als, wie von S c h a b^^Oj nachweist, eine 
wirksame Desinfektion der Bücher überaus schwierig ist. — Den gegenwärtigen 
Stand der Frage betreffend die direkte Versendung von Hss. fasst H a e b e r 1 i n =^30) 
zusammen. — Hartwig^s») behandelt diese und andere internationale Beziehungen 
der Bibliotheken nach einer Einleitung- über die Ziele der Bibliotheken überhaupt. — 

Bibliothekenkunde. Zur Geschichte älterer nicht mehr bestehender 
Bibliotheken sind eine Anzahl Beiträge zu verzeichnen. L. S c h m i d t332) handelt von 
der nicht unbedeutenden Bibliothek des Cistercienserklosters in Altzelle, die 1543 an 
die Universitäts-Bibliothek Leipzig kam, unter Abdruck eines Katalogs von 1514. — 
Ingold333) stellt die hauptsächlich in Colmar erhaltenen Hss. der elsässischen 
Klöster Murbach, Münster usw. zusammen. — Die Geschichte der berühmten ehe- 
maligen Dorabibliothek in Mainz verfolgt Falk334) und giebt ein Verzeichnis der 
noch in den verschiedensten Bibliotheken vorhandenen aus ihr stammenden Hss. — 
Bezüghch der von den Schweden aus Würzburg entführten Bücher stellt L e i t - 
schuh335) wiederholt fest, dass sie nur der bischöflichen Schlossbibliothek 
gehörten, dass aber viele wahrscheinlich nicht nach Schweden gekommen oder 
wieder von dort entfernt worden sind. — Eine weitere Reihe von Arbeiten 
behandelt die Schicksale von und Ueberbleibsel aus Privatbibliotheken oder zu- 
fällig erhaltene Verzeichnisse 336-343j _ Besonders interessant sind die Mitteilungen 
von Hauffen344) über 7 Bände aus der Bibliothek Job. Fischarts, jetzt 
in Darmstadt, und von A. Schmidt345) über die ebenfalls für Darmstadt 
erworbene Bibliothek Moscheroschs , deren Bestandteile mit vielen hs. Be- 
merkungen des ehemaligen Besitzers versehen sind. - Ueber die wichtigeren be- 
stehenden Bibliotheken aller Länder findet man das notwendigste in TrübnersS^ß) 
Minerva, während Forrer und Fisch er34') f^st nur Adressen geben. — Für die 
Zwecke des Buchhandels bestimmt sind Hedelers348) Verzeichnisse von Privat- 

P. Turner, An interesting development in public library work: bnlletins: Library 10, 1898, S. 68-64. — 325) Fr. Mi 1 kau, 
Ontralkataloge n. Titeldrucke. Gesch. Erörter. n. prakt. Vorschläge im Hinbl. auf d. Herstell, e. Gesamtkataloges d. preuss. 
wiss. Bibl. (= 20. Beiheft z. CBlBibl.) L., Hsrrassowitz. 1698. X, 151 S., 34 Bl. Facs. |[H. Schnorr v. Carolsf eld: CBlBibl. 15, 
1898, .S. 578-82.] j — 326) F. Bonnange, Projet d'un catalogne general et perpetnel des imprimes compris dans les bibliotheqnes 
nationales et les bibl. manicipales. Corbeil, imp. Drevet. 1896. 13 S. Fr. 2,00. — 327) Generalkatal. d. laufenden period. 
Drnckschrr. an d. österr. Univ.- u. Stndienbibl., d. Bibl. d. techn. Hochschulen nsir. Her. v. d. Univ. -Bibl. Wien u. d. Leitung 
T. F. Grassaner. Wien, Herder. 1898. VII, 796 S. M. 12,00. — 328) F. Van der Haeghen, Des graves dangers auxquels sont 
expos^s les livres et les munnscrits de nos depöts pnbliques: Bull, de l'Ac. des sciences de Belgiqne. 3. Ser. T. 33, 1897, S. 132/7. — 
329) T. Schub, Beitrag z. Desinfektion v. Leihbibliotheksbüchern: CBl. für Bakt. u. Parasitenkunde. Abt. 1, 21, 1897, S. 141/6. 

— 330) C. Haeberlin, Z. direkten Versendung v. Hss.: CBlBibl. 13, 1896. S. 311-24. — 321) 0. Hartwig, D. Beweg, auf d. 
Gebiet d. Internat. Bibl.-Wesens : Cosmopolis 6, 1897, 8. 547-68. — 332) L. Schmidt, Beitrr. z. Gesch. d. wissensch. Stnd. in sächs. 
Klöstern. 1. Altzelle. D. 44. Vers, dtsch. Philol. dargebr. v. d. kgl. off. Bibl. zu Dresden. (Erweit. Sonder-Abdr. ans: 
NASächsG. 18, S. 201 ff.) — 333) A. M. P. Ingold, Les mss. des anciennes maisons religienses d'Alsiice: Le bibliogr. niod. 1, 
1897, S. 209-15, 375-85; 2, 1898, S. 113-24, 255-72 u. separat: Paris, Picard & fils. 71 S. Fr. 5,00. - 334) F. Falk, D. ehemal. 
Dombibl. zu Mainz, ihre Entsteh., Verschlepp, u. Vernicht. nach gedr. n. ungedr. Quellen. i= CBlBibl. Beiheft 18.) L., Harrassowitz. 
1897 IV. 175 S. M. 6,d0. — 335) Fr. Leitschuh, Z. Gesch. d. Bücherraubes d Schweden in Würzburg: CBlBibl. 13, 1896, 
S. 104-13. - 336) X 0. Heck er, D. Schicksale d. Bibl. Boccaccios: ZBücherfrennde. Jg. 1, Bd. 1, 1897-98, S. 33-41. — 337) X 
.1. L. Heiberg, Beitrr. z. Gesch. Georg Vallas u. seiner Bibliothek. (= CBlBibl. Beiheft 16.) L., Harrassowitz. 1896. 
129 S. M. 5,00. (-;- 1500; Bücher jetzt grösstent. in d. Bibl. Estense in Modena.) — 338) X^Dorveaux, Inventaire de la biblio- 
theque d'un apofhicaire de Dijon en 1482: Bibliogr. mod. 2, 1898, S. 307-15. — 339) X A. Werminghoff, D. Bibl. e. Konstanzer 
Officials .aus d. J. 1506: CBlBibl. 14, 1897, S. 290 8. — 340) X L- Dorez, Nouv. recherches ^ur la bibliotheqne in Cardinal 
Girolamo Aleandro: RBibl. 7, 1897, S 293-304. — 341> X A. Chronst, D. BiW. d. Prinzen Moritz t. Oranien : Ond- 
Holland 15, 1897, S. 11-23. (Verz. vom J. 1608.) — 342) X H. Borkowski, D. ehemal. Bibl. d. Reichsburggr. zu Dohna in 
Mehrungen: AltprMschr. .35, 1898, S. 809-13. — 343) Th. Schoen, D. Bibl. e. Frau v. Schönburg v. 1608: SchönburgischeGBll. 
.5,.S. 18-26. — 344) A.Hauff en, Ueber d. Bibl. Job. Fischarls: ZBücherfrennde. Jg. 1, Bd. 2, 1898, S. 21-32. — 345) A. Schmidt, 
D. Bibl. Moscheroschs: ib. Jg. 2, Bd. 2, 1898—99, S. 497-500. ~ 346) Minerva. Jb. d. gelehrten Welt. Her. v. K. Trübner. 
Jg. 6,8. 1896 7 bis 98-9. Strassburg, Trübner. XXIV, 1082; XXIV, 1130; XXIV, 1144 S. M. 9.0O; M. 10,00; M. 10,00. — 347) 
R. Forrer u. H. Fischtr, Adressbuch d. Museen, Bibl., Sammler u. Antiquare. Strassburg, Schlesier t Schweikhardt. 
1897. XXV, 380 S. u. 12 Tat". M. 15,00. - 348) (G. Hedeler), Verz. v. Privat-Bibl. L: Verein. Staaten: Cunada; 



i 3 : 349-886 P. Schweiike, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. 

bibliotheken. Natürlich ist die Aufnahme in diese Verzeichnisse vielfach von Zu- 
fälligkeiten abhängig". — Soweit Bestände über Kunst und Kunstgewerbe in Betracht 
kommen, ist auch die neue Ausgabe des Kunsthandbuchs 3*^) für Deutschland als 
Nachschlagebuch zu benutzen. — lieber eine im Auftrage der Gröttinger Gesellschaft 
der Wissenschaften unternommene Durchforschung nordwestdeutscher und holländischer 
Bibliotheken und Archive nach mittelniederdeutschen Hss. berichtet B o r c h 1 i n g350) 

— Für eine bessere Ausgestaltung der österreichischen Studien- und Schulbiblio- 
theken machen Ortner^^^) und Wallner^^S) Vorschläge. Ersterer entwirft auch 
einen Plan ^^3) für die Katalogisierung der Hss. in den österreichischen Staats- 
bibliotheken ^s*). — In den folgenden Anmerkungen wird, wie im JBL. 1895, versucht, 
die wichtigere Litteratur über die deutschen, österreichischen und schweizerischen 
Bibliotheken zusammenzustellen, mit Ausschluss der Volksbibliotheken, der nicht in 
das litterarische Gebiet gehörigen Fachbibliotheken und der blossen Jahresberichte 
und Zuwachsverzeichnisse ohne weitergehendes Interesse. Da die meisten Titel an 
sich klar sind oder nur weniger erläuternder Worte bedlu'fen, werden nur wenige 
Erscheinungen im Text besonders besprochen: P^romms^s^) Festschrift zur Er- 
öffnung des neuen Bibliotheksgebäudes in Aachen enthält ausser einer Beschreibung 
desselben die Geschichte der Bibliothek und drei auf ihren Inhalt bezügliche Beiträge, 
darunter das Verzeichnis der von Reumontschen Dantesammlung. '"^^^"'•^ß^) — Das zu- 
nächst für Katalogzwecke bestimmte wöchentliche Verzeichnis 3®^) der neueren von 
der Königlichen Bibliothek in Berlin erworbenen Werke ist seit Ende 1897 auch auf den 
Zuwachs der preussischen Universitätsbibliotheken ausgedehnt. Infolge Verbesserung 
des Jahresregisters ist es jetzt auch besser zu Nachschlagezwecken zu verwenden. 365-367J 

— Die Bibliothek des Berliner Kunstgewerbemuseums 368-369^ j^^t durch die Munificenz 
des Freiherrn von Lipperheide in dessen wertvoller Kostümbibliothek eine ausser- 
ordentliche Bereicherung erfahren. Der vom Besitzer begonnene ausführliche und 
mit Abbildungen reich ausgestattete Katalog 3''^) wird hoffentlich fortgesetzt werden.^''') 

— Für das Berliner städtische Bibliothekswesen 3'2-374j verlangt N ö r r e n b e r g '^'^) mit 
Recht eine Reorganisation und die Schaffung- einer grossen Stadtbibliothek. 37^^394) — 

m.: ßentschlivnd. L., Hedeler. 1897-98. 100,168 8. ä M. 10,00. — 349) Kunsthandbuch für Deutschland. Yerz. d. Be- 
hörden, Samml., Lehranst. n. Ver. für Kunst. Knnstgew. u. Altertnmslc. 5. nenbearh. Aufl. B., Speroann. 1897. 676 S. 
M. 10,00. — 350) C. Borchling, lieber mittelniederdtsch. Hss. d. nordwestl. Deutschlands: JbVNiederdSpr. 23, 1897, S. 103-24. 

— 351) M. Ortner, Unsere Stndienbibl. : MÖsterrVBiblW. Jg. 1, 1897, N. 1, S. 7-11; N. 2/3, S. 1-27. — 352) J. Wallner, 
Ueber unsere Mittelschnlbibl. : ZOG. 47, 1896, S. 193-208. — 353) M. Ortner, Z. Generalkatalog d. österr. Hss.: CBlBibl. 15, 
1898,8.366-71. (Gegen einige seiner Vorschläge: A. Schubert, MÖsterVBiblW. 2, S. 58-61; Erwid. t. Ortner: ib. 8. 72/4; Repl. 
T. Schubert: ib. 8. 74/9.) — 354) O X K. Hugelmann, D. Kntwickl. d. österr. Blbl.- Wesens im letzten Jahrzehnte mit bes. 
RDcVs. auf d. Amtsbibl.: Oesterr. Zeitschr. für Verwalt. 29, 1896, No. 48. — 355) Festschr. aus Anlass d. Eröffn. d. Bibl.-Qebäudes d. 
Stadt Aachen. Im Auftr. d. wissensch. Kommission her. v. E. Fromm. (= ZAaohenGV. 19, 1897). Aachen, Cremersche 
Bnchh. 1897. 146, 245 8., 5 Taf. M. 6,00. —356) X S. Claussen, Nachr. über d. Bibl. nebst Yerz. ihrer Drucke aus d. 15. Jh. 
Progr. d. Christian. Altena. P. Meyer. 4". S. 3-14. (Verz. v. 63 Inkun.) — 357) X ö- Leimbach, Katalog d. Bibl. d. Fürstl. 
Realsch. zu Arnstadt i. Th. Progr.-Beil. Arnstadt, A. Bussjaeger. 1898. 36 8. — 358) X Fr- Leitschuh, Katalog d. Hss. 
d. Königl. Bibl. zu Bamberg. Bd. 1, Abt. 1, Lfg. 2 (Liturgische Hss.); Bd. 1, Abt. 2, Lfg. 2 (Histor. Hss.). Bamberg, Buchner. 
1897—98. 4 Bl. u. 8. 135-235; IV u. 8. 117-291. M. 6,00; 4,00. — 359) X H. Walz, Katalog d. Lehrerbibl. d. Gymn. zu Barmen 
Progr.-Beil. Barmen, Wiemann. 1897. 139 S. — 360) X J- Lei thäuser, Verz. d. Lehrerbibl. d. Realgymn. ku Barmen. I/II. 
Progr.-Beil. Barmen, Steinborn & Co. 1896-97. 135 8. — 361) X A. Heusler, Gesch. d. öff. Bibl. d. Univ. Basel. Univ.- 
Progr. Basel, Geering. 1896. 4». 88 8. — 362) X Katalog d. Bücher u. Mss. d. Hist. Ver, für Gesch. u. Altertumskunde ▼. 
Oberfranken in Bayreuth. Heft 1/2. Bayreuth, Ellwanger. 1896—98. 213 S. - 363) X W. Spielmann, Hdb. d. Anst. u. 
Einriebt, z. Pflege v. Wissensch. u. Kunst in Berlin. B , Mayer & Müller. 1897. 361 8. M. 2,50. (Bibliotheken S. 200-29.) 

— 364) Yerz. d. aus d. neu erschien. Litt. v. d. Kgl. Bibl. zu Berlin (seit 1898: u. d. prenss. Univ.-Bibll.) erworbenen 
Druckschrr. 1896-98. B., Asher & Co. 941, 866, 1301 S. ä M. 35,00. - 365) X D. Hss.-Verz. d. Kgl. Bibl. zu Berlin. 
Bd. 11. Yerz. d. griech. Hss.; Bd. 20/1. Verz. d. arab. Hss. Bd. 8/9. ebda. 1896-97. 4». XXXYI, 254; X, 462; YIU, 618 S.; 
M. 14,00; 21,00; 28,00. - 366) X Katalog d. Bibl. d. Reichst.igs. Bd. 2/4. ebda. 1896-97. XLIV, 1023; XXXV, 1126; 
1119 8.; 1/3: M. 40,00; 4: M. 16,00. (Bd. 4 enthält d. Nachträge zu 1/3.) - 367) X P- Wittig, D. Bücherei im Reichstags- 
hause in Berlin: Z. für Bauwesen Jg. 48, 1898, 8. 22,-7 u. Taf. 7/9. (Separat: B., W. Ernst & Sohn. M. 3,00.) — 368) X (P- 
Jessen), Führer durch d. Bibl. d. Kunstgew.-Mns. 2. Aufl. d. „Anleitung". (Kgl. Museen «u Berlin.) B., Spemann, 1896. 
98 8. M. 0,50. — 369) X id., D. Bibliothek d. Kgl. Kunstgew.-Mus. u. ihre graph. Samml.: Beitrr. z. Kulturgesch. v. Berlin. 
Festschr. d. Korpor. Berl. Buchh., 1898, S. 61-76. — 370) Katalog d. Frhr. v. Lipperheideschen Samml. für Kostümwissensch. 
Mit Abbild. Abt. 3. Büchersamml. Lf. 1/9. B.. Lipperheide. 1897-99. XVI, 432 8. M. 9,00. - 371) X Kl. v. Rheden, 
Aus d. Frhrl. Lipperheideschen Kostümbibl. zu Berlin: ZBücherfreunde. Jg. 1, Bd. 1, 1897, S. 150-62. — 372) X A. Bu chholtz, 
D. städt. wissensch. Bibll. in Berlin: Beitrr. z. Kulturgesch. v. Berlin. Festschr. d. Korpor. Berl. Buchh, 1893, 8. 43-60. — 
373) X Magistr.-Bibl. zu Berlin. Verz. d. Friedländerschen Samml. z. Gesch. d. Beweg, v. 1848. B, Baensoh. 1997. 
VI, 292 8. — 374) X B. Fried el, Berliner Yolksbibl. n. Volkslesehallen: Beitrr. z. Kulturgesch. v. Berlin. Festschr. 
d. Korpor. Berl. Buchh., 1898, 8. 21-42. — 375) C. Nörrenberg, Berl. Bibl.-Yerhältn.: Comenius-Bll. 5, 1897, 8. 121/7. — 
376) X H. Guiard, Katalog d. Bibl. d. Ver. für d. Gesch. Berlins. B., Mittler & Sohn. 1896. XXIIl, 285 S. M. 4,00. — 377) X 
II. Hahn, Verz. d. Lehrer-Bibl. d. Grossherzl. Gymn. zu Birkenfeld. LT.: D.Sprachen ausser Hebräisch. Progr.-Beil. Birken- 
feld, llöestermann. 1898. 42 8. - 378) X 1>- Büchersamml. d. Kgl. Gymn. zu Bonn. T. r2. Progr.-Beil. Bonn, Georgi. 1897-98. 
57, 95 8. — 379) XAug. Fr^eudenthal), D. neue Bremer Stadtbibl.: Niedersachsen 1, 1895-96, 8. 264/6. — 380) A. 
Lenke, Hiederdtsch. Hss. d. Stadtbibl. zu Bremen: BremJb. 18, 1896, 8.175-90. (14 niederdtsch. Hss. mit Ausschl. der eigent- 
lichen Bremensien.) — 381) X J- Jungnitz, Gesch. d. DombibL zu Breslau: Silesiaca. Pestsohr. für Qrünhagen, S. 187-206. 
(1632 Ternichtet, seitdem aber wieder beträchtlich angewachsen.) — 382) X H. Linke, Katalog d. Lehrerbibl. Teil U-III 
(.SchlusB). Progr.-Beil. d. Elis.-Gymn. Breslau, Grass, Bach & Co. 1896-97. 8. 67-189. — 383) X lA. Ockler), Verz. d. 
Büchersamml. d. St. .Tohannis-Loge Friedrich z. gold. Zepter in Breslau. Breslau, Maruschke A Berendt. 1897. IV, IV, 200 S. 
M. 4,50. (Begr. 179.3.) — 384) X M. Hertens, Katalog d. Lehrerbibl. d. Progymn. zu Brühl. Progr.-Beil. Brühl, Martini. 
1896. lY, 88 8. — 385) X W. Schräm, Gesch. d. Bibl. d. Franzens-Musfum in Brunn: Museum Francisceum Annales 3, 1897, 
S, 41-75. - 386) X B. Brethnlz, D. (lerronisch« Mss.-8amml. d Franzena-MuHeums: ib. 1, 1895 (Brunn 1896), S. 91-129, 




P. Schwenke, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. I 3:387-43t 

Unter den bestehenden Bibliotheken können wenige ihre Geschichte soweit zurück 
verfolgen, wie die Klosterbibliothek Einsiedeln, von deren Bibliothekar Heinrich von 
Ligerz (gest. ca. 1360) auf Grund der von ihm durchgearbeiteten Hss. uns G. Meier^^^) ein 
anschauliches Bild entwirft.^^ß^^oi) _ Die stattliche Festschrift '•^2^, mit der die Frankfurter 
Stadtbibliothek die Vollendung ihres Erweiterungsbaues feiert, enthält neben der 
Baugeschichte und der allgemeinen Geschichte der Bibliothek noch Abhandlungen 
über einen ihrer ältesten Donatoren Ludwig von Marburg zum Paradies, über die 
Büchersammlung des Barfüsserklosters, das jetzige Einteilungssystem der Bibliothek 
und die in ihr aufbewahrten Elfenbeinskulpturen. **>3ii6| _ j)jgpQj.tggt2ypg. (jgg j[^aj.2s- 
ruher Hss.-Katalogs^''') umfasst diejenigen Hss., die erst nach Vereinigung der älteren 
Bibliotheken des markgräflichen Hauses in Karlsruhe an die Hof bibliothek gekommen 
sind, vorzugsweise dem 18. Jh. angehörig. — Die Wilhelmshöher Schlossbibliothek, 
über deren Geschichte und Inhalt S c h er er**^"^'^) mehrere Mitteilungen gegeben 
hat, ist jetzt gTÖsstenteils der Kasseler Landesbibliothek einverleibt. ■*2o-4.32) — ^\ig 
Beispiel einer musterhaften Bibliotheksgeschichte darf Z e d 1 e r s ^^^) Geschichte der 
Marburger Universitätsbibliothek hervorgehoben werden. ^34-466^ — Dq^ jjgj jjjjg 



(Rnth. Materialien «. Gesch., Litt. n. Ennst Mährens.) — 387) X^. Reifenlcugel, D. k. lt. Univers.-Bihl. in Czernowit« 
1885—1895. Czernowiti. Pardini. 1896. 32 S. M. 0,60. — 388) X F- W. E. Roth, Hss. in Damstadt ans Köln u. d. alten 
Erzdiöi. Köln: AnnHVNiederrh. 62, 1896, S. 177-87. —389) X W. Gröpler, Katalog d. Hrzgl. Anhaltischen Behörden-Bibl. 
zu Dessau. Dessau, Dfinnhanpt. 1896. 798, 237 S. — 390) X W. Kulpe, D. Hrzgl. Anhaltische Behörden-Bibl. in Dessau, 
ebda. 1898. 92 S. M. 2,00. — 391) X Fn"tl. Landesbibl. zn Detmold. Katalog d. Zugänge d. J. 1869— 95. Detmold, Meyersche 
Hofbuchdr. 1896. XV, 244 S. M. 0,75. — 392) X E. HeycV, E. fürstliche Hansbibl. im Dienste d. Üeffentlichkeit: ZBücher- 
reunde. Jg. 1, Bd. 1, 1897 — 98, S. 65-76. (Üb. die Fürstenbergische Hofbibl. in Donaueschingen.) — 393) X H. Persuhn, 
Katalog d. Lebrerbibl. d. Stadt. Realschule zu Dortmund. Progr.-Beil. Dortmund, Crnwell. 1896. 71 S. — 394) X P- E. 
Richter, Verz. d. im J. 1897 noch im Erscheinen begr. Zeitschrr., welche in d. Kgl. öff. Bibl. n. in d. Handbibl. d. Kgl. 
Samml. vorhanden sind. Dresden, Warn.atz & Lehmann. 22 S. M. 0,50. — 395) G. Meyer, Heinrich v. Ligerz, Bibliothekar 
V. Einsiedeln im 14. Jh. (= CBlBibl, Beiheft 17.) L., Harrassowitz. 1896. 68 S., 2 Taf. M. 3,00. - 396) X F. Seitz, Katalog 
d. Lehrerbibl. d. Gymn. zu Elberfeld. I-U. Progr.-Beil. Elberfeld, Lucas. 1895-96, 128, 151 S. — 397) X A. Grüne feld, 
Ver«. d. Büchersamml. d. Re.ilschnle in d. Nordstadt zu Elberfeld. Progr.-Beil. Elberfeld. 1896. 72 S. — 398) X J- Kroger, 
Katalog d. Lehrerbibl. d. Oberrealschule zu Elberfeld. T. 1/2. Progr.-Beil. Elberfeld, Baedeker. 1896—97. 66, 91 S. (NacUtr. 
dazu in Progr.-Beil. 1898, S. 31-71.) — 399) X Katalog d. Lehrer- Bibl. d. kgl. Gymn. zu Erfurt. IV. Abt. (Schluss). Progr.-Beil. 
Erfurt, Bartholomaeus. 1896. 22 S. — 400) X K. Heiland, D. Lutherdrucke d. Erlanger Univers.-Bibl. aus d. J. 1518-23: 
(= CBlBibl. Beiheft 21.) L., Harrassowitz. 1898. 72 S. M. 3,00. (159 Drucke nach d. Muster v. Dommer verzeichnet.) — 
401) X B- Pontani, Verz. d. Bibl. d. Friedrich-Wilhelms-Schule. Progr.-Beil. Eschwege, Rossbach. 1897. 108 S.— 402) F. 
C. Ebrard, D. Stadtbibl. in Frankfurt a. M., ans Anlass d. Vollendung d. Erweiterungsbaus her. Frankfurt a. M., Gebr. Knaner. 
1896. 4» VIII, 179 S. u. 19 Taf. M. 20,00. — 403) X Stadtbibl. zu Frankfurt a. M. Verz. d. Handbibl. d. Lesesaals u. d. daselbst 
aufliegenden Zeitschrr. n. Zeitungen. 2. umgearb. Aufl. ebda. 1898. 88 S. M. 0,20. — 404) X Ch. B e r gh oe f f e r, D. EntwickL 
d. Frhr. Carl v. Rothschildschen öff. Bibl. zu Frankfurt a. M. während d. J. 1891-95: CBlBibl. 13, 1896, S. 567-74. - 405) X 
id., Freiherrl. Carl v. Bothschildsche öff. Bibl. Verz. d. Bücher. Bd. 1. Mit Autoren- u. Titelreg. Frankfurt a. M., Knauer< 
1892—98. IX, 594 S. (Fasst d. Accessionsverzeichnisse v. 1891—96 n. d. Bestand v. 1890 mit gemeins. Registern zus.) — 

406) X 0. Heuer, D. neue Frankfurter Goethemus. u. d. Goethebibl.: ZBücherfreunde. Jg. 1, Bd. 2, 1897—98, S. 457-62. — 

407) X R- Sckeide, Katalog d. Lehrer-Bibl. d. kath. Gymn. zu Glogau. II. Progr.-Beil. Gross-Glogau, Flemming. 1897. 
30 S. — 408) X ^8^- Üniv.-Bibl. zu Göttingen. Verz. d. im Ijesesaale anfgest. Handbibl. 2. Aufl. Göttingen, Kaestner. 1898. 
X, 173 S. M. 0,50. — 409) X ^- Hol scher, Verz. d. in d. Marktkirche zu Goslar aufbewahrten alten Druckwerke. Mit e. 
Verz. d. im Archive zu Goslar vorh. alten Hss. 1. Teil: L,T,t. Werke. Progr.-Beil. Goslar, Jäger & Sohn. 1896. 51 S. — 
410) X M- Schneider, D. Gelehrtenbriefe d. Gothaer Gymn.-Bibl. aus d. 16. u. t". Jh. Progr. Gotha, Engelhard- Beyer. 1897. 
4. S. 1-26. (Alphabet. Verz. über ca. 1000 in 3 Sammelbänden enthaltene Briefe.) — 411) X Kataloge d. Steiermark. Landes- 
arch. 1. Joanneumsarch. 1. Hss. Kat. d. Hss., für d. Arch. bearb. v. J. t. Z a h n , für d. Herausgabe v. A. M e 1 1. (= Publik, ans 
d. Steiermark. Landesarch., Abt. A., Kataloge.) Graz u. L., Moser. 1898. XI, 241 S. M. 4,50. (Bnchmässige Hss., darunter auch 
Litterarisches.) — 412) X J. Loserth, Zu d. Anfängen d. Grazer Üniv.-Bibl.: MHVSteiermark. Hft. 44, 1896, S. 292/6. (Verz. 
d. Hss. n. Bücher, d. 1577 aus Kloster Millstädt d. Grazer Jesuiten-Kollegium überwiesen wurden.) — 413) X W. E d 1 e r 
V. Rezori, D. neue k. k. Univers, in Graz: AllgBauZg. 61, 1896, S. 1/6 u. Taf. 15. (Beschreibt auch d. der ünivers. 
angegliederte neue Bibl.-Gebäude.) — 414) X F. Eyssenhardt, D. spanischen Hss. d. Stadtbibl.: JbHambWissAnst. 14, 
1896, S. 1-21. (Separat: Hamburg, Gräfe & Sillem. 1897.) — 415) X Katalog d. Bibl. d. Baron Brukenthalsohen Mus. in 
Hermannstadt, Hft. 1/2. Hermannstadt, Krafft. 1896-98. 320 S. M. 4,00. — 416) X J- Branhofer, D. Iglaner Gymn.- 
Bibl. (Hist. Skizze u. Katalog d. Jesnitenbibl.) Progr. Iglau, Gymn. 1896. S. 1-40. — 417) D. Hss. d. Grossh. Bad. Hof.- n. Landes- 
bibl. in Karlsruhe. IV. D. Karlsruher Hss. Karlsruhe, Groos. 1896. X, 283 S. M. 5,00. — 418) K. Scherer, Mitt. z. Vor- 
gesch. u. Gesch. d. Wilhelmshöher Schlossbibl. : Kasseler Tagebl. n. Anz. 1897, N. 27-30. — 419) id., D. Wilhelmshöher Schloss- 
bibl. E. Blick auf ihre Gesch. u. ihre Schätze: ZBücherfreunde. Jg. 1, Bd. 1, 1897, S. 255-63. — 420) X R. ▼. Fischer- 
Ben z o n , Katalog d. Provinzial-Bibl. für Schleswig-Holstein. Schleswig, Bergas. 1896—98. XXXVI, 1031 S. M. 4,00. (Etwa 
z. Hälfte schleswig-holsteinische Gesch. u. Landeskunde enthaltend.) — 421) X Ä.. Mar hoff er, Bßoherverx. d. Stadtbibl. 
Coblenz. Coblenz, Hölscher. 1896. XII, 456 S. M. -',00. - 422) X C. Schliack. Kgl. Friedr.-Wilh.-Gymn. zu Kottbns. 
Katalog d. Lehrer-Bibl. 1. T. Progr.-Beil. Kottbns, Heine. 1898. 86 S. — 423) X J- J a h n , Katalog d. Lehrerbibl. d. k. k. dtsch. 
Staats-Gymn. in Kremsier. Progr. Kremsier, Gusek. 1S97. S. 1-32. — 424) X 0. Kohl, Katalog d. Lehrerbibl. d. Kgl. 
Gymn. zu Kreuznach. T. 1'2. Progr.-Beil. Kreuznach, Voigtländer. 1896-97. 83 S. — 425) X Katalog d. Hss. d. Univ.-Bibl. 
EU Leipzig. III. Katalog d. griech. Hss. v. V. Gardt hau sen. L., Harrassowitz. 1898. X.\, 92 S. M. 5,00. (I u. II noch nicht er- 
schienen.) — 426) X Verz. d. Handbibl. d. Lesesaals d. Univ.-Bibl. zu Leipzig. L., Druck v. Gressner & Schramm. 1896. 
140 S. — 427) X JlJ- <^- Musikbibl. Peters. Her. v. E. Vo ge 1. Jg. 2/4 für 1895-97. L., Peters. 1896-98. 82, 102, 105 8. u. je 
1 Bildn. ä M.3,00. — 428) X Woj. K'et rzy ilski, Catalogrus codicum ross. bibliothecae Ossolinianae Leopoliensis. Katalog rekopisöw 
biblioteki Zakladu Nar. Im. Ossolins'kich. T. 8. Lwöw, Im. Ossol. 1898. 764 S. — 429) X G- Bancalari, Bibl.-Katalog d. Museum 
Francisco-Carolinnm in Linz a. D. Linz, Fink. 1897. IX, 670 S. M. 9,00. — 430) X Bohnstediu. Schmidt, Mitt. über 
d. in d. Ratsbibl. zu Löbau i. Schi, beflndl. Chroniken: NLausitzMag. 72, 1896, S. 293-301. — 431) X Q- Grupp, Oettingen- 
Wallersteinsche Samml. in Maihingen. Hss.-Verz , 1. Hälfte. Kördlingen, Reischle. 1897. VI, 3« S. M. 1,00. (Kurzes Inhalts- 
verz.: Theol. u. Jnrisprud. sind d. 2. Hefte vorbehalten.) — 432) X Fr. Schmidt, Dtsch. Hss. in Maihingen. E. Nachtr. zn 
Germania VIII, S. 48 ff.: Alemannia 24, 1897, S. 51-86. — 433) G. Zedier, Gesch. d. Univer8.-Bibl. zn Marburg v. 1527—1887. 
Marburg, Elwert. 1896. XI, 166 S., 3 Taf. M. 4,50. — 434) X L. G r o b e , D. Schätze d. Herzog!, öffentl. Bibl. in Meiningen. 
Progr. Meiningen, Key ssner. 1896. 4*. S. 1-18 u. 4 Taf. - 435) X 0. H o 1 z e r, D. geschichtl. Hss. d. Melker Bibl. Progr. Melk. 
(1896). 54 S. — 436)XI^ Scherman, D. Erweiterungs band. Münchner Univers.-Bibl.: AZgB. 1898, N. 270. — 437) X K.italog 

Jahresberichte für neuere deutsch« Litterktnrgescbiebte. IX. (1^3 



t 3:438-480 P. Schwenke, Öchrlft-' und Ruchwesen. 1896, 1897, 1898. 

seltenen Fall des gedruckten Katalogs einer Privatbibliothek bietet Grisebach s*"') 
Weltlitteratur-Katalog, der in schöner Ausstattung und mit nützlichen biblio- 
graphischen Bemerkungen den die schöne Litteratur umfassenden Teil seiner aus- 
gewählten Bibliothek verzeichnet. — In den französischen Bibliotheken'*^'*) schreitet 
die Drucklegung der Hss.-Inventare '*^''"''''*) rüstig vorwärts. Die Nationalbibliothek 
hat ausserdem ein grosses Unternehmen von allgemeiner Bedeutung unternommen, 
die Veröffentlichung des alphabetischen Katalogs ihrer Druckschriften'*'^), der mit 
dem beinahe vollendeten des British Museum zusammen einen erheblichen Teil der 
gesamten Bücherproduktion der Welt umfassen wird. Der Katalog wird in drei 
Serien erscheinen, deren erste die Werke bestimmter Vff'. enthält. Der erschienene 
erste Band wird von D e 1 i s 1 e mit einer ausserordentlich klaren Darlegung über die 
bisherige Katalogisierung der Bibliothek und den Plan des neuen Unternehmens ein- 
geleitet. ^'"') — Der Katalog der bei der Nationalbibliothek eingegangenen Disser- 
tationen *"•"') umfasst auch tine Anzahl Universitäten, über deren Schriften noch keine 
offiziellen Verzeichnisse ausgegeben werden. ^"'S^'*"'') — Ueber die italienischen Biblio- 
theken liegt jetzt eine statistische Darstellung ^^'>) vor mit ziemlich eingehender Ge- 
schichte, Beschreibung und Bibliographie der einzelnen Sammlungen. — Aus englischen 
Bibliotheken '*^^~^**2) hat P r i e b s c h'*^^) Mitteilungen über deutsche Hss. begonnen. — 



d. Bibl. d. Ver. för Gesch. u. AltertamsV. Westf-ilens (Abt. Mflnster). T. 1: Verz. d, DrncVscIiTr., bearb. v. A. B<5 m e r. Affinster, 
Regensberg. 1898. 216 S. — 438) X K. K e rb e r, Katalog d. Lehrer-Bibl. T. 1. Progr.-Beil. Neuwied, Heuser. 1898. .58 S. — 439) X 
(K. Schainbach), Verz. d. für die bist. Lesegeseilsch. in Nordhansen v. 1830 bis Ostern 1898 angeschafTten BOoher. Progr.- 
Beil. Nordhansen, Eberhardt. 1898. 43 8. — 440) X P- J- Ree, B.-iyer. Gewerbeinusenm (Nörnberg). Katalog d. Bibl. 
Bficheryerz. n. Schlagwortkatalog. Nürnberg, Gew.-Mns. 1897. VI, 722 S. — 441) X *"■ Uildebrand, Verz. d. Lehrerbibl. 
d. Keal-Gymn. zn Osterode a. H. Progr.-Beil. Osterode .-i. H., Giebel & Öhlschlägel. 1897. 66 S. — 442) X ^- Kükelhan, 
H. W. SchmeelVe u. sein bs. Nachlass in d. Bibl. d. Kgl. Realprogymn. zn Otterndorf. Progr. Otterndorf, Hottendorf. 1897. 
S. 18-23. (Z. Gesch. d. Landes Hadeln.) — 443) X W. Richter, Hss.-Verz. d. Theodorianischen Bibl. zu Paderborn. Teil 1/2. 
Progr.-Beil. Paderborn, Jnnfermann. 1896—97. IV, 62 S. — 444) X H. C. Huch u. S. Kleemann, Verz. d. Stadt-Bibl. 
zn Quedlinburg. Quedlinburg, Bohl. 1896. XII, 208 S. (Enthält auch d. „KIopstock-Bibl.") — 445) X E. Heller, 
Katalog d. Lehrerbibl. d. Herzgl. Real-Gyron. zu Saalfeld. T. 2/3 (Schlnss). Progr.-Beil. Saalfeld, Wiedemann. 1897—98. 
8.41-19.0. — 446) X Fr. Schmidt, Katalog d. St. Ulrichs- Bibl. in Sangerhausen. Sangerhausen, Arendt. 1897. 76 S. 
(21 Hss. u. 205 Drucke bis 1530.) — 447) X (E. Bartsch), Syst. Verz. d. Lehrerbibl. d. Gymn. zn Sangerhausen. Progr.- 
Beil. Sangerhausen, Schneider. 1898. 132 S. — 448) X 0. F. Oertzen, Z. Gesch. d. Gymn.-Bibl. Progr. d. Gymn. Friderioianura. 
Schwerin, Baerenaprung. 1897. 4«. 94 S. (Vgl. S. 3/5.) — 449) X i d., Grossherzgl. Gymn. Prider. .Schwerin i. M. Katalog d. Bibl. Progr.- 
Beil. Greifswald, Seil. 1897. 94 S. — 450) X R- R e u s s , Les mss. alsatiqnes de la bibl. de la ville de Strasbourg. Inventaire 
soramalre- RAlsace. 48 (NouvS. 11), 1897, S. 1-31, 185-213 u. separat: Strasaburg, Trenttel & Würz. 1897. 57 S. M. 1,00. — 
451) X Katalog d. Katsbibl. zu Thorn. Thorn, Buszczyriski. 1896. V, 104 S. — 452) X K. Henze, Verz. d. Gegenstände, 
Bücher u. Urkunden d. Museums. K/L. Bücher, Zeitschriften n. Urkunden : VeröiT. d. Altert.- Ver. zn Torgan 9-10, 1896, S. 39-63. 
(Grosstent. Lokalgesch.) — 453) X M. Ken ff er. Beschreibendes Verz. d. Hss. d. Stadtbibl. zn Trier. Hft. 4. Liturgische 
HsB. Trier, Lintz in Komm. 1897. VII, 108 S. M. 3,00. - 454) X Doppelte d. Stadtbibl. zu Trier. Trier, Stadtbibl. 1898. 
24 S. M. 0,50. (Inkunabeln u. ältere Drucke; v. bleibendem Wert, weil genauere Beschreib, d. Exemplare enthaltend.) — 
455) X 0. Kunzer, Katalog d. Leopold-Sophien-Bibl. d. ehem. fr. Reichsstadt Ueberlingen a. B. Ueberlingen, Druck v. Angr. 
Feyel. 1898. XXXII, 536 S. M. 2,30. — 456> X 0- Döring, D. Miniaturen d. Fürstl. Stolbergischen Bibl. zu Wernigerode : 
Z Bücherfreunde. Jg. 1, Bd. 1, 1897, S. 345-61. — 457) O X D. Hof-Bibl. in Wien. 20 Tafeln in Lichtdr. Erlänt. Text t. 
G.List. Wien, C. Löwy. 1897. 4». Text 25 S. M. 20,00. — 458) R. Beer, D. k. k. Hofbibl.: Kaiser Franz Joseph L 
u. seine Zeit 2, 1898, S. 127-35. (Skizze d. neueren Gesch. d. Hofbibl.) — 459) X A. Schubert, Aus Mähren u. Schlesien 
d. k. k. Hofbibl. zn Wien gewordene Hss. u. Altdrucke: MÖstVBiblW. 1, 1897, N. 2/3, S. 43-.56. (Aus d. Akten d. 
Bücherablieferungen ans d. Klöstern.) — 460) X Tabulae codicnra manu scriptorum praeter graecos et orientales in bibl. 
Palatina Vindobonenai asservatorum. Vol. 9. Codd. musicorum p. 1. Cod. 15501 — 17500. Wien, Gerolds Sohn. 1897. X, 420 S. 
M. 9,00. - 461) X (F. Gras sau er), Univers.-Bibl. (Wien): Gesch. d. Wiener Univers. t. 1848-98. Wien, Holder. 1898. 
S. 367-80. — 462 X G- 5!; edler, Vorgesch. d. Landesbibl. zu Wiesbaden: AnnVNassauG. 1898— 99, S. 84-90. 112/7. (Über d. 
1730 begründete ehem. Fürstl. Nassau-Usingische , später Herzogl. Nassauische Regierungs-Bibl.) •— 463) X 0. t. Heine- 
man n , D. Hss. d. Herzogl. Bibl. zn Wolfenbüttel. Abt. II. D. Augusteischen Hss. IIL Wolfenbfittel, Zwissler. 1898. 411 S. u. 
7 Taf. M. 15,00. — 464) X W. S i c k e 1 , Herzgl. Francisceum zu Zerbst. Katalog d. Lehrerbibl. T. 1 : Grieoh. n. lat. Schrift- 
steller. Progr.-Beil. Zerbst, Schnee. 1898. 58 S. (Reichhaltiger als sonstige Schulbibl.) — 465) X K. Bnttmann, Gesch. d. 
Gyran.-Bibl. zu Zweibrücken. Progr. Zweibrücken, KranzbOhler. 1898. 54 S. M. 0,80. — 466) X ^- V o 1 1 h a r d t , Bibliogr. d. Musik- 
werke in d. Batsschulbibl. zn Zwickau. Beil. zn d. Monatsheften für Musikgesch. L., Breitkopf & Härtel. 1896. VIII, 299 S. M.5,00. 

— 467) E. Grisebach, Weltlitt.- Katalog e. Bibliophilen mit litterar. u. bibliogr. Anraerk. B., E. Hofmann * Co. 339 S. 
M. 6,00. — 468) X Annnaire des bibliotheques et des archives pour 1896, 1897, 1898, publ. sous les auspices du min. de l'instr. 
publ. Ann. 11, 12, 13. Paris, Hachette & Co. 1896-98. 249, 279, 276 S. ä Fr. 2,50. — 469) X Catalogue geniral des mss. 
des bibliotheques pnbliqaes de France. Departements. T. 26: Lille, Dnnkerque etc. T. 29: Avignon, T. 3, p. 1. T. 31: (Petites 
bibliothfeques). T.32: Besaufon T. 1. Paris, Plön. 1897-98. 863; 679; 827; XXXV, 1015 S. Fr. 18,00; 15,00: 18,00; 24,00. — 470) X 
Ch. Kohler, Catalogue des mss. de la biblioth. Sainte-Genevifeve. T. 2. ebda. 1896. 1116 S. Fr. 24,00. (Schlnss.) — 471) X H- 
M art in, Catalogue des mss. de labibliothfeque de rArsenal.T. 7: Table generale, ebda. 1896. 686 S. Fr. 20,00. — 472) X H- w <>"* • 
Oat. gen. des mss. fran9ais. Anc. Supplem. fran9. II. III ; Ancien 8t.-Germain fran^,. 1. 11; Anc. petits fonds frany. I. III. Paris, Leroux. 
1896-98. 637, 439, 654, 517, 561, 456 S. a Fr. 7,50. - 473) X id-. B>1>1- Nationale. Catalogne des collections mannacrites et 
imprim^es rel. ä l'histoire de Metz et de la Lorraine leguees par M. Aug. Prost. (Extrait des Mettensia, t. I, p. 57-166.) 
ebda. 1897. 114 S. Fr. 3,50. — 474) X H. Omont, Nonvelles acqnisitions du departement des mss. pend. les a. 
1894-95, 1896—97. Inventaire-soromaire: BECh. 57, 1896, S. 161-96, 339-72; 59, 1898, 8.81-135. — 475) Min. de l'instr. pnbl. 
et des beaux arts. Catalogne g6n6ra1 des livres imprimes de la Bibl. Nationale. Antenrs, T. 1. Aachs-Albyville. Paris, Impr. 
Nat. 1897. LXXXII, 569 S. Nicht im Handel. (Auszüge aus Delisles Einleitung: RBibl. 7, 1897, S. 359-413.) — 476) X 
Bibl, Nationale. Dep. des imprimes. Liste des periodiques etrangers. (Nouv. 6ä.) Paris, Klinoksieck. 1896. 178 S. Fr. 8,50. 

— 477) Cat. des dissertations et ecrits acad6m. provenant des echanges av. les universites etrang^res et re9n8 par la Bibl. 
Nationale en 1896-98. ebda. 1897—99. 153, 163, 172 S. :i Fr. 3,00. — 478) X J- Favier, Cat. des liyres et docuroents 
imprimes du fonds lorrain de la bibl. mnnicipale de Nancy. Nancy, Cr6pin-Leblond. 1898. XV, 794 S. Fr. 15,00. — 479) X F. P i o o t , 
Le dnc d'Aumale et la bibliothfeque de Chantilly: BBibliopü. 1897, S. 805-48. (D. französ. Staate geschenkt.) — 
480) Miniatero di agriooltura etc. (Direzione gen. della Statistioa.) Statistica delle biblioteche. P. 1. Biblioteohe dello 
utato, d. provincie, dei oomuni etc. Vol. 1/2; P. 2. Bibl. appart. ad accadeniie, scnole secondarie etc. Roma, Tip. nax. 



P. Schwenke, Schrift- und Buchwesen. 1896, 1897, 1898. I 3:48i-503 

[Jeher die neuen vom British Museum erworbenen Werke hat F or tesc u e^^*) einen 
dritten Band seines Schla^wortkatalog-s herausg-eg-eben, der auch ausserhalb des 
British Museum als Nachschlao-ewerk gelegentlich gilt zu brauchen ist. *^'*) — In 
dem neuen Bande von M a d a n s *'^^) Hss.-Katalog" der Bodleiana werden eine Anzahl 
weiterer Sammlungen beschrieben, darunter D'Orville, Gough, Canonici, Douce. — 
Br ug-m an s'**') Katalog der Groninger Hss. enthält weniger Deutsches als man 
vielleicht erwarten könnte. — Aus Schweden ist An n e rs t e d t s*^^) Bericht über 
die letzten 25 Jahre der Universitätsbibliothek Upsala zu erwähnen. — Ueber die 
Entwicklung- der nordamerikanischen Bibliotheken berichtet Harrison '•^''). Für 
das einzelne und namentlich die zahlreichen . Veröffentlichungen der dortigen 
Bibliotheken muss auf das oben (N. 280) ang-eführte Library Journal verwiesen 
werden. — 

Ex-libris. Die Litteratur über Bibliothekszeichen ist so an g-e schwollen, 
dass hier nur diejenigen neuen Erscheinungen angeführt werden können, die zur 
Orientierung namentlich auf deutschem Gebiete g*eeignet sind. Dahin gehört vor 
allem das gut redigierte Organ des Berliner Ex-libris-Vereins^^*^), das auch die ver- 
wandten Gebiete des Buchwesens und der Bibliophilie bespricht, und in dem Graf 
L ein in g e n- \Ve s t erb urg*^^) jährlich über die zahlreichen kleineren zur Ex- 
libris-Kunde veröffentlichten Arbeiten berichtet. '*^2-493-) — Sehr willkommen ist das 
Buch von Gers ter**^"*) über die schweizerischen Bibliothekszeichen, das ausser 
einem Verzeichnis in der Art von Warnecke eine grosse Zahl von Abbildungen und 
biographische Notizen über die Besitzer und Urheber der beschriebenen Zeichen 
bringt. — Für Frankreich und England sind die bisherigen Organe der dortigen Ex- 
libris-Gesellschaften 4^5"*^6) und die Werke von Hami 1 1 o n^^'') und Fincham*^^) 
anzuführen. Letzteres umfasst auch Amerika, wo ein neu begründetes Jahrbiich^^^J 
gleich wieder eingegangen ist. — Die italienischen Bücherzeichen werden zum ersten 
Mal von B e r t a r e 1 1 i ^oo) behandelt. ^oi-b02^ _ 



1,4 

Kulturgeschichte. 

Wilhelm Fabian. 
[Vgl. in JBL. 1897 I 4 die einleitenden Bemerkungen.] 



G. Bertero. 1893- 9ß. XLVIII, 208; 295; XVI, 154 S. L. «,50. — 481) O XTh. Greenwood. Library year book. 1897. 
A record of general library progress and worlc. London, Cassell 4 Co. 1897. XII, 323 S. Sh. 2'!^. — 482 X W. H. K. 
Wright, The library association, 1877 — 1897, a retrospect: Library 10, 1898,8.197-207, 245-54.— 483) E. Priebsch, Dlsch. 
]ls8. in England. Bd. 1. Ashbnrnham-Flace, Cambridge, Cheltenbam, Oxford, Wigan. M. e. Anhang nngedr. St&cke. Rrlangen, 
.Innge. 1896. 4". VI, 356 S. M. 16,00.— 484) G. K. Fortescue, A snbject-index of the modern works added to the library 
of the Brit. Mus. in the y. 1891-95. London, Brit. Mns. 1897. 901 S. Sh. 40. — 485) X Facsimiles of royal, historical, 
literary and other aotograpbs in the departement of roanuscripts. British Mnsenm, ed. by G. F. Warner. Series 2/4. ebda. 
1896—98. Fol. ä 30 Bl., 30 Taf. äsh. 7V3- (Enthalten überwiegend engl. Antogr.) — 486) F. Madan, A snmmary catalogua 
of western mss. in theBodleian Library at Oxford, which have not hitherto been catalogued in the 4° series. Vol. 4 (Collections 
received dnr. the first half of the 19. Century). Numb. 16670-24330. Oxford, Clar. Pr. 1897. XVI, 723 S. Sh. 25. - 487) H. 
Brngmans, Catalogns codicnm mann scriptoram nniversitatisGroning^nae bibliothecae. Groningen, Wolters. 1893. 396 S. FI. 6,00. 

— 488) Cl. Annerstedt, Uni?ers.-Bibl. (in: IJpsala Univers. 1872—97. Festskr. ni. anledning of Kon. Oscar II. s 25 » s 
regeringsjubilenm. Upsala 1897. U, S. 41-67. Franz. Ueberseta. in Bibliogr. mod. 2,1898, S. 407-36). — 489) J. L. Harrison, 
The public library raoTement in the U.S., I: Library 8, 1896, S. 110-24, 141/9. — 490) Ex-libris. Z. für Bfloherzeichen, Biblio- 
thekenknnde n. Gelehrtengesch. Organ d. Ex-libris- Yer. zu Berlin. Her. v. H. Bren dicke. Jg. 6/8. 1896—98. Görlitz, 
Starke. 1896-98. 4». 127, 148, 134 S. n. viele Taf. äM. 15,00. - 491) K. E. Graf zu Leiningen- We sterburg, Dtsch. 
Exlibris- Litt. 1895—96,1896-97, 1897—98: Ex-libris. Z. für Bücherzeichen etc. 7, 1897, S. 68-70; 8, 1898, S. 63/4; 9, 1899, S.63/Ö. - 
492) X Ans d. Ex-Libris-Saroml. d. Börsenver. d. dtsch. Buchhändler. 65 meist unveröiTentl. Bl&tter. L., Börsenverein. 1897. 4". 
12 S., 50 Taf. M. 18,00. — 493)X A.M. Hildebrandt, Fünfundzwanzig neue herald. Bfieherzeichen. B., Stargardt. 1898. 2 Bl., 
25 Taf. 1(. 4,00. — 494) L. Gerster, D. Schweizerischen Bibl.-Zeichen (Gx-libris) znsammengest. u. erl&ut. Kappelen, 
Selbstverl. 4". 327 S., 4 Taf. M. 25,00. — 495) O Arohives de la Societe fran9ai8e des collectionneurs d'ex-libris. Ann. .3/5. 
1896—98. Paris, E. Paul et Als et Gnillemin. h fr. 19,50. — 496) Journal of the Ex-Libris Society ed. by W. H. K. Wright. 
Vol. 6/8. 1896-98. London, A. n. C. Black. 1897—99. 184, 179, 188 8. n. viele Taf. ä Sh. 24. für Niohtmitgl. - 497) W. 
Hamilton, FrenchBook-plates. (2. ed.) (= Exlibris Series ed. by G. White.) London, Bell 4 Sons. 1896. X, 360 S. Sh. 10. 
(D. 1. Ausg. ersoh. 1892.) — 498) H. W. Fincham, Artists and engravers of Brit. and. Amer. book plates. A book of 
reference for book plate and print collectors. London, K. Paul, Trench, Träbner & Co. 1897. 4». XVI, 135 S., 22 Taf. 
Sh. 21. — 499) O The book-plate annual and armorial year book 1896. New-York, Macmillan & Co. 4». 37 S. Doli. 1,00. 

— 500) O A. Bertarelli, GH Ex-libris: appunti bibliografioi. Milano, Tip. Bernardoni. 1897. 41 S., 12 Taf. (Nicht im 
Handel.) — 501) X C D. Allen, Ex-Libris. Essays of a collector. London, Keg. Paul, Trench, Tr&bner & Co. 189<). 
137 S., 21 pl. Sh. 14. (Ueber bemerkenswerte Bücherzeiohen ; nach Ländern geordnet.) — 502) X Modern book-platas 
•nd their designers. (= The Studio 15, 1898-99, Winter-Nr.) London, Off. of the Studio. 1898. 4*. 78 S. Sh. 1. — 

(1)3* 



A. Hauffen, Volkskunde, 15:1 

1,5 

Volkskunde. 

Adolf Hauffen. 

Allgemeines: Anleitung und Darstellung N. 1. — Bibliographie N. 9. — Vereine N. 13. — Sammlungen 
nnd Darstellungen der Volksüberlieferungen einzelner Landschaften: Sachsen N. 20. — Saterland N. 21. — 
Westfalen N. 2i. ~ Steifrni:irlt, Tirol N. 23. - Schweiz N. 28. — Verschiedenes N. 30. — Volksbräuche und Sitten: 
Allgemeines N. 41. — Bräuche einzelner Landschaften (Bettlerzinken in den Alpen und in Steiermark, Totenbretter, Ascher- 
mittwoch in EIgg) N. 57. — Kleine Mitteilungen N. 63. - Volksglauben: Mythologie (Zusammenfassendes, Verehrung der 
Quellen, Wassermann) N. 119. — Aberglauben N. 137. — Einzelne Gebiete der Volksanschauung (Haus, Natur, Pflanzen, 
Tiere, Welterkunde. Wahrs;igen, Zauberei, Schatzgraben, Gespenster, Hexenwahn) N. 143. — Volksmedizin (Beschwörungen, 
Segen) N. 213. — Sagen und Märchen: Sagenbildnng N. 243. — Heldensage N. 250. — Geschichte nnd Deutung einzelner 
Stoffe (Völkerschlacht am Birkenbaum, der Schwanritter, der Venusberg, vergleichende Stoffgeschichte der Märchen) N. 251. — 
Sagensammlungen (Oberdeutschland, Mitteldeutschland, Niederdeutschland) N. 284. — Märchensammlungen (Brüder Grimm, 
landschaftliche S.immlungen, naturgeschichtliche Märchen) N. 314. — Volksschauspiel: Geistliche Spiele, Sommer- und 
Winterspiel N. 333. — Volksschauspiele aus dem Böhraerwalde N. 346. — Volkslied: Geschichte und Charakteristik 
N. 347. — Untersuchungen über einzelne Volkslieder N. 358. — Aeltere nnd historische Volkslieder (Türkenlieder, Lieder auf 
den Winterkönig) N. 365. — Volksliedersaramlangen (Oberdeutschland, Mitteldeutschland, Niederdeutschland) N. 335. — 
Verschiedenes: Sprüche und Inschriften N. 414. — Kinderlieder, Kinderspiele, Sprichwörter, Redensarten, Schwanke, Dorf- 
neckereien, Rätsel N. 434. — Namen: Vornamen, Familiennamen, Hofnamen, Flurnamen, Ortsnamen N. 4SI; Pflanzennamen, 
Tiernamen N. 526. — 

A 1 lg" em e in e s. Es g-ebührt sich, an der Spitze dieses Abschnittes die 
erfreuliche Thatsache zu verzeichnen, dass in dem Berichtsjahre unserer jungen 
Wissenschaft von einem ihrer bewährtesten Forscher ein vortreffliches, umfassendes 
Lehr- und Handbuch geschenkt worden ist. „Die deutsche Volkskunde" von E. H. 
Meyer'), die in überaus g-eschickter Weise Anleitung und Darstellung 
verbindet, bietet sich dem wachsenden Betriebe dieses Wissenszweiges als Führer an. 
In der That ein wegekundiger und des Zieles sicherer Führer! Das Buch ist er- 
wachsen aus vieljährigen Forschungen des Vf. auf mehreren Gebieten der Volkskunde 
und unmittelbar aus akademischen Vorlesungen, die M. (im. Hinblick auf die von ihm, 
Kluge und Pfaff geleitete Sammlung badischer Volksüberlieferungen) an der Frei- 
burger Universität gehalten hat. Das schöne Werk, ein in erzählende Form gegossenes 
Lehrbuch, giebt einen Ueberblick über die geschichtliche Entwicklung und über den 
gegenwärtigen Stand des deutschen Volkslebens in allen seinen Aeusserungen, eine 
Gesamtdarstellung' der wesentlichsten Züge. M. hebt das für ganz Deutschland Ge- 
meinsame scharf hervor, weist auf die wichtigsten Stamm.esunterschiede hin, doch 
nicht in trockenen Abstraktionen, sondern in einem farbenreichen Bilde vom Leben 
und Dichten des deutschen Volkes. Alle Landschaften des weiten Sprachgebietes 
sind in den Beispielen berücksichtigt, die M. eigenen Beobachtungen, zahllosen volks- 
kundlichen Darstellungen und Mitteilungen, sowie unseren Dichtern, soweit sie heimisches 
Volksleben schildern, entnimmt. Gotthelf, Immerrnann, Rosegger u. a. kommen zu 
Worte. (S. 57 ff. bei der Schilderung des niedersächsischen Bauernhauses vermisse 
ich einen Hinweis auf Mosers „Patriotische Phantasien". Zu S. 292/3, wo der Reichtum 
des Landmanns an Ausdrücken für seine besonderen Beschäftigungen gerühmt wird, 
hätte Roseggers „Mutter Erde" klassische Belege geboten.) In seiner klaren, anmutenden 
Darstellung regt M. immer von neuem zur Mitbeobachtung und weiteren Forschung 
an, weist auf die Lücken unserer Kenntnis, auf die vielen noch winkenden Aufgaben 
hin, stellt wohl gelegentlich direkte Fragen und zeigt die Mittel und Wege zu ihrer Er- 
ledigung. M. giebt keine Definition der Volkskunde, aber aus seinem Buche ersehen 
wir es, dass er diesen Begriff ebenso auffasst und umgrenzt, wie dies Weinhold 
(vgl. den Beginn unseres Berichtes 1894) in der Aufstellung seines Arbeitsprogrammes 
gethan hat, das seitdem von allen Forschern auf dem Gebiete der Volkskunde im 
wesentlichen ohne Widerspruch befolgt worden ist. M. gliedert den überreichen 
Stoff in sieben Kapitel an : „Dorf und Flur" mit der Besprechung der verschiedenen 
deutschen Formen der Ansiedlung, der Dorfanlage und der Gemeindeverfassungen, 
„das Haus" (den niedersächsischen, friesischen, fränkisch-alemannischen, bayerisch- 
rhätischen und nordostdeutschen Typus), „Körperbeschaffenheit und Tracht", ferner 
das umfänglichste und schönste Kapitel „Sitte und Brauch", wo in ruhiger, übersicht- 
licher Darlegung und in zwanglosen Uebergängen alle Bräuche, Feste und aber- 
gläubischen Anschauungen, die sich von der Geburt bis zum Tode hinziehen, ge- 
schildert werden; die Tauf- und Wochenbettbräuche, die Kinderspiele und das 



1) E. H. Meyer, Dtsch. Volkskunde. Mit 17 Abbild, n. e. Karte. Strassburg i. E., Trfibner. 362 S. M. 6,00. |[R. M. 
Meyer: ZVVolksk. 8, S. 98/9; 0. Brenner: MUBayerVolksk. 4, N.3; LCBl. S. 402/3; E. Mogk: MVSäohsVolksk. 5, S. 13/5; E. 
Hoffmann-Krayer: SchwAVolksk. 2, S.185/6; R. Petsch: ASNS. 101, S. 416-21; AZg». N. 286; E. W.: Grenzb. 1, S.693/9j 
Jahresberichte für neuere dentsohe Litteratnrgeschichte. IX. (1)4 



15:2-3 A. Hauffen, Volkskunde. 

Hirtenleben, die Spinnstube, Arbeit und Tanz, Liebe und Ehe, Viehzucht und Acker- 
bau (mit Berücksichtigung der verschiedenartigen Betriebe), das festliche Jahr, 
Krankheiten, Hexenwesen und Seelenglauben. Manches, was in anderen Darstellungen 
kaum beachtet zu werden pflegt, wird von M. in gedrängten, aber belehrenden 
Skizzen vorgeführt (z. B. S. 202/4 die Hauslektüre). Diesem glänzenden Abschnitte 
gegenüber erscheinen die drei letzten Kapitel: „Die Volkssprache und die Mund- 
arten", „die Volksdichtung" und „Sage und Märchen" etwas zu knapp geraten; dem 
Volksschauspiele sind kaum zwei Seiten gewidmet (S. 328/9). Doch auch diese bieten 
reichste Belehrung; Volksreime, Sprüche, Redensarten und mundartliche Benennungen 
sind übrigens im ganzen Buche zahlreich in entsprechendem Zusammenhange mit- 
geteilt, und das letzte Kapitel giebt schtm mit seinem Aufbau künftigen Herausgebern 
landschaftlicher Sagen und Märchensammlungen einen Fingerzeig für eine sinn- 
gemässe Anordnung des Materials. Die zahlreichen Besprechungen des Buches (von 
denen ich unten nur die wichtigsten verzeichne) lauten alle warm anerkennend. 
R. M. Meyer rühmt insbesondere die Hinweise auf höhere Zusammenhänge und 
internationale Uebereinstimmungen, sowie die Sachlichkeit des Vf., der, bei aller 
Freude an den Volksüberlieferungen, nie in den Ton der Ueberschwenglichkeit ver- 
fällt. In einem besonderen Aufsatze hat M o g k 2) Meyers Werk eingehend ge- 
würdigt, hierbei die Geschichte der deutschen Volkskunde skizziert und als ihre 
Aufgabe nicht nur die Sammlung von Zeugnissen für das Kulturleben unserer Vor- 
fahren, sondern auch die geschichtliche Darlegung der Volksseele in allen ihren 
Aeusserungen bezeichnet. An zwei Beispielen (Johannisfeuer und Haustypen) zeigt 
M., wie in streng philologischer Methode alte Aufzeichnungen und Beobachtung des 
gegenwärtigen Volkslebens zu einem Bilde der geschichtlichen Entwicklung ver- 
arbeitet werden können. Meyer hat in seinem Handbuch den Gegenstand nicht 
vollständig erschöpft. Es fehlt zunächst eine Methodologie. Dass er ein Kapitel über 
die Quellen und die Entwicklung der Volkskunde vorläufig zurückgehalten hat, ge- 
steht er selbst zu. Auf eine Bibliographie konnte er mit gutem Grunde verzichten, 
weil uns diese anderwärts in wünschenswerter Vollständigkeit geboten wurde. End- 
lich giebt Meyers Buch im ganzen, was bei seinem massigen Umfange nicht anders 
möglich wäre, nur „eine Skizze". Eine grosse umfassende Darstellung der deutschen 
Volkskunde, eine vollständige, auf sämtlichen Quellen fussende, entwicklungs- 
geschichtlich und vergleichend vorgehende Beschreibung sämtlicher deutscher 
Volksüberlieferungen, der Poesie, der Anschauungen, der Lebensweise und Kunst- 
äusserungen aller deutschen Stämme muss noch geschrieben werden. Die Tnatsache 
z. B., dass in Pauls Grundriss alle Zweige der germanischen Philologie: Litteratur, 
Sprache, Metrik, Heldensage usw. in erschöpfenden Darstellungen behandelt sind, 
die Volkskunde hingegen mit allen ihren Unterabteilungen auch in der 2. Auflage 
stiefmütterlich in bibliographischen Uebersichten erledigt werden soll, zeigt, wie 
weit wir noch auf diesem Felde zurückstehen. Es fehlt uns in der That durchaus 
an monographischen Darstellungen. Wir haben keine Geschichte und Charakteristik 
des deutschen Volksliedes, des Volksschauspiels, der Sagenstoffe, der deutschen 
Sitten und Feste (ein Lieblingsplan Jakob Grimms). Aeltere Versucne wie 
Reinsberg-Düringsfelds „Festliches Jahr" (JBL. 1897 1 5 : 90) sind gegenüber den 
reich erschlossenen Quellen und der strengen Methode von heute ganz veraltet. 
Mogk meint zwar, eine solche zusammenfassende Arbeit wäre heute noch nicht 
spruchreif, weil noch von allen Seiten das Material zusammengetragen werde. Aber 
wir können mit der Gesamtdarstellung nicht warten, bis alle Einzelforschungen und 
landschaftlichen Sammlungen fertig sind. Das wird noch Jahrzehnte dauern. Ge- 
samtdarstellung und Einzelforschung müssen sich gegenseitig fördern. Das sehen 
wir bei allen Wissenschaften, und auch für die Volkskunde gilt Paulsens Ausspruch : 
„Ohne den beständig einhergehenden Versuch der Synthese geht die Sammlung und 
Zergliederung ins Leere." Für ein solches W^erk, wie ich es mir denke, würden 
allerdings die Kräfte eines einzelnen und (bei der vielseitigen Aufgabe der Volks- 
kunde) auch die Fachkenntnisse eines einzelnen nicht hinreichen, aber wenn sich 
z. B. E. H. Meyer an die Spitze stellte und einen Stab berufener Fachmänner um 
sich versammelte, dann müsste der Versuch in wenigen Jahren gelingen. Mir ge- 
bricht es hier an Kaum, die Grundzüge des Planes zu skizzieren, ich will dies bald 
an anderer Stelle versuchen, aber es scheint mir am Platze, in diesem Berichte den 
Ruf nach einem Grundriss der gesamten deutschen Volkskunde zu erheben. Wenn 
dieses, wie mich dünkt, dringend notwendige Werk einmal fertiggestellt werden sollte, 
dann wird man auch, was Meyer beim Abschluss seines Handbuches noch nicht thunlich 
schien, „die für den Gesamtcharakter und die Stammesunterschiede unseres Volkes 
wichtigen Ergebnisse zusammenfassen" können. — Als Symptom für die wachsende 



F. Veit: BIlSchwabAV. 16, S. 115-20. — 2) E. Mogk, Dtscli. Volkskonde: NJbbKA. 1, S. 62-76. — 3) Volkskunde: Meyeri 




A. Flauffen, Volkskunde. l 5:4-20 

Bedeutung- unserer Wissenschaft ist es immerhin anzusehen, dass nun zum ersten 
Male in einem Lexikon der Artikel „Volkskunde" 3) erscheint: eine ausgezeichnete 
knappe Uebersicht über Beg-riff, Bedeutung-, Grenzen und Unterabteilungen mit einer 
g-uten Auswahl der Litteratur im Erg-änzungsbande von Meyers Konversations- 
Lexikon. *^) — 

Die Bibliographie der Volkskunde wird weiterhin in jährlichen Ver- 
zeichnissen gefördert, für das gesamte deutsche Gebiet in den sorgfältigen, auch von 
uns mit Dank zu Rate gezogenen Berichten von Schullerus und B o 1 1 e ^), für 
die einzelnen Landschaften von H i 1 1 m a i r '*'), H a u f f e n ^i) und Hoffm ann- 
K r ay e r^^). — 

Die volkskundlichen Vereine i3~i6) u^d Gesellschaften setzen ihre Arbeiten 
fort. H a u f f e u^') erstattet von neuem über die Sammelthätigkeit in Deutsch-Böhmen 
Bericht. 18-19) _ 

Sammlungen und Darstellungen der Volksüberlieferungen 
einzelner Landschaften. Als Beitrag zu dem grossen Unternehmen des 
Vereins für sächsische Volkskunde hat Dähnhardt^") zwei Hefte volkstümlicher 
Ueberlieferungen aus dem Königreiche Sachsen veröffentlicht, die auf seine An- 
regung- von Thomasschülern gesammelt worden sind. Viele hundert Kinderlieder, 
Auszähl- und Neckreime, Zungenübungen, Rätsel, manches zu Aberglaube und Brauch, 
einzelne Sagen und Volkslieder erhalten wir so frisch aus dem Munde der Jugend. 
Das meiste freilich ist bereits bekannt und vielfach so oder ähnlich in anderen 
Sammlungen vertreten. (Die Mehrzahl der mitgeteilten Stücke könnte ich z. B. auch 
für das benachbarte Nordböhmen nachweisen.) Doch findet man auch einiges Neue 
und kann mit Gewinn beobachten, was und wie viel an alten Volksüberlieferungen 
noch in einer Grossstadt wie Leipzig lebendig geblieben ist. Der ganze Vorgang, 
der hier an der gelehrten Schule zu St. Thomä mit Erfolg versucht worden ist, kann 
nur als sehr erfreulich bezeichnet werden. Es muss in der That ein wahres Labsal 
für die Schüler sein, wenn sie einmal von höherem Standpunkt aus als Lehrstoff 
betrachten dürfen, was ihnen aus dem eigenen Leben längst wohlbekannt gewesen, 
aber meist als niedrig und wertlos angesehen worden ist. Sie lernen in der schlichten 
und schönen Poesie des Volkes das Fortdauern deutscher Art erkennen. Die Schule 
wird in engere Beziehung mit dem Leben gestellt, „dessen erquickender Frühlings- 
hauch den Staub von den Bänken weht". Man hat darum auch mit Recht den 
Wunsch geäussert, dass das von D. gegebene Beispiel Nachahmung- fände. Gewiss 
wäre es verdienstlich, den Eifer der Schüler für die Volkskunde zu wecken. Nicht 
befürworten möchte ich hingegen die vollständige Drucklegung aller ih ähnlicher 
Weise zu stände kommenden Sammlungen. Man müsste sehr bald finden, dass sich 
in hundert Orten die Hauptmasse der Beiträge immer von neuem wiederholte, denn 
ein gewisser Grundstock der Ueberlieferungen ist allenthalben verbreitet. Alle 
weiteren ähnlichen Sammlungen sollten hs. an solche Vereine und Persönlichkeiten 
übergeben werden, die in der Lage sind, für eine ganze Landschaft das eingelaufene 
Material zu sichten und zu sieben, und die nur das Neue und Wertvolle daraus an 
die Oeffentlichkeit bringen wollen. Der deutsche Büchermarkt leidet überhaupt an 
Ueberproduktion, und gerade Volksüberlieferungen, die schon zehnmal und öfter 
gedruckt sind, werden jetzt bei uns jährlich von neuem in populären Zeitschriften 
und Ausgaben veröffentlicht. Es wäre dringend zu wünschen, dass auch auf dem 
Gebiete der Volkskunde die Unternehmungslust und Kapitalskraft unserer Verleger 
mehr geschont würde zu Gunsten grosser wertvoller wissenschaftlicher Arbeiten und 
Ausgaben. Nicht unerwähnt darf es bleiben, dass dem 2. Hefte D.s im Anhang 
(S. 93—156) ,, Volkstümliches aus dem Nachlasse von Rudolf Hildebrand" bei- 
gegeben ist: zahlreiche sächsische Kinderreirae, ferner volkstümliche Reime aus 
Gegenden ausserhalb Sachsens und wertvolle (besonders Redensarten betreffende) 
Bemerkungen zu Albrechts Buch über die Leipziger Mundart. Da Hildebrand einen 
Teil dieser Sammlungen seinen Thomasschülern verdankt hat, so passen seine Auf- 



Konv.-Lex. 18, S. 902/6. — 4) X P- Schumann, Z. dtsch. Volkskunde : Kw. 11', S. 141/5. - 5) X Volksk. n. Dialektwörter- 
bnch: Grenzb. 4, S. 3-27;8. — 6) X (JBL- 1897 I 5 : 13.) |[0. L. Jiriczek: LBlGRPh. 19, S. 129-30; E. Petsch, ZDKG. 6, 
8. 237/9; M. Haberlandt: ÖLBl. 6, S. 495/6.] j — 7)XASchlosBar, Schriften z. Volksk.: BLU. S. 166-71. — 8) (JBL. 
1897 I ö : 31.) |[R. Petsch: ASNS. 100, S. .382/5.]| — 9) A. Schullerus u. J. Holte, Mythol. u. Volksk.: JBGPh. 19, 
8.115-89. (Vgl.E.Wessely: Namenkunde ib. S. 6-10.)- 10) A. Hittraair, Bibliogr. d. Salzburg. Volksk. 1897: ZÖstrVolksk. 4, 
8. 310/4. — 11) A. Hauffen, Volksknndl. Bibliogr. d. Deutschen in Böhmen. 1897: ib. S. 314/7. — 12) (JBL 1897 I 5: 17.) 
— 13) 3. JB. d. Ver. für österr. Volksk. Wien, Helios. 23 3. (Nicht im Buchhandel.) - 14) X K- Weinhold, V.Verein 
für Egerländer Volksk.: ZVVolksk. 3, S. 347. - 15) C. Pfau, D. Pflege d. Volksk. bei d. Jagend: LZg". N. 54. (Im Anschluse 
an d. Bestrebungen d. sächs. Ver. für Volksk.) 16) X (JBL- 189^ 1 5:26) [E. H. Meyer: ADA. 24. S. 198/9.j| - 17) 

A. Hauffen, 5. Bericht über d. Samml. d. TOlkstüml. Ueberlieferungen in Deutsch-Böhmen. (= Mitteill. d. Ges. z. Förderung 
dtsch. Wissensch., Kunst u. Litt, in Böhmen. N. 9) Prag, Verl. d. Ges. 9 S. — 18) G. Minden, Mitteill. d. Ges. für jöd. 
Volksk.: ZVVolksk. 8, S. 100,1. (Bericht über d. I.Heft dieser mir unzugänglich gebliebenen Zeitschr.) — 19) X M. Grum- 
wald, Ueber jöd. Volksk.: AZgJudent. 62, S. 112/5. — 20) 0. Dähnhardt, Volkstümliches aus d. Königreich Sachsen, 
auf d. Thomasschnle gesamm. L, Tenbner. Heft 1/2. VIIJ. 102 S. M. 1,00. V, 156 S. M. 1 60. |1K. Weinhold: ZVVolksk. 8 

(1)4* 



I 5 : 21-53 A. H a u f f e n , Volkskunde. 

zeichnung-en ganz g-ut in die launig mit dem Wahrzeichen des Laubfrosches ver- 
sehenen Hefte D.s. — 

In dem (mir erst jetzt zugekommenen) ersten Teile seiner Darstellung von 
Land und Leuten des Saterlandes bringt Bröring^') Abschnitte über die 
Mundart, die Erwerbsquellen, Wohnung und Tracht der Bewohner und eine um- 
fängliche und eindringliche Schilderung der Sitten, Gebräuche, Spiele und Feste, 
wobei manche alte und eigenartige Ueberlieferung, schöne friesische Reime und 
Sprüche zu Tage treten. — 

Seine wertvollen kleinen Beiträge zur Volkskunde in Westfalen setzt 
Hüser22) jn einer neuen langen Reihe fort. Er bringt hier Flur- und Ortsnamen 
mit ihren volksmässigen Erklärungen, Schildbürgerstreiche und Sagen, Deutungen 
von Tönen, Berichte über Werwölfe, Hexen, Gespenster, Verwünschungen, Sagen 
und Sprüche, abergläubische Meinungen und Voiksbräuche in knapper, durchaus 
verlässlicher Form unter kurzem Hinweis auf die wichtigsten Parallelen. — 

Allerlei interessante Beiträge zur volkstümlichen Heiligenverehrung, zu den 
mythischen Anschauungen, zu Aberglaube und Brauch in S t e i e r m a r k 23j teilt 
Weinhold 2*) mit. Es sind Aufzeichnungen, die er sich während seiner Grazer 
Jahre (1851—61) gemacht und zum Teil hs. (auf Anregung des Erzherzogs Johann 
1811 abgefassten) Berichten entnommen hat. — Im Anschluss an ihre schon in 
früheren Berichten gerühmten Ti rol e r 25-^6) Sittenbilder (JBL. 1893 I 5:20; 1894 
I 5:28; 1895 I 6:43) schildert Marie Rehsener^"?) das Leben und Treiben der 
Gossensasser Jugend, deren Dienstverhältnisse und Lebensanschauungen, die Liebe, 
die Beziehungen zu Kirche und Kloster, ihren Anteil an den Jahresfestbräuchen usw. 
mit Sprüchen, Redensarten, Liedern und Briefen. — 

Aus der Schweizer Gemeinde Sargans giebt Zindel'^S) Nachricht über 
die Körperbeschaffenheit, Volksglauben, Sagen, Volksneckereien, Bräuche aus der 
Zeit der Landvögte usw. — Für den Kanton Luzern bringt Bürli^^) Sagen, 
Legenden, Weihnachtsbräuche, Beiträge zur Wetterkunde, Volksmedizin und zum 
Aberglauben. — 

Verschiedene Beiträge allgemeiner Natur sind ferner aus den Alpen- 
ländern ■^'^^^^^^ aus Deutschböhmen ^3— 3 j)^ gcf{[esien 36-3"-) ^jj(j anderen Landschaften^'*"'**)) 

zu verzeichnen. — 

Die deutschen Volksbräuche und Sitten 41-52-) jj^ allgemeinen 
behandelt M o g k ^^^ jj^ einem ausgezeichnet zusammengefassten Aufsatz. Er schildert 
zunächst das Kulturleben der alten Germanen nach den römischen Berichten, 
kennzeichn'et die römische Beeinflussung der deutschen Sitten und untersucht 



S. 356. 462; LCBl. S. 1272; Grenzb. 3, R. 428.] I - 21) (JBL. 1897 I 5:50.) - 22) B. Ilüser, Beitrr. z. Volksk. II. Progr. 
d. Gymn. Warburg. i<>. 40 S. (Fortsetz, zn JBL. 1893 I 5:43.) - 23) X K. Reiterer, Volkskondliches ans d. Murthale 
(Leonhnrditafeln, Marterln, Wetterkreuze, Maskenumzöge, Oniwelg, Selbstmörder-Aberglauben): ZÖstr Volksk. 4, .S. 206/7. — 
24) K.W einhold. Volkstümliches in aiphabet. Reihe: ZVVolksk. 8, 439-48. — 25/ O X L. v. Hörmann, D.Tiroler Banernjahr. 
(2. Aufl. d. „Jahreszeiten in d. Alpen") Innsbruck, Wagner. V, 211 S. M. 2,40. — 26) A. Zingerle, Tirolensia, Beitrr. b. 
Landes- u. Volksk. v. Tirol, ebda. 162 S. M. 2,00. (E. Samml. älterer Aufsätze, dnrnnter; D. Passeierthal n. seine 
Bewohner 1865; Volksschanspiele aus Meran 1S93; Ueber Berührungen Tiroler Sagen mit antiken. 1894.) — 27) Marie 
K e h s e n e r, Gossensasser Jugend: ZVVolksk 8, S.>117-29, 249-63. — 28) A. Z i n d e 1, Volkstümliches ans Sargans n. Umgebung: 
SchwAVolksk. 2, S. 159-65. — 29) J. Bnrli, Volkstümliches aus d. Kanton Luzern: ib. S. 223/8, 279-82. — 30) X K. Reiser, 
Sagen, Gebräuche u. Sprichwörter d. Allgäns. 2. Bd. Heft 10/5. (Fortsetz. v. JBL. 1897 15:475.) Kempten, Kösel. ä 64 S. 
ä M. 1,00. (D. vorliegenden Hefte d. noch nicht abgeschlossenen Sammlung bringen Sitten, Bräuche, Kalenderfesto, Spr&che, 
Lieder, Redensarten, Aberglauben, Sommer- u. Winterspiel fS. 79-81]. Nachrichten über ehemalige Passionsspiele [S. 118-25]. 
Mit hübschen Ansichten v. Ortschaften u. Bräuchen.) — 31) X A. Kubier, D. Tannheimer Thal. Ethnograph. Skizze.: 
ZDÖAlpenverein. 29, S. 143-81. (Gesch., Volkskunst, Sitten u. Gebräuche, Hausbau, Namen, Mundart, Sagen, wirthsohaftl. 
Verhältnisse.) — 32) X M. Raich, Volkstümliches aus Vorarlberg: Kath. 2, S. 575/6. — 33) X J- Fiedler, lieimatsknnde 
d. polit. Bezirks Schluckenau. Rnmburg. 488 S. Kr. 7,20. (S. 238-52 Land u. Leute, Sitten u. Gebräuche v. Fanny Zekel; 
S. 253-84 Sagen; S. 285/6 Flurnamen.) — 34) X B. Semlbauer, Heimatskunde d. Gerichtsbezirkes Neuern. Neuern, Lehrer- 
verein. 1897. III, 150 S. M. 1,00. (S. 29-39 Bevölkerung, Sitten u. Gebräuche; S. 73-81 Sagen.) — 35) X M. ürban. 
Volkskundliches aus d. Planer Gegend: ZÖstrVolksk. 4, S. 41/6. (Nachtwächterlieder, Volksreime, neue Nachrichten über d. Passions- 
spiel; vgl. JBL. 1897 I 5:555.) — 36) X P- Drechsler, Streifzüge durch d. schles. Volksk. II. Alte Bräuchen. Sagen ans 
Sprottau in Niederschissien: MSchlesGes Volksk. 5, S. 49-59. (Bräuche bei Geburt u. Hochzeit. Volksfeste junger Bauernbnrschen. 
Namen u. Geipenstersagen. V. d. Vertreibung d. Juden 1347 — 50.) — 37) X 0- Scholz, D. Spinnabend zu Herzogswaldau 
im Winter 1898: ib. S. 69-107. (Innerhalb d. Schilderung e. Spinnstube bringt Seh. Lieder, Gespenster- n. Scherzgeschichten, 
Rätsel, gereimte Briefe, Volksneckereien.) — 38) E. B u c h h o 1 ze r, D. Volkspoesie d. Siebenbürger Sachsen. Vortrr. 
Hermannstadt, W. Krafft. 27 S. M. 0,25. (Sonderabdr. ans „Kirchl. Blätter" über Märchen, Sagen, Volkslieder n. Spräche 
d. Sachsen.) — 39) X R- Reichhardt, Beitrr. z. Volksk. Nordthüringens: Land 5, S. 76/8, 155/7, 313 4, 327/9. (Vgl. ib. 5, 
S. 28, 238.) — 40)X^- Schumann, Beitr. z. Lübeckischen Volksk : MVLöbeckG. 8, S. 70-81. (Fortsetz, zn JBL. 1897 1 5 : 63.) 

— 41) X A. Hagel Stange, Süddtsch. Bauernleben im MA. L., Duncker u. Hnmblot. 268 S. M. 5,60. |IE. 0. Schulze: 
DLZ.S.26; 0. Brenner: MUBayerVolksk. 4, N. l.]| (D. Buch behandelt in 5 Abschnitten: D. sociale Lage; D. Familien- n. Wirt- 
schaftsleben; Gerichts- u. Beamtenwesen; Feste u. Vergnügungen. D. Quellen lässt H. fast durchweg selbst sprechen, ver- 
allgemeinert aber manchmal d. Nachrichten zu sehr.) — 42lXA. Frey be, D. Julfest n. d. Weihnachtsfeier: Land 5, S. 105/8. 

— 43) X J. ßeyl, Wie d. Volk d. Frühling begrüsst: ib. S. 281/4. — 44) X M a r i e H aa s, Maien n. Pfingsten: ZKinder- 
garten. 17, S. 96/8. — 45)X1'-B. D- Flur-Umzüge am Himmelfahrtstage: EvangKirchAnz. 49, S. 163. — 46) X A. John, D. 
Sonnwendfeier: Unser Egerland 2, S. 33/6, 39.-47-48) X W. v. Schulen bürg, D. Feuersprung zu Johanni: VGAnthr. 1897. 
S. 494/6. — 49) X R- Needon, Steinerne Kreuze n. andere volkstüral. Denkmäler: LZg". N. 23. — X 50) R. Sprenger, 
D. Erntekind: Urquell 2, S. 141/2. — 51) X »d. u. C. Walther, Z. Hillebille: KBlNiederdSpr. 20, S. 10/2. (Vgl. ib. 1», 
S. 94/6.) — 52) X H. L&mmerhirt. Rosalie n. Pasqua Rosa. E. Beitr. z. Gesch. d. Kultur: NHJbb. 8, S. 1-37. — 53) 



A. Hauffen, Volkskunde. 1 5:54-76 

dann an den heutigen Bräuchen und Festen, die in ihrer geschichtlichen Ent- 
wicklung- dargestellt werden, den besonderen nationalen Gehalt. Die Bräuche bei 
Geburt, Hochzeit und Tod, im häuslichen, geselligen und Gemeindeleben, bei den 
kirchlichen Festen (Weihnachten wird besonders liebevoll behandelt), bei den 
wichtigsten Beschäftigungen (Ackerbau, Viehzucht usw.), werden mit trefflicher 
Hervorhebung der wichtigsten Züge, mit Berücksichtigung der Unterschiede zwischen 
Nord- und Süddeutsch, zwischen Stadt und Land vorgeführt. — Mogks Darstellung bildet 
einen Teil des ausgezeichnet angelegten und schön ausgestatteten Werkes, das unter 
Hans Meyers^^) Leitung von mehreren Mitarbeitern fertiggestellt wurde und das 
sich zur Aufgabe gesetzt hat: „Das deutsche Volkstum als Zusammenfassung des 
deutschen Volkscharakters und seiner Erzeugnisse in allseitiger Betrachtung dar- 
zustellen und so die Frage: Was ist deutsch? zu beantworten." Eine Kunde vom 
Wesen deutscher Eigenart^^) wird uns hier in volkstümlichen Dar^ellungen der 
deutschen Geschichte, Litteratur, Kunst, Dichtung, Religion, des Rechtsbewusstseins 
usw. gegeben. Einleitend sucht M. selbst die typische Körperbeschaffenheit und 
die psychische Eigenart des deutschen Menschen (in Temperament, Lebensführung, 
Weltanschauung, Kunstäusserung, geselligem und staatlichem Leben) in einer für die 
Gesamtheit geltenden Zeichnung zu charakterisieren, während Kirchhoff die ein- 
zelnen deutschen Stämme und Landschaften mit sicherer Beherrschung eines grossen 
Materials in ihren besonderen Zügen würdigt. — Den Anhang der Sittengeschichte 
in Pauls Grundriss, die „Behandlung der volkstümlichen Sitte der Gegenwart" bei 
allen germanischen Völkern, hat M o g k^^) in 2. Auflage besorgt. B]r giebt hier eine 
überaus reichhaltige, von neuem sehr stark vermehrte bibliographische Zusammen- 
stellung der Quellen von Sitte und Brauch, der Schilderungen von Festen, Volks- 
meinungen, Lebensverhältnissen, Volkstypen usw. und allgemein volkskundlicher 
Schriften, ferner einen einleitenden Ueberblick über jene Werke und Unternehmen, 
die seit dem Wirken der Brüder Grimm sich die Aufgabe gestellt haben, die Sitten, 
Bräuche und Feste darzustellen. Auch dieser Ueberblick ist in der zweiten Auflage 
sehr erweitert und giebt eine Skizze des in den letzten Jahren so reich aufgeblühten 
Betriebs der Volkskunde bei den Engländern, Nordgermanen, Holländern und 
Deutschen. — 

Die Bräuche einzelner Landschaften sind in grösserem Zu- 
sammenhange oder gesondert behandelt worden. Auf den merkwürdigen Gebrauch 
der Bettlerzinken macht S c h u k o w i t z ^') aufmerksam. Nachweislich seit 
dem 15. Jh. bis in die Gegenwart werden in den deutsch-österreichischen Alpen- 
ländem an Häusern, Bäumen usw. bestimmte Zeichen als Mitteilungen für Angehörige 
von Räuber- oder Bettlerbanden angebracht. — Die Bräuche, Mahlzeiten und Sprüche, 
die bei Hochzeiten, Taufen und Leichenbegängnissen in der oberen Steiermark 
üblich sind, schildert Anna Marx^^"^^). — Ueber das Verbreitungsgebiet, die Auf- 
stellungsart und die Form der Totenbretter^"-) handelt Marie E y s n ß'). Be- 
merkenswert ist es, dass diese Bretter in der Gegenwart eine Wandlung vom 
^,Leichladen", auf dem der Tote aufgebahrt und zum Grabe getragen wurde, zum 
blossen „Gedenkbrette" durchmachen. — Eine genaue" Schilderung der nachweislich 
seit dem 16. Jh. bis heute fröhlich mit kostümierten Umzügen abgehaltenen Ascher- 
mittwoch feierlichkeiten in E 1 g g bei Wlnterthur entwirft Spille r^^), — 

Die zahlreichen kleinen Mitteilungen über Bräuche und Feste in 
der Schweiz ^^"^^), in Süddeutschland ^ ''"'''), in den österreichischen Alpenländern ^2- -8^^ 



E. Mogk. D. dtsch. Sitten u. Bräuche. (= N. 54, S. 263-316.) — 54) Hans Meyer, D. dtsch. Volkstum. (Unter Mit- 
arbeit V. H. Helniolt, A. Kirclihoff, H. A. Köstlin, A. Lobe, E. Mogk, K. Seil, H. Thode, 0. Weise. 
J. Wychgram. M. .SO Taf. in Farbendr., Holzschnitt n. Kupferätzung.) L, Bibliogr. Inst. Vlil, 679 S. M. 15.00. — 55) 
X F. Ratzel. Einführ, in d. Heiin.itkunde. M. 4 Landschaftsbild. u. 2 Karten. L., Grunow. 332 S. M.2,50. (S. 320 ff.: 
Charakteristik d. dtsch. Eigenart.) — 56) E. Mogk, D. Behandl. d. volkstüml. Sitte d. Gegenw. (= Grundriss d. 
German. PJiilol., her. v.M. Paul. 2. Aufl. Bd. 3, S 493-530.) — 57) H. S ch u k o w i t z, D. Bettlerzinken in d. österr. 
Alpenländern: Globus 74, S. 1/6. (Vgl. Meyers Konv.-Lex., Jahres-Snppl. S. 123.) — 58) Anna Marx, Aus d. Leben d. 
steirischen Volkes im Mür2th;il : ZÖstrVolksk. 4. S. 290/5. — 59) id., Kleine Spott- u.Trntzlieder, wie sie gelegentlich d. Weiiens 
(Zahlen d. Mahles) bei d. Bauernhochzeiten im Mürzthale gesungen werden: ib. S. 295/6. — 60) X H. Heerwagen, 
Totenbretter im oberfränk. Amte Forchheim : Z VVolksk. 8, S. 346/7. — 61) M a r i e E y s n , Totenbretter um Salzburg : ib. S. 205/9. 
Mit 2 Tafeln. — 62) H. S p i 1 1 e r, Aschermittwoch in Elgg: SchwAVolksk. 2, S. 229-34. — 63) X A. R ü 1 1 i m a n n. Einige 
Gebräuche aus Vats (Graubönden) : ib. S. 166/7. (Taufe. Hochzeit. Tod u. Begräbnis. St. Nikolaus.) — 64) XJ- Für r er. 
Alter Fastnachtsgebrauch aus üri : ib. S. 165. — 65) J. C. Mnoth, Nachrichten über bündnerische Volksfeste u. Bräuche: 
ib. S. 116-51. (Gute Uebersicht d. rhätischen Bräuche in Gr.iubSnden. Verdient in unserem Berichte eine Erwähnung wegen 
d. kurzen Hinweise auf dtsch. Schweizerbränche.) — 66) X E. Schnell, Nikolausgehräuche in d. Schweiz: Baphael 18, N. 49. 
— 67) H. Lienhart, D. Knnkelstuhe: JbGElsass-Lothr. 14, S. 138-44.— 68) J. J. Hoff mann, Volksbräuche u. Sagen im 
Schwarzwald: Land 5, S. 188/9. — 69) X t^h. K o I b , Bauernhochzeit aus Schamhaupten bei Beilngries : MÜBayerVolksk. 3, N. 2, 
S. 2/4: N. 3, S. 1/2.- 70) X !*"• Guntram Schultheis», D. Haberfeldtreiben in Oberbayern: ÜL&M. 77, S. 150/2. — 71) 
X A. Freybe, Z. Beurteil, d. Haberfeldtreibens: Land 5, S. 268-70, 321/4, 3Uß, 350/4. — 72) X M ar i e Eysn, Botanisches 
z. Volksk: ZVVolksk. 8, S. 226/7. (Ueber Palmzweige in Süddentschland u. d. österr. Alpenländern.) — 73) Ch. Hauser, Weih- 
nachten in Langesthey: ÖUR. 23, S. 93-IU6, 210-26. — 74) X Marie Eysn, Eeisichthäufung in Nieder-Oesterr. (Mit Tafel.): 
ZVVolksk. 8, S.455;6. - 75) X n.Moses,D.Windfüttern('sWindfnattern): ZÖ3trVolksk.4, S.48. (Ueber diesen Brauch im Semmerin^- 



I 5:76-128 A. Hauffen, Volkskunde. 

bei den Siebenbürger Sachsen ''^^'^^^ ^ in Deutsch - Böhmen*3-94) ^ Sachsen ^^"88), 
Thüring'en99~'*'2) ^Y\d im übrigen Mitteldeutschland '"3- io6), in Braunschweig'o"" '•>"), 
Pommern^io-ii2~j ij^d dem übrigen Norddeutschland i^^-iis) seien kurz verzeichnet. — 
Volksglauben. In diesem Zusammenhange können wirdieMytho- 
log ie^^^-^22j nur so weit berücksichtigen, als sie sich auf die in Glaube und Brauch 
des deutschen Volkes fortlebenden mythischen Gestalten und Reste eines heidnischen 
Ritus bezieht. Darum muss erwähnt werden, dass der zusammenfassende 
Grundriss der germanischen Mythologie von Mogk'^S)^ der in reichstem Masse die 
deutschen Volksüberlieferungen herangezogen hatte, in der zweiten Auflage auch in 
dieser Beziehung überall die sorgsam nachbessernde Hand erweist. Das einleitende 
Kapitel zeigt Erweiterungen über den Begriff des Volksglaubens; S. 278 ist ein 
neuer Abschnitt über die Holden 124—125) nnd Perchten'^e) eingeschoben, die nicht mehr 
als einzelne (röttinnen, sondern als Gesamtbezeichnungen unterirdischer Geister auf- 
gefasst werden. S. 272 verteidigt M. seine alte Etymologie Werwolf '2") = Mannwolf 
(JBL. 1897 I 5 : 226). In der Darstellung wird hier sorgfältig nordisches von 
gemeingermanischem und deutschem Mythengut geschieden. — Mogk^^s) hat aber 
auch in einem besonderen Aufsatz die altdeutsche heidnische Religion mit strenger 
Beschränkung auf die deutschen Quellen und Formen geschildert: den Kultus, die 
Anschauungen von Wuotan, Donar und der unter verschiedenen Namen wieder- 
kehrenden weiblichen Göttergestalt, ferner den Satan- und Dämonenglauben, der sich 
aus den vielen zum Teil noch lebenden Sagen und Volksmeinungen in reicher 
Mannigfaltigkeit darstellen lässt. Auch hier wird entsprechend der Tendenz des 
Buches, in dem M.s Aufsatz erschienen ist, das Hauptgewicht auf die aus den Mythen 
zu erschliessenden Züge des deutschen Volkscharakters gelegt. — Gegen Mogks 
(N. 123, S. 52) und Knoops Ableitung des Namens Harke vom Harkenberge bei 



ffebiet.) — 76) X Marie Ey sn. Ans d. Bauris: ZVVolksk. 8, S. 91/3. (Ueber d. Perchtenlaufen im Salzburgischen.) — 77) X 
K. Kurs, Ostergebränfhe in Alt-Wien: Wiener Abendpost N. 79. (Palraesel, Fnsswasohung, Passionsspiel, Bäckeranfzng am 
Osterdienstag.) — 78) X '''•• PfinKstgebräuche in Oesterr.: ib. N. 120. — 79) X A. Wonner, Z. Volksk. aus Zied: 
KBIVSbnbgL. 21, 8. 82/4. (Vgl. ib. S. 43/4. Neujahr. Ostern, Pfingsten, Johannistag. Tanz. Tod n. Begräbnis.) — 80) 
X M. Walesoh, Festkalender u. Aberglaube aus Deutsch-Tekes: ib. 21, S. 56/8 — 81) X A. Graf Bethlen, Schwerttanz 
d. Siebenbürger Sachsen: EthnolMüngarn. G, S. 33. — 82) X J Ebengpanger, Weihnachten u. Anderes bei d. Hienzen: 
ib. S. 36/7. (Westnngarn.) — 83) X ^'- Mach, D. „Weiner"-Innung u. d. „Gurkenkönig" in Saaz: MVGDB. 37, S. 91/7. (D. 
Wahl d. Gnrkenkönigs ist e. uralter, noch heute bestehender Faschingsbr.anch d. Gurkenweiner, d. h. der Grünzeughändler in 
d. dtsch. Stadt Saaz in Bölimen.) - 84l X M. U r b a n , Zu d. ülteren Hochzeitsbräuchen im Egerlande: ZÖstrVolksk. 4, S. 111/2. 
(Nach e. Aufzeichnung vom Ende d. 18. Jh.) — 85) X H. Schnkowitz, Plunderwagen-Poesie: ib. 8, S. 153/4. (Aus d. 
Egerlande.) — 86) X ■*.. John, D. Tippen mit roten Eiern: Unser Egerland 2, S. 17. (Abdruck e. Verbotes d. Egerer Rates 
aus d. J. 1615.) — 87) X W. Peiter, Kindtaufen im llocherzgebirge: ZÖstrVolksk. 4, S. 115/6. - 88) X id., D. Laichen- oder 
Traueressen im böhmischen Mittelgebirge: ib. S. 114. — 89) X '"i-i ^- Feder-Prowenda im dtsch.-böhra. Mittelgebirge: ib. 
S. 267/8. (Festlicher Abschluss d. Federschleissens.) — 90) X H. Ankert, Sterbestroh in Nordböhmen: ib. S. 268/9. — 91) 
X E. Gerthner, Patenbriefe: MNordböhmExcursCIub. 21, S. 176. (Gereimte Patenbriefe ans d. J. 1761, 1783, 1795.) — 
92) X Mirza Klapper, D. Rockenstube: ib. S. .322/8. - 93) X F- W e nz e 1, D Tod.iustreiben: ib. S. 262/4. (Verbot e. 
Synodal Statuts v. 1366.) — 94) X E- Petrak, üeber Gebräuche u. Aberglauben im Riesengebirge: Riesengebirge 18, S. 1/9. 
(Vgl. ib. S. 22/7.) — 95) X 0. Walther, Ueber d. wichtigsten Familienfeste in Lugan vor etwa 60 J.: MVSächsVolksk. 7, 
S. 8-11. — 96) A. Meiche, Johannisfeuer: ib. S. 4/8. (Im Meissner Hochland. Mit Anmerkung t. E. Mogk.) — 97) X 0- S., 
Banernreiten in Altenbnrg: ib. ü, S. 11/2. (Festzug zu Pferde in d. alten Trachten.) — 98) X C. Pfau, Beitrr. z. sächs. 
Sittengesch. nach gerichtl. Buchungen: ib. S. 6-11. (Rochlitz 1560-1620; Strafen wegen Raufereien, Abhaltung e. Spinnstube 
usw.) — 99) X E. Johannisfest in Thüringen: Wartburg-Herold 5, S. 180/3, 209-24. - 100) X H. Goering, D. Kinderfest 
am 3. Ostertage in Berka a. d. Werra: ib. 4, S. 259-64, 268-77. — 101) X A. Trinius, Pflngstgebräuche im Thüringer wald. 
Mit 4 Abbildg.: Gartenlaube, 1897, S. 364/0.-102) X K- Gusinde, Schles. Pfingstbitie: MSchlesGesVolksk. 5, S. 59-61. (In 
Kunersdorf in d. 50er J. üblich.) - 103) X A. Buff, Hessisches Leben in Sage u. Sitte: MVHessG., 1897, S. 31-41. — 104) 
X W. Hardebeck, Feste u. Volksgebräuche in d. Winterzeit: MVGAltertumskHasegau. 7, S. 31-44. (Nikolausfest. Mitte- 
winter. Weihnachten. Sylvester. 3 Könige. Fastnacht. Mit Sagen. Alles aus d. Gegend v. Ankum.) — 105) X Staubaus- 
fest (Sommerfest) in Horchheim (Kheinhessen): QBllHVHessen. 2, S. 19. — 106) H. Arnold, D. Himmelbrotschützen zu 
Laufen: ÜL&M. 78, S. 72.3/5. - 107) X !'• Beck, Aus d. bäuerl. Leben in Nordsteimke (Braunschweig): ZVVolksk. 8, S. 213/7. 
(D. Spinnen. Spiele am Mathias-Abend.) — 108) X H- Schattenberg, D. „Hänseln" im Braunschweigisohen: BraunschwMag. 

4, S. 197-200. (Bei d. Aufnahme d. jungen Burschen in d. Knechtsgeraeinsch. am Dreikönigstage.) — 109) X 0. Schütte, 
Frühere Hochzeitsbräuche: ib. S. 182. — 110) X A. Haas, Patenbriefe: BllPommVolksk. 6, S. 138/9. —111) X id., Osterwasser: 
ib. S. 86/7. — 112) X E.Rexilius, D. Hirtenkönig: ib. S. 37/8. - 113) X Bergische Hochzeitsbräuche. Umfrage: MschrBergGV. 
3, S. 101/2, 132/5, 160/2, 182/4, 245/6. —114) X von der Aa, D. Klootscheeten, e. ostfries. Volksspiel: Land 5, S. 172/3. — 115) 
X E. Fr i edel, Weihnachtsgebräuche in Picheisdorf u. Tiefwerder bei Spandau: ßrandenbnrgia 6, S. 214/5. — 116) X S. 
Heckscher, Hambnrgisch. Kinderspiel u. Strassenbelustigung: MVHarabnrgG. 18, S. 494/7. - 117) X A. Werner, Bräuche aus 
d. Kreise Zauch-Belzig: JBHVBrandenbnrg a. H. N. 29-30, S. 7.5-80. — 118) O X A. Haas, Kügensche Skizzen. Greifswald, 
Abel. 140 S. M. 2,40. |[K. Weinhold: ZVVolk!.k. 8, S. 106; Br. : BllPommVolksk. 6, S. 112.JI (E. Reihe t. Aufsätzen z. Gesch. 
n. Landsch. d. Insel; ferner: Ehemal. Hochzeitsgebränche, Erntcbränche, Ranchhäuser.) — 119) O X P- Herrmann, Dtsch. 
Mythol. in gemeinverst. Darstell. Mit 11 Abbild. L, Engelmann. 532 S. M. 3,00. (Hat nach R. M. M eye rs Urteil [ZVVolksk. 
9, S. 99-lOÜJ d. volkstüml. Ueberlieferungen d. niederen MythoIo„'ie mit Glück u. selbständ. für seine Zwecke ausgebeutet.) — 
120) O X J- H- Sohlender, German. Mythol. Z Selbstud. u. z. Gebrauch an höh. Lehranst. Dresden, H.Minden. Vi212S. 
M. 2,40. — 121) X F. Kauffmann, Dtsch. Mylhol. 2. Aufl. 2. Abdr. (=: Sammlung Göschen N. 15.) L., Göschen. 119 S. 
M. 0,80. (Vgl. JBL. 1893 15:8.) — 122) O X li- Knappert, La religion germanique, d'apres le dernier ouvrage de M. 
Golther. Paris, Leroud. 37 S. — 123) E. Mogk, German. Mythol. 2. Aufl. Strassburg 1. E., Trübner. VI, 177 S. M. 4,50. 
|[A. Schuller us: JBGPh. 20, S. 324/5.]| ^Sonderabdr. aus d. Grundriss d. germ. Phil. Her. v. H. Paul.) — 124) X Th. 
Vernaleken, D.Frau Holle in Oesterr.: ZÖstrVolksk. 4, S. 1/6. (Ueber Ortsnamen mit Holle u. Sagen über diese Erscheinung, 
die Vf. noch als Göttin auffasst.) — 125) X E. Kück, D. Holzmark Hollenstedt im Lüneburgischen: JbVNiederdSpr. 23, 

5. 54-63, (D. Name Hollenstedt, alt Holdunstedi, wird abgeleitet v.d. Holden. — Abdruck u. Erläuterung e. alten Weisturas.) — 126) 
X M. Höfler, Perchta: Urquell 2, S. 199-202. 127) X A. Ü. Napier, Werwolf: BGDS. 23, S 571/:i. — 128) E. Mogk, 



A. Hauffen, Volkskunde. I 5 : 129-I6I 

Camem in der Mark wendet sich W e i n h 1 d '29)^ indem er neue Harkensag-en aus 
Dithmarschen und neue Zeugnisse für die weite Verbreitung- der Mythe von dieser 
Jagd- und Waldriesin in Nieder deutschland vorträgt. — An seine älteren Arbeiten 
über die heidnische üötterverehrung der alten Deutschen (vgl. JBL. 1893 I 5 : 50, 
1895 I 5:199, 1897 I 5:226, 285) schliesst Weinholdi^o) eme gelehrte Unter- 
suchung an über die Verehrung der Quellen in Deutschland. Von dem 
Gedankengange dieser umfassenden Behandlung eines reichen Stoffes giebt W.s 
Selbstanzeige ein klares Bild: „Auch die Germanen haben gleich den anderen alten 
Völkern , namentlich gleich den Hellenen und den Römern die Ursprünge des 
Wassers als göttliche und von dem Göttlichen besessene Orte verehrt und dankbaren 
Dienst an sie geknüpft. Mit dem Sturze des Heidentums ist der Quellkultus nicht 
erloschen, sondern er lebt vielerorten und nur in den Namen der Empfänger ver- 
wandelt bis in die Gegenwart fort Das beweist meine Abhandlung aus reichem 
Material. Im ersten Abschnitte beantworte ich die Frage, woher man die Herkunft 
der Quellen leitete; im 2. die nach göttlichen Geistern, die man in ihnen wohnend 
und wirkend glaubte; im 3. wird der Kultus geschildert: die äussere Bezeichnung 
der heiligen Quellen, die Wallfahrten zu ihnen, die Verehrung durch Gebet und 
durch Opfer: Menschen- und Tierleben, Blumen und Laub, Speisen, Münzen und 
Schmucksachen, Nadeln und Nägel, Hufeisen, Kiesel, Kleidungsstücke, Lichter, genug 
eine bunte Hülle von Darbringungen, durch welche Hülfe gesucht und Dank für die 
erhaltene Hülfe von den ältesten Zeiten bis in die Gegenwart hinein bezeugt worden 
ist. Durch die Vergleichung mit den rituellen Gebräuchen des Altertums, sowie 
verwandter moderner Völker wird der deutsche Quellkult ebenso in helleres Licht 
gesetzt als fester begründet." Auch diese Abhandlung fusst nicht nur auf alten 
Quellen, sondern auch auf Volksüberlieferungen aus neuen Sammlungen und aus der 
lebenden Gegenwart, Mythen, Legenden, Sag-en, Bräuchen und Meinungen. '^i—^^^^ — 
Der mythischen Gestalt des W a s s er m an ns '^•^), die Weinholds Untersuchung 
streift, hat Hau f f e n^^*) eine kleine Studie gewidmet, worin er nach den vorhandenen 
Quellen die Naturbeschreibung dieses vorwiegend schädig-enden, im Volksglauben 
noch weit und breit lebendigen Wasser dämons, ferner mehrere Sagen, Kinderlieder 
und neue Züge zu seiner Charakterisierung aus Deutschböhmen liefert. ^^^~'^'') — 

Ueber den Aberglauben im allgemeinen '"^'"^^3) und über seine ver- 
schiedenen Aeusserungen in einzelnen Landschaften'**^''*^) sind mehrere Arbeiten 
erschienen. Aus dem Kanton Zürich hat Hirzel'*") die volkstümlichen Vorzeichen 
und Orakel (für den Tod, Glück und Unglück, Witterung- usw.), Beiträge zur Zauberei, 
zur Volksmedizin, zum Hexen- und Gespensterwahn mitgeteilt. — 

Sehr gross ist die Litteratur über einzelne Gebiete der Volks- 
anschauung und der abergläubischen Meinungen i48-i57) Hervorzuheben wären 
hieraus die von Haas '^^) zusammengestellten Volksmeinungen, die sich an H a u s'^^'i^^) 
und Hausrat, Thür und Schwelle, Fenster und Ofen, Herd und Speisekammer in Pom- 
mern anschliessen, und die lehrreiche und anregende Schrift über die Natur^^a-j jj^ 



D. altdtsch. heidnische Religion. (= N. 54, S. 317-34.) — 129) K. Weinhold, Frau Harke in Dithmarschen: ZVVolksk.S, S. 210/3. 
— 130) id., D.Verehrung d. Quellen in Deutschland. B., Reimer. 4". 69 S. IfK. Weinhold: ZVVolksk.S, S. 230/1.] | (Sonder- 
abdr. aus AbhAkBerlin.) —131) X A.Wünsche, D. Lebensquell in d. Mythen d. Völker: N&S. 86, 85-97. (Mythen n. Sagen v. 
Wässern, die Kraft, Gesundheit, Unsterblichkeit verleihen.) — 132) X Schell, D. Gezelinquelle bei Schlebusch unweit 
Köln: ZVVolksk. 8, S. 343/4. — 133) H.L.Weber, D. Wassermann: ErzgebirgsZg. 19, S. 237/8. (Vgl. ib. S. 46/7). — 
134) A. Hauffen, Z. Kunde vom Wassermann. (= Festgabe für R. Heinzel. [B., Felber. 567 S. M. 14,00), S. 77-90.) — 135) 
X H. Schumann, D. Heidentum am Harze: MagdebZg. 1897, N. 208, 213/4, 219-20. - 136) X 0. Knoop, Zwergnamen 
in Pommern: BllPoDsmVolksk. 6, S. 70/1. — 136a) X ß- Cogho, D. Walen oder Venediger im Riesengebirge: MSchlesGesVolksk. 
5, S. 1/7. (In d. Anschauungen v. diesen fremden Bergarbeitern mengen sich Züge v. Zwergen-Mythen.) — 137) X ^- Aber- 
glaube: Protestant 2, S. 45/8, 62/5, 78-81. — 138) X 0- Hörth, Glaube u. Aberglaube: EthKult. 6, S. 156,9. - 139) X Z. 
Kapitel Aberglauben: DMerkur. 29, S. 84,6. — 140) X L- Blnmenau, Aberglauben: AZgJudent. 62, S. 463/4. — 141) O X 
A. Lehmann, Aberglaube ii. Zauberei v. d. ältesten Zeiten an bis in d. Gegenw. Dtsch. von G. P. Petersen. St., Enke. XII, 
556 S. Mit Abbild. M. 13,00. [Th. Achelis: BLU. S. 633/4.]! - 142) O X A. Löwenstimm, Aberglaube n. Strafrecht. 

E. Beitr. z. Erforsch, d. Einflusses d. Volksansch. auf d. Verübnng v. Verbrechen. Autorisierte Uebersetz. ans d. 
Russischen. Mit e. Vorwort von Jos. Kohler. B., Rade. XV, 232 S. M. 2,50. 1[K. Weinhol d: ZVVolksk. 8, S. 108/9.]| — 143) 
X J. Schmidkonz, Aberglaube aus alten Gerichtsbüohern: MÜBayerVolksk. 4, N. 2, S. 3 4. — 144) X Helene Raff, 
Aberglauben in Bayern: ZVVolksk. 8, S. 394-402. (Im Anschl. an d. Familienbräoche u. an d. festliche Jahr.) — 145) X Berliner 
Aberglaube: Brandenburgia 6, S. 176/S. (Vgl. ib. S. 374/6.) — 146) X M. G., Aberglaube ans Altenburg: MGeschichtsforsch- 
GesUsterland. 11, S. 116. — 147) P. Hirzel, Aberglauben im Kanton Zürich: SchwAVolksk. 2, S. 215-23, 257-79. — 148) X i^-. 
st. Andreas als Heiratsstifter: Urquell 2, S. 113/4. (Vgl. ib. S. 91/2, 179-84, 214/7.) - 149) X E. Fricker, D. Andereslen, 
Bittsprnch am 30. Nov.: SchwAVolksk. 2, S. 63. - 150) X (JBL. 1897 I 5:239.) |[H. Grössle r: ManslelderBll. 12, S. 209-10; 
A. Tille: LCBl. S. 913/4; K. Weinhold: ZVVolksk. 8. S. 231 (Mit Berichtig.ingen.).] | - 151) X W. Drexler, Noch einmal 
Sancta Kaknkilla-Catubilla: ZVVolksk. 8, S. 341/2. — 152) X H. Moses, D, Länge heil. Personen: ZÖstrVolksk. 4, S. 152/3. 
(Gebetstreifen n. Volksglauben im Semmeringgebiet; vgl. ib. S. 208.) — 153) X A. deCock, D. Nobelskrug: Urquell 2, 
S. 260/1. (VgL ib. 8.34,112/3, 219-20.) - 154) X P- Sartori, Glockensagen n. Glockenaberglaube: ZVVolksk. 8, S. 29-38. (Schlnss 
T. JBL. 1897 I 5:429; Aberglauben, Anzeichen von Todesfällen u. Feuersbrünsten. Heilkraft, Zauber d. Glocken usw.) — 155) 
X V. Heede, Brautaberglaube: DtschHausschatz. 24, N. 17. - 156) X 0. Schell, Woher kommen d. Kinder?: ürqneH 2, 
S. 88/9. — 157) X R. Sprenger u. A. Herrmann, Lebendige Richtschwerter: ib. 2, S. 31)2, 177/9. — 158) A. Haas, D. 
Haus in Glaube u. Brauch d. Pommern: BUPommVolksk. 6, S. 104/6, 139 41, 157-60. - 159) X J- Stinde, Herd-Aberglaube: 
IllFrauenZg. 25, S. 3/G. - 160) X M. Beck, Mythol. Backwerk: ÜL&M. 77, S. 167/8. — 161) X M. Heinzel, Pferd u. Fuhr- 



I 5:162-211 A. Hauffen, Volkskunde. 

Volksmunde von M üll enh of f^^^). Aus den Sagen, Redensarten, volkstümlichen 
Benennungen lernt M. die Meinungen und Anschauungen des Volkes von der Natur 
kennen und stellt sie nun in übersichtlichen Gruppen dar. Zunächst bespricht er die 
irrtümlichen Beobachtungen und Benennungen des Volkes (z. B. Blindschleiche, 
Neunauge) und sucht sie zu erläutern. Dann die willkürlichen Deutungen richtiger 
Beobachtungen (S. 22ff". z. B. wird gezeigt, wie die Stimme des Uhus viele Züge 
zu dem Bilde des Wilden Jägers geliefert habe). Femer die Volkserzählungen 
aus der Natur, die Lebensregeln veranschaulichen, und was damit zusammenhängt, 
die poetischen Darstellungen richtiger Beobachtungen (die Märchen von der Eiche, 
die immer Blätter hat, vom kecken Zaunkönig, vom Flunder mit dem schiefen Maul). 
Endlich zeigt M. an einer Reihe von überzeugenden Beispielen, wie richtig und genau 
das Volk beobachtet, und wie viele scheinbar abergläubische Vorkehrungen, Meinungen 
und Heilmittel des Volkes durch Entdeckungen der Wissenschaft als berechtigt 
befunden worden sind. — Auf einen Teil des hier behandelten Gebietes, auf 
die P f lan z e ni^4"^i6ß), bezieht sich das bereits in dritter Auflage veröffentlichte 
hübsche Buch von Reling und Bohnhorst i^^j, das mit Erfolg in Schule und 
Haus die Pflege sinniger Naturbetrachtung zu fördern bestrebt ist. Zu den wichtigsten 
Bäumen, Sträuchern und Blumen Deutschlands werden die volkstümlichen Namen 
und Deutungen, Sagen, Legenden, Bräuche und Aberglauben, sowie neuere Gedichte 
beigebracht. Ich glaube aber, dass bei Gelegenheit der neuen Auflage die vielen 
jüngeren volkskundlichen Sammlungen zur Auffrischung des Materials hätten benutzt 
werden sollen. — Volkstümliche Anschauungen, Dichtungen und Vorkehrungen, die 
mit der T i e r w e 1 1^^^^^''^) zusammenhängen, hat K n o o p ^'^) für Pommern in grosser 
Reichhaltigkeit zusammengetragen. 175-177-) _ Meist kleinere oder mir nicht zugäng- 
liche Beiträge sind im Berichtsjahr zur volkstümlichen W e tt er k un d ei''8-i82)^ zum 
Wahr s a g eni83-i88)^ zur Za u b e r e i^sa 190-)^ 2um S ch atzg r ab e n'^i"i^2), zum 
Gespensterspu ki93-i99) und zum Hexenwahn 200-211^ erschienen. — Hin- 



werk: MSchlesGesVolksk. 5, S. 20. — 162) X H. Steuding, Kahlbaum, Mythos n. Natura: BPhWS. 18, S. 1586. — 163) K. 
Müllenhof f, D. Natur im Volksmnnde. B., Weidmann. VIII, 95 S. M. 1,60. |[LCB1. S. 1166; K. Wein hold: ZWolksk. 8, 
S. 355/6: K. P. Schulz: ZGymn. 32. S. 475;6.]| — 164) X R- Kramer, D. Pflanzenwelt in dtsch. Glauben n. Branch: 
BildungsVer. 28, S. 53/7. — 165) X F. Branky, D. Rauten. E. kleines Kapitel z. Sittenkunde d. dtsch. Volkes: AReligions- 
wissensch. 1, S. 104-10. (Mit Beitrr. z. Volksmedizin.) — 166) X D- Orchideen in Sage n. Gesch.: Stein d. Weisen 9, N. 12. 
— 167) H. Reling u. J. Bohnhorst, Unsere Pflanzen in ihren dtsch. Volksnamen, ihrer Stellung in Mythol. U.Volksglauben, 
in Sitte n. Sage, in Gesch. u. Litt. Beitrr. z. Belebung d. botan. ünterr. n. z. Pflege sinniger Freude in u. an d. Natur 
in Schule u. Haus. 3. verm. Aufl. Gotha, Thienemann. XVI, 411 S. M. 4,60. — 168) X W. Peiter, Volkskundliches aus 
d. Hochorzgebirge: ZÖstrVolksk. 4, S. 212. (Aberglauben in Bezug auf Tiere.) — 169) X P- Dithms, Eheraal. Verbreitung, 
Aussterben u. volkskundliche Beziehungen d. Elchs in Westpreussen: Globus 74, S. 218-21. — 170) X K. Gander, Aus d. 
Gebiet d. Viehzucht (Volksk.): NiederlausM. 5, S. 57-67, 158/9. — 171) X H. Steinthal. D.Kröte im Mythos: AReligions- 
wissensch. 1, S. 183/7. — 172) X "■ Ol brich, Dtsch. Schlangensagen: MSchlesGesVolksk. 5, S. 39-47. (Grundanschauungen; D. 
Schlangengestalt als Erscheinungsform d. Seelen; chiistliche Einflüsse: d. Schlangengestalt als Hülle für unselige Geister; 
Ueherrehte d. Schlangenseclenglaubens: d. Schlangen als Zauber- u. Wundertiere.) — 173) X Marie Eysn, D. Antlass-Ei 
im Salzbnrgischen: ZVVoIksk. 8, S. 339-40. (Aberglauben im Anschluss an d. am Gründonnerstag gelegten Hühner-Eier.) — 173 a) 
X F. Branky, Z. Vogel Hein: Urquell 2, S. 115. (Vgl. ib. S. 228/9.) — 174) 0. Knoop, Volkstümliches aus d. Tierwelt: 
BllPomm Volksk. 6, S. 10/3, 28-30, 40/4, 59-61, 73/7, 91/3, 106/S, 136/8. (Vgl. ib. S. 13/4.) — 175) X E. Friedel, Zu W. v. 
Schulenburgs Vortrag: D. Stein im Volksglauben d. Spreewalds: Brandenburgia 6, S. 496-507. — 176) X Ueber d. Zigeuner- 
wasser in Jachenau: MschrHVOberbayern. 7, S. 165/6. — 177 X J- Stinde, Mond-Aberglaube: IllFranenZ-. 25, S. 67. —178) 
X E- V. Strele, Wetterläuten n. Wetterschiessen. E. kultnrgesch. Studie: ZDöstrAlpenver. 29, S. 123-42. (E. mit viel 
urkundl. Material aus älterer Zeit belegte Studie für d. Alpenländer.) — 179) X E. Pauls, Aachener Wetterhörner: ZAachenGV. 
20, S. 281/3. — 180) X J- Stibitz, Donnerkeile: Urquell 2, S. 230. — 181) X J- Haudeck, Bauernpraktiken: MNord- 
böhmExcursClnb. 21, 288-90. — 182) X E. Bohn, Bauernregeln u. Wetterpropheten: DtschHausschatz. 24, N. 11. — 183) X 
P. Bahlmann, Westfälische „Spökenkieker" u. ihre Vorgeschichten. E. Sammlung älterer Prophezeiungen aus u. über 
Westfalen. Münster, H. Mitsdörffer. 32 S. M. 0,50. — 184) X G. Brückner, Unglückstage imjahr: KBIVSbnbgL. 21, S. 6. — 
185) X J- Werner, Verworfene Tage: SchwAVolksk. 2, S. 167/8. - 186) X A. Treichel, Stolpern u. Hinfallen: Urquell 2, 
S. 29-31. — 187) X ß- Redlich, D. Wahrsagekunst im Dienste d. Justiz: ZKG. 6, S. 103/9. — 188) X R- Sprenger, 
Von d. Hand, d. aus d. Grabe herauswächst: Urquell 2, S. 261. (Vgl. ib. S. 90-100, 176/7.) — 189) X E. Hof fmann- Kray er, 
E. Zauborprozess in Basel 1719: SchwAVolksk. 2, S. 283-90. (Nach Akten wiedergegeben; es handelt sich um theurgische 
Magie mit volkstüml. Mitteln). — 190) X K. Reiterer, Vom Diebebannen u. Lebenabbeten: ZÖstrVolksk. 4, S. 265/6. (Zauberei 
in Obersteiermark.) - 191) X A. F. Dörler, Schätze u. Schatzhüter in Tirol: iii. S. 225-34. — 192) X K. Spiegel, Ueber 
Schatzsagen: MUBayerVolksk. 4, N. 2, S. 1/3. — 193) X Helene Raff, Spukgeschichten ans d. bayerischen Kreise Schwaben: 
ZVVoIksk. 8, S. 180/2. - 194) XE.Worra, Mönchgauder Spaukgeschichten. Greifswald, Bärwolf. 37 S. M. 1,00. |[A. Haas: 
BllPommVolksk. 6, S. 188.JI — 195) X G. Ferchl, Geisterspuk in Marquartstein (1575): MBlHVOberbayern. 7, S. 56. — 
196) X F. Urech, D. Ong'hüü'r am Spennrad: SchwAVolksk. 2, S. 249-50. - 197) X E. Miller, Albsage vom Wenzelstein: 
BllSchwäbAlbVer. 9, S. 123/4. (Vgl. ib. S. 53/4.) - 198) X K. A. Tscherning, Albsagen vom Schönbuch: RentlingerGBll. 8, 
S. 20/5. — 199) X A. Störzner, Noch einmal d. Koberchen: MVSächsVolksk. S. 15/6. (Vgl. JBL. 1897 1 5:236.) - 200) 
X E. Pauls, Zanherwesen u. Hexenwahn am Niederrhein: BGNiederrh. 13, S. 134-242. — 201) X G- Tobl'er, Z. Hexen- 
wesen in Bern: SchwAVolksk. 2, S. .59-60. (Vgl. Akten von 1467-73.) — 202) X A. Ithen, Ueber Hexen u. Hexereien: ib. 
S. 106-15. (Interessante Hexensagen nach mfindl. Mitteil, älterer Personen in Ober-Aegeri im Zugerland.) — 203) X F. 
Ahrendts, Hexengesang: Urqaell 2, 8. 95,6. — 204) X E Pauls, Niederrhein. Molken-Zauberformeln: ZDKG. 5, S. 305-20. 
(Nach e. Hs. d. Düsseldorfer Archivs aus d. Anfang d. 16. Jh. u. aus d. Gegend v. Emmerich. Molkenzanberin-Hexe.) — 205) 
X E. Opfermann, D. Hexen v. Wahns: Wartburg-Herold 1, S. 183/6. — 206) X Verhörprotokoll über e. der Hexerei 
Angeklagte. (Frödstedt 1680): Ans d. Heimat 1, S. 41/3. — 207) X A. Human, Herzog Joh. Casimirs „Gerichtsordnung d. 
Hexerei betr., publiziert am 21. Febr. 1629", ans d. Hildburghäusor Ratsarchiv mitgeteilt: SVSachsenMeiningG. 29, S. 99-112 
— 208) X J. Kranss, D. Walpurgisnacht: ErzgebirgsZg. 19, S. 85/8. — 209) X 6- Steinhausen, Quellen u. Studien z. 
Gesch. d. Hexenprozesse. (= Beitrr. z. Kultnrgesch. N. 2.) Weimar, Felbnr. 111, 71 S. M. 2,00. — 210) O X Th. Ebner, 
Friedrich v. Spoe u. d. Hexenprozesse seiner Zeit Hamburg, Verlagsanstalt. 4!) S. M. 1,00. — 211) X 0. Schell, Beitrr. 




A. H a u f f e n , Volkskunde. 1 5 : 212-26O 

g-ewiesen sei nur ausdrücklich auf die aufschlussreiche Monographie über Nikolaus 
Mag-ni de Jawor von Franz^ia)^ der S. ISlff. eingehend über die 1405 abgefasste, 
in vielen Hss. verbreitete, aber noch ungedruckte Schrift De siiperstitionibus 
von Jawor Bericht erstattet. Diese „schulgemässe Darstellung- der Dämonolog'ie" 
zeichnet die Stellung* der Kirche dem heidnischen Aberglauben des Volkes gegen- 
über, bringt viele mittelalterliche Sagen und Beschwörung-en und eine Menge über 
abergläubische Bräuche der Zeit. S. 172 weist F. das Wort „Hulda" für das erste 
Viertel des 15. Jh. nach. — 

Aus den Arbeiten über Volksmedizin 213 -229)^ Beschwör unge n230-23i) 
und S e g e n 232 '240j ragt hervor die Arbeit von Zahler^^ij über die Krank- 
heit im Volksglauben des Berner Simmenthaies. Z., der ein grösseres Werk über den 
gesamten Volksglauben dieses Gebietes vorbereitet , schöpfte aus der lebendigen 
mündlichen Ueberlieferung und aus hs. (zum Teil aus dem 17. und 18. Jh. 
stammenden) Arzneibüchern. Das reiche Material ist sehr übersichtlich angeordnet. 
Nach einleitenden Bemerkungen über die anatomischen und physiologischen 
Anschauungen des Volkes überhaupt werden 1. die volkstümlichen Meinungen über 
die Entstehung der Krankheiten, 2. die Massregeln zu ihrer Abwehr und Verhütung, 
3. die Veranstaltungen zu ihrer Heilung (Universalmittel, Rezepte, Pflanzen, Sagen 
usw.) vorgeführt. In vergleichenden Anmerkungen werden nicht nur die einschlä- 
gigen neueren Sammlungen Deutschlands, sondern auch die fremder Völker und die 
naturwissenschaftliche Litteratur des Mittelalters und des 16. Jh., die ja ganz durchsetzt 
ist von abergläubischen volkstümlichen Anschauungen, herangezogen. — Das Heil- 
verfahren der Tiroler Bauern, soweit es mit der gesamten heimischen Tierwelt vom 
Bären bis zu den Würmern herab in Beziehungen steht,, hat Dörler^^S) erschöpfend 
behandelt. — 

Sagen und Märchen. Einen lehrreichen kleinen Beitrag zur Sagen- 
b ildu ng243-245^ liefert P a u d 1 e r246), indem er die thatsächlichen Bestandteile in 
lebenden Volkssagen an der Hand von Akten aufdeckt. — 

Indem ich die Tiersage 2*7-248) und die romantischen Sagen des Mittelalters 2*9) 
beiseite lasse, erwähne ich aus dem Gebiete der Heldensage nur die Gesamt- 
darstellung- von Symons25o^, weil hier, und zwar in der neuen Auflage noch aus- 
giebiger, die volkstümlichen üeberlieferungen, soweit sie sekundäre Quellen für die 
Heldensage darstellen, herangezogen sind. So namentlich S. 643/4 Volkslieder, Sagen 
und Märchen. S. aber unterscheidet vorsichtig zwischen Zeugnissen lebender Mythen 
nebst Sagenüberlieferungen und Nachklängen litterarischer Quellen. — 



e. Volksjnstiz im Bergischen: Urquell 2, 8. 222/7. — 212) J. Franz, Nit. Magni de J.iwor. E. Beitr. z. Litt- u. Gelehrtengesch. 
d. 14. u. 15. Jh. Freiburg i.B., Herder. XII, 269 S. M. 5,00. — 213) X Marie Eysn, Mittel gegen Zahnweh : ZVVolksV.8, S. 228/9. 
(Ans Ober-Oesterr.) — 214) X *'• Hartmann, Zaubersegen: JbGEIsLothr. 14, S. 83. (Gegen Verstauchung) — 215) X 
E. Seidel, Symp.ithieformeln u. Zanbermittel ans d. Saalthul: SVSachsenMeiningG. 29, S. 37-55. (E. reiche Sammlung.) — 
216) X M. Höfler, D. Totenköpflein. Beitr. z. Osteologia sacralis et culinaris: ZÖstrVolksk. 4, S. 114/5. — 217) X J« 
Böck-Gnadenau, Volksmedizin u. Volksrätsel aus Niederösterr. : Urquell 2, S. 210.3. — 218) XI''"^''"^ Schullerns 
Pflanzennamen ausAlzen: KBlVSbnbgL. 21, S. 14/8, 28-30, .S6/S. (Namen, Verwendung, Redensarten, hauptsächl. Volksmedizin.) 

— 219) X W. Peiter, Volkstüml. Tierheilkunde im Hocherzgebirge: ZÖstrVolksk. 4. S. 306/7. - 220) X H. Ankert. 
Hans- u. Zaubermittel ans Nordböhmen: MNordböhmExcursClnb. 21, S. 186/7. (Tierheilkunde.) — 221) X M. Urban, Z. 
Volksheilkunde: ib. S. 179-83. - 222) X H. Ankert, E. kleiner Beitr. z. Volksmedizin Nordböhmens: ZÖstrVolksk. 8, S. 46. 
(Aus Wernstadt.) — 223) X C. Pfau, Alte Volksrezepte: MVSächsVolksk. N. 6, S. 9-12; N. 7, S. 11/4. (Allgemeines über 

d. volkstüml. Bezeptsammlungen u. Proben aus geschriebenen sächsischen Bezeptbüchern d. 17. u. 18. Jh.) — 224) X ^- ^^■ 
Hanse, Volksmedizin in d. Grafschaft Ruppin u. Umgegend: ZVVolksk. 8, S. 56-62, 197-205, 304;9, 389-94. (Fortsetz, zu 
JBL. 1897 1 5:303.) —225) X ^- Blanck u. A. Wilhelmi, Aus d. Volksheilkunde Mecklenburgs: AVFreunde d. Naturgesch. 
Mecklenburgs 50, S. 190-245. — 226) X Volkstüml. Heilmittel: BllPommVolksk. 6, S. 141/2. — 227) X A. Haas, D. 
Johanniskraut: ib. 6, S. 38/9, 9,5/6. (Z. Volksmedizin.) — 228) X Tb. v Grienberger, D. altdtsch. Heilsproch gegen d. fallende 
Sucht: ZDA. 42, S. 186-93. (Vgl. ib. S. 365/6.) — 229) O X J- Holfert, Volkstum]. Arzneimittel namen: e. Sammlung d. im 
Volksmunde gebräuchl. Benennungen d Apothekerwaaren. Nebst e. Anhange: Pfarrer Kneipps Heilmittel. 2. Aufl. B., Springer. 
VI, 229S. M. 3,00. |[LCB1. S. 1724/5.) — 230) X B. Kroboth, Krankheitsbeschwörungen: ZÖstrVolksk. 4, S. 112/3. (Nach 

e. geschrieb. Buch t. 1855 in Themenau, Nieder-Oesterr.) — 231) X C. Sohnmann, Besprechungen aus Lübeck: Urquell 2, 
S. 259-60. (Vgl. ib. S. 99-101.) — 232) X K. VVeinhold, E. Diebssegen: ZVolksk. 8, S. 346. (Aus Walterstorf in Obersteiermark 
1812 aufgezeichnet.) — 233) X Egerländer Volks.iberglanbe: Unser Egerland 2, S. 42/3. (Fenersegen. Diebssegen. VVatTensegen.) 

— 234) X Egerländer Feuersegen: ib. S 10. - 235) X F- Mencik, E. erprobter Fenersegen : ZVVolksk. 3. .S. 345. (Handschriftl. 
aus Nieder-Oesterr. 17. Jh.) — 236) X 0- Knoop, D. Satorformel in Pommern: BllPommVolksk. 6, S. 155/6. — 237) X 
Hühner-Segen: ZVVolksk. 8, S. 229. (Aus Salzburg.) — 238) X K. Weinhold, Hirtensprüche: ib. S. 336/9. (Hüterc^egen. Vieh- 
segen aus d. Alpen mit reichen litter. Nachweisen.) — 239) X 0. Heilig, Alte Segen: Urquell 2, S. 101/5, 172/5, 241/4. — 
240) X id., E. Auswahl altdtsch. Segen aus Heidelberger Hss.: Alemania 25, S. 262/8; 26, S. 70/2. (Gegen Fieber, Gicht, 
Würmer usw.) - 241) H. Zahler, D. Krankheit im Volksglauben d. Simmenthals, e. Beitr. z. Ethnogr. d. Berner Oberlandes 
(= Arbeiten ans d. geogr. Institut d. ünivers. Bern. N. 4.) Bern, Haller. 140 S. M. 2,00. |[0. Stell: DLZ. S. 1928/9; 
A.Hauffen: Euph. 6, S. 414/5: E.H. Hoff m ann-Kray er: SchwAVolksk. 2, S. 310/1 ; K. Weinhold: ZVVolksk. 8, S. 466/7.] | 
242) A.F.Dörler, D.Tierwelt in d. syrnpathet. Tiroler Volksmedizin: ZVolksk. 8, S. 38-43, 168-80 — 243) X G.Holz, Sagen- 
bildung u. Sagenentwicklung: Grenzb. 1, S. 81/8, 135-43. — 244) X G- Berg, 2 Beispiele für d. Sagenbildung in d. jüngsten 
Gesch. d. Neumark: SVGNeumark. 7, S. 201/3. — 245) X W. Zahn, D. Sagensteine d. Allmark: MagdebZg». N. 2.51/2. — 
246) A. Paudler, Ueberraschungen n. Bestätigungen: MNordböhmExcursClub. 21, S. 127-33. — 247) X C. Voretzsch, Z. 
Jubil. d. Reineke Vos: AZg». N. 293/4. — 248) X G- P- Petersen, Rainhtirt Rotfuchs. D. disch. Tiersage für jung n. alt 
erzählt. 2. [Titel-] Aufl. L., Spamer. VI, 295 S. M. 3,00. — 249) X E. Wechssler, D. Sage vom heil. Gral in ihrer Ent- 
wicklung bis auf R. Wagners Parsifal. HaUe a. S., Niemeyer. X, 212 S. M. 3,00.-250) B. Symons, German. Heldensage. 
Strassburg i. E, Trübner. 138 S. M. 4,00. (.Sonderabdr. ans d. Grundriss d. German. Philol. Her. v H I'au 1. 3, S. 606-734.) 

. Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte. IX. (1)5 



I 5:251-280 A. Hauffen, Volkskunde, 

Von den zahlreichen Untersuchungen und Beiträgen zur Geschichte 
und Deutung einzelner Sagen- und Märchen s t o f f e25i-272j können nur 
die wichtigeren herausgegriffen werden. — Die Entwicklungsgeschichte und die 
Elemente der mit der deutschen Kaisersage ^'^ 274) j^ Beziehungen stehenden Sage 
von der dereinstigen Völkerschlacht am Birkenbaume hat Z u r - 
bonsen^'ä) in einer anerkennenswerten Studie klargelegt. Im einzelneu bespricht 
hier Z. Oertlichkeit und Inhalt dieses Sagenkreises, die germanisch -christlichen 
Elemente der Weissagung, die darin vorhandenen Anklänge an die deutsche Sagen- 
welt und Geschichte, giebt physikalische Erklärungsversuche der eigenartigen 
Schlachtengesichte am westfälischen Himmel und stellt schliesslich die dichterischen 
Bearbeitungen dieser Sage zusammen. — Die Entwicklung der Ueberlieferung vom 
Schwanritter im Hause Cleve untersucht B 1 ö t e ^'ß) und setzt auf Grund sorg- 
fältiger historischer und litterarhistorischer Untersuchungen ihr Aufkommen in die 
erste Hälfte des 13., ihre Blüte in das 15. Jh. — Die Sage vom Venusberg, der 
erst im 14. Jh. mit dem Tannhäuser 2^') in Verbindung gebracht und erst im 19. mit 
dem Hörselberg 2''8) identifiziert wurde, unterziehen Kluge und Baist^'O) einer ge- 
lehrten Untersuchung. Die Vorstellung vom Venusberg, der auch nach der deut- 
schen Sage ursprünglich in Italien lokalisiert wird, ist erwachsen aus zwei einander 
benachbarten Bergen des römischen Appenins im Gebiete von Norcia, dem Nekro- 
mantenberge, bei dem stürmischen Pilatussee (Monte del Lago della Sibilla), wo die 
fahrenden Schüler die schwarze Kunst lernten, und dem grottenreichen Monte della 
Sibilla, wo die Königin Sibylle ein unterirdisches Reich der Liebe und der sinn- 
lichen Freuden beherrschte und fahrende Ritter anlockte. Auf deutschem Boden 
wurde der Name dieser Stätte in „Venusberg*' umgewandelt und das Motiv mit dem 
fahrenden Sänger und Ritter Tannhäuser sowie mit dem getreuen Eckart verbunden. — 
Ausserordentlich reiche Beiträge zur vergleichenden Sto f f g eschichte 
d er Märchen liefert der erste Band von Reinhold Köhlers kleineren Schriften, 
einer Sammlung seiner in Zeitschriften verstreuten Aufsätze, die nun (vielfach 
geäusserten Wünschen entsprechend) Bolte^^Oj herauszugeben begonnen hat. Der 
vorliegende Band enthält alle wichtigen Aufsätze zur Märchenforschung (mit Aus- 
nahme der bereits aus dem Nachlass herausgegebenen Sammlung JBL. 1894 I 5:1), 
alle von Bolte sorgfältig mit Nachträgen aus den hs. Kollektaneen des ver- 
ewigten Forschers und aus seinen eigenen reichen Schätzen versehen. Fast alle 
Aufsätze sind Recensionen, die aber durch die gesicherten Ergebnisse, zu denen 
Köhler mit seiner unermüdlichen Sammelarbeit vorschreitet, den Wert selbständiger 
Studien gewinnen. Nur wenige Untersuchungen schliessen sich unmittelbar an 
deutsche Sammlungen und Stoffe an (so die Anmerkungen zu Panzers bayerischen, 
Peters österreichisch - schlesischen, Strackerjans oldenburgischen, Leibings märki- 
schen Märchen, zum Grimmschen Märchen von der Lebenszeit, zum guten Gerhard, 
zum deutschen Volksbuch vom Fortunatus). die meisten besprechen fremdländische 
Sammlungen. Da aber Köhler immer die Varianten aus der ganzen Weltlitteratur 
zusammenträgt und die gesamte Stoffgeschichte zergliedert, so werden auch überall 



— 251) X H- Knaaclc. D. säugende Tochter: ZVLR. 12, S. 450,4. — 252) X A. Vrbkii, D. St Wolfgangssage in Gnadlers- 
dorf bei Znaim: ZÖ.strVolVsk. 4, S. 303/4. — 253) X^. Lomraer, D. Sage v. d weissen Frau: Wartburg- Herold 1, S. 170/1. 
(Vgl. ib. S. 9-12, 190/1.) — 254) X K- Sprenger, Blumen, d. unter d. Tritten v. Menschen hervorsprossen: Urquell 2, S. 220. 

— 255) X H- Schattenberg, D. Schimmelreiter im Brauntchweigischen. (= Beitrr. /.. Anthropol. Braunschweigs. Festschr. z. 
29.VerBaraml. d. dtsch.Anthropolog. Ges. [Braunschweig, Vieweg. V, 163 S. Mit 10 Taf. M. 3,00.] S. 160/.S.) — 256) X H. Ankert, 
D. Sage V. d. Geistermesse : ZÖstrVolksV. 4, S. 304/5. (Varianten aus Deutsch- Böhmen.) - 257) X V. Doblhoff, Z. Tatzel- 
wurm-Sage: ib. S. 113. — 258) X E. Teichmann, Neue Beiträge z. Fastradasage : ZAachenGV. 20, S. 229 46. - 259) X 
B. Golz, Pfalzgräfin Genovefa in d. dtsch. Dichtung. L., Teubner. YII, 199 S. M. 5,00. (Im 4. Abschnitte sind Volksschan- 
spiele u. Puppenspiele behandelt; vgl. JBL. 1897 IV 4:2.) — 260) X F. Görres, Neue Forschungen z. Genovefasage : 
AnnHVNiederrh. 66, S. 1-39. - 261) X A. Knglert, Z. Lenorensage: MUBayerVolksk. 4, N. 3, S. 2/3. (E. Sagen- 
fassnng ans Brück in d. Oberpfalz.) — 262) X F- Hann, D. Sage v. heil. Blute in Wolfsberg u. d. auf dieselben sich beziehenden 
Gegenstände: Carinthia 88, S. 3 28. (Ueber Kärtnersagen v. Hostienentweihung u. rituellen Morden durch Juden. Auf d. Wasser, 
schwimmende Hostien, blutende Hostien usw.) — 263) X (JBL. 1897 I 5:438.) |[S. Singer: ADA. 24, S. 289-94.J| — 264) X K. 
Beneze, Sagen- II. litterarhist. Untersuchungen. I u. II. Halle, Niemeyer. S2 u. V, 112 S. M 2,40; M 2,80. |[S. Singer: ADA. 
24, S 370/3.] I — 265) O X H. Seeliger, D. Loreleysage in Dichtung u. Musik. L, lIofFmann. IV, 118 S. M. 2,00. — 266) 
X L Sturm, Versuch e. Bibliogr. über Rübezalil. Fortsetz. u. Nachtr.: Riesengebirge 18, S. 27-33, 47/9. (Vgl. JBL. 1897 
I 5:423.) — 267) X 0- Knoop, Schmied Eisenhart: ZVVolksk. 8, S. 225. (Variante aus Pommern zu d. in Simrocks Märchen 
mitgeteilten Schwank „D. Eierkuchen".) — 268) X J- Jaworskij, Notizen z. Gesch. d. Märchen u. Schwanke: Urquell 2, 195/9. 

— 269)X^- Dirksen, Marienkind (Grimm, Kinder- u. Hansmärchen N. 3): ZVVolksk. 8, S. 222,3. (Zeigt, dass d. Märchen 
ans echt christlichen Vorstellungen erwachsen ist.) — 270) X E- Martin, Z. Märchen vom Erdkühlein in Goethes Briefen: 
GoetheJb. 19, S. 297-303. - 271) X J- Bolte, Zu Halms Gedicht „D. Brantnacht": Euph. 5, S. 534/6. (Z. Stoffgesch.) —272) 
X id., Goethesche Stoffe in d. Volkssage: GoetheJb. 19, S. 303,8. (1. D. böse Geist im Sacke [Götz 4. Akt. B. giebt dazu 
Parallelen); 2. Erlkönig u. 3. d. Legende vom Hufeisen sind beide in Volkserzählungen übergegangen.) — 273) X J- Heide- 
mann, D dtsch. Kaiseridee u. Kaisersiige im MA. u. d. falschen Friedriche. Progr. B., Gaertner. 4". 40 S. M. 1,00. — 
274) X A öeyer, D. blaue Blume d. Kyffhäuser: Daheim 33, S. 122/3. — 275) F. Zurbonsen, D. Sage v. d. Völker- 
schlacht d. Zukunft am Birkenbanm (= SGörresGes. N. 3.) Köln, Bachem. 95 S. M. 1,80. — 276) J. F. D. Blöte, D. Auf- 
kommen d. Clevischen Schwanritters: ZDA. 42, .S. 1-53. — 277) X K. M. Meyer, Tannhäuser. (= IV la:29, S. 60,8.) — 
278) X A. Trinius, Aus d. Hörselberg: ÜL&M. 77, S. 335. - 279) F. Kluge u. G. Baist, D. Vennsberg: AZg«. N. 66/7. 

— 280) R. Köhler, Kleinere Schriften z. Märchenforsch. Her. v. J. Bolte. (- Kleinere Schriften, 1. Bd.) Weimar, Folber. 



A. Hauffen, Volkskunde. 1 5 : 281-307 

die deutschen Märchen herangezogen, und durch das ganze Buch erhalten wir eine 
Fülle von neuen Belehrungen insbesondere zu den Motiven der Grimmschen Märchen. 
Auch auf die deutschen Fabeln, Tiermärchen und Rätsel fällt neues Licht. So ist 
das Werk mit dem ausgezeichneten Sachregister und den Nachträgen Boltes ein 
geradezu unvergleichliches und unentbehrliches Compendium der internationalen 
Märchenstoffe geworden. — Nach einer allgemeinen Einführung über das 
Wesen des Märchens und über die Wanden ng der Stoffe (z. B. L'as Rotkäppchen) 
legt Reuleaux^si) einzelne Märchen (darunter ein hessisches „Der weisse 
Hirsch" nach dem Volksmunde) vor und versucht sie als Naturmythen zu erklären. 
Bei den fremdländischen Märchen verweist er stets auf deutsche Parallelen. Ge- 
legentlich wird die Hj^pothese aufgestellt, dass im Grimmschen Märchen N. 127 
Der Eisenofen aus Eisofen-Ünterwelt verderbt sei. — Nach einem Nürnberger Flug- 
blatt von 1650—60 druckt Bolte^^^-j pj^ längeres Gedicht ab, das im Eingang 
das durch Rückerts Gedicht „Der betrogene Teufel" allgemein bekannte Märchen 
von der Teilung der Erde zwischen einem Klugen (Bauer) und einem Dummen 
(Teufel) behandelt. B. vermehrt die bisher bekannte grosse Menge von Varianten 
dieses Märchens um ein beträchtliches und teilt auch zum Hauptthema des ab- 
gedruckten Gedichtes (Siegreicher Kampf böser Weiber gegen die Teufel) einige 
ältere Parallelen mit. — Einige deutsche Märchen vergleicht Benkert-^'^) mit 
französischen des Perrault und findet, dass im allgemeinen den deutschen Märchen 
mehr Gemütstiefe und wahre Kindlichkeit, den französischen grössere Lebendigkeit 
der Darstellung und witzigere Ausführungen zukommen. Am Märchen vom Rot- 
käppchen erweist er insbesondere eine gewisse Abhängigkeit Grimmscher Märchen von 
Perrault. B. erklärt dies durch den neuen Plinweis auf die überraschende Thatsache, 
dass Katharina Dorothea Viehmann geb. Pierson (1755— 1815), die bekannte hessische 
Märchenerzählerin der Brüder Grimm, väterlicherseits von einer französischen Emi- 
grantenfamilie abstamme und daher unbewusst auch französische Ueberlieferungen 
mitgeteilt haben dürfte. — 

Grössere und kleinere Sagensammlungen sind wiederum in grosser 
Zahl veröffentlicht worden. Aus O ber deutschland -^*~-'''*) erwähne ich besonders 
das badische Sagenbuch 2-'*), das auf 4 Bände berechnet ist, und dessen vor- 
liegende erste Abteilung eine Neuausgabe der A. Schnezlerschen Sammlung der 
Sagen des oberen Rheinthals darstellt. Das Ganze ist als Haus- und Schulbuch ge- 
dacht und für wissenschaftliche Zwecke schon wegen der freien (zum Teil versi- 
ficierten) Wiedergabe der Sagen kaum geeignet. 295) — Eine Reihe schöner Sagen 
verschiedensten Inhalts, Legenden, Spukgeschichten, mythische und geschichtliche 
Sagen aus der inneren Schweiz erzählt Anna Ithen^^öj^ ^\[Q meisten nach dem 
Volksmunde, einige nach älteren Quellen, die leider nicht genannt sind. — Sagen 
aus verschiedenen Teilen Tirols erhalten wir in einer kleinen, aber sehr interessanten 
Sammlung, die lile'^^~') in den Jahren 1847—56 angelegt hatte. — Aus Mittel- 
deutschland 208-302) erwähne ich das Thüringer ^''^j Sagenbuch von Bechstein ^04)^ 
das nun in dritter Auflage durch B erbig in einer stark gekürzten Auswahl für 
das grosse Publikum herausgegeben worden ist. Die grosse Originalausgabe in 
zwei Bänden bleibt daneben bestehen. — Aus Niederdeutschland^'^"^^^) hebe ich 



XII, 608 S. M. 14,00. — 281) F. Renleanx, Deutung u. Bedeutung d. Volksmärchen: WIDII. 84, S. 43-53. — 282) J. 
Bolte, Z. Märclien vom Biiuer u. Teufel: ZVVolksk. 8, S. 21/5. — 283) Benkert-Soest, Dtsch. u. französ. Volksmärchen: 
NorddAZg". N. 121. - 284l X 0. Heilig, Sagen aus d. Simonswälderthal (Breisgan). 1. K. Hexengesch. 2. D. Gründung 
d. Kirche auf d. Hörnliberg: ZVVolksk. 8, S. 223/9. — 285) X (JBL. 1897 I ö : 453.) [ÖLBI. 6, S. 442.]| — 286) X (JBL. 1897 
I 5:458.) |[L. v. Hör mann: DLZ. S. 1774,5; LCBl. S. 742.J| - 287) X (JBL 1897 I 5:473.) |[K. Domanig: ÖLBI. 7, 
S. 561/2; 0. Jiriczek: MSchlesGesVolksk. 5, S. 66/7. | — 288) X V. Pogatschnigg, Sagen v. d. Heiden im Gebiete 
d. Millstättersees : Carinthia 83, S. 4/8. (N. 12 e. Variante zu Charaissos Riesenspielzeug.) -289) J. B. Bunker, Heanzische 
Schwanke, Sagen u. Märchen. Aufgezeichnet in üdenbnrg VII-XV: ZVVolksk. 8, S. 82-90, 188-96, 291-300, 415-39. (Fort etz. zu 
JBL. 1897 I 5:477; N. 15 e. neue Variante zu d. weitverbreiteten Thema v. Zauberlehrling; N. S u. 9 gehört z. Motiv v. d. 
untergeschobenen Braut.) — 290) X H Schnkowitz, 3 Teufelssagen aus d. Marchfelde: NiederösterrLandesfreund. 5, N. 9-10. 
— 291) X Klotilde Sc hobel. Sagen u Aberglauben in Minarken: KBlVSbnbgL. 21, S. 111.3, 130/3. - 292) X Lotte 
Binder, Volkssagen aus Katzendorf: ib. S. 65/3. — 293) X B. Frescura, Fra i Cimbri dei sette comuni vicentini: 
leggcnde e costumi: Archivio d. trad. pop. 16, S. 241-57, 439-509.— 294) Badisches Sagenbuch. Abt. I. Sagen d. oberen Rhein- 
thals u. d. Waldstätte. Freiburg i. B., Waibel. XXI, 336 S. mit Abbildg. M. 5,00. - 295) O X A. Steindorf, Tannen- 
rauschen. Gesch. aus d. Märchen- u Sagenwelt d. Schwarzwaldes. Freibnrg i. B., Lorenz & Waetzel. VII, 236 S. 
M. 2,60. — 296) Anna Ithen, Innerschweiz. Legenden u. Sagen: SchwAVolksk. 2, S. 1-9. (Vgl. ib. S. 249-50.) — 297) E. 
Ille, BQschelzuig aus Tirol : ZVK. 8, S. 323-30. - 298) X P- K ö n i g , Sagen aus d. Pfalz: MÜBayerVolksk. 4, N. 1, 
S.3/4. (Vgl. ib. N. 3, S. 3/4.) - 299) X K. Loth, D. Steinkränze in d. Umgegend v. Erfurt: MVGErfurt. 18, S. 71-90. (Mit 
Sagen.) — 300) X R- Korn, D. Sage v. d. Bornmatzen im Masseueiwalde bei Grossröhrsdorf : MSächsVolksk. 6, S. 12,3. — 
301) OX A Geyer, Gesch. u. Sapen d. Städte u. Dörfer, Bargen u. Berge, Kirchen u. Klöster d. alten Schlesierlandes. 
L., Franke. III, 151 S. M. 2,00. |[A. Haas: BllPommVolksk. 6, S. I60.]| — 302) X E. Alliger, Sagen aus d. Erlitzthale 
d, Adlergebirges: Riesengebirge 18, S. 46/7. — 303) O X K- Gress, llolzlandsagen. Sagen, Märchen u. Gesch. aus d. 
Vorbergen d. Thüringer Waldes. 2. Aufl. von V. Lommer. L., Wartig. XI, 213 S. M. 2,00. — 304) L. Bechstein, Thüringer 
Sagenbuch. 3. Aufl. Her. v. M. Berbig. Dresden, Koch. VI, 314 S. M. 3,50. 305) X K. Gander, Sagen ans d. Gnbener 
Kreise: MNLGAÜ. .5, S. 368-72. — 306) X K. v. Berg, Lenneper Sagen u. Erzähl.: RhGBll. 2, S. 155/7, 245/9, 273'5. 
(Vgl. ib S. 307-16.) — 307) X (•'BL. 1897 1 5:521.) |[lv. Weinhold: ZVVolksk 8, S. 105/0; M. Landau: ZBüche^ 

(1J5* 



I 5 : 308-346 A. H a u f f 6 n , Volkskunde. 

die reiche Sammlung hervor, die Asmus und Knoop^'*) auf einem kleinen 
pommerschen Gebiete zusammengebracht haben : mythische , geschichtliche, Tier- 
sagen, Ortsneckereien, Schnurren, alle anschaulich und mit dem trockenen Humor 
des niederdeutschen Stammes vorgetragen. — Die umfassende Sammlung vlämischer 
Erzählungen, Fabeln und Sagen von Pol de Mont und Cock^'^) hat Bolte ein- 
gehend besprochen und mit Stoffparallelen zu den einzelnen Nummern ver- 
sehen. ^'^) — 

Unter den M är c h e n s a m m 1 u n g e n^'^^^iej müssen wieder Neuaus- 
gaben 3i'3-oj und eine Uebersetzung32i) der Grimmschen Märchen (JBL. 1897 I 
5: 533 — 44), ferner zahlreiche landschaftliche Märchensammlungen^22-33i^^ endlich die 
eigenartige Auswahl natur geschieh tl icher Volks märchen von Dähnhardt332) 
genannt werden. D. hatte den glücklichen Gedanken, von verschiedenen Völkern 126 
Märchen und Erzählungen über Tiere, Pflanzen, Gestirne usw. zu sammeln, „die eine 
Deutung geben wollen, warum eine Naturerscheinung entstanden oder warum sie 
gerade so entstanden ist, wie wir sie sehen". Es ist, obwohl unabhängig von ihr, 
eine ausgezeichnete Beispielsammlung zu der oben erwähnten Schrift von Müllenhoff 
(N. 163) über die Naturbeobachtung des Volkes. Diese Märchen zeigen, wie 
eng das Gemütsleben des Volkes mit der Natur verwachsen ist, wie der ungelehrte 
Mann seine sinnigen und genauen Beobachtungen mit dichterischem Empfinden und 
reichem Humor wiederzugeben vermag. Das Buch soll nach der Meinung des 
Herausgebers der Jugend Freude bereiten und die Liebe zur Natur fördern; es wird 
zweifellos auch der Wissenschaft dienen, zumal D. zu den einzelnen Nummern die 
Quellen und Varianten sorglich verzeichnet. — 

Auf dem Gebiete des Volksschauspiels »33-336^ gjj^^j mehrere Arbeiten 
und Mitteilung-en über geistliche Spiele 3ä^"343j zu verzeichnen. — Die Geschichte 
und Verbreitung des alten Frühlingsspiels vom Streit zwischen Sommer und 
Winter haben J a n t z e n^**) und John ^'*^) in Vorträgen behandelt. — 

Eine auf vier Teile berechnete Ausgabe der deutschen Volksschauspiele 
aus dem Böhmerwalde hat A m m a n n '^*^) mit dem ersten Teile eröffnet. A. 



frenndfr. 2, S. 529-31; 0. Knoop: BllPommVoIksk. 6, S. 78/9.]| — 308) X F- Krönig, Sitgen aus Niedergebra n. d. Burg 
Lohre: Urquell 2, S. !12'5, 122, 140. (Mit Erlänter v. 0. Schell.) — 309) X A. Werner u. A., Sagen ans d. Gegend v. 
Brandenburg u. H.: JBHVBrandenburg. N. 29-30, S. 71/5. — 310) X F- Weineck, Eügensche Sagen : BllPommVolksV. 6, 
S. 123/5. (Vgl. ib. S. 47/8, 68-70, 8.Ö/6, 134/5, 168-70.) — 311) F. Asraus u. 0. Knoop, Sagen u. Erzähl, aus d. Kreise 
Kolberg-Köslin. Kolberg, Post. V, 100 S. M. 0.80. |[K. Weinhold: ZVVolksk. 8, S. 106; E. Mogk: MVS&chsVolksk. 5, S. 15/6; 
V. Vogt: MSchlesGesVolksk. 5, S. 66.]| — 312) O X Pol de Mont u. A. de Cook: Dit zijn vlaamsche vertelsels nit den 
volksmond opgeschreven. Gent, Pluwer. XVI, 452 S. [fj. Bolte: ZVVolksk. 8, S. 463/6; Graevell van Jostenoode: 
ÖLBl. 8, S. 574.]| (Fortsetz. T. .IBL. 1897 15:522.) — 313) X W. Znideraa, Nachträge zu Wolfs niederländ. Sagen: 
Urquell 2, S. 244/6. — 314) X Fr. Phil. Schmidt, Dtsch. Märchen. L., Dieterich. 220 S. Mit 50 Abbild. M. 3,00. — 
315) X A. H. Togo Witz (Max Wirth), M.lrchenfür d. Jugend. D. allerschönston Kinder- n. Hausmärchen. Mit 4 Farbdrucken. 
St., Bardtenschlager. 12". 111 S. M. 1,20. — 316) X ^^■< Märchen u. Sagen aus Nord u. Süd. Für d. Jugend gesamm. n. 
erzählt. B., Weichert. 12». 112 S. M. 0,50. — 317 1 X J "• W. Grimm, ICindftr- u. Hausmärchen. Mit Erinner, an d. 
Brüder Grimm als Einleit. Her. von H. Grimm. Grosso Ausg. 29. Aufl. B., Besser (Hertz.) XXXI, 507 S. M. 4,00. — 
318) X id., Märchen. Für d. Jugend gesamm. B, Franz Schulze. 224 S. M. 1,.50. — 319) X > d., Kinder- n. Hausmärchen. 
Reutlingen, Bardtonschlager. 192 S. M. 2,r)0. - 320) X i<J-. Märchen. Ed. by E. L. Naffel. London, llaohette. 238 S. 
Sh. 1/6. — 321) X 'd-. Fairy Tales. Transl. by L. L. Weedon. London, Nister. 208 S, 10 Colour Plates. Sh. 6,00. — 322) 
X F. Pfaf f, Märchen ans Lobenfeld: Alemannia 26, S. 79-95. (Hier N. 10/4. - N. 1,6 erschien in JBL. 1896 I 2 : 55, S. 62-83; 
N. 7/9 in Alemannia 24, S. 170-83) — 323) X J- ß- Bunker, Niederösterreich. Märchen. IX-XXXVI; ZÖstrVolksk. 4, S. 28-40, 
79-100, 173-93, 238 49,283-90. (Fortsetr. zu JBL. 1897 I 5:545.) - 324) X J- Herbert, 2 Märchen ausAlzen: KBlVSbnbgL. 
21, S. 59-61. - 325) X A. Eichner, Tanappl u. elendl:i, ein Kindermärchen MSchlesGesVolksk. 5, S. 9-11. — 326) X J- A. 
Taubmann, Volksmärchen u. Sagen, aus d. Volksnmnde gesamm.: JbDGebirgsverlserJeschkengebirge. 8, S. 569. (Vgl. ib. 
S. 19-25.) — 327) X Sophie v. Sichart, Märchen u. Sagen aus d. östl. Winkel d. Kreises Osterburg in d. Altmark. Kröte 
n. Schmetterling. 2. verm. Aufl. B., Hans Friedrich. 16». 29 .S. M. 0,40. (Bearbeitet, teilweise in Versen.) -328) X 0. 
Schütte, Märchen u. Sagen: BrannschwMag. 4, S. 23/4. —329) X P- Balilraann, Münsterländische Märchen, Sagen, Lieder 
u. Gebräuche gos. n. herausg. Münster, Keiling. VIII, 371 S. M. 3.60. I[K. Weinhold: ZVVolksk. 8, S. 233: H. Vogt: 
MSchlesGesVolksk. 5, S. 66.]] (D. Märchen sind „mit eventuell erforderlichen Abänderungen" Grimm entlehnt, d. Sagen u. 
Gesch. stammen aus Gedichtsamml., nur d. Hräuclie bieten d. Wissenschaft einiges Neue.) — 330) X A. Heller 
n. W. Koglin, Volksmärchen aus Pommern: BHPommVolksk. 6, S. .")/6, 20/1, 33/7, 101/4, 125/7, 13,5/6, 177-84. (Vgl. ib. S. 6/7.) 
— 331) X M. Grunwald, Märchen u. Sagen d. dtsch. Juden: MGesJfidVolksk. 2, S. 1-36, 63-76. (Vjjl. ib. 3, S. 23/6.) — 
332) 0. Dähnhardt, Naturgeschichtl. Volksmärchen aus nah und fern. L., B. G. Teubner. VIII, 163 S. M. 2,00. |[K. Wein- 
hold: ZVK. 8, S. 106; A. Haas: BHPommVolksk. 6, S. 79-80; K. Reuschel: ZDU. 13, S. 142/4; A. Tille: LCBl. S. 371; 
B. Landsberg: ZGyran. 32, S. 778(9; E. H. Meyer: ADA. 24, S. 310.) — 333) X K- Horner, Z. Gesch. d. Volks- 
schanspiele v. Dr. Fimst in Wien. (E. Wiener Stammbuch, S. 106-119.) — 334) X J- W. B ruinier, Untersuchungen z. Ent- 
wicklungsgesch. d. Vnlksschanspiels v. Dr. Faust. IV-VI: ZDPh. 30, S. 324-59. (Fortsetz. t. JBL. 1897 I 5:569.) — 335) 
X (s. N. 30.) — 336) X (8- N. 259.) — 337) X V. Teuber, D. Entwicklung d. Weihnachtsspiele seit d. ältesten Zeiten 
bis z. 16. Jh. I n. IL Progr. Komotau. 32 n. 22 S. — 338) X F- Mach, E. Christspiel im westl. Nordböhraen: MVGDB. 37, 
S. 213/6. (Abdruck e. kurzen, noch heute üblichen Adventspiels aus Postelberg.) — 339) X J- Kottnig, D. Paradies- u. 
Hirtenspiel im oberen Murthale: ZÖstrVolksk. 4, S. 49-51. (Bericht über d. im Winter 1897 -98 wiederholten Auffuhr, dieses alt- 
einheimischen Spiels.) — 340) X M. Haberlandt n. C. Reiterer, E. Nikolaus-Spiel: ib. S. 100,6. (Abdr. nach. e. Hs. aas 
Donnersbach im Ennsthale vom J. 1861; 2 Auftritte Text d. Nikolospiels, 2 Auftritte Scherzspiele nur in Andent. d. In- 
halts; letzte Auffuhr. 1892.) — 341) X J- Orel, Unter Altvaters Mantel. Erzählung. Brunn, Dtsch. Haus. IV, 143 S. 
M. 1,50. (S. 132-43: Text e. gereimten Weihnachtsspiels aus Deutsch-M.ähren.) - 342) X J- Lautenbacher, Kirchl. u. 
volkstüml. Weihnachtsspiele: DtschHansschatz. 32, N. 2. — 343) X J- l''- Wacker ne 11. E. Tiroler Passionsspiel In Steier- 
mark. (= N. 134, S. 101-20.) — 344) H. Jantzen, D. Streit zwischen Sommer u. Winter in d. Volkspoesie: MSchlesGesVolksk. 
ö, S. 13-30. — 345) A. John, D. Streit zwischen Sommer u. Winter: Unser Egerland 2, S. 21/3. — 346) J. J. Ammann, 
Volksschauspiele aus d. Böhmerw.ilde. Gesamm, wissensch. untersucht u. her. 1. T. (= Beitrr. z. dtsch. -böhmischen Volksk. II, 



A. Hauffen, Volkskunde. I 5: 347-351 

hat seit Jahren den Böhmerwald durchwandert, Erkundigungen eingezogen, Schau- 
spieler besucht, Aufführungen wandernder und heimischer Gesellschaften angesehen, 
vor allem aber zahlreiche geschriebene Spielbücher älteren und neueren Datums ge- 
sammelt. Von seinen Schätzen bringt er hier, nach einer allgemeinen orientierenden 
Einleitung, 1. das Höritzer Passionsspiel mit einem Paradeisspiel als Vorspiel und 
dem Zwischenspiel „Pilger und Schäfer". Es ist die zweite aus dem J. 1848 
stammende Fassung GröUhesls, die charakteristisch abweicht von der älteren Fassung 
aus dem J. 1816, die bekanntlich in Höritz zur Aufführung gebracht und von 
A. bereits früher veröffentlicht worden ist (vgl. JBL. 1894 1 5 : 269). 2. Das Christ- 
kindl- oder drei Königsspiel nach einer Niederschrift vom J. 1837 „ein geist- 
liches Komödi- Spiel in der heiligen Weihnachtszeit" mit einer breit ausgeführten, 
derb volkstümlichen Judenscene. 3. Vorspiel und Leiden Christispiel aus Friedberg, 
in den ersten Jahrzehnten des 19. Jh. von herumziehenden Gesellschaften im süd- 
lichen Böhmerwald aufgeführt. 4. Der ägyptische Joseph. Eine jüngere volkstümliche 
Erweiterung eines auch von Gröllhesl abgefassten Stückes, das gelegentlich Einfluss 
von Mehuls gleichnamiger Oper zeigt. 5. Johann von Nepomuk. Ein viel ver- 
breitetes Trauerspiel, dessen Quelle ein in Prag 1780 gedrucktes Volksschauspiel ist. 
Der Herausgeber hat sich eine getreue Wiedergabe der ihm vorliegenden Spielbücher 
zur Aufgabe gemacht, ohne Textentstellungen zu verbessern, wie sie die Spieler und 
die Zuhörer unbekümmert mit in Kauf zu nehmen pflegen. Eingehend wird man 
über diese Ausgabe erst urteilen können, wenn der letzte Teil mit den kritischen Unter- 
suchungen erschienen ist. — 

Unter den Arbeiten zur Geschichte und Charakteristik des 
Volksl ie d e s^^'J-sao^ muss die kurze aber wichtige Untersuchung von John 
Meier^^') über das Volkslied und Kunstlied eingehend gewürdigt werden. M. giebt 
zunächst eine kritische Uebersicht über die Anschauungen und Urteile, die seit dem 
neu erwachenden Interesse für die volkstümliche Lyrik von Herder, Arnim und 
Brentano, den Brüdern Grimm, den Romantikern, Uhland, sowie von den jüngeren 
Litterarhistorikern und Aesthetikern geäussert worden sind (eine Liste, die sich 
natürlich noch sehr vermehren liesse). M. weist die wiederholt geäusserten unklaren 
und mystischen Anschauungen, dass Volkslieder „sich selbst dichten" oder vom 
ganzen Volke verfasst worden seien, zurück und nimmt auch für jedes Volkslied 
einen individuellen Vf. an. Den von Scherer, Berger, Böhme usw. unternommenen 
Versuch, die Eigenart der Volkspoesie durch das Kennzeichen weiter Verbreitung 
und grosser Beliebtheit oder durch die Wirkungen gedächtnismässiger mündlicher 
Ueberlieferung zu erklären, hält M. für nicht ausreichend. Er findet den Unter- 
schied der Volksdichtung gegenüber der Kunstdichtung nicht in der organischen 
Verschiedenheit des Wesens, sondern in der Art ihrer Weiterentwicklung und in 
der Stellungnahme des Volkes zu ihr. „Als Volkspoesie werden wir daher die- 
jenige Poesie bezeichnen dürfen, die im Munde des Volkes — Volk im weitesten 
Sinne genommen — lebt, bei der aber das Volk nichts von individuellen Anrechten 
weiss oder empfindet und der gegenüber es, jeder einzelne im einzelnen Falle, eine 
unbedingt autoritäre und herrschende Stellung einnimmt." Volkslieder sind also 
nach M. solche von bestimmten Vff. herrührende Lieder, die im Volksmunde ge- 
wissermassen als herrenloses Gut weiterleben und von den verschiedensten Sängern 
dem Geschmacke der breiten Volksschichten entsprechend abgeändert werden. Die 
Form des Volksliedes ist demnach in ewigem Flusse begriffen, und eine kritische 
Herstellung des echten Textes, wie sie z. B. von Uhland mit feinem Nachempfinden 
versucht worden ist, bleibt immer eine sehr problematische Sache. Kirchenlieder und 
historische Lieder sind, da sie nur selten im Volksmunde Abänderungen erfahren, 
in der Regel keine wahren Volkslieder. M. zeigt nun weiterhin an einer grossen 
Reihe von lyrischen Erzeugnissen bekannter Dichter: Martin Miller, Otto Roquette, 
von Stamford, Joh. Bürkli, Lossius usw., wie sie im Volksmunde umgestaltet worden 
sind. Das Volk kürzt oder verlängert solche Lieder, zerfasert hier und macht dort 
neue Verbindungen, tilgt alte Strophen, fügt neue Schlüsse an, vereinfacht die Dar- 
stellung und die Motivierung, wandelt besondere zufällige Situationen in t^'pische 
um, kurz verändert die innere und äussere Form der übernommenen Kunstlieder 
seinem Geschmack und seiner Eigenart entsprechend bald in geringem Grade, bald 



N. 1.) Prag, Calve. XIV, 188 S. M. 2,40. 1[R. M. Werner: ADA. 24, S. 3913; M. Haberlandt: ZÖstrVolksk. 4. S. 128; 
HJb. 19, S. 691; F. Vogt: MSchlesGesVolksk. 5, S. 65/6; MNordböhmExcnrsClab. 21, S. 69-70.]| — 347) X Volkslied: 
MeyersKonvLex. 18, S. 906/7. — 348) O X A. Aliskie wioz, D. Motive in d. Liedersaraml. „D. Knaben Wunderhorn." 
Brody, F. West. 59 S. M. 1,00. — 349) X E- Martin, Herder u. Goethe in Strassburg: JbGElsLothr. 14, S. 106-23. 
(S. 116 aber d. im Elsass gesamni. Volkslieder. Abdr. d. Herrn ▼. Falckenstein njich d. Strassbnrger Hs. mit P.-ics.) —350) X 
R.M.Werner n. R. Rosen banm. Zu Nicolais Volksliedern: Eupb. 5, S. 540/2. (1. „Es war einmal e. Schnhmachergesell." 
In d. Aufzeichnung Bretschneiders 1776. 2. Z. Briefwechsel Nicolais mit Lessing über d. „Feynen kleynen Almanaoh".) — 351) John 
Meier, Volkslied u. Kunstlied in Deutschland. M&nchen (Sonderabdr. ans AZgi*. No. 53/4.) 34 S. |[A. Schall erus: KBlVSbnbgL. 



I 5 : 352-371 A. Hauffen, Volkskunde. 

völlig durchgreifend. — Diese Ausführungen ergänzend legt M e i e r ^•''''^) in einem 
besonderen Aufsatz dar, wie selbst in die volkstümlichen Vierzeiler und Schnader- 
hüpfel, die meist als unmittelbare Improvisationen des Volkes gelten, kunstmässige 
Elemente, nämlich Liedchen und Liedbruchstücke bekannter (freilich im Geschmack 
und Stil des Volkes und in der Mundart dichtender) Sänger wie Kobell, Castelli, 
Seidl, Kiesheim eindringen. Aus den oben skizzierten Thatsachen zieht nun M. auch 
eine bestimmte Folgerung für den Weg, den die weitere Forschung nach den 
grundsätzlichen Fragen der Volkslyrik zu gehen hat. Da uns die in den zahlreichen 
Sammlungen vorliegenden Volkslieder, sagt M., „keinen sicheren Ausgangspunkt für 
die Untersuchungen bieten, und wir andererseits keinen organischen Unterschied 
zwischen Volkslied und Kunstlied gefunden haben, so kann allein eine genaue und 
eingehende Betrachtung und Würdigung der Veränderungen, die die Kunstlieder im 
Volksmund erlitten haben, uns dazu verhelfen, die Eigenheiten des Volksliedes zu 
erkennen und weiter die allg'emeinen Gesetze festzustellen, nach denen sich Kunst- 
lieder bei ihrem Umlauf im Volke verändern". M. ist nun selbst mit einer solchen 
Untersuchung über die Veränderungen der Kunstlieder im Volksmunde beschäftigt 
und hat hierfür ein grosses Material von Liedern beisammen, deren Anfangsverse er 
in einem Fragebogen 353j veröffentlicht hat. Sobald diese Untersuchungen, denen wir 
mit Spannung entgegensehen dürfen, erschienen sind, will ich auch meinen per- 
sönlichen Standpunkt den Forschungsergebnissen M.s gegenüber ausführlich dar- 
legen. Hier konnte ich nicht mehr thun, als über seine bedeutsamen und anregenden 
Studien sachlich berichten. — Von einer anderen Seite her als Meier fördert 
Marriage354j unsere Kenntnis von der Eigenart des Volksliedes und zwar seiner 
inneren Form, indem er an den heute lebenden ober- und mitteldeutschen Volks- 
liedern (hauptsächlich den Liebesliedern und Balladen) die Naturbilder, die poetischen 
Beziehungen des Menschen zur Pflanzen- und Tierwelt untersucht.- M. zeigt im 
allgemeinen, dass der Gebrauch der Naturbilder im Kunstlied nur ein Schmuck, im 
Volksliede hingegen ein notwendiger Bestandteil ist, der alles Schwerverständliche klar 
macht. Das Volk übersetzt das dunkelempfundene Gefühl in ein greifbares Bild, das 
im Hörer dieselbe Stimmung hervorruft, in welcher es seinen Ursprung hatte. Die 
zahllosen Beispiele sind natürlich angeordnet, indem zunächst die losen Be- 
ziehungen zwischen dem Menschen und der Natur in den Vergleichen dargelegt 
werden, dann die Beseelung der Pflanzen und die Vermenschlichung der Tiere, end- 
lich die vollständige Identifizierung des Menschen mit einer Pflanze oder einem 
Tiere.355-35-) _ 

Eine Reihe von Untersuchungen über einzelne Volks- 
lied e r^^s-ses^ gin(j 2;u verzeichnen. Unter anderen hat W'a c k e r n elP^"*) ein 
volkstümliches Spinnerlied , das Prem hs. in der Bibliothek des nordtirolischen 
Klosters Stams gefunden, mitgeteilt und hierbei gezeigt, dass es eine höchst eigenartige 
und für die Volksanschauung bezeichnende Umarbeitung des Bürgerschen Spinner- 
liedes aus dem J. 1775 darstellt. Da die Aufzeichnung der sehr verlängerten tirolischen 
Fassung schon Ende des 18. Jh. erfolgt ist, so muss Bürgers Lied sehr rasch ins Volk 
gedrungen sein. — 

Ueber ä 1 1 e r e ^65-369-) und historische Vo 1 k s 1 i e d e r ^''O-ssi) sind 
mehrere (zumeist kleinere) Mitteilungen erschienen. — Aus seiner geplanten 



21, S. 74/5; 0. Lyon: ZDU. 12, S. 297.]! — 352) id., Volkstnml. u. Vunstiiiäss. Elemente in d. Sobnadahüpfelpoesie: 
AZgB. N. 226. — 353) id., Forschungen über d. Kunstlieder im Volksmnnde: ZÖstrVolksk. 4, S. 117-27. (D. als Hs. ge- 
druckte Fragebogen M.s ist hier in verkürzter Form mitget.) — 354) M. E. Marriage, Poetische Beziehungen d. Menschen 
z. Pflanzen- u. Tierwelt im heut. Volkslied auf hoohdtsch. Boden: Alemannia 26, S. 97-183. — 355) X ?■ Glässer, 

D. Volkslied im Gymnasial-Unterr. : NJbbKA. 2, S. 25-35. (Mit warmen Worten n. mit beherzigenswerten Vorschlügen tritt 
6. für d. Pflege d. Volkslieder im Deutschen u. im Gesangsnnterr. d. Gymn. ein.) — 356) X H. Boll, D. Texte unserer 
Volkslieder: ZDU. 12, S. 445/9. (Beklagt d. Textentstellungen bekannter volkstüml. Lieder in Schulbüchern.) — 357) X *• 
Harpf, Ueber dentsohvolkl. Sagen u. Singen. Streifzüge im Gebiete dtsch. Schrift- u. Volkstumes mit bes. Rücksicht auf d. 
dtsch. Ostmark. L., Werner. VIII, 148 S. M. 2,00. (Diese Schrift, d. in ihrem ersten Teile überschwengliche Aufsätze über 
dtsch. Sagen u. Volkslieder bringt, verfolgt nicht Wissenschaft!. Zwecke.) — 357 a) X A. Hof man, D. Volksgesang in 
Gottschee: NMusikZg. 19, S. 149. — 358) X A.. Petak, Z. Volkslied v. d. 3 Winterrosen. {= N. 134, S. 91-100.) — 359) X 

E. Nestle, 3 Lilien, 3 Lilien.: ZDU. 12, S. 207/8. (Vgl. ib. S. 611.) - 360) X H. Schattenberg, Noch e. Lied v. Schäfer 
u. Edelmann: BraunschwMag. 4, S. 92/4. — 361) X F- Branky, D. Text n. d. Vf. d. Binderliedes: ZÖstrVolksk, 4, S. 235/7. 
(Fr. W. Schmidt v. Werneuchen ) - 362) X (JBL. 1897 I 5:603.) |[M. Koch: LCBl. S. 1623/4; R. Steig: DLZ. S. 387.J| - 
363) X fJBL. 1897 I 5:605.) |[A. Kopp: ZDU. 12, S. 615/8; 0. Glöde: ib. S. 683/6.]| - 364) J. E. Wackernell, E. Lied 
Bürgers im Yolksmunde. (= Festschr. z. 8. allgem. dtsch. Neuphilologentage [Her. v. J. Schip per. Wien, Branmüller. IV, VIII. 
251 S. M. 5,C0], S. 59-64.) — 365) X J- Bolte, Zu d. Amores Söflingenses: Alemannia 26, S. 72/5. (2 Lieder: Liebesglück u. 
Martinsabend aus e. Hs. d. 15. Jh. im Kloster Seflingen bei Ulm.) — 366) X E. Söffe, D. Kaigerner Liederbuch: ZVGMähren 
u. Schlesien 1, Heft 2, S. 30-43. |[A. Schlossar: BLU. S. 710/1.J| (Hs. in d. Bibl. d. mährischen Klosters Raigern aus d. 
J. 1745 mit 23 lat. u. dtsch. Liedern. D. letzteren sind z. grossen Teile abgedruckt.) — 367) X R- Petsch, 
Ans d. älteren Volkslitt.: MUBayerVolksk. 4, N. 1, S. 1/2. (Aus e. Rockeubüchlein aus d. Mitte d. 18. Jh. Reime, Schnader- 
hüpfel, Rätsel.) — 368) X J- Bolte, E. Münchener Vakanzlied d. 18. Jh.: FGBuyern. 6, S. 12/4. (Lateinisch-dtsch.) — 
369) X W. V. Wurzbach, Alte Wiener Volkslieder: Altwien 7, S. 65, 80, 142.— 370) X H. Pieper, D. bist. Volkslieder 
d. Mark Brandenburg aus d. Zeiten d. MA.: Brandenburgia 6, S. 345-59. (Lied auf Kncks Ueberfall d. Stadt Beelitz 1478.) — 
371) X J- Häne, E. bist. Volkslied wider d. Schweiz aus d. Zeit d. Konstanzergtnnns 1548: AnzSchwG. 29, S. 61/5. — 



1 



A. H a u f f e n , Volkskunde. I 5 : 372-405 

grösseren Arbeit über die deutschen Türkenlieder teilt Wölk an 3^2-) — 
der 400 Türkenlieder für die Zeit von 1453 — 1789 kennt — eine kleine Studie 
über die Türkenlieder des IH. Jh. mit. W. unterscheidet drei Gruppen: 1. die 
geistlichen Lieder, die den Kampf gegen den Erbfeind vorwiegend von religiösem 
Standpunkt aus betrachten. Sie sind bis zum 30jährigen Krieg durchweg 
protestantisch. 2. Die politischen und 3. die beschreibenden Lieder, deren Vff". 
als Augenzeugen die Schlachten, Belagerungen usw. im einzelnen schildern. W. 
verzeichnet die (vorwiegend bayerischen) Druckorte und die „Töne" dieser Lieder 
und bespricht deren Verbreitung, Tendenz und Grundgedanken. — Einen wichtigen 
Beitrag zur politischen Lyrik des 17. Jh. liefert Wolkan^^^^ mit seiner reich- 
haltigen Ausgabe von deutschen Liedern auf den Winterkönig, Aus den 
ihm bekannten 2(t0 verschiedensprachigen Spott-, Lob- und Verteidigungsliedern auf den 
Pfalzgrafen Friedrich 3^^) druckt er 63 deutsche Lieder, meist nach alten Drucken, 20 
darunter zum ersten Male, aus Hss. ab. Viele sind gelehrte Sprüche, gekünstelte 
Allegorien, steife Gespi'äctisgedichte, in höherem Auftrage angefertig-te offiziöse Aus- 
lassungen. Nur wenige sind wirklich vom Volke gesungen und verbreitet worden. 
Die Bezeichnung „Volkslieder" wäre also für diese Lieder kaum berechtigt. — 

Volksliedersammlungen ^ss) und Einzelmitteilungen ^86) von Volks- 
liedern liegen vor aus b er deutsch 1 a n d^s'"^'*^), aus M i 1 1 eld e utschl and 394-398-) 
und aus N i e d e r d e u ts c h la n d^^^'^'ios-) Einiges hieraus muss besonders hervor- 
gehoben werden. Ueber eine Hs. aus dem Pusterthal vom Beginn des 19. Jh. er- 
stattet Wa c kern ell404) Bericht. Sie enthält 77 geistliche Lieder ohne Noten, die 
teils zum Gesang beim Gottesdienst bestimmt waren, teils Ereignisse des täglichen 
Lebens mit religiöser Weihe umgeben sollten. W. charakterisiert die Sammlung, 
giebt Proben daraus und druckt 27 Weihnachtslieder ab. In diesfr Gruppe ver- 
dienen ein besonderes Interesse 21 Hirtenlieder, die von verschiedenen Vff. und aus 
verschiedenen Zeiten und Gegenden stammen. Sie zeigen alle denselben dreiteiligen 
Auibau (Ankündigung der Geburt Christi, die Krippe, Bitte an den neugeborenen 
Heiland) und dieselben Grundgedanken (Hirten-, Licht-, Schall- und Naturmotiv) 
und sind doch infolge der Mannigfaltigkeit der Behandlung, der Stilformen, der 
Einfälle von einander sehr verschieden, wie dies von W. in eingehendster Behand- 
lung klargelegt wird. — Eine reiche Sammlung von Liedern und Sprüchen hat 
Glock^os) im badischen Elsenzthale nach dem Volksmunde aufgezeichnet. Es 
sind mundartliche und schriftdeutsche Lieder verschiedenartigsten Inhalts, Liebes-, 
Soldaten-, Spott-, Berufslieder. Auf Napoleon (S. 206 u. 223), Beresina und Auster- 
litz (S. 206, 219), Abschiedslied der Brautjungfern (S. 200), Auswandererlied (S. 209); 

372) X P- Grimme, Met/, u. Lothringen in d. liist. Volksliedern d. Deutschen: .IbGesLotlirG. 9, S. 1-27. (Bespricht d. be- 
treffenden Lipder d. 15. n. 16. Jh. in Liliencrons grosser Sammlung.) — 373) X J- Bolle, llist. Lieder ans d. Elsass: JbGEls- 
Lothr. 14, S. 131/7. (1. Schaffner v. Mspach 1541; 2. Schlacht, wider d. Herzog ? Lothringen 1589.) — 374) X 0. Lauffer, 
2 hist. Lieder: MGNM. S. 93-100. (1. Spottlied auf d. polnische Königswahl Heinrich III. 1573; 2. Belagernng v. Herzogen- 
bnsch 1629.) — 375) X 0. Cleraen. 2 Lieder ans d. 30j. Kriege: NASächsG. 19, S. 350/3. - 376) X M. Toppen, Hist 
Lieder: ZWestprGV. 39, S. 168-74. (1. Elbings Einnahme durch Kiirl Gustav 1655; 2. Elbings Einnahme durch d. Küssen 
1710; 3. Wider Friedrichs IL Heer 1762; 4. D. grosse Wurst in Königsberg 1601.) — 377) X R- F- Arnold, 3 polit. Lieder 
aus d. Zeit d. polnischen Erbfolgekrieges: ZWestprGV. 39, S. 131-64. (1. D. Vater Unser auf Stanislanm 1733; 2. D. mit 
einem München spielende Megunda 1734; 3. Ein Münnich, der muss fort 1734.) — 378) J. Fischer, Lieder vom alten Fritz: 
MNordböhmExcnrsClub. 21, S. 46-50. (Säratl. Lieder, d. e alten geschriebenen „Geschichtsbächlein" aas Liebenau 1824 
entnomman sind, beziehen sich auf d. bayer. Erbfolgekrieg 1778 u. auf d. Tod Friedrichs d. Gr.) — 379) X B- Liebich 
D. Marlborongh-Lied im schlesischen Gebirge: MSchlesGesVolksk. 5, S. 21;2, 61/2. — 380) X P- Glässer, Arndts 
Lied: Was blasen d. Trompeten r Husaren heraus: ZDÜ. 12, S. 413/8. (D. Trolerlied, d. Arndt zum Viorbild gedient, 
ist schon vorher oft in polit. Liedern parodiert worden) — 381) X C. Köhler, Lied anf d. Besetzung Saarbrückens 
durch d. Franzosen u. anf d. Schlacht bei Spichern: 2. August, 6. Aug. 1870: ZVVolksk. 8, S. 223/5. — 382) R. 
Wolkan, Zu d. Türkenliedern d. 16. Jh. (= N. 364, S. 65-77.) — 383) id., Dtsch. Lieder anf d. Winterkönig. 
(= Bibl. dtsch. Schriftsteller aus Böhmen N. 8.) Prag, Calve. XVIII, 412 S. M. 4.00. - 384) X F. VV. E. Roth, Volkslieder 
auf d. Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm u. Friedrich V.: MHVPfalz. 22, S. 71/6. — 385) O X Freiburger Taschenliederbuch. 
320 d. beliebtesten Vaterlands-, Volks- n. Stndpntenlieder. Freibnrg i. B., Herder. XII, 283 S. M. 1,50. — 386) X R- 
Grundemann, Aus d. Spinnstube: Land. 6, S. 13 5. (3 Volkslieder.) — 387) X Ziegler, Banernlied. (ülmer Alb.): 
BllSchwäbÄlbver. 10, S. 419. — 388) O X K. Werkmeister, Oberbayer. Volkslieder u. ihre Singweisen. 3. Aufl. Tölz, 
Dewitz. 12". 106 S. M. 1,20. — 389) XK. Reiterer, Volkslieder: ZÖstrVolksk. 4, S. 208-10. („Es kund ja nichts lustigers 
seyn auf d. Welt" n. „Man sagt zwar oft vom Glück'-' nach e. fliegenden Blatt; 2 liirtenlieder aus Weissenbaoh in Steiermark.) 
— 390) OX Fanni Gröger, Hirten- u. Weihnachtslieder ans d. öslerr. Gebirge. L., I>ieter. VI, 101 S. M. 3,00. — 391) X 
K.Vogel, Martinsgans u Martinslieder: DZg". N. 9642. — 392) X A. SchuUerus, Z. Volksliedlitt. : KBlVSbnbgL. 21, 
S. 68-74, 77-82. (Vgl. ib. S. 135/7. Bernanerinlied, Variante zu Erk-Böhme N. 92) - 393) X (JBL. 1896 I 11:379.) (fj. W. 
Nagl: Enph. 5, S. 117,9.J! - 394) X (JBL. 1897 I 5:668.) IfA. Hauffen: Euph. 5, S. 738-40; R. Petsch: ASNS. 100, 
S. 188-91; F. Vogt: MSchlesGesVolksk. 5, S. 35/7; P. Voretzsch: ZDPh. 30, S. 255-62.]| — 395) H. Heimelt, Volks- 
tümliches .aus Breitenau bei Lauenstein: MVSächsVolksk. N. 8, S. 8-10. (Spinnstnbenlieder mit Melodie: 1. Es spielt e. Ritter 
mit seiner Dam; 2. Als ich an einem Sommertag.) — 396) X D. Sachsenlied: ib N. 7, S. 3. ~ 397) X F. Euntze, In 
Leipsig war en mand: ZDL'. 12, S. 208. — 398) X *• Dost, Weibnachtslieder ans d. Erzgebirge: Glückauf 18, 8. 182/5. — 
399) X 0. Dirksen, Ostfries. Rammerlied: ZVVolksk. 8, S. 96. — 400) X C. Schumann, Nioderdtsch. Frost- u. Schoss- 
lieder aus Lübeck: Urquell 2, S. 402. — 401) X 0. Schütte, Volksreime: BrannschwMag. 4, S. 37/9. (Vgl. ib. S. 55/6, 
63/4.) — 402) X A. Brnnk, Volkslieder aus Pommern: BllPommVolksk. 6, S. 142/4, 170/2. - 403) X A. Haas, Volkstum). 
Tänze u. Tanzlieder ans Pommern: ib. S. 1/4, 9-10, 55/9, 65/8, 81/5, 97-101, 113-23, 129-34, 145-53, 161/3, 184/8. — 404) J. E. 
Wackerneil, Aeltere Volkslieder u. volkstüml. Lieder aus Tirol: ASNS. 101, S. 283-308: 102, S. 1-28. — 405) J. Ph. Glock, 
Lieder n. Sprfiche aus d. Elsenzthal: Alemannia 25, S. 193-255. (Separat: Z. dtsch. Volksk. N. 7. Bonn, Hanstein. 53 S. 



I 5:406-452 A. Hauffen, Volkskunde. 

neben alten Liedern (z. B. das Schloss in Oesterreich S. 221) auch viel Modernes, 
ferner Bausprüche, Kinder- und Neckreime, Inschriften, Wächterrufe, Zaubersprüche 
und Sagen, Wetterregeln und Redensarten. — Viele Schnaderhüpfel und Tanzweisen 
aus der Umgebung- Iglaus teilt Piger'*''^) mit, indem er gleichzeitig den Volkslieder- 
schatz dieser grossen deutschen Sprachinsel und die Art, wie das Volk dort singt und 
tanzt, näher charakterisiert. — Mehrere Veröffentlichungen gelten dem Volksliede 
im Egerlande. Der Verein für Egerländer Volkskunde hat in dem ersten Hefte **''^) 
einer grösser angelegten Sammlung 26 Stücke: die beliebtesten Liebeslieder in der 
Mundart und einige volkstümlich gewordenen Dialektgedichte von Dümral mit den von 
Czerny gesetzten ein- und zweistimmigen Melodien abgedruckt. John^"^), der in 
der Einleitung hierzu über die Litteratur der Egerländer Volkslieder Bericht er- 
stattet, hat ausserdem in seiner Zeitschrift Proben aus der hs. Sammlung von Eger- 
länder Liedern mitgeteilt, die Rat Grüner 1822 für Goethe aufgezeiclmet hatte. — 
Einige von den gleichen Liedern veröffentlicht Urban^''*') nach einer Marienbader 
Hs., die uns wahrscheinlich eine Kopie von einem Teil des Grünerschen Ms. 
darstellt. — Ganz kritiklos ist die Sammlung nordböhmischer Volkslieder von 
K i r s c hn e r^^*^). Sie enthält allerdings eine Reihe bemerkenswerter Varianten 
schöner alter Volkslieder. Doch wie aus der Vorrede P audiers hervorgeht, konnte 
oder wollte der Sammler seine Gewährsmänner nicht nennen. Es ist deutlich zu er- 
sehen, dass viele der mitgeteilten Gedichte niemals vom Volke gesungen worden, 
sondern dass sie vielmehr ihrer ganzen Art nach sicherlich in allerjüngster Zeit von 
„nicht genannt sein wollenden Dichtern" abgefasst worden sind. Diese Sammlung 
kann also zu wissenschaftlichen Zwecken nur mit der grössten Vorsicht benutzt 
werden. 411^413) — 

Verschiedenes. Aus der reichen Litteratur über Sprüche^^*"'*'''), In- 
schriften4i8-427-) ^j^fj Volksreime aller Art428-43ij gßj erwähnt, dass die hier schon 
gewürdigte (JBL. 1895 I 5 : 464) schöne Sammlung deutscher Haussprüche und In- 
schriften von Padberg432) in einer zweiten, um 300 Nummern vermehrten Auflage 
erschienen ist.'**'"^) — 

Auf dem Gebiete der Kinderlieder*34 ^48) y^d Kindersp iele'*^'''*^'*), 



M. 1,00.) — 406) F. P. Piger, D. Schnaderhüpfel in d. Iglauer Sprachinsel: ZÜstrVoUcsV. 4, S. 6-28. — 407) Egerländer Volks- 
lieder. Her. vom Ver. für Egerländer Volkslt. Heft 1. Mit e. litt.-hist. Einl. von A. John. Mnsikal. Bearbeitung von J. Czerny. 
Eger. 58 S. M. 1,00. |[K. We inhold: ZVVolksk.S, S. 462/3; A. John: Unser Egerland 2, S. 13/4. )| — 408) A. John, Egerländer 
Volkslieder. 1—26: Unser Egerland 2, S. 23/4, 31/3, ^4/7, 58-60. - 409) M. Urban, Aeltere Egerländer Volkslieder: 
ZüstrVolksk. 4, S. 161-72. — 410) A. Kirschner, Volksgesänge aus d. Aussiger Gau. Leipa, Künstner. 148 S. M. 1,00. 
|[MNordböhmExcursClub. 21, S. 372.]| — 411) X F. van Dnyse, Nederlandsch Liedorboek uitgegen door het Willems-Fonds. 
2. Bd. Gent, Vuylsteke. (I>. 1. Bd. erschien bereits 1895 u. enthielt patriot. u. lokale Lieder; d. vorliegende 2. Bd. 
bringt Balladen, Liebes-, Scherz-, Studenten-, Kinder-, Reise- n. Matrosenlieder.) — 412) X L. Perez, Judendtsch. Volks- 
lieder ansKnssland: Urquell 2, S. 27/9. — 413) X L. Wiener, Populär poetry of the Rnssian jews: Americana germanica 2, 
S. 1-26. (Mitteilungen v. Liedern in judendtsch. Mundart.) — 414) X ^- Kluge, Gute alte dtsch. Sprüche für Schule u. 
Haus: ZADSprV. 13, S. 6/8. (Besprechung v. JBL. 1897 15:739.) — 415) X K. Reiterer, Mundartl. Sprüche aus 
Steiermark: Heimgarten 22, S. 230/4. — 416 J X H. Röttinger, Dtsch. HanssprOche aus Tirol: ZÖstrVolksk. 4, S. 302/3. 
(Lebensregeln auf Holztafeln d. 17. Jh.) — 417) K. Schmidt, Haussprüche: MVSächsVolksk. ü, S. 11. (Z. T. aus d. 17. Jh.) 

— 418) X II- Schuko Witz, Hausgerätinschriften aus Nieder-Oesterr.: ZVVolksk.S, S. 48-56, 147-53. (Auf Stuben-, Küchen-, 
Keller-, Garten-, Feldgeräten, Kindorspielzeugen usw. E. reiche Sammlung mit genauen Ortsangaben.) — 419) X J- N. 
Brandl, Häuserinschriften aus Oberbayern: MUHayerVolksk. 2, N. 3, S. 3. — 420) X Hansinschriften: BllSchwäbAlbver. 10, 
S. 70/2. — 421)X^-i'- Piger, Scheibensprüche aus Grünburgin Ober-Oesterreich: ZÖstrVolksk. 4, S. 198-203. — 422) X Marterln, 
Votivtafeln, Grabschriften, Feldkreuze, Leichenbretter, Haussprüche, Armeseelenbilder in Tirol, Vorarlberg, Bayer. Wald, Vorgebirge 
n. Altbayern. Gesammelt v. mehreren Touristen. Regensburg, Stahl. 12". 34 S. M. 0,30. (Reichhaltige Sammlung mit vielen Abbild. 
V. Marterln u. Totenbrettern.) — 423) X Diss. 2. Samml. in d. Schweiz, Oesterreich u. bayer. Hochland, ebda. 12". 40 S. 
M. 0,30. — 424) X C. Blümlein, Z. Grabschrift d. Rosamunde: ZDU. 12, S. 605/6. — 425) X A. Dressely, Grabschriften, 
Spruche auf Martersäulen u. Bildstöcken usw., dann Hausinschriften, Wirttschilder, Trinkstubenreime, Geräte -Inschriften. Salzburg, 
Pustet. VIII, 170 S. M. 1,40. i[K. Weinhold: ZVVolksk. 8,8. 466; FGBayerns. 7, S. 8.]| (Zumeist in Bayern gesamm.; 
vieles vom München er Friedhof, Quellen- U.Ortsangabe fehlen vielfach.) — 426) X K- Reiterer, Grabinschriften u. Marterln 
aus Steiermark: ZÖstrVolksk. 4, S. 264/5. (Vgl. ib. S. 266: Votivbilder.) — 427) X A. Petak, D. Kindergräber v. Ottenheim: 
ib. S. 107—10. (Oberösterr. Grabverse.) — 428) A. Zindel, E. alter Nachtwächterruf in Sargans: SchwAVolksk. 2, S. 40. — 
429) X •A- Holder, D. schwäb. Nachtwächter. E. kulturgesch. Nachtr. zu Wichners Stundenrufen u. Liedern: Alemannia 26, 
S. 76/8. — 430) P. Beck, Nochmals e. Interrompiraent: ib. 25, S. 270/3. (Scherzreim aus Kirchheim im schwäb. Unterland.) 

— 431) X A. Eichner, Verbrecherpoesie: MSchlpsGesVolksk. 5, S. 62/4. (Reime auf Vergehen u. Verbrechen. Gesch. 
vom Schinderhannes.) — 432) A. v. Padberg, Hanssprüche u. Inschriften in Deutschland, in Oesterr. ti. in d. Schweiz. 
2. Aufl. Paderborn, Schöningh. VIII, 128 S. M. 1,20. - 433) X D- Imesch, Alpengebete inGoms: SchwAVolksk. 2, S. 295/6. 

— 434) X (JBL. 1897 I 5 : 741.) |[L. Fränkel: LCBl. S. 304/5.]| - 435) X (J^^- 1897 15:742.) |[0. Brenner: 
BllGymnSchulw. 34, S. 745; K. Bruchmann: ZVVolksk. 8, S. 107/8; F.Spengler: ZOG. 49, S.839.J| —436) X J- Bnchhorn: 
Kinderlieder aus d. Schwabenlande: Urquell 2, S. 253/4. — 437) X Anna Marx. Auszählreime u. Kinderlieder aus d. Steier- 
mark: ZÖstrVolksk. 4, S. 210/2. — 438) X S. Kurz, Kinderreime aus Mosony : EthnolMUngarn. 6, S.32. — 439) X K'nder- 
reime: Unser Egerland 2, S. 62. — 440) X E. Hübler, Auszählreime aus d. Iser- u. Jeschkengebirge : JbDGebirgsverlser- 
Jeschkengebirge 8, S. 53/6, 86-91. — 441) X ß- Reichhardt, Bastlösereirae aus d. Provinz Sachsen. Durch Umfrage 
gesamm.: ZVVolksk. 8, S. 62/6. — 442) X id., Abzählreime ans d. Grafsch. Hohenstein. Durch Umfrage gesamm.: ib. S. 402/7. — 
443) X M. Gerhardt u. R.Petsch, Uckermark. Kinderreime: ib. S. 407-15. — 444) X I^- E. Haase, Kinder- u. Volksreime ans d. 
Grafsch. Rnppin : Urquell 2, S. 251/3.— 445)X G. T e r w e 1 p , Storchreime : ZDU.12, S.356/8. — 446) X A. H a a s , Abzählreime : BllPomm- 
Volksk. 6, S. 108-1 1.- 447) X H- E- F e i 1 b e r g, Pater Guardian : ZVVolksk. 8, S. 96/7. (VlämischeVarianten zu d. bekannten Kinderliede.) 

— 448) XJ.Robinsohn, Judendtsch. Wiegenlieder : Urquell 2, S. 39-40. — 449) X Kinderspiele : Unser Egerland 2, S. 43/4. ( Vgl. ib. 
8. 50/1, 62.) — 450) XE. Manzeck,2 Singspiele : BUPommVolksk. 6, S. 21. — 451) XA.Treiohel, Zungenübungen aus Preussen : 
Urquell 2, S. 254/6. - 451a) X E. Hoff mann- Kray er, Geheim-Sprachen: ZVVolksk. 8, S. 458. — 452) OX G. Wunderlich, 



A. Hauffen, Volkskunde. 1 5-. 4o3-52ä 

der Sp rieh Wörter '*^2-459-) ^nd Redensarte»*^'*"*^^), der Schwänke'**^"''^'), 
Dorfrieckereien*"-^*"^) und Rätsel*''*^**'*) sind eine Reihe kleiner Sammlung-en 
und Mitteilung'en erschienen. — 

Namen*^'"''*^'). In Buchform veröffentlichte May d o rn'****) zwei Vorträge, 
worin er eine klar aufgebaute g-ute Darstellung bereits bekannter Thatsachen über 
unsere Vornamen***''"*^") und Familiennamen^'*'"^'«*'') entwirft. — Das bekannte, 
noch immer sehr brauchbare Büchlein über die deutschen Familiennamen von 
-Vilmar'*^*) erschien in einer unveränderten sechsten Auflag-e. — Aus der sorg- 
fältig-en Untersuchung der Familien-, Hof-'*'*^) und Flurnamen"*^''"^*^^^ des Dorfes 
Pobitz bei Tepl erweist Toiseher""^) die rein deutsche Besiedlung dieser west- 
bÖhmischen Gemeinde. — Zu verzeichnen sind ferner zahlreiche kleinere Mitteilungen 
über Ortsnamen»o*~^25) _ 



Dtscb. Sprichwörter, volkstüral. erVlärt n. gruppiert. 2. Bdch. 6. Aufl. Langensalza, Schnlbnchhandlang. VUI, 95 S. M. 0,75. 
,^ 453) X Friedensburg, D.Münzen im dtscb. Spricbwörterscliatz. (Vortr.J: Sammler^. 20, S. 314. — 454) X G- Fient, 
12. Sprichwort aus d. Prättigan: SchwAVolksk. 2, S. 1S3. — 455) X F- Binhalc, Volkstamlicbes aus d. Stiftslande Wald- 
sassen. 1. Sprichwörter; II. Rätsel: III. Schwanke: Unser Egerland. 2, S. 7 9, 14/6, — 456) O X F. R. Frey tag, Sachsens 
geschichtl.-geogr. Sprichwörter u. geflügelte Worte. L., Wunderlich. VII, 94 S. M. 1,60. — 457) X A.. Haas, Essen u. 
Trinken im Pommerschen Sprichwort: BllPoramVolksk. 8, S. 127/8, 172;5. — 458' X B.. Beck, Niederdtscb. Sprnchweisheit 
ans Nordsteimke (Braunschweig): ZWolksk. 8, S. 301,4. — 459) X J- Robinsohn, Jndendtsch. Sprichwörter ans Ost- 
"galiiien: Urquell 2, S. 221/2. — 460) O X F. lloefer. Wie d. Volk spricht. Sprichwörtl. Redensarten, 10. Aufl. St., Union. 
12''. IV, 227 S. M. 2,50. — 46t) X B- Weitbrecht, Allerlei aus d. Volksmunde: Hie gut Wiirtt. allewege 1, S. 135-47. 
(Plauderei über schwäb. Redensarten.) — 462) X F. Branky, Du bist e. rechter Melac: ZDU. 12, S. 603-10. (Vgl. ib. S. 6579.) 
463) X Er weiss, wo Barthel den Most holt!: Brandenburgia 6, S. 341/2. — 464) J. A. T a u b m a n n , D. dtscb. Volk im 
Jeschkengebirge: JbDGebirgsverJeschkenIsergebirge. 8, S. 31/5. (Mundart, Wortschatz, Redensarten.) — 465) X ^- Wossidlo^ 
Volkstümliches aus Mecklenburg; 20. Allerlei scherzhafte Antworten n. Neckreden: 21. Beim Kartenspiel; 22. Wohr di, dat 
spült; 23. Vom Trinken: RostockerZg. 1897, N. 365, 412, 484; 1893, N. 23. (Von W. selbst aus d. Volksmund gesamm.) — 466) X 
K. Waldis, Schwanke d. Jör-Lieni aus d. Mnotathale: SchwAVolksk. 2, S. 291/4. — 467) X F. Hof f mann-Kray er, Schild- 
bürgergesch.: ib. S. 251. (Vgl. ib. S. 11, 34) — 468) X H. Schuko witz, Bauernanekdoten aus d. Marchfeld: Urquell 2, 
S. 248-51. — 469) X L. Aurbacher, Historia v. d. Laienbürgern u. anderes Volkstümliches. Her. v. J. Sarreiter. (= ÜB. 
N. 3780.) L., Reclam. 111 S. M. 0,20. (Enthält u. a. d. gereimte Bearbeit. d. Schildbürger 1847.) — 470) M. Walesch, 
Volkstüml. Erzähl, u. Schwanke: KBlVSbnbgL. 21, S. 38-42. (Volksneckereien, Schildbürgergesch. , Eantorschnurren.) — 
471) X M. Weissberg, Jüdisch-dtsch. Schnurren: Urquell 2, S. 246/8. — 472) X A.. Haas, Volkstüml. Spottverse n. 
Neckereien auf einzelne Stände u. Gewerbe: BllPommVolksk. 6, S. 44/7, 71/3, 39-91. — 473) X 0. Schütte, Dorfneckereien: 
BraunschwMag. 4, S. 94/.'>. 103/4, 160. -- 474) X (JBL- 1897 1 5:800.) |[A. Hauffen: Euph. 5. S. 735/8: R. Petsch: 
ZDK. 6, S. 228-30; 0. Glöde: ASNS. 100, S. 185/7; W. v. S.: LCBL S. 788/9; F. Lindner: Land 5, S. 33, 58; Hugo Meyer, 
WeserZg. 16. Mai.]| — 475) X R- Petsch, E. Rätselmärcben auf d. Wanderung: MUBayerVolksk. 4, N. 4, S. 1. - 476) X 
J. Bock- Gnaden au, Volksmedizin n. Volksrätsel aus Niederösterr. : Urquell 2, S. 210/3. — 477) X^- Petsch, Unter- 
fränk. Rätsel: MUBayerVolksk 4, N. 3. S. 1/2. (Vgl. ib. N. 1, S. 1/2.) - 478) O X K. Eckart, Allgem. Samml. niederdtsoh. 
Rätsel. 2. Aufl. Göttingen, Wunder. 148 S. M. 1,50. - 479) X 0. Schütte, R.ätsel: BraunschwMag. 4, S. 182/3. — 480) X 
Asmus u. A. Brunk, Volksrätsel ans Pommern: Urquell 2, S. 35(9. - 481) X 0- Brenner, Dtsch. Monatsnamen?: ZADSprV. 

13, S. 33-40. (Lehrreiche Übersicht über d. verschiedenartigen allgem. oder landschaftl. dtsch. Monatsnamen v. Karl 
d. Grossen bis in d. Gegenw.) - 482) X W. Zache, Dtf^ch. Monatsnamen: AkBll. 12, S. 101/2. (Vgl. ib. S. 152 n 181/2.) 

— 483) X H. Schukowitz, Übernamen: Urquell 2, S. 119—21. — 484) O X J- Holfert, Volkstüml. Arzneimittelnamen. 
2. Aufl. B., Springer. VI, 226 S. M. 3,00. — 485) X M. Müller, Volkstüml. Ausdiuck d. Namen im Egerlande: Unser 
Egerland 2, S. 47. (Krankbeitsnamen.) — 486) X Irene Thirring-Waisbecker, Z. Naioensableitnng d. Hienzen: Ethnol- 
Müngarn. 6, S. 30. — 487) M. Buchner, Bedeutungen: Globus 74, S. 137-42, 393. (Vgl. ib. S. 214.) — 488) X B- Maydorn, 
Dtsch. Leben im Spiegel dtsch. Namen. 2 Vortrr. Thorn, Lennbeck. 53 S. 1.00. |[F. Khull: ZADSprV. 13, S. 164.]i 

— 489) X A. Tille, Weibliche Vornamen im MA.: ZDK. 5, S. 173/7. — -490) X H. Chr. Schnack, VoUständ. aiphabet, 
geordnete Samml. dtsch. Vor- u. Taufnamen nebst Angabe d. Ursprunges, .d. Abstamra. u. d. Bedeut. derselben n. 
einigen Anhängen. 3. Aufl. v. B. Benecke. Hamburg, Rudolphi. VII. 116 S. M. 1,80. — 491) X V. Burckas, D. Ohr- 
drufer Familiennamen nach Herkunft u. Bedeut. 3. T. Progr. Ohrdruf, Lucas. 4". 12 S. (Vgl. JBL. 1897 I 5:828.) — 
492) X (JBL- 1897 I 5:821.) l[Rich. Müller: ÖLBl. 6, S. 557/8.]| — 493) X G- Schöner, D. Geschlechtsname Riedeseln 
untersucht — u. erklärt? MVHessG. S. 87-91. (Esel, älter ezel. aus d. Verkleinerungssnffix -ezilo entstanden.) — 494) X Bide- 
gast: Ostmark 1, S. 62/3. — 495) XC. Dirksen, Personennamen auf -kamp: ZVVolksk. 8, S. 457/8. (In Meiderich.) — 496) O X G. 
B lum schein, Streifzüge durch unsere Muttersprache. Köln, Nenbner. VIII, 238 S. M. 2,40. (Enthält U; a. Aufsätze über : „Unsere 
Personennamen im Lichte d. Gesch." u. „D. dtsch. Familiennamen".) — 497) X H- Le wy , Jüdische Namen : AZgJndent. 62, S. 333/.J. — 
498) A. F. C. Vilmar, Dtsch. Namenbüchlein. D. Entsteh, u. Bedeut. d. dtsch. Familiennamen. 6. Aufl. Marburg, Elwert. IV, 
118 S. M. 1,20. — 499) X A. John, Egerländer Uofnaraen: Unser Egerland 2, S. 49-50, 601. — 500) X Renn, Pommersche 
Flurnamen: BllPommVolksk. 6, S. 21/3. — 501) X Mitteill. A. Flurnamenstelle: BllSchwäbAlbVer. 10, S. 154-60, 298-303, 
386-92, 470/1. (Vgl. ib. S. 74/8.) — 502) X V. Lommer, Wie Sagen entstanden sind: Wartburg-Herold 4, S. 113/9. (Volks- 
etymologisch gedeutete Flurnamen.) — 503) W. Toischer, Geschichtliches aus Familien- n. Flurnamen: MVGDB. 36, S. 469-77. 

— 504) X R. Needon, Bedeutsame Ortsnamen: LZg^. N. 48. — 505) X R. Palleske, Dtsch. Orten dtsch. Namen 
ZADSprV. 13, S. 154/7. - 506) X (JBL- 1897 I 5:852, 857, 841, 836.) |[Rich. Müller: ÜLBl. 6, S. 43/9, 273/4. 466/7.] I — 

507) X ^- Hintner, Noch einmal d, Iss-Namen- ZFerdinandeum 49, S. 277-96. Sonderabdr.: Innsbruck, Universitäts- 
Buchdr. 20 S. (Leitet d. „iss" in d. Ortsnamen d. Alpengegenden v. mundartlich esch = ahd. ezzisc u. got. atisk ab.) r- 

508) X ^1>- V. Grienberger, Z. Kunde d. österr. Ortsnamen: MIÖG. 19, S. 520-34. (Behandelt hauptsächl. Flussnamen. 
D. Name Wien wird mit ahd. uniumman in Zusammenhang gebracht.) — 509) X J- Blum er. Über e. Gruppe v. Ortsnamen: 
ZOG. 49, S. 690/2. (Leitet d. Namen auf -egg im Gegensatz zu Burghanser [JBL. 1897 I 5:837] von -eck = Bergvorsprung 
oder Flnsskrümmung ab.) — 510) X CJBL. 1897 I 5:841.) |[Th. v. Grienberger; ADA. 24, S. 199-201.]| - 511) X V. 
Pogatschnigg, Dnlmat. E. Studie zu Kärntens Kulturgesch. u. Volkskunde: ZÖstrVolksk. 4, S. 296-302. (Z. Ortsnamen- 
forsohung.) — 512) X ■!• Wolff, Materialien z. Etymol. siebenbürg. Ortsnamen. (Aus d. Nachlass mitget.); KBlV- 
SbnbgL. 21, S. 9-14, 25/7, 33(6. — 513) X A. Gebhardt, Z. Bedeut. d. Namens „Nürnberg": FränkKur. 13. n. 

14. Apr. — 514) O X A. Schumm, D. Ortsnamen v. Kissingen u. Umgebung, Kissingen, Weinberger. 16 S. M. 0,50. — 
5151 O X F. Koch, Beitrr. z. urkundl. Gesch. d. Stadt Pössneck. 3. Heft: D. Einwohner d. Stadt im 15. Jh. mit d. Namen 
T. 1 bis z. Pössneck, Latendorf. 63 S. M. 0,80. — 516) O X A. Fuolis, Ortsnamen aus d. Kreise Zabern. (= Bausteine 
z. elsass-lothring. Gesch. u. Landeskunde N. 6.) Zabern, Fuchs. 26 S. M. 0,60. — 517) X A. Schiber, D. Ortsnamen d. 
Metzer Landes n. ihre geschichtl. u. ethnogr. Bedeut.: JbGesLothrGA. 9, S. 46-86. (Sonderabdr.: Metz, Dtsch. Buchhand- 
lung.) — 518) X J- Miedel, D.Name Memmingen: AllgäuerGFr. 11, S. 29-40, 41/8. — 519) X JLanger, D. altmärkischen 
Ortsnamen auf -ingen u. -leben. Progr. Zeitz. .4°. 25 S. — 520) X >d-> Biesemark u. Bischofsmark: BismarckJb. 4, S. 289-98. 

— 521) X E. Hach, Z. Erklär, d. Namen einiger Lübecker Ortsbezeichnnngen : MVLübG. 8, S. 3-10. — 522) X (JBL. 

Jahresberichte ffir neuere deutsche Litteratorgescbichte. I.X, (l)t) 



I 5:523-533 I 6:1-3 R. L 6 h m a n n , Die Litteratur in der Schule. 

Eine schöne Arbeit verdanken wir auf dem Gebiete der Pflanze nn am en^-^-^^ö-) 
dem allgemeinen deutschen Sprachverein, der einen Preis ausgeschrieben hat für 
eine Untersuchung-, „auf welchem Wege wir zu einer einheitlichen deutschen Namen- 
gebung gelangen können, soweit es das Bedürfnis der Schule fordert". Den ersten 
Preis erhielt unter 33 Bewerbern Meigeu^so^, der sorgfältig und umsichtig (mit Er- 
wägung aller möglichen Bedenken) die Grundsätze erörtert, die für die Auswahl der 
besten Namen unter den allzu reichhaltigen und verschiedenartigen landschaftlichen 
Bezeichnungen massgebend sein sollten, und in drei Verzeichnissen dia zur Ein- 
führung sich empfehlenden deutschen Pflanzennamen zusammenstellt. Es ist zu 
hoffen, dass man auf dieser tüchtigen Grundlage allmählich zur angestrebten ein- 
heitlichen Namengebung für ganz Deutschland vordringen wird. Die lateinische 
Kunstsprache der Wissenschaft soll durch diese Bestrebungen selbstverständlich 
nicht im geringsten angetastet werden. — Bemerkenswert ist das Verzeichnis der 
volkstümlichen Pflanzennamen aus Gottschee, das Satt er ^3*) gleichzeitig mit Be- 
rücksichtigung der Volksmedizin und des Aberglaubens zusammengestellt hat. Auch 
der hier beigebrachte Stoff zeigt eine fiir die Gottscheer bezeichnende Mischung 
bayerisch-österreichischer (namentlich kärntnischer) und mitteldeutscher Elemente.— ■ Die 
Tiernamen^32) (jpg Saazer Landes im nordwestlichen Böhmen bespricht Wilhelm ^3^) 
in ihren volkstümlichen Zusammensetzungen, Redensarten, in Wetterregeln, Volks- 
reimen und Kinderliedern. — 



1,6 

Die Litteratur in der Schule. 

Rudolf Lehmann. 

Allgemeines nnd Methodologisches: Allgemeines N. 1; Methodik der LeVtQre N. 2; Methodologische 
Erläuterungswerke N. 16; Methodik des Aufsatzes N. 18. — Hilfsmittel fBr den Unterricht: Aafsutz, Schnlausgahen 
N. 20; Erliinternngen und Präparationen N. 46; Leseb&cher N. 62; Gedichtsammlungen N. 83; Leitfäden für Litteratnr- 
geschichte N. 90. — 

Allgemeines und Methodologisches. Der Vortrag Lyons*) 
über die allgemeinen „Ziele des deutschen Unterrichts in unserem Zeitalter", 
der seinem Inhalt nach bereits im vorigen JB. gewürdigt ist, ist im 1. Hefte der 
ZDÜ. abgedruckt; er bestimmt in sicherer und massvoller Weise die Aufgaben 
unseres Unterrichtsfaches. Es ist die einzige Schrift des Berichtsjahres, welche den 
deutschen Unterricht in seinem ganzen Umfang betrachtet. Eine grössere Anzahl 
methodologischer Schriften behandelt einzelne Zweige desselben. — 

Methodik der Lektüre. In einem zierlichen Bändchen giebt 
Steuding^) Rechenschaft über seine Methode, die deutschen Klassiker in der 
Oberprima des Gymnasiums zu behandeln. Er legt S. 1 — 15 im allgemeinen seine 
Grundsätze dar, die zwar nicht neu, aber zumeist ganz sachgemäss sind. Sodann 
werden dieselben an einer Uebersicht über Goethes Leben und Werke veranschaulicht, 
nicht eben tiefgründig, aber doch im wesentlichen einwandsfrei. Das Interessanteste 
ist die Behandlung des Faust, die fast die Hälfte des kleinen Buches einnimmt. Die 
Frage, ob der Faust in der Schule gelesen werden soll und kann, ist gerade in den 
letzten Jahren vielfach diskutiert worden. St. erklärt ihre Beantwortung für selbst- 
verständlich, und „die Notwendigkeit der Faustlektüre, die natürlich in die Klasse 



1897 15:856.) |[A. Kirchhoff: GeogrLB. S. 91 (als gründlich verfehlt bezeichnet); ÖLBl. 7, S. 596.]| — 523) X H. 
Jellinghnus, Englische u. niederdtsch. Ortsnamen: Anglia 20, S. 257-334. — 524) X !■• Poliner, Z. Erklär, v. Ge- 
wannnaraen: ZDU. 12, S. 484. — 525) O X K- Schnitzer, Hamburg. Strassennaraen : HamburgSchulZg. 5, N. 36-42. —526) 
X Pauline Schnllerus, Z. siebenbürg.-dtsch. Wörterbnch. Pflanzennamen aus Alzen: KBlVSbnbgL. 21, S. 14/8, 28-30, 
36/8. — 527) X F. Losch, D. Volksnamen d. Pflanzen: BllSchwäbAlbver. 10, S. 498-510, 546/8. - 528) X {JBL. 1897 I 5:803.) 
ItE. Scholz: ÖLBl. 6, S. 149- 50.] | — 529) X ^- Wilhelm, Volkstürol. Pflanzennamen am sfldl. Hange u. Fusse d. mittleren 
Erzgebirges: ErzgebZg. 19. S. 74/7, 103/.Ö, 121/4, 150;3, 172/4, 200/2, 223/5, 247/9. - 530) W.Meigen, D. dtsch. Pflanzen- 
naraen. B., Berggold. VIII, 120 S. M. 1,60. — 531) J. Satter, YolkstQml. Pflanzennamen aus Gottschee. Progr. Gottschee. 
21 S. — 532) X F. Branky, Z. Gleckwurm: ZDU. 12, S. 353/6. — 533) F. Wilhelm, Tiernamen in volkstüml. Zusammen- 
setzungen u. Redensarten d. Saazer Landes. Saaz, Wilde. 61 S. M. 1,00. (Vgl. JBL. 1897 I 5 : 802.) — 

1) 0. Lyon, D. Ziele d. disch. Unterr. in unserem Zeitalter: ZDU. 12, S. 15-45. (Vgl. .TBL. 1897 I 7 : 5.) — 2) 
H. Steuding, D. Behandlung d. dtsch. Nationallitt, in d. Oberprima d. Gymn. L., Seemann. 12«. 161 S. M. 0,80. — 3) X 



R. Lehmann, Die Litteratur in der Schule. 16: 4-10 

selbst g-ehört", für erwiesen. Ich selbst habe es früher für ebenso selbstverständlich ge- 
halten, dass 'der Faust nicht in die Schule gehört, und n)ich in meinem Buche über 
den deutschen Unterricht in diesem Sinne geäussert. Ich gestehe jedoch gern, dass 
ich, hauptsächlich durch die Arbeiten V. Valentins sowie durch die Aeusserungen 
Münchs im letzten Goethejahrbuch, zweifelhaft geworden bin und es der Erwägung 
und des Versuches für wert halte, in der Oberprima die ersten Scenen der Tragödie bis 
zur Paktscene, sowie den 5. Akt des zweiten Teils zu besprechen. Wie es aber 
möglich sein soll, die Faustlektüre in dem Umfang, wie sie St. S. 12/3 angiebt, in 
der Klasse zu treiben und dazu noch alles das zu erörtern, was er S. 85 ff. über die 
Geschichte der Faustsage und die Entwicklung der Goetheschen Dichtung bringt, 
ist mir völlig unklar. Wieviel Zeit hat man denn in Würzen für Goethe zur Ver- 
fügung?^) — Mit der Faustlektüre beschäftigt sich auch ein etwas breit gehaltener 
Artikel von M ü h 1 h a u s e n ''), der deshalb hier gleich angeschlossen werden soll. Er 
betrachtet die Schullektüre eines Faustauszugs als eine „Propädeutik des Gesamt- 
Fausts", und rechtfertigt damit seine im vorigen JBL. angezeigte Schulausgabe. 
Auch dieser Auszug ist immer noch reichlich bemessen. Vor allem aber ist der 
Vorschlag absonderlich, Faust mit Knaben zu lesen: „Wer für die ernsten Dar- 
bietungen des Konfirmanden-Unterrichts reif ist, der ist es auch für diejenigen Stellen 
des Goetheschen Faust, die ich als die eigentlichen nationalen ausgehoben hatte." 
(NB. auch die Gretchenscenen gehören dazu !) — Mit der Behandlung einzelner Dichter 
und Gruppen beschäftigen sich auch sonst eine Anzahl kleinerer Schriften. Gast^) 
tritt zunächst für die Lektüre des Nathan in Oberprima ein und unterzieht sodann 
die bekanntesten der vorhandenen Schulausgaben dieses Dramas einer prinzipiellen 
Kritik. Er rügt die willkürlichen Aenderungen des Textes, die er an einer Reihe 
von Beispielen nachweist, um mit dem Satze zu schliessen: „Die Werke unserer 
Meister sollen unserer Jugend so getreu wie möglich dargeboten werden. Haben sie 
Flecken und Fehler, auch mit den Flecken und Fehlern, — jedes Verändern ist ein 
Meistern unserer Meister." Mit diesem Satz dürfte G. entschieden mehr im Rechte 
sein, als Mühlhausen, der in dem vorhin genannten Aufsatz der Rücksicht auf „den 
gesellschaftlichen Anstand" in Schulausgaben das Wort redet. — In zwei Aufsätzen 
entwickelt D ö r w a l d ^~') leitende Gesichtspunkte für die Lektüre der Schillerschen 
Gedankenlyrik in Prima. Unter dem nicht gerade glücklich gewählten Terminus 
„Ideale Lyrik" versteht er diejenige Gruppe Schillerscher Gedichte, die „durch die 
Beziehung auf das Ideal" zusammengehalten ist, hauptsächlich: Resignation, Ideale, 
Worte des Glaubens, Worte des Wahns, Ideal und Leben. Besonderen Wert legt er 
auf Anordnung und Gruppierung, für welche „die didaktischen Gesetze der Ein- 
heitlichkeit und stetig fortschreitenden Entwicklung stetig massgebend sind". — In 
einer anregenden Studie tritt S c h l e i c h 8) für die Schullektüre von Griüparzers 
Dichtung-en ein, die er ausdrücklich nicht nur österreichischen, sondern auch reichs- 
deutschen Anstalten empfiehlt. Wie Kleistsche Dramatik bei der Jugend Süddeutsch- 
lands auf Verständnis rechnen könne, so beeinträchtige das specifisch Oesterreichische 
in Grillparzer weder seinen Wert, noch seine Zugänglichkeit für die norddeutsche 
Jugend. Das ist durchaus zutreffend. Ich habe im ganz entsprechenden Sinne die 
Lektüre Grillparzers in der 2. Auflage meines oben erwähnten Buches „Der deutsche 
Unterricht" (1897) empfohlen. Wenn der Vf. einen solchen Hinweis vermisst, so trifft 
das nur für die erste Auflage zu. Seh. empfiehlt zur Berücksichtigung besonders 
König Ottokar, Sappho, Das goldene Vliess und Weh dem, der lügt. Auch diese 
Auswahl wird man billigen können. Am Schluss veranschaulichen statistische Tabellen 
die bisherige Verbreitung der Schullektüre Grillparzei^s in Oesterreich. — Heine") 
zeigt an zwei Beispielen aus dem Gebiete des Dramas: „Der Konflikt in Agnes 
Bernauer von Hebbel" und „Die Tragik im Erbförster von Otto Ludwig", wie der 
Unterricht die Einführung in die nachklassische Litteratur mit der Wiederholung 
oder Neubehandlung ästhetischer Begriffe verbinden kann. Die eingeführten Ge- 
sichtspunkte sind teils Gustav Freytags Technik des Dramas, teils Volkels „Aesthetik 
des Tragischen" entnommen. — In einer sehr ansprechenden, mit ebenso viel Sach- 
kenntnis wie Wärme geschriebenen Studie weist G 1 ä s s e r 'O) auf die Bedeutung des 
Volksliedes für das Volksleben und die Schule hin. Den Grund für den Rückgang 
des Volksgesangs sieht er in der „durch den allgemeinen Volksschulunterricht 
hervorgerufenen herrschenden verstandesmässigen Strömung", und er erachtet es 
daher für die Pflicht der Schule, diesem Rückgang entgegenzutreten. „Es wäre eine 

Kud. Franz, D. Anfban d. Handlungen in d. klass. Dramen. 2. Aufl. Bielefeld u. L., Velhagen 4 Kl.ising. VI, 446 S. 
M. 4^0. — 4) A. Mählhausen, Etwas v. Schnlaueg. dtsch. Dramen im allgera. n. v. e. Schulansg. d. Faust im bes.: ZDU. 12, 
S. 625-51. (Vgl. JBL. 1897 I 7: 111.) — 5) E. R. Gast, Bemerltnngen zu einigen Schnlausg. v. Lessings Nathan d. Weisen: 
ib. S. 777-88. — 6) P. Dörwald, Schillers knlturhist. Lyrik im Unterricht: NJbbPh. 1,8.48-55, 106-17. — 7) id., Schillers 
ideale Lyrik im ünterr,: ib. S. 550-60. — 8) R. Schleich, Ueber Grillparzers Dichtungen als SchulIektQre. Progr. Mähr. 
Weisskirchen, 27 S. — 9) G. fTeine, Z. Einfähr, in d. nachklass. Litt.' ZDÜ. 12, S. 762-71. - 10) P. Glässcr, D. Volks- 

(1)6* 



I 6 : 11-13 R Lehmann, Die Litteratur in der Schule. 

wahrhaft nationale That, wenn jemand dem Volke das Lied zurückgeben könnte, 
denn die Liederarmut ist im Grunde nichts, als eine Gemütsverarm ung-." ,,Auch in 
der Volksschule ist man sich vielleicht der erzieherischen Bedeutung des Liedes nicht 
immer bewusst gewesen." „Im Gymnasium könnte zur Pflege des Volksliedes zunächst 
der deutsche Unterricht beitragen, w^enn er dafür sorgte, dass viele Volkslieder 
gründlich gelernt würden. Aber freilich ohne Melodie bleibt jedes Lied tot. Darum 
müsste der Gesangunterricht sich seine Ziele niedriger stecken und auch mit vor- 
geschrittenen Chören über dem Betrieb modernen Kunstgesanges das schlichte Lied 
nicht verschmähen." — Gross ^') handelt über Verwendung französischer Schriften 
im deutschen Unterricht der Prima, von der richtigen Anschauung ausgehend, dass 
„ein tieferes Verständnis der deutschen Litteraturgeschichte nicht möglich ist ohne 
eine gewisse Berücksichtigung der fremden Elemente, welche auf sie eingewirkt". 
In diesem Sinne analysiert der Vf. einige Kapitel aus Demogeots bekannter Litteratur- 
geschichte sowie aus zwei geschichtlichen Werken von E. Marechal. Die mitgeteilten 
Abschnitte zeigen ein schönes Verständnis und eine gerechte Würdigung für deutsche 
Dichter und ihre Werke; und sie werden daher den Litterarhistoriker wie den 
Lehrer des Deutschen interessieren und erfreuen. Wie sich der Vf. ihre Verwendung 
im Unterricht denkt, sagt er nicht; über gelegentliche Anführungen hinaus zu gehen, 
wird auch er wohl kaum für möglich halten. — Mehr für die mittleren Klassen des 
Gymnasiums kommt die Programmabhandlung Seyfarths'^) in Betracht. Sie will 
an Beispielen zeigen, ,,wie die pädagogische Frage für die Erklärung deutscher 
Schriftwerke zum Zweck der Herbeiführung eines eingehenden Verständnisses zu 
verwerten ist". Nach einer kurzen, an Herbartsche Begriffsbestimmungen an- 
knüpfenden Darlegung seiner Methode teilt S. eine Anzahl Leseproben mit: am ein- 
gehendsten wird die Scene Wilhelm Teil III, 3 behandelt. Etwas sachlich Neues 
enthält die Schrift nicht. — Wessely*^) setzt die hübsche kleine Studie über den 
Geschmack der Sextaner, die er in einem früheren Jahrgang der ZDU. veröffentlicht 
hat, mit einer Untersuchung über den Geschmack der Quintaner und Quartaner fort. 
Diese statistischen Zusammenstellungen sind in ihrer anspruchslosen Sachlichkeit gute 
Ansätze zu jener Kunst der Beobachtung, die Rousseau einst bei Lehrern und Vätern 
vermisste: „les peres et les maitres n'en ont pas encore les Clements", schrieb er. Einige 
solcher Elemente sind hier gegeben. — Für die Methode des Unterrichts ist auch 
eine Veröffentlichung historischer Art von besonderem Werte: es ist Büngers**) 
Entwicklungsgeschichte des Volkslesebuches. B. hat einen überaus reichen Stoff 
zusammengebracht, der oft mühsam zu beschaffen war, und ihn nach klaren Gesichts- 
punkten übersichtlich geordnet. Die Anschaulichkeit der Darstellung wird durch die 
reiche Ausstattung des Buches vielfach unterstützt. Es ist von hohem Interesse, zu 
sehen, wie die Geschichte des Volksschullesebuches in einem kleinen Raum, aber 
mit grösster Deutlichkeit, die Entwicklung der deutschen Kultur wiederspiegelt. Der 
Vf. selbst fasst diese Thatsache am Schlüsse seines Buches mit folgenden Worten 
zusammen: ,,Die vorliegenden Blätter erweisen, dass der Werdegang des Lesebuches 
kein zufälliger war, sondern dass er der deutschen Geistesentwicklung treu folgend 
mit Notwendigkeit sich gerade auf diese Weise gestaltete. Des Lesebuches Lebens- 
richtung ging anäauernd auf immer wertvollere Ziele. Denn zunächst nur der Lese- 
kunst dienend, wollte es später Bildung und allgemeine Erziehung vermitteln, und 
stieg dann zögernd, aber siegreich zur Kräftigung des Menschen in seinen höchsten 
natürlichen Verbindungen auf Erden und im Himmel auf: Sprachschätze, Heimats- 
empfindungen und Religion." Neben der Objektivität dieser geschichtlichen Dar- 
stellung tritt die Einseitigkeit, mit welcher der Vf., wo er urteilt, einen eng kon- 
fessionellen Standpunkt vertritt, um so auffallender hervor. — Weit anstössiger frei- 
lich ist die Ueberspannung des konfessionellen und zugleich des patriotischen Geistes, 
die sich in einem Vortrag von Stoffel i^) zu dem unglaublichen Satz versteigt: ,,War 
ehedem das Volk Israel Träger des göttlichen Heilplans, so ist es heute das Germanen- 
volk." Dieser Gesinnung entspricht denn auch im einzelnen mehrfach die Kritik, die 
der Vf. an klassischen oder sonst bekannten Gedichten zu üben für gut findet. 
Nicht jedes Lesestück muss geradezu Zeugnis ablegen von Frömmigkeit; aber 
keines darf im Widerspruch mit der christlichen Weltanschauung stehen, wie z. B. 
„Der Wilde" von Seume, heisst es da; und die Herdersche Parabel „Drei Freunde" 
wird aus einem evangelischen Lesebuohe verwiesen, weil der Gedanke, dass die guten 
Werke den Menschen über den Tod hinaus begleiten, im Widerspruch mit der 



lied im Gymn.-Ünterr.: NJbbPh. 1, S. 25-35. — H) P. Gross, E. Verwend. t. französ. Schriften, d. auf dtsch. Litt. Bezug 
nehmen, in d. dtsch. Unteir. in d. Prima: ZGymn. 3?, S. 721-31.— 12) X K. Seyfarth, Beitrr. z. Methodik d. dtsch. Unterr. 
Progr. LHndsherg a/W. 4». 24 S. — 13) R. Wessely, D. Geschmack d. Quintaner n. Quartaner: ZDU. 12, S. 449 60. — 
14) V. Bfinger, EntwicVlnngsgesch. d. Volksschullesebnches. L, Dürr, X, 630 S. Mit39 Abbild. M. 14,00. - 15) G. Stoff el, 
D. Volksschallesebuch. (= Sammlung Päd. Vortrr., licr. v. W. M oy or-Marltan. Bd. 11, N. 7.) B., Ponnecken. 24 S. M. 0,50. 




R. Lehmann, Die Litteratur in der Schule. 1 6 : 16-29 

evang-elischen Rechtfertigung'slehre stehe! In der That, die konfessionelle Bildung" 
unserer Elementarlehrer treibt seltsame Blasen. — 

Von m ethodologischen Erläuterungswerken liegt Fricks") 
Wegweiser durch die klassischen Schuldramen, erste Abteilung, in dritter, von dem 
Sohne des verstorbenen Vf. herausgegebener Auflage vor. Der Herausgeber hat 
sich mit Recht darauf beschränkt, das Wichtigste aus der einschlägigen Litteratur 
nachzutragen, und von sonstigen Aenderungen abgesehen. — Eine eigentümliche 
Veröffentlichung ist das Buch von G e r t h '''). Der Vf. hat offenbar viel gelesen 
und mancherlei gelernt. Die Art aber, wie er sein Wissen vorbringt, zeigt vielfach 
die Naivetät eines Autodidakten. An die grossen philosophischen Gedichte Schillers, 
wie die Künstler, Ideal und Leben usw. hätte er sich nicht heranwagen sollen : weder 
reicht sein Können dafür aus, noch ist einzusehen, was Lehrer an Mittelschulen 
damit anfangen sollen, ü. scheint allerdings die Absicht zu haben, auch „die Herren 
Akademiker" zu belehren , auf die er zuweilen einen spöttischen Seitenblick wirft. 
Der Vf., der ein Buch über die Lehrkunst veröffentlicht hat, das, wie er uns in der 
Vorrede mitteilt, auch ins Ungarische übersetzt ist, „weil der üebersetzer meinte, es 
fülle eine Lücke in der pädagogischen Litteratur aus", legt besonderen Wert auf die 
Fragekunst, und hat dem entsprechend sein Buch in der Form von Frage und Antwort 
abgefasst, die mehrfach mit „Mustervorträgen des Lehrers" wechseln. „Eine gute 
rhetorische Begabung ist selten zu finden; da sie mir durch ein gütiges Geschick 
zu teil geworden ist, so habe ich im Interesse aller Lehrer, die einer Anleitung- zu 
solchen Vorträgen bedürfen, die so notwendigen Mustervorträge ausgearbeitet." — 

An die methodologischen Werke, welche die Lektüre behandeln, reihen sich 
die, die der Methodik des Aufsatzes gewidmet sind. Von dem grund- 
legenden Laasschen Werke '^) war die 2. Abteilung, welche die Materialien 
enthält, schon vor mehreren Jahren in dritter Auflage, von Imelmann besorgt, 
erschienen. Es folgt nunmehr die erste Abteilung, Einleitung und Theorie ent- 
haltend; sie ist von demselben berufenen Herausgeber nach den gleichen, bewährten 
Grundsätzen bearbeitet. — Auch die Meditationen von F e r d. Schulz*^) sind in 
einer zweiten, um einen Band vermehrten Auflage erschienen. Ich habe schon bei 
einer früheren Gelegenheit dem Buche die Anerkennung' zollen können, dass es 
methodischer gearbeitet ist als der Durchschnitt der meisten ähnlichen Sammlungen. 
Namentlich die kurze Anleitung für den Gebrauch, die Seh. unter dem Titel „Die 
Grundzüg-e der Meditation" im J. 1887 den beiden ersten Bändchen nachfolgen liess, 
verdient das Lob einer verständigen und belehrenden Arbeit. In der neuen Auflage 
sind die beiden ersten Bände nur unwesentlich verändert, der dritte, neu hinzu- 
gekommene, enthält manchen gründlich durchdachten und brauchbaren Entwurf, 
namentlich litterarischen Charakters; daneben freilich auch Banalitäten, wie No. 11 (der 
Sedan-Tag) ist. öeberhaupt hält sich der Vf., dessen Arbeit sonst einen vornehmen 
Charakter trägt, nicht immer frei von der Art des Patriotismus, die man als die 
billige bezeichnen möchte. — 

Neben diesen höher stehenden und methodischen Büchern hat das praktische 
Bedürfnis (der Schüler wohl mehr als der Lehrer) das Wiedererscheinen einer 
grossen Anzahl der älteren, bereits eingebürgerten Sammlungen von Aufsatz- 
Themen und Dispositionen 20^25) nötig gemacht, und auch einige Neuerscheinungen -^"2**) 
derselben Art hervorgerufen, welche letztere erst im nächsten JBL. besprochen 
werden können. Hiermit sind wir bereits ins Gebiet der Hilfsmittel für den 
Unterricht eingetreten und wenden uns zunächst den Schulausgaben zu. 
Die endlose Reihe derselben zieht sich natürlich auch durch das Berichtsjahr weiter 
fort29-32j Unter ihnen tritt die Freytagsche Sammlung mit einer Reihe von Werken 



— 16) 0. Fricic, Wegweiser durch d. Itlass. Schuldramen. 1. Abt.: Lessing, Goethe. 3. Aufl. Her. v. G. Frick. (— Aus 
dtsch. Lesebüchern. Epische, lyr. u. drumat. Dicht. 5 Bd , 1. Abt.) Gera, Hofmann. VU, 503 S. M. 5,00. — 17) A. Goerth, 
Probelektionen nebst Vorstudien n. Mustervortrr. über Bulladen u. Sinngedichte v. Schiller, Goethe, Uhland, Chamisso u. über 
Dramen v. Schiller. (= Meine Lehrkunst. 2. T.) L., Klinkhardt. XU, 363 S. M. 4,50. — 18) X E. Laas, D. dtsch. Aufsatz 
in d. oberen Gymn. -Klassen. 1. T.: Einleitung u. Theorie. 3. Aufl. bes. v. J. Imelmann. B., Weidmann. XH, 260 S. M. 4,50. 

— 19) Ferd. Schulz, Meditationen. Bd. 1/3. 2. Aufl. Dessau, Banraanu. XII, 143 S.; XL, 242 3.; IV, 157 S. M. 2,40; 
3,00; 3,00. — 20) X !■• Cholevius, Dispositionen u. Matei-ialien zu dtsch. Aufsätzen über Themata für d. beiden ersten 
Klassen höh. Lehranst. 2 Bde. in 4 Heften. L., Teubner. XXI, 160 S.; V S., S. 161-326; XIII, 218 S.; VI S., S. 219-390. 
ä Heft M. 1,00. - 21) X F. Bindseil, D. dtsch. Aufsatz in Prima. 2. Aufl. v. B. Ziel o nka. B., Gaertner. IV, 143 S. 
M. 2,40. — 22) X 0. Boehra, Dtsch. Aufsätze für d. unt. u. mittl. Klassen höh. Schulen, sowie für d. entsprech. Klassen d. 
Mittel- u. Bürgerschulen. 2. T. Entwürfe u. Aufsätze nach d. dtsch. Lektüre. 2. Aufl. B., Gebr. Borntraeger. XI, 240 S. 
M. 3,00. - 23) X Ferd. Hoff mann, Materialien u. Dispositionen zu dtsch. Aufsätzen. 2. Aufl. 2 Tle. Hannover, Hahn. 
VIII, 188 S.; IV, 166 S. M. 1,80; 1,50. — 24) X J- Schrammen, Dtsch. Anfsatzbnoh. 2. Aufl. (In 6 Lfgn.) Lfg. 1. Köln, 
Ahn. S. 1-80. M. 1,00. - 25) X P- Th. Hermann, Dtsch. Aufsätze für d. ob. Klassen d. Volksschule n. für d. Mittel- 
schulen. 2. Aufl. L., Wunderlich. VII, 255 S. M. 2,00. — 26) O XX E d m. Fritze, 100 ausgeführte Dispositionen zu 
dtsch. Aufsätzen über Sentenzen u. sachl. Themata. 2 ßdchn. Gotha, F. A. Perthes. XV, 147 S.; V, 146 S. M. 3,00; 2,00. 

— 27) O X X Goethe, Torquato Tasso. Her. v. H. Heinz e. {= H. Heinze u. W. Schröder, Aufgaben aus dtsch. 
Dramen. Bd. 11.) L., Engelmann. VI. 85 S. M. 0,80. — 28) O X X W. Wunderer, Meditationen u. Dispositionen zu 
dtsch. Absolntoriiilaufg. für d. bayer. Gymn. Bamberg, Bac)iner. VIII, 67 S, M. 1,20. - 29) X Coethe, Clavigo. Her. t. 



1 6:30-62;i R. Lehmann, Die Litteratur in der Schule. 

hervor, die bisher wenig- oder gar nicht in den Schulausgaben berücksichtigt sind; so 
Shakespeares Heinrich IV.^»), Richard 111.^^) und andere^^"^^). Das ist immerhin ver- 
dienstvoll, wenn freilich auch hier von einem eigentlichen Bedürfnis der Schule so wenig-, 
wie bei anderen Einzelausgaben klassischer Werke, die Rede sein kann. — Ein solches 
liegt hingegen da vor, wo es sich um Auszüg'e und Zusammenstellungen aus Werken 
handelt, die für die Schule von Wichtigkeit, für die Schüler aber im ganzen umfang- 
nicht zugänglich oder doch nicht brauchbar sind. So F o r s s m an n s^') Auswahl 
aus dem Messias, so das Bändchen Herder von Naumann^S)^ das eine gut ge- 
wählte Reihe von litterarhistorischen und kritischen Aufsätzen zusammenstellt (ein 
zweites Bändchen soll folgen). Auch die Valentinsche Sammlung enthält eine 
Zusammenstellung" Herderscher Schriften von Loeber^sj. — Der hübsch aus- 
g-estattete Auszug aus Goethes italienischer Reise von Schirmer '*'^) g-ehört 
gleichfalls hierher. — Die Dichter der Friedericianischen Zeit sind von Schmitz*'), 
die patriotische Lyrik der Befreiungskriege in der Velhagen- und Klasingschen 
Sammlung von. M a tthia s*^^, in der Schöninghschen von Schmitz*^) zusammen- 
gestellt. — Huberts**) Auswahl von Rückerts Gedichten enthält, von den all- 
bekannten abgesehen, auffallend viel von dem minder Bedeutenden und auffallend 
wenig von dem Grossen und Wertvollen, das der Feder dieses fruchtbaren Dichters 
entstammt. — Von besonderem Interesse ist die in der Gräserschen Sammlung er- 
schienene Anthologie österreichischer • Dichter des 19. Jh. "von Mager*^). Wie 
eng und untrennbar der österreichische Volksstamm und seine Dichtung- mit Deutsch- 
land und der deutschen Litteratur verknüpft ist, davon giebt der Band ein an- 
schauliches Bild: welch eine Reihe von Namen, die auch bei uns nicht nur den besten 
Klang haben, sondern geradezu volkstümlich sind! Wenn freilich der Herausgeber 
auch Hebbel den österreichischen Dichtern zuzählt, so muss man dem doch wider- 
sprechen. Wiewohl er die letzton anderthalb Jahrzehnte seines Lebens in Wien 
verlebt hat, so g-ehört er nach Geburt und dichterischer Eigenart durchaus Nord- 
deutschland an. — 

Aehnlich wie die Schulausgaben vermehren sich auch die Erläuterung-en, 
Präparationen 46~56j usw. zu unseren klassischen Dichtungen beständig. Ueb^r 
den sachlichen Wert der meisten dieser Hefte und Heftchen schweigt man besser; 
die Frage gar nicht zu berühren, wie viel der Vf. an neuer oder eig-ener Arbeit im 
einzelnen Falle geleistet hat. — Eine Anzahl von Erläuterungsschriften ^''"ö') schliessen 
sich an vorhandene und gebräuchliche Lesebücher an; sie entsprechen offenbar 
einem Bedürfnis der Volksschullehrer. — 

Von den eingebürgerten Lesebüchern 62-79^ selbst ist eine grosse An- 



G. Bötticher. L., Freytng. 64 S. M. 0,50. — 30) X Goethes Faust. 1. T. Mit Kinleit. u. Anm. v. H. Th. IloraV. 
2. Aufl. (= Hölders Klassiker-Ansg. N. 19.) Wien, Holder. 162 S. M. 0,80. - 31) X L. Uhland, Ludwig d. Baier. 
Her. V. F. Frosch. (— Gnieters Schnlausg. klass. Werke. N. 52.) Wien, Grneser. XVII, 60 S. M. 0,50. — 32) X 
L. L'hliind, Gedichte. Answ. in chronol. Folge her. v. K. Fuchs. (=z diiss. N. 53) XVI, 76 S. M. 0,50. —33) W. Shakespeare, 
Heinrich IV. 1. T. Hör. v. F. Ulrich. (=^ N. 29.) 12». 128 S. M. 0,60. — 34) id., König Richard d. Dritte. Her. v. W. 
Hübbe. (= ib.) 143 S. M. (',60. — 35) X i^- Macbeth. Her. v. E. Regel. (= ib.) 98 S. M. 0,60. — 36) X id., König Lear. 
Her. V. E. Regel. (= ib.) 127 S. M. 0,60. — 37) Klopstock, D. Messias. Ausw. v. Tb. Forssmann. (= ib.) 234 S. 
M. 0,50. — 38) Herder, Abhandinngen. Auegew. v. E. Naumann. 1. Bd. (= ib.) 125 S. M. 0,50. — 39) J. Loeber, 
Herderbuch. (= Dtsch. Schnlausg. v. V. Valentin. N. 30.) Dresden, Eblerniann. IV, 92 S. M. 0,50. — 40) Goethe, 
Italienische Reise. Her. v. K. Schirm er. (= N. 29.) 219 S. M. 0,90. — 41) M. Schmitz, Dichter d. l'-ridericianischen 
Zeit u. G. E. Lessings Philotas. L, Freytag. 12». 109 S. M. 0.60. - 42) A. Matthias, D. patriot. Lyrik d. Befreiungs- 
kriege. (= Velhagen & Klasings Samml. dtsch. Schulausg., her. v. J. Wychgritm, Lfg. 78.) Bielefeld, Velhagen .v Klasing. 
12». IV, 142 S. M. 0,75. — 43) M. Schmitz, Dichter d. Freiheitskriege. Gedichte v. Arndt, Schenkendorf, Körner n. and. 
(=: Schöninghs Ausg. dtsch. Klassiker, Ergän/.nngsbd. 2.1 Paderborn, Schöningb. VIII, 173 S. M. 1,20. — 44) Rückerts 
Gedichte. Ausw. v. B. Hubert. (= N. 42, Lfg. 77.) XVI, 180 S. M. 0,75. - 45) Ad. Mager, Oesterr. Dichter d. 19. Jh. 
(rr N. 31, Bd. 54/6.) XXIX, 283 S. M. 1,50. — 46) X 0. Foltz, Elemente d. Poetik u. Theorie d. Lehrverfahrens. (= An- 
leitung z. Behandlung dtsch. Gedichte auf d. Oberstufo d. Volksschule u. in d Mittelklassen höh. Lehranst. 1. T.) Dresden, 
Bleyl & Kaemmerer. IV, 54 S. M. 1,20. - 47) X »d-, Präparationen. (= N. 46, 2. T.) IV, 169 S. M. 2,80. — 48) X F- 
Vollmer, Goethes Torquato Tasso. (= D. dtsch. Klassiker erläut. v. E. Kuenen u. M. Evers. Bd. 15) L., Bredt. VII, 
104 S. M. 1,00. — 49) X E- Genniges, ühlands Herzog Ernst v. Schwaben. (= N. 48, Bd. 10.) IV, 122 S. M. 1,00. - 
60) X !'■ Stecher, Erläuter. zu Schillers Gedichten. 1 T. (— W. Königs Erläuterungen zu d. dtsch. Klassikern für 
Schule u. Haus. Bd. 18.) L., Beyer. 12». 68 S. M. 0,40. - 51) X W. Böhme, Erläuter. zu Körners Zriny. (- ib., Bd. 17.) 
48 S. M. 0.40. — 51a) X F- Ho ff mann, Erläuter. zu Lessings Emilia Galotti. (= ib , Bd. 16) 54 S. M. 0,40. - 52) X 
id,. , Erläuter. zu Schillers Braut v. Messina. (- ib. Bd. 13.) 55 S. M. 0,40. - 52 a) XR- Stecher, Erläuter. zu Goethes 
Torquato Tasso. (= ib., Bd. 14.) 60 S. M. 0,40. — 52b) X '"ä-. Erläuter. zu Goethes Iphigenia auf Tauris (= ib., Bd. 15) 
.67 S. 0,40. — 53) X A, Lomberg, Präparationen zu dtsch. Gedichten. Nach Herbartischen Grundsätzen. 1. Heft: L. 
UhLand. Langensalza, Beyer. 111,207 8. M. 2,40. - 54) X 'd-, Dass. 2. Heft: Goethe u. Schiller. lU, 122 S. M. 1,50. - 55) X 
J. Stoffel, Lessings Minna v. Barnhelm. 2. Aufl. (=: Dtsch. Dramen n. epische Dichtungen für d. Schnlgebr. erläut. N. 1.) 
ebda 86 S. M. 0,80. — 56) X Herders Cid, erläut. t, A. Zipper. (=: ÜB. N. 3946.) L., Reclam. 12». 52 S. M. 0,20. 
— 57) X R- Banse, Kurzgef. Erklär, d. Lesestücke in d. Neubearbeit. d. Ausg. A v. F. Hirts dtsch. Lesebuche. II. T.: 
Mittel U.Oberstufe. Breslau, Hirt. 87 8. M. 1,00. — 58) X W- '"^"»mann, Volkswirtschaftl. Belehrungen (= Erläuter. zu 
Hirts dtsch. Lesebuche, Ausg. B. Mittel- u. Oberstufe. 5. Bd.) ebda. 144 S. M. 1,50. — 59) X F- Frisch, Ein- 
fuhr, in d, Lesebuch. 3. Bd. Prag, Tempsky. XI, 413 S. M. 6,00. - 60) X Aug. Gräve, Präparationen z. Behandl. 
dtsch, Musterstficke in d. Volksschule. 1. T.: Mittelstufo 3. u. 4. Schuljahr. 4. Aufl.; 3. T.: Obferstufe 11 7. u. 8. Schuljahr. 
4. Aufl. Bielefeld, Velhagen & Klasing. XII, 171 8.: XII, 369 S. M. 1,80; 3,00. - 61) X K- Martin, D. dtsch. Lesebuch in 
d. Volksschule. L., Fleischer. IV, 98. M. 1,.50. — 62) Xl'-^*''®''""'""» F. Jonas, B. Suphan, Dtsch. Lesebuch für 
höh. Lehranstalten. Vorschule. Oberstufe I.Klasse. 3. Aufl. B.. Weldminn. VIII, 239 S. M. 1,80. - 62a) X e'^-- I>«8S. 1. n. 



R. Lehmann, Die Litteratur in der Schule. I 6 : 62b-98 

zahl in neuer Auflag-e erschienen. Hervorzuheben ist als Neuerscheinung' ützing-ers 
deutsches Lesebuch für die höheren Schulen der Schweiz^**). Es ist von einer 
Kommission, welche die schweizerische Seminar-Lehrer- Konferenz (1894) ernannt hat, 
durchberaten und im J. 1896 von der Konferenz g"ut geheissen, und hat somit Anwart- 
schaft, in einem grossen Teil der Schweizer Serainarien eingeführt zu werden. Es 
bietet daher ein praktisches Interesse, ist aber auch an sich durch eine reiche und 
geschickte Auswahl von Bedeutung, in welcher das specifisch Schweizerische vielfach 
zur Geltung' kommt, ohne sich aber auf Kosten der allgemeinen deutschen Litteratur 
irgendwie ung-ebührlich hervorzudrängen. — An die Lesebuch-Litteratur schliesst 
sich der kurze Abriss der deutschen Grammatik von Wessely*^) an. Das kleine 
Heft fasst in geschickter Weise den grammatischen Stoff der unteren und mittleren 
Gymnasialklassen zusammen, um „dem Ueberblick über die wichtigsten, der deutschen 
Spräche eigentümlichen Gesetze, welche die Lehrpläne vom J. 1891 für U. HI vor- 
schreiben, eine Grundlage zu geben". Ein Anhang enthält das Wichtigste aus der 
Metrik. Die Arbeit W.s ist zunächst als Ergänzungsheft zum Hopf und Paulsieck 
gedacht, ist aber für jedes andere deutsche Lesebuch ebenso gut verwendbar. — Ein 
Ergänzungsheft litterarischer Art ist das von Wienstei a'*^) herausgegebene. Es 
enthält aber nicht, wie der Titel verheisst, Lebensbilder, sondern eine alphabetisch 
geordnete lange Reihe kurzgefasster biographischer und bibliographischer Notizen 
über diejenigen Schriftsteller, welche das Münstersche katholische Volksschullesebuch 
berücksichtigt. Es ist für Lehrer bestimmt und reicht eben aus, um über das 
äussere Leben und den Titel der Werke dieser Schriftsteller zu orientieren. — 

An die Lesebücher schliesst sich eine kaum minder grosse Zahl von 
Gedichtsammlungen ^3"^'^) namentlich patriotischer Art an, die durchweg keinen 
selbständigen Wert beanspruchen können. — 

Ebenfalls in zumeist wiederholter Auflage liegt eine grosse Anzahl von 
Leitfäden 90"98) für den litterargeschichtlichen Unterricht vor : 
ein Beweis, dass dieser Unterrichtszweig nach vorübergehendem Niedergang sich 
wieder im Aufsteigen befindet. Hervorgehoben sei das treffliche kleine Buch von 



2.T. (Sexta 5. Anfl.; Quinta 4. Aufl.) ebda. VUI, 234 S.; VI, 272 S. ä M. 1,80. — 62 b) X eid., Dass. 1. u. 2. T. Ausg. 
für Thüringen, ebda. VUI, 234 u. 18 S.; VI, 272 u. 20 S. ä M. 2,00. — 63) X G. Chun u. W. Si er mann, Dtsch. Lese- 
buch für Bürgerschulen. 2. T. (2. Schuljahr) 7. Aufl. 7. T. (7. Schuljahr). Frankfurt a. M., Auffarth. XII, 152 S.; XIV, 274 S. 
M. 1,20: 2,20. — 64) X Dtsch. Lesebuch für Re.ilschu1en u verwandte Lehransi. Her. v. R. Becher, R. Börner, Ed. K. 
Bichter, 0. Zimmermann 2. T. 3. Anfl. L., Dürr. III, 476 S. M. 3,00. — 65) X A- Engelien u. H. Fechner, Dtsch. 
Lesebuch. Nenbearb. d. Ausg. B. 1. T. B, W. Schnitze. XYI, 120 S. M. 0,40. — 66) X i^-- D"»»- 2. T. ebda. XVI, 
365 S. M. 1,20. — 67) X t!- Gude n. J. Haubold, Vaterland. Lesebuch in Bildern u. Musterstüoken für Schule u. Haus. 
Unter MitwirV. v. Brandt n. Hagemann. Mittl. Stufe. 39. Aufl. Magdeburg, RathVe. IV, 316 S. M. 1,70. — 68) X 
F. Hirt, Dtsch. Lesebuch. Nenbearb. t. 1897. Ausg. D. Für mehrklass. Schulen beider Konfessionen. 6 Tle. Breslau, Hirt. 

IV, 96, 128, 160, 203, 360, 368 S. M. 0,40; 0,50; 0,60; 0,90; 1,35; 1,35. (Vgl. JBL. 1897 I 7 : 142.) - 69) X K. Hesse I. 
Dtsch. Lesebuch für höh. Mädchenschulen 4 Bde. 1. Bd.: Mustergedichte, Musterprosa. 1. T. 4. Aufl. Bonn, Marens. VII, 
128 S.: II, 198 S. Vollst. M. 11,40. — 70) X E. Keller, B. Stehle, A. Thorbecke, Dtsch. Lesebuch lür höhere Mädchen- 
schulen. 1. T. (2. u. 3. Schuljahr.) Bearb. v. B. Stehle. L., Freytag. XU, 219 S. M, 2,00. - 71) X A. Kippenberg, 
Dtsch. Lesebuch für höh Mädchenschulen. Ausg. A. 3. T. 13. Aufl. Hannover, 0. Goedel. 216 S. M, 1,80. (Vgl. JBL. 1897 
I 7 : 141.) — 72)X id.,Dass.Ansg. A. 4. T. 12. Aufl. ebda. 292 S. M. 2,30. - 73) X 'd., Dass. Ausg. B. 3. T. 14. Aufl. ebda. 
364 S. M. 2,60. — 74) X K. F. Kummer u. K. Stejskal, Dtsch. Lesebuch für oesterr. Realschulen u. verwandte Lehr- 
anst. 1. Bd. 2. Aufl. Wien, Manr. XIV, 310 S. M. 2,00. — 75) X Alfr. G. Meyer u. L. Nagel, Dtsch. Lesebuch für 
Realschulen u. verwandte Lehranst. im Anschlnss an d preuss. Lehrpläne v. 1891. Oberstufe, Prosaheft 2 für d. Klasse II u. I. 
2. ATifl. L., Dürr. 123 S. M. 1,25. — 76) X Dass. Prosaheft 5 für d Klasse IIL Bearb. v. J. ßnzello; Ausg. A. 2. Aull. 
Unterstufe 1. T. für d. Klasse VI; Ausg. B. 2. Aufl. Unterstufe 1. T. für d. Klasse VI. ebda. Ii5 S.; 208 S.; 288 S. M. 1,50; 2,00; 
2,00. — 77) X Chr. Muff u. A. Dammann, Dtsch. Lesebuch lür höh. Mädchenschulen. 6. Bd. Abt. B. Grundlagen z. dtsch. 
Litt.-Kunde. B., Grote. VIII, 302 S. M. 2,20. — 78) X *• Puls, Lesebuch lür d. höh. Schulen Deutschlands. 3. T. Ausg. B. 
Gotha, Thienemann. XXXVL *47 S. M. 3,00. — 79) X G. Wendt, Dtsch. Lesebuch. 2. T. für d. Quarta, Tertia u. Unter- 
secunda d. Gymn. u. Realschulen. 3. Aufl. Karlsruhe, Gutsch. VI, 225 S. M. 2,50. - 80) H. Utzinger, Dtsch. Lesebuch 
fOr Lehrerseminarien u. and. höh. Schulen d. Schweiz. Unter Mitwirk. v. 0. Sutermeister, J. Keller n. J. Bücher. 
Zürich, Grell Füssli. V, 496 S. M. 4,80. — 81) R. Wessely, Kurzer Abriss d. dtsch. Gramm, für d. Mittelklassen höh. 
Lehranst. B., Mittler. 20 S. M. 0,30. — 82) F. Wienstein, Kurze Lebensbilder d. Dichter u. Prosaiker zu sämtl. 
Ausg. d. im Auftr. d. kgl. Prov.-Schulkolleg. zu Münster her. Lesebuches für kathol. Volksschulen. Ausg. für d. Prov. West- 
falen. Zugleich Hanptbd. d. Ausg. für d. übrigen Prov. — Dass. Ergänznngsheft für d. Reg.-Bez. Aachen, Düsseldorf, d. Prov. 
Hannover, d. Reg.-Bez. Coblenz n. Trier. Hamm, Beer & Thiemann. 136 S.; 33 8. M. 1,20; 0,40. - 83) X 37 Gedichte, d. 

V. d. kgl. Begier, in Köslin z. Auswendiglernen in d. Volksschule vorgeschrieben sind. Stolp, Schrader. 23 S. M. 0,15. 

— 84) X A. Jänisch, Schuldeklamatorium. Potsdam, Stein. IV, 112 S. M. 1,50. — 85) X J- Kippenberg. Dtsch. 
Gedichte für d. Mittel- u. Oberstufe höh. Mädchenschulen. Grössere Ausg. 3. Aufl. Hannover, Goedel. X, 206 S. M. 1,60. 

— 86) X id., Dass. Kleine Ausg. 4. Aufl. ebda. VIII, 136 S. M. 1,00. — 87) X J- Nieden, Dtsch. Gedichte nebst e. Anhang 
V. Sprüchen u. Sprichwörtern z. Auswendiglernen. 3. Anfl. L., Lindner. 192 S. M. 1,00. — 88) X A. Wolter, Vaterland. 
Helden- n. Ehrentage im Spiegel dtsch. Dicht B.. Mittler. XVI, 180 S. M. 1,60. — 89) X J- Rappold, D. am Gymn. aus- 
wendig zu lernenden dtsch. Gedichte. 1. Klasse. 2. Aufl. Wien, Pichler. X, 28 S. M. 0,32. — 90) X 0- Brngier, Gesch. 
d. dtsch. National-Litt. 10. Aufl. Preiburg i. B., Herder. 729 S. M. 6,50. (Vgl. JBL. 1895 I 1:64.) — 91) X Esser, 
Wiederholungen ans d. dtsch. Litt.-Oesch. für d. Oberklassen höh. Unterrichtsanst. 5. Aufl. Limburg, St. Marien-Stiftung. 
XII, 320 S. M. 1,75. - 92) X W. Hahn, Abriss d dtsch. Litt.-Gesch. 2. Aufl. B., Besser. IV, 71 S M. 0,80 - 93) X 
J. Henze, Abriss d. dtsch. Litt-Gesch. Paderborn, Junfermann. 40 S. M. 0,60. — 94) X G. W. Hörn, Hilfsbnch beim 
Unterr. in d Litt.-Gesch. 8. Aufl. Langensalza, Schulbuchhandl. VIU, 158 S. M. 1,00. — 95) X A. Ohorn, Qrundzüge d. 
Litt.-Gesch. 3. Aufl. L., Renger, 178 S. M. 1,40. — 96) X A. Schöppner, Litt.-Kunde mit Proben uns d. Meister- 
werken d. alten u. neuen Litt. 6. Anfl. v. K. Zettel. München, Lindanor. X, 454 S. M 3,30. — 97) X A. Zipper, Gesch. 
d. dtsch. Litt, als Abriss n. Repetit. für Schüler österr. Lehranst. 2. Anfl. Wien, Sohworelle & Heick. 12«. XI, 2.35 S. M. 2,00. 

— 98) X ^- Wessel, Gesch. d. dtsch. Dicht- für d. oberen Klassen höh. Lehranst. bis z. Reformation. Für Oberseknnda. 



I 6:99-101 R. Lehmann, Die Litteratur in der Schule. 

Klee^^), sowie die Geschichte der deutschen Liiteratur von Bötticher und 
K i n z e l '*>**). Die letztere ist in verhältnismässig' kurzer Zeit in dritter Auflage 
erschienen, und sie verdient diesen Erfolg: der verliältnismässig eingehende Inhalt 
ist auf kurzem Raum wohl gegliedert und übersichtlich zur Darstellung- gebracht. 
Die Analyse der klassischen Dramen würde der Referent nach seinen persönlicher; 
Anschauungen und Erfahrungen lieber entbehren ; doch haben sich die Vf. ver- 
anlasst gesehen, sie auch noch auf einige Shakespeare-Dramen auszudehnen. Die 
meisten Bedenken bietet auch hier, wie in anderen Lehrbüchern, die nachklassische 
Zeit, deren Darstellung für die Schule, wie es scheint, einstweilen noch unüber- 
windliche Schwierigkeiten bietet. Zunächst ist gegen die Anordnung- mancherlei 
einzuwenden. So wird z. B. Grillparzer nach Anastasius Grün, Theodor Kömer hinter 
Eichendorf, Wilhelm Müller und Immermann, Reuter hinter Rosegger behandelt. 
Sodann aber ist die stark subjektive Färbung, mit welcher das 19. Jh. darg-estellt 
wird, weder wissenschaftlich noch pädag-ogisch gerechtfertigt. Insbesondere gilt das 
für die Behandlung des jungen Deutschland. Es ist zu begreifen, dass man vom 
Standpunkt einer religiösen oder politischen Partei aus so urteilen kann, wie die Vf. 
S. 138 über diese Epoche und insbesondere über Heine urteilen. Aber es geht denn 
doch wirklich nicht an, in der Schule mit solcher Einseitigkeit Dichter darzustellen 
und zu beurteilen, die aus der deutschen Geistesgeschiohte nun einmal nicht zu streichen 
sind. Aehnlich verhält es sich mit der Charakteristik der bürgerlich freisinnigen 
Dichter und Romanciers der nachmärzlichen Tage, die S. 141 ff. nicht sowohl 
charakterisiert als tendenziös verurteilt werden. Niemand zwingt uns, von Spielhagen 
und Auerbach in der Schule zu reden; wenn wir es aber thun, so muss es mit der- 
selben Objektivität g-eschehen, mit der wir die Erscheinungen des 18. Jh. behandeln. 
Es ist freilich schwer, vielleicht unmöglich, diese Objektivität Erscheinungen gegen- 
über zu wahren, die noch nicht völlig historisch geworden sind; und es ist dies einer 
der Gründe, weshalb ich es für zweckmässig halte, die Zeit nach Goethes Tode in 
der Schule sowohl wie in Schulbüchern gar nicht oder doch nur in einzelnen be- 
sonders geeig-neten Vertretern zu behandeln. — Dem entsprechend hat R u d. 
Lehmann 101) denn auch in der zweiten Auflage seine „Uebersicht über die Ent- 
wicklung der deutschen Sprache und Litteratur" — dies der nunmehrige Titel des 
Büchleins — bis zu Goethes Tode, aber nicht weiter fortgeführt. Es ist mithin die 
klassische und die romantische Periode zu dem bereits früher Dargestellten hinzu- 
gekommen, und das Buch ist dadurch um die Hälfte seines Umfangs vermehrt worden. 
Im übrigen sind die Grundsätze festgehalten, die das Vorwort zur ersten Auflage 
mit dem Satze zum Ausdruck bringt: „Das Büchlein ist in keinem seiner Teile dazu 
bestimmt, den litterargeschichtlichen oder den Lektüreunterricht zu ersetzen. Es soll 
vielmehr ausschliesslich ein Hülfsmittel für diesen Unterricht sein. Es ist daher 
nirgends systematische Vollständigkeit erstrebt, vielmehr ausschliesslich dasjenige 
berücksichtigt, was für den Unterricht in Betracht kommt. Doch habe ich mich 
überall bestrebt, neben den einzelnen Thatsachen, die Hauptmomente der litterarischen 
Entwicklung in möglichst scharfer Fassung hervorzuheben und namentlich die Be- 
deutung, die den einzelnen Führern dieser Entwicklung zukommt, deutlich hervor- 
treten zu lassen." — 



Gotha, Perthes. VlI, 36 S. M. 0,60. — 99) G. Klee, Grnndzüge d. dtsch. Litt.-Gesch. 3. Anll. B., Bondi. VIII, 176 S. 
M. 1,50. (Vgl. JBL. 1897 I 7 : 151.) — 100) G. Bötticher n. K. Kinzel, Gesch. d. dtsch. Litt, mit e. Ahriss d. Gesch. d. 
dtsch. Sprache u. Metrilc. 3. Aufl. Halle, Bnchh. d. Waisenhanses. XII, 178 S. M. 1,80. - 101) Bud. Lehmann, Ueber- 
sicht über d. Entwiokl. d. dtsch. Sprache n. Litt. 2. Aufl. B., Weidmann. VIII, 120 S. M. 1,40. — 



P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. 17 = 1-2 

1,7 

Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. 

Paul Stötzner. 

Bibliographie N. 1. — Gesa-ratdar stellnn ge n N. 7. — Einzelne Vertreter der Pädagogik und 
deren Werke: Hnmanisten und Reformatoren N. 21. — Ratichius, A. Comenlos nnd andere N. 36. — A. H. Francke N 52. — 
Katholische Pädagogen seit dem 17. Jh. N. 68. — Philanthropisten N. 72. — J. H. Pestalozzi N. 78. — J. F. Herbart N. 88. — Neuere 
Pädagogen N. 100.— Uni versitätsgesohichte (Leipzig, Bützow, Rostock, Qöttingen, Berlin, Erfurt, Giessen, Halle, Jena, 
Paderborn, Tübingen, Wien, Würzburg) N. 129. — Universitätsverfassung N. 145. — Volkshochschule N. 160. — 
Akademien N. 166.1 ~ Geschichte einzelner Lehranstalten (Altenburg, Berlin, Brandenburg, Düsseldorf, Eber- 
bach, Glückstadt, Hadersleben, Hameln, Hildesheim, Hof, Kempen a. Rh., Kempen i. P., Köln, Königsberg, Leipzig, Lissa, 
Magdeburg, Meissen, Montabaur, Münster, Neustettin, Pforta, Saalfeld, Salzwedel, Seehausen, Stendal, Straubing, Teschen, 
Weilbnrg, Weimar, Zweibrücken, Zwickau) K. 169. — Schulwesen einzelner Länder und Städte (Baden, Bayern, 
Berlin, Bern, Borna, Breslau. Constantinopel, Erfurt, Leisnig, Nürnberg, Oschersleben, Oesterreich, Preussen, Siebenbürgen, 
Südtirol, Werdan, Württemberg, Zwickau) N. 207. — Geschichte einzelner Lehrfächer N. 241. — Frauenbildnngs- 
wesen N. 249. — Päd agogik als Wiss enschaft N. 261. — S chnl Verfassung: Höhere Schulen N. 278. — Volks- 
schule N. 307. — Fortbildungsschule N. 327. — Lehrerbildungsanstalten N. 331. — 

Bibliographie. Der pädagogische Jahresbericht, den jetzt S c h e r e r ') 
herausgiebt, hat im Berichtsjahre seinen 50. Band, in dem die pädagogische Litteratur 
von 1897 besprochen ist, in die Welt gesandt. Dies veranlasst den Herausgeber, in 
der Einleitung einen Rückblick auf das, was der Jahresbericht seit 1846, wo er zum 
ersten Male als ein bescheidener Band von 328 Seiten erschien, erstrebt und geleistet 
hat. Er -charakterisiert ihn als „ein Kind semer Zeit, ein Erzeugnis des zeitig-en 
Kultur- und Geisteslebens, in welchem der Entwicklungsgang* der pädagog"ischen 
Wissenschaft, wie sie in der Litteratur und der pädagogischen Kunst, wie sie in dem 
Schul- und Lehrerleben in einem Zeitraum von etwa 50 Jahren sich darstellt, in der 
Auffassung der Herausgeber und ihrer Mitarbeiter zur Darstellung kommt; der 
Geschichtsschreiber der Pädagogik wird daher in erster Linie für diesen Zeitraum 
auf ihn als Quellen werk angewiesen sein, wenigstens wird er aus ihm Richtlinien 
für seine Arbeit und Hinweise auf weitere Quellen entnehmen können". Der Heraus- 
geber giebt ferner eine Uebersicht über die Strömungen auf dem Gebiete der wissen- 
schaftlichen Pädagogik im J. 1897 und findet, dass durch die Fortschritte in der 
naturwissenschaftlichen und geschichtlichen Forschung auch die eine Grundwissen- 
schaft der Pädagogik: die Psychologie, namentlich in neuerer Zeit die Kinder- 
psychologie, gefördert worden ist. Er führt näher aus, wie dies auf die allgemeine 
Pädagogik und durch letztere wieder auf die besondere Pädagogik vorteilhaft gewirkt 
hat. Auch auf die Fortschritte der pädagogischen Pathologie, die Lehre von den 
Fehlern der Kinder, wird kurz hingewiesen sowie auf die Lehrerbildungsfrage, um 
die ja jetzt lebhaft gestritten wird. Von Seh. rührt endlich auch die Uebersicht über 
die litterarischen Erscheinungen aus der Geschichte der Pädagogik her. Aus dem 
2. Teile des JB., der die Entwicklungsgeschichte der Schule behandelt, ist hervor- 
zuheben, dass der Bericht über Deutschland — er umfasst diesmal an 250 Seiten — 
von J. T e w s herrührt und nicht mehr von Kleinschmidt, während die Berichte 
aus Oesterreich, Ungarn und der Schweiz wieder den früheren Bearbeitern zu ver- 
danken sind. — In Parallele zum vorgenannten JB. stellen wir wiederum die von 
Rethwis ch^) herausgegebenen Jahresberichte über das höhere Schulwesen, von 
denen uns der 12., über die Litteratur von 1897 berichtende Band vorliegt. In der 
Einleitung veröffentlicht der Herausgeber Grundzüge zu einem künftig zu erhoffenden 
Unterrichtsgesetze für Preussen. Darin soll nach des Vf, Ansicht die Schulverwal- 
tung eine Neuordnung' erhalten, „die auf einem ständigen Zusammenwirken von 
Staatsbehörden und Selbstverwaltungskörperschaften beruht". Er denkt sich die 
Schulverwaltung in die Hände eines Schulrates, eines Landesschulrates und eines 
Grossen Landesschulrates gelegt. Ein Schulrat soll bei jeder höheren Schule 
bestehen, und zwar soll er unter dem Vorsitz des Dü'ektors aus einem Lehrer der 
Anstalt, dem Schularzte, einem Architekten und 5 gewählten Abgeordneten zusam- 
mengesetzt sein. Dieser Behörde liegt die Verwaltung des Schulvermögens und aller 
sonstigen äusseren Angelegenheiten ob. Hierdurch, sowie ferner durch den Vorschlag, 
dass die Verwaltung der inneren Angelegenheiten dem dem Unterrichtsminister 
unterstehenden Landesschulrat zufallen soll, werden die Provinzialschulkollegien, die 
jetzt gerade für die höheren Schulen Preussens von Wichtigkeit sind, ihres Einflusses 



1) H. Scherer, PaedJB. v. 1897. 50. Jg. L.. Brandstetter. XII, 565, 455 S. M. 10,00. (Vgl. JBL. 1897 16:1.) 
2) 0. Reth wisch, JB. über d. höh. Schulwesen. 12. Jg. 1897. B., Qaertner. VII, 10, 30, 50, 32, 57, 74, 26, 40, 74, 
Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgesohichte. IX. (^\)7 



1 7 : 3-14 P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesenö. 

beraubt. Der Landesschulrat soll aus solchen Ministerialräten, die die Befähigung- 
für das höhere Schulamt haben, und Direktoren höherer Lehranstalten zusammen- 
g-esetzt sein. Den g-rossen Landesschulrat endlich bilden die Mitglieder des Landes- 
schulrates und V^ertreter der einzelnen Schulräte; er tritt jährlich zu öffentlichen 
Beratungen zusammen und hat über Entwürfe und Vorschläge zur Schulgesetzgebung' 
zu beraten. Von den einzelnen Kapiteln des Jahresberichtes kommen für uns folgende 
in Betracht: Schulgeschichte von K. E r b e und Schulverfassung von L. Viereck. — 
Im Berichtsjahre ist auch der 1. Band des von uns früher schon gewürdigten Unter- 
nehmens von Kehrbach^), ein bibliographisches Verzeichnis und Inhalts- 
angabe sämtlicher auf das Erziehungswesen gerichteten Bücher, Aufsätze und behörd- 
lichen Mitteilungen herauszugeben, fertig gestellt worden. Es ist ein gewaltiger Band 
von über 1200 Seiten geworden, der nun die pädagogische Litteratur des J. 1896 
umfasst; dazu kommt noch ein Registerband von 113 Seiten. Der letztere ist mit 
besonderer Sorgfalt gearbeitet und ermöglicht erst eine rasche und gründliche Be- 
nutzung des grossen Sammelwerkes, indem er den Inhalt desselben in reicherer und 
feinerer Gliederung und in knappstem Ausdruck zur Anschauung bringt. — Dagegen 
hält freilich A. Schulze*) dieses Streben nach absoluter Vollständigkeit für falsch; 
nach seiner Ansicht musste das Wertlose weggelassen und statt dessen die pädago- 
gische Litteratur des Auslandes berücksichtigt werden. — Ferner sei auch wieder auf 
die sehr wertvolle Bibliographie der deutschen Zeitschriftenlitteratur hingewiesen; 
der vorliegende 2. Band ^) enthält die Titel der in 399 Zeitschriften — g'^geri 277 im 
Vorjahre — im J. 1897 erschienenen Aufsätze. Die von uns im Vorjahre ver- 
missten pädagogischen Zeitschriften sind diesmal berücksichtigt worden, doch fehlt 
unter den Jahresberichten der oben an erster Stelle genannte, während der über das 
höhere Schulwesen Aufnahme gefunden hat. — Von Bettelheims ^) Biographi- 
schem Jahrbuche und Deutschem Nekrologe liegt der 2. Band vor, in welchem auch 
der 1897 verstorbenen Schulmänner gedacht wird. — 

Gesamtdarstellungen. Von Rein') ist ein weiterer Band des 
encyklopädischen Handbuches der Pädagogik herausgegeben worden , der sich 
seinen Vorgängern würdig anschliesst ; er umfasst die Artikel von „Nachahmung" 
bis „Römische Erziehung". — An dem auch in den JBL. besprochenen Werke 
von Petersilie^) über das öffentliche Unterrichtswesen im Deutschen Reiche 
und den übrig-en europäischen Kulturländern wird von Muthesius^) eine 
nicht unverdiente scharfe Kritik geübt; er bezeichnet es als ein Werk des päda- 
gogischen Dilettantismus. Auch der Referent des LCBl. hat zu einem an- 
erkennenden Urteil darüber nicht gelangen können. — Die von K. A. Schmid an- 
gefangene und von seinem Sohne G. S c h m i d ^**) weitergeführte Geschichte der 
Erziehung ist im Berichtsjahre einen tüchtigen Schritt vorwärtsgekommen ; die 
2. Hälfte des 4. Bandes ist abgeschlossen worden, die von Basedow bis zu Herbart 
führt. Bei der Darstellung des Philanthropinismus ist vor allem der Herausgeber 
selbst beteiligt; nur kürzere Abschnitte rühren von anderen her: K. Fr. Bahrdt ist 
von Israel, Salzmann von G u n d e r t , Campe, Trapp und Villaume sind von 
Brügel bearbeitet worden. Von Gundert rühren ferner die Abschnitte über 
Rochow, Moses Mendelssohn und die jüdischen Schulen, sowie der über Pestalozzi 
her, während Schleiermacher und Herbart in Eitle und von Sallwürk kundige 
Bearbeiter gefunden haben. — Trefflich stellt Regener' i) in seinen Skizzen zur 
Geschichte der Pädagogik die pädagogische Entwicklung vom griechischen Altertum 
an bis zur Gegenwart in ihren Hauptzügen dar.'^-is^ — Gegenüber der namentlich 
von Paulsen ausgehenden Anschauung, dass das reformatorische Schulwesen nicht 
rühmenswert sei, sucht Roth^*) demselben günstigere Seiten abzugewinnen. 
Er teilt den Stoff in 4 Abschnitte und handelt zuerst von dem Kampf der Humanisten 
mit dem Scholastizismus und ihrem Siege, dann von den pädagogischen Prinzipien 
der Reformation, den Gedanken Luthers über Erziehung und Schule und seinen 
Weckrufen an das deutsche Volk, drittens von der Aufrichtung des neuen evange- 
lischen Schulwesens und den dabei zu überwindenden Schwierigkeiten und endlich 



18, 41, 69, 25, 30, 76 8. M. 14,00. (Vg). JBL. 1897 I 6 : 2.) — 3) K. Kehr b ach, D. ges. Erz.- n. Unterr.- Wesen in d. Ländern dtsoh. 
Zunge. 1. Jg. B., J. Harrwitz Naohf. 1896. 1243 n. 113 8. M. 20.00. l[Hnnianist. Gymn. 9, S. 99-100: PaedA. 40, S. 708,9.] 
(VgL JBL. 1896 I 10:1.) — 4) A. Schulze, D. Litt. Ober dtsoh. Erz.- Wesen : AZg». N. 216. — 5) F. Dietrich. Bibliogr. 
d. dtsoh. Zeitschr.-Litt. 2. Bd. L., Andräs Nachf. VUI, 282 S. u. Zeitschr. -Tabelle. M. 10,00. (Vgl. JBL. 1897 I 6 : 6.) — 6) 
A. Bettelheim, BiogrJb. u. dtsoh. Nekrolog. 2.Bd. B., G. Reimer. VI, 468 S. 2 Bildn. M. 12,00. (Vgl. JBL. 1897 I 6 : 7.) — 
7) W. Rein, Encytl. Handb. d. Päd. ä. Bd. Langensalza, Beyer & Söhne. VII, 937 8. M. 15,00. (Vgl. JBL. 1897 I 6:10.) 
- 8) (JBL. 1897 I 6:8i9) [LCBl. S. 882/3.]: — 9) K. Muthesius, B. neues Werk d. päd. Dilettantismus: PaedBU. 27, 
8. 495-505. — 10) 6. Schmid, Gesch. d. Erz. vom Anfang an bis auf uns. Zeit. 4. Bd., 2. Abt. St., Cotta. X, 881 8. 
M. 18,00. fPaedA. 40, 8. 705/7.]! (Vgl. JBL. 1896 I 10: 10.) — U) Fr. Regener, Skizzen z. Gesch. d. Päd. Langensalza, 
Beyer & Söhne. VI, 222 S. M. 2,50. — 12) O X M. Kappes, Lehrb. d. Gesch. d. Päd. 1. Bd.: Altert, n. MA. Münster, 
Aschendorff. VUI, 51K 8. M. 6,00. |[LCB1. S. 785.]| — 13) O X -T. Ernst, Bilder aus d. Gesch. d. Päd. für kath. Lehrersem. 
Fruiburg i. l'.r., Herder. :lfl8 8. M. 8,Ö0. — 14) l'r. Roth, D. Kinfl. d. llunuinisniu.s u. d. Itefnrmation auf d. gieidr/.eitige 



P. StÖtzner, Geschiclito des Unterrichts- und Erziehung-swesens. I 7 : 15-21 

von der inneren Einrichtung' dieser neuen Schulen, ihren Lehrzielen und ihrem 
Unterrichtsbetriebe. Die Bedeutung- der Reformation für das Schulwesen fasst R. 
am Schlüsse seiner Darstellung- in folgenden Sätzen zusammen: „Sie weckte einen 
neuen, so recht aus deutschem Wesen sprechenden Greist der Kinderzucht in der 
Familie; sie machte Gemeinde und Staat verantwortlich für die Schulbildung" der 
Kinder und schuf damit die Beding-ungen zur Entstehung" der Volksschule und zu 
einer die Gesamtheit umfassenden Volksbildung; sie brachte das zur Zeit des Hu- 
manismus aufkeimende humanistische Gymnasium zur Reife und gab ihm die Mög- 
lichkeit einer weiteren segensreichen Entwicklung; sie befreite die Universitäten 
und damit die Wissenschaft von dem Bann der auf ihnen lastenden kirchlichen 
Autorität und befruchtete durch die Fortpflanzung der in ihr ruhenden Potenzen 
teils mittelbar, teils unmittelbar die ganze geistige Gesittung unseres Volkes." 
— Den zweiten Punkt in Roths Schlussfolgerungen betont ganz besonders ein 
Aufsatz in Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung '^j, worin nachgewiesen wird, dass 
die Schule in den deutschen Landen seit der Reformation nicht durch die Kirche, 
sondern durch die weltliche Obrigkeit ins Leben gerufen worden ist und nichts weniger 
war oder sein sollte als ein integrierender Teil der specifisch kirchlichen Einrichtungen. 
Die Reformation gab auf dem Gebiete des Bildungswesens manche Anregung, aber 
„die Reformatoren , voran Luther, betonten von vornherein, dass es eine heilige 
Pflicht der weltlichen Obrigkeit sei, sich des sittlich gebundenen, ungebildeten und 
unwissenden hülflosen Volkes anzunehmen und es zu der mit weltlichen Mitteln zu 
unterhaltenden Schule heranzuziehen''. 1^) — Gestützt auf des Jesuiten B. Duhr Buch 
über die Studienordnung der Gesellschaft Jesu und auf Pachtlers Veröffentlichungen 
in den MGP. sucht ein protestantischer Geistlicher, Mertz^''), eine möglichst 
genaue und objektive Vorstellung von der Pädagogik der Jesuiten zu geben. Er 
kommt am Schlüsse seiner gründlichen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die 
Jesuiten auf dem Gebiete des Schulwesens zwar Tüchtiges geleistet haben, aber nicht 
mit der Zeit fortgeschritten sind. Der Bau ihrer Pädagogik gehört dem Mittelalter an 
und hat nicht Raum für die Gegenstände, welche die Gegenwart als unbedingt nötig zur 
Förderung der Bildung und Wissenschaft verlangt. Veränderungen am Grundriss 
dürfen nicht vorgenommen werden, soll der ganze Bau nicht zum Einsturz kommen. 
Mit Anbauten, wie der Orden es versucht hat, kann aber den Anforderungen unserer 
Zeit nicht mehr Genüge geleistet werden. 1*) — Endlich sei hier noch der vorzüglichen 
Uebersicht, die von Jolly^^) vom gesamten Unterrichtswesen giebt, Erwähnung ge- 
than. In einem einleitenden Abschnitte werden zunächst die allg'emeinen Grundsätze 
für das öffentliche Unterrichtswesen (Schulzwang, Lehrfreiheit, Schullasten, Verhältnis 
von Staat und Kirche zur Schule usw.) besprochen, dann folgt eine eingehendere 
Darstellung des Schulwesens in Deutschland, die in folgende Abschnitte gegliedert 
ist: 1. Volksschule (geschichtliche Entwicklung, gegenwärtiger Zustand), 2. all- 
gemeine höhere Schulen für das männliche Geschlecht, ebenfalls mit historischer Ein- 
leitung, 3. allgemeine höhere Mädchenschulen, 4. Universitäten, 5. Fachschulen, 
6. Privatunterricht. Ferner werden die Schuleinrichtung'en in Oesterreich, der Schweiz, 
Frankreich und England geschildert, während für die übrigen europäischen Kultur- 
staaten nur statistische Angaben beigebracht werden. Ueberall ist auf die einschlägige 
Fachlitteratur verwiesen. Es ist mir unbekannt, ob ein Sonderdruck dieser vor- 
züglichen Darstellung existiert; sollte es nicht der Fall sein, so würde die Her- 
stellung eines solchen jedenfalls mit Dank begrüsst werden. 2") — 

Einzelne Vertreter der Pädagogik und deren Werke: 
Humanisten und Reformatoren. Einem Vorkämpfer des deutschen Humanis- 
mus , Paulus Niavis (Schneevogel), hat Bömer^') eine gründliche Arbeit ge- 
widmet. Niavis ist 1460 in Eger geboren, studierte in Leipzig und war dann zuerst 
in Halle, später in Chemnitz als Schulrektor thätig. 1488 wirkte er an der Leipziger 
Universität und von 1490 — 97 war er Oberstadtschreiber in Zittau; dann bekleidete 
er dasselbe Amt in Bautzen, und zuletzt wird sein Name 1514 in den Ratsverzeichnissen 
der Stadt Kamenz genannt. Niavis hat für Wissenschaft und Schule viel geschrieben. 
Von seinen Schulbüchern charakterisiert B. näher den Dialogus parvulis scholaribus 
ad latinum idioma perutilissimus, das latinum idioma pro scholaribus adhuc particularia 

Erz.- u. Schulwesen bis in d. ersten Jahrzehnte nach Melanchthons Toi. (= Schriften d. Ver. fftr Eeform.-Gesch. N. 61.) Halle, 
Verein für Ref.-Gesch. 106 S. M. 1,20. — 15) A. Lotz, D. Kosten d. Volksschule in Prenssen: JbGVV. 22*, S. 251-69. — 16) 
OXM. Schoengen, D. Schule v. Z wolle v. ihr. Anfängen bis z. Auftreten d. Humanismus. Diss. Freibnrg (Schweiz), 
Buchhdlg. d. Werkes vom heil. Paulus. XX, 127 S. |[DLZ. 21, S. 539-41.]| — 17) G. Mertz, D. Päd. d. Jesuiten, nach d. Qnetl. 
V. d. ältest. bis in d. neuest. Zeit dargest. Heidelberg, Winter. VIII. 191 S. M. 4,00. (Vgl. N. 242.) — 18) O X I>. Jesuiten 
Sacchini, JuvenciuB u. Kropf Erläuterungsschrr. z. Studienordn. d. Ges. Jesu. Uebersetzt v. J. Stier, R. S ch wiederath 
u. F. Zorell. (= Bibl. d. Kathol. Paed. X.) Freiburg i. Br., Herder. 470 S. M. 5,00. — 19) L. v. Jolly, Unterrichts- 
wesen. (= G. V. Schönberg, Handb. d. polit. Oekonomie. 4. Aufl. [Tübingen, Laupp. VII, 609 S. M. 13,40], S. 489-579.) 
— 20) O X Konr. Fischer, Gesch. d. dtsch. Volksschullehrerstandes. 2. rerm. Aufl. 2 Bde. Hannover, C. Meyer. äSÖ, 
483 S M. 8,60. — 21) A. Bömer, Paulus Niavis. E. Vorkämpfer d. dtsch. Humanismus: NA.SächsG. 19, S. 51-94. 

(1)7* 



1 7 : 22-39 P. Stötzn 6 F , GescMchte des Unterrichts- und Erziehungswesens. 

irequentantibus, eine Anleitung- zur Kunst des Briefschreibens (modus epistolaris). 
In den epistolae niediocres bekämpft Niavis die alte Unterrichtsmethode, in deren 
jahrelang" ununterbrochen fortgesetztem, trockenem Einpauken grammatischer Regeln 
er den Inbegriff' alles Unverstandes sieht; er „will seinerseits durch frühzeitige 
Lektüre und praktische Uebungen die Knaben in kürzerer Zeit zur Erlernung der 
Sprache führen". Dabei hielt er auf liebevolle Behandlung der Schüler. Mit einer 
sorgfältigen Bibliographie der Schriften des Niavis beschliesst B. seine Abhand- 
lung. — Zu Reichlings 22)^ Veröffentlichungen über den Frühhumanisten Bartho- 
lomäus Coloniensis, deren wir im vorigen JB. gedachten, bringt jetzt Sönnecken^S) 
wertvolle Ergänzungen, indem er die einzelnen Schriften des gelehrten Schulmanns 
bespricht, ihn als Mathematiker würdigt und eine Bibliographie seiner Schriften 
zusammenstellt. 24 "29J — Die Bedeutung Caspar Borners (1492—1547) für die Reformation 
und die Leipziger Universität fasst Kallmeier^o^ am Schlüsse seiner sorgfältigen 
Untersuchung über dessen Leben und Wirken in folgende Worte zusammen: „Von 
dem tiefen, sittlichen Gehalte der reformatorischen Bewegung selbst erfasst, suchte 
Caspar Borner die Ideen derselben in der Universität Leipzig zu realisieren. Zu 
diesem Zweck betrat er aber nicht den Weg des tnmultu arischen Verfahrens, sondern 
ging mit Besonnenheit und Klugheit vor. Durch L^elehrung sollte der Gegner über- 
wunden Averden. Dies konnte nicht besser geschehen, als wenn die Universität eine 
Pflanzstätte wahrer Wissenschaft wurde, aus welcher pflichtgetreue, wissenschaftlich 
tüchtig gebildete Männer hervorgehen würden, zum Wohle des Staates und zum 
Segen der protestantischen Kirche. Eine solche Pflanzstätte zu schaffen, hat 
Borner in entscheidender Zeit mit entscheidender Wirksamkeit beigetragen." — 
In der Person des Petrus Tritonius Athesinus lehrt uns C ohrs^'j einen 
Tiroler Schulmeister der Humanistenzeit kennen. Er heisst mit seinem deutschen 
Namen Peter Treibnraiff' und war zuletzt (1520—24) Schulmeister in Schwaz im Inn- 
thal ; unter anderem hat er ein Schulbuch verfasst mit der Aufschrift: Hoc enchiridio 
continentur versus quidam, quibus tenera puerorum memoria potissimum exercenda 
est, das als erstes lateinisches Lehr- und Lernbuch beim Unterrichte verwendet 
werden sollte. — Cohrs^^^ bringtauch zu seiner im vorjährigen JBL. angezeigten Ab- 
handlung über Johannes Toltz, einen Lehrer und Prediger aus der Reformationszeit, 
einige Nachträge und eine Berichtigung. — Aus der anlässlich der Melanchthonfeier 
von 1897 veröffentlichten Litteratur hebt Ellinger^^) eine Anzahl der bemerkens- 
werteren Erscheinungen hervor. ^^^^öj _ 

Ratichius, A. Comenius und andere. In der Beurteilung des 
Ratichius und seiner Anhänger nimmt L a 1 1 m a n n '^^) einen v'on den neueren 
Arbeiten abweichenden Standpunkt ein, indem er alle Misserfolge bei dem Versuche, 
seine Lehrart einzuführen, dem Didaktikus allein zuschreibt, dagegen seine Anhänger 
Helwig, Evenius und andere in Schutz nimmt und alle Erfolge der neuen Lehrart auf 
deren Rechnung setzt; man muss in dieser Angelegenheit Licht und Schatten möglichst 
gleichmässig verteilen. Stütz ner^^), dessen Abhandlung über Evenius**^) von Latt- 
mann zimi Ausgangspunkte seiner Polemik genommen wird, hat an anderer Stelle 
seinen Standpunkt in dieser Sache in dem angedeuteten Sinne dargelegt. — 
WindeP^) sieht in 'Joh. Val. Andrea mit Recht einen Vorläufer des Pietis- 
mus und zeigt in einer Analyse von dessen Theophilus (1649), dass der württem- 
bergische Theologe auch in pädagogischer Hinsicht ein Vorläufer A. H. Franckes zu 
nennen ist; anderseits \ weist W. auf die mehrfachen Beziehungen hin, in denen 
Comenius zu Andrea stand. Der Theophilus") besteht aus 4 Dialogen, von denen 
besonders der 1. und 3.'\über die Pädagogik'Andreäs Aufschluss geben. Im ersten 
Dialoge „De religione Christiana" wird auf die Bedeutung des Katechismusunterrichts 
hingewiesen, der dritte handelt „De christiana litteratura" und enthält in systematischer 
Darlegung Andreas' pädagogische Grundsätze, die im grossen und ganzen mit denen 
des Ratichius und^'seiner Genossen' übereinstimmen, wenn sich auch bei ihm eine 



— 22) (.IBL. 1S97 1 6:26.) — 23) K. Söjjnecten,^ lieber Bartholomäus Coloniensis. Beitr. z. Gesch. d. HnmanisinTis : 
MGESohG. 8, S. 272-305. — 24) X P- Bahlmann, J. W. Winting (t 1512): ADB. 43, S. 502/3. — 25) X L- Geiger, 
Jakob Wimpheling (1450 — 1528): ADB. 44, S. 524-37. — 26) O XKO-Neecon, Jalt. Wimphelings päd. Ansichten im Zu- 
sammenb. dargest. Dresden, Bleyl n. Kämmerer. VIII, 62 8. M. 1,20. — 27) X id., E. Reformator d. Schulwes. am 
Anf. d. 16. Jh.: P.aedSt. 19, S. 206/8. — 28) O X -T- Wimphelings päd. Schriften. Neue ('ritel-)Ansg. Paderborn, Schöningh 
573^8. >M. 3,20. — 29) X G. E., Z. Gesch.' d.;Humanlsraus: AZg». N. 22. (lieber Erasmus Schriften, her. v. D. Reichling.) - 
30) R. Kallmeier, Caspar Borner in seiner Bedent. für d. Reform, u. für d. Leipz. Univ. L., Gräfe. 78 S. M. 1,50. (Vgl. 
N. 129.) — 31) F. Cohrs, D. humanist. Schulmeister Petras Tritonius Athesinus: MGESchG. 8, S. 261-71. — 32) id., 
Ergänz, u. Berichtig, zu Joh. Toltz, e. Schnllehrer u. Prediger d. Reform.-Zeit: ib. S. 96. (Vgl. JBL. 1897 I 6:46.) — 33) Q. 
Ellinger, Neuere Melanob<,hon-Litt. • MhCoraeniusG. 7, S. 187-92. - 34) X K. Hartfelder, Veit Winsheim (1501—78), e. 
Schüler Melanchthons: ADB. 4?, S. 462/3. — 35) X J- BoUe, Johann W. Wolther, protest. Schuldramatiker (1562-1620): 
ib. 44, S. 184/5. — 36) J- Lattmann ciatichiuslu. d. Batichiai;er Helwig, Fairst Ludwig n. Walther, Kromeyer, Evenius n. 
Herzog Ernst; auch Rhenius. Qötting„n, Vandenhoeck ft^Rnprecht. ' IV,''260 S. M. .5,00. — 37) P. Stötzn er, J. Lattmann, 
Ratichius u. d Ratichianer: MhComeniusG. 7, S. 957/9. - 38) (JBi- 1396 1 10 : 31 ) - 39) R. Windel, D. Theophilus d. 
Joh. Val. Andrea bes. in seiner Bedeut. für d. Päd. d. 17. .Ih. Festsclii. Halle a. S, BuchOrucVerei d. Waisenhanses. 4">. 



F*. Stütz nur, (lescliichte des Unterrichts- und Erziehung^wesens. I 7 : 4o-«o 

Abneigung- zwar niclit geg-en die alten Sprachen, wohl aber g-eg-en die heidnischen 
Klassiker bemerkbar macht. '*''^**) - Des Comenius Geistesrichtung- charakterisiert 
Bickerich^^) in seiner bei der Enthüllung- des Comeniusdenkmals in Lissa 
am 28. Aug-ust gehaltenen Weiherede als eine „Einheit von Gottesfurcht und 
Bildung-strieb, von ernster sittlicher Zucht und brüderlicher, weitherzig-er,*friedfertig"er 
Liebe". — Auf die Herausgabe des Briefwechsels des Comenius, wovon Kvacsala 
1897 den ereten Band hat erscheinen lassen, macht Reber''^) aufmerksam. Die in 
diesem Bande vereinigten 151 Briefe und Aktenstücke reichen bis zum Jahre 1655; 
ein zweiter Band wird die übrige Korrespondenz enthalten. — Auf den 2. Teil^der 
in den „Klassikern der Pädagogik" erschienenen Comeniusausgabe^'*) weist^Lion 
hin und fügt kritische Bemerkungen zu der in demselben enthaltenen Uebersetzung 
Pappenheims bei, von der er bekennt, dass sie ,,den Sinn des Originals 
möglichst getreu wiedergiebt und dabei in gutem lesbarem Deutsch abgefasst ist". — 
L i o n ^^) selbst hat des Comenius „Informatorium der Mutter Schul" unter Zugrunde- 
legung des in der Breslauer Stadtbibliothek vorhandenen Druckes von 1638 neu 
herausgegeben. In den Bemerkungen sind nicht nur sachliche Erklärungen, sondern 
auch abweichende Textstellen des lateinischen Originals dieser Schrift enthalten. — 
Dass schon Comenius an eine allgemeine Volksschule dachte und für Methode und 
Organisation einer solchen Beachtenswertes ersann, legt Krebs*^) dar.^''^') — 

A. H. Francke, der Stifter des Halleschen Waisenhauses, wird nach seiner 
theologischen und pädagogischen Bedeutung von D r e i s i n g^^) gewürdigt. — Ferner 
gedenkt S c h i 1 1 i n g ^^) in einem mit guten Illustrationen ausgestatteten Aufsatze 
des Francke-Jubiläums und verfolgt alsdann die Entwicklung- der Franckeschen 
Stiftungen bis in die neuere Zeit. — In ausführlicherer Darstellung schildert für 
Freunde der inneren Mission B o i t ^*) Wesen und Wirken des „Waisenvaters" 
Francke. — „Sein Erziehungsziel war ein religiöses, und er wusste den Wert der 
religiösen Kräfte für das Volksleben zu würdigen", lesen wir in einem Aufsatze von 
S c h r a d e r ^^) ; als das rechte Mittel zur Erreichung dieses Zieles betrachtete er 
die wahre Gemütspflege, Verhütung und Gewöhnung sind unter seinen erziehlichen 
Massnahmen die vornehmsten. Der Vf. weist auch auf den grossen Einfluss Franckes 
hin: unter seinem Einfluss steht die Schulgesetzgebung des 18. Jh., auf seinen 
Grundsätzen beruht die Begründung der Waisen- und Rettungshäuser, der Lehrer- 
seminare und Realschulen. — 0. S c h u 1 z e ^^) geht noch weiter, wenn er sagt : 
„Was Francke für die Volksbildung gethan und zu thun im Sinne hatte, ist noch 
heute der Kern, aber auch noch heute das in weiter Ferne schwebende Ideal richtiger 
und vernünftiger Pädagogik, einer Pädagogik, die Staat und Gesellschaft, Kirche 
und Schule, Kunst und Wissenschaft gleicherweise durchdringen niuss, einer 
Pädagogik, die alle Institutionen, alle Einrichtungen des Staats und der Geseilschaft, 
alle Kundgebungen und Schöpfungen des einzelnen wie der Gesamtheit mit ihren 
Grundsätzen beherrscht, und alle öffentlichen Bestrehungen allein auf die Zwecke der 
Bildung und Erziehung gerichtet sein lässt." — O. Schulze^') hat sich noch 
ausführlicher über Franckes Pädagogik in einer besonderen Schrift verbreitet.^*"^") 
— 1697 schuf A. H. Francke das Pädagogium, das den Zweck hatte, der 
Universität eine wohlg'ebildete Jugend zuzuführen, und die Lateinische Schule, die für 
solche Knaben bestimmt war, die ihi^e Eltern gern in den fundamentis studiorum 
unterrichten lassen wollten. Einen üeberblick über die Entwicklung beider Anstalten, 
deren erstere 1870 aufgehoben beziehungsweise mit der lateinischen Hauptschule ver- 
einigt worden ist, enthält eine von Rausch^") gehaltene Festrede ; wir heben daraus 
hervor, dass die Latina vorher schon zwei andere Gymnasien in sich aufgenommen 



14 S. — 40) X M. Hippe, Paul Wunderlich (Thaumasius), schles. Schulmann (.1604-58): ADB. 44, S. 314/5. — 41) X P- 
Htötzner, Johann Zechendorf (1580—1662), sächs. Gymn.-Rector : ib. S. 740/1. — 42) W. Biokerich, D. Geistesrichtung d. 
Comenius. ßede: MhComeninsG. 7, S. 205-10. — 43) Eeber, D. Briefwechsel d. Comenius: ib. S. 211-30. — 44) O J. A. 
Comenius II. ller. v. E. Pappenheim. (= D. Klassiker d. Päd. Bd. 18.) Langensalza, Gressler. V, 361 S. M. 4.00. [[C. Th. 
Lion: MhCoraeniusG. 7, S. 123-32.]| (Inhalt: Lehrknnst, Zur Didaktik, Sittenregeln, Gesetze, Koncentrischer Lehrgang, Infor- 
matorium d. Mutter Schul, Volksschule, Orbis pictus.) — 45) J. A. Comenius, D. Mutter Schul. Neu her. v. C. Th. Lion. 
(= Bibl. päd. Klassiker, 33. Bd.) Beyer. VII, 64 S. M. 0,60. — 46) 0. Krebs, Comenius u. d. Volksschule: MhComeniusG. 7, 
.S. 116-24.— 47) O X J. A. Comenius, Grosse Dnterrichtslehre. üebers. mit Anm. u. e. Lebensbeschr. d. Comenius v. C. Th. 
Lion. 4. verb. Aufl. (= Bibl. päd. Klassiker, her. t. Fr. Mann, 10. Bd.) Langensalza, Beyer. XCVII, 300 S. M. 3,00. - 48) 
O X J- Kvacsala, Spisy Jana Amosa Komenskeho. Cislo 1. Korrespondence Jana Araosa Komensk^ho. Prag. 1897. (Weitere 
Angaben unerreichbar.) — 49) X ?• Kleinert, J. A. Comenius: HPTh. 4, S. 247-50. — 50) X G- Loesche, Ernst I., d. Fromme: 
ib. 5, S.H77-81. — 51) X Th. Pyl, Jakob Wolf, Ritter zu Stralsund (1654-1723): ADB. 43, S. 757/8. - 52) W. J. Dreising, 
Z. Erinn. an August Hermann Francke: MhComeniusG. 7, S. 137-47. —53) H. Schilling, Z. 200 jähr. Jubelfeier d. Franckeschen 
Stiftungen in Halle a. S.: Universum 14, S. 1963-72. — 54) Boit, A. fl. Francke. E. Vater d. Waisen. (= Für Feste u. 
Freunde d. inn. Mission, Heft 4.) B., Buchhdig. d. Ostdeutschen Jünglingsbundes (Martin Hennig). 16 S. M. 0,10. — 55) H. 
Seh rader. In welcher Weise sind d. Erz.- n. Unterr.-Grnndsätze A. H. Franckes v. ihm selbst n. v. seinen Kachfolgern verwertet 
worden?: RhBllEU. 72, S. 501-21. - 56) 0. Schulze, A. H. Franckes Pädagogik: PraktSchulra. 47, S. 311-25. — 57) id., 
A. H. Franckes Paed. (= PaedMag. 114. Heft.) Langensalza, Beyer &ISöhne. 63 S. M. 0,80. — 58) X K. Supprian, 
Z. 200j&hr. Jubelfeste d. Franckeschen Stift.: PaedBll.;27,1 S.; 363/6. - 59) X Winzer, Wann bei A. H. Francke gebetet 
wurde: ib. S. 393/4. — 60) A. Bausch, Z. Säkularfeier d. lut. Hauptschule in d. Franckeschen Stift, zu Halle. Rede: NJbbPh. 1, 



I 7 : 61-72 P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehuug-swesens. 

hat, nämlich das seit 1565 bestehende lutherische und das 1711 gegründete reformierte 
Gymnasium.^ '^^'') — 

Katholische Pädag-ogen seit dem 17. Jh. Dem Jesuiten Jakob 
Masen widmet N. Scheid S. J.^^) eine Schrift. Masen wurde 1606 in Dalen im 
Jülichschen geboren, trat mit 23 Jahren als magister artium et philosophiae in die 
Gesellschaft Jesu ein und hat in dieser als Jugendbildner, namentlich als Lehrer der 
Poesie und Rhetorik, in Köln, Trier, Düsseldorf usw. gewirkt. Er starb 1681 zu Köln. 
Masen ist auch ein fruchtbarer Schriftsteller g-ewesen und nimmt in der Geschichte 
des Jesuitendramas eine bemerkenswerte Stellung nach dem Urteile Sch.s ein. — 
Lehner^**) schildert den Benediktinermönch Simon RetAenbacher (1634 — 1706), 
dem er schon früher eine Abhandlung gewidmet hat, als praktischen Schulmann, 
sowie als pädagogischen und didaktischen Schriftsteller; Rettenbacher tritt namentlich 
für die Anschauung im Unterrichte ein, seine Bemerkungen über den Geschichts- 
unterricht sind noch heute beachtenswert. — Messer'") legt dar, dass in der 
2. Hälfte des vorigen Jh. die katholischen Territorien Deutschlands eifrig bemüht waren, 
es den Protestanten in jeder Hinsicht, auch bezüglich des Unterrichtswesens, gleich- 
zuthun. Diesem Streben verdankt auch die Abhandlung- J. J. Fr. Steigenteschs von der 
Verbesserung des Unterrichts der Jugend in den Kurfürstlich Mainzischen Staaten 
ihren Ursprung. Steig-entesch stand im Dienste des Mainzischen Kurfürsten Joseph 
Emmerich und war der pädag-ogische Berater einer von diesem zur Neugestaltung 
des Schulwesens eingesetzten Kommission. In dieser Stellung verfasste er die jetzt 
von M. herausgegebene Abhandlung, die auch ausserhalb des Erzbistums, nämlich in 
Bayern, von Einfluss gewesen ist. Sie behandelt im 1. Abschnitt die Bedeutung" und 
Aufgabe der Erziehung und des Unterrichts und entwickelt allgemeine pädagog-ische 
und didaktische Grundsätze. Dann werden in 3 Abschnitten die Dorfschulen und die 
Leseschulen in den Städten, die Realschulen, die Gymnasien besprochen, und ein 
Schlussabschnitt handelt von der besseren Vorbildung und Besoldung der Lehrer, 
von Schulbüchern, Schulhäusern und Schulaufsicht als den „Erfordernissen zu der 
künftigen Einrichtung des Schulwesens". — Das Leben und die pädagogischen Be- 
strebungen des letzten Abtes von Oliva, Josephus von Hohenzollern (1776 — 1836), 
schildert Splett''). Josephus er.hielt jene Würde 1803, er wurde dann im 
J. 1818 noch zum Bischof von Ermland geweiht. Seine Diöcese hatte in den 
Zeiten Napoleons I. schwer gelitten, daher suchte der Bischoi überall, namentlich auch 
im Schulwesen zu helfen. Er gründete Schulen in Ortschaften, die bis dahin keine 
hatten, so in Langfuhr, Oliva, Zoppot und Glettkau. Er ist beteiligt gewesen bei der 
Begründung des Lehrerseminars und des Gymnasiums zu Braunsberg, auch die Ei-- 
richtung der katholischen Fakultät in dieser Stadt, des Lyceum Hosianum, im J. 
1817 ist zum Teil seiner Mithülfe zu verdanken. Femer verfasste er selbst einen 
Entwurf zu einem Lehrplan für die Landschulen des Ermlands, bei denen nur ein 
Lehrer angestellt war, und erliess eine Instruktion für den Religionsunterricht, wie 
er auch für Abfassung guter Lehrbücher besorgt war. Dabei war er bemüht, durch 
persönliche Einwirkung das sittliche und intellektuelle Wohl der Lehrer sowie das 
Ansehen des Lehrerstandes zu fördern, und auch für die materielle Lage desselben 
that er, was möglich war. Er sprach das schöne W^ort: „Der Schullehrerstand ist in 
der That für die Menschheit so wohlthätig und hat dem ungeachtet doch so häufig 
mit Not, Sorge und Leiden zn kämpfen, dass alle Freunde der Menschheit sich ver- 
einigen sollten, um ihn zu der gebührenden Würde emporzuheben." — 

Philanthropisten. Seit dem epochemachenden Buche des Franzosen 
Piuloche'^) über den Philanthropismus ist die Frage nach dem Ursprünge dieser 
pädagogischen Richtung eifrig erörtert worden, ohne dass es dabei zu einem ab- 
schliessenden Urteile gekommen wäre. Einstimmigkeit herrscht nur in dem einen 
Punkte, dass man im Gegensatz zu der früheren Auffassung den Einfluss Rousseaus 
auf die Philanthropen und insbesondere auf Basedow nur gering anschlägt; darüber 
jedoch, wen man an dessen Stelle einsetzen solle, gehen die Ansichten sehr aus- 



S. 457-63. — 61) O X id., Ch. Thoinasius n. A. H. Francke. Progr. Halle. 4«. 15 S. — 62) O X G. F. Hertzberg, 
A. II. Friincke n. sein Hallisches Waisenh. Halle, Buohh. d. Waisenh. 164 S. mit Abbild, u. e. Plane. M. 1,80. — 63) O X K. 
W. Schmidt, 10 Jahre Zögling d. Waisenanst. in d. Franckeschen Stift, ebda. IV, 149 S. M. 1,50. - 64) O X W. Fries, 
D. Fr.mckeschen Stift, in ihrem 2. Jh. ebda. VII, 268 S. mit Bildnis u. Plan. M. 3,60. — 65) O X G. Knuth, A. H. 
Franckes Mitarbeiter an seinem Stift, ebda. IX, 185 S. M. 1,80. — 66) O X Festschrift z. 200 jähr. Jubelfeier d. Franckeschen 
Stift., dargebr. v. d. Realgymn. in d, Franckeschen Stift, ebda. 4». HI, 103 S. M. 2,50. — 67) X Festschrift, dargeb. v. d. 
Kollegium d. lat. Hauptschule, ebda. 4". IX, 244 S. M. 5,00. — 68) N. Scheid, S. J., D. Jesuit Jakob Masen, e. Schul- 
mann u. Schriftst. d. 17, Jh. (= Schrr. d. (jörresges. 1898, I.) Köln, J. P. Bachem in Komm. VIII, 72 S. M. 1,50. — 69) 
T. Lehn er, P. Simon Rettenbacher, e. österr. Päd. aus d. Reformzeit d. 17. Jh.: MGESchG. 8, S. 306-33. (Vgl. JBL. 1896 1 
10:46.) — 70) A. Messer, J. J. F. Steigenteschs „Abhandlung v. Verbess. d. Unterr. d. Jugend in d. kurfürstl. Mainzischen 
Staaten 1771". 1. u. 2. T. Progr. Giessen. 1897. 4». 24 S. (Vgl. JBL. 1897 I 6:253.) — 71) F. Splett, Josephus v. 
Hohenzollern, d. letzte Abt v. Olira. E. päd.-hist. Studie. Danzig, Barth. VIII, 79 S. mit Bildnis. M. 1,25. - 72) (JBL. 



P. ötötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. I 7 : 73-8» 

einander. Pinloche sah in Caradeux de ia Chalotais das Vorbild Basedows, Künoldt'*) 
dagegen in dem Kieler Professor Martin Ehlers. Jetzt hat Pöhnerf^) in einer 
Untersuchung' über Joh. Matth. (lesner und dessen Verhältnis zum Philanthropismus 
und Neuhumanismus zu erweisen gesucht, dass man den weitgehenden Einfluss, den 
üesner durch seine zahlreichen Schüler ausübte, als eine Hauptursache für jene Be- 
wegung* ansehen muss; denn Gesner habe die Grundsätze der Philanthropisten schon 
geraume Zeit vor diesen und vor Rousseau gepredigt, sie lagen eben schon lange im 
Zuge der Zeit. P.s Arbeit gliedert sich in zwei Hauptteile, deren erster Gesners 
Philosophie, der zweite aber seine Pädagogik darstellt. — Dagögen geht Swet'^) 
auf dem schon bei Künoldt angebahnten Wege weiter, wenn er darlegt, dass die 
Uebereinstimmung in den Grundsätzen eines Basedow, Rousseau, Chalotais darauf 
zurückzuführen ist, dass sie alle aus den Schriften John Lockes geschöpft haben; 
Ehlers räumt er nur einen beschränkten Einfluss auf Basedow ein. S. giebt ferner 
Ergänzungen zur Biographie Basedows; er hält den 11. September 1724 für dessen 
Geburtstag, er glaubt, dass der Charakter von Basedows Vater nicht so hässlich ge- 
wesen sei, als man anzunehmen pflegt; nicht als Knabe, sondern erst im Alter von 
18-19 Jahren habe er das Haus seiner Eltern verlassen usw."*-'''') — 

J. H. Pestalozzi. Im Gegensatz zu Paulsen, der 1896 in der Festrede zur 
Pestalozzi feier es dem grossen Pädagogen abgesprochen hatte, ein Genie zu sein, 
zeigt Köhler''*), dass man wohl berechtig-t sei, Pestalozzi für ein solches zu halten, 
da er zwei hervorstechende Eigenschaften des Genies: gesteigertes Empfindungs- 
leben und Objektivität, besessen habe. — Ein wenig bekanntes Urteil über Pestalozzi 
teilt ein Anonymus ^"3 mit; es ist in den ersten der 10 Vorlesungen enthalten, die der Bremer 
Pastor J. L. Ewald über den Geist der Pestalozzischen Bildungsmethode im Winter 
1804 — 5 hielt, nachdem er bei Pestalozzi in München-Buchsee gewesen war; 1805 
erschienen die Vorlesungen im Druck. — IsraeP*^) nimmt Pestalozzi in Schutz gegen 
den Vorwurf der Irreligiosität und erweist aus dessen Schriften vielmehr, dass man 
recht hatte, ihn ein lebendiges Evangelium wahrer Menschenliebe zu nennen und von 
ihm zu glauben, dass er zu Christus in tiefinnerlicher Beziehung stand und über- 
haupt das Christentum in seinem innersten Wesen erfasst hatte. — Ueber Pestalozzis 
Verhandlungen mit den Bundesbehörden zu Bern hat Haag**) auf Grund der 
Akten des Staatsarchivs eine historisch-kritische Abhandlung verfasst. Er weist 
darin nach, dass Morf in seiner Biographie Pestalozzis bezüglich dieser in die Jahre 
1803—5 fallenden Verhandlungen nicht immer das Richtige getroffen hat, und ver- 
öffentlicht eine Reihe von Aktenstücken, die jener überhaupt nicht oder doch nur 
unvollständig berücksichtigt hat. — Ueber den Inhalt der seit 1896 von Seyffarth^^j 
herausgeg'ebenen Pestalozzi-Studien berichtet Hunziker*3), indem er besonders auf 
dasjenige hinweist, was darin neu ist und eine Bereicherung der Pestalozziforschung 
enthält.84-87) _ 

J. F. Herbart. Zur Litteratur über Herbart liefert Brandis**) einen wertvollen 
Beitrag, indem er 17 Briefe desselben aus den J. 1829 — 32 veröffentlicht; sie 
sind meist an Christian August Brandis, der Herbarts Metaphysik in der Hallischen 
Litteraturzeitung recensierte, gerichtet, nur der 9. Brief trägt die Adresse des Bonner 
Professors der Medizin Fr. Nass. — An den Forderungen der Herbartschen Päda- 
gogik misst Wohlrabe*^) die jetzt lebhaft umstrittene Frage der Lehrerbildung 
ab. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, dass „schon mit Herbarts Erfassung der 
Pädagogik als einer Wissenschaft und der Würdigung des erzieherischen Thuns als 
einer Kunst die Allgemeinforderungen an die Person des Erziehers und demgemäss 
an die Vorbereitung zu seinem Berufe bestimmt sind"; dass ferner „der Tendenz der 
Regulativ-Pädagogik gegenüber vom Standpunkte der Herbartschen Pädagogik aus 
die Ansicht als Irrtum und Schaden zu bezeichnen ist, dass der Volksschullehrer sich 
in dem Umfange seines Wissens nicht wesentlich über das Wissensmass der Ele- 



1896 I 10 : 51.) - 73) (JBL. 1897 1 6 : 65.) — 74) K. Pöhnert, Johann Matthias Gesner u. sein Yerhältn. z. Philantbropismns 
u. Neuhumanismus. E.Beitrag z. Gesch. d. Päd. im 18. Jh. Diss. L., Emil Gräfe in Komm. VI, 130 S. j(DLZ. 21, S. 409-11. i| — 
75) C. Swet, Beitrr. z. Lebensgesch. u. Päd. Joh. Bernh. Basedows. Diss. Zwiclcan, G&nthers Nacbf. 51 S. — 76) O X J- 
Schreiber, Ueber d. relig. u. ethische Anschannng Salzmunns, dargest. mit Beziehung auf seine Päd. Kaiserslautern, Crusius. 
85 S. M. 1,20. - 77) X r- Sander, Christian Hinrich Wolke (1741—1825): ADS. 44, S. 134/6. (Vgl. N. 25:i.) — 78) K. 
Köhler, War Pestalozzi e. Genie?: RhBllEÜ. 72, S. 97-109. — 79) B., Pastor Ewald über Pestalozzi: ib. S. 369-81. - 80) 
A. Israel, Ueber Pestalozzis Verhältnis z. Religion n. z. relig. Bildung: PraktSchulm. 47, S. 497-520. — 81) (= N. 214, 
S. 1-76.) - 82) O X I^- W. Seyffarth, Pestalozzi-Studien. Mschr. für Pestalozzi-Forsch., -Mitteil. u. -Betracht. 1. Bd. 
1897. 2. Bd. 1898. Liegnitz, Seyffarth. 192 S.; 196 S. M. 2,40. — 83) 0. Hu nziker, Pestalozzi-Studien: MhComeniusG. 7, 
3. 192/8. — 84) X Schmerler, D. method. u. päd. Grundsätze Girards nach seinem „Enseignement regulier de la langue mater- 
nelle"^ u. „Cours educatif de langue maternelle". Festschr. Borna, Seiche. 4". 24 S. — 85) O X tlh. Rothenberger, 
Pestalozzi als Philosoph. Bern, Steiger & Co. 86 S. M, 1,75. — 86) O X A. Süss, Pestalozzi als sittlich -relig. Erzieher 
in Theorie u. Praxis. 1. Bd. Theoret. T. Weissenburg, Ackermann. V, 408 S. M. 3,50. — 87) O X P. Natorp, Uerbart, 
Pestalozzi n. d. heutigen Aufgaben d. Erz-Lehre. 8 Vortrr. St., Frommann. V, 151 S. M. 1,80. — 88) K. G. Brandis, 
Ungedr. Briefe t. J. Fr. Herhart: PaedBU. 27, S. 301-34. (Auch unter d. Titel: Beitrr. für Lehrerbild. u. Lehrerfortbild. Heft 6. 
M. 0,60.) — 89) Wohlrabe, D. Stellung d. Uerbarlischen Päd. z. Frage d. Lehrerbild. (= Beiträge z. Lehrerbild. u. Lehrer- 



I 7:90-104 P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung'swesens. 

mentarschule zu erheben braucht, und dass ihm eine vertiefte pädagogische Bildung 
entbehrlich oder gar schädlich sei", üemzufolge kann die nach den allgemeinen Be- 
stimmungen jetzt in Preussen übliche Vorbereitung zum Lehrerberufe nicht für zu- 
reichend angesehen werden. — Ebenfalls im Anschluss an Herbart entwickelt 
Huther^") seine Grrundzüge einer psychologischen Erziehungslehre. Er schickt der- 
selben eine psychologische Analyse der sittlichen Charakterbildung voraus und 
unterscheidet dabei zwei Stufen: die der naiven Sittlichkeit, deren Faktoren der 
Wille und die sittlichen Motive sind, und die der reflektierten Sittlichkeit, die einen 
^Fortschritt zum Handeln nach selbstbewussten ethischen Prinzipien bedeutet. In der 
Erziehungslehre selbst unterscheidet H. zwischen den zwei Funktionen der Regierung 
und der Zucht; jene umfasst die persönliche Führung und die in Behütung und 
Zwangsmassregeln bestehenden sachlichen Veranstaltungen, diese begreift als Mittel 
zwecks Heranbildung zum naiven sittlichen Handeln die haltende und die bestimmende 
Zucht in sich, während sie in der Ausbildung der sittlichen Reflexion und der An- 
leitung zum reflektierten sittlichen Handeln die Massregeln sieht, die zum sittlichen 
Handeln führen. Den Anhang bilden Grundzüge zur psychologischen Charakterologie, 
wobei die formalen Charakteruntersohiede von den materialen gesondert werden. — 
Ueber die dritte formale Stufe, die Association, kommt Wilk^') zu folgendem 
Resultat: „Die Association ist die Stufe der Begriffsbildung durch Abstraktion und 
Subsumption. Beide seelische Vorgänge gehören zusammen, indem sie sich in 
ihrer Arbeit ergänzen. Es kann aber auch vorkommen, dass die Abstraktion allein 
auftritt, wenn der Gedankenkreis der Schüler keine Unterarten weiter enthält als die 
der Abstraktion zu Grunde gelegenen, oder wenn es sich um Gewinnung von 
Individualbegriffen handelt, die keine Unterarten haben. Ebenso kann aber auch 
die Subsumption selbständig auftreten, ohne sich an einen vorausgegangenen Ab- 
straktionsprozess anzulehnen. Andere seelische Thätigkeiten gehören nicht zwischen 
Synthese und System." — Klaschka''^) führt die von ihm zwischen den Ideen 
Piatos und den praktischen Ideen Herbarts angestellte Vergleichung in einem 
2. Teile zu Ende und kommt zu dem Ergebnis, „dass sich bei Plato nicht selten An- 
deutungen über Gedanken finden, die Herbart in der Lehre von den praktischen 
Ideen auseinandergesetzt hat; da er aber seine Tugeudlehre auf die drei Seelen- 
vermögen bezog, die wiederum mit der Dreiteilung der Stände zusammenhängen, so 
konnte er die praktischen Ideen mit seinem System nicht mehr einheitlich ver- 
knüpfen". — Foltz^^^ jgt der Meinung, dass der langdauernde Einfluss der 
Herbartschen Pädagogik und damit auch seiner Psj^chologie und Ethik allmählich 
schwinden und man weiter fortschreiten werde; zu diesem Zwecke weist er auf 
Paulsens Ethik hin und sucht an der Hand derselben das Ziel der Erziehung zu 
bestimmen. 9^-'-*'*) — 

Neuere Pädagogen. Einen kurzen üeberblick über den Lebensgang 
des um das preussische Schulwesen und insbesondere um die Organisation der 
Schulen und Lehrerbildungsanstalten Westfalens hochverdienten Bernhard Christoph 
Ludwig Natorp (geb. 1774 in Werden, gest. 1846 in Münster) giebt Lamprecht ^ö"). 
— Den um Siebenbürgens geistige Entwicklung so hochverdienten Stephan Ludwig 
Roth charakterisiert anlässlich seines 100. Geburtstages (24. Nov. 1896) Herfurth^^ij 
als Volkserzieher und Volksfreund, als einen Mann, dessen Werk es war, „sein 
Volk zu erwecken, ihm neue grosse Ziele zu weisen, unter neuen Formen in neuer 
schwieriger Zeit ihm neues Leben auf altem Grunde zu sichern". — Man hat 
Diesterweg gelegentlich als einen Individualpädagogen hingestellt i*^^); damit aber 
würde er an Bedeutung den socialpädagogischen Bestrebungen unserer Zeit gegen- 
über sehr verlieren. Nitschke^o^) weist nun nach, dass man in ihm durchaus 
nicht den einseitigen Individualisten sehen dürfe, dass ihm Einzelmensch und Bürger, 
Individual- und Socialpädagogik keine Gegensätze gewesen seien, er also durchaus 
noch nicht überlebt und abgethan sei. — Auch Mendei04) zeigt, dass Diesterwegs 



fortbild. Her. r. K. Mnthesius 1.) Gotha, Thienemann. 30 S. M. 0,(50. — 90) A. Hnther, Grnndzüge d. psychol. 
Erz.-Lehre. B., ßosenbanm & Hart. IV, 169 S. M. 2,00. — 91) E. Wilk, Ueber d. dritte formale^Stufe, d." Association: 
JbVWPaed. 29, S. 168-228. — 92) F. Klaschka, D. Ideen Piatos b. d. prakt. Ideen Herbarts. Progr. Mies. 28 S. - 

93) 0. Foltz, D. Ethik u. d. Ziel d. Erz. (= Beitrr. z. Lehrerbild. vl. Fortbild. Heft 3. M. 0,40.): PaedBlI. 27, S. 12-33. - 

94) O X K. Richter, D. Herbart-Zillerschen formalen Stufen d. Unterr. 2. Aufl. L., Hesse. VII, 187 S. M. 2,25. — 95) O 
X Rein, Picke) u. Scheller, Theorie u. Praxis d. Volksschulunterr. nach Herbartischen Grundsätzen. D. 1. Schuljahr. 
6. Aufl. L., Bredt. X, 372 S. M. 4,00. — 96) X F. Ballauff, Entsteh, u. Bedent. d. Gefühls im Leben d. einheitlichen Seele 
mit besond. Rücksicht auf d. prakt. Ideen Herbarts. Progr. Aurich, Tapper & Sohn. 4». 52 S. — 97) O X K. Schubert, 
Herbarts didakt. Anschauungen u. d. Interpretationen d. Konzentrationsidee. Diss. L., Brückner & Niemann. 62 S. — 
98) O X J- F- Herbart letters and lectures on education. Transl. by H. M. & Emmie Felkin. Pref. by 0. Browning 
London, Sonnenschein. 302 S. Sh. 4/6. — 99) O X J- F- Herbiirt, The application of psychology to the science of education. 
Transl. by Beatrice C. Mnlliner. Pref. by Dorothea Beale. ebda. 358 S. Sh. 4/6. — 100) K. La m p r e c h t, Bilder ans 
d. roten Erde. Hamm, Dietrich. 110 S. M. 2,00. (S. 87-95.) ~ 101) F. Herfnrth, Aus Heimat u. Ferne. Vier Vortrr. 
Hermannstadt, Krafft. 116 S., 1 Abb. fl. 0,60. — 102) (JBL. 1897 I 6:85.) — 103) F. Nitschke, War d. Altmeister 
Diesterweg Individual- oder Sozialpädagog?: RhBllEU. 72, S. 116-39. — 104) K Mende, Was ist zu d. Behauptung zu be- 



P. Stötzner, (leachichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. I 7:iu5-ii8 

pädag'ü<»'ische Grundsätze durchaus zu den beiden Forderungen der Socialpädagog-ik : 
Anerkennung- des Einflusses der socialen Sphäre des Kindes auf die Entwicklung- 
desselben, und Förderung der Erziehung des Kindes für das sociale Leben, stimmen. 
— A. Schmidt ^^5^ zeigt an der Hand Diesterwegs, dass die Lichtseiten des Lelirer- 
berufes einerseits in der hohen Bedeutung desselben für die Förderung der Sittlich- 
keit und Bildung anderer Menschen und anderseits in der steten Nötigung und 
reichen Gelegenheit, die der Beruf den Lehrern zu ihrer eigenen Vervollkommnung 
bietet, zu finden sind. — Die Enthüllung des Denkmals für Volkmar Stoy in Jena hat 
zu mehreren litterarischen Festg-aben Anlass geboten. Der Sohn und Nachfolger des 
grossen Schülers Herbarts, Heinrich Stoy^^^J, hat eine Pädagogik der Schul- 
reise verfasst, und S t i e r i'^'') sowie M o 1 Ib e rgi^s)^ (jje beide unter der Leitung 
des Gefeierten an der Johann-Friedrichs-Schule und im pädagogischen Seminar zu 
Jena gelehrt und gelernt haben, veröffentlichen lebensvolle Schilderungen von dessen 
Wirksamkeit. — Ferner teilt jetzt A n d r e a e i^s) eine Charakteristik Stoys mit, 
die er bald nach dessen Tod (1885) niedergeschrieben hat; er findet Stoys Bedeutung 
„in dem zielbewussten und erfolgreichen Streben, der pädagogischen Bildung vor 
dem Forum der Wissenschaft standhaltende Mittel und Weg^e zu suchen, Wert und 
Wirkungsweise derselben in vielseitiger Ausgestaltung vorzuleben und sie als probe- 
haltige Helferin in den Nöten der Praxis zu erweisen". — E. von S al 1 w ü r k^'^') 
entwirft ein Bild von der Benderschen Erziehvingsanstalt in Weinheim an der Berg- 
strasse, wo Stoy von 1839 — 42 als Lehrer thätig war, während K r o m ay e r^^') Er- 
innerungen aus den ersten Jahren des pädagogischen Seminars in Jena (1849) bringt, 
in deren Mittelpunkt natürlich auch wieder Stoy steht. — Auch auf die Festrede, die 
Erich Schmidt^i^) ^gj fig^. Enthüllung des Stoydenkmals hielt, sei noch hin- 
gewiesen, "^-iis^ _ ]jje Pädagogik Friedrich Fröbels ist schon mehrfach gut dar- 
gestellt worden; um die philosophische Begründung seiner pädagogischen Idee vom 
Spielen des Kindes hat man sich wenig^er bemüht. Jetzt erinnert S t.e g 1 i c h"^) daran, 
dass Jakob Frohschammer mit seinem Buche über die Phantasie als Grundprinzip 
des Weltprozesses die philosophische Begründung zu Fröbels Pädagogik geliefert 
hat. Schon Wichard Lange, der erste Herausgeber von Fröbels Schriften, hat sich in 
diesem Sinne geäussert: „Leicht wäre es, zu zeigen, wie durch die^Frohschammersche 
Anschauung die Pädagogik ein unerwartet sicheres und ergiebiges Fundament, wie 
namentlich die Fröbelsche Erziehungsweise durch Frohschammersche Gedanken eine 
tiefsinnige Begründung erhält." St. entwickelt nun die pädagogischen Gedanken 
Fröbels und die Philosophie Frohschammers nach einander und erweist in einer 
Vergleichung beider die Richtigkeit des angeführten Satzes von W. Lange. — 
Nach einer längeren Pause erscheinen Theodor Waitz^i'^) allgemeine Pädagogik und 
kleinere pädagogische Schriften in der 4., von W i 1 1 m a n n besorgten Ausgabe. Sie 
hat gegen die früheren Ausgaben wertvolle Ergänzungen erfahren: zu der früher 
schon vom Herausgeber geschriebenen Einleitung über W^aitz praktische Philosophie 
sind hinzugekommen die Lebensbeschreibung aus der Feder G. Gerlands aus dem 
42. Bande der ADB. und die Anzeige der allgemeinen Pädagogik von CG. Scheibert, 
die im 31. Bande der Pädagogischen Revue (Zürich 1852) erschien. Die kleineren 
Schriften, die den 2. Teil des ganzen Buches bilden, stammen aus den J. 1848—58; 
es sind folgende: 1. Welchen Anteil soll der Deutsche Reichstag an der Organisation 
des Unterrichtswesens nehmen? 2. Reform des Unterrichts. 3. Ueber die Methoden 
des Unterrichts im Lesen und Schreiben. Eine psychologische Untersuchung. 4. Zur 
Frage über die Vereinfachung des Gymnasialunterrichts, zunächst in Kurhessen. 5. Zur 
Orientierung über den Gymnasialstreit in Kurhessen. — An dem 100. Geburtstage 
des Philosophen Fr. E. Beneke konnte die Pädagogik nicht stillschweigend vorüber- 
gehen; denn er hat, wie S ch m e d i ng*i^) begeistert schreibt, „als Frucht seiner 
philosophischen Anschauungen eine Pädagogik geschaffen, von der einstimmig 
anerkannt wurde, dass sie alles bisher Dagewesene weit hinter sich lasse; ja, dass 

merken, Diesterwegr betrachte d. Kind nur als Individuum, nicht aber auch alsjsoziales Wesen? I.: ib. S. 329-44. — 105) A. 
Schmidt, Worin bestehen nach Diesterweg d. Lichtseiten d. Lehrerberufs?: PraktSchuIra. 47, S. 593-605. — 106) O H. 
Stoy, Paed. d. Schnheise. Festgabe z. Enthüll, d. Stoydenkmals dargebr. t. d. Stoyschen Erz.>AnstaIt u. überreicht v. ihrem 
Direktor. Festschr. L., W. Engelmann. 332 8., 1 Karte, 65 Abb. im Text. 1[DLZ. 21, S. 798-300.]| — 107) R. Stier, D. p&d. 
Seminar u. d. Johann-Friedrichs-Schnle in Jena unter Prof. Volkmar Stoy. Festschr. B., Oehmigke. •-'4 S. — 108) A. M o 11 b e r g, 
Bilder aus d. Leben e. Volksschule. Festschr. Jena, Frommannsche Hofbuchh. 00 S., 1 Abb.;_ M. 1,20. — 109) C Andreae, 
Z. Andenken an Prof. Dr. K. V. Stoy: PaedBU. 27, S. 335-44. - 110) E. v. Sallwürk, Aus K. V. Stoys päd. Lehrzeit: ib. 
S. 345-56. — 111) Kromayer, Erinner, aus d. ersten Jahren d. päd. Seminars in Jena: ib. S. 357-62. — 112) Stoyfeier n. Stoy- 
schriften: ib. S. 453-65. — 113) X A. Bliedner, Z. Erinn. an Karl Volkmar Stoy. (= Paed. Mag. 112. Heft.) Langensalza, 
Beyer & Söhne. 15 S. M. 0,25. — 114) O X Andreae u. Stoy, Karl Volkmar Stoys kleine Schriften u. Aufs. 1. Bd. 
L., Engelmann. VI, 408 S., 1 Bildnis. M. 7,00. [[PraktSchulm. 47, S. 679; LCBl. S. 1797/8.]| - 115) X Sander, Raimund 
Jakob Wurst (1800-45): ADB. 44, S. 341/2. (Bekannt uls Vf. e. viel verbreiteten Sprachdenklehre.) - 116) F. A. Steglich;' 
Ueber d. päd. Idee F. Fröbels in ihrer philos. Begründung durcli^FrohBchsramer. Diss. Bern, Nydegger & Baumgart. VIII, 
195 S. M. 1,60. — 117) Th. Waitz, Allgera. Päd. n. kleinere päd. Schriften. 4. Aufl. Her. v. Prof. 0. Will mann. Brann- 
schweig. Vieweg * Sohn. LXXXVl, 552 8. mit Bildnis. M. 5,00. - 118) F. Schmeding, Z. 100." Geburtstage Friedrich Eduard 
Jahresberichte für neuere denteohe Litteraturgesohiolite. IX. (1)8 



I7:ii9-i2<j P. Stötznei', Geschichte des Unterrichts- und ErziehuntJ-swesens. 



man von ihr sagen könnte, eine Pädag'ogik als Wissenschaft datiere erst von ihrem 
Erscheinen". — Auch H o n k e i^^) widmet dem Philosophen ein Schrii'tchen, in dem 
er vielfach Herbarts Anschauungen mit denen Benekes vergleicht; er mahnt zu einer 
Annäherung zwischen den Anhängern der beiden Philosophen zu Gunsten der päda- 
gogischen Theorie und Praxis. ^^Oj _ Aus dem Nachlasse des 1897 verstorbenen 
Ferdinand Vollbrecht veröffentlicht dessen Sohn W. Vollbrech t^si) eine Reihe von 
Briefen, die der Feder des 1867 verstorbenen Generalschuldirektors im Königreich 
Hannover, Friedrich Kohlrausch, entstammen. Diese Briefe, die die J. 1838—66 
umspannen, lassen nicht nur den Charakter des bedeutenden Schulmannes, der so 
lange an der Spitze des hannoverschen Schulwesens stand, erkennen, sondern 
beleuchten auch dieses selbst und namentlich die dürftig-e äussere Lag-e der Gymnasial- 
lehrer in damaliger Zeit. — Brause 122) liefert den 2. Teil seiner Biographie Joh. 
G. Stallbaums, der die Zeit von 1820 — 45 umfasst. Diese ganze Zeit hat Stall- 
baum an der Thomana zu Leipzig gewirkt, erst als Lehrer und Inspektor, von 1835 
an als Rektor, nachdem der seitherige Leiter der Anstalt, Rost, gestorben war. 
Natürlich findet auch hier, wie im 1. Teile, die Geschichte der Thomasschule 
selbst eingehendste Berücksichtigung. — D r e w k e ^^^) verbreitet sich über Dörpfelds 
Schulverfassungstheorie, nachdem er die Entwicklung des niederrheinischen Schul- 
wesens, unter dessen Einfluss Dörpfeld sein Leben lang stand, geschildert hat. Die 
dort herrschenden Verhältnisse haben in ihm jedenfalls die Ansicht hervorgerufen, 
(lass die Familie, nicht der Staat, Träger der Erziehungspflicht sei. ^^4) — Eine treffliche 
Biographie von Karl Kehr (1830—85) hat Kl ei n s c hm idt •-•'') geliefert. Kehr 
hat nicht nur als Seminardirektor in Gotha, Halberstadt und Erfurt Bedeutendes 
geleistet und auf die Entwicklung des Seminarwesens günstigen Einfluss ausgeübt, 
sondern auch durch seine Schriften — wir nennen nur die Praxis der Volksschule 
(9. Aufl. 1880) und die Geschichte der Methodik (4 Bde., 1877—82) — auf die Ent- 
wicklung des Volksschulwesens fördernd eingewirkt. — Ein Schweizer Seminardirektor, 
Franz Dula (1814—92), ist es, dessen Lebensbild Marti i26| jj^j^ liebevoller Sorgfalt 
gezeichnet hat. Dula hat sich aber nicht nur um das Lehrerbildungswesen, sondern 
um das ganze Schulwesen seiner Heimat verdient gemacht; ein Blick in das Ver- 
zeichnis der von ihm veröffentlichten Aufsätze und Abhandlungen, sowie seiner nach- 
gelassenen Mss. zeigt uns die Vielseitigkeit des verdienstvollen und anregenden 
Pädagogen. — Das Leben des um das sächsische Volksschulwesen hochverdienten 
Schulrats Baunack hat durch Gabler ^^'') eine ebenso eingehende wie liebevolle 
Darstellung gefunden. Zwei Konferenzarbeiten und 15 Katechesen des trefflichen 
Schulmannes sind in das Buch mit aufgenommen worden. — Eine verdiente Würdigung 
ward dem um das Turnwesen so hochverdienten Karl Euler zu seinem 70. Geburts- 
tage durch K hlr a u s c h ^28-) j,^ ^^q Euler war zuerst in Schulpforta als Lehrer 
thätig, wo er Sprachunterricht erteilte und auch die Leibesübungen der Schüler 
zu überwachen hatte. Jetzt ist er erster Unterrichtsdirigent der Königl. Turnlehrer- 
Bildungsanstalt zu Berlin. — 

Universitätsgeschichte. In Zarnckes '^ö) Aufsätzen und Reden 
zur Kultur- und Zeitgeschichte findet sich reichhaltiges Material zur Geschichte 
unserer Hochschulen, namentlich der Leipziger; auf letztere beziehen sich die 
Abhandlungen bezüglich Reden über die „neuaufgefundenen ältesten Statutenbüclier 
der juristischen Fakultät der Universität Leipzig", „Einst und Jetzt. Aus dem Ver- 
fassung'sleben der Universität Leipzig", „Caspar Borner und die Reformation der 
Universität Leipzig", „Theodor Körners Relegation aus Leipzig-", „Die drei Freunde 
von der Rasenbank und das Denunciationsprotokoll" , endlich der Bericht über die 
Rektoratsjahre 1869 — 71. Mit diesen Arbeiten vereint sind eine Menge von Recensionen 
über Werke universitätsgeschichtlichen Inhaltes, die zumeist im LCBl. erschienen 
waren. Von allgemeiner Bedeutung ist die Rede „Ueber Geschichte und Einheit der 
philosophischen Fakultät" und die kurze Untersuchung über die Quaestiones 
quodlibeticae. In einem anderen Abschnitte des inhaltsreichen Bandes, das den 
Titel „Kulturgeschichtliches aus Norddeutschland vor 100 Jahren" führt, wird der 



Benekes. L., Dürr. 76 S. mit Bildn. M. 1,00. - 119) J. Honke, Fr. Ed. Beneke. E. Wort z. Erinn. n. Verständig. (= Paed. 
Mag. 110. Heft.) Langensalza, Beyer & Söhne. 24 S. M. 0,30. — 120) X 0. Gramzow, Fr. Ed. Beneke als Vorläufer d. 
päd. Pathologie. (= Beitrr. z. paed. Pathologie. 4. llett.) Gütersloh, Bertelsmann. 63 S. M. 1,00. — 121) W. Voll brecht. 
Aus Briefen d. hannoverschen Oberschulrats Friedrich Kohlruusch: NJbbPh. 1, 8. 143-50, 197-203. — 122) A. Brause, J. G. 
Htallbaum, E. Beitr. z. Gesch. d. Thomasschule in d. 1. Hälfte d. 19. Jh. IL Progr. L., Edelmann. 4». 40 S. (VgL 
JBL. 1S97 I 6:109.) — 123) H. Drewke, Darlegung u. Beurteilung d. Dörpfeldschen Schulverfassungstheorie: RhBllEU. 72, 
S. 248-61.— 124) O X F. W. Dörpf eld. Gesammelte Schriften. 2. Bd. Z. allgem. Didaktik. l.T. 3. Aufl. 8. Bd. Schulverfassung. 
Lu. 2. T. 2. Aufl. Gütersloh, Bertelsmann. XV, 170 S.; XIX, 332 S. ; VIU, 128 S. M. 1,80; M. 3,30; M. 1,40. - 125) A. 
Kleinschmidt, Karl Kehr. (= Grosse Erzieher. 3. Bd.) L., Voigtländer. 112 S., mit Bildnis. M. 1,25. |[PraktSchulm. 47, 
S. 681.1 —126) F. Marti, Lebensbild d. Seminardir. Dr. Franz Dula. Zürich, Schulthess. VII, 270 S,, mit Bildnis. M. 3,00. 
— 127) L. Gabler, Schnlrat Baunack in seinem Leben n. Wirken für d. Volksschule. 2. Teil. L, Dürr. 232 S. M. 2,80. 
(Vgl. JBL. 1897 I 6; 125.) - 128) C. Kohlrausch, Karl Euler: MagdZg". N. 6. - 129) F. Zurncke, Aufs. u. Keden z. Kultur- 



P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. 17:13ü-141 

Academia Fridericiana zu B ütz o w , die nur ein kurzes Dasein hatte (1760 — 89) und 
der Universitäten zu Rostock und Göttingen Erwähnung- gethan. — Der auf 
dem Gebiete der Universitätsg-eschichte bereits rühmlich bekannte Fabricius ^'^^) 
hat in seiner Geschichte der deutschen Corps wiederum einen wertvollen Beitrag 
geliefert. Das auch äusserlich vorzüglich ausgestattete Buch behandelt in 3 Ab- 
schnitten die deutschen Landsmannschaften bis gegen Ende des 18. Jh., vom Ende 
des 18. Jh. bis 1820, die Corps seit 1820. In der Einleitung weist der Vf. nach, dass 
die Korporationen auf den Universitäten ursprünglich zum Schutze der Studenten in 
fremden Ländern entstanden sind und dass sie von Anfang an landsmannschaftlichen 
Charakter besessen haben. Eine eingehende Darstellung findet im 2. Abschnitte das 
Verhältnis zur Burschenschaft, wobei jedoch zu bemerken ist, dass der Vf. der 
letzteren nicht ganz gerecht zu werden vermocht hat. i^') — Aus den ersten .5 Jahren 
der Berlin er Universität'^^) erfahren wir, dass sie im ersten Rektoratsjahr 1810 — 11 
schon 454 Studenten hatte, dann aber ward es leer in den Hörsälen, 1813 wurden 
zu Ostern nur 28 Mann eingeschrieben, es konnten nur 15 Vorlesungen gehalten 
werden, obwohl es 51 Docenten gab; ein Lehrer und 48 Schüler der jungen Universität 
sind im Freiheitskampf für das Vaterland gestorben. Am 3. August 1814 wurden 
der Kanzler Hardenberg und die Generale Blücher, York, Bülow, Kleist, Tauenzien 
und Gneisenau zu Ehrendoktoren der philosophischen P^akultät proklamiert. — Das 
Verhältnis, in welchem Dalberg, von 1772—1802 Statthalter der Erfurter Provinz des 
Mainzer Kurfürstentums, zur Universität zu Erfurt stand, beleuchtet Liebe'^-^). 
Er zeigt, wie es auch diesem Manne bei allem guten Willen nicht gelang und nicht 
gelingen konnte, die Universität, die fünftälteste in der Reihe der deutschen Hoch- 
schulen, vor allmählichem Verfall zu schützen. — Die bis vor wenigen Jahren jg-anz 
verlorene ältere Matrikel von Gi essen haben Klewitz und Ebel*^*) zunächst 
im 2./6. Bande der neuen Folge der Mitteilungen des Oberhessischen Geschichts- 
vereins und nun als Sonderabdruck aus dieser Zeitschrift veröffentlicht. — Für 
die Geschichte der Universität Halle sei auf die 2. x^uflage von Justis'^^^j 
Winckelmann hingewiesen; das 2. Kapitel des 1. Bandes enthält eine eingehende 
Schilderung dieser Hochschule und ihrer Lehrer von ihrer Begründung an bis 
zu der Zeit, als Winckelmann dort studierte (1638 — ^40). — Ueber die Geschichte 
der Burschenschaft zu Jena hat L a n g g u t h^^ß) einen längeren Aufsatz ver- 
fasst.^37- 138) _ Aus dem 1897 erschienenen 2. Band der Matrikel der Universität 
Leipzig hebt Ermisch'^yj einiges hervor. Dieser 2. Band, dem noch ein 
Schlussband folgen soll, enthält die Promotionen von 1409 — 1559, aus derselben 
Zeit, aus der im 1. Bande die Immatrikulationen veröffentlicht worden sind. Da 
die Promotionen Sache der Fakultäten waren, so ist der Inhalt des ganzen 
Bandes nach diesen geordnet, wobei die facultas artium den grössten Raum einnimmt. 
Denn da die philosophische Fakultät eine Vorschule für die übrigen bildete, fanden 
in ihr natürlich die meisten Promotionen statt. — Dass auch in Paderborn fast 
2 Jhh. lang eine Universität bestanden hat, davon werden nur wenige etwas 
wissen ; um so verdienstlicher ist es, dass jetzt F r e i s e n i*<>) eine aktenmässige 
Geschichte dieser Hochschule verfasst, deren erster Teil die Quellen für die Zeit von 
1614—1808 nebst historischen Einleitungen und Erläuterungen enthält. Diese Quellen 
sind ausser den drei Stiftungsurkunden die Statuten der Universität, der philosophischen 
und der theologischen Fakultät nebst Nachträgen, Bestimmungen über die Promotion, 
die Satzungen über die Schulgebräuche der niederrheinischen Ordensprovinz usw. 
Eine eingehende Besprechung dieses Werkes hat Kehrbach geliefert. — Einen 
wichtigen Beitrag zur inneren Geschichte der Universität Tübingen und des Hoch- 
schullebens im 16. Jh. überhaupt enthält die nunmehr in 3. Auflage vorliegende 
Zusammenstellung der aus diesem Zeiträume recht reichlich fliessenden Tübinger 
Universitätsakten, die R. von Mohl'^^) als wichtiges Material zur Charakteristik der 
Sitten und des Betragens der Tübinger Studenten im 16. Jh. bereits vor 50 Jahren 
zum ersten Male veröffentlicht hat. Dem Büchlein ist durch eine Anzahl von 



u. Zeitgesoh. (= Kleine Schriften, 2. Bd.) L., Avenarius. IX, 256 S. M. 9,00. [DLZ. S. 13.J| (Vgl. N. 30.) - 130) W. 
FabriciuB, D. dtsch. Corps. E.^hist. DarstelK mit besond. Berück&icht. d. Mensurwesens. Mit zahlreichen »nthentischen 
lllnstr. im Text U.Vollbildern. B., Thilo. 4». VUI, 431 S. M. 10,00. — 131) O X E. Duraud-Morimbiiu, Une universite 
allemande avant la guerre. (Moeurs et profils d'etudiant.) Paris, Encyclopajdie populaire. 216 S. — 132) Gr. L., D. Berliner 
UniTers. ISIO— 15: NordAZg«. N. 13. — 133) G. Liebe, D. Univers. Erfurt u. Dalberg. (= Neujahrsbll., her. t. d. 
bist. Kommission d. Prov. Sachsen, N. 22.) Halle, Hendel. 44 S. M. 1,00. — 134) E. Klewitz u. K. Ebel, D. Matrikel d. 
Univers. Giessen 1603—1707. Giessen, Ricker. IV, 228 S. M. 3,50.-135) C. Jnsti, Winckelmann u. seine Zeitgen. 2. Anfl. 
2. Bd. L., F. C. W. Vogel. IV, 429 S. M. 12,00. — 136) W. Langguth, Z. Gesch. d. dtsch. Burschenschaft: AZg". N. 171,2. 
— 137) OXG. H. Schneider, D. Burschenschaft Germania zu Jena. Festschr. Jena, Costenoble. 1897. 4". 580 S. n. 
150 Bilder. - 138) OX G. Erler, D. Matrikel d. Univers. Leipzig. 2. Bd. (=^ Cod. dipL Sax. reg. 2. Hauptt., 17. Bd.) L., 
Giesecke & Devrient. 1897. 4">. XCIV, 756 S., mit e. Tafel in Farbendruck. M. 40,00. — 139) H. E r m i s c h , D. Matrikel d. 
Universität Leipzig: AZgB. N. 55. — 140) J. Freisen, D. Univers. Puderborn. 1. T.: Quellen n. Abhandl. v. 1614-1803. 
Paderborn, Junfermann. VIII, 247 S. M. 4,00. |[K. Kehrbach: MGESchG. 8, 8. 237-40.11 — 141) K. v. Mohl, Sitten u. 

(1)8* 



1 7:142-151 P. Stötzner, Geschichte des TTnterrichts- und Erziehuno-swesens 

Illustrationen ein wertvoller Schmuck verliehen worden. — Aus der Feder des ver- 
storbenen Küber t von Zimmer man n^'^^) liegt uns ein Aufsatz vor, worin nach 
einem knrj^en üeberblick über die frühere Entwicklung der Wiener Universität 
die Zeit von 1848— 98 als das augusteische Zeitalter dieser Hochschule gerühmt 
wird. In der That ist deren Entwicklung, wie sie in diesem Halbjh. 
unter Franz Josephs Regierung sich gestaltet hat, nur möglich gewesen, nachdem 
1848 die beengenden Schranken, die bis dahin diese Hochschule umschlossen, ge- 
fallen waren ; es ist namentlich das Verdienst "des seit 1849 amtierenden Kultus- 
ministers Leo von Thun gewesen, dass die Wiener Universität eine den deutschen 
Hochschulen analoge freie Verfassung erhielt. — ■ Kerler^*') veröffentlicht die 
Statuten der philosophischen Fakultät der Universität W^ürzburg in ihrer ältesten 
Fassung, die sie jedenfalls im ersten Jahrzehnt nach der 1582 erfolgten Neu- 
begründung dieser Hochschule erhalten haben. — Femer liefert einen hoch- 
interessanten Beitrag zur Geschichte dieser Universität und dann auch zur Geschichte 
der deutschen Burschenschaft Haupt ***), indem er die Schicksale der alten 
Würzburger Burschenschaft von ihrer Begründung durch G. Eisenmann im J. 
1817 bis zum Frankfurter Attentat von 18oH darstellt und die Beziehungen der- 
selben zu den übrigen Burschenschaften sowie insbesondere zum Jünglingsbunde 
nachweist. — 

Universitäts Verfassung. Von der Einheitsschule, wie sie für das 
höhere Schulwesen von g-ewisser Seite gefordert wird, ist nur noch ein Schritt zur 
Einheits-Hochschule, die den Hörer „zum vollkommensten Berufsmenschen und zum 
Träger der Gegenwartskultur (ein schönes Wort!) machen" soll. Diese Anstalt wird, 
wie Steiner'*^) ausführt, dadurch entstehen, dass die technischen, landwirt- 
schaftlichen Hochschulen, Kunstakademien usw. den Universitäten angegliedert werden. 
Können wir hierin dem Vf. nicht beipflichten, so hat er dagegen unseres Erachtens 
recht, wenn er verlangt, dass in den Vorlesungen nicht das geboten werden dürfe, 
was der Student aus einem Leitfaden sich aneignen könne; der letztere muss viel- 
mehr die Grundlage sein, auf welcher die Vorträge des Professors sich aufbauen 
sollen. — Für den Anschluss technischer Fakultäten hat sich auch V. Klein^'*^) 
auf der 70. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Düsseldorf aus- 
gesprochen. **') — In trefflicher Weise behandelt Waldeyer^*^) in seiner 
Rektoratsrede vom 15. Okt. die Aufgaben, die den Universitäten seit 1870 zu- 
gefallen sind, und deren Stellung zu Dingen wie Frauenstudium und Volkshoch- 
schule. In erster Hinsicht empfiehlt er die Errichtung von besonderen Hoch- 
schulen für Frauen, in letzterer hält er nicht für gut, dass die Universitäten selbst 
sich mit dieser Sache einlassen, sondern dass, wie dies in Berlin geschehen ist, die 
Hochschullehrer sich ihrer annehmen. Die Universitäten müssen sich möglichst in 
ihrer Eigenart zu erhalten suchen, darum warnt Vf. auch vor einer Vereinigung mit 
den technischen Hochschulen und vor dem Verzicht auf die Selbstverwaltung. — 
S c h m i d k u n z**") weist auf die Notwendigkeit einer besonderen Universitäts- 
pädagogik hin, die sich einerseits durch den Zustand des zur Selbsterziehung noch 
unreifen Abiturienten, anderseits durch die besonderen Umstände unserer Hoch- 
schulen, die keinen Kollegienzwang und ähnliche Zwang'sbestimmungen kennen, 
nötig macht. Auch vom Universitätslehrer müsse man ein gewisses Mass von 
didaktischem und pädagogischem Können fordern, und darauf schon bei der Habili- 
tation eines Docenten achten. — In gleicherweise tadelt B e r nh e i m^^o^^ dass jetzt 
im Hochschulunterricht die pädagogische und didaktische Seite im Gegensatz zur 
wissenschaftlichen zu kurz kommt. Deshalb empfiehlt er statt der systematisch-dar- 
stellenden „Stoffkollegien" kurze Orientierungsvorlesungen. Die Privatvorlesungen, 
die viel zu sehr ins einzelne gehen, müssen nach seiner Ansicht beschränkt, da- 
gegen die praktischen Uebungen schon von den ersten Semestern an mehr betont 
werden. — Seit dem Fall Arons macht die Rechtsstellung der Privatdocenlen viel 
von sich reden^^i); sie ist bei den einzelnen preussischen Universitäten eine sehr un- 
gleichmässige, an manchen sehr ungünstig, überall mindestens unsicher. An einigen 
Universitäten hat der Unterrichtsminister unmittelbare Disciplinargewalt über 
die Privatdocenten , anderwärts üben sie die Fakultäten aus, und der Minister 



Betragen d. Tübinger Studier, während d. 16. Jh. 3. Aufl. Mit Illustr. v. G. A. Closs. Freibnrg i. B. u. Tabingen, Molir 
(P. Siebeck). 56 S. M. 2,00. — 142) R. v. Zimmermann, D. Wiener Univers. (1848-98): NFPr. N. 12226:7. — 143) Kerler, 
I). Statuten d. philos. Fiilcnltät d. Univers. Würzburg in ihrer frühest. Fassung. Würzburg, Stahel. 42 S. mit 2 Taf. M. 1,80. 
— 144) H. Haupt, D. alte Würzburger Burschenschaft 1817—1833. K. Beitr. z. Univers.-tiesoh. in d. Reaktionszeit, ebda. 4*. 
37 S. mit 4 Vollbildern. M. 2,00. — 145) R. Steiner, Hochschule u. öffentl. Leben: ML. 67, N. 51. - 146) O F. Klein, 
Univers. u. techn. Hochschule: Zeitschr. d. Ver. dtech. Ingenieure N. 39. — 147) Univers. u. techn. Hochschule: SchwäbKron. 
N. 240. — 148) W. Waldeyer, üeber Aufgaben u. Stellung unserer Univers, seit d. Nengründung d, Dtsch. Reichs. Rektorats- 
rede. B.. Hirschwald. 31 S. — 149) H. Schraidkunz, Univers.- Pädagogik : PaedStnd. 19, S. 49-61. — 150) E. Bern - 
heim, ü. Univers.-Untprr. u. Erfordernisse d. Gegenwiirt. B., Calvary. 70 S. M. 1,00. — 151) S, D. Disziplinarverliältnisse 



P. Stötzner, Geschichte des rnterrichts- und Erziehungswesens. I 7: 152-159 

kann nur die Einleitung- des Verfahrens bei der Fakultät veranlassen; jedenfalls ist 
zu wünschen, dass die Disciplinarverhältnisse der Privatdocenten gleich denen der 
Professoren geregelt werden. — Was die praktischen Hebungen auf der Universität 
betrifft, so werden namentlich hinsichtlich der Ausbildung der Lehrer an höheren 
Schulen beachtenswerte Anregungen von F r i e s^32-i53) ^^d Münch geg-eben. 
Diese, beiden um das höhere Schulwesen hochverdienten Männer sind damit beauftragt 
worden, an den Universitäten Halle und Berlin die Studenten in die Avifgaben des 
höheren Lehramtes einzuführen, also speciell über Gymnasialpädagogik zu lesen, wie 
das z. B. in Leipzig- schon längst g-eschieht. Die Antrittsvorlesungen der Taeiden Schul- 
männer zeigen uns, was sie zur pädag-ogischen Ausbildung der künftigen Oberlehrer 
für nötig" halten. F. verlangt, dass, wie bei den anderen Fakultäten, „schon auf 
der Universität, abgesehen von dem Studium der Hülfswissenschaften, einiges zur 
pädagog'ischen Vorbereitung geschehe, dass der künftige Lehrer hier wenigstens eine 
g-eordnete Uebersicht über die Geschichte der Pädag-ogik erhalte, dass ihm eine ge- 
wisse Einsicht in das Schulwesen vermittelt werde, und dass sich damit eine all- 
gemeine Orientierung über die Aufgaben des Berufes verbinde". Die bis jetzt in 
Preussen bestehende Vorbereitung zum Lehrerberuf, die in einem Seminarjahr zur 
„seminaristischen Schulung" und in dem darauf folg-enden Probejahr zur „freien, 
praktischen Erprobung" besteht, erfährt -nun durch diese Vorlesungen auf der 
Universität eine Ergänzung, indem man dort bereits versuchen will, „den 
künftigen Lehrer für die Aufgaben seines Berufs zu interessieren". — Münch^^*) geht 
von der Thatsache aus, dass Fachstudium und späterer Beruf beim höheren Lehrer 
sich mehr und mehr von einander entfernt haben, und dass es darum zur dringenden 
Notw^endigkeit geworden ist, die künftigen Lehrer schon auf der Universität auf die 
Bedeutung ihres Berufes aufmerksam zu machen, in ihnen frühzeitig das Interesse 
für die Erziehungswissenschaft zu wecken. Zu diesem Behufe verlangt M., dass 
„eine stete, möglichst lebendige Beziehung- der Belehrung zu der praktischen Wirk- 
lichkeit gerade des gegenwärtigen höheren Schulwesens" in diesen Vorlesungen sich 
finden solle. — Ziegler^^^) weist in der Einleitung zu seiner Vorlesung über 
das höhere Lehramt und seine Aufgaben ebenfalls auf die Notwendigkeit praktischer 
Einführung der Studenten in die Pädag-ogik hin und beklagt, dass an der reichs- 
ländischen Hochschule jede Gelegenheit dazu fehle. — Gegen R. Richter ^^^j wendet 
sich Vogt^^''), indem er an einem Universitätsseminar, wie das zu Leipzig es 
ist, zunächst das Fehlen einer Uebungsschule rügt; die wissenschaftliche Aus- 
bildung eines Lehrplanes könne nicht in den durch staatliche Vorschriften 
gebundenen Gymnasien, sondern nur in einer freien Uebungsschule erfolgen. 
J3emzufolge genügen auch die preussischen Gymnasialseminare den Anforder ung-en 
nicht. Dann wendet sich der Vf. auch gegen Wundts Ethik, worin kein Unterschied 
zwischen Erziehung und Bildung- gemacht werde, und damit die letztere zum Nachteil 
der ersteren in den Vordergrund trete. — Auch für die Lehrer an den Seminaren 
für Volksschullehrer wäre es gut, so meint ein anderer Fachmami^'^), wenn an 
den Universitäten etwas mehr Pädag-ogik getrieben würde, denn „in der Bildung- 
der Seminarlehrer fehlt leider ein wichtiger Bestandteil, der gerade für ihn ganz 
unentbehrlich ist: die Pädagogik'^. — Im Anschluss hieran sei auf eine Aeusserung 
von K n k e^^^) über das von ihm in Göttingen begründete Rektorenseminar, 
das sich eines starken Besuchs erfreut, aufmerksam gemacht. — 

Volks hochschüle. Im grossen und ganzen unterscheiden sich die deutschen 
Bestrebungen in der Volkshochschulsache wesentlich von den schon läng-er be- 
stehenden Volkshochschulen Skandinaviens, in Strassburg i. E. aber findet sich 
eine Einrichtung-, in der die dänische Volkshochschule mit Glück nachgeahmt 
worden ist. Diese Anstalt bietet jedermann Geleg-enheit, seine Schulkenntnisse zu 
erweitern, sie gewährt selbst Vorbereitung für den Universitätsbesuch. Um dies zu 
ermöglichen, hat man von einer Klasseneinteilung- abgesehen, so dass jeder ver- 
schiedene Unterrichtsstufen, z. B. Anfangsunterricht im Griechischen neben höherem 
Unterricht in Mathematik, besuchen kann. Die Abend-Fortbildungsschule, die von 
73/4— 10 Uhr geöffnet ist, setzt eine abgeschlossene Elementarbildung voraus; die 
Tagschule, die von 8—12 und 2 — (3 Uhr unterrichtet, verlangt die Kenntnisse eines 
Quartaners, bereitet für die Oberklassen höherer Lehranstalten, zu Freiwilligen-, 



d. Privatdocenten in Prenssen: AZg". N. 22. — 152) W. Fries, D. Aufgabe d. päd. Univers.-Unterr. : Lehrproben n. Lelirgänge 
Heft 56, S. 1-16. — 153) id., Plan zu e. Pflanzschule ffir Lehrer in d. Franckeschen Stift, ans d. J. 1830: ib. Heft 55, S. 1-14. 
— 154) W. Münch, Z. Einführung in d. Aufgaben d. höheren Lehramts für Studierende: ib. Heft 54, S. 81-45. — 155) Th. 
Ziegler, Einleit. zu e. Vorlesung über d. liöh. Lehramt u. seine Aufgaben: NJbbPh. 1, S. 289-94. — 156) (JBL. 1896 110:181.) — 
157)Th.Vogt, Päd. Vorbildung d. Kandidaten ffir d. höhere Schulamt: Jb. d. Ver. für wissensch. Paed. 29, S. 270 93. — 158) L. S., 
üeber d. Bildungsgang u. d. .Stell, d. Seminarlehrer. (= Beitrr. z. Lehrerbild. u. Lehrerfortbild. 5. Heft. M. 0,60.): PaedBIl. 
27, S. 131-50. |K. KnoVe: RhBlIEU. 72, S. 283/.5.JI —159,1 K, Knolie, D. päd. Kursus für Theologen un d. Univ. (iöttingen: 



1 7:160-169 P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung'swesens. 

Fähnrichs- und Abiturientenprüfungen vor. Das Schulgeld wird nach Stunden be- 
zahlt und beträgt für die Einzelstunde 20 — 24 Pf.^****) — In Jena hat sich, wie Berge- 
mann ^ß^) mitteilt, die Comenius-Zweig-Gesellschaft mit Nachdruck und Erfolg der 
Volkshochschul-Bewegung angenommen. Bereits im Winter 1896—97 konnten Vor- 
tragscyklen abgehalten werden, zu denen man Docenten der Universität gewonnen 
hatte. Die Kurse wurden gut besucht, so dass im Winter 1897 — 98 wieder 4 ein- 
gerichtet wurden, von denen jeder 6 Stunden umfasste. Es lasen Professor Detmer 
über seine Reisen in Brasilien, Professor Erhardt über Wesen und Aufgabe der 
Philosophie, Professor Gärtner über die grossen Volksseuchen, ihre Entstehung, Ge- 
schichte, geographische Verbreitung und Bekämpfung und Dr. Anton über Kolonien. 
-Jeder Teilnehmer zahlte für einen 6 stündigen Kurs 1 Mk., die Docenten erhielten 
für einen solchen 120 Mk. Daneben wurden in diesem Winter auch noch '2 volks- 
tümliche Sprachkurse abg'ehalten, ein französischer und eii: englischer, deren jeder 
24 Stunden umfasste. Es beteiligten sich daran 27 Personen gegen ein Honorar von 
6 Mk., doch wurden daneben noch 13 Freistellen vergeben, so dass in jedem Kurs 20 
Hörer sassen. Endlich wurden noch volkstümliche Unterhaltungsabende, bei denen 
ein Eintrittsgeld von 20 Pf. erhoben wurde, abgehalten. Die Programme dazu setzten 
sich aus musikalischen und deklamatorischen Darbietungen und lebenden Bildern 
zusammen. — In Berlin '^2) haben die Bemühungen einer Anzahl angesehener Uni- 
versitätslehrer, an der Hochschule volkstümliche Vorlesungen einzurichten, keinen 
Erfolg gehabt, es sind aber trotzdem für den Winter 1898—99 volkstümliche Hoch- 
schulkurse gesichert; es hatten sich zu Vorlesungen bereit erklärt Prof. Waldeyer 
(über das Knochengerüst und die Gelenke des Menschen), Prof. Schmoller (über die 
Handelspolitik der wichtigsten Kulturstaaten im 18. und 19. Jh.), Prof. Meyer (über 
Kunstdenkmäler Berlins), Prof. Heubner (über natürliche und künstliche Ernährung 
des Säuglings), Prof. Kahl (über die deutsche Reichsverfassung) und Prof. Wedding 
(über Eisenhüttenkunde). — Auf die Wichtigkeit der Volksbibliotheken und Lese- 
hallen in Bezug auf die Volkserziehung, Einrichtungen, die namentlich in Amerika 
in Blüte stehen, aber auch in Deutschland mehr und mehr autkommen und benutzt 
werden, weist Raab^^s^ hjjj^ und N ö r r en b e r g i^'') zeigt im einzelnen, welche 
Fortschritte in Deutschland diese Bestrebungen im J. 1897 gemacht haben. — 
Endlich sei noch auf einen orientierenden Aufsatz über Handelshochschulen 
aus der Feder Tillesi^ä) hingewiesen. — 

Akademien. Hauber'^^) macht den Versuch, auf aktenmässiger Grundlage 
ein Bild vom Unterrichtsbetrieb auf der Karlsschule zu gewinnen. Er zeigt, dass es 
ihrem Begründer, dem Herzog Karl von Württemberg, darauf ankam, Menschen von 
allgemeiner Bildung zu erziehen; nicht nur Verstandesbildung, sondern Herzens- und 
Charakterbildung, Aufklärung und Veredelung des Geistes war sein Ziel. Die Lehrer 
suchte der Herzog- nach der Lehrtüchtigkeit aus. Der Vf. verbreitet sich alsdann 
über die Ijchrpläne der Anstalt, die bei deren raschem Anwachsen, bei der Ent- 
wicklung- aus einer Elementar- und Realschule zur Hochschule innerhalb weniger 
Jahrzehnte oftmals gewechselt haben. — Eine eigenartige Stellung unter den höheren 
Schulen Württembergs nahm lange Zeit das Collegium illustre zu Tübingen ein, das 
seit der Mitte des 16. Jh. bis zu Ende des 18. Jh. bestanden hat. Es war eine von 
der Universität losgelöste Adelsakademie, wie E. S c h n ei d e r'^') darlegt, die 
namentlich der Erziehung junger Fürsten gedient hat. Neben den akademischen 
Studien, die die Insassen zeitweise auf der Universität betrieben, wurde in dem 
Collegium auch Unterricht in fremden Sprachen und in höfischer Sitte erteilt, so dass 
die jungen Leute hier die Dinge erlernen konnten, die man sich sonst nur auf 
Reisen anzueignen vermochte. — Im Anschhiss an „Francisci Philippi Florini oeco- 
nomus prudens et legalis continuatus oder: Grosser Herren-Standes und adelicher 
Hausvatter . . .". Nürnberg, Frankfurt und Leipzig 1719, schildert Don s b a ch'ßs) 
die im 17. Jh. gebräuchliche Adelserziehung von der Geburt an bis zum Jünglings- 
alter. — 

Geschichte einzelner Lehranstalten. Aus der Festschrift 'ß^), 
die zur 25 jährigen Jubelfeier des Realgymnasiums zu Alten bürg verfasst w^orden 
ist, sei zunächst die Abhandlung von Voretzsch genannt, die sich mit der 
Stätte dieser Anstalt beschäftigt ; sie zeigt uns, dass dieselbe bereits im 13. Jh. zum 
dortigen Franziskanerkloster gehörte, dass letzteres 1529 von der Stadt übernommen 



ib. 8. 224/5. — 160) D. Volkshochsch. in Strassburg: ZwicltauerTBi. N. 137. (Aus d. Deutschen Zeitung abgedr.) — 161) P. 
Bergemann, Bericht über d. Thätigkeit d. C.Z.G. Jena in d. Jahren 1896-98: ComeniusBll. 6, S. 85-91. — 162) Rundschan: 
ib. S. 22 u. 138. fVgl.N. 148.) — 163) K. Raab, D. Volksbibl. als e. Glied d. nationalen Erz.-Systems : AZg". N. 104. — 164) C. Nörren- 
berg, D. Böcherhallen-Bewegung im J. 1897 : ComeniusBll. für Volkserziehnng 6, S. 3.5-58. (Vgl. N. ,324.) — 165) A. Tille, Handels- 
hochschulen: AZg«. N. 14/5. — 166) G. Haub er, Z. Gesch. d. Karlsschule. Progr. Stuttgart. .58 S. |[.SchwäbKron. N. 240.|| - 167) E. 
Schneider, E. württemb. Adelsakaderaie: Hie gut Württemberg allewege S. 152-67. |[SchwäbKron. N. 12.|( — 168) K, Donsbaoh, 
Z. Gesch. d. Krz, d. Adels im 17. Jli. Progr. Prüm. 4". TS. — 169) J. Schneider, Festschr. •/.. 25gähr, Jubelfeier d. herz. Ernst- 



P. StÖtzner, (xeschichte des Unterrichts- und Erziehung'swesens. I 7:i70-i32 

und in diesem oder dem folgenden Jahre die 1522 g-eg-ründete städtische Latein- 
schule dorthin verlegt wurde. Aus der Lateinschule ist dann das Gymnasium hervor- 
gegangen, das 1800 ein anderes Heim bezogen hat, um der städtischen höheren 
Bürgerschule Platz zu machen; aus dieser ist dann 1873 eine Realschule, das gegen- 
wärtige Ernst-Realgymnasium entstanden, dessen Geschichte J. Schneider ver- 
fasst hat. Zum Realgymnasium wurde die Anstalt 1892 erhoben und hat als Lehr- 
plan den der Altonaer Reformschule eingeführt. — Das Friedrich Wilhelmsg'ymna- 
sium in Berlini^*') hat sein erstes Jh. zurückgelegt; es ist hervorgegangen aus 
der altberühmten Realschule Johann Julius Heckers: unter dem 3. Direktor derselben, 
Jakob Andreas Hecker, wurde bei der Feier des 50jährigen Bestehens dieser An- 
stalt das mit ihr verbundene Pädagogium zu einem Gymnasium erhoben. Unter der 
Direktion von Spilleke und Ferdinand Ranke blieben beide Schulen noch vereint, 
erst seit 1876 sind sie vollständig getrennt. — Für die Geschichte des Köllnischen 
Gymnasiums in Berlin unter Rektor Bake (1728 — 42) und Konrektor Daum ist 
ebenfalls der 1. Band von J ustis'''') Winckelmann-Biographie von Belang. ''2) — 
Rasmus'"*^) setzt seine Mitteilungen über das vereinigte alt- und neustädtische 
Gymnasium zu Brandenburg a. H. fort; auch diese Anstalt konnte 1897 das 
hundertjährige Jubiläum als Gymnasium feiern. — Ein Aufsatz von Hüff er *'''') 
über das Geburtsjahr H. Heines enthält mancherlei Interessantes aus der Geschichte 
des Gymnasiums zu Düsseldorf. — Die jetzige Realschule zu E b e r b a c h a. N. 
ist 1833 aus einer Privatanstalt hervorgegang-en, wie Seldner'^^) mitteilt. Sie 
hatte zuerst nur 2 Abteilungen, von 1845—52 drei Klassen mit fünfjährigem Kurs, 
dann bis 1874 dreijährigen Kurs; von da ab bis 1890 war es eine fünfklassige höhere 
Bürgerschule, die nach dem Lehrplan der Realgymnasien eingerichtet war, 1890 trat 
der Realschulplan ein, und 1896 endlich wurde eine 6klassige Realschule mit der 
Berechtigung zur Erteilung des Freiwilligenzeugnisses daraus. '^^~i'') — Detlefsen'"^) 
fährt in der Geschichte des Gymnasiums zu Glückstadt fort, indem er die Dar- 
stellung vom Rektorat Jungclaussens (1814— 37) zu Ende führt. Jungclaussen über- 
nahm ] 837 die Leitung' der Domschule zu Schleswig, die er bis 1 855 behielt ; er starb 
1860 zu Ottensen. — Eine Anzahl von Akten über das Gymnasium zu Haders- 
leben giebt Zerneck e ''••) heraus; sie stammen aus der Zeit von 1794—1802 und 
beziehen sich auf die Thätigkeit einer Kommission, die sich damit zu beschäftigen 
hatte, der in Verfall geratenen Gelehrtenschule zu neuer Blüte zu verhelfen. — Das 
mit einem Realprogymnasium verbimdene Gymnasium zu Hameln hat Michaelis 
1897 ein neues Gebäude bezogen; Dörries^^") beschreibt dasselbe sowie die Ein- 
weihungsfeierlichkeiten. — Die Geschichte des CoUegium Josephinum zu Hildes- 
heim während der Zeit von 1643 — 1773 hat in B a Ik e n h o IP^') ihren Dar- 
steller gefunden. Er giebt zunächst in der Einleitung einen Auszug aus dem Pro- 
gramm J. G. Müllers aus dem J. 1868, worin die früheren Schicksale dieser Jesuiten- 
schule geschildert waren. 1643 kehrten die Jesuiten nach fast zehnjährigem Exil in 
das Collegium zurück und brachten es rasch in Blüte: 1661 erhielt es eine philo- 
sophische Fakultät, zu der 1665 noch eine theologische kam. Der Unterricht war 
natürlich an die Ratio studiorum S. J. gebunden, er wurde vormittags von '/s^ 
bis 10 Uhr, nachmittags von '/22— 4 Uhr erteilt, ein Nachmittag war frei, wenn 
nicht ein Festtag in die Woche fiel. Vf. macht ferner Mitteilungen aus dem im 
J. 1745 verfassten Schulkalender und über den ITnterrichtsgang in den beiden 
Fakultäten, endlich auch über die zum Gymnasium und Collegium gehörigen Ge- 
bäude. — Dietsch^^^j fügt zu seiner Geschichte des Gymnasiums zu H o f als 
Schluss den Bericht über dessen 350jährige Jubelfeier und die von ihm bei dieser Ge- 
legenheit gehaltene Festrede hinzu, in welcher die innere Entwicklung des deutschen und 
insbesondere des Hof er Gymnasiums während der vergangenen 3^/2 Jhh. g-eschildert 
wird. — Eine Geschichte des seinen Namen von Thomas a Kempis führenden 
Gymnasium Thomaeum zu Kempen am Rhein hat Terwelp'^^) zu schreiben 
begonnen. In der Einleitung bespricht er die ältesten Lehranstalten dieser Stadt, 



Realgymn. zu Altenbnrg am 21. Apr. Altenbnrg, Schnnphase. 38, 19, 36, 23 S. Mit 5 Lichtdr. M. 3,00. — 170) E.Nau- 
tnann, Bericht über d. 100 jähr. Jubelfeier d. Anstalt. Progr. B., A. W. Hayns Erben. 4». 43 S. — 171) (=.; N. 135, S. 28-38.) — 
172) XA. Wienhold, D. ersten 25 J. d. Realgymn. zu Borna. Progr. Borna. 4". 20 S. — 173) Ed. R a s,m u s , Beitrr. z. 
Gesch. d. vereinigten Alt- u. Neustadt. Gymn. Brandenburg a. H. II. D. Gymn. (1797 — 1897). Progr. Brandeaburg a. II., 
Wiesike. 31 S. (Vgl. JBL. 1897 I 6:182.) - 174) H. Hüffer, Heine auf d. Lycenm u. Gymn. zu Düsseldorf: AZg«. N. 129. — 
175) K. Seidner, D. Grossh. höhere Bürgerschule, seit 1396 Realschule zu Eberbach am Neckar v. 1832—98. Progr. Eber- 
bach a. N., Ramann Nachf. 58 S. — 176) X A. Gronau, D. Gymn. u. d. Pott-Cowlesche Stiftung in Elbing. Progr. Elbing. 
4». 19 S. — 177) OXW. Wolper.D. Stadt. Realgymn. zu Frankenhansen am Kyffhäusor. Progr. Frankenhausen. 45 8. — 

178) D. Detlefsen, Gesch. d. kgl. Gymn. zu Gluckstadt 5. Glückstadt, Augnstin. 4«. 28 S. (Vgl. JBL. 1897 I 6:194.) - 

179) A. Zernecke, D. Hadersleboner Gelehrtenschule vor 100 Jahren. Progr. Hadersleben, W. L. Schütze. 4». 38 S. — 

180) D ö r r i e s , D. neue Gymn.-Gebäude u. d. Feier seiner Einweihung. Progr. Hameln, Nieraeyer. 4". 36 S. — 181) .T. 
Balkenholl. Gesch. d. Kollegium n. Gymn. Josephinnm zu Hildesheim. Progr. Hildesheim, Lax. 4*. 38 S. M. 1,00. -- 
182) K. Dietsch, Beitrr. ■/.. Gesch. d. Gymn. in Hof. 3, T. Prngr. Hof, Mintzelsche Buchdruckerei 34 S. (Vgl. JBL. 1897 l 



i 7:183-192 P. Stötzner, Geschichte des ünterriclits- und Erziehung'swesens. 

die er bis ins 14. Jh. zurückzuverfolgen vermag'. 1351 wird die Lateinschule zuerst 
erwähnt, als erster Rektor ist aus dem J. 1371 ein Theodericus in ag-ro bekannt. 
Der Vf. führt die Geschichte dieser Lateinschule bis ins 17, Jh. und veröffentlicht 
deren Schulordnung- aus dem J. 1622. Dann wendet er sich zur Geschichte des 
Gymnasiums, dessen Gründung- 1659 aus städtischen Mitteln erfolgte; die erste An- 
regung dazu gab der Stadtsekretär AegidiusgWilmius. Die Schule nahm bald zu, 
1661 erhielt sie bereits die 3. Klasse, und 1662 trat als erster Leiter (Regens) der 
seitherig-e Vikar Heinrich Reck in das Lehrerkollegium der jungen Schule ein, um 
bis 1684 an ihrer Spitze zu bleiben. — Ueber die Vorgeschichte des Progymnasiums 
zu Kempen in Posen macht Korne ck'^*) Mitteilungen aus den J. 1837—65. — 
Eine der ältesten und bedeutendsten Schulen des Jesuitenordens im 16. Jh. war die 
zu Köln; während der früheste bis jetzt bekannte Studienplan dieser Tjchranstalt 
der von 1563 war, ist es Duhr*^-'') gelungen, Pläne von 1557 sowie von J561— 62 
aufzufinden. Mit der Veröffentlichung derselben giebt Vf. eine nicht unwichtige 
Erg-änzung zu Pachtlers Geschichte des Schulwesens der Jesuiten in den MGP. 

— Für die 200jährige Jubelfeier des Königlichen Friedrichs - Kollegiums zu 
Königsberg i. Pr. hatte sich Z i p p e 1 *^^) die Aufgrabe gestellt, eine ausführ- 
liche Geschichte dieses Gymnasiums zu schreiben. Leider ist der Vf. an der 
Vollendung' seines Werkes durch plötzlichen Tod gehindert worden, so dass nun die 
Geschichte vom Gründungsjahr 1698 an nur bis zum J. 1852 fortgeführt ist. Das 
Collegium Fridericianum ist eine Stiftung des kurfürstlichen Holzkämmerers Theodor 
Gehr, eines eifrigen Pietisten, und so kam es, dass seine Schule eine Pflanzstätte 
des Pietismus wurde, und dass sie im Laufe der Zeiten an den Kämpfen und Er- 
rung'enschaften dieser Geistesrichtung- beteiligt war, schliesslich aber auch unter dem 
Niedergang derselben mitzuleiden hatte. Unter der Herrschaft der Aufklärung trat 
der vorwiegend theologische Charakter, den die Schule bis dahin gehabt hatte, zurück, 
und unter F. A. Gotthold, der sie von 1810—52 leitete, erlangte sie den Ruhm, 
ein gutes humanistisches Gymnasium zu sein. — Eine Ergänzung' !in Zippeis Schrift 
bildet das Verzeichnis der Lehrer und Abiturienten des Friedrich-Kolleg-s von 1698 
bis 1898, das den derzeitigen Direktor desselben, E 1 1 e n d t '^''), zum Vf. hat. 

— Einen Beitrag- zur Geschichte der Schulen und Universitäten Wittenbergs und 
Leipzigs während der zweiten Hälfte des 18. Jh. enthält Zimmers'^^) Ab- 
handlung über Friedrich Küchelbecker (1776—1814). Der letztere hat nämlich eine 
poetische Schilderung seines Lebens „auf Schulen und Universitäten bis Johannis 
1801" im J. 1802 drucken lassen, woraus nun Z. einige Stücke mitteilt; sie beziehen 
sich auf das Wittenberger Gymnasium, die Leipziger Thomasschule und die Universi- 
tät zu Wittenberg-. In einer stattlichen Reihe von Anmerkungen hat der Vf. eine 
Fülle gelehrten und erklärenden Materials hinzugefügt. — Ueber das Gymnasium 
zu L i s s a zur Zeit des Comenius handelt Ball ^^^). Comenius hat an dieser 
Schule, die um 1555 gegründet worden ist, in der Zeit von 1628—41 gewirkt, und 
zwar erst als Lehrer, dann (vermutlich seit 1636) als Rektor; hier sind zuerst seine 
Lehrbücher für den lateinischen Sprachunterricht, die Janua und das Vestibulum, 
erprobt worden, bevor sie ihren Sieg-eslauf durch die Schulen antraten; bei seinem 
zweiten Aufenthalte in Lissa (1648 — 50) lehrte er zwar nicht an der Schule, stand 
ihr aber so nahe, „als wäre er noch Lehrer oder Rektor" derselben; damals erschien 
seine Methodus linguarum novissima. Ueber das Verhältnis des Comenius zur 
Schule während seines dritten Aufenthalts in Lissa (1654—56) ist nichts bekannt. 

— Für das Pädagogium beim Kloster Unser Lieben Frauen zu Magdeburg gilt 
1698 als Gründvmgsjahr. HerteP'"') verfasste zur Feier dieses Jubiläums einen 
kurzen Rückblick auf die Entwicklung des Klosters, und Urban^öi) ein Ver- 
zeichnis der Abiturienten des Klosters von 1780—1897. — Wie das Revolutionsjahr 
1848 auch dazu Anlass bot, dass gegen die Verpflegung und Behandlung der Schülei 
zu St. Afra in Meissen allerlei Beschwerden erhoben und zum Teil auch berück- 
sichtigt wurden, erzählt Schwabe i-'^j nach den Akten der Meissener Fürsten- 
schule. — Montabaur hat schon vor 1740 eine höhere Schule besessen; von 1806 
an diente dieselbe dem Fürstentum Weilburg-Nassau als Hauptlandesschule, ward 
aber 1817 aufgelöst, nachdem die nassauischen Länder 1816 unter Herzog Wilhelm 



ß: 203/4.) — 183) G. Terwelp, Gesch. d. Gymn. Thomaenm zu Kempen (Rh.). 1. T. Progr. Kempen (Rhein), A. Wefersohe 
DrncVerei. .54 S. — 184) G. Korneclt, Gesch. d. höheren UnternchtBanetalt zu Kempen in Posen 1. Progr. Kempen. 4". 
15 8. — 185) B. Dnhr, D. ältesten Studienpläne d. Jesnitengymn. in Köln: MGESchG. 8, S. 130-46. — 186) G. Zippel, 
Gesch. d. Icönigl. Friedrichs-Gymn. zu Königsberg i. Pr. 1698 — 1898. Königsberg, Koch. 258 S. M. 3,00. - 187) Ö. Ellendt, 
Lehrer u. Abiturienten d. königl. Friedrichs-Kollegiums zu Königsberg i. Pr. 1698—1898. ebda. 04 S. M. 1,00. — 188) H. 
Zimmer, Friedrich Küchelbeoker. E. Beitr. z. Stndiengesoh. Wittenbergs n. Leipzigs im 18. Jh.: MGESchG. 8, S. 46-82. (Vgl. 
N. 122.) — 189) H. Ball, D. Gymn. zu Lissa unter Mitwirk. u. Leit. d. Comenius: MhComeniusG. 7, S. 67-115. — 190) 
G. Hertel, ROckblick auf d. Kntwickl. d. Klosters unser Lieben Frauen. Progr. Magdeburg, E. Baensch jnn. 4*. 5 S. — 
191) K. ürban, Verzeichnis d. Abituripnten d. Klosters 1780-1897. Progr. ebda. 4". 71 S. — 192) E.Schwabe, D. 



P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehmigswesens. I 7 : 193-202 

vereinigt worden waren. Erst 1840 bekam die Stadt wieder eine Realschule, aus 
der dann unter preussischer Regierung- 1868 ein Progymnasium und 1871 ein Gym- 
nasium wurde^''^-) _ Nachdem J. Frey'"-*) bereits im vergangenen Jahre einen 
Ueberblick über die 11 hundertjährige Geschichte des Paulinischen Gymnasiums zu 
Münster veröffentlicht hatte, ist im Berichtsjahre eine umfang- und inhaltsreiche 
Festschrift '"^) zur Feier der Einweihung des neuen Gymnasialgebäudes von eben- 
demselben im Verein mit anderen Lehrern der Anstalt herausgegeben worden. Sämt- 
liche darin enthaltenen Arbeiten stehen, wie die folgende Inhaltsangabe zeigt, in 
engster Beziehung zur Geschichte des Gymnasium Paulinum: 1. Zur Geschichte der 
Münsterschen Domschule in der Blütezeit des Humanismus. Von D. Reich- 
ling. 2. Der Einüuss der Münsterschen üomschule auf die Ausbreitung des 
Humanismus. Von Oberlehrer A. Egen. 3. Aus den Censurenlisten des Gym- 
nasiums 1636—47, Von Oberlehrer Fr. Zurbonsen. 4. Der erste Entwurf der 
Fürstenbergschen Schulordnung. Aus einer bisher unbeachteten Hs. ver- 
öffentlicht von Oberlehrer A. K a h 1 e. 5. ,, Pädagogen" und „Präceptoren" am 
Gymnasium zu Münster. Von Oberlehrer H. T e b b e. 6. Die am Paulinischen 
Gymnasium seit dem Ausgange des Mittelalters gebrauchten Lehrbücher der 
lateinischen Sprache. Von Direktor J. Frey. 7. Appendices: A. Ratio studiorum 
scholae Monasteriensis saeculi XVI (1551); B. Leges scholae Monasteriensis (1574). 
— Beyer*''*^) hat das Verzeichnis der Schüler, welche das Hedwigs-Gymnasium 
zu Neustettin im 1. Jh. seines Bestehens (1640 — 1740) besucht haben, nun fertig- 
gestellt.'»^) — Zu dem Pförtner-Stammbuch 1543—1893 lässt M. H o f f m an n'»») 
jetzt einen 2. Nachtrag (der erste erschien J894) folgen; er eröffnet denselben mit dem 
ältesten jetzt bekannten Schülerverzeichnis der Landesschule Pforta, das vermutlich 
dem J. 1544 entstammt und 37 Namen zählt. — Job. Müller'»") behandelt die 
Geschichte der Provinzialschule zu Saal fei d in Ostpreussen auf Grund urkund- 
lichen Materials. Demnach ist diese Schule 1587 gestiftet und mit 30 Knaben er- 
öffnet worden. Bei einer Revision im J. 1594 waren 47 Schüler vorhanden, die in 
4 Klassen — für Prima waren gerade keine Schüler da — unterrichtet wurden. 1599 
erhielt die Anstalt den Titel „Fürstenschule"; sie hat sich nie besonderer Blüte er- 
freut, wohl nie über 70 Schüler gehabt. In den ersten Jahren des 19. Jh. ging die 
Schule ein, der es zuletzt an allem fehlte. An ihrer Stelle wurde eine Stadtschule 
eingerichtet. — Nochmals müssen wir auf Justi^oo) hinweisen, da der 1. Band 
seines Winckelmann • auch für die Geschichte der Gymnasien zu Salzwedel, 
See hausen und Stendal interessante Beiträge liefert. In Salzwedel ist es 
Rektor Scholle (f 1752), der besondere Berücksichtigung findet, in Seehausen war 
Winckelmann von 1743 — 48 Konrektor: seine Thätigkeit in dieser Stellung, sowie der 
damalige Zustand des dortigen Gymnasiums sind im Eingange des vierten Kapitels 
vom 1. Buche geschildert. In Stendal endlich bezieht sich J.s Darstellung ganz be- 
sonders auf die Person und Thätigkeit des Rektors Tappert (f 1738). — Das Gym- 
nasium zu Straubing hat in W e i s s enb e r g e r^o') seinen Historiker ge- 
funden. W. hat sich bemüht, die Geschichte der Straubinger Lateinschule möglichst 
weit nach rückwärts zu verfolgen, und es ist ihm gelungen, schon aus einer Urkunde 
des J. 1029 das Vorhandensein einer Schule nachzuweisen. Freilich sind die Nach- 
richten, die sich auf die Zeit vor 1 600 beziehen, ziemlich sporadisch, es verdient aber 
doch Anerkennung, dass der Vf. sich bemüht hat, alles zusammenzustellen, was über 
die älteste Geschichte des Gymnasiums zu finden war. Erst von 1632 an kann von 
einer zusammenhängenden Geschichte die Rede sein; damals übernahm ein Jesuiten- 
kollegium die Leitung der Schule. Nach x\ufhebung des Ordens durften die Ordens- 
mitglieder, die an der Schule thätig waren, im Amte verbleiben, später übernahmen 
jedoch Benediktiner die Anstalt, und 1804 wurde ein kurfürstliches (später König- 
liches) Gymnasium daraus. Neben der äusseren Geschichte bringt Vf. auch die 
innere Entwicklung des Gymnasiums zur Darstellung und berücksichtigt dabei be- 
ständig das gesamte Gymnasialwesen Bayerns, so dass wir in seiner Arbeit einen 
wertvollen Beitrag zur Geschichte des höheren Schulwesens in Bayern überhaupt 
erblicken dürfen. — Der 25. Jahresbericht ^''^^ der Staats-Oberrealschule zuTeschen 
hat sich zu einer inhaltsreichen Festschrift gestaltet, die durch den von J e n k n e r 
verfassten Prolog bei der Schulfeier des 25jälirigen Bestehens eingeleitet wird. Es 



Ffirstenschule zu St. Afra n. d. Jahr 1848: NJbbPh. 1, S. 401-U. — 193) J. Wähle, D. ersten 25 Jahre d. Kaiser Wilhelms- 
Qymn. zu Montabaur. Montabaur, Sauerbotn. 4». 30 S. — 194) (JBL. 1897 I 6 : 214.) — 195) Festschr. z. Feier d. Einweihung 
d. neuen Gymn.-Gebäudes am 27. Apr. Münster i. W., Aschendorff. IV, 149 S. — 196) Th. Beyer, D. ältesten Schulen 
d. Neustettiner Qymn. (bis 1740). Teil lY. Pro«rr. Neustettin, Hertzberg. 4». 58 S. — 197) OX 0. Schneider, Beitrr. 
z. Gesch. d. höheren BQrgerschule u. Grossherzogl. Realschule zu Oppenheim am Rhein. Progr. Oppenheim. 4". 16 S. — 
198) M. Hoff mann, Z. Pförtner-Stammbuch 1543—1893. Progr. Pforta. 24 9. — 199) Joh. Müller, Z. Gesch. 
d. ProTinzialschule in Ostpreussen. Saalfeld. Progr. Osterode, Ostpreussen, Albrecht. 30 S. — 200) (= N. 135, S. 18-27,39-40, 
108ff..) — 201) B. Weissenberger, Gesch. d. K. humanistlsclien Gymn. Straubing. Progr. Straubing, Attenkofer. 66 ä. — 202) 
Jahresbericht« f&r neuere deutsche Litteratnrgesohichte. IX. (1)3 



1 7:203-212 P. Stötzner, Geschichte des rinterrichts- und Erziehung-swesenS. 

folg't dann aus der Feder J a n u s c h k e s ein Ueberblick über die Entwicklung- 
des Realschulwesens und von Klatowsky ein Rückblick auf die Geschichte der 
Anstalt, der durch zahlreiche Tabellen illustriert wird. — Die Geschichte des Gym- 
nasiums zu Weilburg von 1540—1817 hat Heymach^osj geschrieben; die- 
selbe weiterzuführen war unnötig, weil bereits 1890 eine Geschichte des Gymnasiums 
von 1817 an erschienen ist. Die erste Periode dieser Schule reicht von 1540, wo 
Syringus (Pfeifer), ein Schüler Melanchthons, an ihre Spitze trat, bis in die Zeit 
des 30jährigen Krieges, in der sie gänzlich in Verfall geriet. Erst gegen Ende des 
Krieges eröffnete man eine Elementarklasse und baute allmählich eine Lateinschule 
darauf, die unter Schlosser (f 1714) und Gramer (Rektor bis 1760) kräftig gedieh 
und dann unter Ostertag und Schellenberg auf der erreichten Höhe blieb. — 
We n ige r ^'^'*) setzt seine Veröffentlichungen der Weimarischen Schulordnungen 
fort und druckt diesmal die von 1610 ab, die an Stelle der 1562 eingeführten trat, 
aber nur 8 Jahre in Geltung gestanden hat, da dann der von Kromayer auf Grund 
Ratichianischer Ideen verfasste „Neue Methodus" seine Stelle einnahm. Urheber der 
Schulordnung von 1610 ist jedenfalls der Generalsuperintendent Abraham. Lange 
gewesen. Die Verfassung, die darin der Schule gegeben wurde, hat sich 2 Jhh. ge- 
halten, sie ist das Beste an der Schulordnung, die im übrigen nichts Hervorragendes 
bietet. Ferner teilt Vf. die Schulordnung von 1670 mit, die vom Generalsuper- 
intendenten Zapf herrührt; es ist die erste Weimarische Schulordnung" in deutscher 
Sprache. Sie steht in gewissem Gegensatze zu der von Ratichianischen Grundsätzen 
erfüllten Ordnung Kromayers und hat bis 1712 Geltung gehabt. — Als Einleitung* 
zu seiner Geschichte der Gymnasialbibliothek zu Z w e i b r ü c k e n giebt B u 1 1 - 
mann 205) einen Abriss der Geschichte des Gymnasiums. Dasselbe ist 1559 in Horn- 
bach aus dem Vermögen verschiedener geistlicher Stiftung-en g-egründet worden. 
1631 verlor es infolge des Restitutionsediktes seinen Wohnsitz samt Vermögen und 
wurde nach Zweibrücken verlegt. Die Kriegsunruhen machten diese neue Schöpfung- 
zu nichte, und 1641 wurde sie in Meisenheim wieder errichtet, kehrte aber 1652 nach 
Zweibrücken zurück; in den J. 1676 — 1706 befand sich die Anstalt abermals in 
Meisenheim, um dann dauernd in Zweibrücken ihre Heimat zu finden. — Das 
Gründungsjahr des Gymnasiums zu Zwickau i. S. ist nicht bekannt, die Schule 
stand bereits am Ausgange des 15. Jh. in hoher Blüte; in das Grundstück, das es 
heute noch benutzt, ist das Gymnasium am 10. April 1548 eingezogen. Jenes war vorher 
Eigentum des reichen Klosters Grünhain im Erzgebirge gewesen und führte daher 
den Namen ,,Grünhainer Hof. lieber die Verhandlungen bei der Uebergabe 
desselben an die Schule berichtet Fabian ^"ß) das Nähere. — 

Schulwesen einzelner Länder und Städte. Wir beginnen 
diesen Abschnitt mit der Hervorhebung einer äusserst fleissigen und vielseitigen 
tabellarischen Zusammenstellung der in den g-rösseren Städten Deutschlands und 
der Schweiz bestehenden Hülfsschulen, die von Win t e r m a n n^"") herrührt. 
Erst in neuerer Zeit hat man sich entschlossen, diese segensreiche Einrichtung in 
grösserem Massstabe zu treffen, damit den geistig- zurückgebliebenen Kindern, die 
bislang mit nur geringem Nutzen für sich selbst und zum Schaden des Ganzen die 
Volksschulklassen belästigten, ein ihren Fähigkeiten angemessener Unterricht, viel- 
fach auch Beköstigung und Beschäftigung ausser der Schulzeit zu Teil werde. In 
Deutschland giebt es jetzt in 56 Städten • — Berlin und München sind nicht darunter 
— Hülfsschulen beziehungsweise Hülfskiassen für schwachbefähig^te Kinder, in denen 
4281 Kinder Unterricht geniessen; in der Schweiz sind 7 Städte mit solchen Schulen 
versehen, ferner sind noch Wien, Rotterdam und Christiania in die Tabelle aufgenommen, 
von denen namentlich die letztgenannte Stadt in ausgiebigster Weise für die geistig- 
zurückgebliebenen Kinder sorgt. — Die Geschichte des Volksschulwesens im Gross- 
herzogtum Baden ist unter Leitung von H e y d ^os) rüstig fortgeschritten. 209) — 
Auf die Thätigkeit der Franziskaner für das Schul- und Erziehungswesen in 
Bayern weist Minges^iOj hin. — Für die „Erziehung der bayerischen Landes- 
töchter in Wissenschaft und Gottesfurcht" sind seit 1667 die Schwestern des Ordens 
der Salesianerinnen^ii) thätig gewesen; gegenwärtig wirken sie in vier Klöstern des 



26. JB. a. K. K. Staats - Oberrealschnle in Teschen. Teschen, Prochaska. 160 S. — 203) F. Heymach, Gesch. 
d. Weilbnrger Gymn. 1540—1817. Progr. Weilhurg, Gramer. 53 S. — 204) L. Weniger, Weiniarische Schulordnung v. 1610 
n. 1670: MQESchG. 8. S. 1-45, 334-67. (Vgl. JBL. 1897 I 6:226.) — 205) R. Butt mann, Gesch. d. Gymn.-Bibl. zu Zwei- 
brücken. Progr. Zweibrücken, Kranzbühler. 54 S. — 206) E. Fabian, D. Uebersiedelung d. Zwickaner Schule in d. GrOn- 
hainer Hof. Zwickau, ZQckler. 4°. 6 S. — 207) A. Wintermann, D. Hülfsschulen Deutschlands u. d. Schweiz nebst e. 
Anhang betr. d. Hülfsschulen in Rotterdam, Wien u. Christiania. (=: Beitrr. z. Kinderforsch. 3.) Langensalza, H. Beyer £ Söhne. 
M. 1,25. — 208) H. Heyd, Gesch. d. Entwickl. d. Volksschulwesens in Baden, Lfg. 10/3. Bühl, Konkordia. ä M. 1,00. (Vgl. 
JBL. 1897 I 6 : 246.) — 209) O X A. Joos, D. Mittelschulen im Qrossherzogt. Baden. 2. Aufl. Karlsrahe u. Tauber- 
bischofsheim, J. Lang. 535 S. M. 7,00. UHumanist. Gymn. 9, S. 100/1.]| — 210) P. Mlnges, Franziskaner in Bayern: MQESchG. 
8 S. 127/9. — 211) Kurzar Auszug d. Erz.- u. Unterr.-Gesch. d. Salesianerinnen in Bayern: ib. S. 207-10. — 212) O X D- 



P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. I 7 -.zis-üi 

Landes an der Erziehung- der Töchter höherer Stände mif^^^) — Ueber die g-ross- 
artig-e Entwicklung des Berliner Schulwesens in den letzten 50 Jahren teilt 
Jona s^*^) Interessantes mit. Demnach hatte Berlin 1848 an öffentlichen höheren 
Schulen 3 königliche und 3 städtische Gymnasien, die Königliche Realschule, 
3 städtische höhere Schulen und die städtische Gewerbeschule, daneben 2 städtische 
Mittelschulen für Knaben und 3 höhere Mädchenschulen. Jetzt giebt es an städtischen 
Schulen: 11 Gymnasien, 7 Realg-ymnasien, 2 Oberrealschulen, 12 Realschulen, 
6 höhere Mädchenschulen; an nichtstädtischen Schulen: 6 Gymnasien, 1 Realgynasium, 
2 höhere Mädchenschulen. An Volksschulen gab es 1848 nur 14 Kommunalschulen, 
und daneben zahlreiche Privatelementarschulen — die Kinder besserer Stände be- 
suchten die Vorschulen der höheren Lehranstalten, wie das auch jetzt noch meist 
der Fall ist — , heutzutage zählt Berlin 223 Gemeindeschulen. — Ein grösseres Werk 
für örtliche Schulg-eschichte plant Haag^i*)^ der eine Reihe von Bänden zur 
Schul- und Kulturgeschichte von Bern erscheinen lassen will. Es liegt zunächst 
die 1. Hälfte des 1. Bandes vor, die zwei historisch kritische Untersuchung-en 
enthält: der einen über Pestalozzi ist schon oben gedacht worden, die andere, 
von zahlreichen Beilag-en begleitete giebt eine Vorgeschichte des politischen Institutes 
in Bern, der dann in der 2. Hälfte dieses Bandes die eigentliche Geschichte 
dieser Erziehungsanstalt „für die politische Jugend von Bern, vom 14. bis zum 
18. Jahre" folgen soll. Sie steht in engster Beziehung zu Ph. A. Stapfer, der 
an dieser Anstalt selbst unterrichtete, und so kommt es, dass der Vf. in seiner Vor- 
geschichte des politischen Institutes eine Anzahl von Berichtigungen und Ergänzungen 
zu Stapfers Biographie von Rudolf Luginbühl eingefügt hat. — Zu den auch das 
Schulwesen betreffenden Mitteilungen aus dem Ratsarchive zu Borna liefert 
Wenck^JS) jetzt die Urkunden in wortgetreuem Abdruck. — Zur Geschichte 
des Breslau er Schulwesens in der ersten Hälfte des 16. Jh. veröffentlicht 
Bauch^^^) eine Anzahl von Dokumenten; er beabsichtigt mit dieser Zusammen- 
stellung recht verschiedenartiger Aktenstücke die Grundlinien zu entwerfen, 
innerhalb deren eine Neubearbeitung der ältesten Breslauer Schulgeschichte 
sich etwa zu bewegen haben wird. — Gelegentlich der Orientreise unseres 
Kaiserpaares ist die allgemeine Aufmerksamkeit auch der deutschen Schule in 
C o n s t an tin p e pi') zugewendet worden. Die Anfänge deutschen Schulwesens 
in der türkischen Hauptstadt gehen bis zum J. 1861 zurück, eine eigentliche deutsche 
Schule aber wurde erst 1868 mit 2 Lehrern und 23 Schülern eröffnet. Bedeutende 
Mittel sind für die Schulzwecke im Orient gespendet worden ; Kaiser Wilhelm I. hat 
allein 90000 M. dafür gegeben. Jetzt hat die Schule ein stattliches Gebäude in Pera 
erhalten und führt den Titel „Höhere Bürgerschule für Knaben und Mädchen"; sie 
hat 3 Vorschul-, 6 Realschul- und 4 Mädchenklassen, in denen 15 Lehrkräfte 
wirken, und ist die erste Schule im Auslande, die befugt ist, das Zeugnis zum ein- 
jährig-freiwilligen Heeresdienste zu erteilen. — - Der 1537 begründete Orden der 
Ursuiinerinnen hat als viertes Gelübde das der weiblichen Jugenderziehung; nach 
Deutschland ist er aus diesem Grunde durch den Erzbischof von Mainz, Johann Philipp, 
1660 gebracht worden, und 1667 Hessen sich auch in Erfurt 5 Ursuiinerinnen 
nieder, um dort alsbald ein Mädchenpensionat sowie eine Elementarschule und eine 
höhere Mädchenschule zu begründen. Die letztere besteht jetzt noch als lOklassige 
Anstalt, den Unterricht erteilen staatlich geprüfte Ursuiinerinnen ; nur der Religions- 
unterricht wird von einem geistlichen Rektor erteilt, wie S c h au e r t e^i») be- 
richtet. 2i9) — Im Anschluss an H e r r m a nns^^O) Buch über die Reception des 
Humanismus in Nürnberg zeigt G. E.221), dass zwar schon um die Mitte des 
15. Jh. Gregor Heiraburg dort fiir die Ausbreitung des Humanismus thätig war, 
dass aber die massgebenden Kreise in der Stadt der neuen "Geistesrichtung durchaus 
nicht geneigt waren, sondern sich zunächst ablehnend verhielten, später aber die neue 
Bildung für sich als ein Standesvorrecht in Anspruch nahmen. — Aus der Geschichte 
des Schulwesens in Oscher sieben stellt D i e b w 222) das wenige zusammen, 
das über die früheren Verhältnisse berichtet wird. Bis 1590 hatte man sich dort mit 



Ilanptergebn. d. tJnterr.-Statistik im Königr. Bayern fflr d. Schnljalir 1896. München, Lindauer. 4». 18 S. M. 0,50. — 213) 
Fr. Jonas, D. Schule u. inshesondere d. Berliner öffentl. Schulwesen in d. letzten 50 Jahren: Festschr. z. Feier d. 50jähr- 
Bestehens d. Korporation d. Berliner Buchhändler S. 1-20. — 214) F. Haag, Beitrr. z. Bernischen Schul- u. Kultargesch 
1. Bd. (1. Hälfte.) Bern, Neutomm & Zimmermann. VI, 264 S., 1 Ahbild. M. 4,00. (Vgl. N. 31.) - 215) A. Wenck, D. Rats- 
archiv zu Borna bis 1600. 2. T.Urkunden. Progr. Borna, A. Reiche. 4». 43S. (Vgl.JBL. 1897 I 6 : 247.) — 216) G- Bauch, Akten- 
stücke z. Gesch. d. Breslauer Schulwesens im 16. Jh. Progr. Breslau, Gross, Barth & Comp. 48 S. — 217) H; G., D. dtsch. 
Schule in Constantinopel: AZgU. N. 257. — 218) F. Schauerte, D. Klosterschnlen d. Ursuiinerinnen in Erfurt t. 1667 bis z. 
Qegenw.: MGESchG. 8, 198-202. — 219) O X M. Zesch, D. gesch. Entwickl. d. Leisniger Stadtschulwesens bis z. Wende d. 
16. Jh. Diss. L., Grnmbach. 108 S. — 220) O X M. Herrmann, D. Reception d. Humanismus in Nürnberg. B., Weidmann. 
VII, 119 S. M. 2.80. — 221) G. E,, D. Anfänge d. Hnmunisrntis in Nürnberg: AZg»'. N. 275. — 222) P. Diebow, Z. Gesch. 

(1)9- 



1 7:223-282 P. Stötziner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungsweöens. 

einem Lehrer begnüg"t, danach kam ein zweiter als Kantor hinzu und 1660 ein dritter, 
der ,,Subkonrektor". Im Anfang" des 18. Jh. hob sich die Schule sehr, ging aber 
bald wieder zurück. In dem Lehrplan von 1783 sind die alten Sprachen ganz be- 
seitigt und dafür Französisch eing-esetzt; und so ist es geblieben. Um die Mitte dieses 
Jh. besass Oschersleben eine 2klassige Freischule, eine 4klassig'e Mädchenbürger- 
schnle und eine 4klassige Knabenbürgerschule. Die letztere Anstalt entwickelt sich 
jetzt nach mancherlei Wandlungen zur 6klassigen Realschule. — Das goldene 
Reg-ierungsjubiläum Kaiser Franz Josefs I. hat den Anlass zu der von Frank^^s^ 
verfassten Darstellung- des österreichischen Volksschulwesens in der Zeit 
von 1848 — 98 gegeben. Der Vf. bietet zunächst einen Ueberblick über die 
historische Entwicklung desselben und gliedert diese in 2 Hauptabschnitte: 
der erste reicht von 1848—69, d. h. von der Begründung eines Unterrichts- 
ministeriums bis zur Vorbereitung eines Schulgesetzes; mit der Einführung 
dieses neuen Reichsvolksschulgesetzes am 14. Mai 1869 beginnt der 2. Abschnitt. 
Neben der historischen Betrachtung- her läuft eine systematische Darstellung des ge- 
sammten österreichischen Volksschulwesens. — Auch L i p p er t''^24j rühmt den 
g-ewaltigen Fortschritt im österreichischen Volksbildungswesen unter Franz Josefs 
Reg-ienmg; er weist namentlich auf die Verbesserungen im höheren Schulwesen, die 
Neugestaltung des Gymnasiums durch Bonitz, die Gründung- von Realschulen und 
Fachschulen usw. hin. — Für das österreichische Schulwesen des 17. und nament- 
lich des 18. Jh. ist der 1617 als „Congregatio Paulina Pauperum Matris Dei Scolarum 
Piarum" begründete Piaristenorden von höchster Bedeutung gewesen. Wie der Orden 
selbst stets darauf bedacht gewesen ist, seine Angehörigen zu tüchtigen Lehrern, be- 
sonders auch für höhere Lehranstalten, auszubilden, zeigt E n d 1 225) an der Hand 
einiger Studienordnungen. — Zu den oben mitgeteilten Lobschriften über Oesterreichs 
Schulwesen stimmen schlecht die „Jammerbilder" österreichischer Schulzustände, die 
ein katholischer Priester, Stauracz 226-229-)^ yq^ einem extrem ultramontanen 
Standpunkte aus entwirft. Er ist seiner Zeit schon als wütender Gegner von Dittes 
hervorg-etreten, und wie damals erntet er auch jetzt bei der gesamten klerikalen 
Presse vollsten Beifall. — Auf ähnlichem Standpunkte befindet sich Baum- 
g a r t n e r 23») in seiner mit Leo des Dreizehnten Bildnis geschmückten Schrift wider 
den niederösterreichischen Landesschulrat. — Eine ganz vortreffliche Uebersicht 
über den gegenwärtigen Zustand der österreichischen Gymnasien hat 
Frantz23i) geliefert. In knapper, klarer Darstellung werden Organisation, 
Leitung, Lehrer, Lehrziele und Lehrplan, Gehalt- und Pensionsverhältnisse usw. be- 
handelt, im Anhang findet sich auch einiges über die Gymnasien Ungarns. Dabei 
versteht es der Vf., überall die Vorteile bezw. Nachteile der österreichischen Ein- 
richtungen hervorzuheben, und lässt es an Vergleichung mit den preussischen Ver- 
hältnissen nicht fehlen. — Das von der Unterrichtsverwaltung in Preussen ver- 
öffentlichte statistische Material ist von T e w s232^ zu einer Studie über die Entwicklung 
des preussischen Volksschulwesens in der Zeit von 1886—96 benutzt worden. Die Zahl 
der schulpflichtigen Kinder ist in diesem Jahrzehnt um mehr als ^/s Million g-estiegen ; 
1896 betrug sie 5236826. Die Zahl der Schulen ist von 34016 auf 36 138, die der 
Lehrkräfte von 64 750 auf 79 431 gekommen, wobei aber noch lange nicht für jede 
Klasse eine Lehrkraft vorhanden ist, da die obengenannte Kinderzahl sich auf 
92001 Klassen verteilte; dabei sind immer noch 17165 Schulklassen als stark über- 
füllt zu bezeichnen, wenn auch hierin seit 1886 Besserung eingetreten ist. Erfreulich 
ist, dass sich die einklassigen Schulen stetig vermindert, dagegen die mehrklassigen, 
also reicher organisierten Schulen entsprechend vermehrt haben, namentlich die 
7klassigen Schulen haben sich mehr als verdoppelt; auch die Trennung der Ge- 
schlechter ist weiter fortgeschritten. Die Zahl der Lehrerinnen hat sehr zugenommen, 
die sociale Stellung der Lehrer sich gehoben, da die Trennung der kirchlichen und 
der Schulämter sich weiter entwickelt hat, andererseits ist der Vorteil der Dienst- 
wohnungen vielfach in Wegfall gekommen. Endlich die Gesamtkosten für das 
Volksschulwesen sind in diesen 10 Jahren um 69453110 M. auf 185 917495 M. im 



d. Schulwesens Oscherslebens. Progr. Oechersleben. 4». 18 S— 223) F. Frank, D. österr. Volksschule v. 1848-98. Wien, 
A. Piohlers Wwe. u. Sohn. IV, 138 S. M. 2,40. — 224) J. Lippert, D. VolksWldungswesen z. Regierungszeit Kaiser Franz 
Josefs I. (= SGV. N. 242.) Prag, Dt seh. Ver. z. Verbreit, gemeinnütziger Kenntnisse. 16 S. M. 0,20. — 225) Fr. Endl, 
lieber d. wissensch. Heranbildung d. Piaristen im 17. n. 18. .Ih.: MGESchG. 8, S. 147-77. — 226) F. Stauracz, Darwinismus 
u. Schule. (= Jammerbilder österr. Schnlzustände. 1. ßindohen.) Wien, Mayer u. Co. 1897. 80 S. M. 0,50. — 227) id., 
„Junge" Lehrer u. Geistliche. (= dass. 2. Bändchen.) ebda. 1897. 101 S. M. 0,60. — 228) id., SocialdemokraUe in d. 
Lehrerschaft. (= dass. 3. Bändchen.) ebda. 1897. 96 S. M. 0,50. — 229) id., Lehrer unter sich u. auf Gastrollen, samt 
Echo. (= dass. 4. Bändchen.) ebda. 112 S. — 230) H. Baumgartner, D. hohe niederösterr. Landesschulrat. E. Jubel- 
Festsobr. 1848-98. Wiener - Neustadt, Selbstverl. XXII, 38 S., 1 Bildnis. M. 2,00. — 231) A. Frantz, Oesterreicbs 
Qymu. Progr. Strehlen i. Schlesien, Traug. Erlor. 4». 28 S. - 232) J Tews, 1). Enlwickl. d. preuss. Volksschnlwesens in 



P. Stötziier, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. I 7:sa3-24.» 

J. 18Ü6 gestiegen. 233 234j _ Herfurth235) sieht die Hauptaufgabe der sächsischen 
Hchulen in Siebenbürgen darin, dass sie auch wirklich sächsisch erziehen 
sollen; darum müssen sie, um Pflegestätten des sächsischen Volksgeistes zu sein 
und dem Vaterlande, d. i. Ungarn, treue Staatsbürger zu erziehen, die Pflege der 
sächsischen Mundart sich angelegen sein lassen, auf Sitte und Brauch, auf das 
Volkslied und die Gesinnung ihrer Schüler einzuwirken suchen. Vor allem den erst- 
genannten Punkt, Pflege der Mundart, hält H. für wichtig ; er will, dass sie nicht 
das Aschenbrödel gegenüber dem Hochdeutschen bleibe, dass sie vielmehr im Unter- 
richte, ganz besonders im evangelischen Religionsunterrichte, in dem er ebenfalls 
eine starke Stütze des sächsischen Volkstums erblickt, angewendet werde. — Unter 
Benutzung eines Schriftchens von Rohmeder ^'^^) verbreitet sich M e n g h i u s ^^7) 
über das Deutschtum und die deutsche Schule in S ü d t i r o 1. Die Deutschen sind 
daselbst in dem Kampfe mit den Welschen meist zurückgegangen, doch könnte noch 
manches gerettet, „mit verhältnismässig wenig Mitteln viel geleistet werden". Es ist 
aber energisch einzusetzen „und mit gleicher Rücksichtslosigkeit, wie dies von 
italienischer Seite geschieht. Vor allem gilt es die Verbesserung oder Gründung 
und kräftigste Unterstützung der deutschen Schulen, wie die Pflege des deutschen 
Nationalitätsbewusstseins". — Das Schulwesen in der sächsischen Stadt W e r d a u in 
der Mitte des 18. Jh., als die jetzt so bedeutende Fabrikstadt 1800 Einwohner zählte, 
schildert Tetzner-^^) unter Beifügung von 4 Berufungsurkunden für den Rektor, 
den Kautor, den Organisten und Mägdlein-Schulmeister, den Kirchner, der auch 
Glöckner und KoUaborator war: diese vier Lehrer, von denen die beiden ersten 
Theologen waren, versorgten in jener Zeit das gesamte Schulwesen und ein gut Teil 
des Kirchendienstes in genannter Stadt. — Eine Reihe von Berichtigungen zu der 
in Baumeisters Handbuch des Erziehungswesens (vgl. JBL. 1896 I 10:11) 
enthaltenen Darstellung des w ü r 1 1 e m b e r g i s c h e n Schulwesens bringt Hi rz eP^^). 
— Auf reiches Aktenmaterial gestützt schildert M ö c k e 1 -*<*) die Volkschul- 
zustände der ehemaligen Diöcese Zwickau im sächsischen Erzgebirge in der Zeit 
von 1750—1835. Er verbreitet sich zunächst über die Vorbildung der Lehrer und 
zeigt, dass diese bei dem Mangel an Lehrerbildungsanstalten vielfach ganz fehlte, 
dass vielmehr Handwerker sich oft dem „Lehrgeschäfte" widmeten; daneben gab es 
allerdings auch Lehrer, die bei Pastoren und Lehrern vorgebildet waren, ja es gab 
auch solche, die Schulen und Universitäten besucht hatten. Das öffenüiche Schul- 
wesen hatte darmiter sehr zu leiden, dass allenthalben Winkelschulen existierten. Um 
die Schulhäuser war es sehr ärmlich bestellt, oft diente die Schulstube dem Lehrer 
und seiner Familie zugleich als Wohnraum und Küche, ja es gab Ortschaften, denen 
es längere Zeit gänzlich an Schulhäusern gebrach. — 

Geschichte einzelner L e li r fache r. Czilchert^^i) stellt über 
den Religionsunterricht der Philanthropisten eine gründliche Untereuchung an 
und kommt dabei, indem er besonders Basedow^ Bahrdt, Campe und Salzmann 
berücksichtigt, zu dem Ergebnis, dass dieselben, ohne tiefergehende Differenzen zu 
zeigen, übereinstimmen: 1. in der Voraussetzung der angeborenen Güte des Menschen, 
2. m der Auffassung der Religion als Mittel zur Tugend und Glückseligkeit, 3. in 
der Anerkennung der natürlichen Religion als Grundlage der geoffenbarten, 4. in 
der Absicht, beim Unterricht das Gebiet des rein Konfessionellen so wenig als möglich 
zu berühren, 5. in der Betonung des ethischen Moments gegenüber dem dogmatischen, 
6. in der Absicht, den Beginn des eigentlichen Religionsunterrichts in das reifere 
Kindesalter zu verlegen, 7. in der Verwerfung von Zwang und Strafe in allem der 
Religion Zugehörigen, sowie des bisher üblichen Memorierens, 8. in dem Gebrauche 
eines Bibelauszuges statt der ganzen Bibel, 9. in der Bevorzugung der sokratischen 
Methode und 10. in der Forderung liebevoller Behandlung der Kinder. — Ueber 
Stellung und Betrieb der Rhetorik in den Schulen überhaupt, besonders aber in 
denen der Jesuiten hat reichliches Material M e r t z 242) zusammengestellt und mit 
Einleitung und Erklärungen versehen. Nicht das mittelalterliche Schulwesen, sondern 
erst der Humanismus verhalf der Rhetorik zu einer dominierenden Stellung im Unter- 
richte, das Buch aber, das er und mit ihm die Jesuiten diesem Lehrfache zu Grunde 



d. Jahrzehnt 1886-96. (= Samml. paed. Vortrr. XI, 10.) Bonn, B., L., F. Sönnecken. 32 S. M. 0,60. —233) OX Giebe, 
Verordn., betr. d. Volksschulwesen sowie d. Mittel- n. d. höhere Mädchenschule in Preussen. 5. Aufl. her. t. H i 1 d e b r a n d t. Düssel- 
dorf, Schwann. VIII, 1061 S. M. 15,00. — 234) O X G. W. C. Schmidt, Statist. Jb. d. sächs. Volks- u. Bürgerschulen. 
4. Ausg. Dresden-Flauen, Selbstverl. III, 77 S. M. 3,00. - 235) (= N. 101.) - 236) O V. Bohmeder, D. dtsch. Volks- 
tum n. d. dtsch. Schule in Südtirol. Wien, Graeser. XI, 140 S. M. 2,00. — 237) Menghius, D. dtsch. Volkstum u. d. 
dtsch. Schule in Södtirol: AZgB. N. 90. — 238) F. Tetzner, Z. Gesch. d. Stadtschule in Werdau (Königr. Sachsen; in d. 
Mitte d. 18. Jh.: MüESchG. 8, S. 83-90. — 239) Hirzel, D. württemb. Schulwesen in Baumeisters Handb.: Humanist. Gymn. 
9, S. 169-72. - 240) R. Möckel, ürkondl. Beitrr. z. Gesch. d. Volksschulwesens in d. ehemaligen Diöcese Zwickau: Prakt. 
S«halm.47, S. 58-66, 880-91, 469-82 — 241» R. Czi Ichert, Z. Religionsunterr. im Zeitalter d. Aufklirung. Diss. L., Fock. 93 S. 
i[LCBl. S. 1735.] I — 242) G. Mertz, Ueber Stellung u. Betrieb d. Rhetorik in d. Schulen d. Jesuiten. Heidelberg, Winter. 



1 7 : 243-250 P. Stötzner, Geschichte des ITnterrichts- und Erziehung-swesens. 

legen, ist der Auetor ad Herennium. Den letzteren musste für ihre Zwecke die Rhetorik 
von ganz besonderer Wichtigkeit sein, darum haben sie dieselbe aufs sorgfältigte aus- 
gebildet, freilich, wie Vf. am Schlüsse sagt, nur, um sie als Mittel zum Ueberreden, nicht 
zum Ueberzeugen, wozu ein Melanchthon Rhetorik treiben Hess, zu benutzen. — 
S c h w a be243) veröffentlicht mehrere lateinische und griechische Prüfungs- 
arbeiten, wie sie auf der Meissener Fürstenschule vor 70 Jahren in Sekunda 
geliefert wurden. Ein Vergleich mit den jetzt an die Schüler zu stellenden An- 
forderungen zeigt, dass zwar im Lateinischen heute erheblich weniger gefordert 
werden kann, dass dagegen im Griechischen die Leistungsfähigkeit der Schüler wohl 
eher gestiegen ist. — Die Entwicklung des mathematischen Unterrichtes in den höheren 
Schulen Sachsens seit 1700 ging nach Starke s^^^) Ansicht in der Weise vor sich, 
dass die Zeit bis 1773 als die Zeit der ersten Anläufe, den Lehrplänen ein be- 
schränktes mathematisches Studium anzugliedern, anzusehen ist; von da bis 1847 
wurde elementarer mathematischer Unterricht orteilt, von 1847—82 fand die letzte 
Erweiterung und Stabilisierung desselben statt, während in neuester Zeit „sich eine 
deutlich hervortretende Reaktion gegen die übermässigen Anforderungen der 
mathematischen Disciplinen geltend gemacht hat". — Einen Beitrag zur Geschichte 
des geographischen Unterrichts bietet Altmann-Altinger ^^^j in seiner Arbeit 
über die „hinlängliche Geographie vor die Schule auf eine Art vorgetragen und 
in solche Schranken gefasset, dass junge Leuthe damit mehr ergötzet denn be- 
laden werden", ein Schulbuch, das 1743 Anselm Desing', Abt von Ennsdorf 
(gest. 1772), herausgab. Es war für das Gymnasium zu Kremsmünster bestimmt und 
hat dort dazu beigetragen, dass dem erdkundlichen Unterricht eine selbständige Stellung 
eingeräumt wurde. Das Buch verdient, sowohl wegen der Anordnung des Lehr- 
stoffes als auch wegen seiner didaktischen Winke Beachtung und es ist zu bedauern, 
dass es seinerzeit nur wenig bekannt und beachtet worden ist. — Aus der Ge- 
schichte des Turnwesens giebt B r e n d i c k e^*») eine Reihe von Einzelbildern 
und Charakteristiken, von der Gymnastik der Griechen anfangend und bis zu 
»Spiel und Sport der neuesten Zeit fortschreitend. — Speciell das Turnwesen in 
Magdeburg wird in seiner geschichtlichen Entwicklung, natürlich nicht ohne zahl- 
reiche Beziehungen zur Geschichte des Turnens überhaupt, in einer Festschrift 
dargestellt, die gelegentlich des 50. Stiftungsfestes des dortigen Männerturnvereins 
im Beiblatt der Magdeburgischen Zeitung^'*'') durch mehrere Nummern sich hinzieht. 
— 0. H. Jaeger248j wendet sich heftig gegen die neueste, dem englischen Sport zu- 
gewandte Richtung des Turnens; bei seiner aphoristischen, oft bizarren Ausdrucks- 
weise ist er aber oft kaum verständlich, auch hat man beim Lesen das Ge- 
fühl, als ob es sich bei J. mehr um verletzte Eitelkeit als um die Sache des Turnens 
handelt. — 

Frauenbildungswesen. Nachträglich sei zunächst der Festschrift 
gedacht, die Weldert^^») beim 50jährigen Jubiläum der städtischen höheren 
Mädchenschule zu Wiesbaden verfasst hat. Er schildert darin die Entwicklung 
dieser Anstalt und des damit verbundenen Lehrerinnenseminars in der Zeit von 
1847 — 97. Die Schule wurde 1847 mit 4 Klassen, deren jede mit 2 Abteilungen auf 

2 Jahre berechnet war, eröffnet, sie umfasste also 8 Jahrgänge; schon 1855 aber 
wurde die 1. oder Vorklasse auf 3 Abteilungen und einen Sjährigen Kiu^sus er- 
weitert, so dass nun der ganze Lehrgang auf 9 Jahre sich erstreckte. Seit 1859 
ging man vom Abteilungs- zum Klassenunterrichte über, nur die unterste und oberste 
Klasse blieben noch 2 jährig, so dass im ganzen 7 Klassen vorhanden waren; damals 
erhielt die Schule auch einen eigenen Rektor. Bis zum Jahre 1872 war die Schüler- 
zahl von 84 auf 457 gestiegen. Von da ab erhielt die Schule noch eine 10. Klasse, 
ihre Schülerzahl ist noch um 100 vermehrt worden. Das Lehrerinnenseminar hatte 
bis 1859 nur einen 2jährigen Kursus und war auf 4 Aspirantinnen beschränkt, letztere 
nahmen in der Hauptsache am Unterricht der 1. Mädchenschulklasse teil. Jene Be- 
schränkung wurde 1859 aufgehoben, der Unterricht der Seminarklasse allmählich 
von dem der Mädchenschule getrennt. 1873 trat völlige Trennung ein, 1879 wurden 
die 2 Abteilungen der Seminarklasse im fremdsprachlichen Unterricht getrennt, end- 
lich 1894 wurde 3 jähriger Seminar kurs in 3 durchaus getrennten Klassen ein- 
geführt.250-251) _ ^ur ältereren Geschichte des Frauenbildungswesens giebt M o rf2"2^ 



59 S. |[G. Löschhorn: NJbbrh. 1, S. 448J|. (Vgl. N. 17.) — 243) E. Schwabe, Lat. n. griech. Prüfnngsanfgaben sächsischer 
Sekundaner ror 70 Jahren: NJbbPh. 1, S. 1-14. — 244) E. E. Starke, D. Gesch. d. matheni. Unterr. in d. Gynin. Sachsons 
seit 1700. Dies. Chemnitz, Piokenhahn & S. 1807. 4". 71 S. — 245) AI tmann -Altin g er, D. Schulgeographie d. Abtos 
Anselm Desing (0. S. B.) für d. Benediktiner-Gyran. zu Krerasmünster a. d. J. 1743: MGESchG. 8, S. 182-90. - 246) H. 
Brendicke, Bilder aus d Gesch. d. Leibesübungen. L., Phil. Keclam jun. 17ß S. M. 0,40. — 247) Z. Entwickl.d. Turnens 
in Magdeburg: MagdZg«. N. 11/6. - 248) 0. H. Jaeger, Sonnwend. Spiess gegen Spiess. St., Strecker & Moseri 
87 S. M. 1,20. — 249) K. Weldert, Gesch. d. städt. höheren Mädchenschule zu Wiesbaden. Festschr. Wiesbaden, 
Staadt. 1897. 88 S. — 250) O X Erinner, an d. mit d. Königl. Augustiischulo verbundene Bildungsanst. 



P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. I 7:251-262 

einen Beitrag*; er schildert zunächst die für die Mädchenbildung- von der Reformation 
bis zu Anfang des 19. Jh. getroffenen Veranstaltungen in Deutschland und der 
Schweiz und geht dann auf zwei Vertreterinnen höherer Frauenbildung im Anfang 
des 19. Jh. näher ein. Es sind dies Karoline Rudolphi (1754 — 1811), die in der 
Nähe von Hamburg* und zuletzt in Heidelberg als Erzieherin thätig war und mit 
ihrem Buche: j,Gemälde weiblicher Erziehung" (1807) lebhafte Anerkennung fand, 
und Betty Clleira, eine Grossnichte des Dichters Gleim; sie begründete 1806 in 
Bremen eine Lehranstalt für Mädchen und ist als Schriftstellerin sehr fruchtbar ge- 
wesen. In pädagogischer Hinsicht ist ihr Hauptwerk: „Erziehung und Unterricht 
des weiblichen Geschlechts. Ein Buch für Eltern und Erzieher", Leipzig, bei 
Göschen, 1810. In seiner Schilderung der deutschen Mädchenschulverhältnisse 
vor dem 19. Jh. sieht übrigens M. viel zu schwarz, nur „trostlose Bilder der 
Vernachlässigung des weiblichen Geschlechtes" weisen auch jene früheren Zeiten 
nicht auf. — Eine Uebersicht über die zur Zeit für Unterrichts- und Erziehungs- 
zwecke thätigen katholischen Frauengenossenschaften hat Heim buche r^^^) 
unter Beifügung historischer und statistischer Bemerkungen zusammengestellt. 
Mehr als 70 verschiedene Genossenschaften sind es, deren Mitglieder sich gegen- 
wärtig in Deutschland teils ausschliesslich der Erziehung und dem Unterrichte der 
Jugend widmen, teils durch Leitung von Waisen- und Rettungsanstalten, von Klein- 
kinderschulen, Arbeitsschulen, Dienstmädchenheims usw. an der Belehrung und 
Erziehung der heranwachsenden Jugend mitarbeiten.-^^) — An die katholischen 
Eltern und Töchter wendet sich Gries^ss) mit der Mahnung umzukehren; 
einziges Ziel der Mädchenerziehung ist die Fähigkeit, eine tüchtige Hausfrau 
und ]Mutter zu werden. — Lunge n^^^) dagegen kommt bei einem Vergleich 
der Knaben- und Mädchenerziehung zu der Forderung, dass die letztere der 
ersteren nach Möglichkeit gleichkommen müsse. — Die Fragte des Frauen- 
studiums gliedert K. B. Lehmann^^') iu die 3 Unterfragen: 1. Ist die Frau 
zum Studium an den Hochschulen befähigt? 2. Ist die auf der Hochschule 
ausgebildete Frau zur Verwertung ihres Studiums für sich und andere befähigt? 
3. Schädigt die Frau durch ihr Studium oder seine Verwendung andere Personen, 
speciell Männner, in erheblichem Mass in wohlerworbenen Rechten? Da er die 
beiden ersten Fragen bejaht, die dritte aber verneinen zu können glaubt, sieht 
er keinen Grund, weshalb man sich in Deutschland dem Frauenstudium mehr als 
im Auslande widersetzen sollte. Manche Hochschulen in Deutschland sind ja 
den Frauen noch ganz verschlossen, andere teilweise geöffnet, etliche verleihen den 
Frauen aber auch schon den Doktorgrad. Ein Staatsexamen für Frauen hat aber 
noch keine deutsche Hochschule; doch steht zu hoffen, dass es auch dahin, wenig- 
stens in der Medizin, in nicht allzu ferner Zeit kommen werde. Für die Vor- 
bereitung auf das Studium wünscht der Vf. Mädchengymnasien nach amerikanischem 
Muster: gut geleitetes Internat, in dem die Mädchen etwa vom 15. — 22. Jahre 
Gymnasialunterricht geniessen würden. — Lehrreich ist für diese ganze Frage immer 
die Umschau im Auslande; deshalb weisen wir noch zuletzt auf N e u s t ätt e r s^^S) 
orientierende Darstellung des ausländischen Frauenstudiums hin.259-260^ — 

Pädagogik als Wissenschaft. Man streitet noch immer darum, 
ob man von der Pädagogik als einer Wissenschaft reden könne, und in welchem 
Verhältnis sie zu anderen wissenschaftlichen Disciplinen stehe. Die erste Frage 
beantwortet Willmann^ßi) in bejahendem Sinne. Die Pädagogik ist wissenschaft- 
lich, wenn sie sich auf das Allgemeine ihres Gebietes hinwendet, den Blick für das 
Ganze und eindringendes Verständnis des Einzelnen erwirbt, System und Methode 
gewinnt und sich einen Erkenntnisschatz von Begriffen und Sätzen erarbeitet. Ihre 
Stützpunkte findet die wissenschaftliche Gestaltung der Pädagogik in der Philosophie 
(Psychologie, Logik und Ethik), Geschichte und Socialforschung. Vf. geht dann auf 
die Bedeutung Herbarts für die wissenschaftliche Pädagogik ein, setzt aber auch die 
Mängel seiner Anschauungen ins rechte Licht. — Auch Reichardt 262) sieht in 
der Pädagogik eine Wissenschaft, daneben aber findet er die Merkmale einer Kunst 



für Lehrerinnen n. Erzieherinnen in Berlin ans d. Jahren 1851/2: Z. för weibl. Bildnng 26, S. 84-92. — 251) O X 
W. Bnchner, D. Nichtgenehmignng d. Breslaner Mädchengymn. durch d. preuss. Unterr.-Minieterium : ib. S. 210,4. 

— 252) H. Morf, Bilder ans d. Gesch. d. Erz. d. weibl. Geschlechts: BhBllEU. 72, S. 1-31, 162-79. — 253) 
M. Heimbncher, D. gegenwärtig im Gebiete d. Dtsch. Reiches thätigen Franengenossenschaft. für Unterr. n. Erz. : 
MGESchG. 8, S. 211-36. (Vgl. N. 211 n. 218.) — 254) O X ö- W. C. Schmidt, Statist. Jb. d. dtsch. höheren Mädchen- 
schulen etc. 10. Aug. Dresden-Planen, Selbstverl. III, 42 S. M. 3,00. — 255) W. Gries, Mod. Mädchenerz. Essen- 
Ruhr, Fredebenl n. Koenen. 96 S. M. 0,40. — 256) W. Lungen, Knabenerz. — Mädchenerz.: RhBllEU. 72, S. 385-403. 

— 257) K. B. Lehmann, D. Frauenstudinm : AZg». N. 141,2. — 258) 0. Neustätter, D. Franenstudinm im Ausland: ib. 
N. 237/8, 263/4. — 259) O X D. Frage d. Frauenstudiums im preuss. Abgeordnetenhause: Z. för weibl. Bildung 26, 
S. 81/4. — 2(50) O X Fr. Wilhelm, Reifeprüfung, Doktorexamen u. Frauenstudinm in Oesterreich: ib. S. 25-35. — 
261) 0. Willmann, Ueber d. Erhebung d. Päd. z. Wissensch. (= Paedag. Vortrr. u. Abhandl., 22. Heft.) Kempten, Jos. 
Kösel. 40 S. M. 0,50. — 262) K. Reichardt, D. Päd. - Wissensch. oder Kunst?: NJbbPh. 1, S. 449-56. — 



I 7:263-275 P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. 

an ihr, das heisst: er scheidet zwischen Erziehungslehre und Erziehungsthätgkeit. 
Dabei darf freilich nicht vergessen werden, dass hier wie in anderen Berufen gar 
mancher seine Aufgabe redlich erfüllt, ohne ein Gelehrter oder ein Künstler sein zu 
wollen oder zu können. — Volkelt ^63^ legt dar, dass man im 1 9. Jh. im Gegensatz 
zu früheren Zeiten sich bestrebt hat, die Pädagogik genau und bis ins einzelne auf 
die Psychologie zu gründen; er warnt vor üeberschätzung dieser Wissenschaft für 
die Pädagogik, da sie von sich aus grundlegende Fragen derselben nicht beantworten 
könne, und sieht vielmehr in der Ethik die für die Pädagogik massgebende Wissen- 
schaft. — lieber die Bedeutung, welche das Vorbild, insbesondere die Persönlichkeit 
des Lehrers, in der Schulerziehung hat, äussert sich Münch^ß^); neben dem Vor- 
bilde des Erziehers ist aber auch das der Mitschüler sowie das der im Unterricht 
dargestellten Idealgestalten nicht gering anzuschlagen. — Die Ansicht, dass die 
Pädagogik von einer unanfechtbaren psychologischen Grundlage ausgehen müsse, wie 
sie von den Anhängern Herbarts gehegt wird, findet auch in Schra derbes) einen 
eifrigen Gegner. Er hält vielmehr das umgekehrte für richtig' und wünschenswert, 
dass nämlich die empirische Pädagogik bestrebt sein müsse, der Psychologie die 
wissenschaftliche Grundlage zu gewähren. -^^) — Die Möglichkeit einer rein formalen 
Bildung bestreitet A ck er m a nn^ß''); er zeigt, dass der Glaube an eine solche nur 
die Folge einer mangelhaften psychologischen Kenntnis gewesen sei, und dass man 
insbesondere im Sprachunterrichte von der alten grammatischen Methode mit Recht zu 
einer grösseren Verwertung des Gedankengehaltes im Unterrichte übergegangen sei. — 
Sieler^ßs) sucht nachzuweisen, dass die Pädagogik von ethischen und psycho- 
logischen Prinzipien durchaus bedingt ist; „sie ist angewandte Ethik im Hinblick 
auf ihr höchstes Ziel und angewandte Psychologie in Ansehung- ihrer Mittel". — 
Auch Peper^^^) hebt die Bedeutung der Psychologie für die Pädagogik hervor, 
weil ein gründliches Studium dieser Wissenschaft das Fundament für eine pädagogische 
Pathologie bildet, deren wissenschaftliche und praktische Bedeutung er dann aus- 
führlich darlegt. 2''0) — Die Erwägung, dass jede geistige Entartung von einer 
Störung der leiblichen Organisation herkommt, veranlasst E. von S al 1 wü r k^''') 
zu einer Untersuchung darüber, welche Wirkungen auf den Geist die leiblichen Zustände 
überhaupt ausüben können; er kommt bei dieser Erörterung zu dem Schluss, dass 
die leibliche Erziehung eine sittliche Pflicht für uns sei und mit den Mitteln und 
Zwecken der geistigen und sittlichen Erziehung übereinstimme. — Hier ist au^ih der 
Platz, auf die Beobachtungen hinzuweisen, die S c hm i d- M on n a r d ^72) über die 
Körperentwicklung der Schulkinder gemacht hat. Die Ergebnisse sind nicht günstig, 
und der Vf. führt dies namentlich darauf zurück, dass die Leibespflege zu wenig 
Berücksichtigung im Schulwesen finde. Er stellt am Schlüsse seines Berichtes folgende 
These auf: ,,Die geistige Leistungsiähigkeit unserer Schuljugend nimmt nach dem 
Ausspruche erfahrener Pädagogen im Vergleich mit früheren Generationen ab. 
Der Grund hierfür ist meines Erachtens der, dass in manchen höheren Schulen ein 
übergrosser geistiger und damit auch körperlicher Kräfte verbrauch statthat. Wenn wir 
den Schülern nicht mehr Zeit für Schlaf, Ruhepausen und Freiluftspiele lassen, so 
erzielen wir ein für den Kampf ums Dasein wenig tüchtiges Geschlecht, dessen Nach- 
kommen kraft des Erfahrungsgesetzes der Vererbung noch widerstandsunfähiger und 
nervöser sein werden. Das geistige Ergebnis der Ueberbürdung ist nicht die zweifellose 
Einbusse an körperlicher Rüstigkeit wert." — Gegen solche Misstände, die nachteilig 
auf die körperliche und natürlich auch geistige Entwicklung der Jugend einwirken, 
bietet den besten Schutz die Anstellung, von Schulärzten, deren Notwendigkeit 
StendaP''^) darlegt. — Von einem Schularzte verlangt nun Fuld^''^), dass er nicht 
allein h3'gienisch gebildet, sondern auch ein mitten im Leben stehender praktischer Arzt 
sei; dabei muss er aber auch hinreichende Uebung in den Untersuchungsmethoden 
und nicht gerade oberflächliche Kenntnis der Disciplinen haben, die sich auf die 
Funktionen des Auges, des Gehörs und der Sprache beziehen. — In Berichten über 
die gesundheitlichen Verhältnisse des Schulgebäudes, Untersuchung der Augen, 
Beobachtung des Gewichts der Schüler und ihres Rückgrats sieht L e n t z -''^) 

263) J. Volkelt, Psychologie u. Päd. Vortrag: ib. S. 65-78. — 264) W. Münch, D. Bedeut. d. Vorbildes in d. Sclinlerz. : ib. 
S. 177-96. — 265) 0. Schrader, üeber d. Qrenzen d. Anwend. natarwissenschaftl. Forsohungsmethoden auf allgem. Fragen 
d. Erz. n. d. Unterr. Rede: Humanist. Gymn. 9, S. 116-27. — 266) X F- Fautli, Zur päd. Psychologie u. Physiologie: 
NJbbPh. 1, S. 151-63, 484-94. (Eingehende Besprechung vom 1. Bande d. Schiller-Ziehenschen Samml. v. Abhandl. aus d. 
Gebiet d. päd. Psychologie u. Physiologie.) — 267) E. Ackermann, D. formale Bildung. E. psychol.-päd. Betracht. 
2. Aufl. Langensalza, Beyer & Söhne. V, 90 S. M. 1,00. — 268) A. Sie 1er, D. Pädagogik als angewandte Ethik und 
Psychologie. (= PaedMag. N. 109.) Vortrag, ebda. 46 S. M. 0,60. — 269) W. P e p e r , D. wissensch. u. prakt. 
Bedeut. d. päd. Pathologie. (= Samml. paed. Vortrr., 9. Bd., 1. Heft.) Bonn, Sönneoken. 32 S. M. 0,50. — 270) X ^^ 
Trappmann, Psychopathische Minderwertigkeiten im Kindesalter. (= Paed. Abhandl. NF. 2. Bd., Heft 4.) Bielefeld, 
Helmich. 7 S. M. 0,40. — 271) E. v. SallwQrk, D. sittl. Pflicht d. leiblichen Erz.: RhBllEÜ. 72, S. 287-308. - 272) K. 
Sohmid-Monnard, Ueber d. Einil. d. Schule auf d. Körperentwickl. u. Gesundheit d Schulkinder. Hamburg n. L., Leop. 
Voss. IV, 42 S. M. 1,00. — 273) H. Stendal, D. Schnlarztfrage. (= Paed. Abhandl. NF. 4. Bd., Heft 3.) Bielefeld, 
Helmich. 12 S. M. 0,40.-274) A. Fuld, D. Schularzt: AZg". N. 82. —275) E. I.entz, Z. Schularztfrage: PaedA. 40, S. 65/7. 




P. stütz nor, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. I 7: 27(i-287 

die Hauptoblieg-enheiten eines Schularztes. ^^ß) — Am Schlüsse dieses Abschnittes sei 
noch auf das inhaltsreiche Jahrbuch für Volks- und Jug-endspiele hingewiesen, worin 
mehrfach die gesundheitliche Einwirkung der Leibesübungen betont wird -''''). — 

Schulverfassung. Höhere Schulen. Wie im vergangenen 
Jahre, so können wir auch diesmal an der Spitze dieses Abschnittes das Werk eines 
wohlbekannten Gjmnasialpädagogen rühmend nennen, das ist die „Pädagogik des 
Kampfes" von E v e r s2''s-279^ g j^at 1896 auf der 6. rheinischen Direktoren- 
versammlung die Frage zu beantworten gehabt: Welche geistigen und sittlichen Gefahren 
für die Schüler der höheren Lehranstalten, vorzugsweise für die erwachseneren, 
machen sich in der Gegenwart besonders fühlbar, und durch welche Einrichtungen 
und Einwirkungen vermag die Schule ihnen entgegenzuarbeiten? Er schildert zu- 
nächst die Gegenwart als eine Zeit des Uebergangs, die voll von Gegensätzen und 
Zwiespältigkeiten ist, zeigt dann die Gefahren, die für die Jugend daraus entspringen 
(geistige, gesundheitliche, sittlich-religiöse Gefahren), und deckt die Ursachen auf, die 
diese Gefahren hervorrufen: sie sind teils ausserhalb der Schule, im Elternhaus und 
in der Gesellschaft, teils in der Schule zu suchen. Der Vf. charakterisiert dann den 
Standpunkt, den man bei der Beurteilung der geschilderten Verhältnisse einnehmen 
müsse und kommt dabei zu dem Ergebnis, dass die Schuljugend heutzutage nicht 
schlimmer als im übrigen Jh. sei und sich gerade so gut wie früher erziehen lasse. 
Das überhebt aber natürlich die Schule nicht der Pflicht, den erkannten Gefahren 
entgegenzuwirken, und der Vf. giebt im letzten Abschnitte seines Buches Auskunft 
darüber, wie er sich diese Gegenwehr denkt: er legt dabei den Hauptwert auf ein- 
heitliches Zusammenwirken von Schule und Haus. — 0. Jägers Lehrkunst und Lehr- 
handwerk ^so)^ einem Werke, das im vorigen JB. eingehend gewürdigt worden ist, 
schenkt H. F. Müller-^^) verdiente Beachtung; er nennt es „ein grundgescheites 
und urgesundes Buch, das mit der ins Kraut geschossenen pädagogischen Phrase 
aufräumt", ohne jedoch überall Jäger zuzustimmen. — Auch R. Rieht er-'^^j erkennt 
das Anregende in Jägers Buch an und nimmt ihn in Schutz gegen die Angriffe, die 
er wiegen seiner Auffassung vom neusprachlichen Unterrichte von Neuphilologen 
erfahren hat. Daneben finden sich natürlich auch Punkte, in denen er mit Jäger 
nicht übereinstimmt, so z. B. hinsichtlich der derben Kritik, die Jäger gelegentlich 
in seinen Besprechungen mit Schulamtskandidaten an gesetzlichen Bestimmungen 
oder an wissenschaftlicher Pädagogik übt. — Die Forderung der preussischen Lehr- 
pläne, dass den Schülern auch ,, Belehrung über wirtschaftliche und gesellschaftliche 
Fragen in ihrem Verhältnis zur Gegenwart" zu teil werden soll, wird von Brüll -*^-^) 
näher begründet. Nach seiner Meinung muss das Gymnasium, schon weil es mit 
der bestehenden bürgerlichen Ordnung eng verwachsen ist, dieser F'orderung- nach- 
kommen. Es kann dies einerseits im Religions- und Sprachunterricht thun, vor 
allem aber fällt diese Aufgabe dem Geschichtslehrer zu. — In ähnlichem Sinn 
äussert sich ferner E. Hermann^»*); er macht auf die für solchen Unterricht 
trefflich geeignete deutsche Socialgeschichte von E. Stutzer aufmerksam. 2** 5~28 6^ — 
Für das Griechische im Gymnasium, das ja immer wieder bedroht wird, 
hat 0. J ä g e r ^s"*), der unermüdliche Kämpfer für humanistische Bildung, aufs neue 
eine Lanze gebrochen. Er stellt folgende Thesen, die für das Wesen des 
Gymnasiums überhaupt bezeichnend sind, auf: 1. Eine Verdrängung des Griechischen 
vom Gymnasium oder auch nur seine weitere Schmälerung würde die wissenschaftliche 
Durchbildung unserer, für die höchstverantwortlichen Stellungen vorzubereitenden 
Jugend erheblich beeinträchtigen. 2. Sie würde zunächst einen guten Teil der 
Wirkungen des lateinischen Unterrichts lähmen und weiterhin den Gewinn des 
historischen Bildungsgangs, der das Gymnasium charakterisiert, in Frage stellen. 
3. Dass das Gymnasium eine Gelehrtenschule bleiben muss und das Griechische als 
eine gelehrte Sprache seinen besonderen Wert und Nutzen hat, wird nur von ober- 
flächlich Urteilenden bestritten. 4. Das Studium des Griechischen verspricht den 
jetzigen Generationen grösseren Gewinn, als irgend einer früheren. Es verbindet 
Gegenwart mit einer im Geistesleben der führenden Dichter und Denker unserer 
Nation und der übrigen Kulturvölker fortlebenden Vergangenheit. 5. Es verspricht 
diesen Gewinn nur bei gründlicher, systematischer Erlernung, also längerem Einleben 
in die Sprache. Der Beginn ihres Studiums darf also nicht weiter als ins 4. Gymnasial- 



- 276) X H. KrolHclc, Z. Schularztfrage: ib. S. 284 7. — 277) E. Sohencke ndorff w. F. A. Schmidt , Jb. für 
Volks- u. Jngendspiele. 7. Jg. L , Voigtlaender. V, 266 S. M. 3,00. — 278— 279) M. E vers, Anf d. Schwelle zweier Jh. B., 
Weidmann. XI. 240 S. M. 5,60. j [Humanist. Gymn. 9, S. 189.] | — 280) (JBL. 1897 I 6 : 288.) — 281) H. F. Müller, L«hr- 
konst- n. Lehrhandwerk: Humanint. Gymn. 9, 8. W3-55. l[TheolRs. 1, S. 390/4.]| - 282) R. Richter, Lehrknnst n. Lehr- 
handwerk: NJbbPh. 1, S. 164-76. — 283) S. Brüll, Gedanken über d. sooialpolit. Stellung d. Gymn. Progr. Heiligeostadt. 
4». 14 S. - 284) E. Hermann, D. Behandl. socialer Fragen im Schulunterr. : PaedA. 40, S. 334-44. - 285) O X E.Stntzer, 
Dtsch. Socialgesch., vornehmlich d. neuest. Zeit, für Schule u. Hans dargest. Halle, Bachh. des Waisenhauses. X, 272 S. M. 3,60. — 
286) O X Alwin Schmidt, Ueber d. Aufgaben d. Gymn. Progr. Meiningen. 4». 8 S. -287) O.Jäger, Stell, u. Bedeut. 
Jahresbericht« für neuer« deutsch« Litteraturgeschicht«. IX. (I}f0 



1 7:288-298 P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehiint^swesens. 

jähr (Untertertia) verschoben werden. 6. Dass die Jugend, die dereinst in leitenden 
Stellungen schwierigere Aufgaben zu lösen hat als andere, auch intensiver arbeiten 
niuss, arbeiten lernen muss als andere, sollte selbstverständlich sein, 7. Und mithin 
muss das Griechische schon deshalb beibehalten und gepflegt werden, weil es mehr 
als alle vorgeschlagenen Ersatzmittel schwierige Aufgaben stellt. Die Versuche, es zu 
verdrängen, sind wie andere Mittel geistiger Verweichlichung zu bekämpfen, ^ss) — 
Das Verhältnis zwischen Gymnasium und Universität hat mehrfache Aeusserungen 
veranlasst ; so empfiehlt A 1 y 280j engeres Zusammenwirken füt Gymnasium und 
Universität, namentlich im Hinblick auf die gefährliche Krise, in der zur Zeit 
„unsere gymnasiale Bildung, d. h. unsere deutsche Bildung überhaupt" schwebt. — 
Auch Immisch-"0) kommt in seiner feinsinnigen Abhandlung über das Verhältnis 
der klassischen Philologie zur Schule zu demselben Ergebnis; er fordert von den 
Hochschulphilologen thatkräftiges Verständnis für das Gymnasium und seine Auf- 
gaben. 2>'i) — S k w r z o w ^''^j findet die Zerrüttung des Gymnasiums als eines Organs 
des Lehrwesens so gross, dass ihm eine radikale Kur nötig zu sein scheint. „Der 
jetzige Gymnasialunterricht ist, seinem Bestände nach, eine Art Kompromiss zwischen 
Humanismus, Realismus und Romantik. Er neigt auf die Seite des Wissens und 
nicht des Könnens. Aber das tägliche Leben im allgemeinen und die Universität 
im besonderen verlangen beim Studenten als Vorbereitung intensive Entwicklung und 
intensives Können." — Entgegen den mitgeteilten Ansichten über das Griechische weist 
Lentzner2!'3) auf die humanistische Bedeutung der neueren Sprachen, insbesondere 
des Englischen hin und mahnt zu stärkerer Berücksichtigung der ethisch-humanen Seite 
des neusprachlichen Unterrichts, der bislang noch zu sehr nach der formalen Seite hin 
neige. — Baumann'^^^*) ist der Ansicht, dafs die Realwissenschaften nicht nur für Er- 
kenntnis der Natur, sondern auch des Menschen mehr und mehr massgebend werden 
müssen, da gerade die exakte Naturwissenschaft mit ihrem strengen Kausalbegriife 
immer mehr die Auffassung vom Menschen und damit auch das geistige Leben um- 
bilde. Darum müssen die Realwissenschaften allmählich an Stelle der Litteratur und 
Geschichte treten und die künftige Grundlage der Bildung werden. — Hinsichtlich 
der schulpolitischen Lage äussert sich W e r n i c k e^'-*^) ; er fordert wiederum völlige 
Gleichberechtigung aller 9 klassigen Anstalten, da in allen diesen die Grundlag-e der 
humanistischen Bildung die gleich nationale sei: Religion, Deutsch und Geschichte; 
„das Gymnasium, das Realgymnasium und die Oberrealschule unterscheiden sich fast 
nur durch die Variante ihres fremdsprachlichen Betriebes". Aber gerade hinsichtlich 
der sprachlichen Schulung scheint man in den Oberrealschulen doch nicht so ganz 
befriedigt zu sein, sonst würde W. wohl nicht dem Vorschlage von Holzmüller bei- 
treten, der neben Französisch und Englisch eine dritte moderne Fremdsprache auf 
Kosten des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts von Obersekunda an ein- 
führen will „und zulässt, dass statt dieser für die Schüler, welche sich freiwillig dazu 
melden, auch Lateinisch eintreten kann". Also wieder Lateinisch?! Es scheint 
doch ohne die alten Sprachen mit der logischen Schulung nicht so recht zu gehen. 
Liest man nun noch, dass der Vf. auch im Realgymnasium das Latein am liebsten 
erst in Obersekunda anfangen lassen möchte, „da es sich dabei lediglich um den 
kulturellen Anschluss der Vergangenheit an die Gegenwart handelt", so ist ziemlich 
klar, wo das alles hinaus will: die Oberrealschule hängt sich ein lateinisches Mäntelchen 
um und verdrängt das Realgymnasium, und das letztere geht diesem Verhängnis 
selbst entgegen, wenn es mehr und mehr den Reformschulplänen Beachtung schenkt 
und das Latein aus den Unterklassen in die mittleren und oberen oder gar nur in die 
letzteren verdrängt; denn so wird, wie auf der Oberrealschule, das Französische zur 
führenden Fremdsprache. ^96) _ Zum Ersatz für die Oberrealschulen hat Bayern so- 
genannte Industrieschulen, d. h. 2 klassige höhere Gewerbeschulen, die auf die 
6 klassige Realschule aufgesetzt sind. Dieselben sind aber mehr technische Anstalten, 
die Fachbildung gewähren, als dass sie eine allgemeine höhere Bildung vermittelten. 
Eine Vergleichung mit den Oberrealschulen Württembergs lässt diesen Mangel im 
bayerischen Schulwesen um so auffallender erscheinen, als hier ja auch die Real- 
gymnasien den humanistischen Gymnasien gegenüber mehr als anderwärts zurück- 
treten^*^'). — JT'ür die Gleichberechtigung aller 9 klassigen Anstalten tritt ein Mediziner 
L a q u e r 29») mit Begeisterung ein, der seine Gymnasialbildung auf einem kleinen 



d. Griechischen im Organismns d. Gymn. |fR.: HumanislGymn. 9, S. 129-35.]| — 288) X '^^ Seeliger, D. Aufgaben d. griech. 
Unterr. in d. Gegenw.: NJbbPh. 1, S. 79-94. (Vgl. JBL. 1897 I 6:293.) — 289) F- Aly, Univevs. u. Gymn.: ZGymn. .52, 
S. 65-71. — 290) 0. Im misch, D. Mass. Philolog. als SchulwiBsensch.: NJbbPh. 1, S. 240-61. — 291) X H. Peter, Gyran.- 
11. Uni vers.- Bildung: ib. S. 293-306. — 292) Skworzow, D. organische Krankheit d. Gymn.: ZGymn. 52, S. 785-802.— 293) 
K. Lentzner, Die humanist. Seite d. englischen Unterr.: AZg^. N. 197. — 294) I- Bau mann, Inwiefern eignen sieb d. 
realen Wissensch. immer mehr dazu, d. Grundlage d. Bild. d. Zukunft zu werden?: PaedA. 40, S. 432-48. — 295) A. Wem i cke, 
Z. schulpolit. Lage: ib. S. 1-18. — 296) X P. Ho hl fei d, Kultur u. Schule: ComeninsBU. 6, S. 75-84. (Vgl. JBL. 1897 
I 6j302.) — 297) M., D. Württemb. Oberrealsohule u. d. bayer. Industrieschule: AZgU. N. 133, -. 298) L. Laquer, D. 



P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. I 7:269-30» 

schlesischen Gymnasium vor etlichen 25 Jahren erlangt hat und nun in dem 
dortig-en mangelhaften naturwissenschaftlichen Unterricht das Normale erblickt. 
Er sieht im Reformg-ymnasium zu Frankfurt einen erfreulichen Fortschritt. — Die 
Forderung- nach Gleichberechtigung stellt auch Lentz^'J») auf; er sieht darin aber 
nur eine Vorstufe zu der Einführung möglichst viel wahlfreien Unterrichts neben 
nur wenigen allgemein verbindlichen Fächern für die Überklassen, damit den indivi- 
duellen Anlagen und späteren Bedürfnissen der Schüler möglichst entgegengekommen 
werde. So würde dann an Stelle des Klassensystems ein Fachklassensystem treten, 
eine der von den übrigen Reformern erstrebten Einheitsschule gerade entgegengesetzte 
Erscheinung. — Auch W a 1 1 h e r ^oo) ^am in seinem auf dem 8. allgemeinen deut- 
schen Neuphilolog-entage in Wien gehaltenen Vortrage über Schulreform und Re- 
formschulen in Deutschland zu der Forderung der Gleichberechtigung. Wenn es 
aber heisst: „Welcher sociale Ausgleich würde herbeig'eführt werden, wenn die 
Kinder solange als möglich zusammenblieben, wenn nicht die Schüler des Gymnasiums 
allzu leicht ein Gefühl der Ueberlegenheit äusserten, in dem Glauben, wegen der 
grösseren Berechtigungen feiner als ihre Kameraden zu sein", so ist das eine Phrase, 
die man nicht der Einheitsschule zu liebe missbrauchen sollte; dann wäre es ja die 
beste Lösung der socialen Frage, wenn überhaupt alle so wenig als möglich lernten.^oi 302j 
— Dagegen bestreitet auf Grund eigener, mehrfacher Beobachtungen Uhlig^*^*^), 
dass die im Frankfurter Goethegymnasium eingeführte Reihenfolge Französisch- 
Lateinisch didaktische Vorteile biete; auch die Vermehrung der deutschen Lesestunden 
hatte nicht eine grössere Gewandtheit und Korrektheit im mündlichen Gebrauch der 
Rede erzeugt, als man sie anderwärts findet. Er zeigt vielmehr, dass alles das, was 
das Reformgymnasium erreichen soll, auf dem Gymnasium auch erreicht werden 
kann. U. hat dann auch 8 Berliner Gymnasien besucht und beim Vergleich der 
daselbst gemachten Beobachtungen mit denen in den Frankfurter Schulen sein Urteil 
nur bestätigt gefunden. — Das non plus ultra an Schulreform leistet Otto3''4)^ 
der für das 20. Jh. eine totale Umgestaltung des gesamten Schulwesens prophezeit. 
„Die Schule der Zukunft wird als ihre Hauptaufgabe nicht die Uebermittelung oder 
Beibringung irgendwelcher positiven Kenntnisse, sondern den aseptischen Unter- 
richt betraciiten, d. h. die Fernhaltung alles dessen, was die freie Entfaltung des 
natürlichen Erkenntnistriebes der Kinder hindert. Der geistige Unterschied zwischen 
Gebildeten und Ungebildeten wird im 20. Jh. aus dem Volke der Denker verschwinden. 
Die Erlernung einer fremden Sprache ist zur vollkommenen Ausbildung des Geistes 
nicht erforderlich !" Sapienti sat.3*^^~306) — 

Volksschule. Als ein wahrhaft monumentales Werk bezeichnet 
F le i s chn e r 30") ein Werk des Franzosen Levasseur-'^s), in welchem ein aus- 
führliches Bild des Elementarschulwesens fast aller civilisierten Nationen der Erde 
entrollt wird. Der ungeheure Stoff ist in diesem Buche so angeordnet: „Im ersten 
Teile ist jedem Staate ein besonderes Kapitel gewitlmet, in welchem der Vf. über alle 
in den Rahmen der Volksschule fallende Anstalten," als: Lehrerbildungsanstalten, 
Fortbildungsschulen, Volksschulen und Kindergärten hauptsächlich statistisches Material 
beibringt, während er im zweiten Teile eine vergleichende Uebersicht der Geschichte 
und Organisation sowie der im Volksschulunterrichte der verschiedenen Staaten er- 
zielten Resultate giebt, wobei besonderes Gewicht auf den Zusammenhang dieses 
Unterrichts mit der Politik, Religion, Moral und den socialen Zuständen des be- 
treffenden Landes gelegt wird". — In dem Bestreben, den Lehrern und Freunden 
des Volksschulwesens einen möglichst klaren Einblick in das Schulwesen des Aus- 
landes zu verschaffen, wollen Sendler und K o b e Poo^ eine übersichtliche Dar- 
stellung des Volkserziehungswesens der europäischen und aussereuropäischen Kultur- 
völker herausgeben. Das erste uns vorliegende Heft enthält das schwedische Volks- 
schulgesetz ; folgen sollen dann Darstellungen des Volksschulwesens in Frankreich, Nor- 
wegen, England, Nordamerika, Rulsland und der Schweiz. Ein zweiter Teil des Wei-kes 
wird Italien, Spanien und Portugal, Dänemark, Preussen, die 3 übrigen Königreiche 
Deutschlands nebst Baden, Oesterreich - Ungarn und endlich Belgien und Holland 
berücksichtigen. — Lorenz von Stein hat in seinem Handbuch der Verwaltungslehre 
eine geistvolle Geschichte des Bildungswesens gegeben, die eine „Quintessenz alles 
dessen enthält, was ein einsichtsvoller Historiker nach klarem Erfassen des bisherigen 



Vorbiia. d. Arztes: PnedA. 40, S. 414-31. — 299) E. Lentz, Schnlreformen n. Schulreformbestreb.: CommeninsBll. 6, S. 92/4. — 
300) Reformschnlen in Dentschland : SchwäbKron. N. 257. — 301—802) OXE. Ramdohr, lieber d. gegenwärt. Stand d. Keform- 
schulfrage. Progr. Hannover. 4». 12 S. - 303) G. Uhlig, Reforragymn.u.Norraalgymn. : Humanist. Gymn. 9, S. 1-32, 79-92, 183/6.— 
304)B. tto, D. Scbnlreform im 20. Jh. Vortr. L., Jentzsch. 31 S. M. 0,60. — 305) O X E. R össI er, Ueber Aufgabe, Ziele 
u. Berechtig, d. Realschule. Progr. Celle. 10 S. — 306) O X G. W. C. Schmidt, Statist. Jb. d. dtsch. höher. Knaben- 
Schulen, Gymn. usw. 5. Ausg. Dresden-Plauen, Selbstverl. 111,60 8. M. 3,00. - 307) L. IM ei sehn er, D. Volksschulwesen 
n d. Knlturstaaten d. Erde: AZg". N. 186. - 308) OE. Levasseur, L'enseignement primaire dans les pays ciTilises. Paris, 
Berger- Levraut et Cie. 1897. IX, 619 S. Fr. 15,00. - 309) R. Send 1er u. 0. Kobel, Uebersichtl. Darstell, d. Volkserz.- Wesens d. 

(1)10* 



17:310-319 P. Stötziier, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. 

Entwicklung-swesens als die nächste, dringendste Aufgabe der modernen Völker und 
Staaten auf dem Gebiete des Bildungswesens erkannt und gefordert hat". — An der 
Hand dieses Buches entwirft ein Anonymus^ '••) die Grundzüge einer künftigen nationalen 
Erziehung. — Um eine christliche Erziehung in der Schule zu sichern, will U. R. 
Schmidt^'^) die Lehrer wieder dem kirchlichen Regiment unterstellt sehen; er ist 
ein Gegner der Simultanschule, „nur die konfessionelle Schule ist die gute Schule." 
— Letztere hat auch Hemprich^'^^ allein im Auge bei seinem Lehrplan für die 
evangelische Erziehungsschule, den er nach Herbartschen Grundsätzen entworfen hat; 
denn : „Konfessionslose Schulen helfen mit das religiöse Interesse ersticken, dessen 
der Mensch nun einmal bedarf. Die Erziehung'sschule soll von sittlich - religiösem 
Geiste durchweht sein, ein Unterricht in der Sittenlehre ohne Religion ist eine Ver- 
sündigung an der Kindesnatur. Die Erziehungsschule selbst charakterisiert H. als 
,,die Schule, die sich klar darüber ist, dass sie auf den Zögling durch Vermittelung 
von Vorstellungen, Begriffen und anderen Seelgebilden so einzuwirken hat, dass er 
ein besserer Mensch wird. Den Willen des Zöglings beständig durch den Unter- 
richt auf das Sittlich - Gute zu richten, ist das oberste Ziel der Erziehungsschule. 
Der Zögling soll möglichst nahe an den Standpunkt heran gebracht werden, auf 
dem der Mensch stets fest entschlossen ist. das Gute zu thun. Er lässt sich nicht 
leiten von den Anwandlungen seiner Laune, er hat einen sittlichen Charakter." — 
Ebenfalls eine speciell christliche, d. h. orthodox- protestantische Erziehung hält 
Kücklich^iS) für das einzig Richtige; das Buch aber, worin er Eltern und 
Erziehern Anleitung zu solch einer Erziehung- g-eben will, enthält nichts Positives, 
sondern nur eine Menge inhaltloser Phrasen und Trivialitäten. Daneben zeigt der 
Vf. durchaus mangelhafte Kenntnis von der Entwicklung des Schulwesens; so be- 
hauptet er z. B., dass der Unterricht nach der Reformation ,, meistens von ungebildeten 
und ungelehrten Männern, die wohl beim Militär gute Exerziermeister gewesen sein 
mochten", erteilt wurde; er verallgemeinert also eine Erscheinung, die erst im 18. Jh. 
vornehmlich im Militärstaate Preussen hervortritt, zu einer Zeit, von der der Vf. sagt, 
dass damals eine starke Abneigung gegen diese Erziehungsweise sich geltend gemacht 
habe! Er dreht also die Sache gerade herum. s**) — In enger Verbindung mit der 
Erziehung steht auch die innere Mission; darum sei hier auf ein paar Schriftchen 
hingewiesen, in denen das erzieherische Moment derselben besonders zu Tage 
tritt. Hennig3'^"3iß) schildert die Entstehung und das Wachstum des ,, rauhen 
Hauses" bei Hamburg, jener Erziehungsanstalt für verwahrloste Kinder, die für 
zahlreiche andere Einrichtungen gleicher Art zum Vorbilde gedient hat. Das rauhe 
Haus wurde 1832 durch J. H. Wichern (1808— 81) ins Leben gerufen und dann von 
ihm geleitet, bis schweres Siechtum ihm dies unmöglich machte. — Auch die 
Schilderung der Anstalten des Pastors von Bodelschwingh, die s t e r t a g-^'"') ent- 
wirft, verdient hier erwähnt zu werden, denn wie in dem rauhen Hause sittlich 
verwahrloste, so finden hier unglückliche epileptische Kinder ein Heim und eine 
Stätte der Erziehung. — Neben der körperlichen und intellektuellen Erziehung darf 
die sittliche nicht übersehen werden, erklärt Schinz^'S); unter dem Gesichtspunkte 
der praktischen Wichtigkeit übertrifft sie sogar jene beiden. Die physische und 
intellektuelle Entwicklung hat für die sociale Organisation nur mittelbare Bedeutujig, 
die Sittlichkeit aber bildet deren unmittelbare Grundlage. Da aber die Sittlichkeit 
nicht auf einem angeborenen Gewissen, einer besonderen sittlichen Fähigkeit beruht, 
so muss eben das Kind lernen, das Gute vom Bösen zu scheiden. — Hiermit berühren 
sich eng W ann e r s^'^) Leitsätze über die Schulstrafen; sie lauten: 1. Die Schule 
als Erziehungsanstalt hat die Aufgabe, die Schüler zu sittlichen Persönlichkeiten zu 
erziehen. 2, Sie erreicht ihren Zweck durch Ausbildung des Verstandes im Unter- 
richte und durch Bildung des Willens in der Erziehung. 3. Zur Erziehung bedarf 
sie besonderer Mittel, von denen die Schulstrafen eins der wichtigsten sind. 4. Der 
erziehende Unterricht, die Gewöhnung an eine gute Schulordnung und das gute 
Vorbild des Lehrers beugen in vielen Fällen der Notwendigkeit, strafen zu müssen, 
vor. 5. Die Schulstrafen haben den Zweck der Sühne, der Abschreckung und der 
Besserung. 6. Sie bestehen in dem strafenden Blick und der Gebärde, dem strafenden 



enrop. n. ansserenrop. Kulturvölker. I.Heft: D. schwedische Volksschulgesetz. Breslau, Handel. 32 S. M. 0,60. — 310) Grnnd- 
zöge e. künftigen national. Erz.: AZgB. N. 40. — 311) U. R. Schmidt, Einiges aus d. Gebiete d. Schule, d. Kirche u. d. Staates 
für d. wahren Fortschritt d. Zeit. Jena, Froramann. X, 38 S. Mit Bildnis. M. 1,00. — 312) K. Hemprich, GrundzQge e. 
Lehrplnnes fftr d. evang. Erz. -Schule. (= Paed. Bausteine., Heft 5.) Dessau-L., Kahle. 39 S. M. 0,50. — 313) R. Kficklich, 
D. Christi. Erz. St., Verlag vom christl. Verlagshaus. VI, 204 S. M. 1,50. — 314) O X E. Huckert, Samml. socialpäd. Aufsätze. 
Paderborn, Schöningli. IV, 137 S. M. 2,20. (D. Aufsätze gehen v. kath. Weltanschauung aus.) — 315) M. Hennig, 
Im rauhen Hause. (= Für Feste und Freunde d. inneren Mission. Heft 11.) B., Bnchh. d. Ostdeutschen JQnglings- 
bundes. 16 S. M. 0,10. - 316) id., J. H. Wichern, d. Herold d. Inneren Mission. (= dass. Heft 1.) ebda. 16 S. M. 0,10, 
— 317) Ostertag, D. Anstalten d. Pastor D. V. Bodelschwingh. (= dass. Heft 3.) ebda. 16 S. M. 0,10. — 318) A. Schinz, 
D. Sittlichkeit d Kindes. Uebers. von Chr. Ufer. (= Beitrr. z. Kinder -Erzieh. Heft 1.) Langensalz.i, Beyer u. S. 42 S. 
M. 0,75. - 319) H. Wann«r, D. Schulstrafcn. (= Paed. Abhandl. NF. 2. Bd., Heft 7.) Bielefeld, Helmich. 17 S. M. 0,40. 



P. Stötzner, Geschichte des TTnterrJchts- und Erziehiing-swesens. I 7:320-325 

Worte und der strafenden That. Sie müssen der Art des Verg-ehens und der Eigenart 
des Kindes angemessen sein. 7. Sie müssen geschehen mit Gerechtigkeit und Un- 
parteilichkeit, mit Ernst und erbarmender Liebe, aus richtigen Beweggründen, in 
richtigem Masse und im Zusammenhange mit den Vergehungen. 8. Zur körperlichen 
Züchtigung hat die Schule ein mittelbares, übertragenes und ein unmittelbares, gesetz- 
liches Recht. Diese Strafe soll nur im äussersten Notfalle angewandt werden und ist, 
so viel wie möglich, durch vorbeugende Mittel unnötig zu machen. Andere Be- 
schränkungen des Züchtigungsrechtes als durch das Gesetz und die Forderungen 
der Pädagogik gemacht werden, sind zu verwerfen. — Die allgemein übliche Art, 
die Leistungen der Schüler zu censieren, bekämpft Lobsien^^O) j^^j^ Gründen der 
Herbartschen Pädagogik. Er weist darauf hin, wie schwierig es ist, für "Wissen und 
Fertigkeiten Normalwerte zu schaffen, deren man sich als Masstab bedienen könnte; 
durch Vergleichen, worauf es doch beim Cejisieren hinauskommt, kann ein absolutes 
Werturteil nicht gewonnen werden, denn jeder einzelne Schüler kann eigentlich nur 
aus sich selbst heraus richtig beurteilt werden. Bedauerlich ist auch, dass durch 
das Censieren der Ehrgeiz statt des wahren Interesses am Unterricht gefördert wird. 
Das sind wohl Gedanken, die jedem kommen, der es mit dem Censieren ernst nimmt, 
aber ohne dasselbe wird man im Schulleben auch nicht bestehen können, und einen 
Ersatz dafür weiss auch der Vf. nicht zu bieten. Gut ist es aber, wenn immer und 
immer wieder auf die damit verbundenen Gefahren hingewiesen wird, denn es kann 
gar nicht vorsichtig genug' bei der Erteilung von Censuren verfahren werden. 

— Was die in der Volksschule zu behandelnden Lehrstoffe angeht, so tritt 
Tews^^i^ für eine weitgehende Erneuerung derselben ein; denn die deutsche Schule 
soll die Kinder zu vollwertigen Gliedern der g^egenwärtigen nationalen Kultur- 
gemeinschaft erziehen und diese Aufgabe kann sie nur erfüllen, wenn sie mehr als 
bisher den W^eg zu den Kulturschätzen der Nation ebnet, d. h. jedem Kinde den W^eg 
in alle Bildungsanstalten bahnt; wenn sie ferner mehr als bisher die Kinder für das 
Gemeinschaftsleben in Staat und Gemeinde vorbildet und sie mehr zur praktischen 
Ausnutzung des Kulturgutes erzieht. Die Lehrfächer bleiben die alten, aber neuer 
Bildungsstoff ist ihnen einzufügen, wenn die Schule diese Aufgabe lösen soll; in der 
Religion z. B. muss die christliche Ethik das wesentliche sein, nicht die Dogmen, 
beim Rechnen kann viel von privater Wirtschaftslehre, Preis-, Geld- und Kredit- 
verhältnissen in den Unterricht hineing-ebracht, in der Geographie vom Weltverkehr 
geredet werden, dafür muss alles ausgeschieden werden, was lediglich der 
formalen Bildung dient. — Hier ist der Ort, auf ein Schriftchen von Missbachä22j 
hinzuweisen, worin die Bedeutung des Schulgartens für die Belehrung und Erziehung 
in der Volksschule gebührend hervorgehoben wird. — Im Gegensatz aber zu Tews 
lehnt Strewe323j die Einfügung des Handfertigkeitsunterrichts in den Lehrplan der 
Volksschule ab, da er nachweisen zu können glaubt, dass die Volksschule auch ohne 
diesen Unterrichtsgegenstand fähig ist, ihrer Aufgabe als Erziehungs- und Unterrichts- 
anstalt zu genügen; den Haushaltungsunterricht für Mädchen dagegen verweist er in 
die Fortbildungsschule, da hierdurch der Charakter der Volksschule als allgemeiner 
Bildungsanstalt gefährdet werde. — Von den Verhältnissen in den östlichen Provinzen 
Preussens ausgehend bespricht S y d o w ^-*) die Bildung auf dem Lande, die auf 
religiöser und nationaler Grundlage beruhen muss, denn sie soll den Arbeiter befähigen, 
sich über sein Verhältnis zu Gott klar bewusst zu werden, und ihm innerhalb seines 
Standes Befriedigung- gewähren dadurch, dass sie ihm die erforderlichen allgemeinen 
Kenntnisse bietet und ihm Verständnis für seine politische und sociale Stellung, seine 
Rechte und Bedürfnisse giebt. Dazu muss zunächst die Schule beitragen, indem sie 
zu bewusster Religiosität zu erziehen sich bemüht; sie kann aber auch jener 
zweiten Forderung gerecht werden, indem sie den Lehrstoff mit Rücksicht auf 
die Bedürfnisse der Bevölkerung auswählt. Die dritte Forderung zu erfüllen ist 
freilich die Schule nicht im stände, wohl aber die Fortbildungsschule und Bildungs- 
veranstaltungen, wie sie in Städten durch Volkshochschulvereine gepflegt werden: 
auch fih" die ländlichen Kreise muss in dieser Hinsicht mehr geschehen. — 
Einer mühevollen aber im Interesse der schulpflichtigen Jugend und der Schule 
höchst dankenswerten Untersuchung über die Erwerbsthätigkeit der Schulkinder hat 
sich Agahd325^ unterzogen; er stützt seine Behauptungen durch reichliches 
statistisches Material und wird hoffentlich mit seiner Arbeit mit dazu wirken, dass 

— 320) M. Lobsien, D. Censieren. (= Paed. Mag. 106. Heft.) Langensalza, Beyer n. Söhne. 19 S. M. 0,25. — 321) J. 
TewB, D. Unterr.-Stoff d. Volksschule. E. Beitrag z. VolVsschulreform. (= Samml. paed. Vortrr. 10. Bd., Heft 7.) Bonn, 
Sönnecken. 33 S. M. 0,60. - 322) ß. Missbach, D. Schulgarten im Dienste d. Volksschule. (= Paed. Bausteine, Heft 4.) 
Dessau u. L., R. Kahle. 46 S. M. 1,00. — 323) A. Strewe, Welche Stellang nehmen wir gegenüber d. Einfägnng d. Hand- 
fertigkeitsunterr. für Knaben, sowie d. Haushaltungannterr. ffir Mädchen in d. Lehrplan d. Volksschule ein? (= Samml. paed. 
Vortrr. 11. Bd., Heft 8.) Bonn, Sönnecken. 32 S. M. 0,60. — 324) E. Sydow, Bildung auf d. Lande. St., Belser. 49 S. M. 0,80. 
(Vgl. N. 164.) — 325) K. Agahd, D. Erwerbsthätigkeit Schulpflicht. Kinder. (= Samml. paed. Vortrr. 10 Bd., Heft 9/10. 



i 7:326-330 P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehimgswösens. 

dieser wichtigen Angelegenheit immer grössere Aufmerksamkeit zu teil wird. 
Besser ist es ja bezüglich der Fabrikarbeit durch das Arbeiterschutzgesetz geworden; 
denn während 1886 in Deutschland 21053 Kinder in Fabriken beschäftigt wurden, 
waren es 1895 nur noch 4337. Aber wieviel Kinder werden nicht in der Haus- 
industrie, in der Landwirtschaft und sonst noch in einer ihrem Alter durchaus nicht 
entsprechenden Weise beschäftigt. Es giebt doch zu denken, wenn z. B. in der 
Bezirksschule einer mitteldeutschen Grossstadt 1892— 93 vorhanden waren: 71 Zeitungs-, 
19 Milch-, 17 Frühstücksjungen, 54 Wärter, 45 Laufburschen, 18 Kegeljungen, 8 beim 
Theater, 7 bei der Post, oder wenn in Ostpreussen über 14<*/o der Schulkinder 
landwirtschaftlich oder gewerblich beschäftigt sind. Hier ist nur vom Staate und 
den Gemeinden, namentlich den g-rossstädtischen Schulbehörden nachhaltige Hilfe zu 
erwarten. — Eine wichtige Frage des Volksschulunterrichts berührt endlich B 1 a s - 
b e r g^^^), indem er die Verteilung des religiösen Unterrichtsstoffes zwischen Schule 
und Kirche bespricht. Aus psychologischen und religiös-pädagogischen Gründen 
fordert er, die Teilung so zu gestalten, dass der Schule im allgemeinen die heils- 
geschichtliche Belehrung, der Kirche der Katechismusunterricht ausschliesslich zu- 
fällt. So gewinnt die Schule Zeit unrl vermag den ihr zugewiesenen Teil des Unter- 
richts zu vertiefen, und der Unterricht des Pfarrers ist nicht eine ermüdende 
Wiederholung des in der Schule Gelernten, sondern er bietet den Kindern 
wirklich Neues. — 

Fortbild ungssch ule. An der Fortbildungsschule findet P o 1 a c k^^^) 
hinsichtlich der äusseren Einrichtung wie des Unterrichts manches zu tadeln. Nach 
seiner Ansicht sind jene Mängel (unregelmässiger Schulbesuch, zu kurze Unterrichts- 
zeit, dürftige Lehrmittel usw.) am besten zu beseitigen durch eine einheitliche gesetz- 
liche Regelung des g'anzen Fortbildungsschulwesens, ferner dadurch, dass alle 
Jünglinge vom 14.— 18. Jahre zu wöchentlich 4— 6stündigem Besuch der Fort- 
bildungschule gezwungen werden, dass diese selbst nach örtlichen und beruflichen 
Bedürfnissen eingerichtet und mit guten Lehrmitteln ausgestattet werden, und dass 
endlich Leiter und Lehrer solcher Schulen durch methodische Ausrüstung*, ent- 
sprechende Besoldung und Bereitstellung ausreichender Zuchtmittel in ihrer Arbeit 
unterstützt werden. Die Mängel im Unterrichte sind zu bekämpfen durch engen An- 
schluss der Lehrstoffe, Lehrziele und Lehrwege an den Beruf der Schüler, durch 
fesselnde Lehr- und Erziehungsweise, durch sofortige praktische Uebung und Ver- 
wertung des Gelernten für den Beruf, durch versöhnende und verschönernde 
Ersatzmittel für die verminderte Freiheit und die vermehrte Arbeit in der Fort- 
bildungsschule: „Nur dann", so schliesst Vf., ,, dürfen wir hoffen, dass die Fortbildungs- 
schulen für Volksbildung und Volksw^ohl das werden, was sie leider noch nicht 
sind, was sie aber werden müssen: Berufsschulen, Ausbau und Abschluss der 
Volksschulen!" — In Gotha besteht seit 1891 eine aligemeine Fortbildungsschule, 
die mit einer gewerblichen Fortbildungsschule vereinigt ist. Seh äf f e r ^^8^^ ^e^ 
Leiter dieser Anstalt, veröffentlicht nun einen Lehrplan für die gewerblichen Ab- 
teilungen der Schule, in dem die Möglichkeit geboten wird, den Schülern auch an 
solchen Orten, wo die Lehrlinge eines Gewerbes zur Bildung einer reinen Fachklasse 
nicht ausreichen, durch richtige Gruppierung fachlichen Unterricht zu g-ewähren. 
p]r schlägt deshalb die Zusammenfassung' verwandter Gewerbe vor und erhält so 
neben der allgemeinen Fortbildungsschule fünf gewerbliche Abteilungen: 1. für 
Metallarbeiter, 2. Holzarbeiter, 3. Schuhmacher und Schneider usw., 4. Bäcker, 
Fleischer usw., 5. Kaufleute, Kellner, Photographen und andere. Der Kursus ist 
3 jährig, daher hat jede Abteilung 3 Klassen. So meint der Vf. das Fortbildungs- 
schulwesen auch in Mittelstädten wenigstens annähernd so gut organisieren zu 
können, wie das in Grosstädten der Fall ist, wo natürlich für alle Gewerbe reine 
Fachklassen eing-erichtet werden können. — Nach der Meinung Bars ^29) müssen 
im Fortbildungsschul-Unterrichte Geschichte und Volkswirtschaftslehre die Führung 
übernehmen, und namentlich die Belehrung im letzteren Fache wird den praktischen 
Bedürfnissen dienen; wie nun ein solcher Unterricht sich anregend und fruchtbar gestalten 
lässt, zeigt B. in einer Zusammenstellung des Lehrstoffes, der sich aus dem Begriffe 
„Kapital" gewinnen lässt. — Viele unserer Gewerbe- und Fortbildungsschüler 
sind, wie Bauer^^o) sich zart ausdrückt, „noch recht ungeschliffene Edelsteine"; 
daher empfiehlt er für die Fortbildungsschule auch Belehrung in der Wohl- 
anständigkeit. In erster Linie ist natürlich auf Reinlichkeit, anständige äussere 



Bonn, Sönnecken. 64 S. M. 0,80. — 326) K. Blasberg, D. Verteilung d. relig. Unterr.-Stoffes zwischen Schule n. Kirche, 
ebda. 20 S. M. 0,50. — 327) Fr. Po lack, Welche Unterr.-Mängel hemmen d. Zielerreichung in d. Fortbildungsschulen, n. 
wie sind sie zu beseitigen? (= Samml. paed. Vortrr. 12. Bd., Heft 3.) ebda. 18 S. M. 0,50. — 328) J. Schaffe r, D. 
Neugeslalt. d. gewerbl. Fortbildungsschule in Mittel- u. Kleinstädten. Gotha, Glaeser. 50 8. M. 1,00. — 329) A. Bär, 
Kapital. Stoffe aus d. Volkswirtschaftslehre fBr d. Fortbildungsschulen. (= Paed. Mag., ?01. Heft.) Langensalza, Beyer & S. 
74 R, M. 1,00. - 330) K. Bauer, üebcr c. Wohl.inständigVcitslchre an newerbo- n. Fortbildungsschulen. (= dasa. 107. Heft.) 



P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehungswesens. I 7 :33i-335 

Haltung' und o-esittetes Benehmen (in der Schule, gegen Lehrer und Mitschüler, beim 
Grusse) zu achten, daneben hält Vf. aber auch besondere Belehrungen über diesen 
Gegenstand vonnöten und empfiehlt, was uns noch wichtiger scheint, dass man 
sich an den Sonntagen der Fortbildungsschüler annehme, indem gemein- 
same Spaziergänge veranstaltet, vor allem aber Lehrlingsheime gegründet werden. — 
Lehrerbildungsanstalten. Was bei der Ausbildung der Volks- 
schullehrer zu fordern sei, fasst Loose33i) in die Stichworte zusammen: religiös 
— sittlich — patriotisch — social ! Dem Lehrer fällt in erster Linie die oberste 
sociale Aufgabe zu, dem Volke die Religion zu erhalten durch Heranbildung 
frommer Hausväter und Hausmütter, daher müssen die Seminare dazu geeignete 
Lehrer heranbilden. Die zweite sociale Aufgabe des Lehrers ist die Erziehung' des 
Volkes zur Sittlichkeit, darum muss das Seminar sittliche Charaktere erziehen. Es 
muss seine Schüler aber auch für die grosse Geschichte des Vaterlandes begeistern und 
sie fähig und bereit machen, diese Begeisterung in die Seele der Kinder hinüber- 
zuleiten ; es muss endlich dem künftigen Lehrer Verständnis für die socialen Fragen 
der Gegenwart beibringen, damit die Lehrer nicht nur in der Schule, sondern auch 
in der Gesellschaft (Gemeinde) aufklärend und belehrend wirken können. — Wie 
verschiedenartig und einander entgegengesetzt die Forderungen sind, die bei einer 
Reform des Lehrerbildungswesens vorgebracht werden, zeigt Lang ermann ^^'^). 
Er sieht eine endgültige I^ösung der ganzen Frage darin, dass der Staat die Päda- 
gogik als Wissenschaft anerkenne (was doch längst geschehen ist) und an der 
Hochschule pädagogische Fakultäten errichte; unter deren Leitung solle dann eine 
Reform der Seminare wie des gesamten ünterrichtswesens herbeigeführt werden. 
Vorher aber „haben alle Reformen der sogenannten Volksschule sich darauf zu be- 
schränken, den offiziellen Bildungsanschluss des Standes der Volksschullehrer an 
die gebildeten Schichten der heutigen Gesellschaft wieder herzustellen . . . Dieser 
Bildungsanschluss ist erreicht, wenn als Vorbedingung für den Eintritt in das 
Seminar die Absolvierung einer bestehenden höheren Schule (Gymnasium oder 
Realschule I) gefordert wird. Damit ist dann die Präparandie — "das Vacuum in 
dem Bildungsgange des Volksschullehrers — gefallen und das Seminar ohne 
weiteres zur pädagogischen Fachschule erhoben." — Minder radikal und mehr 
mit den bestehenden Verhältnissen rechnend sind die Vorschläge Reins^^^): 
1. Volksbildung und Lehrerbildung stehen in einem notwendigen inneren Zu- 
sammenhange. Die Erkenntnis dieses Zusammenhangs bewahrt einerseits davor, 
die Lehrerbildung zurückzuschrauben , andererseits in sprungartigem Fortschritt 
überspannen zu wollen. 2, In engem Anschluss an die bisherige Entwicklung 
sehen wir eine besonnene Weiterbildung darin, dass der Charakter des Lehrer- 
seminars als einer Fachbildungsanstalt schärfer hervortreten muss, als es bisher ge- 
schehen ist, sowohl im Lehrplan wie im Schulleben. 8. Dies setzt voraus, dass die 
Allgemeinbildung, die, wie überall, so auch hier der- Berufsbildung vorauszugehen 
hat, breiter und tiefer angelegt wird, als es bis jetzt der Fall war ... 4. Demgemäss 
nuiss die unzureichende Präparandenbildung (preussisches System) beseitigt und 
dafür die Absolvierung einer Realschule gefordert werden. Wo aber das 6 klassige 
Seminar als Lehrerbildungsanstalt eingerichtet ist (sächsisches System), da macht 
sich (soweit es nicht schon geschehen ist) die Einführung einer fremden Sprache, 
und zwar entweder der französischen oder der englischen, nötig. 5. Zur Fortbildung 
des Lehrerstandes möge die Universität geöffnet werden, wie dies im Königreich 
Sachsen und im Grossherzogtum Sachsen seit langer Zeit der Fall ist. — Etwas 
anders als hier hat sich Rein^^*) auf der Lehrerversammlung zu Breslau geäussert; 
dort stellt er als allgemeine Bildungsanstalt die Oberrealschule hin und lässt die 
Realschule nur gelten, wenn zwischen ihr und dem Seminar noch einige Klassen 
eingeschoben werden; er empfiehlt aber auch eine Umwandlung der Präparanden- 
in 4 klassige Oberbürgerschulen mit einer Fremdsprache und der Berechtigung zum 
Freiwilligenzeugnis. Der erste Vorschlag geht wohl zu weit, der letztere dagegen 
verdient überall da, wo Präparandenschulen bestehen, ernste Beachtung. — Mit den 
Forderungen Reins setzt sich auch B r ü ck m an n^^^) auseinander, indem er sie 
zwar als das Ideal der Lehrerbildung bezeichnet, aber ihre praktische Durchführ- 
barkeit in Abrede stellt. Er macht auf einen nicht oft genug zu wiederholenden 
Umstand aufmerksam, dass nämlich durch zuweit gehende Forderungen an die Vor- 
bildung der VoLksschullehrer viel tüchtige Kräfte vom Lande und aus minder 



ebda. 15 S. M. 0,20. — 331) A. Lo ose, D. soc. Bedent. d. Lehrerbildungsanstalten. Gotha, Glaeser. 1897. 23 S. H. 0,60. 
— 332) J. Langermann, Krit. Bemerk, z. Reform d. Lehrerbildung. (== Samml. paed. Vortrr. 10. Bd., Heft 12.) Bonn, 
•Sonnecken. 28 S. M. 0,50. — 333) W. Eein, Z. Frage d. Lehrerbild, in Dentschland. (= Beitrr. z. Lehrerbild. u. Lehrer- 
fortbild. 2. Heft.) Gotha. Thienemann. 14 S. M. 0,20. - 334) D. Lehrerbildungsfr.age auf d. dtsch. Lelirervorsamml. in 
ßrealau: PaedBlI. 27, S. 394^7. — 335) Brückraann, D. Lohrerbildnngsfrage auf d. Breslauer Lehrertage. Königsberg i. Pr. 



I 7 :Eä6 34o P. Stötzner, Geschichte des Unterrichts- und Erziehung-swesens. 

bemittelten Kreisen diesem Stande entzogen werden. — Speciell vom Standpunkte 
der preussischen Lehrerbildungsanstalten stellt B a a d e^^^) folgende Grundsätze für 
eine Abänderung des Lehrganges in denselben auf: 1. Die Forderung, dass die 
Lehrerbildungsanstalten ihre Zöglinge mit einer weiteren und tieferen allgemeinen 
und beruflichen Bildung ausrüsten, als es jetzt geschieht, ist berechtigt und durch- 
führbar. 2. Es ist zu wünschen, dass auch in Zukunft die Mehrzahl der Seminaristen 
die Volksschule durchgemacht habe; alle Vorschläge, deren Verwirklichung zur 
Folge haben würde, dass Volksschülern die Ausbildung zum Lehrer erschwert oder 
unmöglich gemacht wird, sind abzuweisen. 3. Als zweckmässigste Lehrerbildungsanstalt 
ist das 6 klassige Seminar anzusehen, das eine gute Volkschulbildung voraussetzt, das 
Volksschulwissen durch eine dem Lebensalter seiner Zöglinge entsprechende Behandlung 
der Unterrichtsstoffe erweitert und vertieft, den verbindlichen Betrieb einer fremden 
Sprache aufnimmt, eine tüchtige musikalische Schulung ermöglicht und seine Zöglinge 
für den Dienst in der Schule theoretisch und praktisch tüchtig macht. 4. Ein- 
richtungen an den Hochschulen, durch welche tüchtigen Volkschullehrern Gelegenheit 
geboten wird, ihre wissenschaftliche Bildung zu vertiefen, um sich die Befähigung 
zum Unterricht an Mittelschulen, höheren Mädchenschulen und Seminaren, sowie zur 
Leitung und Beaufsichtigung von Schulen zu erwerben, sind dringend erwünscht. — 
Das ist im wesentlichen das, was die sächsischen Seminare ihren Schülern bieten, 
und was auch I s r a e P^') gegen die Forderungen Reins verteidigt und empfiehlt. 
— In den Seminaren des Königreichs Sachsen ist obligatorischer Lateinunterricht 
eingeführt. Gegen das neuerdings auftauchende Bestreben, ihn durch franzö- 
sischen Unterricht zu ersetzen, wendet sich Böhme-*'^^), indem er die Sätze ver- 
ficht, dass die Beschäftigung' mit dem Lateinischen nicht nur die grammatische und 
logische Bildung vertieft, sondern auch in stofflicher Hinsicht das Wissen der 
Schüler nicht unwesentlich bereichert. — BrügeP^") betont, wie wichtig für die 
Fortbildung der Lehrer es ist, sich mit der Geschichte ihres Faches vertraut zu 
machen, wozu ja die Seminarzeit nicht ausreicht; er stellt in einer Uebersicht die 
Werke, die diesem Zwecke dienen können, Encyklopädien, Geschichten der Pädagogik 
und Sammlungen von älteren pädagog'ischen Schriften, zusammen und giebt Finger- 
zeige zu deren Benutzung. '■^*^) — Endlich sei erwähnt, dass im Berichtsjahre die 
Lehrerseminare zu Künzelsau, Löbau i. S., Mettmann und Sagan das 25jährige 
und das zu Münsterberg i. Schi, das 50jährige Jubiläum gefeiert haben^^i-s^Sj. — 



Thomas u. Oppermann. 43 S. M. 0,60. — 336) Baade, Welche Aendernngen im bisherigen Gange d. prenss. Lehrerbild, 
sind wünschenswert n. z. Zeit durchführbar?: PaedBU. 27, S. 670/7. — 337) A. Israel, D. Verhandl. über d. Lehrerbildungs- 
frage auf d. dtsch. Lehrerversainml. in Breslau v. sächs. Standpunkt aus betrachtet: ib. S. 587-605. —338) ö. Böhme, üeber 
d. Lateinunterr. in unseren sächs. Seminaren: ib. S. 81-91. — 339) J. Brügel, Hilfsmittel für d. Unterr. u. Studium in d. 
Gesch. d. Päd.: ib. S. 187-211. — 340) X ß- Köhler, Z. Kapitel d. Lehrerbild.: EhBUEU. 72, S. 481-501. — 341) O X 
Denkschr. z. Feier d. 25 jähr. Bestehens d. evang. Yolksschullehrerseminars in Künzelsau. 63 S. — 342) X Blätter d. Erinner, 
a. d. Jnbelfeier d. 25jähr. Bestehens d. Kgl. Lehrerseminars zu Löbau i. S. Löbau i. H., Walde. 74 S. M. 0,90. — 343) X 
1). 25j&hr. Jubelfeier d. Lehrerseminars in Mettmann: PaedBll. 27, S. 40.5/7. — 344) O X F- Wulle, Z. Feier d. 25 jähr. 
Bestehens d. evang. Lehrerseminars zu Sagan: ib. S. 682. —345) X P- Sommer, D. Jnbelfeier z. 50 jähr. Bestehen d. evang. 
Seminars z« MOnsterberg i. Schi.: PaedBll. 27, S. 92/4. — 



W. Golther, Geschichte der neuhochdeutschen Sprache. I 8:i-ii 

1,8 
Geschichte der neuhochdeutschen Sprache. 

Wolfg'angQolther. 

Sprachpsychologie und SpracligeBchichte N. 1. — Geschichte der Schriftsprache N. 23. — Stil and Sprache einzelner 
Schriftsteller nnd Dichter: (Luther, örinimelshancen, Abraham a Santa Clara, Wieland, Goethe, Kleist, Voss, Bürger, Hebel, 
J. Gotthelf, L. Ganghofer, A. Stifter, 6. Keller, Heine) N. 29. — Umgangssprache und Standesspraohen (Jägersprache, Soldaten- 
sprache, Juristendeutsch, Schnlsprache, Pfarrerdentscb, Modeworte) N. 49. — Wörterbücher nnd Wortforschung N. 69. — 
Sprachreinheit: Kampf gegen die Fremdwörter N. 92. — Sprachrichtiglceit N. 130. — Sprachlehre N. 139. — Ginzelfragen aus 
der Grammatik N. 152. — Aussprache und Lautschrift N. 17.5. — Schulbücher N. 194. — Mundarten N. 213. — Oberdentsch 
N. 224j Mitteldeutsch N. 240; Niederdeutsch N. 255. — 

Sprachps3'cholo »"ie und Sprachgeschichte. Pauls*) Prinzipien 
erschienen in 3. Auflage. Das Werk erfuhr aber keine so durchgreifende Um- 
gestaltung- wie in der zweiten. Wesentlich verändert und erweitert sind nur Kapitel III 
(Lautwandel) und VIII (Kontamination); dazu treten einzelne Zusätze in einig-en 
Parag-raphen. — Martinaks^) sprachpsychologischer Aufsatz bewegt sich in all- 
gemeinen Erörterungen der Vorgänge vor, während und nach dem Sprechen. Ins- 
besondere behandelt er die sogenannten Bedeutungsvorstellungen, die zwischen Ding 
und Wort liegen, und die Verdunkelung der Sprachformen durch Abschleifung. — 
Im ersten Teil seines Programms (JBL. 1897 I 8 : 43) zeigte Scheffler^) die 
zerstörenden Kräfte im etymologischen Sprachbewusstsein , d. h. die Trübung und 
Lockerung der Zusammengehörigkeit der Worte infolge von lautlichen Veränderungen, 
Bedeutungswandel und Absterben von Wörtern, im zweiten Teil behandelt er die 
erhaltenden und wiederherstellenden Mächte. Durch Ausgleichung lautlicher Ver- 
schiedenheiten, durch Analogie- und andere Neubildungen (z. B. fand, fanden statt 
mittelhochdeutsch funden, gold, golden statt mittelhochdeutsch guldin) wird der 
etymologische Zusammenhang neu befestigt. Ebenso bringt die Schriftsprache durch 
vollere Abwandlungsformen und Ableitungen die etymologische Zusammengehörigkeit 
oft deutlicher zum Bewusstsein als die Mundart mit ihren Verkürzungen, Zusammen- 
ziehungen und Abschleifungen. Sehr gut ist die Bedeutung des etymologischen 
Bewusstseins für die begriffliche und lautliche Entwicklung der Wörter geschildert, 
dass die Ableitung* nur dann den Bedeutungswandel des Grundwortes mitmacht, wenn 
der Zusammenhang zwischen Grundwort und Ableitung völlig lebendig bleibt. 
Vereinzelte Wörter endlich werden in neue etj^mologische Beziehungen gesetzt, durch 
neue Zusammensetzungen verdeutlicht (z. B. Brunst durch Feuersbrunst) oder durch 
Neubildungen verdrängt (z. B. Bahre durch Trage). — ■- Ueber das Verhältnis zwischen 
W^ort und Bedeutungsinhalt, auch unter Rücksicht auf den Ersatz eingebürgerter, mit 
bestimmtem Bedeutungsgehalt versehener Fremdwörter durch deutsche, schreibt 
J ahnke*). — Den Bedeutungswandel behandelt ein populärer Zeitungsaufsatz ^). — 
Scheffler^) bespricht die mildernden, verhüllenden Umschreibungen, die „Gliinpf- 
wörter" z. B. für Gott, Teufel, Fluch, Tod, Unglück, Tadel von Untugenden und 
Lastern, die teils aus Scheu, die Dinge beim Namen zu nennen, teils aus Anstand, 
teils auch zu Spott und Hohn gewählt werden. Seh. weist darauf hin, dass das Ver- 
hüllungsstreben auch auf den Bedeutungswandel Einfluss gewänne, indem die 
Verhüllung schliesslich gar nicht mehr als solche gefühlt wurde (z. B. Gift, 
ursprünglich = Gabe). — Böhme ') zeigt, dass die Verhüllungen ebenso zur Milde- 
rung und Abschwächung wie zur Verschärfung und Verstärkung des Begriffes 
dienen können. — Stöckleins ^) Buch über den Bedeutungswandel stellt bekannte 
Anschauungen und Ergebnisse übersichtlich zusammen, ohne Neues zu bringen. — 
Vom sprachpsychologischen Standpunkt erörtert E. Stern^) das Wesen der Metapher, die 
aus der Subjektivität der Sprechenden herauswächst. — Foerstemann**') bietet eine 
reiche Sammlung volkstümlicher Bilder, Vergleiche und Wechselbegriffe. Er beginnt 
seine Darstellung mit der dem Tierleben entnommenen Metapher. — Das Büchlein 
von Po Hell) behandelt in leichtem Plauderton die volkstümliche Auffassung der 



1) H. Paul, Prinzipien d. Sprachgesch. 3. Aufl. Halle, Niemeyer. XI, 896 S. M. 9,00. — 2) E. Marti nak. 
Z. Psychologie d. Sprachlebens: ZOG. 49, S. 1-22. |[K. B.: DLZ. S. 1573/4.]| — 3) K. Scheffler, D. etymolog. Bewusstsein 
mit besonderer Rücksicht auf d. neuhochdtsch. Schriftsprache. 1. T. Progr. Braunschweig, Joh. H. Meyer. 4". 27 S. |[0. Glöde: 
ZDÜ. 12, S. 619-21 ; 0. Streicher: ZADSprV. 13, S. 202.]| — 4) R. Jahnke, Begriffe u. Wörter: ZADSprV. 13, S. 225-30. — 
5) D. Bedeutungswandel d. Wörter: KZg. N. 146. — 6) K. Scheffler, D. verhüllende oder enphemist. Zug in nnsrer 
Sprache: ZADSprV. Wissensch. Beihefte 14/5, S. 113-37. — 7) R- Böhme, Sprachliche Verhüllungen: TglRs. N. 167. — 8) 
J.S töckl ein, Bedeutungswandel d.Wörter. Seine Entsteh, n. Entwickl. E. Versuch. München, Lindauer. 79 S. M. 1,00. |[K. B.: DLZ. 
S. 1213/4; O.Weise: ZGymn. 32, S. 745/6.]| - 9) E. Stern, Metapher u. Subjektivität: Enph. 5, S. 217-26. — IQ) A. Foerste- 
mann, Ueber populäre Metonymien. Progr. Magdeburg, Baensch. 4» 30 S. — U) F. Polle, Wie denkt d. Volk über d. 
Jahresberichte für neuere deutsche Litteratnrgeschiohte. IX. (^l)ll 



I 8 : 12-23 W. Golther, Geschichte der neuhochdeutschen Öprache. 

Sprache, namentlich in Bezug" auf das Verhältnis zwischen dem Gegenstand und 
seiner Benennung", die dem unbefangenen Sprachgefühl zu einer untrennbaren 
Wesenseinheit verwachsen. Das Volk erblickt in der Sprache kein willkürliches 
Verständig-ungsmittel mit abgezogenen Begriffen, hält vielmehr alle Bezeichnungen für 
untrennbar eins mit den bezeichneten Gegenständen. Ein notwendiges, kein zufälliges 
Band fesselt den Namen an den Gegenstand. Mit der Benennung eines Dinges ge- 
winnt der Mensch auch die Erkenntnis davon und die Gewalt darüber, woraus die 
Sagen von der Macht des Namens sich erklären. Das Büchlein beruht auf grosser 
Belesenheit und liebevoller Beobachtung volksmässiger Denkweise. Die Darstellung 
will weder erschöpfend noch wissenschaftlich sein, aber sie ist anregend. — F i n k ^^j 
setzt Sprachbau und Weltanschauung in Beziehung zu einander. Auf Grund reicher, 
weitausgebreiteter Kenntnisse betrachtet er die Sprache im Geiste W. von Humboldts 
als Ausdruck der Volksseele. — Behaghels'^) Sprachgeschichte erschien 
in zweiter, vermehrter und verbesserter Auflage, die um 23 Seiten gegen die 
erste gewachsen ist und, wenn auch im Aufriss unverändert, so doch im einzelnen 
beträchtliche Neuerungen zeigt. So ist z. B. auch die Karte ganz neu gezeichnet 
und führt eine neue Ein- und Abteilung der mittel- und oberdeutschen Mundarten 
durch. Das Ost- und Südfränkische zählen jetzt zum Oberdeutschen. Die litterarischen 
Nachweise sind überall sorgfältig ergänzt worden. — B lu m s c h e in '*j vereinigt 
in seinem Büchlein einige gemeinverständliche Aufsätze: die sprachbildende Kraft 
der Bedeutungsübertragung, über Wort- Wanderungen und Wandelungen, unsere 
Personennamen im Lichte der Geschichte, die deutschen Familiennamen, Kultur- 
geschichtliches in unserer Muttersprache, Mundartliches. Die Darstellung ist gefällig 
und beruht auf guten Quellen. Sie will das geschichtliche Verständnis für die 
deutsche Sprache in weiteren Kreisen fördern helfen. Dazu ist das Buch auch recht 
Wühl geeignet. — Weises*^) Buch „Unsere Muttersprache" (JBL. 1897 18:6) wird 
von Meissner besprochen. Er fordert mancherlei Verbesserungen, z. B. bessere 
Litteraturnach weise, ausführlichere Darstellung" der äusseren Sprachgeschichte, 
Nachprüfung in wissenschaftlichen Fragen, bei denen die mangelhaften Kenntnisse 
des Vf. sehr störend hervorträten. In einfachen Grundfragen sei nachzubessern. 
Das Büchlein sei ja gut geschrieben, aber die vielen Fehler minderten seinen Wert 
bedeutend herab. — Einen kurzen Abriss der deutschen Sprachgeschichte für Schulen 
giebt Lehmann '^). — W^essely*') behandelt den Zusammenhang zwischen Sprache 
und Kultur, insbesondere mit Rücksicht auf die ältere Zeit. '^) — Für die Erhaltung 
von Mundartwörtern und Fachausdrücken der Handwerker spricht Franke'^). — 
GaebePO) zeigt, wie Turnvater Jahn sich bemühte, für die Gemeinsprache aus der 
Mundart Gewinn zu ziehen. — Schau ff ler^') will an einigen neuhochdeutschen 
Schriftstellern zeigen, wie unentbehrlich die Kenntnis der altdeutschen Sprache für 
die Schule ist. I^uthers Schriften sind voll von mittelhochdeutschen Ausdrücken, die 
inzwischen verschwanden, Schillers Teil entnimmt den Schweizer Chroniken alte 
Ausdrücke, Scheffels Frau Aventiure sucht im Sinne der Romantiker und Uhlands 
altdeutsches Sprachgut neu zu beleben. Der mittelhochdeutsche Unterricht in der 
Schule sollte schon von Anfang an darauf Bezug nehmen, wie Gegenwart und Ver- 
gangenheit der Sprache zusammenhängen. — In dem Sammelband von Toblers^^j 
kleineren Schriften, den Ehrismann lobend anzeigt, stehen auch die sprach- 
wissenschaftlichen Aufsätze: „lieber die geschichtliche Gestaltung des Verhältnisses 
zwischen Schriftsprache und Mundart", „Die fremden Wörter in der deutschen 
Sprache", „Ueber die Anwendung des Begriffes von Gesetzen auf die Sprache". — 
Geschichte der Schriftsprache. Scholz ^3) behandelt die 
Vorgeschichte der deutschen Schriftsprache, die Entwicklung vom Mittelhochdeutschen 
zum Neuhochdeutschen hin, in Augsburg bis 1374, d. h. bis zu der inneren An- 
gleichung der verschiedenen örtlichen Schriftsprachen Augsburgs, d.h. der städtischen, 
bischöflichen und fürstlichen Kanzlei unter einander in der Zeit des Stadtschreibers 
Nicolaus Hagen. Die Untersuchung gründet sich auf die hs. Urkunden. Seh. berichtet 
in vier Abschnitten über die Art und Weise seiner Untersuchung, über das Urkunden- 
wesen Augsburgs, über Lautstand und Schreibung, über den gesamten Lauf der 
Sprachentwioklung im gewählten Zeitraum. -- Ar n dt^*) untersucht den allmählichen 



Sprache? 2. Terbesg. b. Term. Aufl. L., Teubner. VI, 188 S. M. 2,40. |[R. Jahnke: ZADSpry. 13. S. 201.]i — 12) F. N.Pink, 
8 Vortrr. über d. Sprachbau als Ausdruck dtsch. Weltanschauung: Neuere Sprachen 5, N. 5/8. — 13) 0. Behaghel, Gesch. 
d. dtsch. Sprache. 2. Aufl. (Sonderabzng aus Pauls Grundriss d. germ. Philologie.) Strassburg, Trübner. gr. 8". 140 S. 
M. 4,00. llGrenzb. 4, S. 699-705.]| (Mit e. Karte.) — 14) G. Blnmschein, StreifzGge durch unsere Muttersprache. Köln, 
Nenbner. VIII, 238 S. M. 2,40. |[0. Weise: ZGymn. 32, S. 746/7.]| - 15) (JBL. 1896 1 7:3.) (R. Meissner: ADA. 24, 
S. 247-50; A. Frey be: ThLBl. 19, S. 50.J —16) (I 6:101.) — 17) R. Wessely, Unsre Sprache, e. Spiegel altdtsch. Lebens: VossZg. 
N. 377 u. 385. - 18) X Dtsch. Kultur-Entwickl. im Lichte unsrer Muttersprache: KölnVolVsZg. N. 687. — 19) K. Franke, 
Schfitzet gute alte dtsch. Wörter in d. Schule!: ZADSprV. 13, S. 19-21. - 20) A.^Gaebel, Jahn u. d. dtsch. Sprache: Akad. 
Tnrnbundsbll. N. 1/2. — 21) Th. Schauffler, Mittelhochdtsch. u. Nenhochdtsch. : ZÜU. 12, S. 516-38. — 22) (JBL 1897 
1 6:31.) |[G. Ehrismann: LBIGKPh. 19, S. 217,'8.JJ -23) F. Scholz, Gesuh. d. dtsch. Schriftspruche iu Augsburg bis z. J. 1374. 



W. G o 1 1 h e r , Geschichte der neuhochdeutschen Sprache. I 8 : 24-39 

üebergang- der mitteldeutschen Laute, Formen und Wörter in der Breslauer Kanzlei- 
sprache zum Neuhochdeutschen, dessen Sieg- um 1560 im wesentlichen befestig-t 
erscheint. Der Vf. teilt die hs. Urkunden in vier Gruppen : A. 1352—59, B. 1389 — 1447, 
C. 1470 — 79, D. 1490—1560. In A herrscht natürlich das Mitteldeutsche noch stark 
vor, in den späteren Gruppen tritt es immer mehr zurück. Schon am Ende des 
15. Jh. prägt sich die neuhochdeutsche Färbung* in den Urkunden merklich aus. 
Die Untersuchung ist sorg-sam, die Ergebnisse sind im ganzen nicht anfechtbar. Doch. 
ist das Material eigentlich zu gering" u^nd zu lückenhaft, um genaue Feststellijngen im 
einzelnen zu verstatten. Auch ist die Herkunft der einzelnen Schriftstücke (z. B. 
dass C von Eschenloer, einem geborenen Nürnberger, geschrieben ist) und ihr Zweck 
zu wenig beächtet. Daraus erklärt sich manche sprachliche Eigentümlichkeit. — 
Ueber den Lautstand der Aschaffenburger Kanzleisprache im 16. Jh. veröffentlicht 
K e m m e r-^) auf Grund der Urkunden eine Untersuchung, die als fleissige Zusammen- 
stellung verdienstlich ist. — Löwe^«) zeigt, dass Georg Torquatus in seinen 
1576 abg'eschlossenen Magdeburgischen Annalen eingehende und gründliche Sprach- 
forschung trieb. Er beobachtet, dass das Niederdeutsch der Mark Brandenburg dem 
Magdeburgischen näher steht als das des Westens. Ferner verfolgt er den Kampf 
zwischen Hochdeutsch (Meissnisch) und Niederdeutsch im Saalekreis, namentlich in 
Halle, und beweist, dass das Meissnische im Gefolge der Reformation vollends 
zum Sieg gelang'te. — Göpfert^') behandelt die Verdienste Claubergs (1622 
bis 1665), eines Philosophen aus der Schule des Cartesius, um die deutsche Sprache. 
Clauberg tritt für die Verwendung der deutschen Sprache in der Wissenschaft ein 
und sucht die Vorzüge des Deutschen vor dem Lateinischen zu erweisen. Im An- 
schluss an seine Verdeutschungen stellt er etymologische Forschungen .an, ins- 
besondere über Zusammensetzungen und Ableitungen. — WindeP^) macht auf 
B. Schupps (1656) Verdienste aufmerksam. Er fordert Deutsch als Gelehrtensprache 
und eifert unter anderm gegen das Anredefürwort „Ihr" statt „Du". — 

Stil und Sprache einzelner Schriftsteller und Dichter. 
J. Luther, dessen früher erwähnte Abhandlung-^) über die Sprache Martin 
L u t h e r s noch mehrfach günstig beurteilt wird, erörtert in einem besonderen 
Aufsatz^o) Stand und Aufgaben der sprachlichen Lutherforschung'. — Ueber 
die Entwicklung des Bibeltextes von 1545—1713, über sein Verhältnis zum 
heutigen Deutsch schrieben Schoeps^^) und Böhmer 32). — Einige Ausdrücke: 
„Muderei, Mattheshochzeit, hamerstetig, vom Habersack singen, berösten" be- 
handelt B s s e r t ^^). — Auf Georg Lizels 1730 veröffentlichtes Urteil über Luthers 
Verdienste um die deutsche Sprache weist Böhme 3^) hin. — Die Arbeit von 
K e r n 3*) über das starke Verbum bei Grimmeishausen ist rein statistisch ; 
es werden die Endungen, Apokope, Synkope und Anfüg'ung von unorganischem e 
und die Ablautsformen aufs genaueste gebucht. — Von Blanckenburgs^^) Arbeit 
über Abraham a Santa Clara wird besonders der zweite, die Flexion 
betreffende Teil gelobt. — Biach^'j behandelt den Einfluss der Bibelsprache 
auf Wieland. — Knauths^^) Arbeit über den Stil des alten Goethe behandelt 
in besonderen Kapiteln die Wortformen, Wortbildungen, Lieblingsworte , Kürze 
des Ausdrucks, Freiheiten im Gebrauch des Genetivs und Dativs, der Adjektive 
und Verbalnomina, die Wortstellung und dergleichen. Goethe wagt es, die Form 
dem Bilde und dem Gedanken zu opfern. Die geschaute oder g'edachte Sache 
findet einen ihr adäquaten Ausdruck. „Wenn dies geschieht, so hat der Dichter ge- 
wonnen, auch wenn die festen Formen der Sprache aufgelöst werden müssen." 
Kennzeichen des Altersstils sind: „zuerst und vor allem die epigrammatische 
Kürze des Ausdrucks, deren Wachstum parallel läuft mit der Zunahme des Vor- 
stellungsinhaltes; sodann die Richtung auf die Sache (und zwar immer zuerst auf 



(= Acta germanica 6. Bd. 2. Heft.) B., Mayer & Müller. IV, 286 S. M. 8,60. — 24) B. Arndt, D. üebergang Tom 
Mittelhoclidtsch. t,. Kenhochdtsch. in d. Sprache d. Breslaner Kanzlei. (= Germanist. Abhandl., her. t. F. Vogt, N. 15.) 
Breslau, Marcus. 118 S. M. 5,00. |[LCB1. S. 1109-10: L. Mensch: Polybibl. 83, S. 522.11 — 25) L. Kemmer, Versnch. e. Dar- 
stell. d. Lantstandes d. Aschaffenburger Kanzleisprache in d. 1. H&lfte d. 16. Jh. Diss. Dillingen, Keller. 154 S. — 26) 
R. Löwe, D. Bedeut. d. Georg Torquatus für d. dtsch. Sprachforschung: MagdebZg». N. 26/7. — 27) 0. G opfert, Claubergs 
Verdienste um d. Förderung d. dtsch. Sprache u. seine Ansicht über d. philosophischen Vorzüge derselben. Progr. Meiningen, 
Keyssner. 4". 22 S. — 28) R. Windel, Einige interessante Urteile aus B. Schupps lat. Schriften über d. dtsch. Sprache n. 
d. dtsch. Anredepronomen: ZDÜ. 12, S. 753,9. — 29) (JBL. 1897 I 8: 13.) [0. Hartwig: CBlBibl. 15, S. 383: A. Kopp: 
ZBücherfreunde. 2; S. 258; A. Nenmann: DPBl. 31, S. 363; M.: Protestant 2, S. 629—31.]! — 30) J. Luther, Stand u. Auf- 
gaben d. sprachl. Lntherforschung: VossZg''. N. 7. — 31) R. Schoeps, Z. Gesch. d. Lutherischen Bibelsprache. V. d. Ausg. letzter 
Hand (1545) bis z. ersten Text A. H. Franckes 0713). (Sonderabdr. ans d. Festschr. d. Realgyran. z. 200j. Jubelfeier d. 
Fra?jcVeschen Stiftungen.) Halle, Waisenhans. 4". 23 S. — 32) P.Böhmer, Luthers Bibelübers. u. d. heutige Dtsch. 
Vortr. Danzig, Evang. Vereinsbuchh. 18 S. M. 0,25. — 33) G. Bessert, Lutherana: ZDPh. 30, S. 429-30. — 34) R. 
Böhme, Luthers Verdienste um d. dtsch. .Sprache u. Dichtkunst. Urteil ans d. ersten Hälfte d. vorigen Jh.: VossZg. N. 389. 
— 35) P. 0. Kern, D. starke Verbnra bei Griramelshansen. Diss. Leipzig. 71 S. - 36) (JBL. 1897 lU 5:83.) [LCBI. 
S.379— 80.]| - 37) A. Biach, Bibl. Sprache u. bibl. Motive in Wielands Oberen. Progr. Brüx. 31 S. [B. Seuffert: Euph. 5, 
S.42l/2.]| — 38) (JBL. 1897 18:20.) |[K. Bnrdach: LCBI. S. 1517-24; H.Henkel: ZDU.-12, S. 487-91.]| — 39) O.Pniower, 

(1)11* 



18: 40-61 W. G 1 1 h e r , Greschiohtc der neuhochdeutschen kSprache. 

die Hauptsache), welche die Rücksicht auf die herg-ebrachte Form verdrängt und 
die der mittleren Epoche eigene Scheu, von der gewöhnlichen Rede abzuweichen, 
überwindet; daher drittens eine Vorliebe fürs Ungewöhnliche, das aber dem Ausdruck 
oft grössere Plastik und edlere Form verleiht, wie auch des Greises einfallende 
Gesichtszüge plastischer und edler werden; viertens eine ausgedehnte Aufnahme 
neuer Elemente, vor allem aus der Antike, aber auch aus modernen Sprachen und 
aus dem frischquellenden Borne der deutschen Mundarten; fünftens eine eigene sprach- 
schöpferische Thätigkeit, die jedoch (mit geringen Ausnahmen, welche nicht mehr 
zählen als kleine Brüche bei einer grossen Rechnung) dem Geiste der deutschen 
Sprache gemäss ist und auf der Bahn ihrer Entwicklung liegt, indem sie bald eine 
Station vorwärts, bald eine Station rückwärts greift; endlich sechstens eine im Ver- 
gleich mit den beiden früheren Epochen noch ausgeprägtere Neigung zum Typischen, 
Symbolischen und Didaktischen. Mancher in der Jugend beliebte Ausdruck, manche 
in Sturm und Drang gewagte Sprachkühnheit wird im Alter, mehr oder weniger 
modifiziert, wieder aufgenommen, entsprechend der Wiederaufnahme von Gedanken, 
dem Wiedererscheinen von Gestalten seiner Jugend." B u r d a c h wirft dem Buche 
K.s Unklarheit in den Grundbegriffen, in Anordnung und Methode vor. Gramma- 
tisches und Stilistisches sei zu wenig geschieden, die geschichtliche Betrachtung trete 
vor der subjektiven zurück, manche wichtigen Erscheinungen seien gar nicht be- 
rücksichtigt. Auch Henk e 1 äussert bei aller Anerkennung Bedenken gegen die 
Arbeit. — Pniow er39) betrachtet, wie R. M. Meyer (JBL. 1896 I 7:12a), als Vor- 
studie zu einem besonderen Goethewörterbuch, Goethes Wortgebrauch, sofern 
die Wörter ursprüngliche Bedeutung bewahren (z. B. „wirksam"=:werkthätig, „gerecht"= 
richtig, „Vorgänger" = Vorangehender, „entgegnen"=entgegenkommen, ,,vorläufig"=vor- 
angehend) oder neue annehmen (z. B. „bezwecken" = zweckmässig einrichten, „gegen- 
seitig" = entgegengesetzt.) — Biese'*'^) schildert die Bilder und Gleichnisse der 
Iphigenie. — In Kerns*') kleine Schriften ist der Aufsatz über die Sprache in der 
Natürlichen Tochter aufgenommen, — Minde-Pouets Buch über Kleist wird mehrmals 
angezeigt *2j — Gramer*-*) bespricht die Homerübersetzungen von Voss und 
Bürger und kommt bei aller Anerkennung des Fleisses und Geschickes, mit dem 
die beiden Vff'. zu Wege gingen, doch auch zu dem Endurteil, dass es nur gelehrte 
Homerübersetzungen, aber keine Verdeutschungen des Dichters sind. — Mit der 
Sprache Hebels**) und J. Gotthelfs*^) befassen sich Abhandlungen. — 
Sanders*^) stellt einige altdeutsche und mundartliche Ausdrücke aus L. Gang- 
hofers Martinsklause zusammen. — Wülfing*') giebt ein paar Beispiele vom 
Einfiuss der alemannischen und österreichischen Mundart auf die Schriften von 
A. Stifter und G.Keller, z. B. „sich erwahren" = wahr werden, „ungegessen", „er 
anerbot sich", „sie anerkannten", „der Gesang wurde aus". — Karpeles*^) verweist 
auf rheinische Ausdrücke bei Heine. — 

Umgangssprache und Standessprachen. Wunderlichs sonst 
vi^l gerühmtes anregendes Buch über die Umgangssprache (JBL. 1897 I 8 : 26) 
wird von W u s t ni a n n *9) abfällig beurteilt, wegen ungründlicher und mangelhafter 
Anordnung und Darstellung. — Wu n d er 1 i c h^^) giebt eine neue eigene, vom 
hergebrachten Schema abweichende Darstellung der Redekunst am Beispiel 
Bismarcks. Auf Grund feiner Beobachtungen wirkt das Buch anregend für die 
Neugestaltung der deutschen Redelehre, die von Persönlichkeiten, nicht von vor- 
gefassten Schulbegriffen auszugehen hat. Zur Schilderung der Sprache Bismarcks 
dienen die Abschnitte über Abstufung der Betonung', die Syntax des gesprochenen 
Wortes, den Bilderschmuck, die Auslese des Sprachstoffes und den Gebrauch der 
Wortformen und Wortklassen. Bismarck erscheint als der geborene Künstler ein- 
drucksvoller Rede. — Schröer^'J erörtert die Gründe, die einer etwa der des 
Englischen ähnlichen Verbreitung des Deutschen entgegenstehen, und wie diese 
Hemmnisse in Zukunft beseitigt werden könnten. Vor allem war das Deutsche 
dadurch im Nachteil, dass erst spät eine Gemeinsprache sich bildete. Die Schrift- 
sprache ist eine künstliche, sehr schwierige Litteratursprache, die noch jetzt oft im 
Widerspruch mit der Umgangssprache steht. Zur Besserung dieser Verhältnisse thut 
uns eine Einheitssprache not, die sich soeben in den Bestrebungen der Bühnen- 

Zn Goethes Wortgebranch: GJb. 19, S. 229-47. — 40) A. Biese, D. metaphorische Sprache in Goethes Iphigenie: Lehrproben 
u. Lehrgänge aus d. Praxis d. Gyran. n. Realsch. 55, S. 15-27. - 41) (= IV la : 32 ; Bd. 2, S. 50-63.) — 42) (JBL. 1897 I 8-: 18.) 1[B. S i n g e r : 
ASNS. 101, S. 409-16; Reu sehe: ZDU. 12, S. 104/8; A. Eloesser: DLZ. 19, S. 191/3; K, Bise hoff, ZVLR. 12, S. 280/5.J| — 

43) H Gramer, D. Stilist. Eigenart d. Horaerübers. v. Bürger n. Voss, am ersten Gesang d. Ilias erläutert: ZDU. 12, S.174-93. — 

44) Manel, D. Volkstaml. d. Sprache in Hebels Schatzkästlein : Alte u. neue Welt 31, N. 9. - 45) Beitrr. z. Erklär, u. 
Gesch. d. Werke J. Gotthelfs. Ergänzungsband zu G.s Werken im Urtext. 1./4. Lfg. Bern, Schraid u. Franke, ä 3 Bogen. 
ä M.0,80. — 46) D. Sanders, AltertQml. u. rotind.irtl. Ausdrücke: ZDS. 10, S. 431/3. — 47) J. E. Wülfing, Einige sprachl. 
Eigentümlichkeiten bei G. Keller u. bei A. Stifter: ZDU. 12, S. 663/5. — 48) G. Karpeles, Rheinische Eigentümlichkeiten 
bei H. Heine: ZDS. 10, S. 1/6. — 49) R. Wust mann: ' ADA. 44, S. 356-63. — 50) H. Wunderlich, D. Kunst d. Rede in 
ihren HauptaOgen an d. Reden Bismarcks dargestellt. L., Hirzel. VI, 158 8. M. 3,00 — 51) A. Sohröer, Ueber d. Zukunft 



W. G o 1 1 her, Geschichte der neuhochdeutschen Sprache. I 8 : sa-et» 

spräche vollzieht. Wenn diese festgeregelte Gemeinsprache anerkannt ist, dann werde 
es auch mit der Ausbreitung- des Deutschen etwa in den Kolonien leichter gehen. — 
E g'ger t '^-) hält die Schicksale des Deutschen in Amerika entg-eg-en. Nicht die Schwierig-- 
keit oder der Mangel an Einheitlichkeit sei daran schuld, dass das Deutsche hinter dem 
Eng-lischen zurückstehe, sondern die staatlichen, gesellschaftlichen und geschäft- 
lichen Verhältnisse. — Onciul^^) giebt einen Ueberblick über die Verwendung 
des Deutschen als Geschäftssprache in den Ländern der österreichischen Monarchie 
und erörtert vom politisch-praktischen Standpunkt das Verhältnis zwischen dem 
Deutschen und den einzelnen Landessprachen. — L e m b k e ^*) giebt eine auf 
Quellenforschung beruhende Schilderung vom Wesen der Jägersprache nach 
dem Vorbild von Kluges Studentensprache, aber ohne Wörterbuch, nur mit einem 
kurzen Wörterverzeichnis. Soweit als möglich ist geschichtliche Darstellung an- 
gestrebt. Erschöpfend kann und will die kleine Schrift nicht sein, nur ein erster 
Versuch und eine Anregung zur erneuten wissenschaftlichen Behandlung dieser 
eigenartigen und reichhaltigen Standessprache, Im ersten Abschnitt wird ein 
Ueberblick über die Entwicklung weidmännischer Sprache und Litteratur gegeben, 
wozu auch das am Schluss mitgeteilte Quellenverzeichnis gehört. Dann wird die 
Anschaulichkeit der Jägersprache an zahlreichen Belegen aufgezeigt. Ihre gramma- 
tische Eigenart, die fremden, namentlich französischen Einflüsse, ihr Verhältnis zur 
neuhochdeutschen Gemeinsprache werden erörtert. — Einen populären, aus Döbels 
Jägerbuch (1754) und Kehreins Wörterbuch schöpfenden Aufsatz liefert G. Schu- 
mann ^5). _ Hörn ^®) hat sich die überaus dankbare Soldatensprache 
zum Vorwurf genommen und einen Entwurf für eine Darstellung des modernen 
Soldatendeutsch im Reich und in Oesterreich zum Zwecke der Stoffsammlung aus- 
gearbeitet. — Günther 5') behandelt das Juristendeutsch, einerseits vom 
geschichtlichen Standpunkt, indem er die Eigenart der altdeutschen Rechtssprache 
schildert und ihr Fortleben in einzelnen Ausdrücken der heutigen Sprache aufzeigt, 
indem er die Ursachen für das allmähliche Entstehen des modernen, im Gegensatz 
zur alten sinnlichen Rechtssprache verblassten und abstrakten Juristendeutsch erörtert 
und hauptsächlich aus der Aufnahme des römischen Rechts erklärt; andererseits 
vom Standpunkt des Sprachvereins, also unter dem Gesichtspunkt der Sprachreinheit 
und Richtigkeit. Die Fremdwörter, die Verstösse gegen Rechtschreibung, Grammatik 
und Syntax, die logischen und stilistischen Fehler des Juristendeutsch, die Neu- 
bildungen, Modewörter und Modewendungen werden in treffenden Beispielen be^ 
handelt. G. zieht die Gesetzes-, Gerichts- und Amtssprache sowie die juristische 
Ijitteratur heran. Das Buch ist aus einem Vortrage hervorgegangen, daher seine 
etwas ungleichmässige Form : 57 Seiten Text und 300 Seiten Anmerkungen, Wort- 
und Sachverzeichnis. Die reichhaltigen Anmerkungen zeugen für den Fleiss, mit 
dem G. seine Aufgabe löste. — Mit demselben Gegenstand beschäftigen sich die 
Schriften von Bruns^^) über gutes Amtsdeutsch," und Rothe^^) über den Kanzlei- 
stil, in denen die Mängel der heutigen Amts- und Kanzleisprache gerügt werden.' — 
T hudich um^**) giebt in alphabetischer Reihe eine Anzahl Berichtigungen und 
Ergänzungen zu den das Recht betreffenden Abschnitten des Grimmschen Wörter- 
buchs.^ *"^^) — Die Sprache der Abgeordneten wird von R a u s chm ai e r^*) dar- 
gestellt.^^) — Rühlmann^^) hebt einige Ueberreste aus der alten zopfigen lateinischen 
Schulsprache, wie sie an den sächsischen Fürstenschulen gepflegt wurde, hervor 
mit dem Wunsche, die deutsche Sprache möge bald diese letzten Trümmer einer 
undeutschen Vergangenheit vertilgen. — Ueber das Pfarrer deutsch schreibt 
Elisabeth Postler ^'j. — Brennerts^*) Modeworte behandeln moderne 
Schlagwörter aus der studentischen, parlamentarischen, musikalischen und litte- 
rarischen Sprache. — 

Wörterbücher und Wortforschung. Vom deutschen Wörterbuch 
der Brüder Grimm ^^J erschienen Lieferung 1 des Bandes IV, 1,3 (Getreide-Gevatter), 



unserer Muttersprache: PrJbb. 91, S. 393-414. — 52) E. A. Egger t, D. Verbreitung d. dtsch. Sprache: ib. 92, S. 544-52. — 

53) A. T. Onciul, Z. Österreich. Sprachenfrage. (Sonderabdr. ans „D. Zeit" N. 137/9.) Wien, Vernay. 57 S. M. 1,00. — 

54) P. Lembke, Stud. z. dtsch. Weidraannssprache. Diss. Dresden, Teubner. 52 S. (= ZDU. 12, S. 234-77.) — 55) G. 
Schumann, D. Jagd, Döbels Jägerpraktika u. d. Weidraannssprache: MagdebZg". N. 38, 40 1. — 56) P. Hörn, D. dtsch. 
Soldatensprache: AZgB. N. 64. — 57) L. Günther, Recht u. Sprache. E. Beitr. z. Thema rom Juristendontsch. Bremerharen, 
llagemann. XIV, 360 S. M. 6,00. — 58) K. Brnn s, Gutes Amtsdeutsch. E. Betracht, mit vielen Beispielen. (Veränd. u. erweit. 
Abdr. aus ZADSprV. 1895, N. 2, 3. 5.) B., Hey mann. 25 S. M. 0,-50. — 59) G. Rot he, Ueber d. Kanzleistil. Erweit. n. 
ergänzt. Vortr. 10. Aufl. ebda. 35 S. M. 0,50. — 60) V. Thudichura, D. Rechtssprache in Grimms Wörterbuch. Anhang: E. 
Beschirmung gegen üebelwollende. St., Frommann. 55 S. M. 1,20. ILCBl. S. 2059-60.]! — 61) X D. dtsch. Sprache im Munde 
d. dtsch. Reichsgerichts: KZg. S.Juni. — 62) X Rechtsdeutsch: KW. 11-, S. 163/4. — 63) X Sprache u. Schreibweise d. 
bürgerlichen Gesetzes: Spiesers Reform 22, N. 6. — 64) Ä. Rauschmaier, D. parlamentarische Debatte im In- n. Auslande: 
BBRW, NF. 6, S. 185-212. - 65) X E. Bliclt auf d. moderne Vertretersprache: Daheim 33, S. 640/2.— 66)M.P. Rühlmann, 
D. geschichtl. Bntwickl. d. Schnlspracho u. ihre heutigen Reste: LZg«. 22. Febr. — 67) O Elisabeth Postler, 
Gutes Deutsch im Pfarrhans: Pfarrhaus 14, S. 143/4. — 68) O H. Brenne rt, Modewörter aus d. Mittelenropiisohen. 
B., Fontane. VII, 75 S. M. 1,00. — 69) J. n. W. Grimm: Dtsch. Wörterb. 9. Bd. Lfg. 12/4; 4. Bd. 1. Abt, 3. T. Lfg. I. 



I 8 : 70-9"3 W. (xolther, Geschichte der iioiihochdeiitsclien Sprache. 

besorget von Wunderlich, und Lieferung* 12/4 des Bandes IX (Schütten — 
Schwelle), besorgt von Heyne. — Pauls'^') Wörterbuch wurde mehriach sehr an- 
erkennend angezeig"t. Man hat darin einen ganz neuen Typus auf dem Gebiet der 
Wörterbücher zu beg'rüssen. — In sechster , wiederum mannigfach verbesserter 
und vermehrter Auflage erscheint Kluges''') etymologisches , Wörterbuch. Im 
Vorwort dankt der Vf. den Freunden und Beurteilern des Buches, die manchen 
wertvollen Beitrag beigesteuert hätten. Vor allen anderen habe Baist hülfreiche Hand 
mit angelegt und eine Reihe wichtiger Artikel geschrieben. Der Zuwachs, den das 
Wörterbuch allmählich erhielt, umfasst z. B. beim Buchstaben A von der L— 6. Auflage 
im ganzen 150 neue Stichworte (130 auf 280). Die neue Auflage enthält auch 
einige Litteraturnachweise. — Deiters Wörterbuch (JBL. 1897 I 8 : 39) wird von 
Vorndrak'2) sehr g'erühmt. Es genüge bei kürzester Fassung allen billigen An- 
sprüchen. — Ergänzungen zu Kluges Wörterbuch bieten die etymolog-ischen Aufsätze 
von D e 1 1 e r "3) (Aberglaube, Bild, Falter, Haar, Kegel, Kralle, Mal, Mund, Schädel, 
Spule, Zoll), Much'^) (Blei, Lot, Eisen, Schwefel, Eichhorn, Gemse, Steiss, Zink), 
L i e b i c h ''^) (ausg'emergelt, Ammer, ausverschämt, Backbord, Steuerbord, bug-sieren, 
Drüse, Kiel, lügen, trüg-en), Horn'^) (Aprikose), Hoops ''') (Meerrettich), Palander ''^) 
(Dachs) , G ö t z e '^) (hagebüchen) , N a p i e r ^<^) (W^erwolf) , Krause^') (bannig), 
Eickhoff^^) (Artillerie). — J e i 1 1 e 1 e s ^3) erklärt „jammerschade" für eine volks- 
etymologische Umdeutung aus ,,iemer schade", wofür Belege aus dem 15.-- 17. Jh. bei- 
gebracht werden. — Damköhler^*) meint, in der Redensart „jemand etwas zum 
Schure thun" sei Schur nicht = mittelhochdeutsch „schuor", sondern = mittelhoch- 
deutsch schür im Sinn von Schauer, Verderben, Plage, Leid. — Das Wörterbuch 
von F u c h s ^^) wendet sich ,,an alle Lehrer und Freunde unserer Sprache, die nach 
einem Führer auf den vielverschlungenen Pfaden der Sprachforschung Begehr trag-en, 
ohne zu eigentlichen Studien auf diesem Gebiet Müsse und Gelegenheit zu besitzen". 
Es ist sehr reichhaltig, indem auch Mundart, Fremdwörter und Eigennamen auf- 
genommen sind. Die Auswahl ist besonnen, die Erklärung im allgemeinen richtig. 
Versehen im einzelnen beg-eg-nen zuweilen, da der Vf. keine eigentliche fachmännische 
Schulung besitzt. — Brauns^^) Buch über den deutschen Sprachschatz ist für die 
Volksschullehrer geschrieben, denen in geschickter Auswahl Wissenswertes aus 
Kluges etymologischem Wörterbuche und anderen wissenschaftlichen Grundwerken 
geboten wird, z. B. ein Aufsatz über Erb-, Lehn- und Fremdwort, Etymologien für 
eine Anzahl von Wörtern, gleichlautende Wörter von verschiedener Abstammung- und 
Bedeutung; Bedeutung- und sprachliche Verwertung der Benennungen der Körper- 
teile, bildliche Ausdrücke, Redensarten und Sprichwörter, Erklärung- der wichtig-sten 
und gebräuchlichsten Personennamen. — L i e b i c h ^') stellt ein Verzeichnis der 
Wortfamilien der lebenden hochdeutschen Sprache auf. Unter einem einfachen Stich- 
wort, z.B. Ecke, Bau, bergen, Leiche und dergleichen, werden die wurzelverwandten 
Wörter, Ableitung-en und Zusammensetzungen aufgezählt. Das Buch soll eine Er- 
gänzung- zu Heyne bilden. Bis jetzt ist der Wert dieser Wortfamiliensammlung- nicht 
recht ersichtlich, und auch die 14 Seiten starke Einleitung- g-iebt keine genügende 
Aufklärung über die Absicht des Vf. — Schraders Buch „Aus dem Wundergarten 
der deutschen Sprache" (JBL. 1896 I 7:60) wird von Scheffler^S) ^Is fleissige, 
aber zum Teil kritiklose Arbeit bezeichnet. — In Schraders „Scherz und Ernst" ^''') ist 
die g-edrängtere Fassung- anzuerkennen; ebenso die reiche Stoffsammlung- zur Kenntnis 
der Volkssprache. — Die Volksetymologie behandelt ein Aufsatz von Sohns '«»o), 
Synonyma Fre u d e nb er g- e r^i), -- 

Sprach reinheit: Kampf gegen die Fremdwörter. Sand- 
voss^2^ erg-eht sich nochmals in gewohnter subjektiver, oft recht wirrer und ziel- 
loser Art über Fremdwörter. Er begeistert sich für die Volksetymologie, die ja 



L., HJrzel. S. 2305-2688, 4453-4644. ä M. 2,00. — 70) (JBL. 1897 I 8:35a.) |fW. B.: LCBl. S. 120; H. Wunderlich: 
Euph. 5, S. 733/4; G. Gruramann: JGPh. 1, S. 511/5.]| — 71) F. Kluge, Etymol. Wörterb. d. dtsch. Sprache. (>. Aufl. Strass- 
bnrg. Trübner. XXVI, 510 S. M. 8,00. | [K. W.: Grenzb. 4, S. 382;3.]| - 72) W. Vorndrak: ZOG. 49, S. 917/9. — 
73) F. Detter, Etymologien: ZDA. 42, S. 53/8. — 74) B. Mach, Etymologisches: ib. S. 163-72. — 75) R. Liebich, Kleine 
Beitrr. z. dtsch. Wortforsch.: BGDS. 23, S. 223-31. — 76) W. Hörn, Aprikose: ib. S. 254. — 77) J. Hoops, Meerrettich: 
ib. S. 559-70. — 78) H. Palander, R. dtsch. Tiername: Menioires de la societö neophilologique ä Helsingfors 2 (1897), S. 99-100. 

— 79) A. Götr.e, Hagebüchen: ZADSprV. 13, S. 24. — 80) A. S. Napier, Werwolf: BGDS. 23, S. 571/3. - 81) G. 
Krause, Bannig: ZDU. 12, S. 663. — 82) P. Eickhoff, D. Ursprung d. Wortes Artillerie. Progr. S. 68-72. Wandsbeck. 

— 83) A. .Jeitteles, Jammerschade: ZDPh. 30, .S. 248-51. — 84) E. Damköhler, „Jemand etwas zum Schure thnn": 
ZDU. 12, 9. 658-61. — 85) P- J. Fuchs, Dtsch. Wörterbuch auf etym. Grundlage mit Berücksichtig, wichtigerer Mundart- 
u. Fremdwörter sowie vieler Eigennamen. St., Mobbing A Büchle. Kl. 40. XH, 360 S. M. 3,75. |[0. Behaghe 1: LCBl. S. 56/7.]! 

— 86) A. Braun, Dtsch. Sprachschatz für Lehrer n. für Freunde unserer Muttersprache. L., Br.indstetter, VI, 212 S. M. 2,50. 

— 87) B. Liebich, D. Wortfamilien d. lebenden hochdtsch. Spr. als Grundlage für e. System d. Bedeutungslehre nach Heynes 
dtsch. Wörterb. bearbeitet. Lfg. 1/3, S. 1-240. Breslau, Prenss & Jünger. M. 6,00. [fGrenzb. 4, S. 2i3/4.]| - 88) K. Scheffle r: 
ZADSprV. 13, S. 166. - 89) (JBL. 1897 I 8:66). IfLCBl. S. 1178; K. Soheffler: ZADSprV. 13, S. 166.]| - 90) F. Sohns, 
Volkiwitz in d. Sprache: MagdebZg". N. 28. — 91) M. Freu den berger, D. Doppelgänger unsrer Muttersprache: 
NZSt. 16', S. 444/8. — 92) F. Sandvos», Z.: Verständigung: PrJbb. 91, S. 69-83. (Vgl. JBL. 1897 I 8:72/4.) — 93) P. 



W. Golther, Geschichte der neuhochdeutschen Sprache. t 8 : 94-122 

Fremdwörter zu Lehn- und Erbwörtern mache; dieSe Kraft der Eindeutschung-, die 
nach S. der Verdeutschung- vorzuziehen sei, habe das heutig-e Deutsch verloren. 
Das ist falsch, wie ein Blick auf die Mundarten lehrt. In beschränkter Weise eifert 
er gegen Pedanterie der gegenwärtigen Sprache, d. h. dass Wendungen und Worte, 
die unsere Klassiker noch brauchten, veralten, und geg-en Wag-ners Stabreim, weil 
er nicht den Regeln der alten Epen, wie sie S. zu kennen behauptet, entspricht. S. 
redet also von allem Mög-lichen und bekundet überall, dass er die lebendig-en 
Forderung-eu der deutschen Sprache und Kunst gar nicht beg-reift. Er bemüht sich 
übrigens, diesmal einen anständigeren Ton anzuschlagen. — Cauer^^) erhebt seine 
Stimme g-egen den Verein „zum Schutze unserer Sprache". Er meint, die Ver- 
deutschung- der Fremdwörter decke sich nicht immer mit dem Bedeutungsgehalt, den 
das Fremdwort einmal angenommen habe. Auch werde Zusammengehöriges (z. B. 
Idee, Ideal, Idealist, idealisieren) auseinander gerissen, alte Kulturzusammenhäng-e 
würden gelöst. Entgeg-nungen auf beide Aufsätze bring-t die ZADSprV. ^*^*'-''). — Auch 
Streicher^ö) wendet sich gegen Sandvoss. — H a u s d in g'-*"') widmet den Auf- 
sätzen von Sandvoss und Cauer eine besondere kleine Schrift. — Auch T r a p e t s ''^) 
Schrift ist hier zu nennen. — Kern s^**) kleine Schriften enthalten die feinsinnigen 
Aufsätze, in denen der Vf. die Fremdwortfrage und sprachliche Neubildungen und 
derg-leichen behandelt. K. vertritt in Sachen der Sprachreinheit und -richtig-keit einen 
massvollen Standpunkt, aber weist mit Entschiedenheit unschöne Neubildungen und 
überflüssig-e, hässliche Fremdwörter zurück. — Unter allgemeinen Gesichtspunkten 
wird die Frage: „Welche Fremdwörter sollen beibehalten und welche beseitig-t 
werden?" im Änschluss an einen Vortrag- Martin Stiers und an Hausdings Fremd- 
wörterbuch (JBL. 1897 I 8 : 77) von Stier, Hausding- und Sarrazin 'o^) qj.. 
örtert. — Frederking^**') giebt einen geschichtlichen Ueberblick über die 
fremden, lateinischen und französischen Einflüsse auf die deutsche Sprache in alter 
und neuer Zeit auf Grund bekannter Sammlungen ohne neue Zuthaten. '"^j _ 
Z (■) 1 1 n e r *'*^) berichtet über den Palmenorden und seine sprachreinigenden Be- 
strebungen. — Ein Aufsatz 104J beschäftigt sich mit Christian Thomasius, seinem 
massvollen Verfahren bei Eindeutschung philosophischer Kunstausdrücke. — 
Schumacher ^^^) macht darauf aufmerksam, dass Varnhagen von Ense 1846 
die Sprachreinheit empfahl. — Weise*"^) zeigt, dass die deutschen Dichter im 
Gegensatz zu den Gelehrten Fremdwörter möglichst vermeiden und sie nur zu 
parodistischer Wirkung oder wenn die mit Fremdwörtern versetzte Umgangssprache 
dargestellt werden soll, anzuwenden pflegen. — Schnorf'**') würdigt die dem 
ADSprV. nahestehenden Bestrebungen der Gesellschaft für deutsche Sprache in 
Zürich. — Die verhältnismässig geringe Pflege der deutschen Sprache in Deutschland 
macht Eule ^"*) für das Fremdwörterunwesen verantwortlich. — Die Fremdwörter im 
Geschäftsverkehr, namentlich wenn sie, wie in der Schweiz, aus übertriebener Rücksicht 
vorkommen, werden getadelt^o^-no) _ Für „Interesse"' ii), „substituieren"i'2)^ „adieu", 
„merci", „pardon""^^ werden berechtigte Verdeutschungsvorschläge gemacht, n^-iis-) _ 
Vom geschichtlichen Standpunkt wird das Eindringen der Fremdwörter in die 
Heeressprache ''^) beleuchtet, und die massvolle Bekämpfung der Fremdlinge be- 
fürwortet. Die amtliche Verdeutschung''') macht ja auf diesem Gebiete immer 
mehr Fortschritte. — Für Verdeutschung- der musikalischen Kunstausdrücke giebt 
R i e t s c h '1^) Winke. — Die Weidmannssprache i'^) bedarf der Verdeutschungsarbeit 
noch ganz besonders. Gerade hier bieten sich so zahlreiche, echt deutsche Volks- 
wörter. — Brenn er '-<>) erörtert die Photographensprache mit Rücksicht auf Ver- 
deutschung. — Die Umfrage nach deutschen Monatsnamen ^21) ergab zwar wertvolle 



Cauer, Noch einmal d. Fremdwörter: ib. S. 84-95. — 94) Nochmals Franz Sandvoss: ZADSprV. 13, S. 17/9. — 95) H. 
Dnnger, E. neue Verteidig, d. Fremdwörter: ib. S. 49-58. - 96) 0. Streicher, Sandvoss wider d. dtsch. Sprachverein: 
Grenzb. l, S. 52/5. — 97) A. Hansding, D. Fremdwortübel. Würdigung zweier, im Januarheft d. PrJbb. erschien. Abhandl. 
V. F. Sandvoss n. P. Cauer über d. Bestreb, d. ADSprV. u. seiner Anhänger. B., Ernst & Sohn. III, 16 S. M. 0,50. — 98) A. 
T r apet, Dtsch. Sprache, dtsch. Leben, tiiessen, Müncliow. SU S. M. 0,50. |[R. Jah n ke: ZADSprV. 13, S. 68/9.J1 — 99) F. Kern, 
Gefahren u. Wandinngen im Sprachgebr. Verdeutschung v. Fremdwörtern. f= N. 41, S. 206-23, 224-33.) — 100) M. Stier, 
A. llausding, 0. Sarrazin, Welche Frenidw. sollen beibehalten, welche beseitigt werden : ZADSprV. 13, S. 40/2, 103/6, 128-30. 
— 101) A. Frederking, Unsere Muttersprache unter Fremdherrschaft: ib. Wiss. Beih. 14/5, S. 148-67. — 102) X O U. Hoff- 
mann, D. Lehnwort in d. dtsch. Sprache: RhBllEU. 72, S. 431-45. — 103) F. Zöllner, D. erste dtsch. Sprachverein: 
liZgB. 14. Juni. — 104) E. R., Clxristian Thomasius u. d. Sprachreinig.: ZADSprV. 13, S. 194,6. — 105) Schumacher, 
Auch e. Mahnung: ib. S. 209-11. — 106) 0. Weise, D. dtsch. Dichtung u. d. Fremdwörter: ib. S. 190-4, 213/4. — 107) K. 
Schnorf, D. ADSprV. u. d. Ges. für dtsch. Sprache in Zürich: NZürichZg. 27.8. Mai. — 108) R Eule, D. Mutter- 
sprache in Deutschland u. Frankreich: VossZg. N. 533. — 109) R. Baumgartner, D. Fremdwort auf d. Strasse: FrBl^. 
28. Mai. — HO) Seh., D. dtsch. Sprache im Fremdenverkehr d. dtsch. Schweiz: DZg. N. 207. — 111) C. Sohomann, 
D. Fremdwort Interesse u. seine Verdeutsch.: ZADSprV. 13, S. 159-60 - 112) 0. Hagen, Substituieren: ib. S. 230/2. — U3) 
Adieu, Merci, Pardon: LeipzNN. N. 325, 341. — 114) X Fremdlinge in d. dtsch. Sprache: KölnVolksZg. 7. Aug. — 115) X 
Ueber Fremdwörter: MemmingerZg. N. 98, 166, 170. — 116) F., Ueber Verdeutsch, auf d. Gebiet d. Heeressprache: ZADSprV. 13, 
S. 179-90. — 117) Kr., Amtliche Verdeutsch, d. Heeressprache I: ib. S. 211/2. — 118) H. Riet seh, D. musikal. Kuastansdrr. 
u. d. Sprachreinig.: AZg«. 13. Juli. — 119) F. D., D. Weidmanussprache dtsch.!: ZADSprV. 13, S. 157/9. - 120) 0. Urenner, 
D. Sprache d. Photographen: ib. S. 81/5. — 121) id., Dtsch. Monatsnamen: ib. S. 33-40. — 122) K. Horst, D. dtsch. Speise- 



t 8:123-147 W. Golther, Geschichte der neuhochdeutschen Sprache. 

Sammlung'en , aber vorerst keine allgemein brauchbaren Verdeutschungen. — Ueber 
die deutsche Speisekarte schreibt Horst'^Sj, — Unter den Verdeutschungs- 
wörterbüchern steht an erster Stelle das von Saal fei d^^S) — Kürzere liefern 
Pültz*'^^) und SpötteP''^^). — R. Foersters '26^ Wörterbuch erschien in neuer Aus- 
grabe. - Kleinpauls „Fremdwort" (JBL. 1896 I 7:78; 1897 I 8:80) wird von Gl öde »27) 
angezeigt. — Gegen Pfister-Schwaighusen s^-^) thörichteUebertreibungen und 
Schirraachers albernen Sprachronian, in dem ein Zukunftsdeutsch schlimmster 
Art in Aussicht gestellt wird, wenden sich die Vertreter des ADSprV. '^aj. — 

Sprachrichtigkeit. T a p p o le t s '^o^ Vortrag über Wustmanns 
Buch'^') richtet sich gegen Widersprüche und Eigenmächtigkeiten, die dem Sprach- 
verbesserer mit unterlaufen. Wustmanns Auffassung fehle es an einem einheitlichen 
Grundsatz. Wustmann übersehe, dass schliesslich der Gebrauch auch das grammatisch 
Falsche richtig machen kann, er greife eigenmächtig in die freie Sprachentwicklung 
ein. Den richtigen Ausweg- sieht T. darin, dass man mit dem zweifellos feinen 
Kunstsinn Wustmanns die vorurteilslose Beobachtung des Sprachforschers verbindet. — 
W as s ma nn s d o r f '^2j erhebt die Forderung- der Sprachrichtigkeit gegenüber der 
Turn Vorschrift der österreichischen Schulen. — Bennewitz und Link '^^3 be- 
handeln die Sprachrichtigkeit besonders mit Rücksicht auf das Kaufmannsdeutsch. Die 
Vff. vertreten den Standpunkt des ADSprV. — G la s e w a 1 d '3*) rügt überflüssige 
Wendungen, mit denen Erklärungen und Anzeigen eingeleitet werden. — Andresens '^^) 
„Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit" erschien in 8. durchgesehener, sonst aber 
mit der 7. gleichlautender Auflage. — Die neue Auflage von Matthias i^^) 
Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs 
wird gerühmt, da sie der ersten Auflage (1893) gegenüber an übersichtlicher An- 
ordnung gewann. Auch im einzelnen ist vieles verbessert und vermehrt. — Der 
kleine Wegweiser '^^3 desselben Vf. wird von Härtung lobend angezeigt. — 
p]ckstein ^'^^) stellt einige sprachliche Merkwürdigkeiten zusammen. — 

Sprachlehre. Den Aufsatz Karl Müllers über Oelingers deutsche Grammatik 
und ihre Quellen (JBL. 1897 I 8:129) bespricht Schwarzei^s) ausführlich. — 
Scheel '^^3 knüpft einige Bemerkungen an Müllers Arbeit, soweit er in der allgemeinen 
Würdigung Oelingers gegenüber Albertus und über das Verhältnis Oelingers zu seinen 
übrigen Quellen Müller nicht beipflichtet. Seh. schätzt Oelingers Selbständigkeit 
niedriger ein als Müller. — Scheels Ausgabe der Grammatik Oelingers '*^"^*2j wird 
von Martin und Bottiche r angezeigt. — Wunderlich ''*'*) zeigt die von John Meier 
und MüUer-Fraureuth herausgegebenen Grammatiken des Hans Fabritius und Laurentius 
Albertus (JBL. 1895 I 7: 16; 1897 I 8: 126/7) an und begrüsst die Sammlung dieser alten 
Grammatiken als ein nützliches Unternehmen. — Jellinek'^^) erörtert die Schrift de 
orthographia germanica des Hieronymus Wolf (1578), der zu den wenigen „doktrinären 
Orthographie-Reformern" des 16. Jh. gehöre, der allerdings in der Durchführung seiner 
Grundsätze nicht streng verfahre, sondern allerlei Zugeständnisse mache. — Der deut- 
schen Grammatik von Wilmanns Bd. 2 (JBL. 189617:149; 1897 I 7: 131) zollt Bahder^^s) 
volle Anerkennmig. Bei dem Stand der Vorarbeiten konnte die Wortbildung allerdings 
nicht überall gleichmässig erschöpfend behandelt werden. Das ältere Neuhochdeutsch 
kam etwas zu kurz, obwohl schon Kehreins Grammatik hier manches hätte bieten 
können. Die Beispielsammlungen bedürfen mitunter der Nachprüfung. — Jellinek '^'') 

Karle: StrassbPosl 23. Jan. — 123) G. A. Saalfeld, Fremd- u. Verdentschungswörterbuch. 1./5. Lfg. B., Seeliagen. |[H. 
Dunger: ZADSprV. 13, S. 216.]| (Anf 6 Lfgn. ä M. 1,00 berechnet.) — 124) J. Pöltz, D. in d. dtsch. Sprache gebruncli- 
liclitt. Fremdwörter nach Abstamm. u. Bedent. für d. Unterr. an Lehrerbildungsanstalt, u. Realschulen, sowie z allg. Gebr. 
Mit e. Anh. über d. method. Behandl. d. Fremdwörter, insbes. ihre Znsammenstell. zu etymol. geordneten Gruppen. Nürnberg, 
Korn in Komm. IV, 178 S. M. 3,00. — 125) A. Spöttel, Z. Sprachreinig. E. Samml. d. gebräuchlichsten Fremdwörter, Ter- 
dentscht u. erklärt. 3. Aufl. München, Kellerer. 40 S. M. 0,60. — 126) K. Förster, Fremdwörterbuch d. dtsch. Schrift- u. 
Verkehrssprache. Neu her. u. mit e. Nachtr. versehen v. M. Tiemann. L., Drewitz Naohf. XII, 667 S. M. 4,00. — 127) 0. 
Glöde: ASNS. 100, S. 182/3. — 128) H. v. Pfister-Schwaighusen, Werkthät. Verdeutschungsarbeit, nebst d. 
Anhang: Dtsch. Heeres - Sprache. (Ans: Freie dtsch. Schule.) Wien, Sallmayer. 12». 31 S. M. 0,30. — 129)Schir- 
macher, Neudeulsch. Auch e. Rückblick. Altena 1935. (= H. Dunger, E. neuer Vorschlag z. Beseitig, d. Fremdwörter- 
not: ZADSprV. 13, S. 145-50.)— 130) E. Tappolet, Wustraann u. d. Spriichwissensch. (= MGesDSprZürich. Heft 3.) 
Zürich, Speidel. 28 S. M. 0,80. |[H. Grimm: DLZ. S. 759-60 (abfällig).]| — 131) (JBL 1896 17:128; 1897 18:113/5.) 
|[0. Schulze: NJbbKlassAltertum. 1, S. 360/9.]| — 132) K. Wassmannsdorf, E. Wort über d. Turnsprache: ZOG. 49, 
S. 558-60. — 133) A-^Bennewitz u. L. Link, D. Schwierigkeiten unserer Muttersprache. Uebersichtl. Zusammeustell. d. 
zweifelhaften Fälle im m&ndl. u. scbriftl. Gebrauch mit besonderer Berücksichtig, d. kaufm&nnischen Sprache. L., Gloeckner. 
VI, 284 S. M. 2,50. - 134) E. Glase wald, E. sprachl. Unart: MagdebZgJ^. N. 34/7. — 135) K. G. Andresen, Sprachgebrauch 
u. Sprachrichtigkeit im Deutschen. 8. Aufl. L., Reisland. VIII, 465 S. M. 6,00. |[R. Meyer: Nordisk tidskrift for ülologi 3. 
S. 39-40.J! — 136) Th. Matthias, Sprachleben u. Sprachschäden. 2. Aufl. L., Brandstetter. XIV, 484 S. M. 5,50. |[F. 
Spengler: ZOG. 49, d. 914/6; 0. Lyon: ZDU. 12, S. 297/8; H. F. Müller: ZGymn. 52, S. 564. - 137) (JBL. 1896 I 7:133.) 
|[K. Härtung: ZGymn. 52, S. 664.] | — 138) O E. Eckstein, Sprachl. Merkwürdigkeiten: WIDM. 83, S. 126/9. - 139) W. 
Schwarze, BOcherbesprechungen: ZDU. 12, S. 94-100. — 140) W. Scheel, Z. Würdig, d. Grammatik Albert Oelinger« -u. 
ihrer Quellen: ib. S. 561/7. (Vgl. auch id.: LCBl. S. 338/9.) - 141-142) (JBL. 1897 I 2:3.) |[G. Bötticher: ZDU. 12, 
S. 102/3; E. Martin: ADA. 24, S. 177/9.]| - 143) H. Wunderlich: ZDPh. SO, S. 392/5. — 144) M. H. Jellinek, Ueber d. 
Schrift d. Hieronymus Wolf „de orthographia germanica ac potius suevica nostrate": ib. S. 251/5. — 145) K. t. Bahder: 
LBlGRPh. 19, 8. 81/3. - 146) (JBL. 1896 I 7:150.) |[M. H. Jellinek: ZOG, 49, S. 513-23.11 — 147) E. 



W. Goltüer, Geschichte der neuhochdeutschen Sprache. I 8 : us no 

g-iebt Bemerkungen zur zweiten Auflage des ersten Bandes fLautlehre). — Auch 
S c h r o e d e r '*') teilt in einer eing-ehenden Besprechung- zahh-eiche eigene Beob- 
achtungen und Auffassungen mit und bietet daher mit dieser ausführlichen Anzeige 
eine wertvolle Ergänzung zu Wilmanns Buch. — Von tJ. Grimms i***) deutscher 
Grammatik (JBL. 1897 I 8 : 130) erschien die zweite Hälfte des IV. Teils, besorgt von 
R o e t h e und S c h r o e d e r. — Kauffmanns Grammatik (JBL. 1895 17:6; 1896 I 7 : 152) 
zeigt Wunderlich ''*^) an, der zwischen Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch eine 
frühneuhochdeutsche Uebergangszeit einschalten will und für die neuhochdeutschen 
Formen mehr Belege wünscht. — Hempls'^^^J deutsche Grammatik, enthaltend 
die Rechtschreibung, Laut- und Betonungslehre, wird von der Kritik als sehr reich- 
haltig und selbständig gerühmt. Die Phonetik und die Behandlung des Satzaccentes 
seien besonders gut gelungen. — „Erdmanns Grundzüge der Syntax" i^'), bearbeitet 
von M e n s i n g, werden scharf getadelt. Die ganze Anlage sei fehlerhaft, die an sich 
nützlichen Beispielsammlungen seien ungeschickt verwertet. Die Arbeit sei weder 
gründlich, noch durchdacht. - 

Einzelfrag'en aus der Grammatik. Aus der Formenlehi'e kommen 
die Analogiebildungen „er weisst" '^-) und „ersinnt" =^ ersonnen i''^) zur Sprache. — 
St eini n ger •^'*) bietet ein nützliches übersichtliches Verzeichnis für alle Ab- 
wandlungen der Hauptwörter. — J e 1 1 i n e k i^^) erörtert die Regeln, welche die 
Grammatiker von Laurentius Albertus bis auf Adelung über das neuhochdeutsche 
auslautende e aufstellen und stellt den Sprachgebrauch der Wiener Drucke des 
16. Jh., Opitzens, Gottscheds und Gellerts fest.— BehagheP^^) behandelt einiges 
aus der Wortbildung, indem er dabei Form und Bedeutung gleichmässig ins Auge 
fasst : so die aus Zeitwörtern gewonnenen neuhochdeutschen Ableitungen auf -er nach ihren 
Hauptgruppen :' die Vorsilbe ent- im Sinn von 1. gegen, 2. los von etwas, in Ergänzung 
zu Pauls Wörterbuch, und die Vorsilbe er- im Sinne von zurück, wieder (= lat. 
re-); die Ersparung eines Gliedes der Zusammensetzung (z. B. Feuers- und Wassers- 
not, gött- und menschlich). — Gartner^^"^) betrachtet die Bildungssilben -chen 
und -lein nach ihrer Verbreitung in den Mundarten und in ihrem Verhältnis 
zur neuhochdeutschen Schrifts])rache. Luther entschied sich für -lein, Adelung für 
-chen, die Schriftsprache besitzt in Wirklichkeit mit weiser Verteilung beide Silben. — 
lieber Vertauschung der Ausdrücke „seither und bisher" i^^), über „bereits = fast" '^^j, 
^ j^iguieoj als Praeposition, über „wohlauf, wohlan" i^^), über die Vorstellung bei der 
Wendung „eine Strasse hinauf-hinunter"'^2-| ujj(j ^ (j^s ist die rechte Höhe"^^^^ wurde 
geschrieben. — HempP^*) behandelt den mit dem männlichen und weiblichen 
Geschlecht wechselnden Begriff „See". — Dadelsen und Weise ^^^l erörtern die 
Wendung „dem Vater sein Haus"; Weise^^^) erklärt „Meiers" und ähnliches als gen. sing. 
mitAusfall eines regierenden W^ortes z. B.Haus, Familie und dergleichen. — Behaghel'^') 
sucht zu entscheiden, ob ein Unterschied zwischen „H. von Kleists Novellen" und „die 
Novellen Heinrichs von Kleist" festzustellen ist. — Rausch ^^^) behandelt die Schick- 
sale des „adverbalen" Genetivs vom Mittelhochdeutschen bis zum Neuhochdeutschen. Der 
bei Zeitwörtern einst reich entfaltete Genetiv ist in der Gegenwart nahezu ver- 
schwunden. Die Mundart hat ihn fast ganz verloren, während die kunstmässige 
Schriftsprache ihn noch bewahrt. Die inmittenstehende volkstümliche Schriftsprache 
lässt noch einige wenige Genetive zu. — Auf breiter geschichtlicher Grundlage er- 
örtert Hellwig*^^) die Stellung des attributiven Adjektivs im Deutschen. Die 
freie Stellung der alten Zeit wird immer mehr beschränkt zu Gunsten der allein 
gültigen Voranstellung, nur die altertümliche Dichtersprache, besonders aus reim- 
technischen Gründen, verstattet noch die Nachstellung. Diese im Mittelhochdeutschen 
entfaltete poetische Nachsetzung des gewöhnlich unflektierten Adjektivs hat sich 
besonders in der volkstümlichen Dichtung und in wenigen erstarrten Redensarten 



Sohroeder: ADA. 24, S. 12-32. — 148) J. Grimm, Dtsch. Grammatik. 4. T. Neuer Abdr. 2. Hälfte (Schlnss.) Besorgt t. 
G. Roetheu. E. Schroeder. Gütersloh. Bertelsmann. LXII u. S. 679-1313. M. 12,00. - 149) U'- Wunderlich: ZDPh. 30. 
.S. 267-70. — 150) G. Hempl.German orthography andphenology. A treatise with a wordlist. Part first: the treatise. Boston, Ginn 
JfcComp. 1897. XXXII, 246 S. M.8,00. |[W.V.: LCBI. 1897, S.1567/8; J. See m 511er: DLZ.S. 1077-81; A. Heusler: A8NS.101,S.400,'2.] 
— 151) 0. Erdmann , Grnndzüge d. dtsch. Syntax, nach ihrer gesch. Entwiokl. dargest. 3. (Schluss-)Abtlg. D. Formationen d. 
Noraens (Genus, Numerus, Casus). Bearb. v. 0. Mensing. St., Cotta. XVI, 276 S. M. 6,50. [H. P.: LCBI. S. 981;2.]I — 
152) P. Leonhardi, „Er weisst" für „er weiss«: ZDU. 12, S. 419-21. - 153) -I. E. Wülfing, „Ersinnt": ib. vS. 611. - 154) K. 
Steininger, D. Deklination d. dtsch. Snbstantiva vom Standpunkt d. einheitlichen Grammatik. Progr. Wien, Steininger. 
34 S. - 155) M. H. Jellinek, E. Kapitel aus d. dtsch. Grammatik. (= Abhdl. z. germ. Philol. Festgabe für R. Heinzel.) 
Halle, Niemeyer. 80 S. 2,00. — 156) 0. Behaghel, Z. Lehre von d. dtsch. Wortbildung: ZADSprV., Wlss. Beihefte, 14/5, 
S. 137-47. — 157) Th. Gärtner, D. Nachsilben -chen u. -lein: ib. S. 167-76. - 158) „Seither u. bisher": KZg. 13. Jan. — 
159) J. E. Wülfing, Bereits = fast: ZDÜ. 12, S. 747. - 160) id., „Bis": ib. S. 610. — 161) W. Kurrelraeyer, Note on 
wohlauf, wohlan: MLN. 13, S. 286/7. - 162) P. Pietsch, „Eine Strasse hinauf — hinunter-: ZADSprV. 13, 8. 1278. — 163) 
H. Monges, Das ist d. rechte Hohe: ZDU. 12, S. 424/5. — 164) G. Herapl, „Der See" and „die See": Jonrn. of germ. phil. 2, 
S. 100,1. — 165) 0. Weise n. H. Dadelsen, „Dem Vater sein Haus": ZDÜ. 12, S. 287 91, 665/7. - 166) 0. Weise, Ist 
nMeiers" in Ausdrücken wie -bei Meiers" eine Pluralform?.: ib. S. 790/4. — 167) 0. Behaghel, D. Genetiv v. Adelsnamen: 
ZADSprV. 13, S. 119-21. — 168) G. Rausch, Z. Gesch. d. dtsch. GenetiTs seit d. mittelhochdtsoh. Zeit. Diss. Giessen. 1897. 
33 S. — 169) J. Hell wig, D. Stellung d. attributiven Adjektivs im Dtsch. Diss. Halle, Karras. 176 S. — 170) H. Contze, 
Jahresberioht« fbr neuer« dentsohe Litteraturgeschiohte. IX. (l)lc 



I 8 : 171-198 W. G o 1 1 h e r , Geschichte der neuhochdeutschen Sprache. 

zu erhalten vermocht; die Grammatiker verwarfen sie schon im 17. Jh. — Auf 
Grund g-eschichtlicher Betrachtungen und mit Verweis auf die besten Schriftsteller 
vom 16. — 17. Jh., von Ijuther bis Lessing- und Schiller und auch Bismarck verteidigt 
Contze'^") den Gebrauch von „derselbe" an Stelle des pron. person. der 3. Person 
und an Stelle des einfachen Demonstrativums. — Die Schrift von Merkes über den 
Infinitiv (JBL. 1895 I 7 : 170/1 ; 1896 I 7 : 160) wird von M i c h a e 1 i s ' ' >) angezeigt. — 
Lange '''2) sucht eine andere Erklärung als Merkes, indem er ausführt, in 
Wendungen wie „ich habe ihn arbeiten lassen, heissen, sehen" seien diese Infinitive 
statt part. praet. nach dem Vorbild augmentloser partic, praet. (also lassen = gelassen) 
entstanden. — Stein bauer und M enges '"'3) besprechen die im Oberrheinischen 
übliche Anwendung des praet. statt praes. : „der Tag war heut schön" statt „ist". — 
Prahl s^''*) Schrift bestätigt aus einigen Schriftstellern des 19. Jh. die von 
Behaghel 1878 formulierte Regel über die Zeitfolge im abhängigen Satze, dass im 
allgemeinen praes. conj. im Nebensatz dem praesens und praeteritum des Haupt- 
satzes gleichermassen folge. — 

Aussprache und Lautschrift. Die Grundsätze einer einheitlichen 
Bühnenaussprache stellt in übersichtlicher Weise Siebs''^) in einer besonderen 
Schrift zusammen. Voran steht ein Vortrag von S. „Allgemeine Grundlagen 
und Ziele der Arbeiten". Die Aussprache folgt im allgemeinen dem hoch- 
deutschen Gebrauch. In strittigen Fällen (z. B. Hof, Glas und Plöf, Glas) wird die 
Form, welche in zweien der drei Hauptgruppen (oberdeutsch, mitteldeutsch, nieder- 
deutsch) gilt, gewählt. Dann wird über den Vortrag von Sievers „Die Bedeutung 
der Phonetik für die Schulung der Aussprache" berichtet. Endlich werden für die 
Aussprache der einzelnen Laute feste Regeln gegeben und an zahlreichen Beispielen 
erläutert. — Kewitsch^'^) erklärt sich für die Bühnensprache und schildert an 
einigen wichtigen Fällen die Feststellung der gemeinsamen Aussprache. K. tritt 
auch für die Einheitsschreibung (Reform) ein. — V i e t or'^'' ''^), dessen Buch über 
die Aussprache des Schriltdeutschen in 4. Auflage erscheint, bespricht die Schrift 
von Siebs (vgl. N. 175). — Dieselbe Frage behandeln noch die Schriften von Link '""), 
T e s c h ^^% Aufsätze von S i e v e r s i^'). Kluge ^**2j, B e 1 1 e 1 h e i m '^3) und 
anderen.'***) — Ueber Erbes*^-^) fünfmal sechs Sätze über Aussprache erschienen einige 
im ganzen zustimmende Berichte. — Lautreine Aussprache fordert auch R e i n s ^^^) 
Schrift. — Bremer^^") erörtert die Lautschrift. — Für eine vereinfachte vmd laut- 
richtige Schreibweise kämpft Spiesers '^^) Zeitschrift. — Trotz dem finanziellen 
Misserfolg des grossen Häufigkeitswörterbuchs '*'•), das gelegentlich als „Riesen- 
thorheit" verurteilt wird, veröffentlicht K a e d i n g ^'"^ i''-^) einige kleinere statistische 
Schriften. — 

Schulbücher. Hildebrands '^*) Buch vom Sprachunterricht, von den 
Fremdwörtern und vom Altdeutschen in der Schule erschien in 6. Auflage. Die 
Schulgrammatiken und Schulbücher, soweit sie mir bekannt wurden, verzeichne ich 
in den Anmerkungen''^-'' 21 2j. — 



über d. Gebrauch des pron. „derselbe" mit besonderer Rücksicht auf d. v. Wnstraann „Allerhand Sprachduromheiten" erhobenen 
Bedenken. Progr, Herford. 4». 20 S. - 171) C. Th. Michaelis: ASNS. 28, S. 148-52. - 172) P. A. Lange, Z. Frage nach 
d. Entsteh. V. Konstruktionen in d. Art v. „ich habe schreiben können" usw.: Studier i modern spr^kvetenskap utg. af nyfllol. 
sällskapet i Stockholm 1, S. 171-82. — 173) J. Steinbauer n. H. Menge s, Imperfektum statt präsens: ZDU. 12, S. 2145, 
425/6. - 174) E. Prahl, D. Zeitfolge d. abhängigen Rede im BtSch. Progr. Danzig. 1897. 4». 16 S. — 175) Th. Siebs, 
Dtsch. Bühnenaussprache. Ergebnisse d. Beratungen z. .ausgleichenden Regelung d. dtsch. Bühnenaussprache, d. vom 14. bis 
16. Apr. im Apollosaal d. kgl. Schauspielhauses zu Berlin stattgefunden haben. B., Köln, L., Alb. Ahn. 96 S. M. 2,00. (Vgl. 
JBL. 1897 I 8:154: IV 4 : 299.) — 176) G. Kewitsch, Mustergültiges Dtsch.: PrJbb. 94, S. 297-311. —177) W. Victor, D. 
Aussprache d. Schriftdtsch. 4. Aufl. L., Reisland. VIU, 119 S. M. 1,60. — 178) id., Siebs, Bühnenausspr.: Neuere Sprachen 6, 

5. 315-24. — 179) L Link, 1). einheitl. Ausspr. im Deutschen, theoret. u. prakt. dargest. Paderborn, Schöning. 48 S. M. 0,60. 
[K. Duden: ZGyran. 52, S. 739-40; Th. Gärtner: ZADSprV. 13, S. 202; R. Spengler: ZOG. 49, S. 916.]| —180) Tesch, 

D. dtsch. Musterausspr. u. ihre Pflege im Seminar: PädBU. 27, N. 9. - 181) E. Sievers, Bnhnendtsch. u. Umgangsdtsch. : 
JbbAkErfurt. 24, S. 284/6. - 182) (JBL. 1897 IV 4 : 300.) - 183) (JBL. 1897 IV 4 : 301.) — 184) Dtsch. Bühnenausspr. D. Er- 
gebnisse d. Konferenz für ausgleichende Regelung d. dtsch. Bühnenspr.: DBühnenG. 27, 8. 171/2, 266/7. — 185) (JBL. 1897 I 
8:157.) I[K. Duden: ZGymn. 52, S. 99-106; F. Spengler: ZOG. 49, S. 9l6.]| - 186) O B. Rein, Lautreine Ausspr. Gotha. 
Perthes. IV, 68 S. M. 1,20. — 187)0. Bremer, Z. Lautschrift. L., Breitkopf & Härtel. 21 S. M. 0,75. — 188) J. Spieser, 
Reform. Zeitschr. d. Allg. Vereins für vereinfachte Rechtschreib, u. d. Vereins für Lateinschrift. Norden, Soltau. 196 S. M. 3.00. 

— 189) F. W. Kaeding, Häufigkeitswörterbuch d. dtsoh. Sprache. Festgestellt durch e. Arbeitsausschuss d. dtsch. Stenographie- 
systeme. 9.-15. (Schlus8-)Lfg. B., Mittler & Sohn in Komm. VI u. S. 385-671. ä M. 1,50. |[LCBI. S. 468/9; E. Engel: 
Zukunft 25, S. 306'8.J| — 190) id., D.Hilfszeitwörter u. ihr Verhältnis z. dtsch. Wortschatz, ebda. 14 S. M. 0,50. - 191 X 
id.. Welche Kraftleistung verwendet d. Kurrentschrift auf d. Darstellung d. Sprache? Steglitz, Selbstverl. 31 S. M. 0,75. 

— 192) X id.. Über d. zweckraässigste Zählmethode bei d. Wissenschaft!. Kritik Stenograph. Systeme, sowie über d. Wert d. 
Schulschriftkürzungen im Einigungssystem Stolze-Schrey. ebda. 20 S. M. 0,50. — 193) id.. Über Geläufigkeitsuntersuchungen 
oder Feststellung d. Schreibflüohtigkeit d. Sohriftzeichon. ebda. 29 S. M. 0,75. — 194) R. Hildebrand, Vom dtsch. 
Sprachunterr. in d. Schule n. v. dtsch. Erzieh, überhaupt, mit e. Anh. ober d. Fremdwörter u. über d. Altdtsch. in d. Schule. 

6. Aufl. L., Klinkhardt. VIII, 271 S. M. 3,00. — 195) X H. Au er, Schnlgraniinatik d. dtsch. Sprache. St., Kohlhammer. 
VI, 204 S M. 1,80. — 196) X (JBL. 1895 I 7:8; 1896 I 7:154.) |[0. Brenner: BBG. 34, S. 3/4.]| - 197) X J- 
Frei, Schnlgrammatik d. neuhochdtsch. Sprache. 13. Aufl. bearb. v. Prof. Dr. Schnorf. Zürich, Fisi. XIV, 224 S. 
M. 2,40. - 198) X K. Hähnel n. R. Patzig, Z. Wortbild. u. Wortbedeut. im dtsch. Sprachunterr. Lahrerheft z. 



W. G o 1 1 h e r , Geschichte der neuhochdeutschen Sprache. I 8 : 199-2*) 

Mundarten. Das zweite Heft von Nagls deutschen Mundarten^'^) ent- 
hält eine Bibliographie der Mundartforschung- 1890—95 von Mentz und eine Biblio- 
graphie des Jüdisch-Deutschen von L a n d a u. Ausser den Besprechung-en von 
Schatz und Seelmann sind hierzu noch die Bemerkungen von Bremer 2'*) zu 
vergleichen. — Für 1896 gab Mentz^i^) im IndogermAnz. eine Bibliographie. 
— Bremer^'ö) legt seine Anschauungen über die deutschen Mundarten, ihre 
Gruppierung und Grenzen in einer Karte nieder. — Das schöne Buch E. H. Meyers^'") 
über die deutsche Volkskunde behandelt auch die Mundarten. Zunächst werden die 
unterscheidenden Merkmale zwischen Volks- und Schriftsprache in Laut-, Formen- 
und Wortbildungslehre geschildert, auch Wortschatz und Satzlehre werden erwähnt. 
Hierauf folgt eine Uebersicht über die deutschen Mundarten nach ihrem gegen- 
seitigen Verhältnis. Eine Mundartkarte (im Anschluss an die von Maurmann in 
Meyers Konversations-Lexikon 1894) ist beigegeben. — Ritz er t'^'^) behandelt die 
Dehnung der mittelhochdeutschen kurzen Stammsilbenvokale in den neuhochdeutschen 
Volksmundarten. Die Lösung dieser Frage ist auch für die neuhochdeutsche 
Schriftsprache von Belang, indem danach festzustellen sein wird, auf welcher 
Mundart oder welchen Mundarten die neuhochdeutschen Quantitäten beruhen. R. hat 
für seine Untersuchungen sehr reiches Material, für das Rheinfränkische eigene 
Sammlungen verwertet. Er findet, dass die Quantitäten des Obersächsischen im 
Schriftdeutschen herrschen. — üeber den Sprachatlas berichtet W r e d e 2'«) im ADA. — 
Seh ein er 220^ sucht mit Hülfe des Atlasses das Auswanderungsgebiet der Sieben- 
bürger Sachsen zu bestimmen, — Behaghel22») giebt zu seiner „Schriftsprache und 
Mundart" (JBL. 1896 I 7:185; 1897 I 8:185) selbst kleine Nachträge. — Kauff- 
m a n n s ^^2) Anzeige richtet sich vornehmlich gegen Behaghels Annahme einer 
mittelhochdeutschen Schriftsprache. — öeber das Verhältnis zwischen Mundart und 
Schriftsprache schreibt P a n d 1 e r ^23), — 

Oberdeutsch. Zum grossen schweizerischenW'örterbuch(JBL. 1896 I 7: 193a), 
von dem zwei Lieferungen224) herauskommen, bildet das bündnerische Wörterbuch von 
Tschumpert^^sj q[j^q wertvolle Ergänzung. — Zimmerlis^^ej Buch über die Sprachgrenze 
in der Schweiz wird mit Anerkennung besprochen. — Ebenso wie das grosse schweize- 
rische wird das elsässische Wörterbuch von Martin und Lienhart'^'J) von allen 
Beurteilern sehr gerühmt. — Witte ^28) schildert die Entstehung der heutigen 
deutsch-französischen Sprachgrenze und verfolgt ihre Schwankungen. Drei Karten 
stellen die Grenzen um das Jahr 1000, 1500 und in der Gegenwart dar. — Spieser22'») 
verzeichnet schriftdeutsche Wörter mit abweichendem Sinn, die in der Mundart von 
Waldhambach vorkommen. — Lewy^äOj giebt einige Bemerkungen zum Elsässer 
Judendeutsch. — Fischers schwäbischer Sprachatlas (JBL. 1895 I 7:46) war als ein 
verdienstvolles Werk neben Wenkers gemeindeutschem Atlas zu rühmen. Er wird im 



dtsch. Sprachschnle. 4. Anfl. L., Hirt & Sohn. 160 S. M. 1,25. — 199). X H. Heidelberg, Elementargraiuni. 
d. dtsch. Sprache für höhere ünterr. - Anstalten. 9. Aufl. B., Weidmann. 97 S. M. 1,20. — 200) )< il 6:101.) 
![K. Budolph: ZGymn. 52, S. 740/1; 0. Weissenfeis: DLZ. 1897, S. 1556/6.]! - 201) X B- Lehmann n. 
K. Dorenwell, Dtsch, Sprach- n. üebangsbuch f&r d. unter, n. mittler. Klassen höher. Schulen. 3. Heft. 
Hannover u. B., C. Meyer. 96 S. M. 0,70. — 202) X 0. Lyon, Dtsch. Grammatik n. Gesch. d. dtsch. Sprache. 3. Aufl. 
(= Samml. Göschen N. 20.) L., Göschen. 144 S. M. 0,80. i[K. S che f f 1 e r : ZADSprV. 13, S. 200.]| - 203) X Th. 
Matthias, Vollst, turzgefasstes Wörterb. d. dtsch. Rechfschreib. L., Hesse. XIV, 356 S. M. 1,20. — 204) X • dj K"t«- 
chismns d. guten Dtsch. ebda. VI, 230 S. M. 2,00. — 205) X J.Meyer, Dtsch. Sprachbuch für Bürger-, Mittel- u. 
höhere Mädchenschulen. Hannover u. B., Carl Meyer. 1.58 S. M. 1,20. — 206) X C. Th. Michaelis, Nenhochdtsoh. 
Gramm., bearb. für höhere Schulen. 2. Aufl. Bielefeld n. L., Velhagen & Kissing. VIIl, 182 S. M. 1,40. — 207) X K. 
Michelsen, Katechismus d. dtsch. Sprachlehre. 4. Aufl. v. F. Nedderich. L, Weber. X, 253 S. M. 2,50. — 208) X *• 
Schwenk, Dtsch. Sprache, e. Anleit. z. Selbstunterr. in d. Grammatik, Orthographie U.Interpunktion. L., Bredt. VIII, 109, 
87,32,70 8. M.3,00. — 209)X(I 6:81.) — 210) X A.Winter, Wörterverz., nach d. in Bayern amtlich eingeführten Schreibweise 
bearb. München, Piloty n. Loehle. 51 S. M. 2,00. — 211) X Zeichensetz. u. Fremdwörterverdeutschung im Anschl. an d. Schrift- 
regeln u. Wörterverzeichn. für d. dtsch. Kechtschreib. Z. Gebr. in d. sächs. Schulen bearb. 4. Anfl. Dresden, Kuhle. 42 S. 
M. 0,30. — 212) X ^- Ziemann, Etymol. Belehrung, im Seminar. Im Anschluss an Martins Schulgrammatik d. dtsch. Sprache. 
Breslau, Hirt. 56 S. M. 0,75. — 213) J. W. Nagl, Dtsch. Mundarten. l.Bd. 2. Heft. Wien, Fromme. 79 S. M. 3,40. |[J. Schutz: 
ASNS. 101, S. 172/4; W. Seelmann: KblVNiederdSpr. 20, S. 15/6.]| (Vgl. JBL. 1896 I 7:190.) ~ 214) 0. Bremer, Z. 
Gruppierung d. dtsch. Mundarten: KblVNiederdSpr. 20, S. 34. — 215) F. Mentz, Bibliographie für 1896: IndogermAnz. 8, 
S. 295-302. — 216) 0. Bremer, Karte d. dtsch. Mundarten: Brockhans Konversationslexikon, 14. Aufl., 4, S. 28. - 217) 
(I 5:1, S. 276-311.) — 218) A. Ritzert, D. Dehnung d. mittelhochdtsch. kurzen Stammsilbenvokale in d. Yolksmnndarten d. 
hochdtsch. Sprachgebiets auf Grund d. vorhandenen Dialektlitt.: BGDS. 23, S. 131-222. — 219) F. Wrede, Berichte über 
Wenkers Sprachatlas XVI: ADA. 24, S. 113-28. — 220) A. Scheiner, Wredes Berichte über G. Wenkers Sprachatlas u. 
unsere Dialektforschung: AVSbnbgL. NF. 28, S. 75-108. — 221) 0. Behaghel: LBlQRPh. 19, S. 177/8. - 222) F. Kauf f- 
mann, Behaghel, Schriftsprache u. Mundart: ZDPh. 30, S. 381/3. — 223) O X f^- Pandler, Mundart u. Schriftsprache: 
MNordböhmExcursCInb. 21, S. 269-72. — 224) F. S t a u b u. L. T o B 1 e r n. andere. Schweizerisches Idiotikon. Heft 35/7. Frsuen- 
feld, Hnber. ?. 625-1104. M. 2,00. |[A. Tobler: ASNS. 100, S. 453/7.]| — 225) M. T s c h n ra p e r t, Versuch e. bllnd- 
nerisQhen Idiotikons. Lfg. 5. Chur, Hitz. 1896. S. 641-800. Fr. 3,60. - 226) (JBL. 1896 I 7 : 195; 1897 I 8 : 190.) '[A. 
Büchi: IndogermAnz. 8, S. 80/7; F. Jostes: ADA. 24, S. 394/5.]| — 227) (JBL. 1897 I 8: 191.) |(H. Monges: ZDÜ. 12, 
S. 360/4, 426/8, 676/8; B. Stehle: Alemannia 25, S. 274/5; V. Henry: RCr. 45, S. 82/5; 46, 112,4, 406/9; Grenzb. 3, 8.4/7; 
M. Brdmann: ZDPh. 30, S. 412/7.]! — 228) H. Witte, Z. Gesch. d. Deutschtums im Elsass n. im Vogesengebiet. (= Forsch, 
z. dtsch. Landes- u. Volkskunde X, 4.) St., Engelhorn. 1897. 128 S. M. 7,60. |[B. Langenbeck: GeogrZ. 4, S. 434/5; RCr. 44, 
S. 445/8; K. Horst: ZGORh. NF. 13, S. 374; G. S. Wolfram: DLZ. S. 710/7.J| - 229) J. Spieser, Schriftdtsoh. Wörter 
mit abweichendem Sinn in d. Mnndart d. Dorfes Waldhambach: JbGElsLothr 14, S U5-60. — 230) H. Lewy, Z. 

(1)12* 



1 8 : 291-255 W. ur o 1 1 h e r , Geschichte der neuhochdeutschen Sprache. 

Berichtsjahr von Wrede^si)^ dp^. durch seine Arbeit am Wenkerschen Atlas vor 
allen anderen dazu befähigt erscheint, einer eingehenden sachlichen Kritik unterzog-en. 
Wenn auch allerlei Einwände, z. B. gegen Fischers Fragebögen, seine kartographische 
Darstellung, seinen sprachgeschichtlichen Standpunkt erhoben werden, so ist doch 
auch bei hohen Anforderungen das Gesamturteil überaus günstig. Die Wenkerschen 
Karten werden durch Fischer teils bestätigt, teils ergänzt. — Ueber den schwäbischen 
Wortschatz, Redensarten und Sprichwörter plaudert Weitbrecht^si). — Erbes Buch 
(JBL. 1897 18: 187) zeigt Holder^as) an. — üeber die Rieser Mundart liegt ein Buch 
von F. G. G. Schmidt234) vor. — Aus bayerisch-österreichischem Sprachgebiet sind nur 
kleinere Arbeiten zu nennen. Die Beschreibung der Imster Mundart von Schatz^s^) wird 
lobend angezeigt. Nag4 bespricht Hörmanns '^3'') Beiträge zur österreichischen Dialekt- 
iitteratur. — Mauser ^S'j behandelt die Schicksale einiger mittelhochdeutscher 
Vokale in der heutigen Mundart an der Hz. — Hausenblas ^^sj schreibt über den 
Vokalismus der Brüxer Mundart, und St e i n h err^^") verzeichnet einiges aus dem 
Wortschatz der Aichacher Gegend. — 

Mitteldeutsch. Lenz ^^o^ giebt ein vergleichendes Wörterbuch der 
neuhochdeutschen Sprache und der Mundart von Handschuhsheim. Er legt Kluges 
etymologisches Wörterbuch zu Grunde, das aber für den g'edachten Zweck nicht ge- 
eignet ist, und stellt die betreffende Handschuhsheimer Form daneben. Wo eine 
solche fehlt, wird womöglich ein Synonymon eingesetzt. Damit soll eine Vorarbeit 
zu einem künftigen Atlas des deutschen Wortschatzes geschaffen werden. — 
He eg er 24') bespricht die Herkunft einiger pfälzischen Wörter. — Heilig^^s) giebt 
eine ausführliche Grammatik der ostfränkischen Mundart des Taubergrundes. 
Phonetische, geschichtliche und chronologische Darstellung der Laute, Textproben, 
Lautkarte enthält das unter Bremers Mitwirkung sehr gründlich gearbeitete 
Buch. — W i r t h 243) beschreibt Laut- und Formenlehre der um Wunsiedel und 
Selb gesprochenen Mundart. — Im Anschluss an ein Programm von 1892 — 93, ent- 
haltend die Lautlehre, liefert F 1 e x ^**) den zweiten Teil, die Formenlehre und 
Sprachproben. — Ferner finden die Frankenhäuser Mundart 2^5) und die der 
Kirchfahrt Sebnitz ^*^) (Amt Pirna) besondere Darstellungen. — Franke ^^'') sucht 
die im Königreich Sachsen gesprochenen Mundarten festzustellen. — Das Vogt- 
ländische wird von Heims ^^S)^ Gerbet und Riedel ^^O) erörtert. — K n o t h e ^^o) 
behandelt die Markersdorfer Mundart. — Schlesisch beschreibt K of f m a n e^s'). — 
W u n d e r 1 i c h 252) zeigt Drechslers Schrift über Wencel Scherffer (JBL. 1895 1 7 : 19) 
an. — S c h u 11 e r u s253) steuert Pflanzennamen zum Siebenbürger Wörterbuch bei. 
" S t u h rm a n n s254) ausgezeichnete Schrift über die mitteldeutsche Sprachinsel 
im Ostpreussischen behandelt in ihrem dritten Teil auf dieselbe Weise wie in den 
früher erschienenen Abhandlungen die Lautlehre der sogenannten oberländischen 
Mundart, die in den Dörfern des Kreises Pr. Holland herrscht. — 

Niederdeutsch. Tümpel s255) niederdeutsche Studien stellen an ein- 
zelnen Formen und Lauten die Unterschiede der mittelniederdeutschen Mundarten 
fest. Da diese Verschiedenheiten durch Zeit und Ort der Urkunden fest bestimmt 
sind, so ermöglichen sie zeitliche und örtliche Ermittlung mittelniederdeutscher 
Texte. Zugleich erörtert T. das Verhältnis der mittelniederdeutschen Mundarten zu 
den unter einander weit mehr abweichenden neuniederdeutschen, fördert die Frage 
nach dem Wesen der mittelniederdeutschen Schriftsprache und giebt eine wertvolle 
Vorarbeit zur mittelniederdeutschen Grammatik. — Dem niederfränkisohen Sprach- 



Eli&sser Jndendtsch. : ib. S. 78-8?. (Vgl. JBL. 1897 I 8: 194/5.) — 231) F. Wrede: ADA. 24. S. 250-69. — 232) 
R. Weit brecht, Allerlei .ifls d. Volksmunde. Planderei: Hie gut Württemberg allewege 1, S. 135-47. — 233) A. 
Holder, Alemannia 25, S. 278-82. — 234) F. G. G. Schmidt, D. Bieser Mundart. München, Lindauer. 84 .S. M. 1,00. 
~ 235) (JBL. 1897 18:197.) I[W. Hörn: LBlGRPh. 19, S. 222/3; E. H o f f ra a n n - K r ay e r: ADA. 24, S. 312/4.]| — 
236) (JBL. 1895 IV 2a:77; 2b : 109, 111.) |[J. W. Nagl: Enph. 5, S. 119-23.]| — 237) G.Mauser, D. Mittelhochdtsch. 
e, iu u. d. Stammsilben in d. jetzigen Mundart d. Uz. Progr. Neustadt a. d. Haurdt. 33 S. — 238) A. Hansenblaü, 
D. Brüxer Mundart. I. Vocalismns. Progr. Wien. 42 S. — 239) Steinherr, Wörter aus d. Aichacher Gegend : MÜBayer- 
Volfcsk. 2, S. 2. — 240) Ph. Lenz, Vergleich. Wörterbuch d. neuhochdtsch. Sprache u. d. Handschuhsheimer Dialekts. Baden- 
Baden, Selbstverl. 81 S. M. 2,00. — 241) G. Heeger, Ueber d. Herkunft einig. Wörter d. pfälz. Mundart: Pfalz. Museum 
H, N. 4. — 242) 0. Heilig, Grammatik d. ostfrank. Mundart d. Taubergrundes u. d. Nachbarmundarten. (= Saramlg. kurzer 
Grammatiken dtsch. Mundarten v. 0. Brem e r, 5.) L., Breitkopf & Härtel. XIII, 239 S. M. 7,50.-243) C. Wirth, Laut- n. 
Formenlehre d. sechsämterischen Mundart: AGOberfranken. 20, S. 147-232. — 244) R. Fle.v, Beitrr. z. Erforsch, d. Eisenacher 
Mundart. 2. T. : Z. Flexion. Progr. Eisenach. 4». 16 S. — 245) J. F r ank, D. Frankenhänser Mundart. Diss. Leipzig. 61 S. — 
246) A. M eiche, D. Dialekt d. Kirchfahrt Sebnitz. T. 1. Diss. Halle, Karras. 104 S. - 247) C. Franke, D. Dialekte 
im Königreich Sachsen: MVSächsVolksk. N. 3/4. — 248) W.Heims, Schriftsprache, Mundart u. Vogtländisch: Unser Vogtland 
3, N. 10. — 249) E. Gerbet u. L. Riedel, Einheitliche Schreibweise d. Vogtland. Mundart: ib. N. 14-24. — 250) F. 
Knothe, D. Markersdorfer Mundart. E. Beitr. z. Dialektkunde Nordböhmens. Böhm.-Leipa KOnstner. 128 S. M. 1,00. |[MVGDB. 
36, LittB. 8.41/2: 0. Streicher: ZADSprV. 12, S. 241.1| - 251) G- Koffmane, Mundartliches aus Schlesien. (=SiIesiaca, 
Festschrift d. VGSchlesien. z. 70. Geburtstag seines Präses Grfinhagen. Breslau, Morgenstern. M. 6,00. [3.367-78.]) —252) H. 
Wunderlich: Enph. 5, S. 320. — 253) (I 5 ; 526.) - 254) J. S t u h r m an n, D. Mitteldtsch. in Ostpreussen 3. Progr. 
Dlisoh.-Krone. 4«. 19 S. (Vgl. JBL. 1896 I 7:220.) — 255) H. Tümpel, Niederdtsch. Stud. Bielefeld, telhagen & Klasing. 
XIJ, lül 8. M. 3,00. |[W. Seelmann: KblVNiederdSpr. 20, S. 47/8; E. M .i r t i n : DLZ. S. 1399; 0. Glöde: ASNS. 100, 



\V. G o 1 1 h e r , Geschichte der neuhochdeutschen Sprache. I 8 : 256-261 

g-ebiet gehört die von M a u r m a n n ^^^) dargestellte Mundart von Mülheim a. d. Ruhr 
an. Das Buch enthält eine phonetische und geschichtliche Beschreibung der Laute 
auf westgermanischer Grundlage, eine Aufzählung der wichtigsten Lautgesetze nebst 
Versuch, ihre Zeitfolge festzusetzen, eine Formenlehre und Textproben. — Krause^^') 
(JBL. 1896 I 7 :223; 1897 I 8: 218) sucht drei Mundartgebiete südlich und östlich 
von Magdeburg gegen einander al)zugrenzen. — Pf äff -^^) behandelt den Vokalismus 
des Dorfes Stöven, Kreis Randow, Reg.-Bez. Stettin. Auch er gliedert seine Arbeit 
in einen beschreibenden, d. h. phonetischen und einen geschichtlichen Teil. Im An- 
hang werden die aus anderen niederdeutschen Mundarten und aus dem Neuhoch- 
deutschen stammenden Lehnwörter besprochen. — Von Mentz^^») verdienstlicher 
Arbeit über die französischen Lehnwörter im mecklenburgischen Platt erschien der 
zweite Teil (L.-Z.) mit einer kurzen Geschichte der Aufnahme französischer Wörter, 
die durch flandrische Ansiedler im 13. Jh., durch das höfische Leben des Mittelalters, 
durch die Hansa im 14.— 16. Jh., durch die neuhochdeutsche Litteratur im 
17. Jh. (vgl. Lauremberg), verhältnismässig nur in geringer Anzahl durch die 
napoleonische Herrschaft eindrangen. M. erörtert auch die Sachgebiete (Schiffahrt, 
Handel, Militär, Mode usw.), denen die Fremdwörter meist angehören. Endlich 
behandelt er die Art und Weise, wie das Volk die Fremdwörter sich mundgerecht 
machte, und welche französischen Endungen in die Mundart Eingang fanden. — 
W. von G u t z e i t^''"*^) bringt sein livländisches Wörterbuch zum Abschluss. — 
Beck''^^') veröffentlicht ein kleines Wörterbuch der Mundart von Nordsteimke bei 
Helmstedt. — 



S. 18.3, 5.]| (Vgl. JBL. 1S96 I 7:221.) — 256) E. Miiurmann, Graraniiitik d. Mundart v. Mülheim a. d. Ruhr. (= Sammig. 
kurzer Grammatiken dtsch. Mundarten, her. V. Bremer. N. 4.) L., Breitkopf & Härtel. VII, 108 S. M. 4,00. |[W. Wilmanns: 
DLZ. S. 1756/7; LCBl. S. 1759: ZVVolksk. 8, S. 350/l.JI — 257) G- Kranse. Drei Dialekte d. Magdeburger Gegend hinsichtl. 
ihrer gegenseit. Abgrenz, dargesf. u. nntersncht. Progr. Magdeburg. 4". 17 S. Mit Karte. (Vgl. JBL. 1S96 I 7 : 223; 1897 I 
3:218.) — 258) H. Pf äff, D. Vokale d. raittelpommerschen Di.-ilekts. Progr. L., Labes. IX, 49 S. — 259)K. Mentz, 
Französ. im mecklenburgischen Platt u. in d. Nachbardialekten. 2. T. Progr. Delitzsch, Meyner & Sohn. 4''. 33 S. (Vgl. 
JBIj. 1897 I 8:105.)— 260) W. v. Q u t z e i t , Wörterschatz d. Sprache Livlands. Schildbar— schwartbrett, geschwillen — ge- 
reibe, Terschalen — verschänVen; Nachträge zu A — V. Riga, Kymrael. S. 117-71, 349-53, 27-37, 1-33. M. 3,00. —261) H. Beck, 
Idiotikon v. Nordsteimke bei Vorsfelde: JbVNiederdSpr. 23, S. 131-54; 24, S. 113-28. — 



19 112 

1,0 

Geschichte der Metrik. 

Franz Saran. 

[Der Bericht über die Erschein im g-en des Jahres 1898 wird im zehnten Bande 
nachg-eliefert ] 

1,10 

Stoffgeschichte. 

A. L. Stiefel. 

[Der Bericht über die Erscheinungen des Jahres 1898 wird im zehnten Bande 
nachgeliefert.] 

1,11 

WeltanschauuDgsgeschichte. 

Alexander Tille. 

[Der Bericht über die Erscheinungen des Jahres 1898 wird im zehnten Bande 
nachgeliefert.] 

1,12 

Kunstgeschichte. 

Cornelius Gurlitt. 

[Der Bericht über die Erscheinungen des Jahres 1898 wird im zehnten Bande 
nachgeliefert.] " 

1,13 

Musikgeschichte. 

Leopold Schmidt und Wilhelm Fabian. 

[Der Bericht über die Erscheinungen der Jahre 1897 und 1898 wird im 
zehnten Bande nachgeliefert.] 

I,U 

Poetik und ihre Geschichte. 

Richard Weissenf eis. 

[Der Bericht über die Erscheinungen des Jahres 1898 wird im zehnten Bande 
nachgeliefert.] 



IL Von der Mitte des 15. bis zum Anfang 
des 17. Jahrhunderts. 



11,1 

Allgemeines. 

Max O s b o r n. 

11,2 

Lyrik. 

Rudolf Wolkan. 

Jabreaberichte für neuere deutsche Litteratnr^esohichte. IX. (1)1 2a 



II 3 llt 5 

11,3 

Epos. 

Adolf Hauffen. 

11,4 

Drama. 

Wilhelm ( / r e i z e n a c h 

11,5 

Didaktik. 

Gustav Kühfeldt. 

11,6 

Luther und die Reformation. 

l*' e r d i n a n d C o h r s. 

11,7 

Humanisten und Neulateiner. 

Georg- E 1 1 i n g e r. 
[Die Berichte 11,1 bis 11,7 über die Erschein ung-en des Jahres 1898 werden 
im zehnten Bande nachgeliefert.] 



III. Vom Anfang des 17. bis zur Mitte 
des 18. Jahrhunderts. 



in,i 

Allgemeines. 

Alexander Reifferscheid. 

111,2 

Lyrik. 

Karl Drescher. 

111,3 

Epos. 

Alexander Reifferscheid. 

111,4 

Drama. 

Friedrich Gottheit. 

111,5 

Didaktik. 

Ludwig" Pariser. 
[Die Berichte 111,1 bis 111,5 über die Erscheinungen des Jahres 1898 werden 
im zehnten Bande nachg-eliefert.] 



I 



IV. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts 
bis zur Gegenwart. 



IV,1 

Allgemeines. 

a) Litteraturgeschichte. 

Adolf Stern. 

Allgemeines und geschichtliche Oesamtdarstellnngen N. 1. — Moderne Litteratar K. 6. — Die Franen und die 
Litteratnr N. 13. _ Essays und CharaWerbilder N. 17. — Anthologien N. 34. — SpeoiaUtudien N. 41. — Veimisohte Schriften 
und Aufsätze K. 45. — Lokale Litteraturforschnng N. 50. — 

Allgemeines und geschichtliche Gesamtdarstellungen. 
Die im Berichtsjahre erschienenen Hefte von Goedekes Grundriss^) unter Goetzes 
Redaktion führten lediglich den von Sauer mit äusserster Gründlichkeit und 
denkbarster Vollständigkeit bearbeiteten § 298 weiter, der die deutsch- österreichischen 
Dichter der ersten Jahrzehnte des 19. Jh., mit mancherlei Rückgriffen in früheren 
Perioden, behandelt. Die Thatsache, dass aus der Uebermasse des Materials ein un- 
verhältnismässiger Umfang dieses Abschnitts hervorgeg'angen ist, räumt das Vorwort 
zum sechsten Bande mit den Worten unumwunden ein: „In einer dritten Auflage 
des Grundrisses wird leicht wieder eine Entlastung dieses Schwellparagraphen ein- 
treten können, wenn der Bearbeiter der österreichischen Partien schon in einem 
früheren Zeitraum einsetzt". Man erschrickt gegenüber der Masse der Namen und 
der Masse der Buchtitel, wenn man die Möglichkeit ins Auge fasst, dass auch nur 
ein grösserer Teil davon Anlass zu Einzelforschungen und Einzeldarstellungen geben 
könnte. Denn diese Nachweise über hunderte und aber hunderte von Nachahmern 
gleichen einem Beinhaus, aus welchem eine beliebige Anzahl von Skeletten, aber 
kaum lebendige und anschauliche Gestalten auferstehen werden. Die Breite und 
Länge der Nachwirkung vielgelesener und bewunderter litterarischer Vorbilder tritt 
uns kaum irgendwo deutlicher entgegen, als in diesem Verzeichnis altösterreichischer 
vergessener Poeten, verschollener Dramen, Gedichte und Erzählungen. Und sowohl 
die Mischung als der bunte Wechsel der Vorbilder bringt bei dieser Litteratur aus 
zweiter und dritter Hand den Anschein| einer Mannigfaltigkeit hervor, mit dem die 
innere Oede und Leblosigkeit wundersam kontrastiert. Die Dichtergruppen sind, wie 
schon früher gesagt, nach den österreichischen Kronländern eingeteilt. Aus der 
Masse schauen mit einigermassen erkennbaren Gesichtern hervor: Lorenz Leopold 
Haschka, der Dichter der österreichischen Nationalhymne „Gott erhalte Franz den 
Kaiser", Matthias Leopold Schleifer, der Freund Feuchterslebens und Lenaus, Georg 
Friedrich Treitschke, der Operndichter (der als geborener Leipziger nur halb hierher 
gehört, aber freilich in vierzig Jahren Theaterdienstes, von 1802—42, Zeit genug 
hatte, völlig zu verwienern), Ferdinand Wolf, der Uebersetzer aus dem Altfranzösischen, 



1) K. Goedeke , Grandr. z. Gesch. d. dtsch. Dichtung aus d. Quellen. 2. ganz neu bearb. Aufl. Nach, d. Tode 
d. Vf. in Verbind, mit Fachgelehrten fortgef. v. Ed. Goetze. Heft 18 (= Bd. 6, S. 641-822) n. 19 (= Bd. 7, S. 1-192). 
Jahresberiohte für neuere deutsche Litteraturgeschichte. IX. (4)1 



IV la:2 Ad. Stern, Allg-emeines des 18./19. Jahrhunderts: Litteraturg-eschichte. 

Spanischen und Portug-iesischen, Anton Graf Prokesch-Osten, der Soldat, Diplomat, 
Poet und Historiker, die Tiroler Johann Friedrich Primisser, Alois Weissen bach und 
Ph. Bonitius Maria Mayer, die Deutschböhmen Karl AgnoU Schneider (der als Karol 
Sudomir Snaidr auch tschechisch zu dichten begann), Emanuel Voith, der 
litterarische Vorkämpfer des Ultramontanisraus in Oesterreich, Josef St. Zauper, der 
Goethefreund. Das neunzehnte Heft, das als Anfang des siebenten Bandes des 
Grundrisses gleichfalls im Berichtsjahr hervortrat, beschliesst mit den Abschnitten 
über die deutsch-österreichischen Dichter und Dichterlinge von Mähren, Schlesien, 
Galizien, Ungarn, Kroatien und Slavonien, Siebenbürgen den § 298 und führt in § 299 
auf reichsdeutschen Boden, nach Bayern, Franken, dem Oberrhein, Württemberg, 
Baden und der Pfalz zurück. Von den in den letzten Abschnitten des § 298 ge- 
nannten Namen weisen einige wenige auf gehaltvollere und hervorragendere 
Persönlichkeiten hin, so auf den Brünner Lyriker, Schauspieldichter und poetischen 
Uebersetzer Alois Jeitteles, den Dichter des Beethovenschen Liederkreises „An die 
ferne Geliebte" und Mitverfasser des parodistischen „Schicksalsstrumpfes", der in 
der Regel nur auf Castellis Namen geht, so auf Maria Tberese von Artner (Theone), 
die lyrische Dichterin, auf Jakob Glatz, den Pädagogen, auf Graf Leonhard 
von Rothkirch und Panthen, den Trauerspieldichter, auf die Siebenbürger Josef 
Filtsch, den Dialektdichter in siebenbürgischer Sachsenmundart, und Christian Heyser, 
den Vf. vaterländischer Dramen, wie. „Hans Benkner", „Die Schlacht auf dem 
Brodfeld" , „Die Kreuzritter im Burzenland" und „Die Eroberung von Dacien". 
Das Miss Verhältnis , in dem die poetische Leistungskraft zur sonstigen litterarischen 
Thätigkeit, zu pädagogischen, politischen, rednerischen und menschenfreundlichen 
Verdiensten steht, ist bei der Masse der hier aufgeführten Deutschösterreicher be- 
sonders auffallend; der Paragraph enthält damit eine Fülle von Nachweisen, die man 
zunächst überall anderswo als im Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung 
suchen würde. Unter den im § 299 aufgeführten und nachgetragenen oberdeutschen 
Poeten, deren das nevmzehnte Heft des Grundrisses noch gedenkt, findet sich kaum 
einer, den man von der Masse geschieden haben möchte, höchstens Carl Friedrich 
Graf Reinhard, und auch diesen nur um seiner geschichtlichen Bedeutung und seines 
Verhältnisses zu Goethe, nicht um seiner Gedichte willen. — Von anderen Darstellungen, 
die im wesentlichen nur die deutsche Litteratur des 19. Jh. und hier wieder vorzugs- 
weise die nachklassische und nachromantische Periode behandeln, erweist sich die 
von V o r b e r g „neu bearbeitete und fortgesetzte" zehnte Auflage von K. Bartheis 
„Deutscher Nationallitteratur der Neuzeit" 2) als eine so tief eingreifende Umgestaltung des 
Werkes, dass man sie beinahe ein völlig neues Buch nennen darf. Die zweite 
und dritte Lieferung umfassen die Zeit der Nachromantik, der Uebergänge zur Neu- 
zeit und die Periode des jungen Deutschland. Die Darstellung setzt bei Wilhelm 
Müller und Friedrich Rückert ein und ist bis zu den „politischen Dichtern revolutionärer 
Tendenz" (Herwegh und Prutz) fortgeführt. Gegen eine Gliederung und Gruppierung, 
die wieder einmal nach Roethes Wort den zweiten punischen Krieg vor den ersten 
setzt und vor dem jungen Deutschland nicht nur Geibel, sondern den ganzen 
Münchener Dichterkreis bis zu Heyse, Lingg, Riehl, Melchior Meyr und F'elix Dahn 
bespricht, muss man entschieden Verwahrung einlegein. Nicht minder bedenklich ist 
die alte Unart, die österreichischen Dichter getrennt von der ganzen übrigen Ent- 
wicklung zu behandeln, selbst wenn sie, wie z. B. Anast. Grün, der Wiener Spazier- 
gänger, — Vorläufer dieser ganzen Entwicklung sind. Die Zahl der besprochenen 
Dichter und Dichtungen hat V, wesentlich erweitert, die Einsicht in das Wesen und 
das Recht der Kunst ist bei ihm tiefer als bei seinem Vorgänger, nichtsdestoweniger 
legt er die alten Massstäbe Bartheis an. Niemand kann widersprechen, wenn er „die 
Weihe des Genius durch die W^ahrheit und den Adel der Gesinnung" fordert, „die 
weder durch die vollendete Form noch durch den Reichtum des poetischen Lebens 
ersetzt werden kann". Aber im ganzen Verlauf seiner Darstellung, in zahllosen 
Einzelurteilen lässt V. keinen Zweifel, dass er keine andere Wahrheit, keinen anderen 
Adel der Gesinnung kennt, als die aus dem kirchlichen Glauben und der kirchlichen 
Frömmigkeit erwachsenen, dass er überall Feindseligkeit gegen Christentum, Kirche 
und christliche Sitte, gegen das geschichtlich Gewordene, das sittlich Berechtigte 
erblickt, in jeder von einem Dichter gegebenen Gestalt eines Heuchlers, eines 
Lippenchristen Angriffe auf die Religion wittert und selbst Bodenstedt, den er doch 
als „einen mildgesinnten, treuen, wahrhaftigen, auch frommen deutschen Dichter" 
charakterisiert, wegen „zahlreicher Angriffe auf Heuchelei, Pfaffentum, Intoleranz 
und Aberglauben" anbohrt, mit einem Wort eine Befangenheit an den Tag legt, die 
beinahe unheimlich wirkt. Dazu misst der Vf. mit höchst ungleichem Masse; was 



L., Dresdeo, B., Ehlermann. i. M. 4,20. |[A. Sauer: Gnph. 5, S. 374.|] — 2) E. Barthel, D. dtsoh. Nationalliti d. Nenceit. 
10. Aufl. f(«u bearb. n. furtges. t. M. Vorberg. Lfg. 2/S (8. 161-480). Gütersloh, BerteliniBOn. ä M. 1,60. |[A.ELKZ. 81, 



Ad. Stern, Allgemeines des 18./19. Jahrhunderts: Litteraturg-eschichte. IV la:8 

z. B. Zedlitz „Waldfräulein" recht ist, sollte Heyse und anderen wenigstens billig- 
sein. Auch Hesse sich sehr wohl eine Litteraturgeschichte aus der Feder eines 
streng gläubigen Mannes von tiefster Frömmigkeit denken, der es aber nicht aus 
den Augen verlöre, dass in des Vaters Hause viele Wohnungen sind, und dass der 
Apostel ausdrücklich zeugt: alles ist euer. Ein solcher würde Urteile, wie sie sich 
in dieser Nationallitteratur beinahe Seite für Seite ablösen, dreifach wägen, wenn er 
es auch nicht verhehlen könnte, dass ihm bei vielen Dichtern das eine fehle, das für 
ihn das Höchste ist. Kommt nun zur Willkür der Anordnung, die den geschichtlichen 
Verlauf wie die innere Entwicklung als unwesentlich bei Seite schiebt, zur Befangen- 
heit des Urteils die Unvollständigkeit und die Unzuverlässigkeit einzelner Angaben 
hinzu, so muss man als wünschenswert bezeichnen, dass in einer etwaigen elften 
Auflage wenigstens die letztbezeichneten Mängel des Buches beseitigt würden. Die 
Besprechung gewisser Gedichte, die sogar mit Ci taten belegt wird, muss doch die 
Frage erwecken, wie der Vf. oder der Herausgeber diese Gedichte gelesen hat. 
Da wird dem Freiligrathschen „Scheik am Sinai" nachgerühmt, ein wahrhaft 
Vernetsches Gemälde zu sein, und dann der Inhalt des Gedichtes wörtlich wie folgt 
erzählt: „Auf das Gerücht, dass das in Algier siegreich gewesene Heer der Franzosen 
nahet, lässt sich der greise Scheik vor das Zelt hinaustragen, um, wie er hofft. 
Bonaparte wiederzusehen, an dessen Seite er vordem in der Pyramidensohlacht 
gekämpft." Ja, wo sucht denn der Vf. den Sinai, dass das in Algier siegreiche Heer 
der Franzosen „nun auch wirklich heranrücken" könnte? Wenigstens steht von 
alledem kein W^ort bei Freiligrath, mit einer grossen Karawane aus Afrika ist das 
Gerücht von der Eroberung von Algier und den Thaten der Franzosen nach dem 
arabischen Sinai gekommen, und ein Mohr, der bei der Karawane ist, erzählt dem 
Greis, was er gesehen hat. Solcher Unzuverlässigkeiten giebt es mehr in dem Buche, 
und sie erscheinen in einer volkstümlichen, auf Wirkung in den weitesten Kreisen 
berechneten Darstellung doppelt von Uebel. — Von anderem Gehalt und Gepräge 
ist des namens-, aber nicht geistesverwandten Bartels ^j in zweiter Auflag'e er- 
schienenes Buch ,,Die deutsche Dichtung der Gegenwart", worunter der Vf. die Ent- 
wicklung im Halbjh. zwischen 1850 und 1900 versteht. Diese zweite Bearbeitung 
erscheint völlig umgestaltet und gegenüber dem ersten Entwurf in dem „Die Alten 
und die Jungen" betitelten Grenzboten-Aufsatz ganz wesentlich erweitert. Während 
sich die erste Ausgabe auf die scharfe und klare, aber knappe Uebersicht über die 
Bewegungen und Umwälzungen in der Geschichte der neuesten deutschen Litteratur 
beschränkte, fügt die zweite Auflage eine Folge von Ausführungen hinzu. Die 
Gliederung in eine Einleitung und zwölf Hauptabschnitte ist die gleiche wie in der 
ersten Auflage geblieben, aber unter dem Gesichtspunkt, dass die dichterischen 
Persönlichkeiten nicht voll aus ihrer Zeit zu erklären sind, da sie stets mehr geben, 
als sie empfangen haben, schliesst der Vf. an die energische Wiederg'abe der Grund- 
züge der Entwicklung, wie sie sich seinem Blick darstellen, die Einzelcharakteristiken 
aller besprochenen Dichter und Schriftsteller an, deren Umfang er nach der Bedeutung 
bemisst, die er den einzelnen Talenten beilegt. Als Gesetz der ganzen Entwicklung 
gilt ihm ein im Verlauf kurzer Perioden wiederkehrender „Sturm und Drang", der 
natürlich mit dem Auftreten eines neuen litterarischen Geschlechts identisch ist. 
B. schränkt allerdings den Satz, dass Revolutionen eine Notwendigkeit für das Gebiet 
der Litteratur seien, mit den Bemerkungen ein: „Dass ein neues Geschlecht den 
Htterarischen oder gar künstlerischen Fortschritt bringt, ist nicht immer sicher, ob- 
wohl es doch in der Regel etwas Neues (oder Altes, vermeintlich Neues, möchte man 
hier einwerfen!) in die Litteratur hineinträgt; aber stets befinden sich die vom Sturm 
und Drang ergriffenen Jungen in heftigem Gegensatz zu den Alten und vertreten in 
Kunst und Leben die der bisher herrschenden entgegengesetzte Richtung", und „so 
gewiss es ist, dass die sich vordrängende Jugend für alles, was sie erstrebt, An- 
knüpfungen bei den Alten fände, ebenso gewiss übersieht sie das regelmässig, holt 
sich entweder ihre Vorbilder aus fremden Litteraturen oder glaubt gar die Kunst von 
vorn beginnen zu müssen und zu können." Dass B. in seiner Anerkennung des 
naturalistischen Sturms und Dranges um einige Schritte weiter geht, als es mit seiner 
Grundanschauung vereinbar wäre, erklärt sich wohl aus subjektiven Gründen. Er 
täuscht sich bei der allgemeinen Schärfe und Klarheit seines Urteils und namentlich 
bei seinem höchst bemerkenswerten Instinkt für die Entfaltungsfähigkeit poetischer 
Talente nicht über die geringe Aussicht auf bleibende Schöpfungen von Dichtern, 
die statt neuen Lebens nur revolutionäre Programme und allerlei naturlose Atelier- 
künste einzusetzen haben. Aber er betont einmal die Unermüdlichkeit der Erhebung 
der Jugend in den achtziger Jahren, eine Erhebung, die durch die hässlichen Zu- 



S. 744/5. {E, Hausbuch über d. dtsch. Nationallitt. d. Nen2eit.)]| — 3) Ad. Bartels, D. dtsch. Diohtnng d. Qegenw. D. Alten 
n. d. Jungen. 2. Aufl. L., Ayenarius. VUI, 272 8. M. 3,60. |[B. Kleinsorge: Geg. 16, S. 265/7; Berner Bund». 1897, 

(4)1* 



IV la:4-ii Ad. Stern, Allgemeines des 18./19. Jahrhunderts: Litteraturgeschichte. 

stände der Gründerzeit hervorgerufen wurde, und lebt andererseits des Glaubens, dass 
für die besten unter den „Alten" der siebziger Jahre durch die wilde Bewegung der 
achtziger Jahre erst Raum und Luft geschaffen worden sei. „Hatte doch die Kon- 
vention, die zu einem guten Teil Heuchelei und Lüge war, so schwer auf uns ge- 
lastet, dass ein Umschlag in Roheit und Zügellosigkeit gar nicht ausbleiben konnte." 
Bei dieser Anschauung ist es im höchsten Masse anerkennenswert, wie gerecht, 
sorgfältig und fein abgewogen sich die Charakteristik und Würdigung der einzelnen 
poetischen Naturen und Leistungen zeigen, wie glücklich die Ausführungen die Haupt- 
gedanken und Resultate der allgemeinen Entwicklungsgeschichte ergänzen. Die Voll- 
ständigkeit in der Aufzählung und die scharfe Einsicht und glückliche Hand in der 
Einreihung der Talente ist alles Lobes wert; zu vermissen sind nur wenige Namen, 
die ein Recht auf einen Platz in der Entwicklungsgeschichte der letzten fünfzig und 
namentlich der letzten zwanzig Jahre haben. Selbst wo man mit B. nicht über- 
einstimmt, wird man doch immer verstehen, dass und warum ihm die Dinge so er- 
scheinen müssen, wie er sie beurteilt und darstellt. — Den litteraturgeschichtlichen 
Werken allgemeineren Gehalts wollen wahrscheinlich auch die biographischen 
Charakterbilder, die Schulrat G a n s e n *3 in seinem „Deutschen Dichterhain" giebt, und 
die ausschliesslich auf den Schulgebrauch berechnet erscheinen, und die anonymen 
Miniaturheftchen, die sich „Deutsche Litteraturgeschichte" ^) benennen und im achten 
Bändchen für 10 Pfennig die Zeit von 1870 bis auf die Gegenwart behandeln, hin- 
zugerechnet sein. Je verbreitungsiähiger^diese Hefte sind, um so mehr muss man 
beklagen, dass sie wohlmeinend, aber kritiklos das Unvereinbarste neben einander 
preisen. Der unbekannte Vf. meint zwar, dass sich noch nicht absehen lasse, welchen 
Verlauf die moderne Strömung nehmen wird, schöpft auch aus all dem Gebotenen, soviel 
des Mittelmässigen auch dabei ist, die Zuversicht, dass es empor und nicht bergab gehe, 
ist aber offenbar sich selbst nicht klar, was er wünschen, fordern und erwarten soll. 
Kann man sich zuletzt auch mit jeder begründeten Anschauung auseinandersetzen, 
so ist es doch auf jedem Standpunkt unmöglich, mit einer Litteraturauffassung sich 
einverstanden zu erklären, die die eigentlich bahnbrechenden und schöpferischen 
grossen Talente der neueren deutschen Litteratur in Ernst Eckstein und Konrad 
Telman erblickt. — 

Dass eine Schrift wie Bergs „Uebermensch in der modernen Litteratur" 
zu den umfassendsten und mannigfaltigsten kritischen Erörterungen Anlass gab^), 
dass sich Kritiker wie J. V. Widmann, Bartels, Rudeck darüber vernehmen 
Hessen, kann nach dem im vorigen JB. hervorgehobenen Grund Charakter und 
Grundton der Schrift ebensowenig auffallen, wie die Verschiedenheit der Urteile. 
Auffallen müsste es vielmehr, wenn auch nur zwei oder drei berufene Beurteiler der 
Bergschen Darlegungen zur Uebereinstimmung gelangten. Insofern kann man 
wirklich sagen, dass Mephisto recht hat, wenn er von „Irrfunkenblick an allen 
Enden, ein Leuchten plötzlich zu verblenden!" spricht. Schliesslich muss sich doch 
ergeben, dass in dem ganzen Begriff des Ueber-, Edel- und Herrenmenschen zwei 
einander völlig fremde, ja tödlich feindliche Vorstellungen, zwei gegensätzliche Ideale 
zusammengeschweisst worden sind, und die Scheidung der Vorstellungen wird not- 
wendig auch die grössere Klarheit des Urteils im Gefolge haben. — Die Zahl der 
Streitschriften für und wider die neue Richtung hat beträchtlich abgenommen. Es 
mag dahingestellt bleiben, ob in der That Apologeten und Antipoden sich dem Anfang 
einer Verständigung nähern, oder ob sie einfach ermüdet sind. Jedenfalls beschränken 
sich die hierher gehörigen Veröffentlichungen auf Arbeiten geringeren Umfangs. 
Schulzes und von Rohdens^) Besprechungen der neuen Bahnen in der modernen 
Litteratur, S t e i n e r s^^^*) Aufsatz über die litterarischen Kämpfe im neuen Reich, 
dem die Abhandlung über das geistige Leben in Deutschland vor dem deutsch- 
französischen Kriege gewissermassen als Vorläufer diente, sagen wenig Neues. — 
Bei etwas tiefer greifenden Studien aber, wie Wernickes'') Untersuchung, ob 
Richard Wagner ein Platz in der deutschen Litteraturgeschichte gebühre, wie 
S t e i n e r s ^Oj Vergleich der Bedeutung Nietzsches und Ibsens für das deutsche 
Geistesleben, wie Kochs*') Studie zur modernen Litteratur „Jugend", fragt es sich, 
ob sie überhaupt der Kampflitteratur um und über die Moderne hinzugerechnet 
werden sollen. — Zahlreiche Veröffentlichungen wiesen sich ganz einfach als Be- 



N. 23; LCBl. S.376/8.]| (Vgl. JBL. 1897 IV la : 5.) — 4) J. Gänsen, Dtsch. Dichterhain. Biogr. Uebersichten. L., Le»iinple. 
64 S. M. 0,60. — 5) Dtsch. Litt.-Gesoh. Bd. VUI. (= Miniaturbibl. N. 38.) L., Verlag für Kunst u. Wissensch. 47 S. M. 0,10. 
— 6) (JBL. 1897 IV la:13.) |[A. Bartels: Kw. 11'^ S. 3/5; W. RndecV; ZSocialwissensch. 1, S. 153/4; Ge». 13*, S. 261; J. 
Y. Widraann: Berner Bund". 1897, N. 46.]| — 7) 0. Schulze u. G. t. Kohden, D. neuen Bahnen in d. mod. Litt.: 
EvSchnlbl. 42, S. 141-59, 370/3. — 8) B. Steiner, D. litt. Kämpfe im neuen Reich: ML. 67, S. 92/4. — Sa) id., D. geist. 
Leben in Dentschland vor d. dtsch.-franz. Krieg: ib. S. 68/9. — 9) A. Wem icke. Gebührt Eichard Wagner e. Platz in d. 
dtsch. Litt.-Gesch.?: ZDU. 12, S. 204/7. |fS. Feist: ib. S. 390/1. (Entgegnung.)]] — 10) R. Steiner, D. Bedeutung Ibsens u. 
Nietzsches für d. dtsch. Geistesleben: ML. 67, S. 139-40. — 11) D. Koch, D. „Jugend", e. Studie mod. Litt. : DKBll. 23, S. 252-70. 



Ad. Stern, Allgemeines des 18./19. Jahrhunderts: Litteraturgeschichte. IV la: 12-20 

sprechungen gerade erschienener neuer Bücher aus, und wenn Otto Ernst^^) 
beispielsweise „Bücher vom letzten Jahr" (das heisst die neuesten Veröffentlichungen 
von H. Bahr, Fr. Spielhagen, Georg Hirschfeld, Max Halbe, Ferd. Avenarius, E. 
von Wolzogen, Gustav Falke) anzeigt, so kann man doch wohl kaum von einer 
besonderen Verfechtung der „Moderne" reden. — 

Die Frauen und die Litteratur. In der Frauenfrage, die, soweit 
sie überhaupt litterarische und künstlerische Frage ist, herkömmlich als ein Teil des 
Kampfes um die neue Kunst und die neue Weltanschauung betrachtet wird, tritt 
gleichfalls eine Art Beruhigung ein, obschon sich in ihr die hoffnungslosen Verstösse 
gegen alles von der Natur Gegebene und geschichtlich Gewordene neben dem 
berechtigten und notwendigen Kampf für die geistige Vertiefung wie für das persön- 
liche Recht der Frauen bemerkbar machen. Der Schrift von Ella M e n s c h i^j 
über die Frau in der modernen Litteratur, die hauptsächlich die psychologische 
Wandlung in der Seele^der Frauen betont und sich daher mit einigem Recht einen 
Beitrag zur Geschichte der Gefühle nennt, gesellen sich Bergemanns *^) Studie 
„Die werdende Fi'au in der neuen Dichtung" und die allgemeiner gehaltene Erörterung 
über litterarische Frauenbildung von A d. B arteis'*). — Im Zusammenhang sowohl 
mit der Bewegung* als auch mit der allmählichen Klärung derselben steht das grosse 
„Lexikon deutscher Frauen der Feder" von Sophie Pataky'*), dessen erster, 
von A— L reichender Band im Berichtsjahr hervortrat. Seit dem zuverlässigen und 
für seine Zeit so höchst verdienstlichen Werke von K. W. O. A. von Schindel über 
die deutschen Schriftstellerinnen des 19. Jh., das doch nur über das erste Viertel 
dieses Jh. hinwegreicht, sind wohl in den Büchern von Gross, Kletke (Deutschlands 
Dichterinnen), Schrattenthal und Lina Morgenstern Anläufe genug genommen worden, 
ein Bild der Zahl, der Mannigfaltigkeit und der Leistungen schriftstellernder Frauen 
zu geben, aber der ernste Versuch, mit Benutzung des ganzen, nur zu reichen 
bibliographischen und durch Herbeischaffung des biographischen Materials ein neues 
Schriftstellerinnenlexikon, das von 1840 bis zu Ende des Jh. reicht, herzustellen, 
blieb der Vf. vorbehalten. Gleich Brummer hat Frau P. den Kreis so weit 
gezogen, dass überhaupt alle Frauen, die etwas veröffentlicht haben, als Schrift- 
stellerinnen angesehen und aufgenommen worden sind, gleich Brummer hat sich die 
Herausgeberin in zahlreichen Artikeln des wertvollen Werkes allzu abhängig von 
den ihr zugegangenen Autobiographien der betreffenden Damen gemacht, so dass bei 
den grundverschiedenen Dispositionen des Selbstgefühls unserer Schriftstellerinnen 
empfindliche und manchmal beinahe komische Ungleichheiten herausgekommen sind. 
Nichtsdestoweniger verdient die ganze Arbeit alle Beachtung und wird trotz ihrer 
unvermeidlichen Mängel zum unentbehrlichen Hilfsmittel für alle Darstellungen der 
deutschen Litteratur des 19. Jh. werden. Mit dem Kritiker des ersten Bandes im 
LCBl. möchte ich eine genauere Methode in der Anordnung der Biographien und des 
Buchregisters befürworten und gegen die Trennung der bibliographischen Angaben 
und der biographischen Notizen bei den Pseudonymen protestieren. Die richtigste 
Anordnung würde in der That, wie genannten Orts vorgeschlagen wird, die Folge 
von richtigen bürgerlichen Namen, Lebensabriss, Werken unter dem wirklichen 
Namen, W^erken unter angenommenen Namen und die Einordnung der Pseudonyme 
in die alphabetische Reihe zu blosser Verweisung auf die eigentlichen Namen "der 
Schriftstellerinnen sein. Die Vollendung des Werkes wird eine eingehendere 
Würdigung erfordern, und hoffentlich werden durch Zusätze und Nachtrags- 
berichtigungen die Gravamina noch wesentlich gemindert, die man beim ersten Bande 
allein zahlreich vorzutragen hätte. — 

Die Essays und Charakterbilder zur Litteraturgeschichte zeigen 
das schon mehrfach betonte Uebergewicht, das die dem 19. Jh. angehörigen 
Stoffe und Erscheinungen allmählich über die ehedem bevorzugten Stoffe und Er- 
scheinungen des 18. Jh. erlangen. Man muss sich verg'egenwärtigen, dass binnen 
wenigen Jahren auch die bei der Jahrhundertfeier der Dichtergeburtstage üblich 
gewordenen Rückblicke, Ausgrabungen und Auferstehungen schon nicht mehr ins 
18., sondern in die Anfänge des 19. Jh. zurückführen werden. Die in früheren 
Berichtsjahren eingehend charakterisierten Sammlungen von Bernays'"), L. von 
Berger'^), Geiger'^), Breitner^o), selbst die weiter zurückliegenden von Brandes-*), 

— 12) Otto Ernst, Bücher vom letzten Jahr: NZ«'. 16^ S. 395-403, 427-33. — 13) Ella Mensch, D. Frau in i. mod. Litt. 
E. Beitr. z. Gesch. d. Gefühle. B., C. Duncker. VIT, 107 S. M. 2,00. — 14) P. Berge mann, D. werdende Frau in d. neuen 
Dichtung. L., Haacke. IV, 51 S. M. 0,80. — 15) Ad. Bartels, Litt. Frauenbildung: HlFrauenZg. 25, S. 91/4. — 16) 
Sophie Pataky, Lexikon dtsch. Frauen d. Feder. E. Zusammenstell, d. seit d. J. 1840 erschienenen Werke weibL Autoren, 
nebst Biogr. d. lebenden u. e. Verzeichnis d. Pseudonyme. 1. Bd. (A-L.) B., C. Pataky. XVI, 527 S. M. 10,00. |[R. Rosen - 
bäum: Enph. 5, S. 681/2; LCBl. S. 236/7.] [ — 17) (JBL. 1895 IV la:33.) ![LCB1. S. 129-30; A. Sauer: DLZ. S. 63/8; A. 
Jonas: ZGymn. 32, S. 567-70.J | — 18) (JBL. 1896 IV la: 22; 4:43; 1897 IV la:22.) [[R. Czerny: ÖLBl. 6, S. 622/3; BLU. 
1897, S. 1/3.JI-19) (JBL. 1896 IV la : 21 : 4:64; 1897 IV la : 21.) |[LCB1. S. 1045; B. Fürst: DLZ. S. 1801,3; A.Bartel«: 
Kw. 11', S. 183/6 (gegnerisch: „Litteraturgeschichtl. Plusmacherei"); J. C. Heer: NZ»'. 2,1896, N. 315.]| — 20) (JBL. 1896 



IV la: 21-28 Ad. Stern, AUg-emeines des 18./19, Jahrhunderts: Litteraturgeschichte. 

Weigand'^), von Otto Ernstes) und Laura Marholm 24) gaben noch fortgesetzt 
Anlass zu kritischen Erörterungen, von denen freilich nur die Minderzahl der 
produktiven Kritik hinzugezählt werden dürften. — Von Adolf Sterns 2^) 
„Studien zur Litteratur der Gegenwart" trat eine zweite, vermehrte, völlig neu- 
bearbeitete Auflage hervor, die nicht nur durch Nachträge zu allen einzelnen Studien, 
sondern auch durch vollen Abschluss einiger Lebensbilder und Charakteristiken — 
so namentlich der G. Freytag und dem Schweden Victor Rydberg gewidmeten — 
und durch Hinzufügung zweier neuen Studien über „Wilhelm Raabe" und „Adolf 
Wilbrandt" sehr wesentlich umgestaltet und gegen die erste Ausgabe vom J. 1898 
bereichert wurde. Die Kritik nahm auch von dieser Neubearbeitung des rasch 
verbreiteten Buches grossenteils anerkennend Notiz. — Gleichfalls in zweiter Auflage 
traten die Studien zur Litteratur unserer Zeit hervor, die von Grotthuss^^) als 
„Probleme und Charakterköpfe" herausgegeben hat, Dichterbildnisse, die sich dem 
Stoff nach und im Einzelurteil vielfach mit den Studien Sterns berühren, aber selten 
decken, da sie aus einer wesentlich anderen Grundanschauung erwachsen sind. Zwar 
steht auch G. auf dem Standpunkt, dass die litterarische Kritik wieder mehr Fühlung 
mit dem Publikum gewinnen muss und, statt die Dichter für einen „Ismus", für eine 
der modernen „Richtungen" zu reklamieren oder alljährlich eine neue Umwälzung 
der Litteratur zu verkünden, an die das Publikum aus guten Gründen längst nicht 
mehr glaubt, die Verpflichtung hat, das allgemein Menschliche und das Schöne in 
den Schöpfungen der Dichter in den Vordergrund zu stellen. „Die Kritik muss un- 
bedingt auf alle überflüssigen Schlagworte und die geistreichelnde Sucht nach der 
Formulierung neuer Kunstprinzipien verzichten. Sie darf den Künstler nicht aus 
dem Erdreiche, in dem er menschlich wurzelt, herausreisscn, um ihn in das Herbarium 
irgend welcher ästhetisch-technischen Programme zu pressen, sondern sie muss ihn 
im Gegenteil vom Wurzelboden aus untersuchen, seine Weltanschauung, sein Ver- 
hältnis zu der Zeit und den letzten Dingen beleuchten. Gerade darauf richtet sich 
das grösste Interesse der Zeitgenossen, die gewohnt sind, in dem Dichter nicht nur 
den Künstler, sondern auch den l^ropheten und geistigen Führer zu sehen." Das 
alles lässt sich gewiss hören, und wenn nun von diesem Gesichtspunkte aus neben 
den Erörterungen über allgemeine Fragen wie „Alte und neue Ideale", „Das erotische 
Problem in der Litteratur", „Publikum, Litteratur und Presse" die Bilder von 
Friedrich Nietzsche, Gerhart Hauptmann, Richard Voss, Graf Leo Tolstoi, Henrik 
Ibsen, Don Jose Echegaray, Guy de Maupassant entworfen, ausserdem unter der 
Ueberschrift : „Drei deutsche Hauspoeten" Felix Dahn und Georg Ebers kritisch 
angefochten werden und als Gegensatz zu ihnen die Erzählungskunst H. W. Riehls 
Lob und Preis findet, wenn in der Studie über „Moderne deutsche Lyrik" D. 
von Liliencron und R. Dehmel einander gegenübergestellt erscheinen, so erkennt man 
zwar lebendigen Anteil an der Litteratur der Gegenwart und empfindet auch, dass 
G. mehr mit bewunderndem Zweifel als mit zweifelnder Bewunderung den von 
gewissen Zeitkrankheiten und Modeseuchen ergriffenen Erscheinungen gegenüber- 
steht. Aber man fragt sich doch, warum die Kritik und Darstellung des Vf. nun 
gerade nur oder doch fast nur bei den Erscheinungen verweilt, die die Sensationen 
des letzten Jahrzehnts oder der beiden letzten Jahrzehnte gewesen sind. Völlig zu- 
gegeben, dass die Kritik Ursache hat, sich um die Bedürfnisse des gebildeten 
Publikums zu bekümmern, so darf dies doch nicht dazu führen, dass der litterar- 
historische und ästhetische Führer dieses Publikums sich ausschliesslich mit den 
Namen und Schöpfungen befasst, die in jedermanns Munde sind. Die Entwicklung 
der Litteratur ist keineswegs an diese gebunden, und die Erkenntnis des Kritikers 
soll über die Tagesnamen hinauswachsen. Der Litterarhistoriker , der 1840 auf 
Mörike, 1850 auf Hebbel, 1860 auf Gottfried Keller hingewiesen hätte, würde sich ein 
grösseres Verdienst erworben haben als der, der um 1840 nur von Herwegh und 
Prutz, 1850 von Gutzkow und Laube, 1860 von Auerbach und Stifter geredet haben 
würde. 2'') — Von den durch Breitner^^) herausgegebenen kleinen Litteratur- 
bildern vom Jh,-Ende, die sich geschmacklos genug mit französischem Titel (fin de 
siecle) brüsten, ist ein drittes Bändchen mit drei Essays: „Martin Greif von Siegen, 



IV 3: 187.) I[A. Sauer: Euph. 5, S. 383.]| - 21) (JBL. 1894 IV la:21; 1895 IV la : 34.) |IJ. V. Widmann: Berner- 
BnndB. 1897, N. 5.]| — 22) (JBL. 1894 IV 5:463.) |[ÖLB1. 6, S.239.]| — 23) Otto Ernst, Buch d. Hoffnung. Gesammelte 
Essays aus Litt., Päd. u. öffentlichem Leben. Bd. 2. Hamburg, Klose. VII, 456 S. M. 4,00. |[BernerBnndB. 1897, N. 14.]| 
— 24) (JBL. 1895 IV la:26.) |[ÖLB1. 6, S. 393.]| — 25) A. Stern, Studien z. Litt. d. öegenw. 2. yerm. n. neubearb. 
Aufl. Dresden u. L., C. A. Koch (H. Ehlers & Co.). X u. 504 S. M. 10,50. i[J. V. Widmann: BernerBund". 1897, N. 51; 
H. A. Krüger: BLU. 1897, S. 102; Ad. Bartels: Kw. 11«, S. 723: IllZg. N. 2860; F. Muncker: AZg». N. 36; ThLBl. 
21, S. 152/8.]| (Vgl. JBL. 1895 IV la : 21.) - 26) J. E. Grotthnss, Probleme u. Charakterköpfe. Studien z. Litt, unserer 
Zeit. St., Greiner 4 Pfeiffer. VIII, 419 S. M. 5,50. |[Josephson: ThLBl. 21, S. 152/3; H. v. Petersdorff: AkBll. 12 
S. 278-80; L. t. Sohroeder: BaltMschr. 45, S. 325-30.] - 27) XM. Schmidt-Agricola, Litt. Charakterbilder. Wies- 
baden, Lfttzenkirchen u. Bröcking. VII, 204 S. M. 4,00. — 28) A. Breitner, Litt.- Bilder fln de sifecle. Mit Beitrr. v 
K. Siegen, 0. Fach u. M. Maria Kabenlechner. S. Bd. (K. Siegen: M. Greif, 0. Fach: ß. Voss, M. R. Sahen- 



Ad. Stern, Allgemeines des 18./1 9. Jahrhunderts: Litteraturgeschiohte. IV la: 29-31 

„Richard Voss" von Fach und „Das Weibliche im litterarischen Wien" von 
Rabenlechner erschienen. Die Bemühungen, Greif nicht bloss als Lyriker, 
sondern als Dramatiker Anerkennung zu verschaffen, haben eine gewisse Aehnlichkeit 
mit kritischen Bemühungen der dreissiger und vierziger Jahre, Uhland in die Folge 
unserer grossen und lebensvollen Dramatiker einzureihen. S. giebt zu, dass unter 
den dreizehn besprochenen Dramen Greifs das eine und andere zu kritischen Be- 
denken mehr oder minder Anlass geben mag, was bei den Gedichten nicht oder doch 
nur ganz vereinzelt der Fall sei, meint aber, dass der Dichter nicht nur als Lyriker, 
sondern auch als Dramatiker Eigenartiges, Grosses und Unvergängliches geschaffen 
hab^; „denn Dramen wie sein „Nero", sodann seine „Francesca von Rimini", seine 
,, Pfalz im Rhein", seine „Agnes Bemauer", sein „Prinz Eugen" sind W'erke von 
bleibendem Wert." S. fordert selbst den Vergleich von Greifs „Agnes Bernauer" mit 
der gleichnamigen Tragödie Hebbels heraus und ruft: „Mit so grossem Bühnengeschick 
und dabei auch vom dichterischen Standpunkt aus, mit solcher Meisterschaft wie 
Greif hat keiner seiner Mitbewerber um den Lorbeer sich seiner Aufgabe entledigt." 
Da fragt man sich denn wirklich, wo die kritische Charakteristik in den leidigen 
Reklameton übergeht, der sich mit so vielen neueren Essays und Skizzen in die 
Litteraturgeschichte hereinzudrängen beginnt. — Bettelheims 2») Aufsätze ge- 
hören nur zur einen Hälfte der Litteratur, zur anderen dem Theater an, nur freilich, 
dass Essays über das Burgtheater von Laubes bis zu Schienthers Berufung, über 
Mitterwurzer , Charlotte Wolter, Helene Hartmann ohne litterarische Beziehungen 
nicht gedacht werden können. Die kleinen Studien über Reclams Universalbibliothek, 
über einen Wiener Widmanuabend, die Streitschriften gegen Zionismus und Zionisten 
(„Gründer-Prospekt einer jüdischen Schweiz", „Trutzjuden"), die litterarischen Chroniken 
für die Zeitschrift Cosmopolis endlich behandeln durchgehend Fragen und Er- 
scheinungen der Gegenwart. — Naturgemäss greifen K e 1 1 e n s ^o) Essays über 
katholische Dichter und katholische Dichterinnen von der Gegenwart bis zur 
Romantik zurück. Die von V^ e r e mu n du s^'J aufgeworfene Streitfrage, ob die 
katholische Belletristik auf der Höhe der Zeit stehe, getraut sich K. zu Gunsten 
der katholischen Talente zu beantworten, wenn schon einmal innerhalb der grossen 
deutschen Litteratur von einer besonderen katholischen Litteratur die Rede sein soll. 
Und freilich wählt er die Poeten, die er behandelt, geschickt genug aus; weder Josef 
von Eichendorff und Adalbert Stifter noch Fr. Wilhelm Weber noch selbst Oskar 
von Redwitz und dem oberrheinischen Volkserzähler Heinrich Hansjakob wird ihr 
Platz in der deutschen Litteratur bestritten werden. Nur dass man freilich zögern 
wird, Stifter bloss auf seine Konfession hin als einen specifisch katholischen Dichter 
zu betrachten, dass selbst Eichendorffs Lyrik und lyrische Novellistik für jeden 
Tieferblickenden andere Wurzeln hat, als die ultramontane Tendenzlitteratur späterer 
Tage, dass es eine seltsame Selbsttäuschung, wo nicht ein unredlicher Kunstgriff der 
Parteikritiker ist, den guten heimatseligen, echt religiösen Katholizismus eines Fr. 
W'ilhelm Weber oder gar einer Annette Droste-Hülshoff mit dem fanatischen und 
theatralischen Konvertitentum der Gräfin Ida Hahn-Hahn in eine Linie zu stellen, dass 
sich unter dem Sammelbegriff „Andere Dichter" und „Andere Dichterinnen" gar 
viele dii minorum gentium verbergen lassen, deren einziger Anspruch auf poetische 
und litterarische Bedeutung in ihrer Tendenz liegt. Der Anspruch, neben oder auch 
nur nach Eichendorff, Annette Droste-Hülshoff und Fr. W. Weber genannt zu werden, 
darf doch nicht lediglich auf das gemeinsame kirchliche Bekenntnis gestützt werden; 
wer aber die Dichtungen von J. J. Krieg, der „Zacharias W^emer" zum Helden eines 
epischen Gedichts erhoben, Guido Maria Dreves, der die Sagen und Geschichten des 
hohen deutschen Ordens gesungen, wer die Romane und Erzählungen von Konrad 
von Bolanden, Philipp Laicus, von Maria Lenzen, Ferdinande von Brackel kennt, weiss, 
dass von einem anderen Anspruch nicht die Rede sein kann. Auch entbindet die 
Zugehörigkeit zum Centrum doch nicht von aller wissenschaftlichen Methode, und 
welcher W^irrwarr muss in den Köpfen von Lesern entstehen, die zwischen Tendenz- 
poeten von heute und gestern auf einmal wieder auf Alban Stolz, der drei, auf den 
alten vorzüglichen Jugendschriftsteller Christoph von Schmid, den Vf. der „Ostereier", 
der vier Generationen zurückliegt, verwiesen werden. Das erste und letzte, was man 
vom Litterarhistoriker fordern muss, ist das Unterscheidungsvermögen, was in 
K.s Heften so gut wie gar nicht zur Anwendung kommt. — Wie stark der Zug 
zur Behandlung der neueren und neuesten Litteraturerscheinungen und Litteratur- 
fragen geworden ist, lässt sich vielleicht am deutlichsten daran erkennen, dass selbst 



lechner: D. Weibliche im litt Wien.) L., Baum. 12». VI u. 141 S. M. 2,00. (Vgl. N. 20.) - 29) A. Bettel he im, Acta 
dinrn». Qesainm. Anfsätie. NF. Wien, Pest, L., A. Hartleben. X, 312 S. M. 4,00. |[E. H. B 1 o c h : RCr. 2. S. 336.] 
- 30) A. Kellen, Kathol. Dichter. E. litt. Studie. Essen a;Ruhr, Fredebenl n. Koenen. 16". IV, 110 S. M. 0,40. — 
31) Veremundus (K. Muth), Steht die kathol. Belletriitik aof d. Höhe d. Zeit? E. litt. Oewissenifrage. Msiac, 



IV la: 32-34 Ad. Stern, Allgemeines des 18./19. Jahrhunderts: Litteraturg-eschichte. 

ein gelehrter Essayist wie Kern^^), der nicht nur um die Antigene des Sophokles, 
sondern auch um Xenophanes von Kolophon, um Demokrit von Abdera und die 
Anfänge der griechischen Moralphilosophie Bescheid weiss, der über Skeptizismus 
und Mystik und über philosophischen Dogmatismus ebenso ernsthaft nachgedacht 
hat wie über Gefahren und Wandlungen im Sprachgebrauch und über den Unterricht 
im Deutschen (wobei er sich als Gegner der Schullitteraturgeschichte aufthut), der 
vor allen Dingen im zweiten Bande seiner kleinen Schriften eine stattliche Folge von 
erläuternden Aufsätzen zu Goethes Dichtungen hinterlassen hat, die von anderer Seite 
gebührende Würdigung erfahren werden, doch auch eine so gTOsse Anzahl von 
Charakteristiken nachgoethescher deutscher Dichter geschrieben hat, dass diese einen 
ganzen Band seiner nachgelassenen Schriften bilden. Freilich erstreckt sich seine 
untersuchende und erläuternde Teilnahme nicht über Dahns Jugenddichtung „Harald 
und Theano" hinaus, aber der deutschen Dichtung der ersten Hälfte des 19. Jh. 
gelten Arbeiten, wie „Zur Erinnerung an Friedrich Rückert", „Friedrich Rückerts 
poetisches Tagebuch", „Chamissos Faust und Peter Schlemihl", „Zur Erinnerung an 
Josef von Eichen dorff" , „Zur Würdigung von Uhlands Gedichten", „Platens 
dichterische Bedeutung mit besonderer Beziehung auf Heines Urteil in den Reise- 
bildern", „Nikolaus Lenau", „Ernst Moritz Arndt", „Ludwig Giesebrecht", die zum 
Teil aus der Sonntagsbeilage der Vossischen Zeitung gesammelt, zum Teil in dem 
ersten Bande der K. sehen kleinen Schriften zum ersten Male gedruckt wurden. 
Der Essay über Ludwig Giesebrecht enthält wohl das Beste, Zuverlässigste und 
Wertvollste, was über diesen nur wenig bekannten Dichter,— den Oheim des grossen 
Historikers — überhaupt veröffentlicht worden ist. — 1 1 o s ^^j Bilder aus der neueren 
Litteratur für die deutsche Leserwelt behandeln im zweiten Hefte den schwäbischen 
geistlichen Lyriker Carl Gerok. — 

Ungewöhnlich zahlreich traten Anthologien mit litterarhistorischen 
Ansprüchen hervor. Die Fortsetzung von L e i m b a c h s '*) oft besprochenem Werke 
erstreckte sich auf zwei Lieferungen des achten Bandes, die mit Betty Paoli einsetzen 
und über eine längere Reihe von lyrischen, epischen und dramatischen Poeten bis 
zu Heinrich Puchta Dichtungsproben und Dichtercharakteristiken im Sinne des 
Herausgebers fortsetzen. Die Gewissenhaftigkeit, die geduldige Unermüdlichkeit, mit 
der der Herausgeber aus der verwirrenden Ueberfülle der deutschen lyrischen Poesie 
alles nur irgend Wertvolle kennen zu lernen sucht, die Entschlossenheit, mit der er 
zu den Quellen selbst hinabsteigt, sind immer wieder zu rühmen, und ohne Frage muss 
L. das Verdienst zugesprochen werden, mit zähester Ausdauer am Plan und Programm 
seiner Arbeit festzuhalten. Als Abweichung von diesem Plan erscheint die Charakteristik 
von epischen und dramatischen Dichtem, von denen nach Anlage und Umfang des 
Buches keine Proben mitgeteilt werden können. In den 1898 veröffentlichten Heften 
sind solchergestalt K. Pauli, Arthur Pfungst, F. Philippi, Th. Piderit, M. Graf Pilati, 
W. von Polenz, A. H. Povinelli, P. Pressel, J. Preyer, R. Prölss aufgenommen, mit 
denen die litterarhistorische Anthologie sich jedes Mal in eine reine biographisch- 
kritische Darstellung wandelt. Misslicher als dies bleibt aber die Neigung des 
Herausgebers, die bloss nachahmenden Dichter auf Kosten der selbständigen und 
ursprünglichen Naturen zu begünstigen. Wenn ein Dutzendlyriker fünf oder zehn 
Gedichte geschrieben hat, die sich über das Durchschnittsmass seiner poetischen 
Versuche erheben, und just diese finden Aufnahme in eine so ernstgemeinte, in ihrer 
Art einzige und wertvolle Sammlung, ein Dichter von tieferem und eigentümlichem 
Gehalt aber ist eben auch nur mit einem halben Dutzend seiner Gedichte vertreten, 
so entsteht dadurch ein Missverhältnis. Schliesslich heben sich für den Kundigen 
auch aus den neuesten Heften die meisten poetischen Naturen eigenen Gehalts und 
Gepräges deutlich genug heraus; Betty Paoli, Josef Pape, Eduard Paulus, Adolf 
Pichler kommen zu ihrem Recht. Aber wer, der sonst nichts von ihnen weiss, soll 
aus den paar Proben von Gustav Pfarrius, von Ludwig Pfau sofort schliessen, dass 
sie bedeutendere Dichter als Johann Pfeifer oder Moritz Plaeschke sind, wer würde 
nach den mitgeteilten beiden Gedichten nicht vorziehen, etwas mehr von der Lyrik- 
Heinrich Pröhles zu erhalten und dafür Emil Pirazzi oder Luise von Ploennies mit 
ein paar Gedichten weniger vertreten zu sehen? Es mindert ja die Bedeutung der 
grossen Anthologie wenig, dass solche Eindrücke und Wünsche sich wiederholt 
geltend machen, aber es wird auch bei diesem Anlass nur zu ersichtlich, dass die 
Ueberfülle des Materials dessen volle geistige Beherrschung (und zur geistigen 
Beherrschung gehören bei einer Anthologie die Auswahl der Proben und das Verhältnis 



F. Kirohheim. m, 83 S. M. 1,00. 1[W. Kreiten: StML. 55, S. 506-30; Grenzb. 4, S. 408-16.JI - 32) F. Kern, Kleine 
Schriften. 1. Bd.: Zn dtsch. Dichtern. 2. Bd.: VeTmischte Abhandlangen. B., Nicolai. 1895. VIII, 265 S. 1898. VUI, 256 S. 
M. 8,00. |[LCB1. S. 1275/6.]| — 33) An g. Otto. Bilder aus d. neueren Litt, für d. dtsch. Lehrerwelt. 2. Heft: K. Gerok. 
Minden, C. Marowsky. 61 S. li. 0,80. — 34) K. ULeimbach, D. dtsch. Dichter d. Neuzeit n. Gegenw. Biographien, 




Ad. Stern, Allg-emeines des 18./19. Jahrhunderte: LitteratürgeschiGhte; IV la:85-W 

der Proben zu einander) leicht beeinträchtigt. Und das ist ein Uebelstand, an dem 
alle Litteraturgeschichte der Zeit leidet, und der dadurch, dass man die Arbeit teilt 
und wieder teilt, nur ganz äusserlich gemindert wird. — Eine umfangreiche Sammlung 
von Gedichten katholischer deutscher Dichter des 19. Jh. hat Hütteraann^S) ver- 
anstaltet. Die Methode, nach der er verfährt, ist eine ausserordentlich einfache. Er 
lässt einzig und allein die zufällig-e Geburt in der katholischen Konfession oder — 
und das lässt sich eher hören — den späteren Uebertritt zu dieser Konfession als 
das Entscheidende für die Aufnahme oder Nichtaufnahme gelten, und dem un- 
widerlegbaren Einwand J. V. Scheffels: „man kann die nicht theologischen Schriftstellet* 
und Dichter Deutschlands nicht nach der Kategorie katholisch uhd nichtkäthöliäöh 
in zwei feindliche Hälften auseinandertrennen, da die echte Kunst ebenso wenig wiö 
das echte Christentum eine Konfession ist", begegnet er mit den Behauptungen, dass 
die Kunst um so grösser und vollendeter, reicher und gehaltvoller ist, je erhabener 
die Ideen sind, die sie in künstlerischer Form darstellt, da?s die höchsten und welt- 
bewegenden Ideen und die erhabensten Ideale in der Religion zu finden sind, dass 
lebendiges und wahres Christentum am klarsten und sichersten in der katho- 
lischen Glaubenslehre ausgeprägt sei. Nach dieser Voraussetzung- nimmt er an, 
dass man zwischen katholischen (das hiesse also in seinem Sinne konfessionell 
gläubigen, bewusst oder unbewusst ihre katholischen Ueberzeugungen oder Lebens- 
eindrücke bis herab zu den Kindheitserinnerungen vertretenden) und nichtkatholischen 
Dichtern unterscheiden könne — was ihm niemand bestreiten wird — , spart sich aber 
die Mühe dieser Unterscheidung, indem er schlechthin auch Namen aufnimmt, „deren 
Träger wohl kaum selbst mehr auf den Titel „katholisch" Anspruch machten". 
Zu denen, die H. als „ungeratene Kinder" der katholischen Kirche dennoch be- 
rücksichtigt, zählen die späteren Altkatholiken Wolfgang Müller, Karl Simrock, 
Henriette Reusch, weil „die meisten und besten ihrer Dichtungen aus ihrer katholischen 
Zeit stammen". Umgekehrt freilich verschlägt es dem Herausgeber nichts, von den 
Konvertiten Friedr. Leopold Graf Stolberg, Friedrich Schlegel, Lebrecht Dreves das 
Beste aufzunehmen, was ihnen vor ihrer katholischen Zeit gelungen ist. Im Ernst 
kann H. keinen Augenblick geglaubt haben, dass E. von Bauernfeld, Chamisso, J. L. 
Deinhardtstein, Karl Egon Ebert, E. von Feuchtersieben, H. von Gilm, Grillparzer, 
Anast. Grün, R. Hamerling, Nikolaus Lenau, Hermann Lingg, Ad. Pichler, J. V. 
Scheffel, August Schnezler, Stelzhamer, Josef Weilen und J. Ch. von Zedlitz katholische 
Dichter im Sinne auch nur von Eichendorff, Annette Droste-Hülshoff, Fr. Wilhelm 
Weber, geschweige denn im Sinne von Clemens Brentano, Fr. Leopold Stolberg oder 
Gräfin Hahn-Hahn gewesen sind. Wenn nun vollends Poeten wie der frivole Alt- 
wiener J. F. Castelli oder der leichtfertige Lustspieldichter A. H. von Steigentesch, 
freilich mit ganz uncharakteristischen Proben, in dem Buche prangen, so offenbart 
sich das unkritische und unhaltbare Verfahren des neueren ultramontanen Litteratur- 
betriebs. Diese Litteraturforscher und Herausgeber wissen ganz wohl, dass nur ein 
kleiner Teil auch der katholisch getauften und katholisch verbliebenen Dichter ihre 
Tendenz und Richtung teilt, wollen aber auf den Talentreichtum und die poetischen 
Leistungen der anderen nicht verzichten und berauben sich thatsächlich der besten 
Wirkung, die sie haben können. Denn mit Geist, Kenntnis und Geschmack wäre 
es sehr wohl möglich, von Angelus Silesius bis zu Josef Pape eine Anthologie 
katholischer deutscher Lyriker im engeren Sinne zusammenzubringen, auch ohne 
dass man nötig hätte, sich darauf zu berufen, dass „das katholische Glaubens- und 
Kultusgebäude so voll harmonischer Schönheit und so ungemein reich an hoch- 
poetischen Zügen sei, dass auch nichtkatholische Dichter gern versuchen, daraus 
zu — schöpfen" (I). Am wenigsten wird irgend ein Vernünftiger Anstoss daran 
nehmen, dass vergessene Dichter mit kleinen Proben ihres Talents hier Aufnahme 
gefunden haben, nur sollten es niemals, wie das Wasserlied des Kaplans imd 
Mässigkeitsapostels Josef Matthias Seling, Proben des Nichttalents sein. Die Dichter, 
die berücksichtigt sind, vertreten der Zeit ihrer Geburt nach das Jh. zwischen 1750 
und 1850; sicher nicht um Friedrich Müllers, des Malers, wohl aber um Fr. Leop. zu Stol- 
bergs wülen, die beide 1749 geboren sind, hat H. noch ein Jahr über 1750 zurückgegriffen. 
— Der Cottasche „Musenalmanach", den 1898 sein Begründer Brannte) noch vollständig 
redigiert hat, bietet, neben zwei erzählenden Dichtungen in Prosa: der Novelle „Das 
Weihnachtsoratorium" von Adolf Stern und dem Märchen „Die Zwillinge von Teheran" 
von Jul. R. Haarhaus, die übliche Mannigfaltigkeit in poetischen Erzählungen, 
Balladen, Romanzen, lyrischen Gedichten und Spruchdichtungen, und den Poeten, die 
sich von Anbeginn an um diesen Almanach geschart haben, imd deren Name in 



Charakteristiken n. Auswahl ihrer Dichtungen. 8. Bd. Lfg. 1/2. Frankfurt a. M. Kesselring. S. 1-320. a. M. 1,60. — 35) A. 

A. Hüttemann, Kathol. Dichter d. 19. Jh. Proben aus ihren Werken. Hamm, Breer & Thiemann. X, 527 S. M. 4,00. — 36) 

0. Braun, CottaecherMusenalm. für d. J. 1899. 9. Jahrg. St., Gott». VUI, 298 S. M. 4,00. I[A. Schi ossär : BLU. S. 794/6.]| 

Jabr«8b«riahte für neuer« deutsche Litteraturgesohichte. IX. (4)2jtf|v * L-, 



tV la:87-4i Ad. Stern, Allgemeines des 18./19. Jahrhunderts: Litteraturge&chichte. 

beinahe jedem JahtgaAg vertreten ist: H, Ling-g (dem mit achtzig Jahren derselbe 
„Pausanias", den er mit vierzig Jahren oder noch früher geschaut, noch einmal vor 
die Phantasie tritt), Ad. Wilbrandt, Felix Dahn, W. Jensen, H. Bulthaupt, Rud. Gottschall, 
J. Rodenberg, R. Waldmüller, Max Kalbeck, E. Ziel, Carl Busse, Ed. Paulus, Hans 
Hoffmann, Max Haushofer, haben sich einige neue von den Alten, wie Wilhelm Jordan, 
Fr. Spielhagen, und einige neue von den Jungen wie Gustav Falke, Emil Schönaich- 
Garolath usw. angeschlossen. Die Auswahl scheint im ganzen strenger und ist 
jedenfalls knapper als in früheren Jahren. Unter den Kritiken, die ziemlich zahlreich 
veröffentlicht wurden, verdienen die von Schlossar und Muncker besondere Be- 
achtung. — Zwei Musenalmanache lokalen Gepräges waren der von G r e i n z und 
Schuller n^') herausgegebene: „Jung Tirol", und das von Müller- Braue P*) ver- 
anstaltete Hannoversche Dichterbuch. — Auch das litterarische Jahrbuch aus Schwaben 
„Hie gut Württemberg allewege !"^^) darf halb als ein Musenalmanach angesehen 
werden. Als einleitender Aufsatz zu den poetischen Beiträgen in Vers und Prosa der 
beteiligten dreissig Poeten und Schriftsteller schwäbischen Ursprungs stellt sich Kerns 
Abhandlung „Schwäbische Art" dar. Die hochdeutschen Dichtungen von Ed. Paulus, 
Eduard Hiller, P. Lang, Ad. Marquardt, R. Kraus, Ed. Eggert, A. Wintterlin, K. Ziegler, 
Karl Weitbrecht, Therese Köstlin, Mathilde Frank, die Dialektgedichte von Gustav 
Seuffer, Eugen Keller, Ed. Hiller, die Humoreske „Was sich der Houfgarte z'Aehringe 
verzeihlt" erweisen klar, dass mit verschwindend geringer Ausnahme die Schwaben 
ihrer in allen jungdeutschen und jüngstdeutschen Stürmen leidenschaftlich an- 
gefochtenen, hinterdrein aber stets wieder gepriesenen Landesart so treu geblieben 
sind, wie in den Tagen Heines, und, eben weil sie in der Wahrheit der Natur und 
des Lebens stehen, gewisse überhitzte Anläufe nicht mitmachen können. Ueber den 
Musenalmanach hinaus weisen einige litterargeschichtlich wichtige, ungedruckte Briefe 
von Dannecker, L. Uhland und Ed. Mörike, sowie die Studien von Th. Ziegler 
„Hölderlin und Nietzsche", K. Weitbrecht über Aesthetik des täglichen Lebens, H. A. 
Köstlin über den Musiker E. F. Kauffmann, die kleine Humoreske „Es und Ich" von 
Isolde Kurz, sowie Richard Weitbrechts Sammlung schwäbischer Redensarten, Sprich- 
wörter, Gleichnisse und bildlicher Ausdrücke, die er als Allerlei aus dem Volksmund 
bezeichnet. ~ Die neue Auflage der Katscher sehen*''), von Conr. Ferd. Meyer 
und Bertha vonSuttner eingeleiteten Anthologie „Friedensstiramen" erweist sich 
als eine einfache neue Titelausgabe, der Inhalt ist der gleiche wie im J. 1894. — 

Die Specialstudien, soweit sie nicht die Formen der biographischen 
Charakteristik und des kritischen Essays annehmen, für die das grössere Publikum 
aus naheliegenden Gründen am empfänglichsten bleibt, zeigen sich zumeist auf die 
Erörterung einzelner Zusammenhänge und die Vergleichung gewisser Erscheinungen 
beschränkt. Als wichtiger Beitrag zur vergleichenden Litteraturgeschichte erweist 
sich Fürsts*') Studie über die Vorläufer der modernen Novelle im 18. Jh. Es 
handelt sich um den Nachweis der Abhängigkeit der deutschen Erzählung vor 
Goethe, Heinrich von Kleist und dem späteren Ludwig Tieck von ausländischen 
Mustern und Motiven. Mit grossem Aufwand von Belesenheit und ernstlichem 
Bemühen, durch gedrängte und zuverlässige Inhaltsangaben seine Vergleiche un- 
widerleglich zu begründen, verfolgt der Vf. die Entwicklung und die Haupttypen 
der kleineren Prosaerzählung und weist die Einwirkungen der italienischen, echten 
Novelle, des spanischen Schelmenromans, der französischen und englischen Er- 
zählungskunst in den deutschen älteren Geschichten dieser Art nach. Der eigent- 
liche Grund der allseitigen Nachahmungslust lag in der Enge, der Dürftigkeit und 
der Barbarei des deutschen Lebens dieser Zeit, die selbst solche Schriftsteller wie 
den Vf. der „Insel Felsenburg", der gerne aus der Fülle deutscher Wirklichkeit 
geschöpft hätte, zur Abhängigkeit von fremden Vorbildern verurteilte. Bei Ludwig 
Tiecks Jugendwerken müsste schärfer zwischen seinen dichterischen Versuchen, dem 
unmittelbaren Leben selbständige Gebilde abzugewinnen, und den Bearbeitungen 
französischer Erzählungen in den „Straussfedern" unterschieden werden. Das 
Material zu letzteren schickte Nicolai, nach Köpkes Erzählung, dem jungen Tieck 
waschkörbe weise ins Haus. F. sieht die Befreiung ganz richtig bei Goethe, der 
„Werther" gab eben den überwältigenden Beweis, dass dem deutschen Leben im 
grossen und kleinen poetische Motive und wahrhafte Gestalten abzugewinnen waren. 
Ja der Grundsätze, die der Dichter in den Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter 
ausspricht, hätte es für diesen Beweis nicht bedurft. F. legt freilich einen so ein- 



— 37) H. Greinz n. H. v. Schalle rn, Jung- Tirol. E. mod. Musenalro. aas d. Tiroler Bergen. L., G. H. Meyer. V, 308 S. 
M. 4,00. — 38) H. Mfiller-Braael, Hannorersches Dlchterbnch. Mit vielen Beiträgen lebender Dichter. Göttingen, 
Horstmann. XX, 456 S. M. 6,00. — 39) Hie gat Wflrtteraberg allewege. E. lilt. Jahrbuch ans Schwaben. 1. Bd. Heilbronn, 
Eng, Salzer. Vni, 302 S. M. 3,50. IfBlLU. S. 164/6.]| — 40) L- Katscher, Friedensstiramen. E Anthol., eingeleit. 
V. K. F. Meyer u. Bertha T. Suttner. Neue Ausg. Esslingen, W. Langguth. 399 S. M. 3,00. (Vgl. JBL. 1894 IV 2b: 474.) 

— 41) B. Für st, D. Vorl&nfer d. mod. Novelle im 18. Jh. E. Beitr. z. vergl. Litt.-Gescb. Halle a. S., Niemeyer. 1897. 



Ad. Stern, Allgemeines des 18./19. Jahrhunderts: Litteraturg-eschichte. IV la: 42-46 

seitigen Nachdruck auf die Benutzung fremder litter arisch er Motive, dass darüber 
das Leben und die Natur zu kurz kommen; die Existenz einer verwandten Erfindung 
ist an sich noch kein entscheidendes Argument gegen die unmittelbare Mitwirkung 
des Erlebnisses und der Anschauung in einer poetischen Schöpfung, ist es um so 
weniger, als in den Fällen, wo sich letztere ganz zweifellos nachweisen lassen, ja wo 
Romane und Novellen sich mit Abenteuern, Eindrücken und Erfahrungen ihres 
Dichters geradezu decken, der Nachweis vermeintlicher papierener Quellen dennoch 
möglich sein und immer versucht werden wird. Die Anordnung und vor allem die 
Darstellungsweise von F.s Buche sind minder rühmenswert als der Fleiss und die 
umfassende Litteraturkenntnis, die das Werk auszeichnen. Auch hier wieder macht 
sich die Unmöglichkeit fühlbar, ein allzu weitschichtiges Material völlig zu ver- 
geistigen, ja auch nur völlig übersichtlich zu ordnen. — Von kleineren Arbeiten 
wurden die beiden Studien T ü r k s ^^^ über Friedrichs des Grossen Dichtungen im 
Urteil des 18. Jh. mit einer Teilnahme begrüsst, die weniger dem im ganzen doch 
aussichtslosen Versuch, den französischen gereimten Zeitvertreiben des grossen 
Königs nachträglich zu einer ästhetischen Würdigung zu verhelfen, als den fleissigen 
Nachweisen über die Aufnahme galt, die diese Gedichte bei hervorragenden und 
litterarisch thätigen Zeitgenossen fanden. Die Thatsache allein, dass ein König, ein 
kriegerischer und nach allen Richtungen selbstherrschender Fürst sich als Dichter 
bethätigen mochte, fiel für das Menschenalter zwischen 1740—86 derart ins Gewicht, 
dass sie die Wertschätzung der poetischen Lebensäusserungen Friedrichs IL stark 
beeinflusste. — Ein wichtiges Thema berührt, aber erschöpft in keiner Weise ein 
namenloser Aufsatz ^^^^ (jer, an Zwiedineck-Südenhorsts ersten Band der „Deutschen 
Geschichte von 1806—71" (JBL. 1897 IV Ib : 107) anknüpfend, auf den energischen, viel- 
seitigen und bedeutsamen Aufschwung des deutschen Geisteslebens gerade seit dem 
Beginn und unter dem Druck der Fremdherrschaft hinweist und in Ueberein- 
stimmung mit dem Historiker betont, dass neben der Romantik in eben diesem 
Jahrzehnt von 1806—15 der Realismus kräftig bemüht war, die Einseitigkeiten des 
Klassizismus auszugleichen, dass eine litterarische Bewegung, die von Kleists Dramen 
bis zu Hebels Erzählungen des rheinischen Hausfreundes reicht, dies Jahrzehnt erfüllt 
und die Befreiung nach allen Seiten vorbereiten und fördern hilft. Es ist zu be- 
dauern, dass diese wichtige Bewegung bisher immer nur in einzelnen Andeutungen 
behandelt oder mit der specifisch romantischen Bewegung zusammen dargestellt 
wurde, mit der sie wohl in Beziehung und Wechselwirkung steht, aber mit der sie 
keineswegs identisch ist. — Der Gegenwart näherliegend und doch in einem geheimen 
Zusammenhang mit der Darstellung einer Bewegung stehend, in deren Mittelpunkt 
wir die Gestalt Heinrichs von Kleist erblicken, zeigt sich die Abhandlung C. B u s s e s **) 
über Bismarck und die deutsche Dichtung. — 

In der Reihe vermischter Schriften und Aufsätze, die sich 
über einzelne litterarische Gegenstände verbreiten und gewisse Fragen des Augen- 
blicks erörtern, stehen die verschiedenen Abhandlungen über Volksunterhaltungs- 
abende obenan, an denen den weitesten Kreisen die Schätze der Dichtung und der 
Musik zugänglich gemacht werden sollen. Neben Löwenfelds *Sj Zeitschrift, die 
den gesamten Bestrebungen auf dem Gebiete der Volksunterhaltung gewidmet ist, hat 
Pfarrer L u t h e r s ^6) Handbuch für Volksunterhaltungsabende Anregung und 
praktische Winke genug gegeben. Die Anthologie ausschliesslich moderner und 
modernster Dichtungen, gegen deren Auswahl nichts zu erinnern ist, die aber in 
ihrer Einseitigkeit doch recht dürftige Begriffe vom Wesen der deutschen Dichtung 
im „Volke" verbreiten müsste, wenn sie wirklich allen Volksunterhaltungsabenden 
zu Grunde gelegt würde, ist dabei unwichtiger, als die Winke, die L. für die 
Erzielung einer geistigen und Stimmungseinheit an jedem Abende giebt. Er rät, 
alle Vorträge eines Abends möglichst um einen einheitlichen Gedanken, eine ein- 
heitliche Stimmung zu sammeln, damit bestimmte Empfindungen in der Seele der 
Hörer ausgelöst werden. Findet er hierin mehr Zustimmung als Widerspruch, so 
scheint es doch, dass nicht alle in den Anfängen dieser geistigen Volksunterhaltung 
gemachten Erfahrungen mit denen von L. übereinstimmen. Sein Buch will aber 
auch nur eine Anleitung sein. So wie es der volksfreundliche Pfarrer in seiner Heimat 
gemacht hat, kann es jeder leidliche Kenner deutscher Dichtung nachthun, ohne 
sich auf L.s Auswahl zu beschränken. Und da wird denn wohl Löwenfeld Recht 
behalten, wenn er sagt: „Trotzdem will uns scheinen, als hätten neben den Er- 

Vn, 240 S. M. 6,00. ![R. M. Meyer: DLZ. S. 194/5.JI — 42) M. T6 rk, Friedrichs d. Grossen Dichtungen im Urteil d. Zeit- 
genossen. Progrr. B. (Gaertner). 4». 29 S. — 43) D. Aufschwung dtsch. Litt, unter d. Franzosenherrschaft: NorddAZgB. N. 45. - 
44) X C. Busse, Bismarck u. d. dtsch. Dichtung: DWBl. 11, S. 376-81. — 45) H. Löwenfeld, D. Volksnnterhaltung. 
Zeitschr. für d. gesamten Bestrebungen auf d. Gebiete d. Volksunterhaltung. 1. Jahrg. B., F. Dümmler. 12 Hefte ä 1 Bog. M. 2,00. — 
46) P. Luther, Dtsch. Volksabende. E. Handbuch fflr Volksnnterhaltungsabende. F6r d. Praxis znsammengeft. B., A. 
Doneker. 24« 8. M. 4,00. |[R. L ö we n f e Id; Volksnnterhaltnng. 1, S. 8-10; A. Dresdner: Kw. 11«, S. 97-101; A. C&8«t: 

(4)2* 



IV la: 47-51 Ad. Stern, Allgemeines des 18./19. Jahrhunderts: Litteraturg-esohichte. 

Zeugnissen moderner Dichter die Meisterwerke der Vergangenheit in der Volks- 
ünterhaltung einen bevorzugten Platz einzunehmen. Denn was sie zu Meisterwerken 
stempelt, ist eben ihre Gültigkeit über ihre Zeit hinaus für viele Geschlechter, und 
die künstlerische Fassung eines wertvollen Gedankengehalts". — Aus den Erörterungen 
über die deutsche Litteratur der Gegenwart und ihre Erhaltung für die Zukunft, die 
Herr mann*'') der Berliner Gesellschaft für deutsche Litteratur Ende 1897 vor- 
getragen hat, ergiebt sich die eigentümliche Thatsache, dass ohne eine besondere 
Sammlung der Ms.-Drucke (namentlich von Bühnenwerken) und Privatdrucke ein 
grosser Teil der gegenwärtigen litterarischen Produktion der Kenntnis und dem 
Urteil der Nachwelt verloren zu gehen droht. H. wies u. a. nach, dass die Mehrzahl 
der guten alten Berliner Possen nur als Bühnen-Hs. gedruckt, in keiner öffentlichen 
Bibliothek vorhanden, in keinem buchhändlerischen Verzeichnis aufgeführt sind. — 
Gedenken wir schliesslich noch der Betrachtung P la tz h o f f s*^) über litterarische 
Ueberproduktion , der Untersuchung Bettelheims ^9) über die Frage, ob man 
berichtigen solle oder nicht, so wird es klar genug, welch eine Fülle litterarischer 
Interessen, Probleme und Reflexionen die tausend Mal als unlitterarisch bezeichnete 
Gegenwart belebt und durchdringt. — 

Im Mittelpunkt lokaler Litteraturforschung erscheint diesmal 
wirklich Mitteldeutschland. Eine Arbeit, die zahlreiche Erinnerungen an vergangene 
Tage und verschollene Namen der „schönen Litteratur" neu erweckt, giebt K r u g '^^) 
in seiner „Der Sondershäuser Schriftstellerkreis" betitelten Abhandlung über die 
Mitarbeiter des um 1838 bei Eupel in Sondershausen erschienenen und von 
Friedr. von Sydow redigierten Sammelwerkes „Thüringen und der Harz", dem er 
das Verdienst zuspricht, auf die Pflege der Geschichts- und Vaterlandskunde von 
Thüringen sehr bedeutenden Einfluss ausgeübt und einen litterarischen Grundpfeiler 
für die künftige Anschauung abgegeben zu haben. „Noch heute ist man nirgends 
im wesentlichen darüber hinausgekommen; es scheint auch nicht, dass es in ab- 
sehbarer Zeit geschehen werde. Der eigentümlich milde, träumerische Duft, welcher 
das thüringische Land und Wesen umgiebt, ist zum ersten Male und am nach- 
haltigsten von diesem Werke aufgefangen worden." Ist dem so, so versteht man um 
so weniger, warum sich der Vf. auf den lediglich an den Verlagsort des genannten 
Buches geknüpften Titel eines Sondershäuser Schriftstellerkreises versteift hat, da 
doch nach allem, was den Hauptwert seiner Studie ausmacht, recht wohl von einem 
thüringischen Schriftstellerkreise die Rede sein kann, und die Hauptmitarbeiter, mit 
alleiniger Ausnahme des Redakteurs Fr. von Sydow, an allen anderen Orten 
Thüringens und nicht in Sondershausen lebten. Charakteristisch für diese Haupt- 
mitarbeiter ist die Verbindung oder vielmehr das Ineinanderfliessen von Poesie und 
Prosa in ihren Beiträgen, der echt thüringische Zug, die einfache Darstellung- 
historischer, landschaftlicher Wirklichkeit, die schlichte Naturbeschreibung mit ge- 
reimter und ungereimter Lyrik zu durchsetzen. Fast alle Schriftsteller, die K. 
seinem Sondershäuser Kreise zuzählt, sind Chronisten und Schilderer, Lyriker und 
Erzähler zu gleicher Zeit. Bei der Einzelbesprechung läuft etwas zu viel günstige 
Meinung von ihren Talenten und ihrer Kunst unter. Freilich muss man zugeben, 
dass gerade die begabtesten, Ludwig Storch z. B., mit der gemeinen Not des Lebens 
zu kämpfen hatten, und es noch immer erstaunlich bleibt, was der Vf. des „Freiknechts", 
des „Vörwerts Hans", der „Haideschenke" und des „Max von Eigel" unter dem 
harten Druck eines zerfahrenen, von der unablässig-sten Schreiberei ums Brot 
beeinträchtigten Daseins dennoch zu leisten vermocht hat. Die Poetengestalten, 
die K. wieder heraufbeschwört, haben nur zum Teil einen kleinen Platz in der 
Litteraturgeschichte gewonnen, so vor allen Ludwig Bechstein aus Meiningen, Ludwig- 
Storch, der Balladendichter Adolf Bube aus Gotha, während Sydows Name zwar auf 
seinen Komplimentierbüchern und ähnlichen litterarisch-industriellen Unternehmungen 
erhalten blieb, aber seine Erzählungen, Gedichte und romantischen Trauerspiele 
ebenso bald vergessen wurden wie die zahlreichen historischen Romane seiner Gattin 
Wilhelmine von Sydow. Als Poet gehörte Sydow zu den Trivialromantikern, die sich 
über die ganze Breite Deutschlands lagerten. Er hatte auch, wie K. es ausdi'ückt, 
„alle seine Mitarbeiter auf Romantik eingeschworen", ohne natürlich bei Volks- 
schriftstellem, wie Heinr. Schwerdt, bei nüchternen Quellenforschern und Chronisten, 
wie F. L. Hesse, zum Ziel zu kommen. Besser fand sich in diesen Ton der 
Nordhäuser Poet Karl Duval (1808—53), der im Elend eines umhergetriebenen 
Litteratenlebens früh unterging, von K. aber nicht nur als der beste Mitarbeiter 
des Thüringerwerks bezeichnet, sondern£als eine wahrhaft poetische Natur charakteri- 

ProteBtant 2, S. 940/3; R. O r n n d e m a n n: Land, S. 265/7, 287/9; Ernst SohuUze: ML. 67, S. 917-22.]| —47) H. Herr- 
mann, D. dtech. Litt. d. Geg. u. ihre Erhaltung för d. Zukunft. Vortr., geh. in GDL. Referat: DLZ. S. 83/Ö. — 48) 
G. Platzhoff, Litterar. Ueberproduktion: Kw. 10, S. 328-80. —49) A. Bettel heim, Soll man berichtigen?: Nation". 15, 
S. 290/1, - 50) C Krug, D. Sonderghftuser Sohriftstellerkreis : NorddAZgB. u. 133, 144, 165, l^O 202, 21«. — 51) ö. 



Ad. Stern, Allgemeines des 18./19. Jahrhunderts: Litteraturg-eschichte. IV la:6i 

siert wird. Freilich versucht der Vf. auch eine Ehrenrettung- des als H. E. A. Belani 
noch heute ein Fach in alten Leihbibliotheken ausfüllenden K. L. Haeberlin, den er 
zu den „schnöde Verg-essenen" rechnet, und der nach ihm „ein Romanschreiber von 
recht g-uten Eigenschaften" gewesen sein soll. Was sonst aus der Gruppe der Mit- 
arbeiter am Sondershäuser Sammelwerk genannt wird, sind durchgehend dii 
minorum gentium, wie Heinrich Döring- in Jena, dessen man immer noch eher als 
flüchtigen litterarischen Kompilators denn als eines Poeten gedenkt, G. A. von Heeringen, 
dessen Romane jedenfalls die Beianis weit überragt haben, Robert Hahnemann 
in Triptis usw, auf die der Vf. die Lokalforscher noch ausdrücklich hinweist. 
„Auffallen muss heute", sagt K. schliesslich, „dass von den Weimarischen Klassikern 
in unserem Werke kaum merklich die Rede ist, während doch das Land ihres 
irdischen Schaffens beschrieben wird." Wenn er nun aber meint, dass die Ab- 
fassungszeit des grossen Werkes über Thüringen in Bezug auf Schiller und Goethe 
geradezu in einen für diese „toten Winkel der litterarischen Entwicklung" fällt und 
hinzufügt: „nach Goethes Ableben hat sich die wohlbekannte Erscheinung gezeigt, 
dass der Hintritt eines Grossen, der überaus lange Zeit auf seinem Gebiet die Vor- 
herrschaft übte, doch als eine^Art Erleichterung wirkt, — man wendet sich mit einer 
gewissen Eile neuen Aufgaben zu; die jüngste Vergangenheit aber bleibt zunächst 
einmal bei Seite", so übersieht er, dass sich in dem in Rede stehenden Sammelwerke 
vor allem das Selbstgefühl der Thüringer, Eichsfelder und Harzer Autochthonen 
regte, und dass die Klassiker unserer Litteratur wohl Weimaraner, aber keine 
Thüringer geworden waren. — Dem Titel nach sollte man glauben, dass Karpeles^^) 
in seinem litterarischen Wanderbuche, dessen zweite Auflage im Berichtsjahr hervor- 
trat, lokale Litteraturerinnerungen aus Ost und West, Süd und Nord des deutschen 
Vaterlandes gesammelt und aufgefrischt habe. Bei genauerer Betrachtung weist sich 
aus, dass nur etwa die Hälfte seiner Studien dieser Voraussetzung entspricht, 
während die erste Hälfte der allgemeinen und vergleichenden Litteraturgeschichte 
angehört. Weder die Aufsätze „Zur Geschichte des Naturgefühls", „Die Wanderungen 
eines Märchens", „Die Frau in der Weltlitteratur", noch „Der erste Ritterroman in 
der Weltlitteratur" fallen ins Gebiet der lokalen deutschen Litteraturgeschichte. Anders 
steht es mit den übrigen, namentlich mit den beiden letzten Abhandlungen des 
Wanderbuches, die sich „Zur Litteraturgeschichte der böhmischen Bäder" und „Berliner 
Spaziergänge" benennen. Die Litteraturgeschichte der böhmischen Bäder beschränkt 
sich fast ausschliesslich auf den Aufenthalt Schillers in Karlsbad und Goethes in 
Karlsbad, Marienbad und Franzensbad, nur nebenher wird einiger anderer Er- 
scheinungen gedacht, so des Aufenthalts Fichtes in Franzensbad im J. 1798 und 
Herders, dessen letzte Badekur am „Egerbrunnen" in den August des J. 1803 fiel. 
Freilich heisst es auch bei K.: „Von Franzensbad kehrte er anscheinend erfrischt im 
September heim, aber es war dies doch seine letzte Reise gewesen. Am 18. Dec. 
desselben Jahres schied er", aber da keine andere Jahreszahl genannt ist als 1798, 
kann hier leicht eine Verwechslung entstehen. Auch der Aufenthalt Raupachs und 
Anastasius Grüns findet kurze Erwähnung, später wird Heinrich Laubes gedacht. 
Aber die zahlreichen Besuche anderer deutscher Dichter, von Kömers poetisch 
bezeugten schönen Tagen in Karlsbad bis zum gemeinsamen Verweilen von Fr. 
Hebbel, Friedrich von Uechtritz und Gustav zu Putlitz in Marienbad (1854), von 
späteren noch zu schweigen, bleiben unerwähnt; die Litteraturgeschichte der 
böhmischen Bäder ist eben viel reicher, als man nach diesen Aufzeichnungen meinen 
sollte. Die „Berliner Spaziergänge" gedenken in buntem Wechsel zuerst F. A. Wolfs 
als des Begründers der modernen historischen Kritik, die in Berlin ihren Mittelpunkt 
gefunden, dann Fr. Schlegels, dessen erster Aufenthalt in Berlin im J. 1797 und 
dessen Bekanntschaft mit Schleiermacher und Ludwig Tieck als Geburtsstunde und 
Tauftag der Romantik gefeiert werden, Schleiermachers und seiner Beziehungen zu 
Henriette Herz (von der er meint: „wenn wir Henriette Herz richtig beurteilen wollen, 
müssen wir uns von der üeberschwenglichkeit ihres Biographen Fürst ebenso wie 
von der Bosheit ihres Freundes Vamhagen von Ense fernhalten. Der eine erhebt 
ihre Klugheit in den Himmel, der andere erniedrigt sie geradewegs zu einer un- 
bedeutenden Person. Beides scheint gleich falsch. Sie war weder so geistreich wie 
ihre Freundin Rahel, noch so gebildet wie Karoline Schelling, aber sie war von 
seltener Klarheit des Geistes und verstand es, eine wohlige, behagliche Atmosphäre 
um sich herum zu verbreiten"), des litterarischen Salons der „Doktorin Herz", des 
Romantikers E. T. A. Hoffmann, der zwar mit Berlin innig verwachsen sei, aber 
dessen dichterische Bedeutung weit über Stadt und Land hinausreiche, Adalbert von 
Chamissos, der Periode der „Spät-Romantik", zu deren Vertretern wunderlich genug 
auch Friedrich Rückert gerechnet wird, der alten Berliner Sprachgesellschaft, 
schliesslich, der Tagesstimmung entsprechend, des Berliner Dialekts und seiner 
Erscheinung in der Litteratur. Enthalten die Spaziergänge sonach wenig, was nicht 



IV la: 52-55 Ad. Stern, AUg-emeines des 18./19. Jahrhunderts: Litteraturgeschichte. 

anderwärts und namentlich in Geigers „Berlin" auch zu finden wäre, so treffen sie 
nichtsdestoweniger den leichten, rasch von einem zum anderen streifenden Ton, den 
die bequemeren Freunde der Litteratur und litterarischer Erinnerungen bevorzugen. — 
An Karpeles Spaziergänge schliesst sich zwanglos Ri n g s^^^ Studie über den letzten 
litterarischen Salon in Berlin an, als den er den Salon Vamhagens von Ense 
bezeichnet, der seit seiner Abberufung aus Karlsruhe im J. 1819 zur Disposition 
gestellt, bis zu seinem im Okt. 1858 erfolgten Tode Leute aus allen Gresellschaftskreisen, 
mit den verschiedensten Anschauungen und Interessen zu einer oft bedeutenden, 
immer anregenden Geselligkeit bei sich zu vereinigen wusste. Den älteren Kreis, in 
dessen Mittelpunkt Rahel stand, kann R. aus eigener Anschauung nicht charakterisieren, 
wohl aber den, der sich in den vierziger und fünfziger Jahren in dem von Vamhagen 
bewohnten Hause der Mauerstrasse um den Kaffeetisch Ludmilla Assings, der Nichte 
Varnhagens, versammelte. Wahrscheinlich nach persönlichen Eindrücken gedenkt er 
des alten Generals von Pfuel, des Jugendfreundes Heinrich von Kleists, des Fürsten 
Pückler-Muskau , des jetzt vergessenen Romanschriftstellers von [Jngern-Sternberg, 
des Historikers K. E. Vehse, des Vf. des unzuverlässigen Skandalbuches, das sich 
Geschichte der deutschen Höfe nannte, Gottfried Kellers, Lassalles, der Gräfin Elise 
von Ahlefeldt, der Freundin Immermanns, und der Romanschriftstellerin Aline von 
SchlichtkruU, ohne gerade über die gegenseitigen Beziehungen dieser verschiedenen 
Gäste des Varnhagenschen Salons neue Aufschlüsse zu geben. Varnhagen selbst 
schildert R. als „angehenden Sechziger, eine imposante Gestalt, hochgewachsen 
und kräftig, hochschultrig, mit dichtem, grauem Haar, breiter, freier Stirn, feiner, fast 
spitzer Nase, etwas eingefallenem und gekniffenem Mund, hellen, graublauen Augen, 
die scharf beobachtend unter der goldenen Brille hervorblickten. Gewöhnlich trug 
er einen langen, dunklen Hausrock, den kurzen Hals frei, ohne Binde, und nur bei 
besonders festlicher Gelegenheit mit dem Band des Ordens Pour le merite geschmückt. 
In der Unterhaltung erschien er höchst anregend und geistvoll, ein Meister der 
gesellschaftlichen Rede, reich an interessanten Bemerkungen, witzigen Bonmots und 
pikanten Anekdoten, die er mit bewunderungswürdigem Geschick und ungesuchter 
Feinheit in das Gespräch zu verflechten wusste .... Bei längerem und näherem Ver- 
kehr verriet sich sein sanguinisches Temperament; mit all seiner Klugheit und 
Besonnenheit war Varnhagen eine leidenschaftliche Natur, leicht erregt und er* 
glühend, aber ebenso schnell wieder beruhigt und abgekühlt. Dieses Temperament 
und ein eigentümlich weibliches Element in seinem Wesen dürfte den Schlüssel zu 
seinem Innern abgeben und so manche W^idersprüche und Rätsel in seinem Leben 
erklären." — Von Berlin nach dem äussersten deutschen Norden hinauf führen 
einige Studien und Skizzen, so die ausgeführtere von Mirow^^), die Wandsbeck und 
das litterarische Leben Deutschlands im 18. Jh. behandelt, in welchem Zeitraum das 
der gräflich Schimmelmannschen Familie gehörige Wandsbeck namentlich durch 
Matthias Claudius, Voss usw. eine Art litterarischer Bedeutung erlangte, und die 
kürzere Höcker s^^) über die Halligen in der Dichtung. Die lebendigste Dar- 
stellung des Lebens auf den einsamen westschleswigschen Inseln, die den Namen der 
Halligen führen, bleibt noch immer an Biernatzkis Geschichte „Die Hallig oder die 
Schiffbrüchigen auf dem Eiland in der Nordsee" geknüpft, die 1836 erschien, obschon 
seitdem neuere Dichter und Erzähler, und unter ihnen selbst Theod. Storm, die Erd- 
schollen im Wattenmeer zum Schausplatz ihrer Erfindungen erkoren haben. — Von 
Norden nach Osten ist erst wieder in Ad. Hoffmann s^*) Mitteilungen über deutsche 
Dichter im schlesischen Gebirge ein Stück lokaler Litteraturforschung zu verzeichnen. 
Der Vf. bespricht zuerst Chr. Günthers Aufenthalt in Hirschberg vom Herbst 1721 
bis Herbst 1722 unmittelbar vor der Uebersiedelung nach Jena; die Einzeichnungen 
des Dichters und seiner Freunde aus dem alten Fremdenbuch der Hampelbaude 
erscheinen als poetische Zeugnisse der letzten Tage des schlesischen Dichters 
in der schlesischen Heimat. Die zweite Studie H.s behandelt die Ferien- und 
Studienreise Th. Körners ins Riesen- und Isergebirge im Hochsommer und Herbst 1809. 
Nach Körners ganzer Art war diese Reise eine fortgesetzte Folge lyrischer An- 
regungen, und die zahlreichen Reisegedichte des jungen Poeten gipfelten schliesslich 
in der epischen Dichtung „Eduard und Veronika oder die Reise ins Riesengebirge", 
die offenbar bestimmt war, alle persönlichen Erinnerungen Körners in sich auf- 
zunehmen, aber Fragment blieb. Der dritte Aufsatz gilt Goethes Besteigung der 
Schneekoppe am 15. Sept. 1790; er stellt mancherlei Daten und Einzelheiten über 
Goethes kurzen Aufenthalt im schlesischen Gebirge fest, nimmt aber freilich auch 
etliche imverbürgte und leicht zu widerlegende Lokalüberlieferungen mit auf. — 

Karpeles, Litt. Wanderbnch. 2. Aufl. B., Allg. Ver. «r dtsch. Litt. 320 S. M. 5,00. — 52) M. Bing, D. letzte litt. 
Salon in Berlin. (= I 3:130, S. 77-96.) — 53) E. Mirow, Wandsbeck n. d. litt. Leben Dentschlands im 18. Jh. Progr. 
Wandsbeci. 4". 63 S. — 54) 0. Höcker, D. Halligen in d. Dichtung u. Musik: DWBl. 11, S. 260/2. — 55) Ad. Hoff- 
mann, Dtsoh. Dichter im schles. Gebirge. Neues aus d. Leben t. Qoethe, Günther u. ESrner. Warmbrunn, Leipelt. IV, 




Ad, Stern, Allgemeines des 18./19. Jahrhunderts: Litteraturgeschichte. IV la : öß-ei 

Aus dem reichsdeutschen Süden begegnen wir diesmal nur den Gevattersprüchen 
vom Wiegenfeste der Münchener Litterarischen Gesellschaft^^), die Ganghof er, 
F. von Ostini, E. von Wolzogen, Max Haushofer zu deren Wiegenfeste am 19. Dec. 
1897 dargebracht haben. Des letztgenannten Eröffnungsvortrag behandelte auf Grund 
reicher und zuverlässiger Quellen (der Vortragende nennt ausser den Zeitungen die 
persönlichen Erinnerungen von Fei. Dahn, Luise von Kobell, Fr. Pecht, Jul. Grosse, 
Graf Schack, Fr. Dingelstedt [Münchener Bilderbogen], VöIderndorlT, Bodenstedt, 
mehrere Aufsätze H. W. Riehls) das litterarische Leben Münchens unter der Regierung 
Maximilians II. Die Schilderung der damaligen Zustände gipfelt in einer getreuen 
Darstellung des Münchener Dichtervereins Krokodil. „Wie der Kreis der Berufenen 
sich löste, während der politischen Stürme der J. 1864—66, auch das gehört der 
Geschichte des deutschen Geisteslebens an. Die schöne Tafelrunde des Königs Max 
fand ein dramatisches Ende. Dieselben geschichtlichen Ereignisse, welche die deutsche 
Frage mit Blut und Eisen lösten, Hessen auch den Bannerträger und Führer des 
Münchener Dichterkreises (Geibel) wieder den Weg nach seiner nordischen Heimat 
suchen." — Dafür ist Deutsch-Oesterreich um so stärker vertreten. Rosenbaums ^') 
auf Grund eines Berichts früher erwähnter Vortrag über die Tirolerin in der deutschen 
Litteratur des 18. Jh. wurde nach seinem ganzen Inhalt veröffentlicht, wir brauchen 
nur auf den Vortrag in der Berliner Gesellschaft für deutsche Litteratur zurück- 
zuweisen, der die Grundzüge der R.schen Nachweisungen charakterisierte. — Eine 
kurze Uebersicht über die deutsche Litteratur in Oesterreich unter Kaiser Franz Josef I. ^^) 
aus unbekannter Feder legt mit Recht den stärksten Nachdruck auf die in diesem 
Zeitraum erfolgte endliche Anerkennung des gTÖssten deutsch-österreichischen Dichters, 
Grillparzers. Das Wiener Burgtheater wird in seiner Bedeutung als festeste Burg der 
deutschen Litteratur in Oesterreich gewürdigt, wenn es auch wohl ein wenig zu viel ist, 
von diesem Theater zu sagen: „es zog auch alle an, die draussen im Reiche Bühnen- 
stücke schrieben, und legitimierte sie erst". Als drittes bedeutendes litterarisches 
Resultat der fünfzig-jährig-en Regierung Kaiser Franz Josefs wird die Entwicklung 
Anzengrubers bezeichnet, von dem der Vf. meint: „in die tiefste Tiefe des Volkslebens 
hat mit übermächtiger Hand erst der grosse Dichter Ludwig Anzengruber und er 
allein gegriffen". — Gleichfalls einer fünfzigjährigen Jubelfeier zu Ehren, der 
Feier des fünfzigsten Geburtstages Karl Glossys, des Stadtarchivars von Wien, dessen 
historischer Sinn alles Wienerische in der Vergangenheit und Gegenwart mit gleicher 
Liebe umfasst, wurde ein Wiener Stammbuch^*^) gesammelt und veröffentlicht, dessen 
wertvollste und wichtigste Beiträge zugleich Beiträge zur österreichischen Litteratur- 
geschichte vorzugsweise für den Zeitraum sind, der von 1848—98 reicht. Dass Marie 
von Ebner-Eschenbach, F. von Saar, J. J. David, Jakob Minor, A. Sauer, Erich 
Schmidt, A. von Berger, Lud. Speidel und zahlreiche andere Blätter zu diesem 
Stammbuch gestiftet haben, dass neben den Studien über „Raimunds gefesselte 
Phantasie", über Johann Nestroy (von L. Speidel), über Wiener Volkssängertum 
(von J, J. David), Erinnerungen an Grillparzer (von A. Sauer mitgeteilte ältere 
Fassungen einzelner Scenen des „Bruderzwistes im Haus Habsburg"), Briefe von 
Grillparzer, Lenau, Anastasius Grün, Adalbert Stifter, Bauernfeld, Feuchtersieben, 
Kürnberger der bunten Sammlung bleibenden litterarischen Wert verleihen, wurde 
allseitig zugestanden. — Der allerneuesten Periode des deutsch-österreichischen Litte- 
raturlebens gelten dann einzelne kritische Bemerkungen zu Bahrs^") „Jung-Oester- 
reich", sowie Erörterungen über „Oesterreichertum in der Litteratur" von Ebner®'), 
in denen bekannte Streitfragen neue Beleuchtungen erfahren, ohne uns und ohne 
irgend einen den Gang litterarischer Entwicklung Ueberschauenden davon zu über- 
zeugen, dass es ein Glück sei, dass es auch nur eine Möglichkeit gebe, eine be- 
sondere österreichische Dichtung und Litteratur von der grossen deutschen Litteratur 
zu trennen. — 



136 S. M. 4,00. ItLCBI. S. 433|4.]| — 56) L. Ganghofer, F. v. Ostini, E. t. Wolzogen. M. Hanshofer, Gevatter- 
sprüohe z. Wiegenfeste d. MUnchener Litt. Ges. München, A. Aclcermann. 32 S. M. 1,00. — 57) (JBL. 1897 IV 8e : 19.) 

— 5t) D. dtsch. Litt, in Oesterr. nnter Kaiser Franz Josef I.: MontagsB. N. 47. -- 59) K. Wiener Stammbuch. Dem Direktor 
d. Bibl. n. d. bist. Museums d. Stadt Wien Dr. C. GloBsy z. 50. Gebnrtst. (7. März 1898) gewidmet v. Freunden u. Landsleuten. 
Wien, C. Konegen. VIII, 412 S. M. 5,00. i[ÖLBl. 7, S. 569-70.]| — 60) H. Bahr 6ber Jang-Oesterreich: Kw. 11', S. 90. 

- 61) Th. Ebner, Vom Oesterreichertum in d. Litt.: DWBl. 11, S. 532/4. - 



IV Ib : 1-8 E. Brandenburg', Allgemeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. 

b) Politische Geschichte. 

Erich Brandenburg-. 

Zusammenfassende Darstellungen N. 1. — Einzelne Seiten des geschichtlichen Lebens N. 6. — Zeit- 
alter Friedrichs des Grossen N. 12; Friedrichs Persönlichkeit und Hof N. 35. — Oesterreich bis 1790 N. 51; Deutsche 
Territorien im 18. Jahrhundert N. 57. — Zeitalter der französischen Revolution und Napoleons I.; Allgemeines N. 61 ; 
Revolutionslcriege N. 68; Reichsdeputationshauptschluss N. 81. — Prenssen unter Friedrich Wilhelm II. N. 82.— Friedrich 
Wilhelm III.: Aeussere Politik N. 87; Krieg von 1806—7 N. 95; Beformzeit N. 98. — Geschichte Oesterreichs während der 
Napoleonischen Zeit N. 106. — Freiheitskriege N. 115; Wiener Kongress N. 123. — Deutsche Territorien, Schweiz 1790-1815 
N. 124. — Biographisches N. 140. — Vom Wiener Kongress bis zur Revolution von 1848; Allgemeines N. 146; Zoll- 
verein N. 152. — Friedrich Wilhelm IV. N. 157. — Biographisches N. 161. — Hannover von 1813—43 N. 172. — Die Revo- 
lution von 1848—49; Gesamtdarstellung N. 173; Frankfurter Parlament N. 188; Berliner Märzrevolution N. 194; die Revo- 
lution im übrigen Deutschland N. 207; in Oesterreich und in der Schweiz N. 221. — Persönlichkeiten N. 234. — Litteratur- 
übersichten N. 246. — Reaktion und Reichsgröndung 1849—71. Deutsche Flotte N. 253; Prenssen N. 254; Kaiser 
Wilhelm I. N. 257. — Dänischer Krieg N. 269. — Oesterreichischer Krieg N. 272. — Deutsch-Französischer Krieg N. 283. — 
Das neue DentscheReich N. 296. — Biographisches: Herrscher und fürstliche Personen : Kaiser Friedrich N. 313; Kaiser 
Wilhelm II. N, 315; König Albert von Sachsen N. 325; andere Fürsten N. 332. — Heerführer N. 340. — Staatsmänner 
N. 351. — Bismarck: Eigene Aeussernngen; Gedanken und Erinnerungen N. 378: anderes N. 384. — Ausführliche Biographien 
N. 394; kürzere Würdigungen N. 410; einzelne Seiten von Bismarck« Wesen N. 460; Aufzeichnungen über Bismarck N. 480; Ur- 
teile von Zeitgenossen N. 484, — Geschichte Oesterreichs seit 1848 N. 488. — Die Schweiz N. 505. — Ver- 
schiedene Lebensgebiete: Geistiges Leben N. 506; kirchliches Leben N. 509; Wirtschaftsleben N. 518; Socialismu« 
N. 517; Militär-, Rechts- und Verwaltungsgeschichte N. 521. — 

Das Jahr 1898 ist ein Jubiläumsjahr; es fallen die 50. Wiederkehr des 
Revolutionsjahres 1848, der 50. Jahrestag des Regierungsantrittes des Kaisers Franz 
Joseph von Oesterreich, der 10. Jahrestag- des Regierungsantrittes Kaiser Wilhelms IL 
hinein. Ausserdem ist es das Todesjahr des grossen Reichskanzlers. Es ist daher 
nicht zu verwundern, dass die historische Litteratur dieses Jahres eine Fülle recht 
wertloser Gedächtnisschriften und Gelegenheitsreden aufweist; doch findet sich unter 
der vielen Spreu hier und da auch ein gutes Korn. Zusammenfassende 
Darstellungen des ganzen Zeitraumes ') hat das Berichtsjahr nicht geliefert. 
— Von der Geschichte des 18. Jh. bis 1789 in Wernickes Darstellung 2) bietet 
es eine neue Auflage, ebenso von der Fortsetzung des Schlosserschen Werkes ^) vom 
J. 1863 bis zur Gegenwart. — Fortgesetzt worden sind die ausländischen allgemeinen 
Werke von Castelar*) und Andrews^), von denen das erstere dem Bericht- 
erstatter nicht zugänglich war, das zweite für die deutschen Verhältnisse nur ein 
massiges Excerpt aus bekannten deutschen Werken für die Zeit von 1850 — 97 
bietet. — 

Einzelne Seiten des geschichtlichen Lebens v^^erden in 
zusammenfassender Weise behandelt von Mahan und Ziegler. Mahan^), ein 
amerikanischer Seeoffizier, hat in einem Werk, dessen Uebersetzung hier zu nennen 
ist, den Versuch gemacht, die Entwicklung der Seemacht der einzelnen europäischen 
Völker von 1660 an zu schildern und ihren Zusammenhang mit dem politischen 
Leben des europäischen Staatensystemes aufzuhellen. Das Buch verrät leider an 
vielen Stellen, dass der Vf. nicht die genügende Zeit darauf verwendet hat, sich mit 
der historischen Litteratur und Auffassungsweise vertraut zu machen ; inslaesondere 
scheint ihm die deutsche Geschichtschreibung ziemlich unbekannt geblieben zu sein. 
Seinem eigentlichen Thema ist er nicht gewachsen; er beschränkt sich auf die Auf- 
zählung und Beschreibung von Seekriegen und Seeschlachten mit gelegentlichen 
Bemerkungen über die politischen Verhältnisse. Die Schlachtschilderungen sind 
zum Teil gut und knapp; übersichtliche "Skizzen sind ihnen beigefügt. — Auch der 
Inhalt von Zieglers'') Buch entspricht nicht ganz dem, was der Titel verheisst; 
denn wir hören darin von den geistigen Strömungen des 19. Jh. zwar recht viel, 
von den socialen aber ausserordentlich wenig. Dem Zusammenhange der geistigen 
Strömungen mit dem politischen Leben geht Z. nach; aber er trifft dabei nicht 
immer das Richtige. So scheint mir der von ihm konstruierte Zusammenhang 
zwischen Romantik und politisch konservativer Gesinnung kein psychologisch not- 
wendiger zu sein; beide Strömungen waren durchaus selbständig und ganz ver- 
schieden, die eine dem Interesse der Besitzenden, die andere einer der nüchternen 
Wirklichkeit abgewandten sentimentalen Stimmung entsprungen; nur gelegentlich 

1) XO. Masslow, Bibliogr. z. dtsch. Gesch.: HVjsB. N. 1. — 2) C Wer nicke, D. Gesch. d. Neuzeit, 
2. Abt. 7. Aufl. (= D. Gesch. d. Welt, 4. T. B., Paetel.) 562 S. M. 5,00. — 3) F. C. Schlosser, Weltgesch. für d. dtsoh. 
Volk. 24. Aufl., bearb. von 0. J äg e r u. F. W o 1 f f, Bd. 18 u. 19. B., Seehagen. 667 u. 561 S. ä M. 2,00. - 4) O X 
E. Castelar, Historia de Europa des de la revolucion francesca hasta nnestros dies II. Madrid, F. G. Rojas. Fr. 27,00. 
— 5) Ch. M. Andrews, The historical development of modern Enrope from the congress of Vienna to the present time. 
vol. II. New- York, Pntnam. 467 S. Sh. 2,50. — 6) A. T. Mahan, D. Einfluss d. Seemacht auf d. Gesch. In Ueberseti. her. 
auf Veranlass, d. Redaktion d. Marinerundschau. Bd. 1. 2. Aufl. (1660-1783); Bd. 2 (1783-1812). B., Mittler. 544 u. 
704 S. M. 20,00. — 7) Th. Ziegler, D. geistigen u. socialen Strömungen d. 19. Jh. B., Bondi. 720 S. M. 10,00. — 8) X 



E. Brandenburg, Allgeraeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. IV Ib -.9-21 

kommen sie vereinigt vor. Auch die von Z. aufgestellte Reihe grosser Romantiker 
ist sehr anfechtbar; insbesondere wird sich jeder Historiker wundern, wenn er 
Ranke zu den Romantikern zählen hört. Konsequenterweise hätte auch Bismarck 
zu ihnen gerechnet werden müssen, aber davor ist Z. doch zurückgeschreckt. Trotz 
dieser und vieler anderen Ausstellungen ist der Versuch dankenswert, uns einmal 
den wirklich bedeutsamen Inhalt der vaterländischen Geschichte des letzten Jh. in 
knappen Zügen vor Augen zu stellen. Das Buch ist frisch geschrieben; nirgends 
verleugnet der Vf. seinen linksliberaleu Standpunkt und seine Hinneigung zu einer 
rationalistischen Weltanschauung; dadurch erhält das Buch ein einheitliches Gepräge. 
Die durchgehende Polemik gegen Treitschkes Darstellung ist unter diesen Umständen 
zwar begreiflich, hier und da auch im einzelnen gerechtfertigt, im grossen und 
ganzen aber doch ungerecht einem Buche gegenüber, dem auch Z. so viel verdankt. 

— Sonst sind von allgemeineren Darstellungen nur noch ein paar biographische 
Sammelwerke rein populärer Natur®"**) zu erwähnen. -^- 

Das Zeitalter Friedrichs des Grossen hat, abgesehen von einer 
neuen Auflage Carlyles ^^), keine zusammenhängende Behandlung gefunden. — Ueber 
Friedrichs Jugend i3-i4^ haben wir nichts Neues von Bedeutung erfahren. — Aus 
der Zeit des ersten schlesischen Krieges teilt S ch w er d f e ge r*^) eine interessante 
Denkschrift mit, die Grossherzog Franz Stefan von Lothringen-Toskana im Frühling 
1742 anonym an den Bischof von Würzburg' gelangen Hess, damit dieser Kaiser 
Karl VII. mit dem Inhalte bekannt mache. Ihr Zweck war Herstellung des all- 
gemeinen Friedens in Deutschland zum Kampfe gegen Frankreich; nach dem Aus- 
gleiche der territorialen Streitigkeiten zwischen den deutschen Mächten sollte das 
Elsass von allen zusammen erobert und Patrimonium des jeweiligen Kaisers werden. 
Praktischen Erfolg hatte die Denkschrift nicht, sie führt uns aber in die Gedanken- 
gänge des späteren Kaisers Franz I. ein. — Ueber die kriegerischen Ereignisse der 
J. 1742 — 45 liegen einige Einzeluntersuchungen*®) vor; von ihnen behandelt die 
Dissertation Lei tzkes*'') auf Grund der Berliner Akten und im Anschluss an 
Delbrücks Arbeiten Friedrichs Feldzug in Böhmen und Rückzug nach Schlesien 
(1744) und die Bedeutung dieser Operationen für die Erkenntnis der Strategie des 
grossen Königs. — Eine Arbeit von Rauchs *S), die sich hauptsächlich auf 
Marburger Akten stützt, behandelt alle Schwankungen der hessen-kasselschen 
Politik vom Abschluss der Konvention mit England (20. Mai 1740) bis zum 
Dresdener Frieden von 1745, und schildert die Mitwirkung hessischer Truppen an 
den Gefechten. Die unbehagliche Lage der deutschen Kleinstaaten, die Abhängigkeit 
ihrer Politik von den jeweiligen Machtverschiebungen unter den grösseren Kämpfern, 
die dadurch fast unvermeidliche Unaufrichtigkeit und Zweideutigkeit ihrer Politik 
tritt uns hier an einem sorgfältig bearbeiteten Beispiele recht greifbar vor Augen. 

— Beiträge zur Vorgeschichte des Füssener Friedens zwischen Maria Theresia und 
Bayern (1745) liefert Schwann*^), indem er den Intriguen und Fälschungen nach- 
geht, die sich der bayerische Feldmarschall Graf Seckendorff dabei erlaubte. — Eine 
grössere Zahl von Untersuchungen beschäftigt sich mit dem siebenjährigen Kriege. 
Die viel umstrittene Frage nach dessen Ursprung wird nochmals von Ruville^o) 
erörtert; er steht mehr auf Lehmanns und Delbrücks, als auf Naudes und Kosers 
Seite. Das Entscheidende war nach ihm für König Friedrich nicht der Ver- 
teidigungs-, sondern der Eroberungsgedanke ; die Besorgnis vor einem Bunde der 
Gegner gab ihm nur den momentanen Anstoss zum Losbruch. R. fasst seine Ansicht 
in folgenden 5 Sätzen zusammen: 1. Friedrich hielt eine nochmalige Abrechnung 
mit Oesterreich für unvermeidlich. 2. Er hielt zur Sicherung seines Staates dessen 
Vergrösserung für nötig. 3. Er wusste sich Anfang 1756 von einer Koalition bedroht, 
war aber über Frankreichs Mitwirkung ungewiss, und hielt die Gefahr nicht für 
sehr gross. 4. Er suchte den drohenden Verteidigungskrieg in einen Angriffskrieg 
zu verwandeln, und glaubte die gute Gelegenheit benutzen zu müssen, auch als er 
die Geringfügigkeit der Gefahr erkannte. 5. Er that aUes, um seiner Schilderhebung 
den Charakter der Notwehr zu sichern. Vielleicht würde R., nachdem inzwischen 



E. T. BertoQoh, D. dtsoh. Reich u. d. HohenzoUern. Basel, F. E. Perthes. 5.S4 S. M. 6,40. — 9) X H. Blnm, VorUmpfer 
d. dtsch. Einheit. Lehens- n. Charalcterbilder. B., Walther. 298 S. M. 5,00. — 10) X K. Nenmann-Strela, Deutschlands Helden. 
Wohlfeile Ausg. 9.-10. Heft (= Bd. 3, S.1-144). Hannover, Meyer. -iM.O.SO.— U) X H. Petrich, Fürsten u. Fährer. Elf dtsch. Männer. 
Erzählungen für Jung n. Alt. Altona, Schmidt. 248 S. M. 1,20. — 12) Th. Carlyle, History of Fredericlc II of Prussi», 
Tol. 4/8. London, Chapman. 514 S. Sh. 3/4. (VgL JBL. 1897 IV 1 h : 12.) — 13) X Bieder, Ans d. Kronprinzenjahren 
d. gnfossen Königs: SchnlblBrandenbnrg. 63, S. 645-68. — 14) X •*. v. W in t e r f e 1 d, Friedrich d. Grosse in d. Helden- 
schnle am Rhein: Bär 24, 8.126,7, 136/7. — 15) J. Sohwerdfeger, E.Denkschrift d. Grossherz. Franz Stefan V.Lothringen- 
Toskana ans d. J. 1742: AÖQ. 85, S. 359-78.-16) X R- Hassencamp, D.Franzosen am Niederrhein 1742 : RhGBll. S. 161-74. 
— 17) M.Leitzke, Nene Beitrr. z. Gesch. d. preuss. Politik n. Kriegfnhrnng im J. 1744. Diss. B., Loewenthal. 48 S. — 

18) M, V. Rauch, D. Politik Hessen-Cassels im österr. Erbfolgekriege bis z. Dresdener Frieden: ZVHessG. 23, S. 1-138. — 

19) M. Schwann, E. Diplomatenknnststnck aus d. Zeit d. Füssener Friedens: AZgB. N. 2012. — 20) A. v. Rnville, Z. 
Ursprung d. siebenj. Krieges: N&S. 87, S. 45-61. — 21) X 0- Herr mann, D. preuss. Kriegsplan v. 1756 u. d. Ursprung d. 

Jahresberichte ffir neuere deutsche Litteratnrgesobicht«. IX. (4)3 



IVlb:22-44 E. Brandenburg, Allgemeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. 

die Akten vollständig veröffentlicht worden sind, sich jetzt nicht mehr ganz so aus-, 
drücken. Gelöst ist die Frage durch seine Formulierung jedenfalls nicht.^i) — Die 
Einzeluntersuchungen über Feldzüge und Schlachten 22-23^ können hier nicht näher 
charakterisiert werden. — Hervorgehoben sei nur K o s e r s 2*) auf Grund einer 
Kritik der Quellen geführter Nachweis, dass bei Kolin Friedrichs Kriegsplan ohne 
dessen Schuld verlassen wurde, wie schon früher Duncker behauptet hatte. 25 -30) 

— Ueber Friedrichs auswärtige Politik nach 1763 haben wir nur einen kleinen Auf- 
satz von Treusch von Buttlar^*) zu erwähnen, der ausführt, wie der König 
England seit seinen Erfahrungen beim Abschluss des Hubertusburger Friedens nicht 
mehr als bündnisfähig angesehen und englische Annäherungsversuche 1765—66 
zurückgewiesen habe. ^2j — Ueber Friedrichs innere Politik ist diesmal wenig ge- 
arbeitet wordenes). — Seine grundlegenden Untersuchungen über Wirtschaftspolitik 
und Verwaltung Preussens im 17. und 18. Jh., die vornehmlich die Zeit Friedrich 
Wilhelms I. und Friedrichs ins Auge fassen, hat Schmoller ^*) gesammelt er- 
scheinen lassen. — 

Zur Charakteristik von Friedrichs Persönlichkeit und Hof im 
allgemeinen erhalten wir einige kleinere Mitteilungen ^5); diejenigen Ch. Meyer s^^) 
stützen sich auf ein unveröffentlichtes Tagebuch des oranischen Gesandten Frhr. 
von Geuder in Berlin (3. Dec. 1740—14. Juli 1742). ^'''^S) _ Einzelne Teile von 
Friedrichs Anschauungs- und Interessenkreise sind besonders bearbeitet worden ^s^^o^^ 

— Bei weitem am wichtigsten aber für die Charakteristik des grossen Königs ist 
von den Veröffentlichungen dieses Jahres die vollständige Ausgabe seines Brief- 
wechsels mit Grumbkow und Maupertuis durch Koser^*). Beide Briefwechsel 
waren früher nur unvollständig, der letztere sogar in stark verfälschter Gestalt 
bekannt. Des Kronprinzen Gedankenaustausch mit Grumbkow (1731 — 38), den er stets 
als einen gefährlichen Gegner erkannte und deshalb durch scheinbare Vertraulichkeit 
unschädlich zu machen suchte, lässt uns in das Werden des Diplomaten Friedrich 
tief hineinblicken. Aber auch politische und philosophische Fragen werden darin 
behandelt; und so wird diese Korrespondenz zu einer freilich mit Vorsicht zu be- 
nutzenden, aber doch unschätzbaren Quelle für die Entwicklung von des Kronprinzen 
ganzer Anschauungsweise. Der Briefwechsel mit Maupertuis, dem Reformator der 
Berliner Akademie (1738 — 58), zeigt uns den König auf der Höhe seiner Schaffens- 
kraft im lebendigsten geistigen Verkehr mit einem bedeutenden Gelehrten ; Friedrichs 
Charakter erscheint gerade hier von der besten Seite; wie er dem gelehrten 
Freunde auch den giftigen Angriffen Voltaires gegenüber die Treue hielt und bis 
zuletzt für ihn ritterlich eintrat, und mit welchem Interesse er alle die Akademie 
betreffenden Angelegenheiten verfolgte, ohne sich doch selbstherrlich in die Befug- 
nisse des Präsidenten einzumischen, das zeigen diese Aktenstücke aufs klarste. K. 
giebt in den Einleitungen über den Inhalt der Sammlungen Auskunft. ^^^) — Die 
Beziehungen zu Maupertuis hat ausserdem Diels*2-) j^ einer Akademierede be- 
handelt. '*3j — Von grossem Interesse ist es, die Urteile der Zeitgenossen und der 
Nachlebenden über König Friedrich zu verfolgen und zu vergleichen. Wir erhalten 
auch dazu Material; Türk^*) stellt auch im zweiten Teile seiner Abhandlung 
Aeusserungen aus gleichzeitigen Zeitungen und Briefen über Friedrichs Dichtungen 
zusammen; er betont, dass namentlich Ramler, aber auch Lessing sie sehr hoch geschätzt 
hätten, dass aber seit dem Aufkommen der deutsch-nationalen und antifranzösischen 
Stimmung die Wertschätzung dieser in der Sprache des verhassten Landesfeindes 

7j. Krieges: JDAM. 101, S.2-13. — 22) X*"- v. d. Weng en, D. Prager Schlacht t. 1757 u. ihr strategischer Hintergrund: Dtsch- 
HeeresZg. N. 11/4. — 23) X E. v. H o r s e t z k y , Schlucht v. Kolin : Organ d. militär. V. 52, S. 397-422. — 24) R. K o s e r , 
Bemerkangen z. Schlacht v. Kolin: FBPG. 11, S. 175-200. —25) X C. A. Knbitz, E. Denkmal dem fast vergessenen Helden 
S. M. W. T. Langen, e. wackeren Offizier Friedrichs d. Gr., d. KQhnsten beim Ueberfall v. Hochkirch. Nach Orig.-Qaellen dar- 
gest. Hochkirch, Zschischank. 16 S. M. 0,50. — 26) X H. L. Tattle, The prussian campaign of 1758: AmerHR. 3. — 
27) X W. Hopf, Landgraf Wilh. v. Hessen n. England während d. J. 1753-59. Diss. Herborn, Beck. 79 S. — 28) X 
H. Granier, D. Russen n. Oesterreicher in Berlin im Okt. 1760: HohenzoUernJb. 2, S. 113-43. — 29) X A. Brabant, D. 
Kämpfe um Mulde n. Triebisch 1761 u. 62: LZgB. 8. 77-80. — 30) X i^-. D. Schlachten um Freiberg 1762: ib. 1897, S. 493/6. 

— 31) K. Treusch v. Buttlar, Friedrich d. Gr. u. England' nach d. 7j. Kriege: Grenzb. 2, S. 52-64. — 32)X A.v. W inte r- 
feld, Friedrich d. Gr. u. Herzog Karl Eugen t. Württemberg: DR. 2, S. 186-91. — 33) X W. Br nehm üller, D. Koloni- 
sationen Friedrichs d. Gr. in d. Maik Brandenburg : Land 6, S. 424/6, 440/2. (üebersichtl. Znsammenfussung d. bisher. Litt.) — 
34) G. Schmoller, Umrisse u. Untersuch, z. Verfussungs-, Verwaltungs- n. Wirtschaftsgesch., bes. d. prenss. Staates im 
17. u. 18. Jh. L., Duncker u. Humblot. 686 S. M. 13,00. — 35) X Bourdeau, Le grand Frederic: JSM. 63, S. 125-60; 
«5, S. 130-50, 271-93. — 36) C h. Meyer, Am Hofe Friedrichs d. Gr.: Germania, MschrKundeDVorzeit. 1, 1895, 
S. 350/9. — 37) X A. V. Winterfeld, Friedrich d. Gr. u. Josef II.: Bär 24, S. 291/6. — 38) X 0- Wilhelmi, Friedrichs 
d. Gr. Lieblingsschwester: ib. S. 99-106. — 39) X Cl. Thouret, Friedrich d. Gr. als Musikfreund n. Musiker. L., Breitkopf 
& Härtel. 192 S. M. 3,00. — 40) X H. Pigge, D. Toleranzanschanungen Friedrichs d. Gr. Diss. Mainz, Kirchheim. 
65 S. (Teil e. grösseren im folg. Jahrg. zu besprechenden Schrift.) — 41) Briefwechsel Friedrichs d. Gr. mit Grumbkow u. 
Maupertuis 1731-59. Her. v. R. Koser. (= PPSA. Bd. 72.) L., Hirzel. 64 u. 372 S. M. 12.00. |[G. Valbert: RDM. 152, S. 213-26; 
Sokal: AZgB, N. 165; M. Immioh: HZ. 84, S. 491/4; P. Haake: HVjs. 2, S. 556/9.]| — 41a) X Friedrich d. Gr., 300 
ausgew. Briefe, erläut. t. A. Kannengiesser. (= ÜB. N. 3772/5.) L., Keolam. 120. 384 S. M. 1,20. — 42) H. D i e 1 s , 
Aus d. Korrespondenz Friedrichs d. Gr. mit Maupertuis. Rede: SBAkBerlin., S. 52-76. (Auch DRs. 94, S. 456-76.) — 43) 
X G. Wustmann, Friedrich d. Gr. n. Gottsched: Aus Leipzigs Vergangenheit NF. S. 216-35. — 44) M. Türk, Friedrichs d. 



E, Brandenburg-, Allgemeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. IV Ib: 45-87 

geschriebenen Werke eine sehr geringe geworden sei. — Eine Studie V a r r e n - 
t r a p ps *^) macht uns an der Hand von Vorlesungen Süverns in Königsberg aus dem 
J. 1808 damit bekannt, wie man in der preussischen Reformzeit über den König 
urteilte, wie man allmählich von den härteren Urteilen Arndts, der Friedrichs 
Franzosenfreundlichkeit nicht verzeihen konnte, zurückkam und in seiner aus- 
wärtigen Politik den Weg zur allmählichen Einigung Deutschlands unter Preussens 
Führung vorgezeichnet erkannte. — Von Mitarbeitern und Zeitgenossen Friedrichs 
bringt die ADB. einige kurze Lebensskizzen ^*~^^). — Dem Andenken von Svarez 
widmet StölzeP**) einen kleinen Aufsatz. — Wie sich aus dieser Uebersicht ergiebt, 
hat die Litteratur über Friedrich den Grossen nur wenige bedeutsame, für das histo- 
rische Gesamturteil wichtige Erscheinungen in dem Berichtsjahre zu verzeichnen. — 

Oesterreich bis 1790. Wenden wir uns nun hinüber zu dem geg- 
nerischen Staate, zu dem Oesterreich Maria Theresias und Josefs IL Hier begegnen 
uns ausser dem Neudruck einiger älterer Arbeiten von Dove^*"^^) quj. ein paar 
kleinere Studien über die religiöse und die verwaltungstechnische Seite von Josefs 
Reformen ^3-55)^ von denen die Pechtls^^) das grösste Interesse bietet; es wird 
darin ausgeführt, dass die wesentlichsten Gründe für das Scheitern dieser Reformen 
einerseits die verschiedene Weltanschauung des Kaisers und seines Beamtentums, 
andererseits die Unklarheit des kaiserlichen Willens selbst waren; Josef verlangte 
ganz nach Laune bald blinden Gehorsam, bald Selbständigkeit seiner Unter- 
gebenen und fand in Wahrheit stets passiven Widerstand bei äusserlicher 
Unterwürfigkeit. — 

Zur Geschichte der übrigen deutschen Territorien im 18. Jh. 
ist ausser ein paar unbedeutenden Kleinigkeiten ^'~^^) eine lehrreiche Arbeit 
Baumanns ^•^) über das bayerische Handelswesen unter Max Josef III. zu nennen, 
die, von einer Schilderung der wirtschaftlichen Lage Bayerns um 1750 ausgehend, 
Max Josefs Persönlichkeit, sein Beamtenmaterial, das Maut- und Accisenwesen und 
die ohne Erfolg darin versuchten Verbesserungen, endlich Verkehrswesen, Manu- 
fakturen und Fabriken behandelt. Im Anhange wird ein Auszug aus Stubenrauchs 
Mautplan von 1762 mitgeteilt. — 

Von allgemeinen Arbeiten über das Zeitalter der grossen 
französischen Revolution und Napoleons L, die auch für Deutschland 
von Bedeutung sind, haben wir Fortsetzungen der neuen Auflagen resp. Ueber- 
setzungen der Werke H. von Sybels^^) und Carlyles^^) 2u verzeichnen. — Von den 
kulturgeschichtlich interessanten, wenngleich nicht allzu tief eindringenden französischen 
Werken von L a c r o i x 63-64^ ujj(j T u r q u a n^^) sind schön ausgestattete deutsche 
Uebersetzungen erschienen. — Für die Geschichte der napoleonischen Feldzüge in 
Deutschland (namentlich 1805, 1806—7, 1809) und für die Freiheitskriege enthält 
Vigiers^ß) Biographie des Maj-schalls Davout, die sich aaf dessen ungedruckte 
Briefe stützt, neues, zum Teil wertvolles Material. — Vornehmlich über den Zeitraum 
von 1789—1815 erstrecken sich auch die Erinnerungen des Grafen von Schlitz ^'j, 
angenehme Plaudereien eines gebildeten, in den vornehmsten Kreisen verkehrenden 
märkischen Edelmannes, der zeitweise in preussischen Diensten stand und sich später 
in Mecklenburg ankaufte. Auf Grund früherer, gleichzeitiger Notizen hat er am 
Abende seines Lebens diese Denkwürdigkeiten zusammengestellt, die meist einen 
anekdotenhaften Charakter tragen, aber doch interessante und charakteristische Züge 
aus dem Leben und Treiben am Hofe Josefs IL und Napoleons oder aus den letzten 



Gr. DiclitnDgen im Urteile d. 18. Jh. 2. T. Progr. B., Gärtner. 4». 29 S. M. 1,00. (Vgl. JBL. 1897 IV 1 b : 23.) — 45) 
C. Varrentrapp, SQvern über Friedrich d. Gr.: HZ. 81, 8. 274-91. — 46) X B. P o t e n, H. K. v. Winterfeldt : ADB. 43, 
S. 485-90. — 47) X t;- ßethwisch, K. A. Frhr. t. Zedlitz: ib. 44, S. 744/8. - 48)X B- ^oten, J. K. Graf v. Ysenburg-Birstein : 
ib. S. 609-12. — 49) X C. Grünhagen, K. F. Werner, 1743—96, e. Breslaner Stadthaupt: ZYGSchlesien. 32, S. 285-344. 
— 50) A. Stölzel, Z. Erinner, an Svarez : AZgB. N. 109-10. — 51) A. Dove, Maria Theresia im Anfang ihrer Be- 
giernng. (= Ansgew. Schriften [L., Duncker & Hnmblot. X, 554 S. M. 7,00], S. 82-93. (NendrncV e. Aufs, aus: Im 
Keuen Beich, 1877.) — 52) id., Eaunitz. (.— ib.; Vortr.) — 53) OX F. Kenninck, Les idees religieuses en Antriebe 
de 1767ä 1787. Corresp. ined. du Dr. Wittola avec le comte Dnpac de Bellegarde: BInternatTheol. S. 308-35, 573-601. — 54) 
X B. Duhr, D. Etappen bei d. Aufhebung d. Jesnitenordens nach d. Papieren t. Simancas: ZKTh. 22, S. 432-54. — 55) X 
F. Lang, D. Durchführung d. Aufhebung d. Jesuitenordens in Graz: MHVSteiermark. 46, S. 130-51. — 56) H. Pechtl, 
Josef II. u. d. Staatsbeamten seiner Zeit: ZDKG. 5, S. 321-37, 421-38. — 57) X L. v. Göphardt, B. A. v. Gersdorff, kur- 
sächs. General d. Inf. u. Kabinetsminister: DresdnerGBll. 2, S. 91-106. — 58) X K. Pfund, Gesch. Erinner, ans d. Volks- 
leben im Isarwinkel um d. J. 1760 u. 1780: MHVOberbayern. 7, S. 31/9, 113/8, 148-51. — 59) X D- Hof t. Dresden vor 100 J.: 
StML. 54, S. 350/3. — 60) A. Baumann, Bayer. Handelswesen in d. 2. Hälfte d. 18. Jh., speoiell unter Kurfürst Max 
Josef 111. Kaiserslautern, Gotthold. 76 S. M. 2,00. — 61) H. v. Sybel, Gesch. d. BeTolutionszeit. Wohlf. Ausg. Bd. 3/6. 
St., Cotta. 442, 320, 296 S. ä M. 2,40. (Vgl. JBL. 1897 IV lb:51.) — 62) Th. Carlyle, D. franz. Revolution, Obers, v. L. 
Daafalik. Mit einl. Studie v. P. K. Schmidt, Bd. 1. Halle, Hendel. 443 S. M. 1,50. — 63) P. Lacroix, Direktorium, 
Konsulat n. Kaiserreich 1795— 1815. L., Schmidt u. Günther. 4". 500 S. M. 20,00. — 64) id., D.Marschälle Napoleons L 
üebertr. u. bearb. v. 0. Marschall v. Bi eberstein, ebd». 229 S. M. 9,00. — 65) J. Turquan, Welt n. Halbwelt unter 
d. Konsulat u. d. ersten Kaiserreich, übers, u. bearb. v. 0. Marschall v. Bieberstein. ebda. 334 S. M. 4,60. — 66) 
Cte. Vigier, Davout, marechal d'empire. Preface de F. Massen. 2 vols. Paris, Ollendorf. XIX, 297 u. 418 S. Fr. 15,00. |[LCBL 
3.962/3; P. Holzhausen: AZg». N. 117.J| - 67) H.Graf v. Schlitz, Denkwürdigkeiten v. d. letzten Lebensjahren Josefs IL bis 
t. Sturze Napoleons I. Her. v. Alb. Eolf. Hamburg, G. A. Rudolph. 206 S. M. 4,00. (D. Nachtrag: Unterdrückte Berichte 

(4)3* 



IVlb:e8-8i E. Brandenburg*, Allgemeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. 

Zeiten des alten Regensburger Reichstages bieten. Seine Schilderungen von Personen 
zeigen meist eine gute Beobachtungsgabe, doch wirken oft persönliche Sympathien 
oder Antipathien trübend darauf ein; so wird der Frhr. von Stein ganz ungerecht 
behandelt. Die Verhandlungen des Wiener Kongresses über Polen und die Teilung 
Sachsens schildert er nach den Auszügen, die er sich aus den ihm zugänglichen. 
Akten gemacht hat und von denen er einiges mitteilt. — 

Ueber den Ausbruch und Verlauf der beiden ersten Revolutionskriege 
handeln eine Reihe von Specialarbeiten. Die bedeutendste ist die von Ludwig^^-)^ 
die in vortrefflicher Weise die verwickelten staatsrechtlichen Verhältnisse im Elsass 
und in Lothringen von 1648—1789 darlegt und zeigt, wie die kleinen deutschen 
Machthaber zwar nicht rechtlich, aber thatsächlich französische Unterthanen geworden 
waren, denen es weniger auf ihre illusorischen Herrschaftsrechte als auf ihre Ein- 
nahmen ankam. Erst als die französische Revolution sie als einfache seig'neurs 
behandeln und auch für ihre Person der Steuer unterwerfen wollte, erinnerten sich 
die Herren wieder ihrer deutschen Fürstenwürde. Aber erst die Angriffe der 
Revolution gegen Kirche und Hierarchie trieben die geistlichen Fürsten zum offenen 
Bruche mit Frankreich und zur Anrufung der Reichshülfe, und erst jetzt ward von Seiten 
des Reichs dem faktischen Zustande gegenüber der Standpunkt des formellen Rechtes 
eingenommen. In einem Schlussabschnitte zieht L. aus seiner Untersuchung die 
Fplgenmg, dass die elsässer Sache nur ein Symptom der gespannten Lage, ein 
Reibungspunkt der sich zum Kampfe anschickenden Nationen und Prinzipien, nicht 
aber die Ursache des Revolutionskrieges gewesen sei. Das wird man unbedingt 
zugeben müssen; dagegen scheint es nicht einleuchtend, wenn L. meint, dass in der 
bekannten Streitfrage über den Ursprung dieses Krieges Sybel im wesentlichen recht 
habe gegen die Auffassung Rankes und die vermittelnden Ausführungen Sorels; er 
meint, zwischen den juristisch unvereinbaren Ansprüchen der Revolutionsmänner und 
der Verteidiger des alten Staatsrechts hätte wohl durch politische Erwägungen ein 
Ausgleich hergestellt werden können, wie dies einige Fürsten selbst für möglich ge- 
halten hätten; nicht das Schicksal, sondern vielmehr das Ungeschick der Menschen 
habe die Nationen gegen einander getrieben. Dem gegenüber erscheint doch Rankes. 
Standpunkt als der höhere; von ihm aus gesehen liegt die Sache so, dass feindliche 
Prinzipien nicht friedlich neben einander bestehen können, bevor sie nicht ihre 
Kräfte im Kampfe gemessen haben, und dass daher ein solcher Kampf stets un- 
vermeidlich ist, mag dies oder jenes den Anstoss geben. — Von den diplomatischen 
Schachzügen, die dem Ausbruch des grossen Kampfes vorausgingen, will eine Arbeit 
Ritters^^) über die Konvention von Reichenbach ein neues Bild geben; bis 
jetzt liegt nur ein Kapitel als Dissertation vor, das noch kein Urteil über die Be- 
deutung der Untersuchung ermöglicht, ""ö) — Ueber den Verlauf des ganzen Krieges,- 
einzelne Feldzüge und Episoden ist mancherlei Neues beigebracht worden "^~.'8), meist 
yon rein kriegsgeschichtlichem Interesse ohne allgemeinere Bedeutung. — Die 
Reichstagsverhandlungen des Frühjahrs 1796, die der Ernennung des Erzherzogs, 
Karl zum Reichsfeldmarschall vorausgingen, hat Zei s sb e r g''^) ausführlich dar- 
gestellt. — Auf Grund der Wiener Akten hat Auspitz^'^) gezeigt, dass die zum 
Kriege führende Beschimpfung der französischen Flagge in Wien (1798) durch das 
Benehmen des Botschafters Bernadotte provoziert war. — 

Die sächsische Politik in den Zeiten des Lüneviller Friedens und des 
Reichsdeputationshauptschlusses ist ausführlich von Friedrich^i) 
untersucht worden. Er betont, wie die unpolitische, von reinem Gerechtigkeitssinn 
geleitete Denkweise I{.önig Friedrich Augusts mit dem Interesse Sachsens an der 
Erhaltung der monströsen Reichsverfassung zusammenwirkte, um eine rein konservative 
Stellung des Staates herbeizuführen. Sachsen verschmähte es allein von allen grösseren 
deutschen Territorien, um die Gunst der auswärtigen Machthaber sich zu bewerben; 



ans Wien n. Paris vor 100 J. [7 S.] wird nur privatim u. gratis abgegeben.) — 68) Th. Ludwig, D. dtsch. Keichsstände im 
Elsass u. d. Ausbruch d. ReTolntionskriege. Strassburg i. E., Tröbner. 216 S. M. 5,50. |[H. Glagau: HZ. 84, S. 495/7.J( — 69) 
P. Ritter, D. Konvention v. Beichenbaoh. Diss. B., Winser. 35 S. — 70) X de Burenstam, Les negociations de 
paix entre l'Autriche et la Turquie ä Schistova (dec. 1790 — aoüt 1791) d'apres les depeches du marquis de Lncchesini et les 
lettres de M. de Tarrach: RUD. 12, S. 225-56. — 71) X Christen, Oesterreich im Kriege gegen d. franz. Revolution 1792. 
(Fortsetz.): MKAii^*. 10, S. 1-60. — 72) X A. deGanniers, La campagne de Luckner en Belgique en jnin 1792 d'apres.des dooc. 
originaux inödits: RH. 68, S. 295-311. — 73) X i^-i ^^ marechal de Luckner et la premifere campagne de Belgique en 1792: 
RQH. 63, S. 467-508. — 74) X V- Pollak, Z. Belagerung v. "Mainz: QJb. 19, S. 261-286. — 75) X G- Knoll, £>. Feldzug 
gegen d. polnischen Aufstand 1794: ZHGPosen. 13, S. 1-52. — 76) X H. v. Zeissberg, Pichegru u. Conde in d. J. 1795—96. 
Z. Ergänzung d. Korrespondenz Klinglins. Wien, Akad. 142 S. M. 3,00. (Aus SBAkWien.) - 77) X F. Th. Chastel, Tage- 
buch über d. kriegerischen Ereignisse in u. um Giessen 6. Juli— 18. Sept. 1796. (Schluss): MOberhessGV. 7, S. 174-97. — 
78) X U- Fahrmbacher, D. Kampf um d. Rheinschanze bei Mannheim 25. Jan. 1798: Darstellungen ans d. bayer. Kriegs- n. 
Heeresgesch. 7, S.21-46. — 79) H. v. Zeissberg, D. letzte Reichsgeneralfeldmarschall Erzherzog Karl (1796). Wien, Gerold. 
74 S. M.1,70. (Aus SBAkWien.) - 80) L. Auspitz, D. Insnltierung d. franz. Botschafters Bernadotte 1798 in Wien: DR. 3, 
S.220/4. - 81) F.Friedrich, D. Politik Sachsens 18Ü1— 1803. E. Beitr. z. öesch. d. Auflösung d. heil. röm. Reichs. (=Leipz. 
Stnd. aus d. Gebiet d. Gesch. 4. Bd. 4. Hft.) L., Duncker & Hurablot. 175 S. M. 4,00. |[P. BaiJleu: HZ. 82, S.. 375/6.]| — 



E. Brandenburg", Allg-emeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. IV Ib : 82-94 

aber es erreichte auch nichts, weil es nie den rechten Aug-enblick zu ergreifen ver- 
stand. So musste es auch Erfurt an Preussen überlassen, obwohl man in Dresden 
dringend wünschte, die im sächsischen Interessenkreise liegende Stadt, auf die man 
einige, wenngleich rechtlich zweifelhafte, Ansprüche geltend machen konnte, zu 
erwerben. Das Verhältnis Sachsens zu Preussen wurde seit dieser Zeit ein 
schlechteres als früher, und, da auch ein festerer Anschluss an Oesterreich nicht 
erfolgte, stand Sachsen schliesslich ganz isoliert da. Die Arbeit zeigt sorgfältige 
Benutzung der Dresdener und einiger Berliner und Pariser Akten und erweitert in 
vielen Einzelheiten unsere Kenntnis von der kläglichen Katastrophe des alten 
Reiches. — 

Von den Beiträgen zur Geschichte Preussens unter Friedrich 
Wilhelm II. 82-84^ jgt ausser einer auf ungedrucktem Material beruhenden biogra- 
phischen Skizze Wöllners von Bailleu^^) besonders der Bericht des spanischen 
Gesandten Horatio Borghese über Persönlichkeiten, Leben, Politik und Geselligkeit 
am Berliner Hofe aus dem J. 1795 bemerkenswert, den Kupke^^) veröffentlicht. — 

Aehnliches bieten für den Hofhalt Friedrich Wilhelms IH. *') in 
seinen ersten Jahren zwei Briefe der Prinzessin Friederike, Schwester der Königin 
Luise, die B a i 1 1 e u ^*) mitteilt. Von besonderem Interesse ist das Urteil der jungen 
Prinzessin über den Abbe Sieyes, der damals als französischer Gesandter in Berlin 
weilte. — Ausser populären Biographien und kleinen Mitteilungen zur Geschichte 
von Mitgliedern des Königshauses ^^'^^^) sind für die folgenden Jahre mehrere Unter- 
suchungen über Preussens äussere Politik zu erwähnen. Zusammenfassend 
hat Lenz^-) das Verhältnis Napoleons zu Preussen während der folgenden Jahre zum 
Gegenstande einer interessanten Erörterung gemacht, die bereits zu einer lebhaften 
Auseinandersetzung zwischen ihm und Bailleu geführt hat. L. fasst anknüpfend 
an Ranke und Vandal als das treibende Element für Napoleons Politik seinen 
Gegensatz zu England auf, den er von der Revolution ererbt hatte, nicht seine Er- 
oberungsgier. Deshalb konnte er bei den Festlandstaaten keine selbständige Politik, 
nicht einmal Neutralität dulden. Preussens Politik aber war auf Erhaltung' der 
Neutralität gerichtet. Diese Neutralität war für Napoleon ungünstig; sie ermöglichte 
es 1805 Russland und Oesterreich, ihn anzugreifen, dieser Angriff aber verhinderte 
Napoleons (wie L. in Uebereinstimmung mit R o 1 o f f s ^^) Untersuchung darüber 
annimmt) ernstlich geplanten Uebergang nach England. Nach Austerlitz hätte ein 
Anschluss an Frankreich für Preussen nur noch Eintritt in ein Vasallenverhältnis 
bedeuten können. Nach dem Tilsiter Frieden lehnte England Napoleons Friedens- 
vorschläge ab und zwang ihm den Kampf von neuem auf. In diesem Kampfe fiel 
ihm nun einer der alten Feinde nach dem anderen in den Rücken, während in 
Frankreich selbst der Boden unter seinen Füssen schwankte. Napoleon wollte auch 
nach 1807 und 1809 Preussen nicht vernichten, wenn es nur bei seinem Systeme 
blieb ; auch 1811 wollte er nicht Preussen bekriegen, sondern sich nur den schnellen 
Durchzug nach Russland sichern; er begnügte sich mit der Unterwerfung des Königs 
unter seine Forderungen und hatte nicht den Hintergedanken, den Staat später zu ver- 
nichten, vorausgesetzt, dass er sich in die RoUe eines französischen Vasallenstaates 
finde. Auch dass überall in Volk und Armee Preussens eine kriegslustige Stimmung- 
geherrscht habe, erklärt L. für eine Legende. Bailleu glaubt, dass in dieser 
Schilderung Napoleon zu friedlich und sanft als „der alte, ehrliche Korse" erscheine, 
und dass die preussischen leitenden Staatsmänner ungerecht beurteilt würden. L. 
hat seinen Gedankengang, Bailleu seine Einwände nochmals verteidigt. — Des Zaren 
Alexander und seines Ratgebers Czartoryski Verhältnis zu Preussen beleuchtet 
Ulmann^-Ja) auf Giimd der Memoiren des letzteren, die er im allgemeinen für 
glaubwürdig erklärt. — Preussens Stellung gegenüber dem französisch-österreichischen 
Kriege von 1809 erörtert Gaede^*). Er führt auf Grund der Berliner Akten aus, 
wie König Friedrich Wilhelm von Anfang an den Krieg geg'en Napoleon nur an der 
Seite Russlands aufzunehmen entschlossen war; er blieb dabei entgegen den Rat- 
schlägen seiner Minister und entgegen der Volksstimmung; nur einmal schwankte 

82) X K. E. Schmidt, D. Tagebücher d. Grafen E. A. H. v. Lehndorf: MLGesMasovia. 3, S. 6-40. — 83) X »d.. D. 
Briefe Friedr. Wilh. H. an d. Kammerherrn Grafen E. A. H. v. Lehndorf: ib. S. 41/4. — 84) X H. Steinecke, Z. 
Charakteristik d. Ministers v. Heynitz: KM. 17, S. 308-25. — 85) P. Bailleu, J. Gh. v. WöUner: ADB. 44, S. 148-58. - 
86) G. Kupke, E. Relation aber d. preuss. Hof vom J. 1795: QFltalA. 1, S. 261-80. — 87) X P- Seidel, E. Jugend- 
brief Friedr. Wilh. IIL: HohenzollernJb. 2, S. •247,8. — 88) P. Bailleu, D. preuss. Hof im J. 1798: SVGBerlin. 34, 
S. 23-37. — 89) X 0. Schupp, Luise, Königin v. Preussen. E. Lebensbild. 4. Aufl. Altenburg, Geibel. 12». 98 S. M. 0,50. - 
90) X P- Bailleu, D. Aufenthalt d. Königin Luise in Pyrmont: HohenzollernJb. 2, S. 248,9 u. MVGBerlin. 15, S. 142/3. - 
91} X F. Heinke, Prins Louis Ferdinand v. Preussen. B., Siebel. 55 S. M. 0,60. (Populär n. anekdotenhaft.) — 92) M. 
Lenz, Napoleon L u. Preussen: Cosmopolis 9, S. 580-95, 859-74. |[P. Bailleu: HZ. 81, S. 561/2; Erwider. t. M. Lenz: 
ib. 82, S. 188/9; Replik t. Bailleu: ib. S. 189-92.] | — 93) G. Roloff, Napoleons Pläne e. Landung in England 1803-5: PrJbb. 
93, S. 257-93.— 93a)H. ülmann, Ueber d. Memoiren d. Fürsten Adam Czartoryski. Beil. 3. VorlesungsTerzeichnis d. Univ. 
Greifswald. Greifswald, Abel. 48 S. - 94) U. Gaede, Preussens Stellung z. Kriegsfrage im J. 1809. E. Beitr. z. Gesch. d. 
preuss. Politik vom Erfurter Kongress bis z. Schönbrunner Frieden. Hannover, Hahn. 162 S. M. 2,50. \[Q. Kaufmann: 



IVlb:95-i08 E. Brandenburg, AUg-emeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. 

er, als der Zar eine schriftliche Garantie des preussischen Gebietes ablehnte, und als 
die Erhebung- Dörnbergs und Schills ihn doch Napoleon gegenüber kompromittiert 
zu haben schien. Sein Grundgedanke blieb, die Rettung von Preussens politischer 
Existenz sei wichtiger als alles andere und hänge von Napoleon und Russland ab. 
Nach G.s Meinung würde Preussens Eintritt in den Krieg Oesterreichs Niederlage 
nicht haben verhindern können. — 

Zur Geschichte des Krieges von 1806 — 7 sind nur ein paar kleinere Bei- 
träge erschienen ^^^ö'). — 

Die Reformzeit in Preussen ^^) nach dem Tilsiter Frieden ist im Zu- 
sammenhange von einem Franzosen dargestellt worden , von C a v a i g n a c '■•'') , der, 
sein Werk über preussische Geschichte fortsetzend, im 2. Bande die Zeit von 1808—13 
behandelt. Seine Darstellung ist ruhig und objektiv; höchstens könnte man ein- 
wenden, dass er den Einfluss französischer Vorbilder etwas zu hoch bewertet. Auch 
die Persönlichkeit Hardenbergs erscheint bei ihm in einem doch wohl zu günstigen 
Lachte. — Neue Aktenstücke zur Aufhellung dieses Zeitraumes bietet Bezzen berger *°o); 
sie betreffen vornehmlich die Geschichte der preussischen Provinzialverwaltung von 
1810 — 19 und die dortigen Landtagsverhandlungen in den J. 1814 und 15. — Den 
Ursprung der Städteordnung insbesondere hat M. Lehm ann^oi) auf Grund archivalischer 
Forschungen aufgehellt. Er zeigt, wie Steins Grundgedanken Belebung des Bürger- 
sinnes, keine Einschränkung der Bürgerrechte durch Unterschiede der Bildung und 
des Besitzes, Zurückdrängung der bureaukratischen und militärischen Bevormundung 
waren, wie aber schon die von ihm eingeforderten verschiedenen Denkschriften von 
Schrötters, Schöns, Stägemanns in wichtigen Punkten davon abwichen. Einig war 
man in der Forderung nach Aufhebung der Sonderstellung des Militärs und Ueber- 
tragung der Polizei an eine Bürgergarde; Differenzen bestanden über das gegenseitige 
Verhältnis von Magistrat und Stadtverordneten und das Mass der Staatsaufsicht in 
Finanzsachen. Am meisten stimmte mit Steins Ansichten der aus Kants Schule 
hervorgegangene Direktor der Königsberger Regierung, Frey, überein, dessen Anteil 
am Zustandekommen des Gesetzes L. sehr hoch einschätzt. Es wird dann ausgeführt, 
wie schwierig es für Stein war, die Anschauungen der verschiedenen beteiligten 
Instanzen zu vermitteln, wie er aus Rücksicht auf den König die gegen das Militär 
gerichtete Spitze möglichst verbergen wollte, obwohl alle Urheber des Gesetzes in der 
Beseitigung des militärischen Einflusses auf die Stadtverwaltung das Haupterfordernis 
erkannten. Der König selbst hatte an der grossen Schöpfung keinen inneren Anteil. — 
Ueber Steins Bedeutung hat sich auch ein Engländer, Todhunter ^^^), vernehmen 
lassen, der den Einfluss des englischen Vorbildes auf Stein etwas übertreibend hervor- 
hebt, und ihn, da er trotz der grössten Schwierigkeiten zuerst westliche Ideen in den 
preussischen Feudalstaat eingeführt habe, an historischer Bedeutung über Bismarck 
stellt. — Ueber einen der Mitarbeiter Steins, den Provinzialminister F'rhr. von Schrötter, 
beginnt Krause ^^^) eine lehrreiche Studie, die uns zunächst seinen Bildungsgang, 
seine Beeinflussung durch Adam Smith und Kraus, darlegt, und alsdann seine Ver- 
waltungsthätigkeit in den für Preussen neu erworbenen polnischen Landesteilen und 
während des Krieges 1806—7 schildert. — Auch für die politische Geschichte von 
Bedeutung ist von Rohrscheidts ^"'*) , auf Grund der Königsberger und Berliner 
Akten gegebene, Darstellung der alten Zunftverfassung und ihrer Beseitigung durch 
die Stein- Hardenbergsche Gesetzgebung; ebenso der auf Grund genauer Kenntnis 
der einschlägigen Litteratur das Wesentliche klar und knapp zusammenfassende 
Aufsatz von Fuchs '"^) über die Bauernbefreiung. — 

Zur Geschichte Oesterreichs während der napoleonischen 
Zeit ist ausser neuen Auflagen älterer Biographien ^**^^^'''') der Anfang' eines gross 
angelegten Werkes über Metternichs auswärtige Politik von Demelitsch ^^^) er- 
schienen. Leider ist der Vf. inzwischen gestorben, so dass dem ersten Bande keine 
Fortsetzung folgen wird. Der erste Band behandelt Oesterreichs Politik vom Schön- 



HVjs. 1,S. 555/7; LCBl. S. 1509-10.1| - 95) X Valmy and Anerst&dt: Edinbß. 187, S. 1-39. — 96) X Diolchnih, D. Operationen d. 
Oenerals t. L'Estocq in Westprenssen im Winter 1806—7. (= Samml. militärisch. Vortrr. n. Aufs. Heft 13.) B., Milit. Verlags- 
anst. 56 S. M. 0,80. — 97) X J- Nettelbeok, Lebensbeschreibnnj, v. ihm selbst aufgezeichnet, her. t. M. M e n d h e i m. 
(= ÜB. N. 3831/5.) L., Beclam. 16». 518 S. M. 1,00. — 98) O X M. Hübner, Unter d. Geissel d. Korsen. Bilder ans 
d. Zeit d. Erniedrigung n. Erhebung Dentschlands. Kach d. Erinner, seines Grossvaters erzählt. 2. Aufl. L., F. Hirt. 
190 S. M. 3,50. — 99) G. Cavaignac, La formation de la Prnsse contemporaine. IL Le ministere de Hardenberg. Le 
sonlfeTement de 1808 ä 13. Paris, Hachette. VU, 515 S. Fr. 7,50. |[A. Malet: BPL. 1, S. 565/9.]| — 100) A. Bezzenberger. 
Aktenstüoice d. Proy. -Archivs in Königsberg aus d. J. 1786—1820 betr. d. Verwalt. n. Verfass. Ostpreussens. Königsberg, 
GrMe & Unzer. 4". XV. 149 S. M. 5,00. — 101) M. Lehmann, D. Ursprung d. Städteordnung v. 1808: PrJbb. 93, S. 471-514. 
— 102) M. Todhunter, Steins place in history: WestmB. 149, S. 617-30. — 103) X 6- Krause, D. preuss. Provinzial- 
minister Frhr. v. Schroetter u. sein Anteil an d. Steinschen Beformgesetzgebnng. 1. Frogr. Königsberg i. P., Härtung. 79 S. — 
104) K. T. Bohrscheidt, Vom Zunftzwange z. Gewerbefreiheit. B., lleymann. 668 S. M. 12,00. — 105) K. J. Fuchs, 
Bauernbefreiung: Wörterbuch d. Vollcswirtschaft 1, S. 297-311. — 106) X S- Guglia, Kaiserin Maria Lndovika v. Oesterreich 
(1787-1816). 2. Aufl. Wien, C.Gräser. 196 S. M. 1,00. — 107) X C.v. Wnrzbaoh, Generalissimus Erzherzog Karl. 
2. Aufl. (= Unser» Helden, Lebensbilder för Heer u. Volk, Bd. lY.) Salzburg, Dieter. 72 8. M. 0,60. — 108) F. v. Demelitsch, 



E. Brandenburg, Allg-emeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. IV 1 b : i(»-i88 

brunner Frieden 1809 bis zum Ende des J. 1812. Sorgfältig wird auf Grund der 
Wiener Akten jeder Schritt der österreichischen Diplomatie in diesen Jahren verfolgt, 
aber über der Fülle des Details ist D. zu keiner den Stoff beherrschenden und das 
Wesentliche heraushebenden Darstellung gelangt. — Von kleineren Mitteilungen und 
Untersuchungen *''^~^'^) sei Becker s^'^^ Nachweis hervorgehoben, dass der Plan 
zu Napoleons Heirat mit der Erzherzogin Marie Luise allein vom Kaiser ausgegangen 
sei, der sich mit den alten Dynastien verschwägern wollte, nicht etwa von Mettemich. — 
Die Stellungnahme Oesterreichs gegenüber dem Beginn des grossen Befreiungskampfes 
gegen Napoleon hat Luckwaldt'*^) zum Gegenstande einer mehr umfangreichen 
als gehaltvollen Untersuchung gemacht. Neben dem früher von Oncken verwerteten 
Material hat er bisher unbenutzte Akten des Wiener Archives herangezogen, auch 
einzelne interessante Stücke im Anhang mitgeteilt. Das Schwanken Oesterreichs vom 
Scheitern des russischen Feldzuges an bis in den August 1813 wird in allen Einzel- 
heiten verfolgt, die Friedensliebe der leitenden Männer, verbunden mit der Furcht 
vor einem entscheidenden Siege entweder Frankreichs oder Russlands dafür ver- 
antwortlich gemacht, wozu später das Verlockende einer schiedsrichterlichen Stellung 
über den Parteien kam. Als Beweggründe für die schliessliche Parteinahme er- 
scheinen einerseits die Erkenntnis davon, dass Napoleon freiwillig nie in Bedingungen 
willigen würde, wie sie für eine dauernde Beruhigung Europas für nötig erachtet 
wurden, andererseits die Furcht vor einer Verständigung der kämpfenden Teile ohne 
Oesterreich und auf seine Kosten. Das Verdienst Stadions um die Herbeiführung der 
Entscheidung wird stark betont. In manchen Einzelheiten berichtigt L. die früheren 
Darstellungen, im ganzen nicht; gerade die entscheidenden Entschlüsse mit ihren 
unmittelbaren Beweggründen bleiben auch bei ihm unaufgehellt. Etwas mehr Skepsis 
den Mitteilungen g-egenüber, für die allein Mettemich Gewährsmann ist, wäre wohl 
angebracht gewesen. — Zur Ergänzung . dient die Mitteilung eines Berichtes des 
deutschen Gesandten an Mettemich vom April 1813 durch Beer'^*). — 

Die militärische Geschichte der Freiheitskriege selbst ist durch 
eine ganze Reihe von Untersuchungen über Schlachten und Feldzüge bereichert 
worden 'i^~*2'), auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. — Dem Zu- 
sammenhange von Kriegführung und Politik der Verbündeten im Frühjahr 1814 
spürt eine Arbeit von Trapp ^^-) nach. Sie bestätigt im wesentlichen Schwarzenbergs 
Unfähigkeit, ein Heer Napoleon gegenüber zu führen, und führt sie auf seine Be- 
fangenheit in veralteten strategischen Anschauungen zurück. Wären seine Ratschläge 
befolgt worden, würde Napoleon vielleicht doch noch gesiegt haben; nur der von 
Grolman vorgeschlagene, von Blücher schnell ausgeführte Rechtsabmarsch der 
schlesischen Armee rettete die Verbündeten. Napoleon verscherzte die Chance, die 
für ihn in den recht verschiedenen Absichten der verbündeten Mächte lag, durch 
sein Verhalten während der Kongressverhandlung-en, die auch den Oesterreichem 
klar machte, dass sein Verbleiben auf dem französischen Throne mit dem europäischen 
Frieden unvereinbar sei. — 

Für die Geschichte der Neugestaltung Deutschlands, wie sie schliesslich 
durch den Wiener Kongress bewirkt ward , sind zwei von Gebhardt ^^3) 
mitgeteilte Denkschriften Steins vom 25. Dec. 1813 und vom 3. Jan. 1814 von hohem 
Interesse, die sich in Stadions Nachlass gefunden haben. Beide zeigen, wie Stein 
allmählich und widerstrebend nach den Verträgen mit den süddeutschen Staaten, 
welche diesen die Souveränität garantierten, seinen unitarischen Standpunkt verliess 
und zur Idee eines Staatenbundes mit starker Centralgewalt überging. Daneben war 
sein Streben auf besonderen Schutz der persönlichen Freiheitsrechte gegen absolutistische 
Bestrebungen und auf Ausbau der ständischen Verfassungen gerichtet. Beide Denk- 
schriften bilden den Uebergang zu der bekannten vom 10. März 1814. — 

Ueber die Zustände einzelner deutscher Territorien während der 
Revolutionszeit und der Franzosenherrschaft erhalten wir mehrere Mitteilungen *24-ii6)^ 



Mettemich b. seine auswärtige Politik, 1. Bd. St., Cotta. 692 S. M. 14,00. — 109) X L e v e c , E. Tagebuch aus d. 
J. 1809: MHVSteiermark. 46, S. 71-104. — HO) X E. BarVowsky, D. Schönbrunner Attentat im J. 1809 nach nnveröffent- 
lichten Quellen: Grenzb. 4, S. 293-301. — 111) X ^- ^- Mayer, Beitrr. z. Gesch. d. Herzog^tums Steiermark im Franzoseu- 
zeitalter: MHVSteiermaTk. 46, S. 152-93. — 112) A. Becker, D. Plan d. zweiten Heirat Napoleons: MIÖG. 19, S. 92-156. 

— 113) F. Luckwaldt, Österreich u. d. Anfänge d. Befreiungskrieges t. 1813. Vom Abschlüsse d. Allianz mit Frankreich 
bis z. Eintritt in d. Koalition. (= Hist. Studien, veröffentl. v. E. Ehering. Heft 10.) B., Ehering. 407 S. M. 8,00. |[G. Kauf- 
mann: HVjs. 1, S. 460/1; M. Imraich: HZ. 83, S. 185/6.]| — 114) A. Beer, Z. Gesch. d. Jahre 1806—13. I.: MJÖG. 19, 
S. 170/2. — 115) X F- Eniden, Erinner, e. österr. Ordonnanzoffiziers aus d. Feldzuge 1812. Wien, Seidel. 119 S. M. 2,40. 

— 116) X D- 1'siln^bme d. prenss. Hilfscorps am Feldzuge gegen Russland 1812. (— Kriegsgeschiohtl. Einzelschr. Heft 24.) B., 
Mittler. 134 S. M. 3,00. — 117) X'-J^K^it''. ^- l'&tzowsche Freikorps u. d. Kronprinz v. Schweden 1813—14: JDAM. 
103, S. 268-72. — US) X-^- Fonrnier, ün discours du feld-marechal Bl&cher an conseil municipal de Nancy en 1814: Ann- 
Est 12, S. 437-43. - 119) X H. Honssayc, La balaille de Ligny: EDM. 145, S. 286-306, 600-40. — 120) X J- ■»■• Sothen, 
Z. Schlacht bei Ligny: MWBIB. S. 143-65. — 121) X H. Houssaye, La veille de Waterloo: Cosmopolis 11, S. 740/7. — 
122) R. Trupp, Kriegführung n. Diplomatie d. Yerbündeten Tom 1. Febr. — 25. März 1814. Giessen, Frees. 178 S. M. 2,00. 
1[G. Roloff: HZ. 82, S. 558.] | (E. Teil als Gottinger Diss.) — 123) B. Gebhardt. 2 Deaksohriften Stein* Aber d. dtMh. 



I V 1 b : 124-159 E. Brandenburg-, Allgemeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. 

die bedeutendste davon ist die T h i m m e s ^^7-) \j\)Qr die westfälischen Verhältnisse. — 
Wenigstens verzeichnet werden möge hier auch, was über die politische Neugestaltung 
der Schweiz während dieser Periode 1790 — 1815 veröffentlicht worden ist i^s-isqj — 

Von einzelnen Männern, die als Zeitgenossen zum Teil handelnd Einfluss 
gewonnen haben, sind uns kurze biographische Skizzen geboten worden i^o-i*^). — 

Ueber den Zeitraum vom Wiener Kongress bis zur Revo- 
lution von 1848 ist wenig Erwähnenswertes veröffentlicht worden. Von all- 
gemeineren Werken ist ausser einer neuen (der 4.) Auflage des 4. Bandes von 
Treitschkes ^*^) deutscher Geschichte nur eine französische Darstellung zu nennen. 
— Denis ^*'^) hat, ohne neue Quellen zu benutzen, auf Grund der Litteratur eine 
Schilderung vornehmlich des politischen und geistigen Lebens in Deutschland 
während dieser Periode zu geben versucht. Illustrationen aus gleichzeitigen Dar- 
stellungen, besonders Karikaturen, sind dem Werk beigegeben ; es schliesst mit 
einer Würdigung der unmittelbaren Wirkungen der Revolution. — Zur Geschichte 
der Reaktionszeit erhalten wir ausser einigen Arbeiten über die burschenschaftliche 
Bewegung i48-i50j einige Briefe, die uns einen Blick in das preussische Hofleben der 
zwanziger Jahre thun lassen i^^). — 

Zur Entstehungsgeschichte des Zollvereins, der auch für die poli- 
tische Einigung Deutschlands so wichtig geworden ist, erhalten wir zwei bedeut- 
same Beiträge. F r e y m ark '^^-j schildert auf Grund der Akten des Berliner 
Staatsarchives und des statistischen Bureaus die Wandlungen der preussischen ZoU- 
und Handelspolitik von den Zuständen des friderizianischen Staates an durch die 
Reformzeit hindurch, den Einfluss des napoleonischen Kontinentalsystems, endlich 
die Reorganisation durch das Gesetz vom 26. Mai 1818, das die Grundlage des 
Zollvereins geworden ist. — Was er in mühsamer Einzelarbeit ausführlich erörtert, 
legt S ch mo 1 1 e r^^3) in seiner Rektoratsrede in grossen Zügen dar und bringt es 
mit dem ganzen politischen und geistigen Leben der Zeit in Verbindung. — Seit 
den 30er Jahren beginnt die polnische Frage in der preussischen Politik eine ver- 
hängnisvolle Rolle zu spielen ; eine kurze Schilderung des Umschwunges von der 
früheren Polenfreundlichkeit der Regierung zu einer kräftigen Wahrung des 
Deutschtums, den die Revolution von 1830 bewirkte, und den Gneisenau nach 
Kräften förderte, bietet uns S c h i em a n n ^^^), eine Zusammenstellung Arndtscher 
Aeusserungen über die Polenfrage Liesegang i^^). — Das Berlin der letzten 
Jahre Friedrich Wilhelms HI. tritt uns entgegen in den lebendigen Schilderungen 
des süddeutschen Vf. der „Vertrauten Briefe über Preussens Hauptstadt" (1837), aus 
denen Bormanni^^) Auszüge bietet. — 

Die Persönlichkeit Friedrich Wilhelms IV. i57-i58) sucht R. M. 
Meyer ^^^) dadurch psychologisch verständlicher zu machen, dass er den König als 



Verfassung: HZ. 80, S. 257-72. — 124) O XH. v. Tannenberg, D. Zustände d. BistBmer Bamberg n. Warzburg im Anfange 
dieses Jh. Bamberg, Handelsdruclcerei. 110 S. M. 1,50. — 125) X C. Seh aar, Über d. Anteil d. Hannoveraner an d. 
Kämpfen gegen d. Franzosen 1794—1815: HannovGBl. 8. 146/8, 154/6. — 126) X C. Varrentrapp, D. Strassbarger UniT. 
in d. Zeit d. franz. Eevolution: ZGORh. NF. 13, S. 448-81. — 127) F. Thimme, Neue Mitteil. z. Gesch. d. hohen od. geh. 
Polizei d. Königreichs Westfalen: ZHVNiedersaohsen. S. 81-147. — 128) W. F. v. M fi 1 i n e n , Erinner, aus d. Zeit d. 
Übergangs. Bern, Schmid & Fr. 158 S. M. 1,50. — 129) X K. Huber, Am Vorabende d. Unterganges d. alten Eidgenossen- 
schaft 1798—1898. St. Gallen, Müller. 99 S. M. 1,00. (Jugendschrift.) — 130) X 3. Ch. S c h e r b , D. Revolution d. Thnr- 
gans 1797—98: ThurgauischeBVtG. 37, S. 21-96. - 131) X J- Strickler, D. helvetische Revolution 1798 mit Hervorhebung 
d. Verfassungsf ragen. Nendruclc mit Verbess. u. Beigaben. Franenfeld, Huber. 148 S. M. 2,40. — 132) X H- Badertscher, 
D. Märztage d. J. 1798. Eriegsgesch. Darstell, d. Ereignisse im Kampfe Berns mit d. franz. Armeen. Her. v. H. Balmer. 
Bern, Schmid & Fr. 4". 133 S. M. 5,00. -133) X J- Sterchi, D. Sendung d. Dr. jur. S. F. Lfithardt nach Paris im Früh- 
ling 1798. Njbl., her. v. Hist. Ver. d. Kantons Bern. Bern, Wyk. 4". 20 S. M. 1,20. (Vortrag.) — 134) X Akten d. Baseler 
Revolution 1798. Auf Befehl d. Regierung gesammelt, her. v. R. Wackernagel. Basel, Geering. 138 S. M. 2.00. — 
135) XP- Hirzel a. W. Oechsli, Tagebuch d. Schweiz. Gesandtschaft nach Frankfurt 29. Nov. — 22. Dez. 1813: PJSchw. 11. 
S. 181-242. — 136) X W. Oechsli, D.Verbündeten u. d. Schweiz. Neutralität im J. 1813. Zürich, Schulthess. 40 S. M. 1,00. 
— 137) X A. Burckhardt-Finsler. J.H. Wieland: ADB. 44, S. 788-92. — 138) X G- Meyer von Knonau, H. K. 
von Wyss: ib. B. 423/4. — 139) X id.. David Wyss: ib. S. 405-17. — 140) X Nasemann, Graf York v. Wartenburg.: ib. 
S. 594-606. — 141) X K. Th. H ei ge 1 , Gneisenau: WIDM. 83, S. 702-13. — 142) X id., K. Ph. Fürst v. Wrede: ADB. 44, 
S. 246-53. — 143) X W. L » n g , J. Ph. Frhr. v. Wessenberg: PrJbfa. 94, S. 313-29. - 144) X H. v. P e t e r s d o r f f, 
Wilhelm IX. v. Hessen: ADB. 43, S. 64-75. - 145) X ?• Z i m m e r m ann , G. A. v. Wolffradt: ib. 44, S. 64/7. - 146) X H. 
V. Treitschke, Dtsch. Gesch. im 19. Jh. 4. T. 4. Aufl. (= Staatengescb. d. neuesten Zeit. Bd. 27.) L., Hirzel. 753 S. 
M. 10,00.— 147) E. Denis, L'Allemagne 1810-52 (La Confederation germanique). Paris, May. 316 S. Fr. 4,00. — 148) X 
W. Langguth, Z. Gesch. d. dtsch. Burschenschaft: AZg». N. 171/2. - 149) X H. Haupt, D. alte Würzburger Burschen- 
schaft 1817—33. E. Beitr. z. Univ.-Gesch. d. Reaktionszeit. Würzburg, Stahel. 37 S. M. 2,00. — 150) X W. Fischer, 
D. Hinrichtung K. L. Sands: ZGORh. NF. 13, S. 506-10. — 151) A. v. Boguslawski. Ans d. preuss. Hofgesellschaft 
1822—26: DRs. 96, S. 29-63, 253-79. (Briefe, meist v. Damen d. Familie v. Boguslawski.) — 152) H. Frey mark, Reform 
d. preuBs. Handels- u. Zollpolitik 1800—21 n. ihre Bedeutung. (= Samml. nationalök. u. statist. Abhdl. d. staatswissensohaftl. 
Seminars zu Halle. Bd. 17.) Jena, Fischer. 103 S. M. 2,00. — 153) G. Schmoller, D. preuss. Zollgesetz vom 26. Mai 1818 
im Znsammenhange mit d. Gesch. d. Zeit, ihren Kämpfen u. Ideen: AZg». N. 175/7. (Sonderabdr.: B., Büxenstein. 4". 53 S. 
Auch als Berliner Universitätsrede.) -. 154) Th. Schiemann, D. Grossherzogtum Posen während d. polnischen Revolution 
1830—81: Türmer 1, S. 516-22. — 155) E. Lies e gang, £. M. Arndt u. d. Polen: Ostmark 3, S. 32/4, 44/6. — 156) G. 
Bormann, Berlin vor 60 Jahren: Bär 24, S. 3/6, 18-21, 28-30, 41/8. — 157) X Metzel, Erinner, .m Friedr. Wilh. IV. 
T. Preusien: MVGBerlin. 15, S. 88-90. — 158) X P- Seidel, Friedr. Wilh. IV.: HohenzollernJb. 2, S. 250. — 159) R- M; 



E. Brandenburg-. Allgemeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. IVlb:ico-i80 

romantischen Dilettanten auf allen Gebieten und als typischen Kronprinzen auffasst. 
Beides hat seine Berechtigung-; aber auf zwei so einfache Elemente lässt sich dieser 
komplizierte Charakter doch nicht zurückführen. — Des Dichters Herwegh berühmte 
Audienz bei dem Könige mit ihrem Nachspiel stellt Z o 1 1 i n g '*ö) auf Grund der 
Berliner Akten dar; er kommt zu dem Ergebnisse, dass die Audienz gamicht von 
Herwegh selbst begehrt worden sei. — 

Biographisches. Während Arbeiten über eine ganze Reihe von Männern, 
deren Hauptlebensarbeit in diese Periode fällt i**"'^*^), uns nicht eben viel Bereicherung 
unserer Kenntnis bringen, ist von hohem Interesse der von Nippold^'^^) heraus- 
gegebene Briefwechsel zwischen dem englischen Prinz-Gemahl Albert von Koburg und 
dem Frhm. von Bimsen; er umfasst die Zeit vom 31. Juli 1845 bis zum 16. Jan. 1848, 
und zeigt, wie die Korrespondenten, von geschäftlichen Angelegenheiten ausgehend, 
immer vertrauter wurden, bis seit dem Sommer 1847 die wichtigsten allgemeinen poli- 
tischen Fragen den Stoff ihrer schriftlichen Unterhaltungen bildeten; die Blockade 
Griechenlands, die Sonderbundskrise, der geplante Staatsstreich in Kurhessen, alles 
wird besprochen. Auch ein Brief des Prinz-Gemahls an Friedrich Wilhelm IV. (vom 
14. Dec. 1847), der Preussen auffordert, sich an die Spitze der deutschen Liberalen 
zu stellen, und des Königs Antwort (1. Jan. 1848) werden mitgeteilt. — 

Die Geschichte eines deutschen Territoriums in dieser Periode hat eine 
zusammenfassende Darstellung gefunden. Hannovers Geschicke von 1813 — 48 
will uns von Hassell^''^) schildern; er stützt sich dabei auf private Mitteilungen, 
besonders die Papiere des Ministers von Scheel, dessen Promemoria über das 
Staatsgruudgesetz er im Anhange mitteilt. Das Ganze ist von weifischer Tendenz 
durchdrungen und sucht die Hannoversche Politik von jedem Tadel reinzuwaschen. 
Ausserdem verschmäht es H. nicht, die Werke anderer in unerlaubter Weise 
zu plündern. — 

Ueber die Revolution von 1848 und 1849, deren 50 jähriges Jubiläum 
wir in diesem Jahre feiern, haben diesmal Männer aller Parteien ihre Meinung 
sagen wollen. Eine brauchbare, auf Kenntnis des Materials gegründete, das Wesent- 
liche heraushebende, Ursachen und Wirkungen verständnisvoll würdigende Ge- 
samtdarstellung hat uns das Jubiläumsjahr leider nicht beschert. B lum s i''3-i74j 
schon im vorigen JB. erwähntes Buch zeichnet sich durch vortrefflichen Bilder- 
schmuck aus, offenbart aber wieder die schon aus seinen früheren Werken 
sattsam bekannte Unfähigkeit des fruchtbaren Vf, einen historischen Stoff zu 
beherrschen und in die Zusammenhänge einzudringen; wissenschaftlichen Wert hat 
seine Darstellung nicht. Sonst haben wir nur ein paar populäre Gesamtdarstellungen 
erhalten, eine behagliche Plauderei eines alten Teilnehmers am badischen Auf- 
stande *''^) , eine volksparteilich - radikale i'^) und eine christlich - konservative i^'') 
Tendenzschrift. — Von den vielen kürzeren Würdigungen der Revolution in Reden 
und Essays entwickeln nur wenige eigene, über die Schranken der herrschenden 
Parteibegriffe hinausgehende Gedanken. Egelhaaf^'^) sieht den Grund des 
Misslingens darin, dass das Volk für Einheit und Freiheit noch nicht reif gewesen 
sei, und betont mit Recht, dass Machtkämpfe stets durch Ideenkämpfe vorbereitet 
werden müssen. — H a r d e n i''^) erblickt in der Revolution nur die Sanktionierung 
des in der Stille sehon vollzogenen Ueberganges der Macht an die Bourgeoisie; so- 
bald die Staaten ihr auch äusserlich diese Macht zugestanden, verlangte die Bourgeosie 
nach Ruhe und warf mit der Staatsgewalt vereint die noch unbefriedigten Volks- 
schichten nieder. H. wiederholt damit lediglich den sehr bestreitbaren Gedanken- 
gang von Karl Marx, ^^o) im Gegensatz dazu will ein anonymer Mitarbeiter'si) der 
„Ethischen Kultur" in der ganzen Bewegung nichts von Klassenkampf oder 
Interessengegensätzen sehen, sondern nur einen Kampf um Ideale, um eine bessere, 

Meyer, Friedr. Wilh. IV. (= JBL. 1897 IV Ia:29, S. lU/9.) - 160)Th. Zolling, Friedr. Wilh. IV. n. G. Herwegh: Geg. 54, 
S. 196-200, 217-20, 232/5. — 161) X E- Heyok, König Ludwig I. v. Bayern als Dentscher. Rede: AZgB. N. 205. — 162) X 
E. Schneider, H. K. F. L. Graf Wintzingerode : ADB. 43, S. 505/7. - 163) X F- ▼• Weech, L. G. Winter: ib. S. 465/8. — 
164) X H. T. Petersdorff, Wilhelm IL, Kurfürst v. Hessen: ib. S. 75/9. — 165) X id., Wilhelm Prinz t. Preussen: ib. 
S. 171/7. — 166) X Marie v. Bnnsen, Georg v. Bunsen: Oosmopolis 10, S. 874-92. (Ausz. resp. Selbstanz. ihres grösseren 
Buches.) — 167 X C. Mirbt, CL Aug. Frhr. v. Droste-Vischering: RPTh. 5, S. 23-38. - 168) X H. Finke, Z. Erinner, an 
Kardinal Melchior t. Diepenbrock. Nach nngedr. Briefen usw.: ZVtGWestf. 55, S. 218-55. (Sonderabdr.: Münster, Kegensberg. 
43 S. M. 0,50.) - 169) X B- G e b h a r d t , W. L. 6. Graf t. Sayn- Wittgenstein : ADB. 43, S. 626/9. — 170) X ß- 
P oten, K. F. H. Graf v. Wylich u. Lottum : ib. 44, S. 394/5. — 171) F. Nippold, Aus d. Briefwechsel d. Prinzen Albert 
mit Bunsen: DR. 1, S. 202-24. — 172) W. t. Hassell, Gesch. d. Königreichs Hannover. 1. Bd. Bremen, Heinsius. 
668 S. M. 12,00. 1[W. Sohaer: MHL. 26, S. 466-73; LCBl. S. 929-31; Grenzb. 1, S. 621-30; F. Thirame: HZ. 84, 
S. 287-93.11 - 173) (JBL. 1897 IV lb:137.) |[Grenzb. l, S. 630/2 (abfällig).] | (Für Österr. ist e. besondere Ausgabe er- 
schienen.) - 174) XH. Blum, Z. Gesch. v. Anno 48: Geg. 53, S. 73/5. (Verteidigung gegen Widmanns Kritik.) - 175) X K. 
Hagenmeyer, D. Revolutionsjahre 1848—49. Schilderung auf Grund eig. Anschauungen u. persönl. Erlelmisse. Karlsruhe, 
J. J. Reiff. 192 S. M. 1,50. — 176) XH. Radandt, D. dtsch. Volkserhebung 1848—49. L., Friedrich. 221 S. M. 3,00. — 
177) X E. B 1 ü m e 1 , Gesch. d. Revolutionsjahre 1848 u. 49. D. dtsch. Volke z. Belehrung u. Warnung erzählt. Christi. Verein 
im nördl. Deutschland. 223 S. M 1,00. - 178) G. Egelhaaf, D. Jahr 1848: ChristlWelt. 12, S. 519-24. — 179) (M. Harden), 
1848: Zukunft 23, S. 1/9. — 180) X H- Kudlich, D. dtsch. Revolution d. J. 1848. Vortr. New York, Steiger. 28 S. M. 1,00. — 
Jahieiberieht« f&r neuere deutsche Litteraturgeschichte. IX. (4)4 



IV Ib: 181-206 E. Brandenburg-, Allgemeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte- 
menschlichere Lebensordnung" im Anschlüsse an die Gedanken Kants und unserer grossen 
Dichter. Aber nicht der unsittliche Weg der Revolution, sondern nur die Evolution 
könne uns schliesslich diesem Ideal entgegenfahren. — L e nz^^^-issj betont besonders 
den deutsch-nationalen Charakter der ganzen Bewegung; das Streben nach nationaler 
Selbständigkeit und Macht sei das Ursprüngliche, die liberalen Gedanken will er 
nur als Hebel und Werkzeug der nationalen Idee gelten lassen. Die Revolution ist 
nach ihm nicht gescheitert an dem Doktrinarismus des Frankfurter Parlaments, 
das vielmehr die Realpolitiker aufzuweisen hatte im Gegensatz zu dem radikalen 
und konservativen Doktrinarismus, sondern am Widerstände der noch lebenskräftigen 
partikularen Staaten. Auch sei sie trotz des äusseren Scheiterns keineswegs 
erfolglos gewesen, sondern habe den alten Staat so gründlich beseitigt, dass seitdem 
niemand an dessen volle Wiederaufrichtung gedacht habe. Die Stellung Friedrich 
Wilhelms IV. zu der Revolution will L. nicht aus seinen persönlichen Eigenschaften, 
sondern aus den internationalen Beziehungen Preussens herleiten. In Bismarck 
erblickt er den Vollender dessen, was die Majorität 1848 gewollt habe; im Gegensatz 
zu den Männern der Revolution aber gründete er sein Werk nicht auf die Volks- 
souveränität, sondern auf den stärksten der in Deutschland vorhandenen partikularen 
Staaten, die 1848 gesiegt hatten. ^^^) — M a r c k s ^^^) geht den Ursachen der Be- 
wegung auf wirtschaftlichem, socialem, geistigem und politischem Gebiete nach; er 
fasst die liberale Bewegung wesentlich als eine Beweg'ung des Bürgertums auf und 
schreibt ihr sowohl wie dem nationalen Streben eine selbständige Bedeutung zu. 
Auf dem Hintergrunde der socialen Gegensätze und der politischen Verschiebungen 
verfolgt er dann beide Strömung^en während des Verlaufes der Revolution, im 
Frankfurter Parlament, in den Berliner Vorgängen, und würdigt schliesslich die 
Revolution als notwendigen Vorläufer der Reichsgründung, ise-isf) — 

Das Frankfurter Parlament, das so lange den Mittelpunkt der 
ganzen Bewegung bildete, ist uns durch Schilderungen noch lebender Teilnehmer 
näher gebracht w^orden. Biederman n iss-isg^ beleuchtet seine Thätigkeit und die 
entscheidenden Vorgänge der Parteibildung und der Beratungen vom Standpunkte 
der Erbkaiserpartei aus und polemisiert in manchen Punkten g'egen die Darstellung 
in Sybels „Begründung des Deutschen Reiches", so namentlich in der Frage, ob 
Friedrich Wilhelm IV. der Deputation des Parlaments zuerst die Annahme der 
Kaiserkrone in Aussicht gestellt habe und erst später umgestimmt worden sei, 
oder nicht. — W ese n d o n cki^o^ giebt uns höchst lebendige Schilderungen 
der führenden Persönlichkeiten in der Versammlung-, besonders Gagern, Lichnowski, 
Vincke, Blum und Vogt werden nach der Art ihres Auftretens und nach ihrer politischen 
Stellung charakterisiert. '9 i~i^3-) — 

Eine gute Quelle zur Geschichte der Berliner M ärzr e vo lut i on ''^^j 
ist Wolffs Revolutionschronik; deren Jubiläumsausgabe von Gompertz^^^) ist 
leider wissenschaftlich unbrauchbar, da alle Anmerkungen und Belege fortgelassen 
sind. — Eine Reihe von Erinnerungsblättern und kurzen W^ürdigungen sind auch den 
Berliner Märztagen gewidmet worden '^^^o*). — Mehrfach wird die Frage, wodurch 
das Fallen der ersten Schüsse veranlasst sei, berührt, aber nicht aufgeklärt. — 
Frenze 1205) schildert nach seiner persönlichen Erinnerung die Stimmung in der 
Hauptstadt während der kritischen Tage und betont besonders,, dass er von einer 
planmässigen Vorbereitung des Aufstandes nichts bemerkt habe. — Sachlich am 
wichtigsten ist der Aufsatz von Diest^oß), der es, gestützt auf die Briefe des Ministers 
von Bodelschwingh an einen Freund und Aufzeichnungen aus dem Nov. 1848, 
unternimmt, die Unschuld Bodelschwinghs an der Demütigung des Königtums vor der 
Revolution nachzuweisen. Es werden uns bei dieser Gelegenheit ein Teil des Brief- 



181) D. Bilanz d. J. 1848: EthKnlt. 6, S. 89-91. - 182) M. Lenz, 1848: PrJbb. 91, S. 532-44. - 183) id., Deutschlands Entwickl. 
n. a. Frankfurter Parlament. Rede: AZgB. N. 119. — 184) X G- !"• Mancinl, Unapagina di 8toria(1848— 49): NAnt. 75, S. 276-309. 

— 185)E. MarckB, 1848: VelhKlasMh. 2, S. 100-11, 169-80. — 186) X?- Reichhardt, Vor 50 Jahren (1848) : Land 6, S. 398-402. 

— 187) X Vor 50 Jahren (1848): Grenzb. 1, S. 565/8.— 188) K. Biedermann, D. erste dtsch. P.arlament: N&S. 84, S. 57-75, 
185-200. (Auch in Buchform erschienen. Breslau, Schles. Buchdr. 109 S. M. 1,00.) — 189) id., Skizzen ans d. Parlament 
T. 1848: AZgB. N. 114/6.-190) H. Wesendonck, Vom ersten dtsch. Parlament: Geg. 54, S. 54/7, 72/5. —191) X H. Deohent, 
D. Frankfurter Kirchen z. Zeit d. Parlaments 1848 n. 1849: ChristlWelt. 12, S. 417-22, 435-40. — 192) X F. Rittweger, 
Frankfurt a. M. im J. 1848. E. Beitr. z. Städtegesch. Frankfurt a. M., Jügel. 128 S. M. 2,25. — 193) X J. Nover, D. 
Septembergreueld. J. 1848: N&S.86, S. 323-56. - 194) X A. Buchholtz, Litt. d. Berliner Märztage : DRs. 94, S. 426-33. — 195) 
(JBL. 1897 IV lb:128.) — 196) X W. Liebknecht, Z.Jubeljahr d. Märzrevolntion. B., Buchh. Vorwärts. 96 S. M. 0,30. — 
197) X Metzel, D. schwarzrotgelbe Fahne auf d. Citadelle zu Spandan im J. 1848. Mitget. aus d. hinterlassenen Papieren 
d. Maj. Haering: MVGBerlin. 15, S. 90/1. — 198) X Alexander Mey er. Erinner, an d. J. 1848: Nation". 15, S. 365/6, 
379-80, 395/6, 403/5. 417/8. - 199) X P- Wallmann, D. Berliner März-Revolution 1848: Geg. 53, S. 174/5. — 200) X F- 
Wernitz, Erinner, an d. Berliner Märzbewegnng im J. 1848: Sammler". 20, S. 7/9. — 201) X H- Weinitz, P. Baillen 
n. P. Walle, Beitrr. z. Gesch. d. J. 1848: MVGBerlin. 15, N. 3, Beilage. — 202) X L- Zeitler, Nochmals d. Berliner 
M&rzaufstand 1848: Geg. 53, S. 174/5. — 203) X Z. Gedächtnis d. Märzrevolntion: NZ»'. 1, S. 737-40. (Hymnus auf d. 
Barrikadenkämpfer.) — 204) X Z. 50. Jahrestag d. 18. März 1848 in Berlin: BerllUZg. 7, N. 11. — 205) K. Frenzel, D 
Berliner Märztage, e. Stimmungsbild: DRs. 94, S. 355-73. — 206) G. v. Di est. Meine Erlebnisse im J. 1848 u. d. Stellung d. 
Staatsministers t. Bodelschwingh vor n. an d. 18. März 1848. B., Mittler. 79 S. M. 1,25. |[Grenzb. 2, 8.351/2 (zustimmend).]] 



E. Brandenburg, Allgemeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. IVlb:207-245 

wechseis zwischen dem Minister und dem König aus den J. 1846—48 sowie 
Bodelschwinghs Konzept zu dem Patente vom 17. März und andere wichtige Akten- 
stücke mitgeteilt, die freilich (wenigstens auszugsweise) meist schon früher bekannt 
geworden waren. — 

Ueber den Verlauf der Revolution im übrigen Deutschland, 
im Rheinlande 207- 209)^ jn Hessen^»«), in Lübeck ^it) erhalten wir einzelne Mitteilungen. 

— Mehrfach ist der Aufstand Schleswig-Holsteins gegen die dänische Unterdrückung 
behandelt worden 212-216^^ ausführlicher der Polenaufstand 217-220)^ ,jen uns der 
damalige Landrat des Kreises Czernikau nach seinen persönlichen Erlebnissen 
schildert. — 

Die Revolution in Oesterreich hat in ihrem bedeutendsten Teile, der 
Wiener Revolution, eine ausführliche, volkstümliche, stark demokratisch gefärbte 
Darstellung durch Bach22 1-222^ gefunden; vielfach ist die Richtigkeit seiner Er- 
zählungen unkontrollierbar, da er keine Quellenaugaben macht. — Auf persönlicher 
Erinnerung beruht die etwas anekdotenhafte, aber anschauliche Erzählung von 
Krawani 223)^ ^[q ^^3 namentlich die Stimmung der Wiener Bevölkerung während 
der Oktoberkämpfe lebendig vergegenwärtigt. Ausserdem sind nur kleinere Beiträge 
zur Geschichte einzelner Ereig*nisse oder Persönlichkeiten zu verzeichnen 224-231^ _ 
Auch die Revolution in der Schweiz hat neue Bearbeitungen aufzuweisen 232-233) — 

Auch der an der grossen Bewegung in hervorragender Weise beteiligten 
Persönlichkeiten ist im Jubiläumsjahre oft gedacht worden234-237). Meist erfahren 
wir dabei nicht viel Neues. — Von Interesse ist die mit warmer Sympathie wahr- 
scheinlich von einem Militär verfasste Lebensskizze des Fürsten Windischgrätz in 
der ADB. 238-239^, sowie der Briefwechsel des Erzherzogs Johann 2*0-241^^ der uns zur 
Charakteristik des Reichsverwesers Stoff liefert. — Sein eigenes Leben hat uns in 
anziehender Weise ein Mann geschildert, der, wenn er auch nicht zu den Führenden 
gehörte, doch einen bedeutenden Anteil an den 48 er Ereignissen auf selten der 
radikalen Partei genommen hat, Stefan Born2<2). Seine Urteile über die Ideale 
der kommunistischen Partei, über Engels, Marx und Bakunin 2*3)^ ferner über Georg 
Herwegh und Vogt, mit denen allen er persönlich nahe verkehrt hat, sind höchst 
lehrreich. Ebenso seine Mitteilungen über den Eindruck von Blums Erschiessung 
in Leipzig, und über den Verlauf des Dresdener Maiaufstandes (1849), den er leitete. 

— Eine wichtige Quelle bilden auch die aus Mathys Nachlass herausgegebenen 
Briefe und Tagebuchaufzeichnungen 244), die, im November 1846 beginnend und bis 
Ende des Jahres 1848 reichend, meist das Revolutionsjahr behandeln. Artikel aus 
der Allgemeinen und der Deutschen Zeitung sind zwischen die Briefe eingeschoben. 

— Eine bestimmte Seite der Revolution fasst H e y n 245) ins Auge, dessen Abhandlung 
dem Referenten nicht zugänglich war. — 

Eine Reihe von Litteraturübersichten und -nachweisen, Neudrucken 



- 207) X A. K., Erinnerungen an d. DBsseldorfer Unruhen 1849: MschrBergGV. 5, S. 125/8. — 208) X J- Dreesen, Köln 
im tollen Jahre 1848. Köln, J. G. Schmitz. 125 S. M. 1,00. — 209) X J. W. Eick, Meine Erinner, an d. Maiaufstand 
1849: MschrBergGV. 5, S. 25-32,72. |[W e y e r sb e rg: ib. S. 97.|] - 210) X 0. Gerland, K. Herbold, d. „Bürger- 
könig" V. Cassel (1848): Hessenland 12, S. 242/3, 263/4. — 211) X M. Funk, Erinner, ans d. J. 1848: MVLübG. 8, 
S. 162-94. — 212) X H. Bruhn, Erinner, e. Nordschleswigers aus d. J. 1848—49. Apenrade, Jank. 52 S. M. 1,00. — 
213)XK. F. L. Sa m wer, D. Erhebung Schleswig-Holsteins vom 24. März 1848 u. 64. Tagebuchbll. Aufzeichn. aus d. Nachlass. 
Wiesbaden, Bergmann. 34 S. M. 1,00. — 214) X F- W.O. Lehmann, Schleswig-Holsteins Erheb.: Bär 24, S. 210/2. — 215) X D- 
Recht d. schleswig-holsteinischen Erheb.: Grenzb. 1, S. 680/6. — 216) X D. v. Liliencron, Up ewig nngedeelt. D. Er- 
heb. Schleswig-Holsteins 1848. Hamburg, Verlagsanst. 471 S. M. 10,00. — 217) X Juncker, Im Polenaufrnhr 1846-48. 
Ans d. Papieren e. Landrats. Gotha, Perthes. 271 S. M. 4,00. — 218) XE. Liesegang, W. Jordans Polenrede in d. Pauls- 
kirche: Ostmark 3, S. 126-30. — 219) X id., D. polnische Frage in d. Panlskirche (1848): ib. S. 98/9. — 220) X E. dtsch. 
Kundgeb. aus d. J. 1848: ib. 1, S. 98/9. — 221) M.Bach, Gesch. d. Wiener Bevolntion, yolkstümlich dargest. Wien, 
1. Wiener Volksbuchhandl. 944 S. M. 6,00. — 222) id., D. sociale Frage in d. Wiener Revolution 1848: Deutsche Warte 
18, S. 49-66. (Auszug aus N. 221.) — 223) A. Krawani, D. Vormärz u. d. Oktoberrevolution 1848. Wien, Krawani. 12». 
120 S. M. 1,00. — 224) X F. V. Ebeling, Erinner, an d. Wiener Oktober- Revolution: DWßl. 11, S. 362/5, 389-92. — ' 
2125) X Hofdamen über d. J. 1848: Wage Heft 12-49. - 226) X A. P a n d 1 e r , Am 14. März 1848: MNordböhmExcursClub. 21, 
S. 336/8. — 227) X n- Prager Juni-Ereignisse v. 1848: MRAKG. lo, S. 273-91. - 228) X Job. Pollet, d. Friedensheld im 
Freiheitskampfe d. J. 1848. E. Gedenkbl. v. e. 48er Studenten d. Wiener Universität. Wien, Szelinski. 16 S. M. 0,20. — 229) 
XJ. Weiss, E. Brief v. Anastasius Grin an Jos. Frhr. v. Hormayr vom 25. Apr. 1848: HJb. 19, S. 358-63. — 230) X Ig». 
Zimandy, Ludwig Kossuth vor d. Richterstuhle d. Weltgesch., dtsch. v. J. Zelenyak. Wien, Kirsch. 265 S. M. 2,80. — 
231) X W. V. Vragassy, Gespräche mit e. ungar. Revolntionsgeneral aus d. J. 1848 u. 49: DR. 1, S. 155-65. — 232) X 
C. Hilty, Vor 50 Jahren. Mit Anhang: Briefe Schweizer Staatsmänner ans d. Sonderbundzeit, her. v. Bio seh: PJSchw. 11, 
S. 27-180. — 233) X F. Fl einer, D. Gründung d. schweizer. Bundesstaats im J. 1848. Basel, Schwabe. 41 S. M. 0,80.— 
234) X Robert Blum: IllZg. 111, S. 655. — 235) X D- Erschiessung R. Blums; BerllUZg. N. 45. — 236) X Färst Lichnowsky : 
Grenzb. 4, S. 73/8. — 237) X General Friedrich v. Gagern: ib. 2, S. 257-66, 324-33. — 238) L. W., A. C. F. Fürst zu Windisch- 
grätz: ADB. 43, 8. 390-415. |[NFPr. 30. Okt.]| - 239) O X D- k- k- österr. Feldmarschall Fürst Windischgrätz. E. 
Lebensskizze. Aus d. Papieren e. Zeitgenossen d. Sturmjahre 1848 - 49. 2. (Titel-) Aufl. L., Strauch. 268 S. M. 5,00. — 240) 
Briefwechsel zwischen Erzh. Johann Bapt. v. Oesterreich u. Anton Graf v. Prokesch-Osten, her. v. A. S c h 1 o s s a r. St., Bonz. 
440 S, M. 6,00. — 241) X F- Hwof, Z. Charakteristik Erzh. Johanns: MHVSteiermark. 46, S. 105-29. - 242) St. Born, 
Erinner, e. Achtundvierzigers. L., Meyer. 295 S. M. 3,00. - 243) X M. Nettlau, M. Bakunin in d. J. 1848-49: 
SocialistMh. 2, S. 187-93. — 244) Aus d. Nachlasse v. Karl Mathy, Briefe aus d. J. 1846-48, her. v. L. Mathy. L., Hirzel. 
623 8. M. 9,00. |[G. Kaufmann: HVjs. 2, S._ 559.]] — 245) O J. Heyn, D. Bedeut. d. J. 1848 für d. Entwickl. 

C4)4* 



IVlb:246-27o E. Brandenburg, Allgemeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichtö. 

von Zeitüngsnümmem und Karikaturen 2*6-252) vervollständigen die Jubiläumslitteratur 
des Jahres 1848. — 

Reaktion und Reichsgründung 1849—71. Auf die Niederwerfung 
der Revolution folgt überall in Deutschland eine neue Zeit der Reaktion. Wie man 
mit den Idealen des Jahres 1848 umging, das zeigt klar das klägliche Ende der 
mühsam zusammengebrachten Deutschen Flotte. Deren Geschichte wird uns 
von Bär 253j auf Grund der Akten in den Archiven zu Berlin und Hannover dar- 
gestellt, insbesondere die Bundestagsverhandlungen, die der bekannten Versteigerung- 
vorausgingen. Eine Offiziersliste von 1850 und 24 Briefe, darunter 12 Bismarcks, 
werden in den Beilagen mitgeteilt. — 

Zur preussischen Geschichte ^^^-j ^qj. nächsten Jahre erhalten wir nur 
ein paar kleine Beiträge ^^^ '-56^. Erst mit dem Beginn der Regentschaft des 
Prinzen Wilhelm und der liberalen neuen Aera wird die Zahl der hier zu erwähnenden 
Arbeiten wieder grösser. — 

Das Interesse an der Persönlichkeit des Regenten und späteren Kaisers 
Wilhelm I. spricht sich darin aus, dass von den beiden grösseren Biographien, 
deren der vorige Bericht zu gedenken hatte, bereits mehrere Auflagen erschienen 
sind. Von Onckens Festschrift ^s') ist die 18. unveränderte Auflage zu ver- 
zeichnen, während die Darstellung von M a r c ks ^s») die 3. Auflage erlebt hat. Das 
Buch erscheint in einer gegen die erste Auflage stark erweiterten Gestalt; was inzwischen 
an Quellen und Litteratur erschienen ist, hat M. berücksichtigt, insbesondere auch 
noch die „Gedanken und Erinnerungen" Bismarcks benutzt; überall hat er im 
einzelnen gefeilt, ohne doch die Grundlinien seiner Auffassung zu ändern. So ist 
das Buch in seiner erweiterten Gestalt auf der Höhe der Forschung geblieben, und 
ist noch immer die einzige Biographie des alten Kaisers, die eine wissenschaftliche 
Erfassung des Stoffes ohne Nebengedanken zeigt. An ihrer künstlerischen Rundung 
hat die Darstellung auch durch die Ueberarbeitung nichts verloren. — Daneben 
haben wir eine Reihe von populären Gedächtnisschriften 259-264j ^u erwähnen, denen 
eine wissenschaftliche Bedeutung nicht zukommt. — Einzelne Ereignisse aus Kaiser 
Wilhelms Leben 265-266j haben gesonderte Behandlung gefunden. — So hat 
Schiemann ^ß'?) zu der tragischen Geschichte von Wilhelms Liebe zu Elise 
von Radziwill neue Aktenstücke veröffentlicht, die den im Winter 1824-25 erörterten 
Plan behandeln, die Prinzessin durch den Zaren adoptieren zu lassen; der Zar 
schien nicht abgeneigt, aber die Sache scheiterte an familien- und privatfürstenrechtlichen 
Schwierigkeiten. — Die persönliche Stellung Wilhelms zur Militärreorganisation be- 
handelt P hili p p s o n^ßs^ vom radikalen Standpunkte aus; nach seiner Ansicht 
ging der Prinzregent nur darauf aus, den volkstümlichen Charakter des Heeres zu 
beseitigen, das Heer in ein zuverlässiges Mittel zur Bekämpfung der Revolution d. h. 
des Liberalismus zu verwandeln; nur dagegen, nicht gegen eine Verstärkung der 
nationalen Wehrkraft an sich habe sich das Abgeordnetenhaus gewehrt. — 

Zur Geschichte des dänischen Krieges liegen zwei Abhandlungen 
kriegsgeschichtlichen Inhaltes vor^^^'^''^). Das Buch seines Vaters verteidigt 
K. S a m w e r ^''i) gegen die Kritik H en r i c i s , während der letztere seine Einwände 
aufrechthält. — 



d. prenss. LandesWrohe : Protestant 2, S. 978-82, 990/5. 1017-21, 1036-40, 1052/6, 1078-S3. 1101/6.— 246) X H. Bren dicke, 

D. Flngschriftenlitt. d. J. 1848: MVGBerlin. 15, S. 131/5. — 247) X E. 0. Zenker. Neue Litt. z.. Gesch. d. Jubeljahres 
1848: ZSocialwissenschiift. 1, S. 557/9. — 248) X Aus d. Revolntionschronik v. 1848: NZSi. j^ s. 759-61, 793/4; 2, S. 26/7, 
81/2. (Zeitnngsäusserungen u. Briefstellen, z. B. Jnst. Kerners, welche d. lä<-,lierliche Seite d. J. 48 hervorheben.) — 
249) X J- Prhr. T. Helfert, D. österr. Revolution im Zusammenhang mit d. mitteleiirop. Bewegung d. .7. 1848 u. 49 in Wort 
u. Ton, in Bild u. Erz. (= Sammlung Helfert.) Wien, Braumnller. 101 S. M. 1,80. i[ÖLBI 7, S. 39.')/6; AZg". N. 156.]| 
(Katalog d. v. H gesammelten Dokumente, Zeitschrr., Bilder nsw.) — 250) X Kgl. privileg. Berl. Zg. v. Staats- u. gelehrten 
Sachen (VossZg.) 1848, N. 67, Montag, d. 20. März. Facs. B., Marcus. 4». 4 S. M. 0,20. - 251) X Kladder.idatsch 1848. 
Nach 50 Jahren neu her. B., Hofmann & Co. 136 S. M. 3,00. — 252) X E. Puchu, 1848 in der Karikatur. München, Ernst. 

"Imp. 4". 28 S. M. 2,50. — 253) M. Bär, D. dtsch. Flotte v. 1848—52. Nach d. Akten d. Staatsarchive zu Berlin u. Hannover 
dargest. L., Hirzel. V, 331 S. M. 5,00. ([LCBl. S. 964/6.]| — 254) X E. Schwartz, Verfassungsurkande für d. preuss. 
Staat vom 31. Jan. 1850 nebst Ergänzungs- u. Ausführungsgesetzen! 2. Ausg., verra. dnrch ergänz. Vorbemerk. L., Marens. 
652 S. M. 15,00. — 255) X P- M a 1 1 e r , Les missions de M. de Persigny ä Berlin 1849-50: RHD. 12, S. 62-79. - 256) X 
V. Darnberg, Un attaohe militaire prussien ä Vienne pendant la guerre d'Orient 18.54-55: RPL. 1, S. 65;^/7. — 257) W. 
Oncken, Unser Heldenkaiser. 18. Aufl. B., Schall & Grnnd. 4". 276 S. M. 5,00. (Vgl. JBL. 1897 IV l b : 196.) — 258) 

E. Marcks, Kaiser Wilhelm I. 3. Aufl. L., Dunoker & Humblot. 407 S. M. 5,40. (|G. Kaufmann: DWBl. 11, S. 99-102; 
LCBl. S. 1886/9; H. Delbrück: PJbb. 91, S. 139-40; 0. Hintze: FBP6. 10, S. 479-83; P. Bailleu: DRs. 95, S. 151/3; F. 
Thimme: HZ. 82, S. 316-26.]| (Vgl. JBL. 1897 IV lb:197.) — 259) X E. Otto, Bilder aus d. I.eb«n d. ersten dtsch. Kaisers 
(1797—1888). Giessen, Roth. 36 S. M. 1,00. — 260) X Gedanken Kaiser Wilhelms d. Gmssen, her. v. H. Morkens. Jena, 
Costenoble. 289 S. M. 3,00. — 261) X K. Kinzel, Kaiser Wilhelm d. Grosse in d. dtsch. Dichtung: Daheim .33, S. 387-90. 
— 262) X C- Euler, Erinner, an Wilhelm d. Grossen: Brandenburgia 6, S. 448. - 263) X H- Ne u bauer, Z. Hundert- 
jahrfeier d. Geburtstages Wilhelms I.: JbbAkErfnrt. 24, S. 33-48. — 264) X ß- v. Diest, Meine Erinner, an Kaisar 
Wilh. d. Grossen. B., Mittler. 49 S. M. 0,80. — 265) X ö- Schuster, Aus d. Kinderjaliren unseres Heldenkaisers. Kötzschen- 
broda, Trapp. 120 S. M. 1,50. - 266) X Metzel, D. Prinz v. Preussen ;inf d. Pfaneninsel 20.— 22. März 184« 
MVGBerlin. 15, S. 31/2. — 267) Th. Schiemann, Prinzessin Elise Radziwill u Prin/. Wilhelm 1824: HZ. 80, S. 243-56.— 
268) M. Philippson, König Wilhelm I. n. d. Militärreorganisation: NationB. 15, S. 571/4. — 269) X K- W. v. Römö, 1864. 
Erinner, e. Österreich. Kriegsmannes: 8ÖMZ. 39, I, S. 255-77. — 270) X M. v. Holzing, Moltt^es Einwirk, auf d. 



E. Brandenburg, Allg-emeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. IV Ib: 271-298 

Zu der Geschichte des Krieges gegen Oesterreich ist ausser einer 
neuen, wenig veränderten Auflage des wertvollen Buches von F r i e d j ung-'^), 
einer populären und einigen rein kriegsgeschichtlichen Schriften 273-277j q[j^q Reihe von 
nicht uninteressanten kleinen Abhandlungen erschienen. — Diejenige G d i n s 2'^) 
ist bereits 1867 geschrieben und sollte ursprünglich dem offiziellen Werke über den 
Anteil der bayerischen Armee am Kriege vorausgeschickt werden. Sie behandelt den 
Ursprung des Kampfes mit Unbefangenheit und Scharfblick : Preussen erscheint als 
der Angreifer, denn es will gewinnen, während Oesterreich nur behaupten will; 
Bismarck will den Krieg', Oesterreich den Frieden, Bismarck handelt klar und 
energisch, die österreichische Politik ungeschickt und inkonsequent. — Tempel- 
tgy279^ gewährt uns neue Einblicke in das Verhältnis des kronprinzlichen Hofes 
zum Ausbruch des Krieges und'zu Bismarcks Politik. — L atr i 11 e^so) veröffentlicht, 
aus dem Gablenzschen Nachlass die Vorschläge, welche Gablenz bei seinem Ver- 
mittelungsversuche^si) am 30. Apr. 1866 machte, einen Brief von Gablenz an Werthern 
und Bismarcks endgültige Fassung des Vermittelungsentwurfes. — Von der 
weifisch und bismarckfeindlich gefärbten Quellenzusammenstellung Hopfs 282^ ist 
eine neue Auflag'e erschienen. — 

Die Geschichte des deutsch-französischen Krieges ist durch 
eine Fülle von kriegsgeschichtlichen Einzeluntersuchungen ^83-293^ bereichert worden. ^ 
Anspruch auf grösseres Interesse haben nur Cahns^»*) Gedenkblätter, die uns 
lebendige, während der Ereignisse selbst niedergeschriebene Stimmungsbilder aus 
dem von den Deutschen belagerten, von der Kommune beherrschten Paris geben. — 
Von symptomatischer Bedeutung ist ein Artikel eines anonymen Vf. über den Frank- 
furter Frieden -'*^), weil er uns die Begründung des deutschen Reiches in ultramontaner 
Beleuchtung zeigt. Danach war die Einigung Deutschlands eigentlich ein katholischer 
Gedanke; die Einheit ist überhaupt nur eine nominelle, solange die Glaubensspaltung 
besteht. 1871 sei die alte deutsche, durch die Reformation und den 30jährigen Krieg 
traurig unterbrochene deutsche Politik wieder aufgenommen worden, und daher 
entspreche es nur der Natur der Dinge, dass das Centrum, das christliche und 
deutsche Politik von allen Interessengegensätzen unabhängig treibe, seitdem die aus- 
schlaggebende Partei geworden sei; nur das Centrum könne Deutschland die Ver- 
bindung mit seinen natürlichen Verbündeten, den lateinischen Staaten, vermitteln. — 

Für die Geschichte des neuen deutschen Reiches bietet wichtiges 
Material die Arbeit Spechts ^96), welche uns die Wahlprogramme der grossen 
Parteien, Uebersichten über den Ausfall der Wahlen, über die Vertretung der Wahl- 
kreise und ein Personalverzeichnis aller Abgeordneten seit 1867 bringt. — Ergänzend 
tritt für die neueste Zeit das Nachschlagebuch Kürschners ^s") ein. — Auf- 
zeichnungen eines früheren Angehörigen der französischen Gesandtschaft in München 
un4.Rom, des Grafen L e fe vr e de Behaine-^^), die zum Teil schon früher in 



strateg. Gang^ d. Krieges gegen Dänemark 1864: Beihh. z. MWBl. S. 129-42: — 271) K. Samwer, Herzog Friedrich u. Dr. 
Henrici : DR. 3, S. 365/9. (Mit e. Nachwort Henricis.) — 272) H. Friedjnng, D. Kampf um d. Vorherrschaft in Deutschland- 
1859-66. 2 Bde. 2. Aufl. St., Cotta. 445 u. 604 S. M. 24,00. [E.Daniels: PrJbb. 92, S. 83-115; J. L a m p e 1 : ÖLBl. 
S. 490/1; LCBl.S. 256/7; G. Kaufmann: DLZ.S. 435/8; O.Kaemmel: Grenzb. 2, S. 553-63, 601-13; H. KohhBLU. S. 513/5; G. 
Egelhaaf: DWBl. 11, S. S21/4; A. Brandl: Geg. 53, S. 120/3; A. Franz: HPBII. 121, S. 417-25 (absprechend); M. Lenz: 
HZ. 85, S. 104-12.]| (Vgl. JBL. 1897 IV 1 b : 249.) — 273) X F. V ö 1 k e r,' Bismarcks Politik in d. J. 1864 u. 66 auf Grund d. 
Sybelschen Werkes „D. Begrönd. d. Dtsch. Keiches durch Wilh. I." in gemeinverständl. Form dargest. Gotha, F. A. Perthes. 
»7 S. M. 0,80. - 274) X ö Wolf f, D. Operationen d. Österreich. Nordarmee nach d. Schlacht bei Königgrätz: SÖMZ. 39, 3, 
S. 66-81. — 275) X J- Dnval de Frejacques, ün desastre prussien; combat de Truutenau. Limoges, A. P. Laranzelle. 
140 S. Fr. 3,00. - 276) X 0. Herrmann, Bleistiftnotizen Moltkes über 1866 : JDAM. 102, S. 305-10. — 277)XF. Hoenig, 
D. Entscheidungskämpfe d. Mainfeldzuges an d. fränkischen Saale. 2. Aufl. B., Mittler. 297 S. M. 6,00. — 278) Ch. Godin, 
Polit. Einleit. z. Gesch. d. Krieges im J. 1866. (= Darst. aus d. bayer. Kriegs- u. Heeresgesch. Bd. 7, S. 103-20.) — 279) E. 
Tempeltey, Herzog Ernst t. Kobnrg u. d. Jahr 1866. B., Paetel. 71 S. M. 1,50. — 280) Latrille, D.Sendung 
Antons v. Gablenz: DWBl. 11, S. 433-41. - 281) X G. Egelhaaf, D. Sendung Antons v. Gablenz: ib. S. 406/7. — 282) 
W. Hopf, D. dtsch. Krisis d. J. 1866, vorgef. in Aktenstücken, Aufzeichnungen u. qnellenmäss. Darstell. 2. Aufl. 
Melsungen, Hopf. 579 S. M.6,00. |[J. Lampel: ÖLBl. 6, S. 296/8.]| — 283) X E. Friedrich, D. grosse Hauptquartier n. d. 
dtsch. Operationen 1870* bis z. Schlacht bei Sedan. München, Beck. 104 S. M. 6,00. — 284) X Graf Wartensleben- 
Carow, Feldzngsbriefe. Mit Anlagen: Dienstschr. z. Gesch. d. Krieges 1870—71. B., Mittler. 223 S. M. 3,60. — 285) X 
Miliard, Aperen critique, sur la Strategie allemande au debut de la campagne de 1370. Lüttioh, Desoer. — 286) X 
Ueber d. Anlagen d. Schlacht bei Wörth: SÖMZ. 39, 1, S. 97-124. — 287) X G- Cardinal v. Widdern, Krit. Tage. 
T. I. Bd. 3. Krisis t. Saarbrücken-Spicheren. Heft 1. D. Kavalleriedivision während d. Armee- Aufmarsches 1. — 7. Aug. 
1870. B., Mittler. 310 S. M. 7,00. — 288) X C. Bleibtreu, Gravelotte : d. Kftmpfe um Metz. Ulustr. v. Ch. Speyer. 
St., Krabbe. 111 S. M. 1,00. — 289) X id., D. Legende über „Metz u. Sedan«: Kritik 13, S. 340-55, 388-400. (Vgl. JBL. 
1897 IV lb:271.) — 290) X G. Hooper, The campaign of Sedan. the downfall of the second empire. London, Macmillan. 
382 S. Sh. 4. - 291) X P- J^nk, D. 5. Kavallerie-Division vom 3. Sept. 1870-25. Mai 1871. B., Felix. 312 S. M. 8.00. — 
292) X I*- Leautconrt, Le siege de Paris. L Chätillon, Chevill^, La Malmalson (7 aoüt— 27 oct.). U. Le Bourget, 
C'hampigny (28 oct.— 3 dec). Paris, Berger-Levrault. 407 n. 438 S. a. Fr. 6,00. — 293) X L. Herbette, L'entree des 
Prussiens dans Paris, mars 1871: NE. 109, S. 619-45. — 294) W. Cahn, Pariser Gedenkbll. Tagesaufzeichn, aus d. Zeit 
d. grossen Krieges, d. Belagerung u. d. Kommune. 2 Bde. B., Fontane. 345 u. 356 S. M. 8,00. (M. P h i 1 i p p s o n : Nation». 
15,8.545/6: Schiott: AZgB. N.85.]| — 295) D. westfälische n. d. Frankfurter Friede: HPBll. 122, S. 207-19. - 296) F. Specht, 
D. Beichstagswahlen 1867—97. B., Heyraann. 510 S. M. 5,00. — 297) J. Kürschner, D. neue Reichstag 1898— 1903. 
X. Legislaturperiode. L., Göschen. 64". 80 u. 415 S. M. 0,50. — 298) E. comte Lefevre de Behaine, Leon XHI et 
le prince de Bismarck. Fragments d'hist. diplom. avec piöces justiflcat. Introd. par. G. G o y a n. Paris, Lethielleux. 88 u. 



IV Ib: 299-331 E. Brandenburg", Allg-emeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. 

der RDM. gedruckt waren, gewähren uns manchen neuen Einblick in Verlauf und 
Beilegung des Kulturkampfes; z. B. in die ersten Versuche Bismarcks, durch Ver- 
mittlung des preussischen Gesandten von Werthern in München und des dortigen 
Nuntius zum Frieden mit der Kurie zu gelangen, die jedoch erfolglos blieben. 
Einige Beilagen geben zwar schon gedrucktes, aber teilweise schwer zugängliches 
Material, z. B. Artikel des Moniteur de Rome. — Eine englische Abhandlung über 
den Berliner Vertrag von 1879 299) jg^ mehr politischen als historischen Inhalts. — 
Zu erwähnen sind hier ferner noch die neuen Bände der verdienstlichen Sammel- 
werke zur zeitgenössischen Geschichte von Wippermann soo-aoi) ^^d R o 1 o f f 302) 
und eine Reihe von Schriften zur Geschichte der letzten Jahre ^^^^^^^j, die mehr ins 
Gebiet der politischen als der historischen Litteratur gehören, oder den jetzigen 
Zustand des deutschen Lebens im Zusammenhange zu überblicken streben, ^"^^^n) — 
Auch für den Historiker wichtig ist eine Rede B i n d i n g s^^^)^ welche den Gegensatz 
des heutigen nationalen Kaisertums zum alten universalen und seinen engen Zu- 
sammenhang mit dem von der Paulskirche geplanten Kaisertum betont und die 
völlig' anormale, jeder Einfügung in herkömmliche Schablonen widerstrebende recht- 
liche Stellung des Kaisers im Reiche analysiert. — 

Sehr viel Biographisches zur Geschichte der in den letzten Jahrzehnten 
handelnd hervorgetretenen Persönlichkeiten hat die Litteratur dieses Jahres auf- 
zuweisen. Beginnen wir mit den Herrschern und fürstlichenPersonen, 
so ist zunächst ein paar populärer, dem Andenken Kaiser Fr i e d r i chs^'^"^**) 
gewidmeter Schriften zu gedenken. — 

Ueber den jetzigen Kaiser Wilhelm IL 3i5- 321^ jgt besonders viel ver- 
öffentlicht worden, da sein 10 jähriges Regierungsjubiläum einen äusseren Anlass 
bot. — Von Wert ist die Schilderung seines Bildungsganges, die uns sein französischer 
Lehrer Ay m e^^^) in geistreichem Plaudertone gegeben hat, und die jetzt in deutscher 
Uebersetzung vorliegt. ^23-324) __ 

Der 70jährige Geburtstag und das 25jährige Regierungsjubiläum des Königs 
Albert von Sachsen 325-330^ haben ausser zu verschiedenen populären Schriften 
auch den Anlass zu Hassels^^'), auf die besten Quellen gegründeter wissenschaft- 
licher Biographie des Königs geg'eben; vielfach sind in ihr Akten der sächsischen 
Archive und eigenhändige Aufzeichnungen der Glieder des sächsischen Königshauses 
benutzt. Der vorliegende Band begleitet den Prinzen durch seine ersten Jugendjahre, 
seine militärischen Lehrjahre, seine Universitätszeit, endlich durch die Stürme der 
J. 1848—49 und die folgenden stillen Jahre bis zum Tode seines Oheims Friedrich 
August und zur Thronbesteigung seines Vaters Johann im J. 1854.' H. versucht 



4S0 S. Fr. 3,50. |[HPB11. 121, S. 887-99.]| —299) X J- E- S o e 1 , The Berlin-Treaty examined in the lightofl89S: WestmK. 
149, S. 521-36. — 300) Polit. Gesch. d. Gegenwart, begrnnd. v. W. Müller, fortgef. v. K. W i p p e r m a n n. D. Jahr 1897. 
B., J. Springer. 395 S. M. 4,60. (Vgl. JBL. 1894 IV lb:373; 1895 IV lb:276; 1896 IV lb:197; 1897 IV 1 b : 288.) — 
301) K. Wippermann, Dtsch. Geschichtsicalender 1897 Bd. II, 1898 Bd. I. L., Grunow. 412 n. 392 S. ä M. 6,00. — 302) 
Schalthess, Enropäiscber Geuchichtskalender NF. Her. t. G. Boloff. Bd. 13. (D. ganzen Reihe 38. Bd.) München, C. H. 
BecTr. 418 S. M. 8,00. — 303) X ö- Tischert, 5 Jahre dtsch. Handelspolitik. L., Grunow. 371 S. M. 3,60. — 304) X 
E. Kühn, Reichsländische Zeitfragen. 1. Heft. ebda. 107 S. M. 1,60. — 305) X J. Roche, Alleroagne et France. 
Paris, Flammarion. 359 S. Fr. 3,50. — 306) X H. Riehm, Inwiefern hat d. Einigung Deutschlands d. Wohlfahrt d. einzelnen 
gedient? Rede z. Centenarfeier 22. März 1897. Altenburg, Schnnphase. 4». 10 S. M. 0,50. — 307) X R. Denn er, Be- 
deutung u. Ziele dtsch. Weltpolitik. Minden, Brans. ■ 60 S. M.1,00. — 308) X ß- ^*n ^er Borght, Sociale Friedenspolitik 
d. letzten 10 Jahre in Deutschland. Festrede. Aachen, 0. Müller. 27 S. M. 0,30. — 309 1 X Frhr. v. Nordenflycht, 

D. Parlamentarismus d. Gegenwart: KonsMschr. S. 470/8. — 310) X ^- Whitman, D. kaiserl. Deutschland. 4. Aufl., übers, 
nach d. letzten amerikan. Ausg. Hamburg, Haendtcke & Lehmkuhl. 253 S. M. 2,50. — 311) X K. Francke, Glimpses of 
modern german cnltnre. New- York, Dodd, Mead & Co. 233 S. — 312) K. Binding, D. rechtl. Stellung d. Kaisers 
im heutigen dtsch. Reiche. Dresden, v. Zahn & Jaensch. 27 S. M. 1,00. — 313) X H. MQller-Bohn, Kaiser Friedr. 
d. Gütige. Vaterland. Ehrenbuch, mit vielen Illnstr. Her. t. P.Kittel. Mg. 1/6. ä 1'/, Bogen, ä, M. 0,90. — 314) X 

E. Schröder, Kaiser Friedrich im eigenen Wort. Breslau, Schottländer. 91 S. M. 1,00. — 315) X E. Berner, 
Wilhelm IL: HohenzollernJb. 2, S. 1-17. — 316) X S. Lublinski, Wilhelm II.: Ges. 1, S. 800-12. — 317) X Spohn, 
Lebensbild S. M. Kaiser Wilhelms U. Z. Feier seines lOj. Regierungsantrittes 15. Juni 1898. B., Schröder. 71 S. M. 0,30. — 
318) X P- V- Koppen, D. erste Regierungsjahrzehnt d. dtsch. Kaisers Wilhelm IL E. Vaterland. Festsohr. Minden, Köhler. 
76 S. M. 0,75. — 319) X Unser Kaiser. 10 Jahre d. Regierung Wilhelms IL, 1888—98. Her. v. G. W. B ü x e n s t e in. B., 
Dtsch. Verlagshaus. 4». 396 S. M. 5,00. — 320) X ?• J- Thiel, Wilhelm IL Dtsch.-germ. Erdball-Politik. Mahnruf i. Flotten- 
reforra. L., Friedrich. 16 S. M. 0,50. — 321) X Am Hofe Kaiser Wilhelms IL (= D. Höfe Europas, her. v. A. Brehmer. 
Bd. 1.) B., Neuer Verlag. 40. 702 S. M. 35,00. — 322) F. A y m e , Kaiser Wilhelm IL u. seine Erziehung. Aus d. Er- 
inner, seines franz. Lehrers. L., Schmidt & Günther. IV, 244 S. M. 3,00. (Übersetz, d. franz. Werkes.) — 323) X 
Kaiserworte, 1888 — 98, Grund- u. Ecksteine aus d. allei höchsten Kundgebungen S. M. d. Kaisers n. Königs Wilhelm II. 
Hannover, Dunkmann. 4°. 184 S. M. 4,00. — 324) X W. C. Bach, Kaiserin Auguste Viktoria. E. Bild ihres Lebens u. 
ihrer landesmütterl. Fürsorge. Breslau, F.Hirt. 48 S. M. 0,35. (Jugendschrift.) — 325) X K. Sturmhoefel, König 
Albert v. Sachsen. E. Lebensbild. (= Biogr. Volksbücher N. 1/4.) L., Voigtländer. 122 S. M. 1,00. — 326) X H. t. 
Beler, E. Lebensbild König Alberts v. Sachsen. Z.. 70 j. Geburtstage u. z. Feier d. 25j. Regierungsjubiläums d. Königs. B., 
Siegismund. 104 S. M. 1,00. — 327) X*^-K^>^Bchner, König Albert u. Sachsenland. E. Festschr. z. 70 j. Geburtstage n. 
25j. Regierungsjubiläum. B., R. Schwarz. 4*. 334 S. M. 15,00. — 328) X Sachsen unter König Albert. D. Entwickl. d. 
Königreichs Sachsen auf allen Gebieten d. Volks- u. Staatslebens v. 1873—98. E. Volksbach, her. vom säohs. Volksschriften- 
verein z. Jubiläumstage. L., Sachs. Volksschriften- Verlag. 4". 385 S. M. 7,50. — 329) X Z. Charakteristik König Alberts: 
Grenzb. 2, S. 236-41. (Kleine charakterist. Züge aus seinem Leben, anekdotenhaften Charakters.) — 330) X ^- Schurig, 
Prinz Georg, Herzog zu Sachsen, Generalfeldmarschall. E. milit. Lebensbild. Dresden, Exped. d. „Kamerad". 96 S. M. 0,85. 
~ 331) P. H a 8 8 e 1 , Aus d. Leben d. Königs Albert V. Sachsen. I.T.Jugendzeit. B., Mittler. 331 S. M. 5,00. |[W. Bn80h: 



E. Brandenburg-, Allgemeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. IV 1 b :'382-36ä 

überall, die äussere und innere Entwicklung- des Prinzen auf dem Hintergrunde der 
allgemeinen deutschen und speciell der sächsischen Verhältnisse zu zeichnen. Manch- 
mal verliert sich seine Darstellung allzu tief in das Detail des Dresdener Hoflebens, 
zuweilen aber bringt sie auch wertvolle Beiträg-e für die allgemeine Geschichte, z. B. 
für Gründung und Zerfall der preussischen Union. — 

Andere Fürsten. Von zwei württembergischen Monarchen erhalten 
wir kurze Lebensskizzen ^32-333) — Ausserdem sind noch einige weniger bedeutende 
Fürsten, meist in populärer Weise, biographisch behandelt worden 334-339^, — 

Auch über die He e r f ü h r e r34o-342j ^q^ letzten halben Jh. ist uns 
mancherlei geboten worden. — Der älteren Generation gehören WrangeP*^) u^fj 
Hermann von Boyen^^^^, der Generaladjutant des alten Kaisers, an. Des letzteren 
Tagebücher sind im Auszuge, mit Briefstellen zu einem Ganzen verarbeitet, durch 
Tümpling veröffentlicht worden, und bilden auch in dieser, für die wissenschaft- 
liche Benutzung nicht sehr erfreulichen Gestalt eine wertvolle Geschichtsquelle. — 
Das Leben der Helden des Krieges von 1870 ist in populärer Form neu dargestellt 
worden 345-34SJ — p^p die Lebensgeschichte des Generals von Steinmetz sind die 
Briefe von Interesse, die er in den J. 1860 — 68 an Conrady g-erichtet hat, und die 
dieser jetzt veröffentlicht 3*9). — von Wertherns^^*^) Biographie des Generals von Versen, 
ebenfalls auf Tagebuchauszüge und Briefe gegründet, ist dadurch wichtig, dass sie 
uns die Rolle wenigstens andeutet, die dieser in der Vorgeschichte des Krieges von 
1870 gespielt hat; mit Bucher war er damals zur Beobachtung der spanischen Ver- 
hältnisse abgeschickt, und trat, wie es scheint, auf Bismarcks Wunsch, sehr lebhaft 
für die Annahme der spanischen Krone durch den Prinzen Leopold ein, ja er setzte 
dabei fast seine militärische Carriere aufs Spiel. Gerade hier bedauern wir, dass die 
Tagebücher in so wichtigen Partien nur im ungenügenden Auszuge, und nicht im 
Wortlaute veröffentlicht worden sind; sonst würde man gewiss in dieser wichtigen 
Frage grössere Klarheit erhalten haben. — 

Unter den biographischen Beiträgen zur Geschichte deutscher Staats- 
m ä n n e r35 1) der letzten Jahrzehnte (von Bismarck vorläufig abgesehen) finden sich, 
neben vielem Unbedeutenden 352-361)^ ein^ erweiterte Neuauflage von Schiemanns^^^j 
Darstellung der Jugend H. von Treitschkes, ferner verschiedene Gedächtnisschriften — 
wie deren z. B. mehrere dem Staatssekretär des Reichspostamtes von Stephan 363-365) 
gewidmet worden sind. Für die süddeutschen und namentlich die badischen Ver- 
hältnisse hauptsächlich in den kritischen 60er Jahren, aber auch in der ersten Zeit 
des neuen Reiches bis 1876 hin bietet Hausraths 366) an des Ministers von Jolly 
Lebensschicksale anknüpfende Studie viel Lehrreiches, z. B. über die badische Volks- 
stimmung beim Ausbruch des Krieges 1866 und die Anschauungen der einzelnen 
Minister, — Für die Zeiten der preussischen Verfassungskämpfe ist die Fortsetzung 
der sehr wertvollen, schon im vorigen Berichte erwähnten Biographie Hoverbecks 



HZ. 83, S. 317-21; B. Schmitt: HVjs. 3, S. 141/2.]| — 332) X E. Schneider, Wilhelm I., König v. Württemberg: ADB. 43, 
S. 209-13. — 333) X A. Bacmeister, Wilhelm II., König v. Württemberg, seine kgl. Ahnen, sein Volk n. Land. B., 
Schriftenvertriebsanstalt. 16». 188 S. M. 0,60. — 334) X ö- Zernin, E. Lebensbild v. Ludwig IV., Grossherzog t. Hessen 
u. bei Rhein. Festschrift. Darmstadt, Staatsverlag. 63 S. M. 0,50. — 335) X C. Schröder, Friedrich Franz HL, Gross- 
herzog V. Mecklenburg-Schwerin. Aus seinem Leben u. seinen Briefen. Schwerin, Bahn. 377 S. M. 5,00. — 336) X J- 
Eodenberg, Carl Alexander v. Weimar. Glückwunsch: DRs. 96, S. 1/5.— 337) X W. Zincke, Carl Alexander, Gross- 
herzog V. Sachsen. E. dtsch. Fürst. Eisenach, Laue. 61 S. M. 0,35. — 338) X ^- Zimmermann, Wilhelm, Herzog v. 
Braunschweig (f 1884): ADB. 43, S. 4-13. — 339) X H. Dinckelberg, Generalfeldmarschall Prinz Albrecht v. Preussen, 
Regent d. Herzogtums Braunschweig. Altenburg, Geibel. 88 S. M. 1,50. — 340) 0. Tenber, Feldzeugmeister Wilhelm, 
Herzog v. Württemberg. E. Lebensbild, im Auftr. seines gewesenen Generalstabschefs bearb. Wien, Seidel & Sohn. 328 S. M. 10,00. 

— 341) XH. V. Dambrowski, Herzog Friedr. Wilhelm zu Mecklenburg. Lebensbild e. dtsch. Seeoffiziers. B., Paetel. 342 S. 
M. 4,00. — 342) X W. Bassler, General t. Manstein. Kurzgef. Lebensbild. Mit Anschl. d. Gesch. d. nach ihm genannten 
Inf.-Rgts. 84. Gotha, Schloessmann. 16". 48 S. M. 0,40. — 343) X B- Poten, Friedrich, Graf v. Wrangel: ADB. 44, S. 226-32. 

— 344) H. V. B y e n , Erinner, aus d. Leben d. Generaladjutanten Kaiser Wilhelms I. Her. v. W. v. Tümpling. 
B., Mittler. 244 S. M. 5,50. — 345) X B. Garlepp, D. rote Prinz. Lebensgeschiohtl. Erzähl, über d. Prinzen Friedr. 
Karl V. Preussen. 2. Aufl. (= D. Paladine Kaiser Wilhelms I. Bd. 1.) Breslau, Woywod. 177 S. M. 1,00. — 346) X »^m 
Graf Helmuth v. Moltke, Generalfeldmarschall. 2. Aufl. (=: N. 345, Bd. 4.) ebda. 190 S. M. 1,00. — 347) X 0. Immel- 
mann, Albrecht v. Roon. (= Biogr. Volksbücher N. 44/7.) L., Voigtländer. 144 S. M. 1,00. — 348) X E. Daniels, General 
T. Göben: PrJbb. 93, S. 201-34, 432-56; 94, S. 105-33. (Im Anschluss an Zernins Biogr.; vgl. JBL. 1897 IV lb:237). — 
349) V. Conrady, Meine Erlebnisse u. mein Briefwechsel mit Generalfeldmarschall v. Steinmetz: DR. 23,11, S. 1-15, 157-71. 

— 350) Frhr. V. Werthern, General v. Versen, e. milit. Zeit- u. Lebensbild aus hinterlass. Briefen n. Aufzeichn. zusammengest. 
B., Mittler. 254 S. M. 5,00. — 351) X H. v. Poschinger, 2 dtsch. Staatsmänner: DR. 3, S. 1-26, 196-211, 323-34. (Bronsart 
V. Schellendorff u. Herbert Bismarck.) — 352) XG-v. Bunsen, Friedr. Felix v. Behr-Schmoldow (1821—92): DRs. 96, S. 280-97. — 
353)X Rh e nanu s, Ludwig BrOel: HPBll. 121, S. 237-50, 313-24.— 354)X AI exander Meyer, 0. v. Camphausen : DNekrolog. 
2, S. 435/7.-355) X D- Begründer d. preuss. Staatskatholizismns (Graf Pranckenberg) : HPBll. 121, S. 219-24. — 356) X K. 
Grillenberger. Nachruf: NZ»». 1, S. 129-33. - 357) O X^. Muret, ün chef socialiste : Ferd. Lasalle: Biblünivers. 9, S. 5-34, 
312-42. — 358) X H. Rehm, H. v. Marquardsen: DNekrolog. 2, S. 411,4. — 359) X Eugen Richter (z. 60. Geburtstag): 
SocialistMh. 2, S. 391/2. — 360) X E. Jacobs, Otto, Fürst v. Stolberg-Wernigerode : DNekrolog. 2, S. 425-34. — 361) X 
G. Lämmerbirt, W. E. 0. t. Wydenbruck: ADB. 44, S. 383-92. — 362) Th. Schiemann, H. v. Treitschkes Lehr- u. Wander- 
jahre. 2. Aufl. (= Hist. Bibl., her. v. d. Red. d. HZ. Bd. 1.) München, Oldenbonrg. 291 S. M. 5,00. (Vgl. JBL. 1896 IV 
5:120; 1897 IV 1 b : 7.) — 363) X 0. A. Klaussmann, Staatssekretär Dr. v. Stephan: Daheim 33, S. 527-30. — 364) X 
F. Hennicke, H. v. Stephan: WIDM. 83, S. 25-47. — 365) X Alexander Meyer, H. v. Stephan: DNekrolog. 2, S. 186-207. 

— 366) A. Hausrath Baden im alten Bund n. neuen Reich II-X (a. Erinner, an J. Jolly): DKs. 96, S. 77-103, 226-52, 



IVlb:367-376 E. Brandenburg", Allgemeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. 

von Par i siu s^*') an erster Stelle zu nennen. Die erste Hälfte des 2. Bandes führt 
uns die parlamentarischen Kämpfe bis zum Ausbniche des dänischen Krieg-es vor 
Aug-en, namentlich natürlich Hoverbecks Anteil daran. Die Darstellung- ist von 
freisinnig-en Gesichtspunkten beherrscht, sie bietet manche nicht unerhebliche 
Korrekturen zu der jetzt üblichen Auffassung-, wie sie sich in Sybels Buche aus- 
gepräg-t findet. Reichliche Mitteilungen aus Hoverbecks Briefen durchsetzen den 
Text und geben ihm urkundliche Beglaubigung. Von Einzelheiten sei nur erwähnt, 
dass P. durchaus bestreitet, der König habe, als er Bismarck berief, bereits die Ab- 
dankungsurkunde in der Tasche gehabt, und dass er nicht an den Ernst der von 
Bismarck in den ersten Tagen seines Ministeriums der Linken gemachten Versöhnungs- 
anträge glaubt. Dies und noch manches andere verdient eine neue ernsthafte Prüfung 
auf Grund alles nunmehr vorliegenden Materiales. — Nicht auf derselben Höhe steht 
P h il i p p s onsä6^"369^ Biographie eines anderen Führers der Linken, des späteren 
Berliner Oberbürgermeisters von Forckenbeck. Hier überwiegt die parteipolitische 
Phrase durchaus die historische Darstellung; der Parteiauffassung zu Liebe werden 
hier und da sogar die Thatsachen umgemodelt. Dabei berührt es äusserst merk- 
würdig, dass Ph. für den alten Kaiser und Bismarck, die in dem Verfassungskonflikt 
durch seine ganze Darstellung fortwährenden Lügens und Betrügens angeklagt 
werden, doch immer wieder Ausdrücke des Lobes und der Verehrung findet. Einen 
Wert hat das Buch nur dadurch erhalten, dass es Ph. vergönnt war, die Briefe 
Forckenbecks an seine Frau zu benutzen; auch damit ist eine wertvolle Quelle an- 
gebohrt, deren Reichhaltigkeit die im Wortlaute vorliegenden Stücke aus den 
J. 1866 — 69 erkennen lassen, die Ph. ^'^^^-ij ^n anderen Steilen mitgeteilt hat. — Der 
Führer der Centrumspartei, Ludwig Windthorst, hat in Knopp^'''^) seinem eifrigen 
Parteigenossen und Bewunderer, einen Erzähler seiner Lebensschicksale gefunden; 
sein Werk ist mehr ein Erbauungsbuch für Parteigenossen Windthorsts als eine 
Biographie. — Auch die Lebensbeschreibung eines unserer ersten Grossindustriellen, 
A.Krupp, durch F r oben iu s^^^^ , sei hier erwähnt. — Andere Staatsmänner haben 
sich durch eigene Aufzeichuungen ein Denkmal g-esetzt. So der Kurhesse Schwedes, dessen 
Aufzeichnungen und Briefe von seiner Tochter Anna^''^) mit verbindendem Texte 
versehen sind. Sie gewähren einen vortrefflichen Einblick in die Schattenseiten der 
deutschen Kleinstaaterei vor 1848 und geben zur Charakteristik einzelner hervor- 
ragender Persönlichkeiten jener Zeit schätzbare Beiträge. Schwedes war insbesondere 
an den Verhandlungen über Hessens Eintritt in den Zollverein beteiligt und hat zu 
deren befriedigendem Abschluss entscheidend beigetragen, indem er sich nicht 
ängstlich an die Vorschriften seiner Instruktion hielt. Auch für den hessischen 
Verfassungskonflikt bildet das Buch eine wichtige Quelle. — Heinrich Abeken^^^), 
dessen Briefe von den Hinterbliebenen zu einer Biographie zusammengestellt worden 
sind, war eine stark von romantischen Jugendeindrücken beeinflusste, weiche, etwas 
sentimentale und nach oben nicht gerade feste Persönlichkeit, aber eine menschlich 
liebenswürdige und im Grunde vornehme Natur. Historische Bedeutung besitzt er 
als Mitarbeiter Kaiser Wilhelms und Bismarcks, wenn auch nicht an leitender, so 
doch an nicht unbedeutender Stelle. Zur Charakteristik dieser beiden von ihm gleich 
bewunderten Vorgesetzten erhalten wir viele feine Beobachtungen und Einzelzüge; 
nicht selten dient, was er berichtet, den Mitteilungen des ganz anders gestimmten 
Moritz Busch (s. u. N. 482/3) als Gegengewicht und Korrektur. Leider (muss der Historiker 
sagen, wenn er es auch menschlich billigt) besass er nicht die Indiskretion von 
Busch, so dass er vieles nicht sagt, wovon er unzweifelhaft gewusst hat. Abekens 
Buch lässt uns in vielen Fällen die Stimmung der ältei'en romantischen Generation 
gegenüber der Politik des grossen Kanzlers erkennen, und ist auch von diesem 
Gesichtspunkte aus sehr lehrreich. — Dagegen tritt uns aus Langwerth von 
S i m m e r n s3''6j Aufzeichnungen ein sehr lebendiger, aber unklarer und un- 
praktischer Geist entgegen. Weifische und grossdeutsche Pläne bewegen ihn anfangs; 
auch als er nach 1871 die Unausführbarkeit der grossdeutschen Ideale einsah, blieb 
er Weife und war im Reichstag Hospitant des Centrums; dabei hatte er eigentlich für 



386-401. — 367) L. Farisius, Frhr. t. Hoverbeck. 2. T. 1. Abt. Yerfassnngskampf n. bndgetloses Begiment, 1862 bis i. 
dän. Kriege. B., J. Gnttentag. 220 S. M. 3,50. (Vgl. JBL. 1897 IV lb:279.) — 368) M. Philippson, Max v. ForcVenbeok. 
E.Lebensbild. (= Männer d. Zeit, her. v. Q. Diercks, Bd. 6.) Dresden u. L., Reissner. 393 S. M. 4,00. |[LCB1. S. 1478/9; 
Q. Daniels: PrJbb. 94, S. 155/8; AI. Meyer, Nation». 15, S. 625/7.]! — 369) id., Bismarcks Unterhandlungen über d. 
Ministerium Forckenbeck- Bennigsen: Nation^'. 15, S. 517-20. (Abdruck e. Kapitels aus d. Vorigen.) — 370) id., Forckenbecks 
erstes Debüt beim Kronprinzen u. beim Grafen Bismarck: DR. 4, S. 1-16. — 371) id., D. innere Entwickl. im Norddtsch. 
Bunde: ib. S. 141-58. — 372) J. Knopp, Ludwig Windthorst. (= Männer d. Zeit, her. v. G. Diercks. Bd. 7.) Dresden u. 
L., Reissner. 293 S. M. 3,00. |[Pierre: Türmer 1, S. 236.]| — 373) H. Frobenius, Alfred Krupp. (= Männer d. Zeit, 
her. v.G. Diercks, Bd. 2.) ebda. 231 S. M. 2,00. — 374) Anna Seh wedes, Th. Schwedes. Leben u. Wirken e. knrhess. Staats- 
mannes 1788—1882. Nach Briefen u. Aufzeichnungen. Wiesbaden, Bergmann. 406 S. M. 6,00. |[G. Kaufmann: HYjs. 3, S. 443/5; 
AZgi*. N. 288.]| — 375) H. Abeken, e. schlichtes Leben in bewegter Zeit, aus Briefen zusammengest. B., Mittler. 644 8. 
M. 10,00. |[LCB1. S. 1783/6; W. Scheel: AZg». N. 246, 257.] | — 376) H. Frhr. Langwerth v. Simmern, Ans meinem Leben. 



E. Brandenburg-, Allgemeines des 18./19. Jh.: Politische (leschichte. IVlb:377-386 

den Katholizismus sehr wenig- Sympathie. Lesenswert sind seine Urteile über 
Windthorst, den er wesentlich als westfälischen Bauern auffasst, und überBennigsen. — 
Nicht ohne Interesse für die Zeitgeschichte sind auch S c h o r n s ^'''^) Lebens- 
erinnerungen. Der rheinische Jurist, der eine Zeitlang auch' 'Mitglied des Frank- 
furter Parlaments war, gewährt uns manchen Einblick in die Stimmung der rhein- 
ländischen Bevölkerung gegenüber der preussischen Verwaltung seit 1840; erst nach 
1870 haben sich nach seiner Meinung die Rheinländer mit ihrer Zug-ehörigkeit zu 
Preussen ausg-esöhnt. Seh. ist Katholik und gemässigter Liberaler; dieser politische 
Standpunkt prägt seiner Schilderung von Vorgängen und Menschen den Stempel auf. — 

Unter den führenden Männern der letzten Jahrzehnte ist bisher B ism arck 
überg-angen worden. Schon in gewöhnlichen Jahren hat seine Persönlichkeit und 
sein Wirken vielen Stoff zum Forschen und Nachdenken gegeben; ganz besonders 
reich an Bismarck-Litteratur muss aber natürlich das Jahr sein, in dem der greise 
Kanzler die Augen für immer geschlossen hat. Freund und Feind haben an seinem 
Grabe noch einmal alles aussprechen wollen, was sie auf dem Herzen hatten, und 
auch er selber hat noch aus dem Grabe heraus zu uns gesprochen. Beginnen wir mit 
einer Aufzählung dessen, was von Bismarcks eigenen Aeusserun gen, sei es 
in zusammenhängenden Werken, sei es in Reden, Briefen oder Gesprächen zu Tage 
gekommen ist, so müssen wir an erster Stelle des nachgelassenen grossen Werkes 
seiner letzten Jahre gedenken, das alsbald nach seinem Tode erschienen und sofort 
in mehrere fremde Sprachen übersetzt worden ist, seiner „Gedanken und 
Erin n eru n g en"3^8^382j Es ist freilich kein historisches Werk im eigentlichen 
Sinne des Wortes; es ist im Sinne seines Vf. in erster Linie ein politisches Testament, 
eine Zusammenfassung der politischen Grundsätze und Erfahrungen, die nach seiner 
Ueberzeugung für Deutschland und seine Staatsmänner massgebend sein müssen, 
erläutert an historischen Beispielen; erst in zweiter Linie stand dem Fürsten die 
Absicht, die wichtigsten Momente seines eigenen Lebensganges so, wie sie sich in 
der Erinnerung des Greises darstellten, für die Nachwelt aufzuzeichnen. Dennoch 
ist es eine der wichtigsten Geschichtsquellen, die wir für die letzten 50 Jahre be- 
sitzen; nur muss man sich hüten, darin eine Art historischer Offenbarung zu 
erblicken, an deren Buchstaben nicht gerüttelt werden dürfe; politische Tendenz und 
vielfache Gedächtnisfehler müssen in Abzug gebracht werden, bevor man ihre 
Angaben verwerten kann, genau wie bei jeder anderen Quelle dieser Art. Un- 
schätzbar wird die Schrift stets für die Ermittelung von Bismarcks persönlicher Denk- 
weise bleiben. Zu den Glanzpunkten des Buches gehören die Charakterskizzen, die 
Bismarck von seinem alten Herren und von anderen Personen gegeben hat. — 
Ueberall hat Bismarcks Buch ehien mächtigen Eindruck hervorgerufen; die Er- 
zählungskunst und die Wucht der Sprache haben neben dem Gedanken- und 
Thatsachenreichtum und dem Augenblicke des Erscheinens kurz nach dem Tode des 
Fürsten zunächst jede Kritik gelähmt; mit Ehrfurcht und Bewunderung haben 
die ersten es aufg-enommen, die etwas darüber zu sagen wagten; einem Kritiker, 
Egel h aaf^*3), ist es sogar als ein mit historischer Kritik gearbeitetes, vollste 
Offenheit und Unparteilichkeit gegen die Gegner zeigendes Geschichtswerk erschienen. 
In Wahrheit hat Bismarck seinen ganzen Hass g'egen alle, die ihn und das, was er 
für notwendig hielt, hinderten, in dieses Buch hineingelegt, und gar nicht danach 
gestrebt, die Motive Andersdenkender zu verstehen. Die Anfänge einer wissenschaft- 
lichen Kritik des Werkes werden erst im nächsten JB. zu besprechen sein. — 

Neben den „Gedanken und Erinnerungen" tritt alles andere stark in den 
Hintergrund, was wir sonst von Aeusserungen Bismarcks neu erfahren. Von grösseren 
Sammelwerken-'^^) ist P en zle r s^**^) umfangreiche Arbeit zu Ende geführt worden; 
alles, was er von Bismarcks Briefen und Reden vom Moment seiner Entlassung- bis 
zu seinem Tode auffinden konnte, hat der Herausgeber in 7 starken Bänden ab- 
gedruckt und dem künftigen Biographen zu bequemer Benutzung dargeboten. — Im 
neuen Jahrg-ange seines Bismarck-Jahrbuches bietet Kohl 386j u. a. eine Reihe 
von neuen Briefen von und an Bismarck; darunter sind besonders wichtig die Briefe 

Erlebtes n Gedachtes. 2 Bde. B., Behr. 294 u. 283 S. M. 0,00. KA.Franz: HPBll. 122, S. 1-26.]| - 377) R. S c h o rn , Lebens- 
erinner. E. Beitr. z. Gesch. d. Rheinlandes im 19. Jh. 2 Bde. Bonn, Hanstein. 346 u. 286 S. M. 10,00. - 378) 0. 
Fürst V. Bismiirck, GedanVen u. Erinnerungen. St., Cotta. 376 n. 311 S. M. 20,00. [[W. G. : NFPr. N. 12312, 12314, 12324; 
G. Kaufmann: AZg». N. 2S6; W. W. t. d. Meulen: NedSpect. .S. 403/5; NAnt. 78, S. 528-44; Th. Schiemann: Turmer 1, 
S. 291-300.]| — 379) X id., PensÄes et Souvenirs. Paris, Le Soudier. 479, 388 S. Fr. 20,00. — 380) X id., Pensieri e rioordi. 2 vol. 
Torino, Rosenberg e Sellier. L. 20,00. — 381) X » d. , Tankar och minnen, öfs af G. Elmqnist. Stockholm, Fritzes. Kr. 1,50. 

— 382) X Bismarck, the man and the statcsman, being the reflections and reminiscences, transl. by A. J. B u 1 1 e r. 2 vol. 
London, Smith. 812 S. — 383) G. Egelhaaf, Bismarcks Gedanken u. Erinnor.: DWBl. 11, S. 577/9. — 384) X 
E. Schroeder, Im Dienst d. Vaterlandes; Fürst Bismarck in seinen Aussprüchen. Breslau, Schles. Buchdr. 170 S. M. 2,00. 

— 385) J. Pen zier, Forst Bismarck nach seiner Entlass. Leben u. Politik d. Fürsten seit seinem Scheiden aus d. Amte 
auf Grund aller authent. Kundgeb. Bd. 6 u. 7. L., Fiedler. 409 S. M. 16,00. |[M. G. Conrad: Ges. 3, S. 413/4; K. Stnrm- 
hoefe): BLU. 8. 282/6; DWBl. 11, S. 47, 622/3; G. Kaufmann: UVjs. 2, S. 135/6.]! — 386) Bismarok-Jb., her. v. H.Kohl, 
Bd. 5. L., Göschen. 408 S. M. 8,00. [K. St u rmhoef el: BLÜ. S. 577-81; Orenzb. 3, S. Iß4-70.)| (Vgl. JBL. 1895 IV 1 b ; 121 ; 

Jahresberichte für neuere deutsche Litteratnrgescbichte. IX. (4)5 



i V 1 b : 387-418 E. Brandenburg, Allg-emeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. 

des Pariser Gesandten Robert von der Goltz an Bismarck aus den J. 1850—64, hauptsäch- 
lich diejenigen, welche die schleswig-holsteinische Frage betreffen ; auch einige Antworten 
Bismarcks haben sich gefunden. Goltz versuchte es eine Zeitlang, als Gesandter 
eine andere Politik äu treiben als der leitende Staatsmann, und ward von Bismarck 
in schonender, freundschaftlicher Form auf seine Pflichten aufmerksam gemacht. 
Auch zwei Briefe König Wilhelms und einer des Erbprinzen von Augustenburg aus 
den J. 1863 und 64 sind beachtenswert. — Weniger Bedeutendes bringen die Fort- 
setzungen der beiden von P o s ch in g e r*-*^" '3^^) herausgegebenen Sammlungen. — 
Von Bismarcks Tischgesprächen ist eine englische Ausgabe^®'') erschienen, von seinen 
Reden ist eine das Wichtigste in schöner Ausstattung und koiTektem Texte dar- 
bietende Auswahl in einem massigen Bande von dem Herausgeber der grossen 
Gesamtausgabe, Koh 1'^""), veranstaltet worden. — Die billige Reclamsche Ausgabe ■'•") 
ist bis zum J. 1890 fortgeführt. — Einzelne Briefe an den Staatssekretär voji Grüner ^s'^) 
(1859—61) und den Londoner Gesandten Grafen Bernstorff (1857— 62) ^^3) werden an 
anderer Stelle veröffentlicht. — 

Wenden wir uns nun den Veröffentlichungen über Bismarck zu. Von 
ausführlicheren Biographieji sind ausser Neuauflagen älterer populärer 
Werke ^''^"3^^) ein paar neue Arbeiten, ebenfalls populären Charakters und ohne 
wissenschaftliche Bedeutung^"""'*"'), zu verzeichnen. Unter ihnen zeichnet sich die 
von Heyck^02j durch i^eichen Bilderschmuck und warme Bewunderung für ihren 
Helden ans.^o^"^*^*) — Einige Stoffsammlungen^"^ ^°^) und Gedenkblätter*'" '**^^) mögen 
hier kurz erwähnt werden. — 

Kürzere Würdigungen. Aus der grossen Zahl der kleineren Ab- 
handlungen und Reden, die in kurzen Zügen eine Würdigung des grossen Toten 
geben wollen, können hier nur einige besonders hervorgehoben werden, die sich 
durch neue Gesichtspunkte oder besonders prägnante Wiedergabe weit verbreiteter 
Anschauungen auszeichnen. Nach A v e n ar i u s^^o^ offenbart sich in Bismarck 
die Naturschönheit der germanischen Heroenrasse.*""*'*) — D e 1 b r ü c k*^-^) ver- 
gleicht ihn mit den grössten Persönlichkeiten der Weltgeschichte, mit Themistokles, 
Perikles, Alexander, Scipio, Barbarossa, Luther, Stein, Friedrich dem Grossen, 
Napoleon 1., und zuletzt am ausführlichsten mit Richelieu. Bei den beiden letzten 
findet er verhältnismässig die griJsste Verwandtschaft mit Bismarck, hebt aber auch 
die unterscheidenden Züge hervor. — Vollständige Ratlosigkeit gegenüber dieser 
Persönlichkeit zeigt von Egidy*'^); er erkennt widerstrebend an, dass Bismarck in 
seiner Art gross gewesen sei, aber er sei kein Christ (in E.s Sinne) gewesen, habe 
sich seine Pflichten willkürlich konstruiert; die neue Generation müsse sich jedenfalls 
bestreben, ganz anders zu werden. — Eine Mitarbeiterin der „Ethischen Kultur", 
Else Hasse*''), will Bismarck zugestehen, dass er Kulturarbeit geleistet habe, 
wenn auch unbewusst, wird aber von K r o n en b erg*'^) dahin zurechtgewiesen. 



1896 IV lb:122; 1897 IV lb:219.) — 387) II. v. P o s c h i n ge r, Bismarolc-Portefenille, Bd. 1-3. St., Dtscli. Verlagsanstalt. 
202, 198 n. 188 S. ä M. 3,00. 1[LCB1. S. 422, 699.]! (Vgl. JBL 1897 IV lb:223.) - 388) id., Fürst Bismarclv n. d. Bundesrat. 
3. u. 4. Bd. D. Bundesrat d. Dtsch. Reiches 1874-81. ebda. 486 u. 492 S. ä M. 8,00. ||6. Kaufmann : HZ. 81, S. 317/9; 
K. Sturrahoefel: BMJ. S. 690/2, 7058.]| (Vgl. JBL. 1896 IV lb:145; 1897 IV 1 b : 222.) — 389) Bismarcks Table Talk. Ed. 
by Oh. Lowe. London, Grevel. 396 S. Sh. 3/6. |[SatnrdayR. 86, S. 476/7. ]i - 390) Bismarck reden, her. v. H. Kohl. L., 
Göschen. 403 S. M. 5,00. |[W. Schwartze: ZDU. 12, S. 674/6.]| — 391) Fürst Bismarcks Reden, mit verbind, geschichtl. 
Darstell., her. v. Ph. Stein. Bd. 9 (1882-84), 10 (1884-85), 11 (1885-87), 12 (1887-90). (= ÜB. N. 3791/3,3841/3, 
3871/3, 3908-10.) L., Reclam. 16». 29.5,376.328.286 8. M. 2,40. (Vgl. JBL. 1895 IV Ib : 177; 1896 IV Ib : 123; 1897 IV 
1 b : 220.) - 392) J. V. G r u n e r , Einige angedruckte Briefe Bismarcks : DR. 4, S. 257-72. — 393) Neue Bismarckbriefe : Zukunft 24, 
S. 407-37. — 394) X C.W. Allers n. H.Krämer, Unser Bismarck (Gedächtnis-Ausgabe). St., Union. 4». VIII, 286 S. n. 
22 Tafeln. M. 12,00. — 395) X W. Buchner, Fürst Bismarck. E. Lebensbild. 2. Aufl. Lahr, Schanmbnrg. 16". 193 S. 
M. 0,7.5. — 396) X U- Garlepp, Fürst Bismarck, Kanzier d. dtsch. Reichs. 2. Aufl. (= N. 345. Bd. 3.) Breslau, Woywod. 
206 S. M. 1,00. — 397)XH. Jahnke, Fürst Bismarck, sein Leben u. seine Zeit. Vaterland. Ehren- u. Heldenbuch d. 19. Jh. 2. Aufl. 
Mit zahlr. Illustr. B., Kittel. 1080 S. M. 10,00. — 398) X A. Mennell u. B. Garlepp, Bismarck-Denkmal für d. dtscli. 
Volk (Neudruck) mit Supplement (Unseres Bismarck Heimgang). B., Werner -VI. Fol. 396 u. 63 S. M. 22,00 u. 2,00. — 
399) X W.Müller, Fürst Bismarck 1815-98. 4. Aufl. St., Krabbe. 311 S. M. 2,00. — 400) X J- Bazlen, Fürst 
Bismarck. E. Lebensbild d. grossen Kanzlers, d. dtsch. Volke erzählt. St., Levy & Müller. 96 S. 0,40 M. - 401) X 
H. B. Grube, Fürst Bismarck. E. Lebensbild d. grossen Kanzlers in ernsten u. heiteren Episoden. Minden, Köhler. 
131 S. M. 0,75. — 402) E. Heyck, Bismarck. Mit 14 Kunstbeil. u. 288 anthent. Abbild. (= Monogr. z. Weltgesch., her. v. 
E. Heyok. Bd. 4.) L.U.Bielefeld, Velhagen*Klasing. 193 S. M. 4,00. i[LCBI. S. 866/7; BLU. S. 494/5; HPBU. 122, S. 679-86 
(Vergleich mit Gladstone zu d. letzt. Gunsten).] — 403) X H. Kautel, Festschr. z. Enthüll, d. Bismarckdenkmals in Wies- 
baden am 9. Okt. 1898. Wiesbaden, Bechtold. 23 S. M. 2,80. — 404) X G. Weitbrecht, Fürst Bismarck. St., J. F. 
Sfeinkopf. 12». 147 S. M. 1,50. (JugendscVift.) — 405) X H. Kohl, Denkwürdige Tage ans d. Leben d. Fürsten Bis- 
marck. E. Zeittafel z. Gesch. d. ersten dtsch. Reichskanzlers. Volksausg. L., Pohl. 4». 111 S. M. 1,50. — 406) X 'd., 
Fürst Bismarck-Gedenkbuch. 2 T'.e. in 1 Bd. 2. Aufl. Cihemnitz. Bülz. 691 S. M. 8,50. (D. 1. T. enth. Gedenktafeln, d. 2. 
denkwürdige Aeusserungen B.s.) — 407) X Fürst v. Bismarck. E. Gedenkbl., her. v. d. Red. v. ÜL£M. St., Dtsch, Verlags- 
anst. Fol. 19 S. M. 0,50. — 408) X Bismarck-Gedäohtnisheft d. IllZg. Volksuusg. L., J. J. Weber. Fol. 96 S. M. 2,00. 
- 409) X Bismarck. Gedenkbl. d. dtsch.-anstral. Post. L., F. Fleischer. 4". 24 S. M. 0,75. — 410) F. Avenarius, 
Bismarck: Kw. 11-, S. 322. — 411) X Th. Barth, Bismarck: Nation". 15, S. 641/2. — 412) X E. Blume, Z. Gedächtnis d. 
Fürsten Bismarck: PaedBlI. 27, S. 479-84. — 413) X Th. Birt, Gedenkwort beim Tode d. Fürsten Bismarck. Marburg, Elwert. 
18 S. M. 0,40. - 414) X A. J. Butler, Bismarck: SatnrdayR. 86, S. 737/8. - 415) H. Delbrück, Fürst Bismarck in d. 
Weltgesch.: Pr.lbb. 93, S. 393-406. - 416) M. v. Egidy, Zu Bismarcks Tode- Versöhnung S. 81/6.- 417) Else Hasse, Bis- 
marck als sittl. Persönlichkeit: EthKult. 6, .S. ;il5/7. ||M. Kronenberg: ib. S. 317,8.J| - 418) M. Kronenberg, Bis- 



E. Hrandenburg-, Allofemeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. IV 1 b :4i9-468 

dass ihm eben doch das beste g-efehlt habe, der ethische Charakter, Bismarck stelle 
einen überholten Sittlichkeitstypus dar; das von seiner Staatskunst g-eschaffene ethische 
Defizit würden die Nachkommen erst auszugleichen haben. Bismarck sei der voll- 
endete Eg-oist; dass er sich in den Dienst höherer Mächte, z. B. des Gemeinwesens, 
gestellt habe, sei nur Schein. — Lenz'*'^) betont die Geschlossenheit von Bismarcks 
Ideenwelt trotz alles Wechsels im einzelnen; die Wurzel seines Wesens sucht er im 
märkischen Boden und im preussischen Staate ; überall klinge seit 1847 der preussische 
Staatsg-edanke aus seinen Aeusserungen und Handlungen hervor — aber ein 
theoretischer Legitimist sei er nicht gewesen. Die deutsche Einheit habe er nie im 
romantisch-grossdeutschen, sondern von Anfang an im friedericianisch-preussischen 
Sinne aufg-efasst. Es wird dann am Beispiel des Krimkrieg'es ausgeführt, wie stets 
das preussische Interesse für Bismarck massg-ebend war, der Gegensatz seiner Blut- 
und Eisenpolitik und seines Preussentums zu' den idealistischen und unitarischen 
Gedanken der Liberalen scharf hervorgehoben. Im Kernpunkt stets ein Feind der 
Ideen von 1848, habe er doch das Frankfurter Programm durchgeführt, soweit es 
ihm heilsam schien, freilich unter Verschiebung des Schwerpunktes aus dem Parla- 
mente in den Bund der Fürsten. Auch in den Kulturkampf und in seine social- 
politischen Reformen habe ihn die preussische Staatsg-esinnung- hineingetrieben. — 
M a r c k s 420-421) h^t dem grossen Kanzler gleich nach Bismarcks Tode einen warm 
empfundenen Nachruf g-ewidmet und später sein Verhältnis zu dem hohenzollernschen 
Herrscherhause psychologisch zu erfassen versucht; die Frage, die sich ihm auf- 
drängt, ist, wie die stärkste Selbstherrlichkeit in einer Person sich so vereinigen 
könne mit stärkster selbstloser Hing-abe. Auch M. findet die Lösung* in Bismarcks 
eingewurzeltem Altpreussentura und sucht auf diesem Grunde sein Verhältnis zu 
dem alten Kaiser zu verstehen. — Ein paar ungedruckte- Aphorismen N i e t z s c h es'^22) 
über Bismarck enthalten nichts sachlich Bemerkenswertes. Auch ein paar g^anz 
verständnislose Schmähartikel •«23"*24j fehlen nicht. *2ö- 459) _ 

Andere haben sich mit einzelnen Seiten von Bismarcks Wesen 
beschäftigt; sein Verhältnis zum weiblichen Geschlechte ^^o)^ zur Musik ^^i 462^^ zur 
Judenfrage 4^^ "464)^ zum Christentum 4^^"*^'') ist mehrfach behandelt worden. Besonders 
das letztere Problem ist von grosser Wichtigkeit für das Verständnis von Bismarcks 
Persönlichkeit; leider aber ist keine der vorliegenden Bearbeitungen ihrem Gegen- 
stande gewachsen; nur kritiklose Zusammenstellungen von auf Religion und Christentum 
bezüglichen Aeusserungen Bismarcks werden uns g'eboten. — R o s i n 488) hat den 
interessanten Versuch gemacht, aus Bismarcks Schriften, Reden und Briefen ein 



marcV: ib. S. 249-50. — 419) M. Lenz, D. Schöpfer t. Kaiser u. Reich: Cosraopolis 11, S. 829-62. (Anch in 
Schmoller-Lenz-Marcks, Zn Bismarcks Gedächtnis, S. 79-109.) — 420) E. Marcks, Qedenkworte, gesprochen bei d. 
Triuerfeier d. Vereins Ätsch. Studenten zu Leipzig am 2. Aug.: VelhKlasMh. 1, S. I-XIL (= N. 419, S. 128-35.) - 421) id., 
Fürst Bismarck u. d. Haus Hohenzollern: HohenzollernJb. 2, S. 231-42. (= N. 419,8. 136-55.) — 422) F. Nietzsche, Bismarck 
n. d. Deutschen: Zukunft 25, S. 3215. — 423) X Bismarck n. d. bist. Urteil: NZSt. 2, S. 641/4. (Verständnisloser 
Schmähartikel.) — 424) XJ- öe hl 8 en, 1). kleine Buch vom grossen Bismarck. 4. Aufl. Hagen, Risel u. Co. 12». 161 S. M. 1,00. 
(Schmähschrift d. einstigen Heransgebers d. v. Bismarck yerfolgten „Reichsglocke".) — 425) X M. Ferraris, v. Bismarck: 
NAnt. 76, S. 577-84. — 426) XO. Geyer, Rede z. Gedäclitn. d. Fürsten 0. v. Bismarck. Löbau, OUva. 16 S. M. 0,20. (Separat- 
Abdr. aus d. Sachs. Postillon N. 183.) — 427) X^h. Girandoau, Bismarck: RPL 2, S. 167-71. — 428) X F- Greenwood, 
Prince Bismarck: Cosmopolis 11, S. 655-72. — 429) X J- Hoche, Bismarck intime. Paris, Juven. XVI, 256 S. Fr. 3,50. — 
430) X P- Gfaf V. Hoensbroech, Vom grossen Toten: DWBl. 11, S. 409-10. — 431)XH- Holtzheue r, Bismarck : EKZ. 72, 
8.527-33. — 432) X H. Holtzmann, Rede vor d..Bismarckbnste. Freibnrg, Mohr. 8S. M. 0,20. — 433) X W. Hörn, Bismarck 
als Naturfreund: Daheim 33, S. 410/1. — 434) X A. Human, Gedächtnisrede auf Fürst 0. v. Bismarck. Hildburghausen, 
Gadow. 12 S. M. 0,15. — 435) X Ignotus, Bismarck: Cosmopolis 11, S. 888-97. — 436) X P- Kaemmel-, E. Schul- 
rede am Sedantage zu Bismarcks Gedächtnis als Abschied vom J. 1898: Grenzb. 4, S. 665-78. — 437) X W. Kahl, Bismarck 
lebt. Gedächtnisrede. Freibnrg, Mohr. 16 S. M. 0,20. — 438) X Kieser, Gedächtnisrede auf d. Fürsten Bismarck. 
Eisenach, Kahle. 8 S. M.0,35. — 439) X P- Kirmss, Fürst Bismarck. Nachruf: Protestant 2, S. 673/6. - 440) X H. Kohl 
Gedächtnisrede auf d. Fürsten Bismarck: Ostmark 3, N. 11, Beilage. — 441) X *"• Koldewey, Kaiser n. Kanzler. 6 patriot. 
Reden. Brannschweig, Meyer. 64 S. M. 1,00. — 442) X E. F. Kossraann, 0. v. Bismarck: NedSpect. S. 251/3. — 443) X 
La Borde, Mort et testament de Bismarck. Paris, Hardy. 4". 2 S. — 444) X 0. v. der Pfordten, Fürst Bis- 
marck. Gedächtnisrede. Heidelberg, Winter. 31 S. M. 0,50. — 445) X J- Rodenberg, Fürst Bismarck. Nachruf: DRs. 96, 
8. 321/4. — 446) X 6- v. Rohden, Bismarck: EvangSchulbl. 42, 8. 397-402. - 447) X P.Römer, D. Testament d. Fürsten 
Bismarck. E. Vermächtnis für d. dtsch. Volk. Dresden, A. Wolf. 80 8. M. 0,30. — 448) X ?5cholz, Rede z. Gedächtnis 
d. Fürsten Bismarck. Wolgast, Clappien. 7 3. M. 0,25. — 449) X Schöttler, E. treuer dtsch. Diener Kaiser Wilhelms I. 
Gedächtnisrede. Barmen, Wiemann. 16 S. M. 0,15. - 450) X ^^chwe ring, Z. Würdigung Bismarcks: AkMBll. 10, 8. 372/7. 
— 451) X M. Smith, Bismarck and german unity. New- York, Macmillan. 99 8. Sh. 3,60. — 452) X J- Trojan, Fürst 
Bismarck: lUFrauenZg. 25, S. 150. — 453) X H. v. Wolzogen, Bismarck: BayreuthBll. 21, S. 281/4. — 454) X Bismarck 
and all about him. By a fellow student. Ed. by H. Hayward. London, Dean. 264 S. Sh. 1,00. — 455) X. Bismarck: Zu- 
kunft 24, 8. 225-49. - 456) X ^- Zeitalter Bismarcks: AZg». N. 170. — 457) X Bismarck, his work and its prospects: QR. 
188, S. 523-45. — 458) X D- rote Bismarck. B., Pauli. 16 S. M. 0,50. — 459) X Bismarck-Curiosa: BerllllZg. 7, N. 33. — 
460) X W. Korn, Fürst Bismarck u. d. Frauen: lllFrauenZg. 25, 8. 150/1. — 461) X Bismarcks Beziehungen z. Musik: 
NMusikZg. 19, 8. 203/4, 214/5. — 462) X Bismarck u. d. Vertreter d. Operngesanges: ib. S. 229. — 463) X För»* Bismarck 
u. d. .Tudenfrage: Mitt. d. Vereins z. Abwehr d. Antisemitismus 8, 8. 249-51. — 464) X Porst Bismarck u. d. Anti- 
semitismus: JüdPresse. 29, 8.2/3. - 465) OX P- Pasig. <^tto v. Bismarck als Christ. L.. Richter. 75 8. M. 0,50. — 466)X 
Fürst Bismarck als (Christ: AELKZ. 31, 8. 765/7. — 467) X A. Cesar, Bismarck als Christ nach seinen Reden n. Briefen: 
Protestant 2, 8. 739-43, 759-64, 795-802, 817-24, 837-43. — 468) H. Rosin, Grundzüge z. allg, Staatslehre nach d. polit. 
Reden n. Schriftstücken d. Fürsten Bismarck. Freibnrg, Lehmann. "46 8. M. 1,00. (Auch als Rektoratsprogr. d. Univ. Frei- 

(4)5* 



lVlb:469-479 E. Brandenburg', Allg*emeines des IR./^^- Jh.: Politische Geschichte. 

System der Bismarckschen Staatslehre zu entwerfen; als g-elung-en kann man diesen 
Versuch jedoch nicht bezeichnen; es bleibt auch hier bei äusserlicher Zusammen- 
stellung-, der Versuch, die Entwicklung- des politischen Ideenkreises Bisniarcks auf- 
zuzeig-en, wird nicht g-emacht. Die „Gedanken und Erinnerung-en" , die so viele 
politische Betrachtungen enthalten, konnten von R. noch nicht benutzt werden. — Unter 
den Darstellungen von Bismarcks wirtschafts- und socialpolitischer Thätigkeit^^^"^'"') 
ragt der geistvolle Essay Schmollers'*'') hervor, der überhaupt zu den besten 
Erzeugnissen der Bismarck-Litteratur dieses Jahres gehört. Nach einigen feinen 
Bemerkungen über Bismarcks Persönlichkeit, wobei seine Willensenerg-ie als hervor- 
tretendster Charakterzug bezeichnet, aber auch sein tiefes Gemütsleben und sein 
praktischer Bauernverstand geschildert werden, stellt Seh. kurz Bismarcks An- 
schauungen von Staat und Gesellschaft dar: auf dem Grunde der stets bleibenden 
monarchischen und konservativen Gösinnung zeig-t er uns das fortwährende Wechseln 
der einzelnen Anschauungen nach Erfahrungen und augenblicklichen Zwecken; die 
innere Politik, führt er aus, ward von Bismarck nur als ein Teil der äusseren an- 
gesehen. Bismarcks socialpolitische Grundauffassung war, dass die Gesellschaft 
aristokratisch gegliedert sein müsse; daneben hatte er Sinn für Unterstützung der 
Aermeren im wirtschaftlichen Kampfe. Das allgemeine Stimmrecht führte er nicht 
aus theoretischer Ueberzeugung von seiner Richtigkeit ein, sondern aus Erwägungen, 
die der damaligen politischen Lage entsprangen. Stets war sein Grundsatz: Ent- 
gegenkommen gegen berechtig-te Forderungen, verbunden mit scharfen Repressalien 
geg-en unberechtigte Ansprüche. Von da aus kam Bismarck allmählich zum 
Socialistengesetz , durch dessen Aufhebung er nur beweisen wollte, dass es un- 
entbehrlich sei. Als Bismarcks grösste socialpolitische That stellt dann Seh. die 
Versioherungsgesetzgebung hi-n, die die Arbeiterschaft mit dem Reichsgedanken auch 
materiell verbinden sollte; freilich habe Bismarck sein Ziel nicht voll erreicht. 
Endlich geht Seh. noch auf Bismarcks Finanz-, Handels- und Verkehrspolitik ein, 
und behandelt besonders die Wendung vom Freihandel zum Schutzzoll im J. 1879 
und die Verstaatlichung der Eisenbahnen, durch die erst eine einheitliche Verkehrs- 
politik ermöglicht wurde. — Mehrfach begegnen uns Vergleich ungen zwischen 
Bismarck und anderen hervorrag-enden Männern. Anhänger des Socialismus und 
der Ethischen Kultur vergleichen ihn mit Gladstone*^-^*'^), und zwar erscheint ihnen 
der [letztere7tals der grössere Staatsmann. — G r o tt h u s"*'*) sucht 'die Wahl- 
verwandtschaft zwischen dem Thatmenschen Bismarck und dem „Reflexionsmenschen" 
Goethe auf den beiden eigentümlichen „Idealrealismus" und ihr enges Verhältnis zur 
Natur zurückzuführen. — N e u b a u er^"^^) stellt, was ja sehr nahe liegt, Bismarck 
mit dem Frhrn. von Stein zusammen; er bietet eine Gegenüberstellung von Aeusse- 
rungen beider Staatsmänner über die wichtigsten Fragen. Zunächst charakterisiert 
er ihr Verhältnis zum Deutschtum und Preussentum : Stein ist Deutscher nach Gefühl 
und Gesinnung, zu Preussen ziehen ihn nur Ueberlegungen des Verstandes, Bismarck 
war Preusse, erst in zweiter Linie Deutscher, Stein Grossdeutscher, Bismarck Klein- 
deutscher. Auch ihr abfälliges Urteil über die Mittel- und Kleinstaaten entspringt 
verschiedenen Motiven. Stein ist in seiner Staatsmann ischen Thätigkeit geleitet von 
sittlichen Idealen, Bismarck verbindet damit die praktische Fähigkeit zum Ausnutzen 
der realen Lage. Beide sind Feinde der Bureaukratie und schätzen die Selbst- 
verwaltung; (an dieser Stelle hätte N. gut gethan, neben der Aehnlichkeit wieder 
die grosse Verschiedenheit der Anschauungen beider zu betonen). Beide sind 
für eine ständisch gegliederte Volksvertretung und gegen das gewerbsmässige 
Parlamentariertum. Stein schätzte den Gemeinsinn der Bürger als Grundlage des 
Staatslebens am höchsten, Bismarck die starke monarchische Gewalt. Bei Stein fehlt 
das Element der Vasallentreue gegen den angestammten Herrscher, das bei Bismarck 
so stark hervortritt. Beide sind Männer der That, nicht des Grübelns, beide haben 
einen sachlichen, knappen, phrasenlosen, aber pointierten Stil. Die schwierige, aber 
lohnende Aufgabe, alle diese einzelnen Aehnlichkeiten und Verschiedenheiten aus 
der Persönlichkeit beider Männer und dem Einflüsse der Zeitumstände abzuleiten, 
hat sich N. nicht gestellt. — Der Beziehungen Bismarcks zu seinen Mitarbeitern und 
anderen Zeitgenossen gedenken ein paar kleinere Aufsätze ^''^~^''^). — Von dem lehr- 

bnrg i. B.) — 469) X M. Berendt, Beitrr. z. Handelspolitik d. Fürsten Bismarck. L., Klepzig. 4». 8 S. M. 0,50. (Separat- 
Abdr. ans d. Zg. für d. ges. Textilindnstrie.) — 470) X V. Böhmert, Fürst Bismarck u. d. Arbeiterfrage: Arbeiterfreund 
86, S. 294-306. — 471) G- Schmoller, 4 Briefe über Bismarcks socialpolit. u. Volkswirtschaft!. Stell, n. Bedeut.: Sociale 
Praxis 7, N. 48-52. (Auch FBPG. 12, S. l-,55 n. = N. 419, S. 6-62.) — 472) Gladstone u. Bismarck: SocialistMh. 2, 8. 389-91. — 
473) Philalethes, Gladstone a. Bismarck: EthKnlt. 0, S. 177 9. — 474) J. E. Frhr. v. G rotthns, Goethe n. Bismarck: Türmer 
1,8. 4-16. — 475) F. N e u b au e r. Stein u. Bismarck. Halle, Waisenhaus. 4". 17 S. M. 0,50. (Separat- Abdr. ans d. Festschr. d. Latina 
z. 200j. Jubelfeier d. Franckesohen Stiftungen.) — 476) X H. v. Poschinger, Fürst Bismarck u. sein diplomat. Generalstab : 
DR. 1, S. 1/6, 285-91 ; 2, S. ,58-68. — 477) X A. Mützell, Bismarck u. seine Mitarbeiter: Geg. 53, S. 329-32. (L. Bucher, 
». Mühler, Konsistnriiilpräs. Hegel, H. AV:igenpr, K Tiinduu; Vnrz chiirnkterii:. iuif Grund v. Veröffentlich, v. Poschingers.) 
— 478) X K. Th. Gaedertz, Kürst Bisniiinik u. Fritz Reuter. Wismar, Hiristorlt'. 4". 29 S. M. 1,00. — 479) G. Schmidt, 



E. Brandenburg", Alloonioines des 1H./19. Jh.: Politisclie Geschichte. IVlb:430-503 

reichen Buche G. Schmidts*^^) über Schönhausen ist eine zweite Auflage zu 
verzeichnen. — 

Wichtig sind die Aufzeichnungen über Bismarck von solchen, 
die ihn persönlich gekannt haben ^^*'). — Zahlreiche Beiträge zur Kenntnis von 
Bismarcks Denkweise und seines Verkehrs mit ihm Näherstehenden geben 
von T i e d e m an n s'**') Aufzeichnungen. — Am bedeutendsten aber sind die beiden 
Schriften von M. B u s c h*^^"^*^); die kleinere, deutsche, bildet nur einen litterarisch 
zurechtg'estutzten Auszug* aus den interessanteren Partien des grösseren englischen 
Werkes. B. hat seine älteren Arbeiten (,,Graf Bismarck und seine Leute", „Unser 
Reichskanzler" usw.) hier in ihrer vollständigen Gestalt, ohne die früher von Bismarck 
gewünschten oder von B. selbst für nötig- erachteten Auslassungen gegeben, und 
ausserdem alles mitg-eteilt, was er sich in seinen Tagebüchern über Aeusserung-en 
Bismarcks notiert hat. Er ist zuweilen recht indiskret, mag sich auch manchmal 
etwas verhört haben, im grossen und ganzen ist an der Richtigkeit der von ihm 
stets unmittelbar nach den Gesprächen gemachten Aufzeichnungen nicht zu zweifeln. 
Diese Publikation bildet nunmehr neben Bismarcks Reden und Briefen und neben 
den „Gedanken und Erinnerungen" unsere wichtigste Quelle für Bismarcks Geschichte. 
Natürlich ist auch bei ihrer Benutzung Vorsicht und kritische Durcharbeitung un- 
erlässlich; man darf nicht alles, was Bismarck so bei Tische oder im angeregten 
Gespräch einmal gesagt hat, für seine unumstössliche Ueberzeugung ansehen wollen. 
Von besonderem Werte ist es, dass uns die Tagebücher von B. zum ersten Male die 
Möglichkeit gewähren, die Art, wie Bismarck die Presse für seine Zwecke benutzte, 
genauer kennen zu lernen; B. teilt uns genau die Informationen mit, die er in dieser 
Beziehung erhielt und giebt über die Art ihrer Ausführung Rechenschaft. Ferner 
finden wir in dem Buche eine ganze Reihe wichtiger Aktenstücke, in die Bismarck 
seinem Amanuensis Einsicht verstattet hat; teils sind sie wörtlich, teils im Auszuge 
wiederg'egeben. Ganz besonders interessieren darunter die wichtigen Briefe, die dem 
Abschlüsse des deutsch-österreichischen Bündnisses von 1879 vorausgingen, und die 
uns über diesen wichtigen Wendepunkt unserer Politik ganz neue Aufschlüsse ge- 
währen. Die offenbar recht eilig hergestellte englische Uebersetzung des deutschen 
Originals lässt manches zu wünschen übrig. — 

Zum Schlüsse sei noch einiger Publikationen gedacht, die uns Urteile 
der Zeitgenossen über Bismarck zugänglich machen *^*~*®^), und besonders 
auf die beiden Werke hingewiesen, die uns zeigen, wie Bismarcks Bild im Spiegel 
der Karikatur sich ausnimmt **^"*s"). — 

Die Geschichte Oesterreichs seit 1848 ist diesmal ausschliesslich 
Gegenstand populärer Darstellungen geworden, die ihre Entstehung dem 50jährigen 
Regierungsjubiläum des Kaisers Franz Josef verdanken ^s*"^"*). Hervorzuheben ist 
die biographische Skizze von F o um i e r^os)^ wenngleich auch sie einen stark 
panegyrischen Charakter trägt, Fleiss, Massigkeit, Gedächtnisschärfe, Selbst- 
bewusstsein, Ritterlichkeit und Familiensinn werden als Hauptzüge von Franz Josefs 
Charakter bezeichnet, die Schuld für die unglückliche äussere Politik von 1859—66 
wird den Ministern, besonders Buol, zugeschoben, dem Kaiser selbst hingegen ein 
starker Anteil an Oesterreichs Erhebung seit 1866 zugeschrieben. Die Wendung 
gegen das Deutschtum in der inneren Politik datiert F., wohl schwerlich mit Recht, 

Schönhansen n. d. Familie v. Bismarck; bearb. im Anftr. d. Familie. 2. Anfl. B., Mittler. 196 S. M. 5,00. | [Bär 24, S. 90;2.]| — 
480) X L. Aegidi, Mein Eintritt ins auswärt. Amt n. erster Besuch in Yarzin: DK. 4, S. 106-12, 294-307. — 481) C. t. Tiede- 
raann, Persönl. Erinner, an d. Fürsten Bismarck. Vortr. L., Hirzel. 52 S. M. 1,00. — 482) M. B u s c h , Bismarck n. 
sein Werk. Beitrr. z. inneren Gesch. d. letzten Jahre bis 1896. Nach Tagebuchbll. L., Hirzel. 120 S. M. 2,00. — 483) id., 
Bismarck: some secret pages of his history. 3 vols. London, Macmillan. 1492 S. Sh. 30,00. i[F. Koedderitz: MHIi. 26, 
S.IOO; A.C.: RCr. 2, S. 412; G. Egelhaaf: DWBl. 11, S. 12; LCBl. S. 1816/8; 0. H.: FBPG. 10, S.4512; Ac. 54, S. 287/9.] i 
— 484) X St. Gopeevic, Gambetta über Bismarck: DB. 4, S. 195-203. — 485) X E. M 1 1 e r, Bismarck im Urtei! seiner , 
Zeitgenossen. B., Verlag d. Gegenwart. 12". 145 S. M. 2,00. (Geg. 54, S. 97-101 enthält e. Teil d. Buches.) — 486) X 
Bismarck-Album d. Kladderadatsch. 27. Aufl. B., Hofmann * Co. 4». 200 S. M. 3,00. — 487) X K. Wa 1 th o r, Bismarck 
in d. Karikatur. St., Franckh. 176 S. M. 4,00. (Auch in 5 Teilansgaben: Dtsch. u. schweis. Karik. 52 S., M. 1,00; englische 
24 S., M. 0,.50; franz. 24 S., M. 0,50; russ., Italien., amerik. 24 S., M. 0,50; Wiener 54 S., M. 1,00.) — 488) X G, Duboc. 
L'empereur Fran9ois-Joseph: BPL. S. 501/5. — 489) X J- Eramer, Kaiser Franz Josef I. 50 J. österr. Gesch. Bd. 1 u. 2. 
Wien, Daberkow. 4». 304 u. 320 S. M. 27,00. - 490) X C. E. Klopfer, Unser Kaiser. E. Gedenkbuch d. 50j. Regierung, 
zugleich e. Lebens- u. Charakterbild Kaiser Franz Josef L Wien, Schirmer. 4». 336 S. M. 12,00. — 491) X A. Metzner, 
Jubiläums - Büchlein t. unserem geliebten Kaiser Franz Josef I. 1848—98. (= Oesterreichs Regenten in Wort n. Bild.) 
Teschen, Fritzinger. 28 S. M. 0,20. — 492) X L. K. Nolston, Kaiserworte. Festschr. z. 50j. Regiernngsjnbiläuro Franz 
Josefs L Wien, Seidel & Sohn. 425 S. M. 14,00. — 493) X K. R o s t o k , D. Regiernngszeit S. M. Kaisers u. Königs Franz 
Josef L Geschichtl. Rückschau, ebda. 248 S M. 5,00. - 494) X Ka'ser Franz Josef I. u. seine Zeit. Her. ▼. J. S c h n i t z e r. 
1. Bd. Wien, Lechner. Fol. 480 S. M. 8,50. — 495) L. Smolle, 5 Jahrzehnte auf Habsburgs Throne. Wien. Pichler. 
242 S. M. 4,00. — 496) X T. Zöhrer, „Hoch Habsburg", Gedenkbüchlein z. 50 j. Regierungsjubiläum d. Kaisers Franz Josef 1. 
Linz, Kathol. PressTerein. 64 S. M. 0,35. — 497) X »d.. Unter Habsburgs Scepter. Gesch.- Bilder aus Oesterreich. Fest- 
gabe z. 50 j. .Tnbiläum Kaiser Franz Josefs l. Klugenfnrt, Rannecker. 176 S. M. 0,60. — 498) X H. Klingenberger, 
Kaiserin Elisabeth T. Oesterreich. 2. Aufl. Nentitschein, R. Hosch. 64 S. M. 0,-50. — 499) X F- Weih rieh, Erzherzog Carl Ludwig 
V. Oesterreich: DNekrolog. 2, S. 444-61. — 500) X C. Wolfsgrnber, Carolina Augusta, D. Kaiserin-Mutter u. ihr charitatives 
Wirken. Wien, Kirsch. 93 S. M. 1,00. (Abdr. aus Ws grösserem Werke über Carol. Aug.) — 501) XF-Il'^olf, Wilh. 
Nikolaus, Herzog v. Württemberg: ADB. 4:5, S. 213-8. - 502) A. Fournier, Franz Josef L: DRs. 97, S. 350-69f — 503) X 



IVlb:504-52o E. Brandenburg', Allg-emeines des 18./19. Jh.: Politische Geschichte. 

von der Abneigung" der Deutschen gegen die Erwerbung Bosniens und der 
Herzegowina. — Zwei Schriften über die Nationalitätenfrage in Oesterreich^*^^ 504j 
gehören schon mehr dem politischen als dem historischen Gebiete an. — 

Zur neueren Geschichte der Schweiz ist nur eine schön ausgestattete 
Darstellung der Entwicklung Berns in unserem Jh. ^ö^) zu verzeichnen. — 

Einzelne Beiträge zur Geschichte verschiedener Lebensgebiete, 
die oben noch keinen Platz gefunden haben, mögen den Schluss dieses Berichtes 
bilden. Für die Geschichte des geistigen Lebens liefert S c h u 1 th e i s s^****) 
Material, indem er charakteristische Aeusserungen über das Verhältnis von Nord- 
und Süddeutschen, insbesondere von Preussen und Bayern aus den J. 1770—1870 
zusammenstellt. — In der Hauptsache eine Materialsammlung ist auch H e y c k s ^^') 
Buch über die „Allgemeine Zeitung", das hauptsächlich die J. 1798—1848 umfasst; 
die spätere Zeit ist sehr summarisch behandelt. Dvirch die von H. mitgeteilten That- 
sachen wird das Urteil über die Beziehungen der AZg. zu Oesterreich, besonders in 
Metternichs Zeit, wie es sich z. B. bei Treitschke findet, wesentlich modifiziert. 
Zugleich wird uns Stoff zu einer Geschichte der grossdeutschen Ideen und zu einer 
Geschichte der deutschen Presse bei ihm geboten. — Lesenswert ist K a u f m a n n s •''"^) 
lebendiger Vortrag über die Lehrfreiheit an den deutschen Universitäten während 
des 19. Jh., der auf der Historikerversammlung zu Nürnberg gehalten worden ist. — 

Das kirchliche Leben des Jh. ist vom katholischen Standpunkte aus 
von dem Jesuiten Nostiz^o») behandelt worden; Aufklärung, Liberalismus, 
Socialismus sind ihm Mächte der Finsternis, die nur durch die katholische Kirche 
allmählich überwunden werden können. ^^<') — Von altkatholischen Gedanken geht 
ge 11511-512^ aus; er führt den Triumph der „territorialistischen" Auffassung in der 
Kirche über die „kuriale" und „episkopale" auf die französische Revolution und 
Napoleon I. zurück. Durch Napoleons Sturz ward auch dies Prinzip besiegt, und 
nun begann der Kampf zwischen Papst und Bischöfen. In Frankreich ward in der 
Zeit der Romantik und Restauration die Lehre theoretisch formuliert, dass der Papst 
die Inkarnation der Vernunft sei, und dass nur der Bund von Thron und Altar die 
Autorität in Staat und Kirche erhalten könne. In den J. 1830—48 ward das Papsttum 
umworben vom legitimen Königtum, vom katholischen Liberalismus, von den 
italienischen Nationalisten, vom protestantischen Königreich Preussen. Die beiden 
letzten Bundesgenossen musste es, wenn es seine Prinzipien wahren w^ollte, zurück- 
weisen. Die allmähliche Entwicklung des Absolutismus in der Kirche bis zum 
vatikanischen Konzil wird dann eingehend dargestellt. — 

Die Entfaltung des deutschen W i r t sc ha f t s 1 eb en s^i^) hat uns ein 
Franzose, Blondel^*^), geschildert; er thut es mit Sachlichkeit und warmer An- 
erkennung; besonders verweilt er bei den Fortschritten der deutschen Industrie und 
des deutschen Handels seit 1871 ; er führt die deutschen Erfolge auf unser Temperament, 
auf Erziehung, methodische Arbeit und kraftvolle Regierung zurück. — B i e r m e r^*^) 
schildert nach einem Rückblick auf die frühere Zollgeschichte und den Zollverein 
hauptsächlich die neueren Phasen der deutschen Handelspolitik in engem Anschluss 
an eine ältere Arbeit von Lotz. — Lewy^'^) verfolgt den Kampf der liberalen und 
konservativen Anschauungen auf dem Gebiete der Agrargesetzgebung in Preussen, 
und den Einfluss der Theoretiker (Kraus, Adam Müller) auf dessen Verlauf. Er 
beginnt mit den Reformen von 1807 und führt seine scheinbar rein referierende, in 
Wahrheit von liberalen Anschauungen beherrschte Darstellung bis in die 50er Jahre 
und bis zum ersten Eingreifen von Rodbertus in die Diskussion. — 

Zur Geschichte des Socialismus 5''^ si») liegt ein bedeutsamer Beitrag 
in dem zweiten Bande von Mehrings^so) Geschichte der deutschen Social- 
demokratie vor. Der Band beginnt mit dem J. 1862 und endet 1890. Das Urteil ist 



M. Meng er, Z. polit. Lage in Oesterreich. Mit e. Anh., enth. d. Sprachenverordn. d. Minist. Taaffe, Badeni, Gantsch. 
Wien, Holder. 36 S. M. 1,40. — 504) X B. Anerbach, Les races et les nationalitös en Antriche-Hongrie. Paris, Alcan. 
340 S. Fr. 5,00. - 505) E. v. R o d t , Bern im 19. Jh. Bern, Schmid & Francke. 128 S. M. 6,50. — 506) F. G. Schult- 
heiss. Aus d. Gesch. d. bayer. Partikularismus: N&S. 85, S. 310-31. — 507) E. H e y c k , D. AZg. 1798- 1898. Beitrr. 
7.. Gesch. d. dtsch. Presse. München, Verl. d. Allg. Ztg. 352 S. M. 5,00. |[HZ. 82, S. 505/7.]l — 508) G. Kaufmann, D. 
Lehrfreiheit an d. dtsch. Universitäten im 19. Jh. L., Hirzel. 48 S. M. 0,80. - 509) R. Nostiz, Von d. Wiedergehurt 
kathol. Lebens im 19. Jh.: HPBll. 121, S. 12-22, 81-90. - 510) X J- Scheicher, 1848-1898. Kirchenpolit. Essays. Wien, 
Fromme. 27 8. M. 0,50. (Separat-Abdr. aus d. KorrBI. für d. kath. Klerus Oesterreichs.) ~ 511) K. S e 11 , D. Entwickl. 
A. kathol. Kirche im 19. Jh. L., Mohr. 112 S. M. 1.50. — 512) id., D. Entsteh, d. nltramont:inen Gefahr: ChristlWelt. 12, 
S. 13/7, 29-38. (Voranzeige von N. 498.) — 513) o X K. Th. Eheberg, D. industrielle Entwickl. Bayerns seit 1800. 
Univ.-Rede. Erlangen, Bläsing. 4». 28 S. M. 1,20. — 514) G. Blondel, L'essor industriel et coraraercial du peuple allemand. 
Paris, Larose. 220 S. Fr. 3,00. |[A. v. We n c k s t e r n : JGVV. 22, S. 344/7.J1 — 515) M. B i e r m e r, D. dtsch. Handels- 
politik d. 19. Jh. Greifswald, Kunicke. 58 S. M. 1,00. — 516) A. L e w y , Z. Genesis d. heutigen agrarischen Ideen in 
Preussen. St., Cotta. 141 S. M. 3,00. |[LCB1. S. 380/1. |] - 517) X E. V.Ze n k e r, Z.Genesisd. Aktionsanarchismus: AZg". N.212/4. — 
518) X H. Schmidt, E. Beitr. z. Gesch. d. Bundes d. Geächteten: NZSt. i, S. 1.50/5. — 519) X E. Gedenktag d. Kommunis- 
mus: ib. S. 353/6. — 520) F. M eh ring, Gesch. d. dtsch. Socialdemokratie. 2. T. V. Lassalles offenem Antwortschreiben 
bis z. Erfurter Progr. 1868-91. (= Gesch. d. Socialismus in Einzeldarstell. 3. Bd. 2. T.) St., Dietz. 568 S. M. 3,00. 
ItP. Göhre: ChristlWelt. 12, S. 1091/5; L. 0. Brandt: BLÜ. S. 214, 810; G. Adler: ZSocialwissensch. 1, S. 631/8, 722-30.]| 



V.Michels, Alldem, des 18./19. Jh.: Moinoireu usw. 18U7, 1898. IV lb:52i-5a4 IV lc:i-6 

durchaus von den üblichen Parteiphrasen beherrscht, das Verständnis für nicht 
socialistische Richtunoen und Staatsmänner o-eht M. vollständig- ab. Diese Einseitigkeit 
der Auffassuno- stempelt sein Buch zur Parteischrift. Viel Material, das sonst schwer 
zugänglich ist, wird uns zur inneren Geschichte der Partei geboten, aus Zeitungen, 
Briefen und Privatmitteilung-en aller Art. Die Verarbeitung ist aber eine recht 
mangelhafte, und das Buch entbehrt durchaus jener Geschlossenheit und Schärfe des 
Gedankenganges, die manche frühere Schrift M.s auszeichnet. Für den Historiker 
ist es jedenfalls sehr lehrreich, sich unsere jüngste Vergangenheit auch einmal in 
dieser Beleuchtung- zu betrachten. — 

Zur M i 1 i"t ä r -021-022^^ Recht s -5^3) und Verwaltungsgeschicht 6^24) 
seien hier ein paar Sammelwerke und andere Arbeiten wenig'stens verzeichnet. — 



c) Memoiren, Tagebücher und Briefwechsel. 1897, 1898. 

Victor Michels. 

Briefwechsel: Politische Welt: Friedrich der Grosse, Karl Friedrich von Baden N. 1; Th. von Schön, Gneisenaa 
N. 8; König Ludwig I. von Bayern N. 10; Sylvester Jordan, von Prokesch-Osten, Erzherzog Johann N. 11; K. J. von Bansen, 
H. von Boyen N. 20; Kaiser Wilhelm I., Herzog Ernst von Coburg N. 25; Bismarck, Roon, Moltte N. 27; Graf Usedom, 
H. Abeken N. 44. — Litterarische Welt: Familie Reventlow', G. Ch. Lichtenberg, J. K. Lavater, J. H. Pestalozzi N. 49; 
Gleim und Heinse N. 53; Goethe und die älteren Boniantiker N. 54; L. F. Hnber, K. A. Böttiger, K. F. Manso N. 58; 
Herzog August von Gotha-Altenburg und Therese aus dem Winkel N. 60; W. von Humboldt N. 61; Justinus Kerner, Luise 
Hensel N. 67; N. Lenan, F. Grillparzer N. 71; A. Grün N. 73: J. Ch. von Zedlitz N. 77; F. Dingelstedt, F. Freiligrath 
N. 78; F. Hebbel, K. von Holtei N. 85; D. F. Strauss, F. Reuter, J. V. von Scheffel, R. Hamerling N. 87: G. Keller 
N. 94; F. Gregorovius, F. Nietzsche N. 97. — Gelehrte Welt: J. J. Eeiske, C. B. Hase, K. von Winterfeld, E. Krüger, M. Sachs, 
M. Veit N. 103; Th. Billroth N. 108. — Künstlerwelt: E. von Steinle N. 114; Musikerbriefe N. 115. — Reisebriefe N. 130. — 
Tagebücher: Entwicklungsgeschichte des Tagebuchs N. 137. — Politische Tagebücher: König Karl von Rumänien, Th. von 
Bernhardi, J. F. von Schulte N. 138. — Kriegstagebücher N. 147. — Beisetagebücher: J. K. Jjavater, Cb. F. Rinck N. 153. — 
Sonstige Tagebücher: A. Graf von Platen, L. Uhland, F. Raimund, R. Hamerling, J. Schnorr N. 156. — Denkwürdigkeiten 
und Autobiographien: Politische Ereignisse: Zeit der französischen Revolution N. 172; Napoleonisohe Zeit N. 177; 
1846—48 N. 188; Prinz Kraft zu Hohenlohe-lngelflngen N. 193; Schleswig-Holstein N. 194; Krieg 1870—71 N. 201; Fürst 
Otto von Bismarck N. 205: Kaiser Wilhelm I. N. 208: K. F. von Steinmetz, H. von Stephan, Langwerth von Simmern N. 209. — 
Reiseerinnerungen N. 218. — Schule und Universität N. 227. — Kirchliches Leben: W. Beyschlag, B. Rogge N. 234; W. Tanger- 
mann, C. Jentsch N. 249. — Religiöses Leben (Gräfin Schimmelmann) N. 260a. — Litterarisohe Interessen: J. von Spaun, 
G. G. Gervinus, Max Müller N. 261; R. von Gottschall N. 267; R. Genee N. 275; Th. Fontane N. 276; J. Rodenberg. 
R. Schmidt-Cabanis N. 280; H. Lorm N. 282; Klaus Groth N. 283: J. Grosse N. 284; E. Geibel, J. 6. Fischer N. 286; J. Rank 
N. 288; P. Eosegger, D. von Gerhardt (Amyntor), J. Crowe N. 289. — Künstlerkreise: Maler N. 304; Musiker N. 311; Schau- 
spieler N. 316. — Praktische Sphäre N. 321. — Verschiedenes N. 330. — 

Bei dem Bericht für die Jahre 1897 und 1898 muss ich leider beklagen, dass 
mir eine grössere Anzahl von Publikationen nicht zugegangen ist. In vielen Fällen 
versagte auch die Hülfe der. Bibliotheken in Jena und Weimar, auf die ich zunächst 
ang-ewiesen war. — 

Briefwechsel. Eine reiche FüUe von Briefen stammt aus Kreisen, die 
ich in Kürze als die politische Welt bezeichnen werde. Rüstig schreitet die 
politische Korrespondenz Friedrichs des Grossen^) fort, nach bewährten 
Grundsätzen herausgegeben. Die neuen Bände g-eben einen unmittelbaren Einblick 
in die Politik der J. 1762—65. — Noch in die Kronprinzenzeit Friedrichs führt der 
Briefwechsel mit dem General von Grumbkow, teilweise auch der mit Maupertuis^) : 
den ersteren hat Koser zum ersten Male zugänglich gemacht nach den aus Grumbkows 
Nachlass an König Friedrich ausgelieferten Originalen, die dieser „als eine Curiosite" 
dem Geheimen Archiv übergab; letzterer war bereits in verschiedenen Publikationen 
gedruckt, aber grösstenteils schlecht und selbst verfälscht. 3"'*) — Der im J. 1896 
veröffentlichte Teil der politischen Korrespondenz Karl Friedrichs von 
Baden hat weitere Besprechung erfahren^). — In die Franzosenzeit führen mir 
zur Zeit nicht zugängliche Briefsammlungen^"^''). — 



(Vgl. JBL. 1897 IV Ib :339.)— 521) A. u. K. v. Sickart, Gesch. d. kgl. hannoverschen Armee. Bd. 5. (1803—66.) Hannover, 
Hahn. 623 S. M. 10,00. — 522) X A. Maag, Gesch. d. Schweizertrnppen in franz. Diensten während d. Restanration u. d. 
Julirevolntion (1816-30). Biel, E. Kuhn. 864 S. M. 10,00. — 523) X W. Altmann, Ausgewählte Urkunden z. dtsoh. 
Verfassungsgesch. seit 1806. Z. Handgebrauch für Historiker u. Juristen. 2 Bde. B., Gärtner. VII, 312 u. VII, 213 S. 
M. 4,00 u. 3,00. |[H. Triepel: HVjs. 3, S. 292j5.)| — 524) X A. Zeller, Ueber d. Entwiokl. württemb. Verwaltungg- 
einricht. : ZSocialwissensch. 54, S. 441-68. — 

1) Polit. Korrespondenz Friedrichs d. Gr. 21. u. 22. Bd. redig. v. K. Treusch v. Bnttlar u. 0. Herrmann. 
23. u. 24. Bd. redig. v. K. Treusch v. Buttlar n. G. B. Volz. B., A. Duncker. 1894-97. 600, 638, 560, 435 S. ä M. 12,00. 
I[M. Immisch: HZ. 81, S. 499-p04.Jl (Vgl. JBL. 1894 IV lb:23; 1895 IV lb:33; 1897 IV Ib : 27.) - 2) (IV 1 b : 41.) — 
3) O X J- Orossmann, Nachlese z. Korrespondenz Friedrichs d. Gr. mit d. Grafen Francesco Algarotti: HohenzollernJb. 1, 
S. 139-45. - 4) O X (IV lb:4la.) - 5)(JBL. 1896 IV lc:66.) ULCBl. 1897. S. 123/4.]; - 6) O X «• Zeller-Werd- 



IV lo:7-22 V. Michels, Allgemeines des 18./19. Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. 

Ueber die Korrespondenz Th. vonSchöns^) g-ehen die Urteile auseinander. 
Der Recensent des LCBl. stimmt dem Herausgeber in der Beurteilung Schöns völlig 
zu; auch Kohl fühlt sich von dem prächtigen Alten von Arnau sympathisch be- 
rührt, dessen starken Subjektivismus er freilich betont; Weber dagegen findet, es 
lasse sich doch kein ganz reines, wohlthuendes Bild gewinnen. — Ueber Humboldts 
Briefe ist unten zu sprechen (N. 61). — Zehn Briefe Gneisenaus ^) an seine Erdmanns- 
dörfer Gutsnachbarin, die Gräfin Friederike von Reden, hat Pick herausgegeben : 
ein Nachtrag zum Leben Gneisenaus von Pertz-Delbrück, in dessen 5. Bande der 
freundschaftliche Verkehr besprochen und schon ein Stück der Korrespondenz mit- 
geteilt ist. — 

Jugendbriefe König Ludwigs I. von Bayern an den Elsässer Anton 
ülry 1^) haben sich im Nachlasse des Abbe Schnell vorgefunden, des langjährigen 
Hauskaplans bei Olry. Von ihnen macht F. Curtius Mitteilung. Olry vermittelte 
den Verkehr Ludwigs mit Pestalozzi, brachte ein Ordensgesuch L. von Hallers an 
und leistete späterhin Dienste für die schweizerische Abteilung der Walhalla. — 

Vorwiegend menschliches Interesse haben die Briefe, die der Vater der 
hessischen Verfassung, der Marburger Jurist Sylvester Jordan*^), während der 
sechs Jahre seiner ungerechten Haft an seinen Schwiegervater geschrieben hat. '2) 

— Den früheren Publikationen über den Grafen Prokesch'Osten'^) schliesst 
sich als ein neuer interessanter Beitrag zur Geschichte des 19. Jh. der Briefwechsel 
mit Erzherzog Johann von Oesterreich '^-iSj .^^^ ^ ^jp^ Schlossar heraus- 
gegeben hat. Namentlich der erste Teil, der im Anschluss an den Aufenthalt des 
Erzherzogs in Griechenland im J. 1837 sich um die griechischen Verhältnisse unter 
König Otto dreht, bietet mancherlei zur Charakteristik der beiden Korrespondenten. 
Erzherzog Johann zeigt sich als aufmerksamer und wohlwollender Beurteiler von 
Land und Leuten, etwas allzusehr geneigt zu idealisieren und Lieblingstheorien 
nachzugeben, etwas zu stark von Prokesch beeinflusst, der vieles offenbar grund- 
falsch sieht und sich z. B. über Katakazy auffallend täuscht. Eine kraftvolle, 
originelle Persönlichkeit war der Erzherzog-Reichsverweser so wenig wie sein Freund 
Prokesch. In den Zeiten des wohlwollenden Absolutismus hätte er einen trefflichen 
Landesfürsten abgegeben; der ihn umbrausenden Bewegung des J. 1848 gegenüber 
macht er mehr und mehr den Eindruck des bekannten Greises auf dem Dache. ^'*) — 

Material zur Beurteilung einzelner im rheinischen Kirchenstreit bemerkens- 
werter Persönlichkeiten bieten die Briefe an K-. J. v o n B u n s e n^O). Die Beurteilung 
von Schmedding und Spiegel wird, wie auch Eck gegen N i p p o 1 d hervorhebt, zu 
modifizieren und weder Schmedding ganz so schwarz, noch Spiegel ganz so weiss zu 
malen sein. Für die Beurteilung Bunsens selbst findet man kaum direkte Anhaltspunkte. 

— Charakteristischer ist der von Treitschke bereits benutzte Briefwechsel Bunsens mit 
dem Prinzen Albert ^i). Die Art, wie Bunsen sich bei seiner amtlichen Stellung dem 
fremden Fürsten gegenüber in Bezug' auf preussische Angelegenheiten äussert und 
den Prinzgemahl gleichsam zum Vormund seines Königs macht, ist im höchsten 
Grade verwunderlich. Der Herausgeber scheint freilich darin anders zu empfinden. 

— Noch unerfreulicher berühren mich einzelne Bunsen betreffende Dokumente einer 
anderen Publikation N i p p o 1 ds22). Zumal der Brief Bunsens an den König über die 
Reise des Prinzen Wilhelm nach England vom 4. .Sept. 1844. 'Mit welcher wohl- 
wollenden Ueberhebung führt der Londoner Gesandte den beiläufig 47jährigen 
Hohen zollernprinzen in die hohe Schule englischen Lebens! Selbst von den Denk- 
mälern schottischer Reformatoren mit ihren ruhmredigen Inschriften verspricht sich 
dieser Mentor wunder was für eine Wirkung auf seinen Telemach! Und wie wenig- 
nationales Selbstbewusstsein steckt in den übertreibenden Schilderungen englischer 
Zuvorkommenheit und Gastfreundlichkeit. Alle scharfen Worte Treitschkes bestehen 



maller, Züricher Briefe ans d. Fran/.osenzeit von 1798 n. 1799. Mitget. ans d. Papieren v. Allr-atsherr J. C. Werdmüller- 
Ott Zürich, Fäsi & Beer in Komm. 1897. 4». 36 S. Mit 1 färb. Taf. M. 2,40, ~ 7j O X F- Melzi d'Eril, Ricordo di 
Monaco. Engenio Beanharnais e Angusta di Baviera. Documonti inediti. Münclien, Ch. Kaiser. 1897. 151 S. M. 4,00. ||B.: 
AZgB.1897, N.283]| (Korrekluren: K.Obser: AZg'"'. 1897, N.287.) — 8) (JBL. 1896 IV 1 c : 73.) IfO. Weber: Enph. 4, S. 635/7; 
Alfr. Stern: Nation«. 14, S. 303/4; H. Kohl: DLZ. S. 906/9; -n-: LCBl. S. 1486/7 ; B. M.: Zeit^ 10, S. 46.]| - 9) (JBL. 1897 
IV lb:92.) — 10) F. Curtius, .Ingendbriefe König Ludwigs I.: AZg«. 1897, N. 112. - 11) [Henriette Keller- Jordan], 
Briefe Sylv. Jordans aus d. Zeit seiner Gefangenschaft an seinen Schwiegerr.iter Gerichtsdirektor Dr. P. Wigand in Wetzlar: 
Hessenlund 12, S. 42/4, 54(7, 66/8, 82/4. - 12) O X Aus K. Schomburgs Briefwechsel: ib. 11, S. 245/6. — 13) (JBL. 1896 IV 
1 c : 76.) I [C h. S e i g n b 8 : RCr. Nouv. Serie 47, S. 28/9.]| - 14) (IV 1 b : 240.) - 15) A. S c h 1 o s s a r , Erzherzog Johann v. Oesterreich 
über Griechenland. Ungedr. Briefe an d. österr. Gesandten in Athen A. t. Prokesch t. 1837-44: DR. 22•^ S. 285-302; 
22», S. 77-86. — 16) id., D. dlsch. Eeiclisverweser Erzherzog Johann n. Graf Anton v. Prokesoh-Osten. E. ungedr. Brief- 
wechsel: ib. 22', S. 1-15. — 17) O X F- Hwof, Ans d. Briefen d. Grafen Prokesch v. Osten: MHL. 25, S. 220/5. — 
18) X K-r., Briefe u. Tagebücher d. Erzherz. Johann: NPPr. N. 12182. — 19) O X Erzherz. Stephan: Briefe an Wilb. Haidinger, 
Direkt, d. k. k. geolog. Eeichsanst. 1850—66. Mit e. Einleit. u. e. Portr. d. Erzherz. Wien, Kende. 1897. VII, 193 S. M. 6,00. 
— 20) O Briefe an Bunsen v. römischen Kardinälen n. Prälaten, dtsch. Bischöfen u. andern Katholiken aus d. J. 1818—37, 
mit Erlftut. her. v. P. G. Reusch. L., F. Jansa. 1897. XLIII, 253 S. M. 9,00. i[S. Eck: ThLZ. 23, S. 520/2; A. Franz: 
LRs. 24, S. 72/3.|] — 21) (IV 1 b : 171.) — 22) E. N i p p o 1 d , Aus d. Bnnsenschen Familipnarchiv I. II. III. IV.: DR. 22', S. 1-19, 170-86, 



V. Michels, Allgemeines des 18./J«J. Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. IV Ic: 23-38 

zurecht vor der doktrinären Art, in der Bunsen von dem Geheimnis wahrer 
germanischer Staatsweisheit redet. Auch die Denkschrift des Prinzen Albert vom 
J. 1847 nebst Zubehör hat N. aus den Bunsenschen Archiven ans Tageslicht gefördert, 
Treitschke hat den Prinzen Albert nicht eben wohlwollend behandelt. Aber darin 
wird man ihm recht geben, dass die Denkschrift recht schwach ist: wie partikula- 
ristisch-kleinstaatlich er bei aller allgemein patriotisch-liberalen Wohlmeinenheit 
dachte, ist dem Prinzen wohl selbst verborgen geblieben, aber von Treitschke ganz 
richtig erkannt. Der Versuch, sich in die innere Gestaltung Deutschlands ein- 
zumischen, war und blieb doch auch eine wunderliche Verkennung seiner Stellung. 
Weitere Briefe von und an Bunsen behandeln die Reise des Prinzen Wilhelm vom 
J. 1848 und die aktive Teilnahme desselben an der deutschen Politik des J. 1850. 
Insbesondere werden für die berühmte Staatsratssitzung vom 2. Nov. 1850 einige 
Einzelheiten festgestellt. -^) — Auch Hermann von Boyen, der langjährige 
Adjutant des Prinzen von Preussen, später Generaladjutant des Königs und Kaisers, 
erzählt auf Grund von Vorzimmerbeobachtungen manches, was für jene Ereignisse 
von Interesse ist. Seine Familienbriefe bilden den Hauptinhalt der von W. von Tümp- 
ling zusammengestellten Lebenserinnerungen^*), die deshalb an dieser Stelle zu er- 
wähnen sind. Da Boyen infolge seiner Stellung manches beobachten konnte, er- 
schliesst sich eine schätzenswerte Quelle für die politische Geschichte des letzten 
halben Jh. Mit aufrichtiger Begeisterung hing Boyen an Wilhelm I. — 

Jugendbriefe Kaiser Wilhelms I.-^), die nach einer Mitteilung der NAnt. 
aus den Schätzen A. M e y e r - C o h n s publiziert sind, waren mir nicht zugänglich. — 
Aus einer Notiz der HZ. sehe ich ferner, dass die NZg. in ihren Nummern vom 
22. und 27. Mai, 1. und 3. Juli 1898 höchst charakteristische Stücke^^) aus der Korre- 
spondenz des Herzogs Ernst von Coburg mit Kaiser Wilhelm und dem Kron- 
prinzen und mit Mensdorff aus dem Frühjahr 1866 gebracht hat, geeignet, den Gegensatz 
des kronprinzlichen Hofes gegen die Bismarcksche Politik aufs neue zu beleuchten. — 

Eine Reihe von Briefen des Kaisers an B i s m a r c k 2') aus den J. 1864, 
1873—87 zeigen die liebenswürdige, gerechte, Bismarcks hervorstechende Bedeutung 
in schöner Weise anerkennende Art des Herrschers, gelegentlich auch mit etwas 
altväterlichem Humor durchsetzt. Es sind meist Beglückwünschungs- oder Dankes- 
schreiben bei besonderen Anlässen. Bismarcks Antworten, soweit sie erhalten oder 
mitgeteilt sind, tragen den üblichen offiziellen Charakter. ^*^) — Interessanter sind fünf 
ausführliche Briefe Bismarcks an den verstorbenen Unterstaatssekretär von Grüner aus 
den J. 1859 — 612"). Besonders der erste aus Frankfurt enthält eine Darlegung von 
Bismarcks Ansichten über die deutsche Presse. In dem Schreiben vom 14./2. Mai 1861 
aus Petersburg bespricht er sodann wie auch bei anderer Gelegenheit ausführlich 
seine Stellung zu Oesterreich: er sei „noch heut wie im Stande politischer Unschuld 
vor 10 Jahren" bereit, sich mit Oesterreich zu verbünden, so schwach es seitdem 
geworden ist, wenn er „den kleinsten Beweis von gutem Willen" für Preussen an 
der Donau entdecken könnte; seine Ueberzeugung von gegenteiligen Bestrebungen 
äussert er „mit der kaltblütigen Parteilosigkeit eines beobachtenden Naturforschers". — 
Fünfzehn weitere Briefe an verschiedene, zum grossen Teil gleichgültige Adressaten 
aus den J. 1863 — 70 hat P o s c h i n g e r^^) zusammengebracht; sie geben schon in 
der kleinen Sammlung ein Bild davon, von wie vielen Seiten der Minister in Anspruch 
genommen wurde, und mit wie grosser Urbanität er, solange es eben ging, auf oit 
wunderliche Wünsche antwortete.^ '"^34) — £) jg reichen Briefschätze, die das Bismarck-Jahr- 
buch bringt, können an dieser Stelle nicht berücksichtigt werden. — Die Korrespondenz 
mit Bismarck und die mit Perthes^^) haben in der neuen, auch sonst durch kleinere 
Zuthaten vermehrten Ausgabe der Denkwürdigkeiten des Grafen R o o n^^) Aufnahme 
gefunden. — Von M o 1 1 k e s militäTischer Korrespondenz sind die beiden 1876 er- 
schienenen Bände neuerdings wie billig im wesentlichen mit Rücksicht auf ihre 
militärische Seite besprochen worden ^ea-a"). _ Der neue Band 3^) trägt mehr als die 



257-70; 22*, S. 82-95. — 23) O X A. J. E. Ilare: Freifrau v. Bunsen. E. Lebensbild, .ans ihren Briefen znsammengest. 
Dtsch. Ausg. V. H. Tharau. 2 Bde. 7. Aufl. Gotha, Perthes. IX, 388 S.; V, 361 S. Mit 1 Porlr. M. 12,00. - 24) O (IV 1 b : 344.) 

— 25) O A. Meyer-Cohn, Briefe Kaiser Wilhelms d. Gr. ans d. J. 1811 — 15 an seinen Bruder d. Prinzen Carl v. Preussen. 
B. (BoU). 1397. N. 1-15. (Nicht im Handel.) | [NAnt. 69, S. 368/9.] I — 26) O E. T e m p e 1 1 e y , Briefe aus d. Korre- 
spondenz d. Herz. Ernst v. Koburg: NatZg. 22. n. 27. Mai, 1. u. 3. Juni. |[HZ. 81, S. 377.] I (Vgl. IV 1 b : 270.) 

— 27) Briefwechsel zwischen d. alten Kaiser u. Bismarck: Zukunft 18, S. 433-42. - 28) X (Jßlj. 1896 IV 1 b : 125; 
lc:75.) ![H. V. Petersdorff: FBPG. 10, S. 4.53/6. 1| - 29) (IV 1 b : 392.) —30) H. t. Poschinger, Nene Bismarck- 
briefe: DK. 22*, S. 129-35. — 31) O X Bismarckbriefe 1836-72. 6. Anfl. her. v. H. Kohl. Mit e. Pastell nach F. t. 
Lenbach u. 4 Portrr. in Zinkdr. Bielefeld, Velhagen & Klasing. 1897. XX, 357 S. M. 5,00. — 32) O X D"*- 
1886—73. 7. Aufl. ebda. XXII, 482 S. M. 5,00. — 33) O X Th. H. PanteniuB, Bisraarckbriefe: Daheim 33. S. 650/1. — 
34) O X H. T. Zobeltitz, Bismarck- Briefe: VelhKlasMh. 1897: 2, S. 687-91. — 35) (JBL. 1896 IV 1 c : 77.) |(E. F(oer8ler): 
ChristlWelt. 11, S. 174/5.)| - 36) Denkwürdigkeiten an» d. Leben d. Generalfeldmarschalls Kriegsministers Grafen t. Koon. 
4. bericht. u. vermehrte Anfl. 3 Bde. Breslau, E. Trewendt. 1897. XVI, 5.H0S.; VIII, 572 S.; VII, 544 S. M. 21,63. |[H. 
Granier: FBPG. 11, S. 273-, LCBl. 1897, S. 904.] — 36a) J. v. Verdy du Vernois, Aus Moltkes militär. Korrespondenz: 
Cosmopolis 8, S. 212-30, 572-85. — 37) W. B., Moltkes militär. Korrespondenz: AZgB. 1897, N. 276, 288/9. — 38) O (JBL. 

Jahresberichte für neuere deutsche Litteratnrgeschichte. IX. (4)6 



IV lc:3y-54 V. Michels, All<>emeines des I8./1!). Jh.: Memoireu usw. 1897, 1898. 

früheren den Charakter einer wirklichen Korrespondenz. Als Manf^-el beklag-t 
von Petersdorff, dass bei der Redaktion zu subalterne Schreibkräfte verwertet 
seien, was sich namentlich bei den Registern störend fühlbar mache. ^^*^) — 

Ein paar Briefe des Grafen Usedom aus den J. 1862 — 7;} an eine 
ung'enannte Freundin^'') dienen nicht wesentlich dazu, das Bild des „politischen 
Dilettanten" umzugestalten. Im Bösen, aber auch im Guten wird man die Verwandt- 
schaft mit Männern wie Bunsen oder Prokesch nicht verkennen. — Aus dem 
Bunsenschen Kreise ist H. Abeken hervorgeg-angen , der seine Laufbahn 1834 als 
Gesandtschaftsprediger in Rom begann, 1842 an der Lepsius-Expedition nach Aegypten 
und Palästina teilnahm und von 1848—72 im auswärtig-en Amt thätig- war. Leider 
sind mir, wie so vieles andere, auch seine Briefe ^^) nicht zugänglich gewesen. Nach 
den Referaten herrscht in ihnen jene reine Atmosphäre, die vornehme Geistes- und 
Herzensbildung" schaffen. Abekens Bescheidenheit, Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit 
machen sich zugleich bemerkbar. Der Referent des LCBl. hat nicht gerade sachlich 
Neues in ihnen g-efunden, aber doch mancherlei, was zu schärferer Charakteristik der 
verschiedenen leitenden Persönlichkeiten in Preussen dient. Auch manche Mit- 
teilungen über Goethe wären von Interesse.*^"***) — 

In die litterarische Welt mögen Bobes*'*) Publikationen aus den Archiven 
der Familie Reventlow überleiten. Der erste Band enthält Auszüge aus 
den Briefen und Tagebuchaufzeichnungen des Geheimen Staatsministers Grafen 
Chiistian Detlev Friedrich (1748—1827), der zweite Briefe seines jüngeren Bruders 
Johann Ludwig (1746—1801), der dritte Briefe von der Gräfin Luise Stolberg, von 
Christian und Friedrich Leopold Stolberg. Die litterarhistorische Ausbeute fasst 
Leitzmanns Referat zusammen. Mir selbst hat das Werk nicht vorgelegen, und 
ich muss darauf verzichten, ein Referat über ein Referat zu geben. — Ebenso wenig 
sind mir G. Ch. Lichtenbergs Briefe in der Ausgabe von Grisebach ^") 
zugegangen. Es sind 57 Briefe an Dietrich und seine Frau, aus drei Druckorten 
zusammengetragen, einige nach den Originalen korrigiert, nebst 6 ungedruckten 
Stücken. „Für die Zeit- und Litteraturgeschichte bietet es wenig Inhalt; die Freunde 
von Lichtenbergs Wesen wird es letzen", bemerkt Seuffert. Künftig wird ja die 
von Leitzmann und Schüddekopf besorgte Ausgabe alle Lichtenbei'g-Briefe vereinigen. 
— Briefe J. K. Lavaters sind nach den Recensionen das einzig Wertvolle in dem mir 
ebenfalls nicht zugegangenen Sammelwerk G. A. Müllers^'), unter ihnen nach R. M. 
Meyer „zwei Perlen": der Jugendbrief von 1779 an den Pfarrer Siegele zu Hohen- 
twiel und der an Herrault de Sechelle nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. ge- 
schriebene „feurige Hirtenbrief. — Ueber J. H. Pestalozzis Briefwechs&l mit 
Anna Schulthess^^) ^^t R. Lehmann kurz referiert. — 

Schlösser hat sorgfältig den Quellenwert des Briefwechsels zwischen 
Gleim und Heinse^^) für Heinses Biographie abgewogen: er schätzt ihn ziemlich 
hoch ein. Gleichzeitig vergleicht er die neue Ausgabe mit dem, was Körte und 
Pröhle boten, und giebt eine Reihe dankenswerter Berichtigungen und Ergänzungen 
zu Schüddekopfs verdienstlichen Anmerkungen. — 

Der Briefwechsel Goethes mit den älteren Romantikern liegt in 
einer vortrefflichen Ausgabe vor^*). In der lehrreichen Einleitung schildert W a 1 z e 1 
das Verhältnis der Schlegel, Tieck, Novalis, Schelling, Steffens zu Goethe. Die 
J. 1796—1804 sind nach ihm die Jahre, in denen die Romantiker nicht nur unter 
sich, sondern auch zu Goethe in den engsten Beziehungen standen. Aus den 
Wirren des Sturmes und Dranges bildet sich in den Kreisen der Jacobi, Forster, 
Huber eine Art der Kritik, die das Verständnis Goethes fördert. Caroline vermittelt 
den Uebergang von dieser Gruppe zu den Schlegel. Nach W.s Vermutung hat erst 
sie Goethes Dichtung zunächst August Wilhelm, dann auch Friedrich erschlossen. 



1897 IV Ib :228.) |[H. v. Petersdorff: FBPG. 11, 8. 283/4.]| —39) O XP^inz F. L.K raft zu Ho henlohe-In gel fingen, 
Leiters on strategy. 2 vols. London, Paul. 434 u. 354 S. Sh. 30. — 40) O X Dass. New-York, Scribner. Doli. 12,00. — 
41) O X (IV 1 b : 284.) |[H. G r a n i e r : FBPG. 11, S. 305/6.JJ -42)OXJnl-^-Hartraann, Briefe aus d. Feldznge 1866, an d. Gattin 
gericlitet. Mit e. Bildn. d. Generals, ebda. VI, 62 S. M. 1,40. — 43) O XH. Bindfleisch, Feldbriefe 1870-71. Her. v. E. Orno Id. 
ö.Anfl. Mite. Bildn. d. Vf. n.e. Karte. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht. XVI,236S. M. 3,00. (Vgl. JBL. 1895 IV 1 b:260; 1 c:8.) 
— 44) Briefe d. Grafen Usedom an e. Freundin: DR. 22*, S. 257-67. — 45) O (IV Ib : 375.) - 46) X Marie v. Bunsen, George 
T. Bunsen: Cosmopolis 10, S. 874-92. — 47) O X Gesamm. Briefe e. alten Offiziers an seinen Sohn. E. Darle^. d. Berufs- n. 
Standespflichten unter Zugrundelegung d. KriegsartiVel u. d. Verordn. über d. Ehrengerichte vom 2. Mai 1874 nebst d. ergänz. 
Bestimm, vom 1. Jan. 1897. E. Wegweiser zu strenger Selbstzucht u. Selbsterziehung v. S K. B., R Schröder. VII, 311 S. 
M. 5,00. - 48) X D- Reiterbriefe. Aus d. Leben e. Kavallerie-Offiziers. Dresden u. L., Pierson. 224 S. M. 3,00. — 49) 
O L. Bobe, Efterladte papierer fra den Reventlowske farailiekreds i tidsrummet 1770—1827. Meddelelser af arkiverne pa.-v 
Pederstrup og Brahe-Trollebnrg, udgivne paa foranaledning af hofjägermester C. F. Reventlow. Kopenhagen, Lehmann & Stage. 
1895—96. LIII, 291 S. |[A. Leitzmann: Euph. 5, S. 575-88.11 — 50) O Kd. Grisebach, Lichtenbergs Briefe 
an Dieterich 1770-98. L., Dieterich. XI, 145 S. M. 2,00. ||B. Seuffert: DLZ. S. 1965/6; Grenzb. 4, S. 56.]| — 
51) O (JBL. 1896 IV 5:5.) |[A. S(auer): Euph. 4, S. 671/2; R. M. Moyer: DLZ. 1897, S. 1180.]| - 52) O (JBL. 1896 
110:87.) I[R Lehmann: DLZ. S. n91/2.]i — 53) (JBL. 1896 IV Ic: 108.) |[M. K (och): LCBl. 1897, S. 1008/9; R.Schlösser: 
Kuph. 5, S. 144/9.]; — 54) Goethe u. d. Kom:inlik. Briefe mit Brläut. 1. T. her. v. C. Schüddekopf u. 0. W u 1 z e 1. 



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V. Michels, All<i'omomes des 18./19. Jh.: Meniolren usw. 1897, 189H. IV lc:55ßi 

übrigens auch die Abneig-ung- gegen Schiller mit verschuldet. Erst um die Wende 
des Jh. vollzieht sich zugleich mit der Verbindung Friedrichs mit anderen Persönlich- 
keiten eine Art Ueberspannung, der Umschlag ins Subjektive: Goethe ist dem 
Romantiker nun nicht mehr poetisch, genug. Aber die Spaltung bleibt fürs erste 
latent, da bis 1804 August Wilhelm die Beziehungen zu Goethe aufrecht erhält. 
Erst nach der Trennung der Ehe mit Caroline und dem Anschluss an Frau von Stael 
werden auch bei ihm die nach Weimar laufenden Faden gelockert. Viel aussei*' 
lieber war, wie W. des weiteren darthiit, das Verhältnis zu Tieck, der immer nur 
für die Dichtungen des jungen Goethe Verständnis besass, während Goethe über den 
„Stembald" und die „Genoveva" anfangs durchaus wohlwollend urteilte. Die Be- 
strebung-en Wackenroders und Tiecks hatten für Goethe zunächst nichts iVbstossendes 
(es ist das vielleicht der interessanteste Punkt in W.s Darlegungen); erst die Konse- 
quenzen wurden ihm verdriesslich. Als Fr. Schlegel im J. 1803 das Programm des 
Xazarenertums in der Kunst ausgab und sich gar August Wilhelm 1805 mit dem 
„Schreiben an Goethe" auf denselben Boden stellte, zerschnitt er das Tischtuch. 
Friedrichs Uebertritt zum Katholizismus und die katholisierenden Tendenzen machten 
ihm den jüng-eren Bruder dauernd verhasst; erst jetzt beginnen die schärfsten Urteile, 
Zu August Wilhelm stellte sich ein leidhches Verhältnis her, bis diesen der Brief- 
wechsel mit Schiller verstimmte. Tieck unterhielt dag"egen mit einiger Diplomatie 
dauernd vortreffliche, freilich nie sehr innerliche Beziehungen. Dem objektivsten 
der Romantiker, Schelling, kam Goethe zuerst entgegen; ihm fühlte er sich dauernd 
am nächsten. In dem Streben, der schaffenden Natur nachzudenken, fanden sich beide 
zusammen. Auch hier glaubt W. die Beziehungen durch Caroline gefördert, und 
macht beiläufig' darauf aufmerksam, wie andererseits zwischen Schelling- und Pauline 
Gotter die g-emeinsame Verehrung für Goethe (wie für Caroline) die Brücke schlagen 
half. War die Vertrautheit zu Anfang des Jh. am grössten, so wirkte sie doch auch 
später noch nach. Am fernsten stand Goethe Steff'ens; die Schwächen der romantischen 
Naturforschung des Norwegers blieben Goethe nicht verborgen. 5^"^") — 

Geiger^*) giebt einen Einblick in den Briefwechsel zwischen L. F. H u b e r 
und K. A. Böttiger, der die J. 1779—1804 umfasst. Es handelt sich meist um 
Böttigers Teilnahme an der „Allgemeinen Zeitung". Litterarische Erscheinungen 
werden mehrfach berührt. Besonders warm klingt Böttigers Urteil über Schillers 
„Jungfrau von Orleans". Ein interessanter Brief Hubers (Ulm, 22. April 1804) be- 
spricht die Mainzer Vorgänge in der Familie Forster mit dem noch nachwirkenden 
Zorn über das Xenion „0 ich Thor" usw. (Schmidt-Suphan N. 845), das Huber 
mi SS verständlich auf Forster und Therese statt auf Forster und Caroline bezog, wie 
G. (GJb. 18, S. 283/4) des näheren ausführt. Persönlicher muten die Briefe 
Theresens an, die durch Böttigers Nekrolog auf Huber im „Freimütigen" hervor- 
gerufen wurden. Ein Brief an Garlieb Merkel zeigt gegen Caroline (Waitz 2, 267), 
dass dieser keineswegs durch sie inspiriert war> vielmehr suchte sie erst durch 
Merkel den Vf. zu erfahren. — Das durch die Xenien veranlasste harte Urteil über 
K. F. M a n s zu mildern, dient der Briefwechsel mit Böttiger, den Geiger ^") mit 
einigen Kürzungen und reichen Anmerkungen herausgegeben hat. Er umfasst mit 
Unterbrechungen die J. 1795 — 1825. Litterarische Dinge werden vielfach besprochen, 
meist mit verständigem, ruhigem Urteü; so 1795 Wolfs homerische Prolegomena, 
Vossens Luise, Schillers Hören usw. Manso g-ehört zu denen, die Goethes Lebens- 
beschreibung sogleich würdigten. Verblüffend unbefangen citiert er die Xenien. Allzu 
absprechend gedenkt er der Frau von Stael. Beachtenswert sind Aeusserungen über 
die neue Breslauer Universität, über Steffens, die Wartburgfeier. In den J. 1808—15 
werden vielfach politische Dinge behandelt. Das wenige, was aus dem J. 1813 
stammt, klingt freilich, wie man erwarten konnte, pessimistisch. Wunderlicherweise 
ist an den zweiten Brief vom J. 1795 durch ein Versehen des Herausgebers das 
Stück eines Briefes angefügt, der ins J. 1808 gehören muss. Auch weiterhin scheint 
nicht alles in Ordnung: ein Brief (N. 14) ist ins J. 1813 statt 1815 zu versetzen. — 

Nachgetragen sei hier auch, dass Geiger^**) bereits 1896 dem eigenartigen 
Briefwechsel des wunderlichen Herzogs August Emil Leopold von Gotha-Alten- 
b u r g mit Therese aus dem Winkel (JBL. 1893 IV 1 c : 13) eine eingehentle 
Betrachtung gewidmet und die Beziehungen von Fürst und Künstlerin durch alle 
Stadien verfolgt hat. Ist sie seine „angebetete Wahlschwester", so ist er ihr der „teure 
Emil". Doch bewahrt sie immer guten Takt, während von seiner Seite die Korre- 
spondenz mit fürstlicher Launenhaftigkeit geführt und schliesslich unzart abgebrochen 



(= Schriften d. Qoethe-Ges. N. 13.) Weimar, Goethe-Ges. XOVI, 382 S. (Nicht im Buchhandel.) - 55) X (JBL- >896 IV 8b : 5.) 
1[V. Pollak: ZOG. 49, S. 831/2.J| - 56) O X (JBL. 1897 IV 8b : 9.) |[R. Steig: DLZ. 1897, S. 1419-20.J - 57) (JBL. 1896 
IV 9 : 16.) |[P. Drews: ChristlWelt. 11, S. 526.]| — 58) L. Geiger, Briefwechsel L. F. Hubers u. K. A. Böttigers. Mitget. 
u. erlänt.: ZVLR. 12, S. 420-47. - 59) (JBL. 1897 lY 5:50.) — 60) (JBL. 1896 IV 4 : 64, S. 179-94.) - 61) (JBL. 1S94 

(4)6* 



IV ]c:62 69 V. Micliels, Allg-eineines des 18./I9. Jh.: Memoiren ut^w. 1897, 1898. 

wird. Die Aeusserung- von Gefühlen und allg'emeinen Hetrachtung-en bildet den 
Hauptinhalt; von litterarischen Ding-en ist wenig die Rede. Grelegentlich giebt Fräulein 
aus dem Winkel eine gute Schilderung Napoleons. Wähi'end er einen starken 
Napoleonkult treibt, ist ihre Beg-eisterung für den grossen Korsen etwas durch 
nationale Empfindungen gedämpft. — 

Die Veröffentlichung-en von Briefen W. von Humboldts durch Haym^') 
und Leitzmann^^^ fanden neue Besprechungen. Guglia bedauert, dass Leitzmann nicht 
angegeben habe, was von dem Briefwechsel zwischen dem Humboldtschen und dem 
Varnhagenschen Ehepaar bereits früher gedruckt war, und möchte den Wert der Publi- 
kation nicht so hoch einschätzen wie der Herausgeber, da durch Varnhagen bereits 
das Interessanteste vorweggenommen sei; immerhin gebe sie namentlich für Karoline 
von Humboldt bemerkenswerte Einzelheiten. — Zwei Briefe W. Humboldts an Therese 
Huber (vom 20. Nov. 1805 und 2. Sept. 1812) und acht Briefe Theresens (einer an 
Karoline vom 10. Okt. 1813, drei an Wilhelm vom 25. Sept. und 27. Nov. 1827 und 
vom 2. Ai)ril 1829, einer an x\lexander von Humboldt vom 6. Nov. 1827; je einer 
an den holländischen Gesandten Reinhold, an Henriette von Reden geb. von Wurmb,4 
an Adele Blumenbach) gab Geig er ^3) heraus mit einem die langjährigen Be-, 
Ziehungen Theresens zu Humboldt sorgiältig erörternden Kommentar. Die Briefe 
an W. von Humboldt drehen sich grösstenteils um die von Therese beabsichtigte 
Herausgabe des Forsterschen Briefwechsels. Alexander schlug 1827 die Publikation 
seiner Briefe an Forster ab, Wilhelm g-ab die der seinigen zu Theresens Befriedigung- 
mit Auswahl zu. Interessanter sind Theresens Briefe. Sie zeigt ein warmes Herz 
und einen klaren und sicheren Blick, wenn sie auch ihre Urteile g-elegentlich allzu- 
sehr pointiert, lieber Wilhelm schreil)t sie an Reinhold, er sei „ein Mensch, der 
dem Verstand rein weg" das Uebergewicht gegeben iiat"; dieser wirklich eminente 
Verstand habe dann alles andere Menschliche verdrängt and agiere infolg-edessen 
mitunter wie Dummheit. Humboldt, „den ich liebe und für einen der seltensten 
Menschen ansehe", heisst es, sei sicher „einer der unseligsten Staatsmänner vmserer 
Tage: ein Mensch, der stets theoretisiert und das Leben, den Genuss, die Moral, 
jeden Gedanken und jede Regung, Faser für Faser abgesplittert hat, so dass ihm die 
Menschheit wie eine Apothekerbude vorkommen mag, aus deren Büchsen er Gesetze, 
Staatenwohl, Verträge usw. zusammensetzt." Von Karolinens „klug'em Kunstwandel" 
spricht der sehr ausführliche Brief an Frau von Reden (Stuttgart, den 3. Juli 1819) 
und schildert eine köstliche Scene zwischen Frau von Humboldt und Jean Paul, bei 
der ihre weltgewandte Kühle seine bäurische Eitelkeit verletzte. Therese urteilt 
scharf und g-ewiss im wesentlichen treffend über Jean Pauls Geschmacklosig'keit, seine 
Libertinage des Gefühls, die ihrem Stoicismus zuwider sei, seine ganz aus Büchern 
geschöpfte und durch Phantasien erweiterte Bildung. — Briefe W. von Humboldts 
an die Prinzessin Luise Radziwill, die Tochter des Prinzen Ferdinand von Preussen, 
Mutter der Elise Radziwill, hatte einst Pertz teils veröffentlicht, teils für sein Leben 
Steins benutzt. Was er ungedruckt Hess, 17 französisch geschriebene Briefe aus den 
J. 1810 — 14, hat Gebhardt^*) nach Pertz Abschriften mitgeteilt. Es sind Nachrichten, 
die sich auf das Leben der Hofgesellschaft beziehen, einige geleg-entliche Bemerkung-en 
über Rauch und Schadow, Berichte über die Schlacht bei Brienne und den Wiener 
Kong-ress. ^^) — Das Buch der Gabriele von Bülow^^**) hat, höchst bezeichnender- 
weise, bei englischen Beurteilern ^^^) g-ar keinen Anklang gefunden. Ihnen ist es ein- 
fach langweilig: „an example of the unsuccessful class of biography" nennt es die 
Ac, „disappointing" das Ath. — Auch Leitzmanns Ausgabe der Jugendbriefe Alexander 
von Humboldts ^^) ist mehrfach besprochen worden. — 

Eine ungemein reiche Quelle hat sich uns in dem Briefwechsel J u s t i n u s 
K e r n e r s ^''~?^) , erschlossen. Wir erhalten nun einen genauen Einblick in die 
Bildung- der schwäbischen Dichterschule,, in die poesievolle Zeit 1809 und 10, den 
Kampf gegen die Morgenblättler („diePlattisten"), die Entstehung der „Reiseschatten" 
aus wirklichen Erlebnissen. Kerners Arbeitsweise enthüllt sich uns. Anna 
Tumarkin hat sie an dem Beispiel des „Totengräbers vom Feldberg" hübsch er- 



IV lo: 20.)" 1[M. C. P. Schmidt: ASNS. 28, S. 153/6; F. Muncker: LBlGRPh. 18, S. 48/9.J| - 62) (JBL. 1896 IV Ic: 71.) 
[L. Geiger: FZg. 1897, N. 91 ; DLZ. 1897, S. 76; M. K(och): LCBl. 1897,8.215; 0. Harn. ick: PrJbb. 88, S. 148/9; E. Gnglia: 
Enph. 5, S. 331/2; V. Pollak; ZOG. 49, 8. 332/4; H. Diederichs: BaltMschr. 44"-, S. 197/9.]| - 63) L. Geiger, Briefe v. 
u. an Wilhelm t. Hamboldf : NFPr. N. 11777, 11783. — 64) B. Gehhardt, Aus d. Briefwechsel W. v. Humboldts mit Prinzessin 
Lnise Radziwill: N&S. 86, S. 82-117. — 65) O X W. v. Humboldt, Briefe an e. Freundin. 13. Orig.-Aufl. Mit e. Faks., 
3 Abbild., neuem Vorwort n. Sach- n. Namenregister. L., F. A. Brockhaus. LVIII, 513 S. M. 4,50. |[G. Lotholz: BLU. 
S. 119-21; F. Müller: Gyran. 16, S. 407/8.]] — 65a) O X Gabriele v. Bülow, Tochter Wilhelms v. Humboldt. E. Lebensbild. 
7. Aufl. B., E. S. Mittler & Sohn. 1897. X, 572 S. M. 10,00. ([ALRs. 1897, N. 1.]! (Vgl. JBL. 1893 IV Ic : 23.) — 65b) O 
Gabriele v. Bülow, Daughter of W. v. Huraboidt, a Memoir. Transl. by Clara Nordlinger. London, Smith, Eider and Co. 
460 S. Sh. 16. |[Ac. 52, 8. 28; Ath. 2, S. 189.]! — 66) (JBL. 1896 IV lc:81.) [[L. Geiger: FZg. N. 91 : LCBl. 8. 68/9 
g. Eck: ThLZ. 22. 8. 436/7; 0. F. Walzel: Enph. 5, 8. 569-70; H. Diederichs: BaltMschr. 44«-, 8. 253/5.]| - 67) O (JBL. 
1897 IV 10: 101.) l[Anniv Tumarkin: PrJbb. 93, ,S. If2-'J2.]| - 68) (JBL. 1897 IV 10: 161.) - 69) L. L. Schücking, 



V. Michels, Allgemeines des 18./19. Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. IV^ le:70-t3 

läutert. Von vornherein nimmt Uhland im Kreise der Freunde eine herrschende 
Stellimo- ein. Den Arbeiten Kerners steht er dauernd als kritischer Beirat zur Seite. 
Er erscheint nicht immer liebenswürdig-, manchmal bevormundend, erziehend, aber 
immer tüchtig- und rechtlich. Die Briefe zwischen Uhland und Kerner sind weitaus 
die wichtigsten. Das ganze Verhältnis lässt sich nun klar überschauen. Wir 
sehen, wie die Politik sich störend geltend macht; Kerner erscheint dabei als der 
nachgiebig-ere und vorurteilsfreiere. Mehr und mehr bekommt der Ton der 
Kernerschen Briefe eine schwermütig-sentimentale Färbung-. Mehr und mehr auch 
drängt das Interesse für die Geisterwelt andere Interessen beiseite. Daneben thut 
sich besonders der Hamburger Kreis auf, mit dem Kerner in Beziehungen stand, 
und der sich um Rosa Maria Varnhagen und Amalie Schoppe gruppierte. Die Aus- 
gabe selbst könnte sorgfältig-er gemacht sein. Dass schon g-edruckte Briefe im all- 
g-ejneinen nicht aufgenommen sind, ist zu beklagen. Wie weit der Herausg-eber in 
der Auswahl das rechte Mass getroffen hat, entzieht sich der Beurteilung. Einzelne 
Briefe der letzten Welzheimer Zeit stehen schon unter den Geildörfern! — Als einen 
kleinen Nachtrag kann man die vier anderwärts veröffentlichten Briefe Kerners an 
Levin Schücking*'-*) betrachten. Einer davon (8. Febr. 1844) ist ein hübscher 
melancholisch-stimmungsvoller Brief, sehr charakteristisch für seinen Vf. Die anderen 
aus den J. 1853 — 54 knüpfen an Schückings Artikel über das Tischrücken an und 
führen uns in die mystische Sphäre. — Sieben Briefe von Luise He n sei "^) aus 
den J. 1826—27 anRäss, Professor der Dogmatik und Direktor am Priesterseminar in 
Mainz, den späteren Bischof von Strassbarg, den die Liederdichterin in Wiesbaden 
kennen gelernt hatte, sind fromm und langweilig-. — 

An die Besprechung- des Briefwechsels zwischen N. L e n a u und Emilie 
Reinbeck ^') knüpft Busse allgemeine Betrachtung-en über die merkwürdige 
Schwäche, die gerade bei österreichischen Dichtern so häufig' sei, und das Unter- 
liegen der sittlichen Interessen gegenüber den ästhetischen. Die Vergleichung einer 
Strophe aus Lenaus „Atlantica" mit einer ähnlichen in D. Liliencrons „Abschied und 
Rückkehr" dient der Charakteristik der beiden Dichter, die man doch besser nicht 
in Parallele stellt. — Unter vier Briefen F. G r i 1 1 p a r z e r s ^^^ aus den sechziger 
Jahren an Frau von Kowolovska, die Gräfin von Dubsky (die Mutter der Frau von 
Ebner-Eschenbach), Medizinalrat Preyss und einen unbekannten Adressaten enthält 
einer ein recht absprechendes Urteil über Frey tags „Verlorene Handschrift": der 
Dichter von „Soll und Haben" hat sich nach Grillparzer von den Litterarhistorikern 
verderben lassen. — 

Der grösstenteils bereits früher an verschiedenen Orten veröffentlichte Brief- 
wechsel A. Grüns mit L. A. Frankl liegt nun in Buchform vor "•*). Der Inhalt der 
Briefe selbst ist nicht eben sehr bedeutend, doch hat der Herausgeber sie mit 
grossem Geschick durch fortlaufende Kommentare verbunden und zu sieben Kapiteln: 
„Vormärz und März", ,,Ueber Lenau, Hebbel, Halm und Heine", „Reisen, Persön- 
liches", „Auersperg als Politiker", „Nach Königgrätz", „Das Schillerdenkmal" und 
„Letzte Jahre" geordnet. Ueber die Anfänge der Bekanntschaft bleiben wir im 
Dunkeln. Jedenfalls standen beide Männer, wie ein Brief Grüns an den Maler, 
Radierer und Schriftsteller J. Chr. Reichardt in Rom zeigt, schon 1836 in Beziehungen. 
Der erste Brief Grüns an Frankl bezieht sich auf das im März 1845 im Cottaschen 
Morgenblatt veröffentlichte, wegen der Initialen „N. L." fälschlich dem kranken Lenau 
zugeschriebene Sonett. Lenau ist dann auch in den folgenden Jahren ein Lieb- 
lingsthema der Korrespondenz. Im allgemeinen ist der regsamere Frankl derjenige, 
welcher Neues mitteilt. Er erhält etwa seit 1850 Grün auf dem Laufenden und 
analysiert beispielsweise Hebbels Feuchtersieben-Biographie, erzählt zu seiner Zeit 
von dem Aufsehen, das der „Fechter von Ravenna" machte, rät richtig auf Halm 
als Vf., während Grün, allerdings nur durch lobende Zeitung-snachrichten über den 
Inhalt des Stückes orientiert, diesem ein solches Meisterwerk nicht zutrauen möchte, 
äussert sich auch über Pleines „Romanzero", über Laubes „Böse Zung-en", über die 
Gallmeyer, Ada Christen, Hamerlings Aha-sver, Grillparzers Gedichte und so fort bis 
auf K. E. Franzos „Aus Halbasien". Auch manchen litterarischen Klatsch über- 
mittelt er. Gelegentlich läuft eine gute Grillparzer-Anekdote mit unter (13. Febr. 1874). 
Im Sommer 1855 wurde Grün durch den unerfreulichen Handel Heines mit dem 
Komponisten Dessauer, bei dem sich Heine auf Grüns Zeugnis berief, in Mitleiden- 
schaft gezogen. Mit widerwärtigen Empfindungen wandte er sich von dem Bett des 



4 Briefe Justinus Kerners an Levin Schückiiig: N&S 87, S. 106-18. —70) K. Hoeber, Briefe v. Lnise Hensel an Prof. Räss- 
HPßll. 122, S. 73.5-45. — 71) (JBL. 1896 IV Ic: 116.) |[K. Busse: BLU. S. 641/3; K. Gr.: Ges. 2, S. 279-80; P. Schettler: 
Frau 4, S. 96-101; J. C. Heer: NZnrichZg. 1896, N. 272; Fr. Mayer: ÜLBl. 6, S. 363,6; H. D(iederichs): BaltMscbr. 44«-, 
S. 42/3.11 - 72) 0. Gloasy, Briefe v. Franz Orillpariev: GrillpJb. 8, S. 256-60. — 73) Bruno von Frankl-Hoch wart, 
Briefwechsel zwisclien Anasla»ius Grön u. L. A. Frunlil 1845—76. i'= Aus d. 19. Jh. Briefe u. Aiif/.f-ichnunf»en her. v. K. K. 
Kraiizos. N. \.) L., Concordia, Dtiich, Verlagsanst. 1S97. XI, 402 8. M. 8,00. |[E. Guglia: AZg". 1S97, N. 130; .1. V, 



IV lc:74-78 V. Michels, Allg-emeines des 18./19. Jh.: Memoiron usw. 1897, 1898. 

sterbenden Rpottvog'els. „Bewunderung seines Talentes Hess mich einst Heines Be- 
kanntschaft suchen, innig-e Teilnahme an seinen Leiden Hess mich an seinem 
Schmerzenslag-er ausharren, als andere, verscheucht von der fortschreitenden sitt- 
lichen Zersetzung- und Fäulnis, längst schon fern geblieben waren. Ich will meine 
Ausdauer nicht beklagen, aber ich hätte mir gegenwärtig halten sollen, dass, wenn 
solch ein Götterbild in den Dreck stürzt, es ohne Kotbespritzung für die Umstehenden 
nicht abgeht." 1856 unternahm Frankl eine Reise nach dem Orient, um in Jerusalem 
eine Stiftung für jüdische Kinder ins Leben zu rufen. In den folgenden Jahren 
sandte er mehrmals kleine Andenken an diese Pilgerschaft, so zur Taufe von Grüns 
Sohn Jordanwasser. Ein Brief Grüns aus dem J. 1863 spricht über Hebbels Tod. 
Anderwäi'ts wird Gutzkows Selbstmordversuch verhandelt; Frankl will ihn vornehm- 
lich Nahrungssorgen zuschreiben, Grün widerspricht. Von 1868 — 71 laufen die Unter- 
handlungen über das Wiener Schillerdenkmal. Einen breiten Raum nimmt auch die 
Politik ein. Auch hier schlägt Frankl die Themata an. Von Auerspergs langjähriger parla- 
mentarischer Thätigkeit bekommen wir ein zwar nicht vollständiges, aber doch einiger- 
massen anschauliches Bild. Seinen Höhepunkt erreicht der Briefwechsel nachKöniggrätz. 
Der tiefe patriotische Schmerz erhebt beide Männer über sich. Beide Männer täuschen 
sich nicht einen Augenblick über den völligen, auch moralischen Zusammenbruch. 
„Finis Austriae!" ruft Grün tief erschüttert aus. „Mag nach einer vielleicht sehr 
stürmischen Faulgährung unserer Nationalitäten-Maische endlich einmal ein gesunder 
lebenskräftiger Kern, etwa in Gestalt eines magyarischen Donaureiches sich loslösen, 
unser Oesterreich mit allen seinen herrlichen Anlagen und all den stolzen Hoff- 
nungen, die unsere Liebe daran knüpft, unser liebes altes, aber zugleich verjüngtes 
Oesterreich wird es nimmermehr sein." Die sonstigen Aeussemmgen beider sind von 
Friedjung („Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland" 2, S. 344ff.) bereits ver- 
verwertet. Bemerkenswert ist, dass der Pessimismus bei Grün auch weiterhin anhält. 
So bezeichnet er im J. 1876 das durch einen Liebeshandel hervorgerufene Duell 
zwischen dem 22jährigen Fürsten Wilhelm Auersperg und dem Grafen Leopold 
Kolowrat mit allen begleitenden Umständen als ein neues schauerliches Symptom des 
unaufhaltsamen und unverkennbaren staatlichen und socialen Niedergangs unseres 
Oesterreich.^*"^) — Nicht eben sehr ergiebig sind die von S c h 1 o s s a r"*^) heraus- 
gegebenen Briefe Grüns an Anton Laschan Ritter von Moorland. Anton von Laschan, 
g-eboren 1811 in Laibach, war 1834 Konzeptionspraktikant bei dem damaligen 
illyrischen Gubernium seiner Vaterstadt und hatte eben eine schwere Tvphuskrankheit 
überstanden, „als", so erzählt er selbst, „eines Morgens ein schlanker, hoher 
Mann von dunkelblondem Haar mit einer Brille bei mir eintrat und sich als Anton 
Graf von Auersperg mit dem Bemerken vorstellte, J. G. Seidl habe ihm von mir 
geschrieben und er benutze seine Anwesenheit in Laibach dazu, als Landsmann 
meine persönliche Bekanntschaft zu machen". Da Grün Laschan noch sehr leidend 
fand, lud er ihn auf sein Schloss Thurn am Hart. Als dieser dann zwei Jahre später 
zum Kreisamte im nahen Neustadtl (heute Rudolfswerth in Krain) versetzt wurde, 
verbrachte er öfters genussreiche Stunden an Grüns Herd. Im J. 1848 beginnt 
der Briefwechsel, der einen herzlichen Charakter trägt. Beide Männer wurden als 
Abgeordnete in die Paulskirche gewählt, und Auersperg findet mehrfach Veranlassung, 
auf die politischen Ereig'nisse einzugehen. 1854 äussert er sich in seiner liebens- 
würdigen bescheidenen Art über den ihm verliehenen bayerischen Maximiliansordeii 
mit milder Verurteilung von Uhlands Verhalten. — 

Zwei ausführliche Briefe von J. Ch. vonZedlit z") vom 14. und 30. Jan. 1830 
enthalten die Schilderung seiner Reise nach München und Stuttgart. Ueber Hof 
und Gesellschaft in München äussert Zedlitz sich anerkennend, begeistert über die 
in Wien vielbespöttelten Neuerungen König Ludwigs. Als ehrlich und freiheit- 
lich gesinnter Mann preist er die Münchener Freiheit im Gegensatz zu der 
Wiener Polizeiwirtschaft. Mit dem Minister und Dichter Schenk stellt er 
sich intim ; dagegen erscheint ihm Döllinger als Pfaffenknecht. Die Münchener 
Universität, die Kunstverhältnisse schildert er anschaulich, bewundert die beiden 
Hess und Schwanthalei', spricht über Cornelius und Sohnorrs Kartons zum 
Nibelung'enliede. Wenig Eindruck macht ihm das Theater. König Ludwig will 
den Dichter der „Totenkränze" durchaus kennen lernen und lässt ihn, obwohl 
bettlägerig, zu sich kommen, um sich mit ihm sehr gnädig zu unterhalten und über- 
aus liberale Ansichten über Presse und Censur zu äussern. In Augsburg besucht 
Zedlitz den Fürsten Oettingen-Wallerstein ; in Stuttgart macht er die Bekanntschaft 
von Cotta, Uhland, W. Menzel, Schwab. Sehr gefällt ihm Uhland („es ist eine 

Belfert: ÖLBl. 7. S. 75/9, 159.J| - 74) O X Nach Königgrätz. Mit nngedr. Briefen v. A. Grün n. L. A. Frankl: DDiohtong 21, 
S. 9-12, 47-52. — 75) O X D- Wiener Sohiller-DenVinal. üngedr. Briefe t. A. Grün n. L. A. FranH: ib. S. 68-71, 94/8, 139-42. 
— 76) A. Schi ossär, Politisches t. A. OrDn. Ungedr. Briefe desselben an Anton Laschan Ritter v. Moorland. Auswahl 
nebst Einl. u, beigefügter Erläuterung: DK. Ü2', S. 129-47. - 77j (JBL. lsy7 IV 3:295.) ~ 78) A. v. W e i l'e n , 



V. Michels, Allg-emeines des 18./19. Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. IV Ic:79-39 

schöne innere Beg-eisterung' für alles Grossartig'e in ihm, die sich seltsam und 
ang'enehm mit einem g-ewissen äusseren Phleoma und einer grossen Einlachheit 
kontrastiert"), nach Gebühr G. Schwab („ein pausbackiger, gesunder Schwabe"). 
Aber auch Wolfgang" Menzel findet bei flüchtiger Bekanntschaft seinen Beifall. Als 
einen „unausstehlichen Burschen, voller Anmassungen und niedriger Manieren", 
schildert er den jüngeren Spazier. — 

Von F. Dingelstedts Briefen'^) an Halm aus den Jahren 1844—67 
(dazu ein Brief an Deinhardstein, 30. April 1840) habe ich keinen ganz reinen Ein- 
druck bekommen, obwohl ich mir gegenwärtig gehalten habe, was Roethe JBL. 1890 
IV 1 : 61 und 1891 IV 1: 196/7 über die Beurteilung Dingelstedts bemerkt hat. Hat 
Dingelstedt wirklich Halms „Sampiero" oder „Fechter von Ravenna" so hoch ein- 
geschätzt, wie es den Anschein hat ? Ich gestehe, nicht völlig zu verstehen, was die 
von Halms Hand einem die Angelegenheit des „Fechter" behandelnden Brief auf- 
gesetzte Bemerkung besagen soll : „Ich bitte zu lesen. Ich traue ihm nicht." 
Jedenfalls durchzieht seine Briefe von Anfang an die offen ausgesprochene Hoffnung, 
mit Hülfe des „hochverehrten Gönners" nach Wien zu kommen. Hat das sein 
litterarisches Urteil beeinflusst, und fühlte das auch Halm selbst? In Dingel- 
stedts dramaturgische Thätigkeit in Stuttgart, München, vor allem in Weimar geben 
die Briefe einen guten Einblick. — Sieben neu veröffentlichte Briefe F. Freiligraths"") 
fallen in die Zeit vom Februar 1847 bis zum April 1848. Der Adressat Seidensticker, 
wegen der Teilnahme an der Hannoverschen Revolution von 1831 gefangen gesetzt 
und 1845 exiliert, war Herausgeber des „Philadelphia-Demokraten" und des „Bürger- 
freundes". Freiligrath verschaffte ihm Mitarbeiter in Deutschland und veranstaltete 
von London aus die litterarische Verbindung mit der Heimat. Diese Dinge behandeln 
die Briefe.so-8*) - 

Sehr lebendig' treten uns die Persönlichkeiten F. Hebbels und K. von H o 1 1 e i s 
aus einer Anzahl bisher ungedruckter Briefe*^) der J. 1850 — 54 entgegen. Die 
beiden Männer haben sich 1850 kennen gelernt, als Holtei in Wien Shakespearesche 
Dramen zum Vortrag brachte. Hebbel äussert sich entzückt über den (Jenuss ; 
Holtei freut sich des geistigen Einflusses, den er von Hebbel erfahren. Im weiteren 
Verlauf des Briefwechsels erwägt Holtei verschiedentlich die Möglichkeit, Hebbelsche 
Dramen zum Vortrag zu bringen. Interessant ist sein Urteil über die „Genoveva", 
wobei man sieht, dass die lebhafte Schilderung von der Auftührung des Volks- 
stückes „Genoveva" in den „Vagabunden" (I. Kap. 8) auf persönlichen Erlebnissen 
beruht. Von dem Anfang dieses Romans handelt ein Brief Holteis vom 11. Februar 
1851; über das fertige Werk spricht Hebbel am 7. December 1851 sehr anerkennend. 
Auf Holteis Anregung ist der „Epilog zu Genoveva" zurückzuführen: Hebbel gab 
Holteis Ansicht, dass dem Stück ein xVbschluss fehle, recht. Auch über Hebbels 
„Agnes Bei-nauer" spricht sich Holtei mit gewohnter Offenherzigkeit aus und zieht 
Parallelen zwischen Hebbel und Kleist. — Ein -ziemlich buntes Gemenge bietet 
G r u n w" a 1 d*^) : Briefe, Billets, Schnitzel Verschiedener und von ungleichem Wert 
aus der Campeschen AutogTaphensammlung und Villers Korrespondenz auf der 
Stadtbibliothek zu Hamburg. Darunter sind 10 Briefe von Holtei; 2 an den Ham- 
burger Theaterdirektor F. L. Schmidt 1825 und 1829, auf Aufführungen kleiner 
Holteischer Stücke bezüglich, 5 Billets an Elise Campe 1850 — 57, die sich zum Teil 
um die Autographensammlung drehen, einer an Pauline Brockhaus, einer an Wahl 
(beide undatiert) und ein Gedicht „1815, auf dem Marsche aus Schlesien". Es 
folgen dann 3 Briefe oder Briefteile an Gries (von A. W. Schlegel; Karoline: über 
Schlegels Konflikt mit der Allgemeinen Litteraturzeitung, über Schillers „Glocke"; 
F. A. Wolf), weiter 5 Briefe an Villers von Sartorius, Eichstädt, Reichardt, Lasaulx mit 
Aeusserung-en über Goethe, weiter ein Brief von Ottilie von Goethe an P^uljne Brock- 
haus und endlich noch 17 verschiedene Briefe von den Schlegel, Baggesen, Overbeok, 
Arnold, den beiden Humboldt, der Fürstin Hardenberg und Jacob Grimm. — 

Die Briefe von D. Fr. S t r a u s s**'') werden weiterhin besprochen ; ebenso 
F. Reuter s*^"*'^) Briefe an seinen Vater. '**^) — Eine etwas dürre Lektüre bilden 
J. V. Scheffels Briefe an verschiedene Schweizer Freunde aus den J. 



Briefe F. Dingelstedts an F. Halm: ib. 8, S. 132-33. (Vgl. IV 4:96.) —79) Clara Seidensticker, ünpablished 
letters of Ferdinand Freiligr.itli to Dr. George F. Seidensticker: Americana Germanica 1', S. 74-87. — 80) O X Marcel 
Herwegh, G. Herweghs Briefwechsel mit R. Prutz u. L. Feuerbach. Mit e. Einleit. v. W. Bolin: DDichtang 22, 
S. 25-32, 71-80. 92-104, 123/8. — 81) X (JB!'- 1896 IV lb:96; 1 c : 127.) fÖLBl. 6, S. 267/8; R. B(:itka): Kw. 10, 
S. 167.]| - 82) X 'JBI'. 1896 IV 1 c : 128.) |[G. Kaufmann: DLZ. 1897, S. 1150.]| - 83) O X (i^^- 1897 IV 
3:90.) |[Oettli: ThLB. 21, S. 421;2.]! - 84) O X (JBI^- 1897 IV 3:100.) - 85) (JBL. 1897 IV 4 : 46.) - 86) M. 
G r u n w a 1 d , Briefe v. K. v. Holtei, ans d. Goethekreis, v. J. Grimm, d. Uumboldts, Schlegels, C. F. Kranss, Overbeck usw. : 
N&S. 84, S. 99-11.-). (Vgl. IV 4 : 80.) — 87) (JBL. 1893 IV 1 c : 82; 5 : 407; 5a : 79.) [F. Jodl: Eaph. 5, S. 347-55; ÖLBI. 6, 
S. 262/3; M. Mandl: FZg. N. 195.]| — 88) fJBL. 1896 IV Ic: 126.) i[P. Sandvoss (X a n t h ip p n s) : PrJbb. 91, S. 545-61 ; 
H. Blum: WIDM. 80, S. 265-71.]| — 89) F. Heuter , Briefe an seinen Vater aus d. Schüler-, Studenten- u. Festnngszeit 
(1827-41). Her; v. Dr. V. Kngel. 2 Bde. 2. Aufl. RrHunschweig, Westermann. 1897. VllI, 232 S. ; VIII, 267 S. 



IV lC:9o-)03 V. Michels, Allg-emeines des 18./19. -Ih.: Memoiren usw. 1897, 1898. 

1854—84'''*). Hauptadressaten sind Dössekel, der Arzt Dr. Ehrismann in Brestenberg", 
Rothpletz, Heine, der Leiter des Sängervereins „Harmonie" in Zürich nebst Gattin, 
dazu kommen noch eine Reihe anderer. Ueber die Persönlichkeiten der Adressaten 
orientiert die Einleitung". Die ersten Briefe zeigen Scheffel bemüht um die 
Professur für Litteraturgeschichte am Züricher Polytechnikum, die statt seiner 
Fr. Th. Vischer erhielt. Verschiedene Briefe beziehen sich auf Scheffels Aufenthalt 
in Brestenberg". Sehr nachhaltig wirkt der Aerger über das verleumderische Gerücht 
von seiner Verrücktheit. Wir sehen „Frau Aventiure" entstehen. Dann erhalten 
wir einen Einblick in die stille Häuslichkeit in Seeon. Litterarische Dinge werden 
nicht allzu häufig berührt. Scheffel giebt wohl sein freundliches Urteil über 
Dössekels Gedichte ab oder spricht über Linggs „Völkerwanderung" (S. 137); wir er- 
fahren auch einiges über den Prozess gegen Janke (S. J43). Nur flüchtig" wird der 
Krieg von 1866 berührt: wir sehen wieder, dass Scheffel keinerlei Sympathien für 
Preussen hatten Aeusserungen aus dem J. J870 klingen pessimistisch. — Eine Samm- 
lung Ham e r li n gscher Briefe ^^^ hat mir nicht vorgelegen. Sauer tadelt die 
verzweifelt unzweckmässig-e Anlag"e.'-'3) — 

Ueber den Schlussband von G. Kellers Briefen und Tagebuchblättern ^*-^'^) 
lieg"en mehrfache Besprechungen vor, darunter die schöne und eing'ehende Würdigung" 
von Sauer. Schott bringt als Nachtrag je einen Brief an J. V. Widmann und 
K. Spitteler vom 27. Januar und 8. Oktober 1881 mit sehr anerkennenden Worten 
über Spittelers Epimetheus und Prometheus. — Eine erquickliche Gabe bietet auch 
Erich Schmidt^^): Auszüge aus dem Briefwechsel mit J, Bächtold. Keller 
nahm an den germanistischen Publikationen Bächtolds lebhaften Anteil und verfolgte 
auch Scherers Aufsätze in der DRs. mit Interesse. Auch einen Brief, an Storm über 
den Schluss des „Hadlaub" teilt Seh. anmerkungsweise mit. — 

Seine Besprechung des Briefwechsels zwischen F. Gregorovius und der 
Gräfin Caetani-Lovatelli-*'') hat F. X. Kraus zu einer schönen Huldigung für die 
Gräfin gestaltet. Er schreibt auf Grund persönlicher Bekanntschaft mit beiden und 
macht unter anderem darauf aufmerksam, wie wenig" Greg-orovius trotz seines langen 
Aufenthalls in Rom die katholische Kirche gekannt hat. Marie Herzfeld geht 
darauf aus, die tiefe innere Disharmonie aufzuweisen und zu verstehen, die diese 
ganz aufs Harmonische gestellte Persönlichkeit in den letzten Lebensjahren durch- 
zogen habe. Sie nennt Gregorovius einen „Epigonen von W^eimar", „einer Zeit, die 
alles reine unbefangene Empfinden durch ,, Bildung" zerstört hatte und unvermögend 
war, den Weg durch diese zur Natur zurückzufinden, weil sie die dunkle, heilig-e 
Stimme des Instinktes verachten gelernt hat". — H ü f f e r 0^) erklärt eine vom 
Herausgeber missverstandene Stelle, die übrigens auch Marie Herzfeld richtig 
interpretiert.^^- ^*'<^) — Sechs nicht eben sehr inhaltreiche Briefe F. Nietzsches an 
eine Pariser Freundin aus denJ. 1876—82 hat Li c ht en b e r g e r "") publiziert und 
einleitend Nietzsches eigenartiges Verhalten gegen Frauen erörtert. ^''^^ — 

Die zuletzt genannten Erscheinungen führen schon in die gelehrte Welt, 
in die wir mit dem Briefwechsel J, J. Reiskes völlig eintreten, den nach müh- 
seliger Sammelarbeit mit ITnterstützung- der sächsischen Gesellschaft der Wissen- 
schaften R. Foerster in einem stattlichen Bande von 441 Nummern herausgegeben 
hat"*^). Es ist die feste Grundlage für eine wissenschaftliche Biographie, die wohl 
F. im Auge behält. Namentlich die erste Leipziger Zeit Reiskes mit ihren mannig- 
fachen Leiden und Entbehrungen wird ganz lebendig. Immer stärker wird der Not- 
schrei, den der darbende Gelehrte ertönen lässt. Und als er endlich zu Amt und Brot 
gekommen ist, verbittert ihm „das leidige odium theologicum" das Dasein. „Ohne 
Zweifel", bemerkt freilich Wilamowitz, „hat Reiske sein Geschick zum guten 
Teil verschuldet; er war ohne Erziehung, hitzig und trotzig, unbedacht in seinem 
immer ehrlichen und sachlichen Eifer, und ihm, der mehr griechisch verstand als 
irgend wer auf dem Kontinent, hatten die echtest griechischen Götter, Charis und 
Sophrosyne, nie gelächelt." Immer aber zwingt die Ehrlichkeit seines Charakters, 



M. 4,00. (Titelanfl.) - 90) O X (JBL. 1897 IV 3:125.) |[AZg". 1897, N. 8.]| - 91) (JBL. 1897 lY 3:299.) |[J. V. 
W i d ni a n n : Bund 1897, N. 342.]| — 92) O (JBL. 1897 IV 3 : 310.) |[Enph. 5, S. 423.]| — 93) O X Briefe v. L. Anzengruber 
an P. Eosegger: Heimgarten 20, S. 279-93. — 94) (JBL. 1896 IV 1 c : 130.) |f— s: LCBl. 1897, S. 692/3; J. V. Widmann: 
Nation". 14, S. 196-201; id.: Bund 1897, N. 1, 2, 4 (Feuilleton); SchwKs. 7», S. 73/4; S. Schott: AZg«. 1897, N. 81/2; A. 
Suuer: DLZ. 1897, S. 17-20; E. Zabel: NatZg. 1897, N. 288, 280; 0. Pniower: VossZg"*. 1897, N. 28.]] - 95) O X J- 
Baechtold, Q. Kellers Leben. Seine Briefe u. Tagebücher. 3. Bd. 1861-90. 2. Aufl. B., W. Hertz. 1897. 671 S. 
M. 9,00. (Titelanfl.) — 96) Erich Schmidt, Ans G. Kellers Briefen an J. Bächtold: DRs. 97, S. 136-50. — 97) 
(JBL. 1896 1V lc:90.) |[F. X. Kraus: Dßs. 93, S. 145/9; A. F r (e y) : NZöricherZg. 1897, N. 85; NAnt. 67, S. 565/6; 
M. Baumgiirten: ÜLBl. 6, S. 585/6; S-r: Reichswehr 1896, N. 1011; Marie Herzfeld: Zelf^. 10, S. 58-60.] 
(Vgl. JBL. 1897 IV 5b: 171/3.) — 98) H. Hfiffer, F. Gregorovius: DRs. 93, S. 315. — 99) O X Aus d. Briefwechsel 
zwischen V. Hehn u. G. Berkholz: BaltUschr. 44, S. 39-86, 153-66; 46, S. 361-72, 373-97. - 100) O X J^wei Briefe 
V. G. Berkholz an Edith v. Rahden: ib. 44, S. 304/6. - 101) (JBL. 1897 IV öd: 145.) - 102) O X E. L., Litt.-Briefe an 
e. Freundin: SchwRs. 7', S. 383-92. — 103) O Job. Jacob Reiskes Briefe, her. v. K. Foerster. (= AbhGWLeipzig''ii. 16.) 
L., S. Hirzel. 1897. XVI, 928 S. M. 30,00. |[ü. v. W i 1 u m o w i tz - M o e 1 1 e n d « r f f : DLZ. S. 754/6; S(eyffert); 



V. Michels, Allg-emeines des 18./19. Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. tV ic:i04-iu 

sein ungebrochenes Streben, sein kindliches Gottvertrauen zur Bewunderung. Ein 
Anhang bringt, wie billig, 42 meist bekannte Briefe der Reiskin. „Meine Ehe", 
schreibt Reiske in einem lateinischen Brief an Valckenaer in Leiden, „ist angenehm 
durch die Gemeinsamkeit der Interessen und friedlich, aber kinderlos. Doch rechne 
ich das, was anderen ein Unglück scheinen möchte, mir andererseits auch zum Glück: 
denn ich bin in dem Alter, dass, wenn ich jetzt Kinder zeugte, ich sie nicht bis zum 
Jünglingsalter würde erziehen können. Bei meinem Einkommen aber, das schon 
so kaum für das Notwendigste ausreicht, würde ich verwaisten Kindern allzuwenig' 
zu Schutz und Trutz hinterlassen. Ueberdies könnte meine Frau, wenn sie Kinderchen 
zu warten hätte, nicht mit gleichem Eifer an meinen Arbeiten teilnehmen. So leben 
wir denn in höchster geistiger Gemeinsamkeit, die mit Gottes Hülfe fortdauern 
möge, und so hat meine Frau, frei von anderer Last, Zeit, einen Teil des Tages 
Kollationen für den Demosthenes, weiterhin für Aristides vorzunehmen und drittens 
griechische Autoren ins Deutsche zu übersetzen . . . Nachdem der Tag für derartige 
Arbeiten verbraucht, gehen wir gegen Abend, wenns das Wetter gestattet, 
durch die Vorstadt spazieren" (S. 772J. — Zu dem Briefwechsel des Philologen 
C. B. Hase"^*) giebt jetzt Arnold einen die deutsche Litteratur umfassenden 
„Nominalindex". '*'^) — Den Briefwechsel des um die Erforschung der Musik- 
geschichte so verdienten K. von Winter feld mit Ed. Krüger (1843 — 53)^"^) 
habe ich nicht einsehen können. Der Referent des LCBl. bezeichnet ihn als eines 
derjenigen Dokumente, die uns belegen, „wie weit Goethes Einfluss auf seine Zeit 
eigentlich reicht". — Der Briefwechsel zwischen M. Veit und M. Sachs ^<''') dreht 
sich grösstenteils um Angelegenheiten der Berliner Judengemeinde. Von Interesse 
ist, wenn man absieht von dem allgemeinen kulturhistorischen Interesse, das 
eine solche Publikation immer bietet, für den Litterarhistoriker nur etwa das Urteil 
Veits über Bettina (S. 21), das auch in Geigers „Dichter und Frauen" (JBL. 1896 
IV 1 a: 21) gedruckt ist. — 

Th. Billroths Briefe'*'^) sind in einer neuen, vermehrten, aber auch durch 
Weglassung einiger gleichgültiger Nummern veränderten Auflage erschienen. — 
Andere BriefwechseP*''-'"''^) tragen entweder einen streng wissenschaftlichen Charakter 
oder kommen aus anderen Gründen nicht in Betracht. — 

Wir treten in die Künstler weit mit dem Briefwechsel E. von Steinles, 
den der Sohn des Malers, Alphon s Maria von Steinle, in zwei Bänden mit 
aller Sorg'falt herausgegeben hatii"*). Eine Lebensskizze, ein chronologisches Ver- 
zeichnis der Werke, ein gutes Register, die Reproduktionen einzelner Steinlescher 
Zeichnungen sind beigegeben. Die Briefe sind nicht streng chronologisch, sondern 
nach den Korrespondenten zu Gruppen geordnet. Das ist auch das richtige Verfahren 
einem Leben gegenüber, das so wenig eine fortschreitende Entwicklung darbietet. 
In dem Standpunkt, auf dem Steinle in künstlerischer und religiöser Beziehung stand, als 
er siebzehnjährig im J. 1828 nach Rom kam, trat bis zu seinem Tode, am 18. Sept. 1886, 
eine Veränderung nicht ein. Wie in der Jugend, so ist Ihm im Alter Overbeck der 
teure, unübertreffliche Meister. Alles Ringen und Kämpfen blieb dem frommen, stillen 
Manne fem; auch in der Technik blieb er im wesentlichen auf dem, was er sich in 
raschem Anlauf erworben hatte, stehen. Vielleicht wird man finden, dass er als junger 
Mann etwas unbefangener war. Noch 1828 spricht er von den herrlichen Antiken im 
Vatikan; später steht er aber auf dem Standpunkt, dass diese „Nuditäten" doch auch 
der Kirche in gewissem Sinne zum Nutzen gereicht hätten oder doch hätten gereichen 
können. „Es wird eine Zeit kommen", schreibt er einmal (2, S. 441), „in der den 
Menschen die Schuppen von den Augen fallen werden, welche sich durch die so- 
genannte Renaissance ihnen angesetzt. Sie war das Aufgeben der Pietät und das 
Aufgeben heiliger Ueberlieferung ; es war die durch die Schönheit der Antike ver- 
führte Jugend, eine Art Revolution, in der alles, ja selbst die Päpste mitmachten." 
Anderwärts sucht er sich mit seinem historischen Gewissen durch die Konstruktion 
einer christlichen Renaissance neben der heidnischen abzufinden. Unberührt bleibt 



BPhWS. 18, 8. 52/6; H. Weil: JSav. 1897, S. S78/8.]| — 104) (JBL. 1894 I 4:469; IV lc:72.) |[R. F. Arnold: Emph. 
5, S. 332/5.]| — 105) X (JBL. 1895 IV lc:95.) |[H. Bohatta: ÖLBl. 6, S. 89.)| — 106) O Briefwechsel zwischen 
Karl V. Winterfeld u. Ed. Krüger. Nach d. Originalen mitgeteilt u. mit e. Einl. rersehen v. A. Prof er. L., Seemann. 
LVII, 143 S. Mit 3 Bildn. M. 4,00. |[LCB1. S. 1761.]1 - 107) (JBL. 1897 IV 5a : 89.) |[R. F.: Enph. 5, S. 393; G. 
Karpeles: AZgJndent. 61, S. 572,3.]) - 108) Th. Billroth, Briefe. 4. Aufl. Hannover, Hahn. 1897. XÜ, 627 S. Mit 
3 Bildn. n. 2 Lichtdr.-Taf. M. 12,00. |[NZMu8ik. 93, S. 99; K. Batka: Kw. 10, S. 169-70.JI (Vgl. JBL. 1895 IV 5:212; 

1896 IV lc:82.) — 109) X J- Carriere, Berzelius u. Liebig. Ihre Briefe v. 1831—46 mit erläut. EinBohaltungen ans 
gleichzeitigen Briefen v. Liebig u. Wöhler sowie wissenschaftl. Nachweisen her. mit Unterst&tznng d. kgl. bayr. Ak. d. Wissensch. 
2. (Titel-)Anfl. München, J. F. Lehmann. VIII, 279 S. M. 3,00. (Vgl. JBL. 1893 IV lc:117; 5:450.) — HO) O X J- J- 
Berzelius u. Ch. F. Schönbein, 20 Briefe, gewechselt in d. J. 1836—47, her. t. G. W. A. K a h 1 b a u m. Basel, Schwabe. 
99 S. M. 2,40. — 111) o X (JBL. 1897 IV 5d : 121.) — 112j O X Marie Mendelson, Briefe t. Sophie Kowalewska: 
NDRs. 8, S. 589-64. — 113) O X Nach 40 Jahren. Religionsphilos. Briefwechsel zweier Jugendfreunde (F. Pilgram n. W. Zehnder) 
i» spätester Lebenszeit. L., Akadem. Buchh. (W. Faber). 200 S. M. 3,00. |[J. Reinhard: BLÜ. S. 604/5.] 1 —114) O (JBL. 

1897 I 12:492.) IfLCBl. S. 1494 5; G. Keller: LRs. 23, S. 375/3; H. A Li er: BLU. S. 424 6; KonsMschr. 8. 541/4; HPBll. 

Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeechichte. IX. (4)7 



IV Ic: 115-116 V, Michels, Allgemeines des 18./19. Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. 

er in seinen Gesinnungen von den grossen politischen Ereignissen, die zwei Generationen 
erschüttert hahen. Oder doch nicht ganz unberührt. Sie veranlassen ihn, sich nur 
noch fester an die Ideale anzuklammern, die er einmal ergriffen hat. Die Ereignisse 
von 1866 bewegen den Oesterreicher, der in Frankfurt zu leben genötigt ist, sein 
frommes Erzhaus nur um so wärmer zu lieben. Ueber die EreigTiisse von 1870—71 
fällt kein Wort. Aber wenn er von „dem Kaiser" spricht, so meint er den Kaiser 
von Oesterreich, während Wilhelm I. ihm „der neudeutsche Kaiser" ist, von dem es 
in den bösen Tagen des Kulturkampfs einmal heisst, er habe „aus Dank für seine 
Kriegserfolge auch seine Logenbrüder auf die Kirche losgelassen" (2, S. 423). Solche 
Worte der Verbitterung sind freilich selten, so entschieden Steinle Partei nimmt. 
Vielleicht hat auch der Herausgeber gewisse Schärfen unterdrückt. Der Besuch des 
Kronprinzen Rudolf in Berlin im J. 1878 verursacht ihm tiefen Kummer. „Kaum je", 
schreibt er, „war ich von solcher Betrübnis über die Zustände Oesterreichs erfüllt, als 
in den letzten. Monaten. Wie aber soll das anders sein, so lange man seine schlimmsten 
Feinde als Freunde ansieht, ihre Falschheit nicht erkennt und sich von ihnen gängeln 
lässt." Selbst Kleinigkeiten scheinen ihm nun bedeutsam, und als ein Zeichen der 
Zeit betrachtet er es, dass der österreichische Hof nicht mehr mit sechs Schimmeln 
fährt. Immerhin findet er Oesterreich zu beneiden im Vergleich zum Deutschen Reich: 
„Ist es doch fast schauerlich, wie die Schöpfung und der Schöpfer des neuen Deutschen 
Reichs bereits vor dem letzten Abgrund der Vernichtung stehen. Allein da ist man 
auf Wegen gegangen, vor denen sich Oesterreich doch stets bewahrt hat . . ." (2, S, 449) 
Hat Steinle in jüngeren Jahren durch den Brentano- Willem ersehen Kreis eine, wenn 
auch schwache, Fühlung mit Goethe, so lernt er im hohen Alter viel aus Baumgartners 
„Lehr- und Wanderjahre Goethes" und bemerkt: „Welche Superiorität hat dieser 
Pater der Gesellschaft Jesu über den vergötterten Goethe !" (2, S. 458) Der erste Band 
enthält den Briefwechsel mit dem Vater, dem treuen Malgenossen Joseph Tunner, 
Briefe von Johannes und Flora Veit, dann den Briefwechsel mit Overbeck, Bethmann- 
HoUweg, dem Frankfurter Rat J. F. Schlosser und Frau und mit W. Molitor. Der zweite 
Band bietet für den Litterarhistoriker am meisten des Interessanten. Da ist vor allem 
die Korrespondenz mit Clemens Brentano, seiner Schwägerin Toni und deren Tochter 
Frau Josephine Brentano, der sich die mit den Brentano-Biographen Diel und Kreiten 
gewechselten Briefe anschliessen. Dann folgt die Korrespondenz mit der Berner 
Malerin Emilie Lindner, mit August Reichensperger und mit dem österreichischen 
Baron Adolf von Brenner, einem langjährigen Mitarbeiter Metternichs. Clemens Brentano 
lernte Steinle 1837 in München auf der Rückreise von Köln nach Wien kennen. Das 
originelle Zusammentreffen hat er selbst beschrieben. „Welch reiches Leben sich mir 
in dieser Bekanntschaft erschlossen," fügt er hinzu, „wieviel ich von dem ausserordent- 
lich reichen Geiste des älteren Freundes gewonnen, könnte dieses Blatt nicht fassen. 
Clemens hat meinen Glauben gestärkt und mich in das Wesen unserer heiligen 
Kirche eingeführt, wie es kaum ein anderer Lehrer vermocht hätte." (2, S. 6.) Wir 
ersehen aus den Bi-iefen, wie der sechzigjährige C. Brentano den um ein Menschen- 
alter jüngeren Mann in seiner moralischen Richtung befestigt und verschiedentlich 
Zeichnungen zu seinen Gedichten in Auftrag giebt. Stilistisch haben Brentanos Briefe 
an Steinle wie alle seine frommen Altersbriefe etwas Verschwimmendes. Ein eigen- 
tümlicher Brief über die Münchener Kunst, richtiger gesagt eine echt Brentanosche 
Phantasie über Cornelius, ist darunter. Interessant sind einige Bemerkungen über 
Bettina. Auf eine freimütige Warnung vor der geistreichen, ungezügelten Schwester 
schreibt Clemens am 26. Mai 1839: „Sie hätten mich treffender gewarnt, wenn Sie 
geschrieben hätten: Sollte Frau von A.rnim nach München kommen, so seien Sie nicht 
viel bei ihr, weil Sie sonst gar zu müde und traurig werden! Schon vor 30 Jahren, 
Liebster, habe ich dort die Abschiedsthränen geweint! — Ich bin nicht so grün, als 
Sie glauben ! . . ." (2, S. 26) In einem späteren Brief (2, S. 33) kommt er auf den rührenden 
Gesang, den Bettina in ihrer Jugend besessen habe. 1840 (15. März bis 13. April) 
schreibt er dem Freunde, er könne nicht umhin, „die Bettina für die edelste, gütigste, 
wahrste, vollkommenste Natur" unter allen Nachkommen seiner Eltern zu erkennen, 
„ausser, in einer freilich viel glücklicheren Richtung', die liebe Sophie Schweitzer" 
(2, S. 63). Steinle und die durch Brentano bekehrte Emilie Lindner gaben die Hoffnung 
auf Bettinens Rekatholisierung nie ganz auf (2, S. 16). Durch Clemens kam er in 
Frankfurt mit Antonie Brentano in Beziehung, über die der Herausgeber auch aus 
eigener Erinnerung berichten kann. Einem ihrer Briefe sind ein paar bislang nicht 
publizierte Verse Clemens Brentanos — eine abscheuliche „Christianisierung" von 
„Goethes Nachtlied", beigegeben (2, S. 104). — 

Von den zahlreichen Musik erb riefen i^^^'^oj jg^ jjjjj. nichts zugegangen. — 

121, 8. 40—53; A. Baumgartner: StML. 55, S. 539.55.]| — 115) O X F- Mendelsgohn-Bartholdy, Briefe aus d. J. 1839-47. 
Her. V. P. B. C. Mendelssohn-Bar tholdy. Billige Ausg. 7. Au«. 2 Bde. I,.. H. Mendelssohn, VIIJ, 267 .S.; IV, 
349 S. M. 6,00. - 116) O X ^- Uensel, IX Kaiuilie Mendelssohn. 1729 - I.S47. Nach Briefen u. Tagel». 9. Anfl. 2 Bde. 



V.Michels, Allg-emeines des 18./19. Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. IV lc:iiv-i40 

Reisebriefe und zwar g-anz verg-nüg-liche von Fr. Ph. Wilmsen^^o), dem 
späteren Predig-er der Berliner Parochialkirche, an seine Eltern beschreiben eine 
1796 unternommene grosse Rundfahrt durch Deutschland. Kulturhistorisch ist wohl 
dies und das von Interesse. Von Nürnberg' heisst es, die Merkwürdigkeiten der 
Stadt und der Reichsfeste seien „sämtlich nicht g-ross, den sog-enannten schönen 
Brunnen etwa ausg-enommen, ein überaus grosses Kunstwerk aus Bronze, welches 
man dreist dem Meisterwerk unseres Schlüter an die Stelle setzen wird". In Stuttgart 
sieht Wilmsen die zerfallende ehemalige Karlsschule, üeber die berühmten Persönlich- 
keiten, die er unterwegs gesehen und aufgesucht, Lavater in Zürich, Lichtenberg, 
Blumenbach in Göttingen usw., hat er nicht allzu viel zu sagen, ^^i-iae^ — 

Tagebücher. In seinem Essay ,,Zur Entwicklungsgeschichte 
des Tagebuchs" betrachtet R. M. M e y e r ^^'') das Tagebuch als einen Spröss- 
ling der Renaissance, dem das 18. Jh. zu voller Entfaltung verholfen habe. Eret 
Herder hat nach ihm das Tagebuch benutzt „als Werkzeug, um die eigene Individualität 
herauszuarbeiten": denn A. von Hallers und Gellerts Aufzeichnungen sind fromme 
Krankenjournale, pietistische Beichtbücher. Den Schritt zur Veröffentlichung habe 
zuerst Lavater 1773 gethan mit Aufzeichnungen, die noch in die Kategorie der 
Beichtbücher gehören. Als „Schatzkammer, als Archiv persönlicher Erlebnisse" habe 
Lichtenberg das Tagebuch betrachtet. M. zeigt dann weiter, wie bald das fingierte 
Tagebuch auftritt. Annette Drostes „Geistliches Jahr" und Schefers „Laienbrevier" 
scheint mir freilich nicht in diesen Zusammenhang zu gehören. Er betont, dass das 
Tagebuch ein immerhin bedenkliches Erziehungsmittel sei, auch in litterarischer 
Hinsicht wegen der allzu bequemen Form, mehr in moralischer, da es zur Un- 
aufrichtigkeit verleitet. Produkte wie das Tagebuch der Marie Baschkirtseff be- 
zeichnen bereits die Decadence der Gattung. — 

Gar nicht gedenkt Meyer in seinen Ausführungen des politischen 
Tagebuchs, das gerade in letzter Zeit eine besondere Bedeutung erlanget hat und 
als Litteraturform in der Hauptsache direkt an die alten Amialen anzuknüpfen sein 
wird. Die Aufzeichnungen des Königs Karl von Rumänien und Th. Bernhardis 
sind wertvolle Vertreter dieser Gattung. Von jenen ist der 3. Band '^^) erschienen, 
der den russisch-türkischen Krieg behandelt. Er giebt ein packendes Bild von den 
Schwierigkeiten, mit denen König Karl zu kämpfen hatte, um seine Selbständigkeit 
zu wahren, bis es ihm durch sehi kluges Verhalten glückte, seiner fürstlichen 
Stellung gemäss, bei Plewna den Oberbefehl über die russisch-rumänische Cernierungs- 
armee zu erhalten. Unter den Beurteilern steht Daniels nicht an, das Werk als 
„wertvollen Schatz der Nationallitteratur" zu bezeichnen. Er greift bei der Besprechung 
auf die beiden ersten Bände zurück und sucht die Aufzeichnungen über die Hohen- 
zollernsche Kandidatur in Spanien (1870) ^für die Beurteilung der Bismarckschen 
Politik gegenüber Frankreich zu verwerten! Derartigen Spekulationen entziehen in- 
zwischen Bismarcks unzweideutige Aeusserungen' in seinen Memoiren den Boden. — 
Natürlich haben König Karls Aufzeichnungen für die Drucklegung eine stärkere 
Ueberarbeitung erfahren als die T h. von Bernhardis. Es liegen nun der 
sechste ^'^^) und siebente *^") Band in Buchform vor. Namentlich für den italienisch- 



B., Behr. XV, 383 S.; VH. 400 S. Mit 8 Portrr. gez. v. W. Hensel. M. 12,00. — 117) O X ßriete d. Prof. Kühnstedt an L. Spohr: 
Urania 54, S. 7-31. — 118) OXO. Lessmann, 0. Nikolais Briefe an seinen Vater: NDRs. S, S. 42-59, 155-78, 268-83, 382-95. 

— 119) O X Kob. Schumann, Jugendbriefe (nach d. Orig. mitgeteilt t. C 1 a r a S c h n m a n n). 3. Aufl. L., Breitkopf & Härtel. 
IV, 315 S. M. 6,00. (Zuerst 1886 erschienen.) — 120) O XK. Heckel, Briefe R. Wagners an E. Heckel: NDRs. 9, S. 36-63, 
161-73, 263-85, 376-95. — 121) O X 'd., R. Wagners Briefe an E. Heckel. B., S. Fischer. 170 S. M. 3,50. - 122) O X 
A.'Heintz, Ans Briefen B. Wagners an Wesendonck: AMusikZg. 24, S. 97/9, 113/4, 129-30, 145/7, 161/2, 177/8, 193/4, 428/9, 
454/5, 46.5/7, 481/2, 495/6, 507/8. — 123) O X E- Wagners Briefe an 0. Wesendonck, her. y. A. H e i n t z Charlottenbnrg, 
Verl. d. AMusikZg. m, 98 S. M. 2,40. — 124) O X E- Kastner, Briefe y. R. Wagner an seine Zeitgenossen. 
1830 — 83. Zusammengestellt, chrono), geordnet, mit biogr. Notizen über d. Adressaten. B., Lieproanssohn. X, 138 S. M. 5,00. 

— 125) O X R- Wagner, Letters to A. Röckel. Transl. by Eleanor C. Sellar. London, Arrowsmith. 178 S. Sh. 2/6. — 126) 
O X F- Liszt n. H. T. Bülow, Briefwechsel. Her. v. L a M a r a. L., Breitkopf & Härtel. VIII, 426 S. M. 6,00. — 127) X 
(JBL. 1896 IV lc:107.) |[F. S p i r o : DLZ. 1897, S. 43/5.] 1 — 128) O X Hans v. Bülow, Briefe u. Schriften. Her. v. 
Jtarie T. Bölow. 4. Bd. : Briefe 3. Bd. (1855-64.) L., Breitkopf & Härtel. XVIII, 650 S. Mit 2 Bildniss. M. 7,00. 
|[C. Krebs: DRs. 97, S. ,295-302.]| (Vgl. JBL. 1896 I 13 : 309-10.) — 129) O X Briefe hervorragender Zeitgenossen an F. Liszt: 
Signale 55, S. 593/4. - 130) E. Reise vor 100 J.: Protestant 1, S. 385,9, 403/5, 417-22, 439-42, 454/3, 470/2, 490/2, .504/9, 522/4, 
553/5, 573/5, 594/5, 618-20. — 131) O X F Bayer, Reisebriefe v. Berlin nach Uanzig aus d. Sept. 1807: Bär 24, S. 318-21, 
3301, 344/6. — 132) O X L. v. Schröder, Ans W. v. Dittmars Reisebriefen an seine Eltern: BaltMschr. 44", S. 213-42, 
261-90. (Vgl. JBL. 1896 IV lc:131.) — 133) O X ö. »^- Berzeviczy, Aus d. Lehr- u. Wanderj. e. ungar. Edelmannes im 
vorigen Jh. Briefe an seine Mutter aus Deutschland, Frankreich u. England in d. J. 1784—87. Her. u. eingel. v. A. v. B e r z e - 
v i c z y. L., (i. H. Meyer. IV, 72 S. Mit Bildn. M. 3,00. — 134) O X K. v. Hase, Erinnerungen an Italien in Briefen an d. 
künftige Geliebte. L., Breitkopf & Härtel. III, 272 S. Mit Bildn. M. 4,00. — 135) X M. Ozerny, Reisebriefe aus d. franz. 
Mittelmeer-Kolonien: DR. 22^ S. 359-67. — 136) O X (JBL. 1897 IV 5a: 51.) - 137) R. M. Meyer, Z. Entwicklangs- 
gescb. d. Tagebuchs: Cosmopolis 10, S. 856-73. — 138) Ans d. Leben König Karls v. Rumänien. Aufzeichnungen e. 
Augenzeugen. 3. Bd. St., Cotta. 1897. IV, 502 S. M. 8,00. |[M. Philippson: Nation". 14, S. 606/8; G. Winter: 
BLU. 1897, S. 822/3; E. Daniels: PrJbb. 92, S. 272-98.JI — 139) O (JBL. 1897 IV 5a : 86.) |[H. Kohl: BLÜ. S. 308-11; 
0. Harnack: HZ. 80, S. 144/5; H. v. Petersdorff: FBPG. 10, S. 452/3; H. D (i e d e r i ch s): BaltMschr. 44^, S. 193/5.j( 

— 140) O Dass. 7 T.: D. Krieg 1866 gegen Oesterreich u. seine unmittelbaren Folgen. Tagebnchbll. aus d. .L 1866 u. 67. 
li., S. Hirzel. 1S97. XIV. 373 S. M. 8,00. |[E. Daniels: PrJbb. 91, S. 476-99; H. Kohl: BLU. S. 177-31; H. v. Petersdorff: 

(4)7* 



lVlC:Ui-i54 V.Michels, Allg-eraeines des 18./19. Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. 

österreichischen Krieg* 1866 erfahren wir durch Bernhardi eine Menge geschichtlich 
interessante Einzelheiten. Usedom tritt in ein sehr ungünstiges Licht. Er gefährdete 
direkt die preussische Politik und gab den diplomatischen Verhandlungen einen 
Schein der Zweideutigkeit. Ausserordentlich lebendig erscheinen der re galantuomo, 
der unfähige und intrigante La Marraora, der ernste und zielbewusste Ricasoli, der 
leidenschaftliche Visconti- Venosta usw. usw. Bei der Besprechung beider Bände hat 
namentlich von Petersdorff es darauf abgesehen, Bernhardi selbst schärfer zu 
charakterisieren. Er macht darauf aufmerksam, wie Bernhardis Missionen einen 
unmittelbaren praktischen Erfolg in der Regel nicht hatten. So wertvolle Beobachtungen 
er zu machen im stände war, einen Einfluss auf die Persönlichkeiten, mit denen er 
zu thun hatte, gewann er nicht. Freilich kann man leicht erwidern, dass das wohl 
in den Verhältnissen gelegen habe. Ferner findet er es mit Recht auffällig, dass 
Bismarck Bernhardi im J. 1866 über die Operationen in Böhmen völlig im Unklaren 
gelassen und ihm dadurch die Aufgabe im italienischen Hauptquartier sehr erschwert 
habe. Er vermutet, Bismarck habe wohl Bernhardis lehrhafte Breite gefürchtet. 
Aber auch hier mögen die Ursachen anderwärts zu suchen sein. Mit Fug und 
Recht betont übrigens P. (wie ähnlich andere Beurteiler), dass der scharfe Blick 
Bernhardis für alles Wesentliche sich darin zeige, dass seine Aufzeichnungen nirgends 
wertlosen Klatsch zu Tage fördern. i4i 144-) — y>[q Tagebuchaufzeichnungen J. F. 
von Schultes '*^) betreffen erstens Kardinal Hohenlohe, dem Seh. eine gute Bildung, 
eine löbliche Bescheidenheit, eine nicht ganz zuverlässige Liebenswürdigkeit, eine 
nicht hervorragende Befähigung, einen grossen Mangel an Kritik, insbesondere an 
Menschenkenntnis zuschreibt; zweitens die oberrheinische Kirchenprovinz im J, 1854 
und drittens das kirchliche und religiöse Leben in Rom und Italien, i''-^"^*^'') — 

Unter den Kriegstagebüchern, denen ja der 7. Band Bernhardis 
schon zugerechnet werden kann, sind die Aufzeichnungen zu nennen, die ChasteU''^), 
Lektor an der Universität Giessen, während der französischen Okkupation im J. 1 795 
gemacht hat. Er war in dieser Zeit Sekretär des französischen Kommandanten Yven 
und machte sich durch seine geschickte und uneigennützige Vermittlung um Stadt 
und Land verdient. — Verwandter Art sind die Aufzeichnungen, die Wächter'*^), 
Profess im ehemaligen Reichsstift Salem, als Kommissar zu Öberach während der 
Truppendurchzüge 1795 und 1799 gemacht hat. — Als Tagebuch bezeichnet auch 
der Herausgeber die Aufzeichnungen von J. Chr. Hoff über die Schlacht bei Lübeck ^''•^). 
In Wahrheit scheint es sich um eine erheblich spätere Relation zu handeln. Hoff 
stammte aus Gotha, war 1806 preussischer Leutnant, suchte sich nach der Niederlage 
bei Auerstädt seinen Weg zu den Trümmern des preussischen Heeres, wurde in der 
Schlacht bei Lübeck verwundet und fand freundliche Aufnahme in einem Bürgerhaus. 
(Er starb als Thurn- und Taxisscher General-Postdirektionsrat in Frankfurt am Main.) 
Für den Litterarhistoriker ist aus derartigen Aufzeichnungen freilich wenig zu 
lernen. ^50-151^ — Seine während des Krieges von 1870 geführten Tag'ebücher hat 
Cahn ^^2) in Druck gegeben. Er war vor dem Kriege bayerischer Gesandtschaftskanzler 
gewesen und wurde während des Feldzugs der mit dem Schutze der bayerischen und 
badischen Staatsangehörig^en betrauten schweizerischen Gesandtschaft in Paris bei- 
gegeben. Er besass eine Reihe gesellschaftlicher Beziehungen, freilich nicht gerade sehr 
wichtiger Art; aber doch so beschaffen, dass er ab und an auch wohl einen Blick hinter 
die Coulissen zu werfen im stände war. Mit Cremieux, dem Mitgliede der revolutionären 
Regierung, stand er sogar auf ganz freundschaftlichem Fusse. Bietet er nicht eben 
besonders Neues und Wertvolles, so giebt er doch recht anschauliche Stimmungs- 
bilder. Zeitungsartikel, Passierscheine und ähnliche Dokumente sind in Facsimiles 
beigegeben. — 

Unter den Reisetagebüchern sind einige auch für den Litterar- 
historiker von specieller Bedeutung. Zunächst die kurzen, aber reichhaltigen Auf- 
zeichnungen J. K. La Vaters 1^3) über seinen Aufenthalt in Karlsruhe vom 19. bis 



FBPG. 11, S. 278/9.]| — 141) X Aus d. Tageb. Th. t. Bernhardis V.: DRs. 90, S. 72-95. — 142) O X Ans d. Leben Th. t. 
Bernhardis. 1. T.: Jngenderinnernngen. 2. Aufl. L., S. Hirzel. XIV, 230 S. M. 5,00. (Vgl. JBL. 1893 IV lc:47.) - 143) 
X Th. T. Bernhardis Lebenserinnernngen : Grenzb. 1, S. 552/8. — 144) O X Th. Koedderitz, Aus d. Leben Th. t. Bern- 
hardis: MHL. 25, S. 227/8. — 145) J. v. Schulte, Aus meinen T.igebüchern I/UI: DE. 22', S. 321-34; 22^, S. «4-77. — 
146) O X Ans d. Tageb. KaiFer Wilhelms I. B., H. Steinitz. 1897. III, 72 S. M. 1,00. (Vgl. IV I b : 77.) — 146a) OX J. Gross. 
Kronstädter Chronilenu. Tagebücher: KBlVSbnbgLK. 20, S. 57-64. — 147) E. Heuser, F. Th. Chastels Tageb. ober d. kriegerischen 
Ereignisse in n. um Giessen vom 6. Juli - 18. Sept. 1796: MOberhessGV. 5, S. 61-84; 6, S. 25-69; 7, S. 174-97. (Vgl. IV l b:77.) — 148) 
A. Frhr. t. ROppIin, Tageb. d. Salemischen Eonventualen P. K. Wächter während dessen Anwesenheit zu Ostrach in d. J. I79A 
u. 99. Als Beitr. z. Gesch. d. Reichsstiftes Salem her.: Freiburger DiöcesA. 25, S. 1-70. — 149) P. H., Ans d. Tageb. d. Herrn H. Chr. 
T. Hoff. E. Beitr. z. Gesch. d. Schlacht bei Lfibeclc: MVLObG. 8, S. 33-63. — 150) O X VreA Graf Frankenberg, Kriegs- 
tagebücher T. 1866 u. 1870- 71; her. v. G. Poschin ger. 8. Aufl. St. n. L., Dtsch. Verl.-Anst. 1897. X, 350 S. M. 3,00. |[H. 
Oranier: FBPG. 11, S. 284/5; G. Roloff: MHL. 25, S. 355; NMilitBU. 50, S. 369; 61, S. 258.]| (Vgl. JBL. 1896 IV lc:58/9.) 
— 151) O X H. Retzlaff, Ana meinem Tagebuch. Erlebnisse u. Erinnerungen ans d. dtsch.-franz. Kriege 1870—71. B., 
Mittler & Sohn. 1897. VII. 79 S. mit 23 Abbild, im Text. M. l..')0. — 152) (IH 1 b : 294.) I [Grenzb. 57*, S. 714/5; 
E, D(anielB)i PrJbb. 91, S. 565/T. - l53i (JBL. 1897 IV 8 b : CO.) - 154) (JBL. 1897 IV 1 a : 49; 8b:75.) 1[LCB1. 1897, 



V. Michels, Allg-emoines des IS./IU. Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. IV lc:i54 

22. Juni 1774, in denen mehrere Karlsruher Persönlichkeiten knapp charakterisiert 
sind, im wesentlichen nach ihrer äusseren Erscheinung-. Vom Markgrafen Karl 
Friedrich heisst es z. B.: „Der erste Anblick war markgräflich, etwas trocken, doch 
sog-leich herablassend." Aehnlich urteilte, wie der Herausgeber bemerkt, Fr. Stolberg-. 
Goethes Schwester, Frau Hofrätin Schlosser, wird beschrieben als „eine lang-e, blasse, 
weiss gekleidete, himmlische Erscheinung". Lavater hat mit ihr Grespräche über die 
Eltern, Fräulein von Klettenberg, Frau Griesbach, von Deinet, Freunde in Zürich, 
Passavant, Merck usw. — Eine sehr interessante Quelle in kultur- und litterar- 
historischer Hinsicht bildet sodann das Reisetagebuch des Karlsruher Hof- und 
Stadtvikarius Ch. F. R i n c k ^^*) von 1783—84. Rinck wurde vom Markgrafen Karl 
Friedrich auf eine grosse Bildungsreise geschickt und hat mit raschem, keckem Urteil 
seine Beobachtungen sorgfältig aufgezeichnet. Er begiebt sich zunächst nach Zürich, 
um vor allen Dingen Lavater und die dortigen Grössen kennen zu lernen. Er geht 
fleissig in die Kirche und macht sich Aufzeichnungen über ihre Predigtart. Lavater 
giebt ihm seine Aufzeichnung-en über Wasers letzte Stunden in die Hände. Daneben 
sucht er Land und Leute kennen zu lernen. Die Züricher Schulnöte machen ihm 
einen tiefen Eindruck. Er macht Exkursionen in die Umgegend, so nach Maria- 
Einsiedeln. Auf der Weiterreise besucht er den philosophischen Bauer Kleinjogg 
(Jakob Gujer von Wermatswil auf dem Katzenrütihof), der ihm arg missfällt (S. 36). 
Missbillig'ende Bemerkungen des Greises über den Sonntag veranlassen ihn zu der 
Bemerkung: „Der alte Sünder! Er nimmt durchaus keine Gründe an." Sehr 
imponiert ihm der Rheinfall. Dann kommt er nach Tübingen und Stuttgart. Aus- 
führlich berichtet er über einen Besuch der Hohen Karlsschule, wo er nicht viel Gutes be- 
merkt : „ein gewisser knechtischer Geist ruht auf allen Mienen" (S. 43). Viel günstigeren 
Eindruck macht ihm später die Berliner Kadettenschule (S. 143). In Hohenasperg 
versucht er vergebens, Schubart zu sehen. In Nürnberg geht er in die Lorenzkirche, 
findet aber „nicht viel Sehenswürdiges darin, als einige gemalte Scheiben" (S. 45). 
An der Stadt hat er auch nicht eben viel mehr bemerkt, als dass sie „regelmässiger" 
sei als Basel oder Strassburg, auch „alles neuer und schöner", dass die Pegnitz „ein 
angenehmer Fluss" sei und dass es „schöne Brunnen und grosse Plätze" g'ebe. Das 
Schloss ist nach ihm „sehr alt und enthält nichts Seltenes". Unter anderm besucht 
er den Konrektor Sattler, sieht Weisses ,,Jean Calas" im Theater, macht einen Aus- 
flug nach Altorf, um die dortigen Gelehrten kennen zu lernen. In der Kirche ärgern 
ihn die mit dem Interim zusammenhängenden Gebräuche. Grosse Aufregung ver- 
ursacht ihm der Besuch, den Gustav III. von Schweden der Stadt machte. In Erlangen 
widern ihn die rohen studentischen Sitten der Ansbacher an, während er später die 
Bayreuther und die Ausländer gesitteter findet. Vom 25. Oktober bis zum 17. November 
hält er sich in Weimar, Erfurt und Jena auf und besucht auch hier alle Berühmt- 
heiten, insbesondere die theologischen. Mit Herder, der ihm sehr gefällt, hat er 
gleich beim ersten Besuch eine halbstündige Unterredung über die beste Art zu 
predigen; später hört er ihn und unterlässt nicht,, die Predigt nach Inhalt und 
Vortragsweise aufs eingehendste zu charakterisieren. Ist es ihm auch nicht 
eine theologisch christliche Predigt im strengsten Sinne, so bezaubert ihn doch 
Herders Vortragsweise (S. 71). Ein zweites Mal bemerkt er freilich, dass Herder zu 
leise spricht und infolge dessen nur ein kleines und wenig aufmerksames Publikum 
hat (S. 84). Frau Herder findet er „ziemlich jung, schön, witzig, etwas satirisch, ge- 
lehrt, oft ein wenig affektiert". Wieland lernt er im Klub kennen, wundert sich über 
seinen Spieleifer, plaudert mit ihm über Staatseinrichtungen. Als er ihn aufsucht 
und ihn Wieland gütig aufg-enommen, dankt er ihm zunächst für die „Empfindungen 
eines Christen" und den ,,Oberon", worauf Wieland wohl nicht gut etwas anderes 
erwidern konnte, als, es freue ihn, wenn erstere etwas Gutes stifteten. Nachdem 
sich Wieland in aufklärerischem Sinne über Religion geäussert, wird Rinck mit 
Empfehlungen an Ramler und Mendelssohn entlassen. „Höflich, doch mit der Miene 
eines Gnädigen" empfängt ihn Goethe. „Sein Ansehen ist gar nicht einnehmend, 
seine Miene mehr fein und listig, als leutselig" (S. 72). Er hört viel Weimarer 
Klatsch und namentlich über Goethe von verschiedenen Seiten medisieren, was ihm 
doch Eindruck macht. Er geht in die Opera buffa und wundert sich, dass in der 
Stadt Goethes und Wielands der Hanswurst seine Zoten reisst, und dass der Wirt 
zum Erbprinzen als Lieblingslektüre den Dr. Faust iiest. Er hört auch in einem 
Konzert eine sehr schöne Sängerin, wahrscheinlich Corona Schröter, findet sie als 
Sängerin „sehr mittelmässig , doch etwas schmachtend" und lässt sich allerhand 
Nachteiliges von ihr erzählen (S. 71). In Jena hat er auch Gelegenheit, einer 
schauerlichen Scene beizuwohnen, der Erdrosselung und Verbrennung eines Brand- 



S. 723/4; K. Bendiien: ThLBl. 18, S. 472; H. Funok: Euph. 4, S. 634/5; J. Weitbrecht: DEBU. 22, S. 175-97: 
K. Obser: ZGOKh. 51, S. 184; Q. S t e i n h :i n 8 e n: ZDKG. 4, «. 463/4; D. U. B.: ThLB. 20, S. 198/4; H. Diederichs: 



IV Ic: 155-160 V. Michels, Allgemeines des 18./19. Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. 

Stifters auf dem Marktplatz (S. 79 ff.)- Man thut gut, sich gelegentlich daran zu 
erinnern, wie doch noch manches Stück Mittelalter in das Zeitalter der „Iphigenie" 
hineinragte. In Leipzig besucht Rinck unter anderen Berühmtheiten auch Oeser 
(„ein guter, alter, etwas einfältiger Mann") und Chr. F. Weisse, den er weit über 
Goethe stellt (S. 92). Da begreift sich, wenn man bei anderer Gelegenheit den Ein- 
trag findet, Goethe habe dem jungen Jerusalem und zugleich sich selbst im „Werther" 
eine Schandsäule errichtet. In Halle hört er ein Kolleg bei Bahrdt und macht ihm 
dann einen Besuch. Ebenso geht er zu Joh. R. Forster, dem grossen Sammler, der 
sich ängstlich erkundigt, was die Welt von ihm halte, und zu dem Synonymiker Eber- 
hardt. Den schlechtesten Eindruck macht ihm bei der Weiterreise in Dessau anfangs 
Basedow, von dessen Lebenswandel er die abschreckendste Beschreibung giebt und 
bei dem er Ehrenprädikate wie „ein volles Schwein", „der elende Professor Basedow", 
„der alte Sünder" nicht spart. Als er ihn nüchtern antrifft, findet er doch auch tiefe 
Einsichten über Erziehungswesen. Weit besser gefällt ihm Salzmann. Als er der 
Fürstin aufwarten darf, geniesst er „eine der seligsten Stunden seines Lebens". 
Berlin erscheint ihm als ein Konvolut von Städten, bei näherem Zusehen findet er 
freilich auch manches kleinstädtisch und thut überdies tiefe Einblicke in das Sitten- 
leben. Er sieht — ein grosser Moment — den König am 1. Januar, sucht auch 
Potsdam auf und bildet sich sein Urteil über die Nicolai, Ramler, Mendelssohn, 
Moritz, J. J. Engel, Teller, Spalding usw. W^eiter geht die Fahrt über Magdeburg, 
Klosterbergen, Helmstedt, in dessen Gegend er einen Postunfall erleidet, nach 
Braunschweig und Wolfenbüttel: Ebert und der Abt Jerusalem werden charakterisiert; 
dann nach Hamburg. Hier missfällt ihm das materielle Leben. Die Prediger 
interessieren ihn natürlich auch hier am meisten; viel spricht man über Goezes 
Streitsucht. Klopstock nimmt ihn sehr ungeniert auf: ,,er ist im Haus sehr schlecht 
gekleidet, hat zwei Schlafröcke über einander an, eine weisse, ganz schmutzige Mütze 
auf (S. 179). Dennoch macht er ihm gewaltigen Eindruck. Er unterhält sich mit 
ihm über Religion, wo ihn freilich Klopstocks Ansichten nicht recht befriedigen, und 
über Grammatik. Mit Entzücken hört er ihn vorlesen : „er reisst das Herz des 
Zuhörers mit sich fort, wenn er liest, wie ein Strom den leicht schwimmenden 
Nachen". Auch Mathias Claudius in Wandsbeck sucht er auf. lieber Hannover 
geht er nach Hildesheim. In Göttingen macht der Reisende die Erfahrung, dass den 
dortigen Berühmtheiten derartige Fremdenbesuche schon anfangen lästig zu werden. 
Er wohnt bei Michaelis, Beim ersten Besuch trifft er ihn „betrunken" an und be- 
kommt überhaupt einen so nachteiligen Eindruck von ihm, dass er bedauert, ihn 
kennen gelernt zu haben (S. 197). Am nächsten Tag muss er freilich anerkennen, 
dass seine Vorlesung über die vier Evangelien vortrefflich sei (S. 198). Später findet 
er, dass ihm der berühmte Gelehrte, von dessen Geiz er allerhand hört, zu viel Geld 
für Logis und Beköstigung abgenommen habe. Auch sonst bestehen die Göttinger 
nicht allzu gut. Pütter hat einen elenden Vortrag; aber Schlözers Kolleg ist vor- 
trefflich, und auch persönlich macht dieser Mann einen angenehmen Eindruck; Heyne 
hat sich schlecht vorbereitet. In Kassel fallen ihm die französischen Sitten auf, 
ebenso die vielen Bettler. Ein Knabe läuft ihm nach: „Ich bin eine arme Waise; 
mein Vater ist in Amerika umgekommen!" Von G. Forster hat er schon in Göttingen 
Schändliches gehört und ist geneigt, es zu glauben: „Das Ansehen eines guten 
Gewissens hat er nicht." Von nun an geht es über Marburg, Giessen, Frankfurt, 
Hanau, Mainz, Mannheim, Heidelberg, Speyer verhältnismässig rasch der Heimat zu. 
Zu den Anmerkungen des Herausgebers bringt Obs er eine kleine Korrektur: S. 181 
ist nicht G. L. von Edelsheim, sondern sein Bruder Wilhelm gemeint. Auch der 
Recensent des LCBl. hat einzelnes zu berichtigen und ist mit den Kürzungen, die 
der Herausgeber vorgenommen hat, nicht durchweg einverstanden. *^^) — 

Sonstige Tagebuch er. Die Ausgabe von A. Graf von Platens Tagebuch'^^) 
ist mehrfach besprochen worden; Steig und Koch berichtigen einige Versehen der 
Herausgeber.'^') — Freudig zu begrüssen ist, dass L. Uhlands Tagebuch der J. 1810—20 
jetzt im Druck vorliegt i^**): knappe Aufzeichnungen über seine Thätigkeit und seine 
Lektüre, unentbehrlich für das genauere Studium seiner dichterischen Entwicklung 
und vom Herausgeber und Erich Schmidt bereits für die neue kritische Ausgabe 
der Gedichte nach Gebühr ausgenutzt. ^^^) — Aus den Tagebuchaufzeichnungen des 
Schauspielers Jos. Schmidt hat Glossy^^^) die auf Ferdinand Raimund be- 



BaltMschr. 44^, S. 251/3.J| — 155) XW. Geiger, Tagebnohbll. n.ReiBeerinnerungen: Ceylon. Wiesbaden, Kreidel. XI, 213 S. M.7,60. 
— 156) (JBL. 1896 IV 1 : 48.) |[J. S.: HsmbCorrB. N. 20; A. Müller-Önttenbrn nn: Reichswehr 1896, N. 1016; Grenzb. 56'. 
S. 71-83; AZgB. N. 53; B. Steig: DLZ. S. 132/5; M. K(och): LCBl. S. 177/8; H. Diederichs: BaltMsohr. 44B, S. 262/5.] | -157) 
X (JBL. 1896 IV Ic : 49; 4 : 220.) |[G. Alexis: ÖLBl. 7, S. 364.]| — 158) ühlan.is Taget. 1810-20. Ans d. Dichters h». Nachl. 
her. T. J. Hartmann. Mit e. Bildn. Uhlands nach d. Gem&lde t. Morff ans d. J. 1818. St.» Cotta. VII, 343 S. M. 3,00. — 
159) O X (JBL. 1897 IV 4 : 183.) ||A. B.: LCBl. 1897, S. 1498/9 (geschickt gemacht n. für e. grösseres Publikum hinreichend).]! 
- 160) C. Qlossy, F. Raimund. Ans d. Tageb. d. weil. k. k. Hofschauspielers Jos. Schmidt: QrillpJb. 8, S. 267-74. — 



V.Michels, Allg-emeines des 18./li>. Jh.; Memoiren usw. J897, 18Ü8. IV1c:16M73 

züg-hchen Stellen ausgehoben : Es sind erstens Nachrichten über die Reise, die 
Schmidt 1826 mit Raimund nach Salzburg- g-emacht hat (in romanhafter Art be- 
nutzt von Bäuerle „Ferdinand Raimund"). Auffäüig-erweise beherrschte schon damals 
Raimund die Furcht, von einem tollen Hunde veFgiftet zu werden; die Reise wurde 
wegen eines diese Furcht erregenden Zwischenfalles zu Schmidts Verdruss abgebrochen, 
wofür Raimund dem Enttäuschten später eine Entschädigung zu teil werden Hess. 
Zweitens Bemerkungen über die Aufführungen von „Moisasurs Zauberfluch" und die 
Parodie „Monsieur Asurs sauberer Fluch". Endlich drittens über Raimunds Tod und 
einige begieitende Umstände. Schmidt konnte dem Begräbnis nicht beiwohnen, da 
er keine Gesellschaft fand und einen Wagen für sich allein nicht bezahlen konnte: 
,,mein Leid ist darum nicht minder gross und meiner Thränen Zoll habe ich ihm 
gebracht." — Tagebuchaufzeichnungen R. H a m e r 1 i n g s aus dem Revolutionsjahr 
]g48i6ij enthalten, soweit sie mir vorgelegen haben, nichts von Bedeutung. '^2 j — 
Die knappen Tagebuchnotizen J. Schnorrs ^^3), deren Veröffentlichung fortgesetzt 
wird, sind beim J. 1855 angelangt und .betreffen hauptsächlich die eigenen künst- 
lerischen Arbeiten dieser Zeit, dann die neue Aufstellung der Dresdener Gallerie und 
die Eröffnung des neuen Museums, i^*'^''^) — 

Denkwürdigkeiten und A u to b i gr a p hi e n '^^-na^ . Poli- 
tische Ereignisse aus der Zeit der französischen Revolution*"*"*''^). 
Die für den Kanton Bern so schreckensreichen Märztage des J. 1798 werden in Er- 
innerung gebracht durch die Aufzeichnungen von Mitgliedern der Berner Familie 
von Mülinen*''^): nämlich 1. des Schultheissen Albrecht von Mülinen (1732—1807), 
der als Mitglied der alten Berner Regierung- von den Franzosen gefangen ge- 
nommen wurde, 2. seines Sohnes des Schultheissen Niki. Fr. von Mülinen (1760—1833), 
der ein oberländisches Infanteriebataillon als Hauptmann kommandierte, persönlich 
gute Zucht hielt und bei seinen Leuten beliebt war, aber von der mangelnden Ober- 
leitung und allgemeinen Disciplinlosigkeit mit ins Verderben gerissen wurde, 3. der 
B>au Margerethe von Graffenried (1772 — 1808), der Stieftochter des unglücklichen, vom 
Pöbel ermordeten Generals Erlach, die ihre Mutter auf gefahrenreicher Flucht ins 
Oberland begleitete. — 

Den letzten Zeiten des heiligen römischen Reiches und der Napo- 
leonischen Z e i t'"'^"*''^) gelten die Denkwürdigkeiten des Grafen Hans 
von Schlitz '"'•*). Graf Schlitz hatte, er weiss selbst nicht recht weshalb, Neigung für 
die diplomatische Carriere und trat 1787 in den preussischen Dienst. Hertzberg 
wollte ihn zuerst für eine geheime Mission nach Konstantinopel benutzen, die er 
hinter dem Rücken und gegen den Willen des Königs ins Werk setzte und deren 
Misslingen den in letzter Stunde damit beauftragten Baron Görne veranlasste, nach 
den griechischen Inseln zu flüchten. Statt dessen kam Graf Schlitz als junger 
Attache nach Wien. Was er über seinen Verkehr mit Damen der dortigen Gesell- 
schaft und überhaupt in Adelskreisen berichtet, ist kulturhistorisch nicht uninteresant. 
Ueber Joseph IL urteilt er einigermassen ungünstig-. 1789 und 90 war Graf Schlitz 
mit dem Grafen Görtz in Regensburg. Den vielgeschmähten Regensburger Reichs- 
tag stellt er in ein verhältnismässig günstiges Licht. Auch hier hatte der gesell- 
schaftliche Ton etwas „kavaliermässiges". Nachdem er dann in Ems und Spaa Erholujig 
gesucht und in Frankfurt der Krönung Leopolds IL beigewohnt hatte, Hess er sich 
in Mecklenburg als Gutsbesitzer nieder und machte hier die Kriegsleiden des J, 1806 
durch. Das Bedürfnis des Herzogs von Mecklenburg-Strelitz, in den Rheinbund ein- 
zutreten, und der Wunsch, dabei womöglich Mecklenburg-Schwerin zuvorzukommen, 
veranlasste ihn zu neuer diplomatischer Thätigkeit. Von 1806 — 8 hielt er sich in Paris 
auf. Er weiss dies und das vom Leben und Treiben am Hofe Napoleons zu berichten. 



161) Ans d. Revointionstageb. K. Humerlings. Bisher unverötfentlichte Bll. März n. April 1848. Mitget. n. kommentiert t. 
M. M. Rabenlechner: Wage 1. .S. 178-80. - 162) O X H. Hansjakob, Im Paradies. Tagebnchbll. Mit e. Ansicht von 
Hofstetten. Heidelberg, G. Weiss. 1897. 313 S. M. 3,80. IIDRs. 93, S. 312/4.]: — 163t Ans J. Schnorrs T-igebnchern : 
DresdnerGBU. 6, S. 14-23, 52 9, 70 1. — 164) O X Joh- Falk, Geheimes Tageb. oder mein Leben vor Gott. Erster Teil 
1818—20. Her. von Dr. Siegmar Schnitze. Halle, Kaeramerer & Co. XXXII, 63 S. M. 1,50. i[K. König: ProtestMh. 2, 
S. 440/2.]| — 165) X (JBL. 1894 IV lc:26; 5:66.) |[A. Döring- ZPbK. 110, S. 143,'8.J| — 166) X (JBL- ^894 IV 5:65.) 
IfA. Döring: ZPhK. 110, S. 149.][ — 167) O X Tageb. d. Grafen Gottb. v. Manteuffel (1783): BaltMsohr". 44, S. 317-36. — 
168) O X 0. Diederichs, Zu d. Tagebnch d. Grafen G. Manteuffel 1783: ib. 46, S. 152/8. — 169) X H. B. Mönch, D. 
Jabilar t. Friedensau n. seine Gedanken über d. christl. Erziehung. Ans d. Tagebuche d. Heimgegangenen znsamroengest. 
Mainz, V. Kirohheira. IV, 233 S. M. 1,30. — 170) O X Epheraeriden d. I«ch Schaohefeth. Ans d. Tageb. e. Einsamen. 
Ausgew. u. erlänt. v. h. Rymarski. Gütersloh, Bertelsmann. XII, 3'22 S.; XVI, 341 S. M. 8,00. — 171) O X Anna v. 
Krosigk, Werner v. Veitheim. E. Lebensgesch. z. Leben. Ana Tageb. u. Briefen zusammengestellt. Bernbnrg, Dornblftth. 
1897. 354 S. M. 8,00. - 172) O X W. Paetow, Selbstbekenntnisse (Autobiographien): NMhLitt. 1, S. 580 6. — 173) Zeit- 
genössische Memoiren: Grenzb. 57', S. 317-23. — 174) X Memoiren d. kgl. preuss. Prinzessin Friederike Sophie Wilhelmine, 
Markgräfin v. Bayreuth, Schwester Friedrichs d. Grossen. Vom J. 1709-42. Von ihr selbst geschr. 10. Aufl. Fortgeführt bis 
z. J. 1758. L.. H. Barsdorf. II, 221, 269 S. mit Bildn. M. 4,00. — 175) O X K. H. v. Heyking, Aus Polens n. Kurlands 
letzten Tagen. Memoiren (1752—96). In dtsch. Bearb. nebst Anm. u. Beil. Her. v. A. Heyking sen. B., J. Rade. 1897. 
III, 501 S. M. 5,00. — 176) (IV 1 b : 128.) - 177) O X Memoires de la Comtesse Potocka (1794-1820). Paris, Plön, Nourrit A Co. 
1897. XXX, 429 ä. IfH. Wnn.: NFPr. 1897, .\. 11706; A. Dresdner: VossZgi*. 1S97, N. 16.]1 - 178) X H- Wnn., D.Gräfin 



IV Ic: 179-182 V. Michels, Allg-emeines des 18./19. Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. 

Obgleich er im g-anzen nicht ungünstig über Napoleon urteilt, verzeichnet doch auch 
er Züge, die Napoleons Plebejernatur verraten. In guten charakteristischen Anek- 
doten, die nicht immer ganz wahr sein werden, liegt die Stärke seiner Erzählungen. 
Die Sittenlosigkeit der napoleonischen Damen scheint auch ihm arg. Nach seinem 
Bericht war Josephine ernstlich in den Erbprinzen von Schwerin verliebt vmd hegte 
den Plan, bei der Scheidung von Napoleon durch Portugal entschädigt zu werden, 
das sie dann dem Schweriner als Heiratsgut zubringen wollte. Auch dem Erfurter 
Fürstentage wohnte Graf Schlitz bei. Der Herausgeber verweist auf eine Stelle in 
Goethes Tagebüchern (3, S. 390), nach der Goethe am 27. Sept. auf einem Hofballe in 
Weimar eine „merkwürdig^e Unterredung mit Herrn Grafen von Schlitz" hatte, „der 
als Mecklenburgischer Gesandter in Paris gewesen "war und eine vollkommen richtige 
Ansicht der Dinge gewonnen hatte". Graf Schlitz selbst bemerkt davon nichts, er 
erzählt nur eine Anekdote von einem russischen General, der, wie er Goethe in 
Erfurt mit dem grossen Annenorden geschmückt sah, ihm gegenüber kopfschüttelnd 
geäussert habe, nun werde dieses Ehrenzeichen bald auch die Dienerschaft zieren 
(S. 140). Dagegen berichtet er zum J. 1814, dass er in Weimar Goethe gesprochen 
habe. Das Gespräch sei u. a. auf Achim von Arnim gekommen, und Goethe 
habe bedauert, ihn durch sein Lob verdorben zu haben; er habe dann den Sinn des 
Grafen Schlitz für Reliquien belobt, ihm seine Autographensammlung gezeigt und 
zum Abschied ein paar Goethesche und Schillersche Autographa geschenkt, darunter 
ungedruckte Xenien (S. 156 ff.). In den Tagebüchern der Weimarer Ausgabe 
(5, S. 118) ist unterm 14./5. Juli 1814 „Graf Schlick"(!) genannt. 1814 reiste Graf 
Schlitz als freiwilliger Diplomat, um Preussen zu dienen, nach Paris und dann nach 
Wien. Er glaubte sich durch König Friedrich Wilhelm III. dazu ermutigt. Aber 
Hardenberg verwertete ihn nicht und hielt ihn von den Verhandlungen fern. Dennoch 
konnte er auch hier manches beobachten und sammelte ein paar die einzelnen Diplomaten 
charakterisierende Anekdoten. In die Tiefe dringt sein Urteil freilich auch hier 
nicht. Humboldt schildert er als den Thätigsten und Ideenreichsten der Diplomaten ; 
aber er fügt hinzu; „Diesem Mann, so reich an einzelnen originellen, auch kühnen 
Ansichten, an Kenntnissen, an Witz, gebricht es aber an Grundsätzen, an Grund- 
empfindungen, und sein Charakter war eigentlich der, keinen Charakter zu haben. 
Er leuchtete, ohne zu erwärmen, und hatte das Misstrauen aller Parteien, selbst das 
des Königs gegen sich" (S. 159). Anderwärts giebt er als Grund für Humboldts 
unsichere Stellung an, dass Friedrich Wilhelm IV. sein Zutrauen „nie einem gewissen 
Grade von Sittenverwilderung (!) schenke". Ueber die Ue herlief er ung der in den 
Anhang aufgenommenen wirklich und angeblich Schillerschen Verse sagt der Heraus- 
geber nichts. — Erlebnisse der Kriegsjahre 1806 — 15, angeblich nach den einem 
ungenannten. Lehrer in einem ungenannten Ort bei Braunschweig in die Feder dik- 
tierten Erzählungen eines gemeinen Soldaten hat Lüders****') mit hübschen 
Illustrationen herausgegeben. Der Erzähler dient beim Regiment des Herzogs von 
Braunschweig, kommt bei Jena gerade zurecht, um in die Flucht verwickelt zu 
werden, tritt dann in die Schar der schwarzen Jäger der Herzogs von Braunschweig- 
Oels, flüchtet nach England und macht in der englisch-deutschen Legion den Krieg 
in Spanien und die Schlacht bei Waterloo mit. Liegt wirklich ein Originalbericht 
zu Grunde, so scheint er, freilich von geschickter Hand, stark überarbeitet zu sein.*^*) 
— Ein ungleich treueres Bild von dem Denken und Fühlen des gemeinen Mannes 
geben die Erinnerungen eines alten Soldaten, die Heigel teilweise herausgegeben 
hat*^2-| Dep Arbeiterssohn Joseph Deifel (1790—1864) hat als bayerischer Soldat an 
den napoleonischen Feldzügen von 1809, 1812, 1813—15 teilgenommen und ver- 
schiedene Aufzeichnungen gemacht, die trotz einer gewissen Ungeläufigkeit des 
Ausdrucks ein urwüchsiges schriftstellerisches Talent verraten. Nicht mit Unrecht 
betont der Herausgeber die volkstümliche, stellenweise an den „Simplicissimus" er- 
innernde Beredsamkeit. Welche Art litterarischer Bildung wir bei Deifel voraus- 
setzen dürfen, verraten nach H.s treffender Beobachtung schon die Titel. Einer- 
seits wirkte auf ihn offenbar die volkstümliche Kalenderlitteratur ein (vgl. „der 
Kriegskalender"); andererseits ist er auch von der mystischen Litteratur nicht 
unbeeinflusst geblieben (vgl. „der grosse Kriegsspiegel," „der Friedensspiegel," „der 
goldene Auszug"). Ein mystischer Zug macht sich mehrfach bemerkbar. Im ganzen 
sind die mannigfaltigen Wechselfälle des Kriegslebens schlicht und anschaulich er- 
zählt. Gelegentlich fällt die scharfe Beobachtungsgabe auf, z. B. in Bezug auf die 
Verschiedenheit der Nationalitäten. Bei aller Abneigung gegen die Franzosen werden 
ihr Nationalstolz und ihr Ehrgefühl gebührend gewürdigt. Eigentümlich ist, wie 

Walewska: NFPr. N. 11709. — 179) (IV Ib : 67.) — 180) Kriegsfahrten v. Jena bis Kelle-AUiance. Erinner, e. Soldaten d. engl.- 
dttob. Legion in Dtechland., England, Portugal, Spanien, FninlcTeiob n. d. Niederlanden. Her. n. illnstr. r. H. Luders. L,, 
VoigtlSnder. 285 8. Mit 125 Abbildungen. M. 9,00. — 181) O X Haars, E. Brannschweiger im russ. Feldzuge t. 1812, 
Erinnerungen, nen her. t. L. Hansel mann. Braunschweig, W. Scholz. 1897. V, VI, 67 S. M. 1,00. — 182) (JBL. 1897 



V.Michels, Allg-emeines des 18./19- Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. TV Ic: 133-193 

bei der scharf ausgesprochenen bayerisch-partikularistischen Denkweise doch auch 
ein national-deutsches Element zur Greltung- kommt. Auf der einen Seite ruft etwa 
Hofers Tod die trockene Bemerkung- hervor: „Was bezweckt der Ungehorsam? üble 
Folgen!" Auf der anderen Seite aber hat der Vf. doch ein feines Gefühl für die 
unwürdige Rolle, die Bayern durch seinen Beitritt zum Rheinbunde spielte. Er erzählt 
eine höchst interessante Episode aus dem Kampf am Berg-Isel und entrüstet sich noch 
in der Erinnerung über die Art, wie Marschall Lefebre die seinem Befehl unterstellten 
Deutschen insultierte. Bei der Verteidigung von Thorn im russischen Feldzug fällt 
die Bemerkung: „Sollen wir uns so was nicht merken und aufschreiben für alle 
Nachkommenschaft : wie gut es die Ausländer mit uns Deutschen meinen und allzeit gemeint 
haben!" Besonders nachdenklich stimmt den Erzähler die Erinnerung an das unver- 
mutete Zusammentreffen mit Napoleon in einem Chausseehaus auf dem Rückzuge 
aus Russland. i83-i84) _ ^[^ echter Preusse und Soldat der alten Zeit war der im 
J. 1844 verstorbene Generalleutnant D. von Malachowski '*^), der in seinem Todesjahre 
anspruchslose Aufzeichnungen über seine Erlebnisse gemacht hat, in einem Stil, den 
ein bissiger Recensent etwas kasinomässig findet. Er stammte aus einer polnischen 
Adelsfamilie, aus der die Brüder 1741 in preussische Dienste übergetreten waren, 
genoss eine Erziehung im Kadettenkorps und der Ecole militaire, wurde 1801 Husar, 
trat 1806 zum Blücherschen Korps, dann in die Dienste des Herzogs Friedrich 
Wilhelm von Braunschweig-Oels und machte 1813 — 14 den Feldzug von Grossbeeren bis 
Paris als Brigadeadjutant bei der Reservekavallerie mit. Einen kleinen für den Litterar- 
historiker pikanten Zug berichtet er aus dem Biwak bei Kerspleben. Als er sich bei 
der scharfen Kälte in einem Haus des Dorfes mit einem alten Kosakenoffizier behag- 
lich eingerichtet hatte, „klopfte es am Fenster; auf unser Rufen öffnete sich die Thür, 
und vor uns stand la Motte-Fouque, der deutsche Barde, indessen durchaus kein 
Recke, sondern ein vor Frost zitterndes kleines Männchen. Nachdem wir uns als 
alte Bekannte lebhaft begrüsst hatten, wurde auch er gestärkt, und bald schliefen 
wir zu dritt auf unserer Streu" (S. 98). 1815—21 war er Flügeladjutant bei Friedrich 
Wilhelm HL, von dessen einfachem, wortkargem, Fremde nicht immer ge- 
winnendem, solidem Wesen er ein sehr sympathisches Bild zeichnet. Auch über 
eine im J. 1818 unternommene Reise nach Petersburg weiss er fesselnd zu be- 
richten. ^^Sa-isTa) _ 

Einen, wie ich einer Besprechung entnehme, als Geschichtsquelle nicht 
unwichtigen Bericht über den Polenaufruhr von 1846 — 48 hat der im J. 1894 quies- 
oierte Präsident des Regierungsbezirks Breslau Frhr. von J un ck er'^^j verfasst. — 
Verwandter Art scheinen die mir ebenfalls unbekannt gebliebenen Erinnerungen 
von Diests'^^) zum J. 1848 zu sein. Während die meisten Recensenten sie als sehr 
wichtig betrachten, wird in der HZ. bemerkt, dass den wichtigsten Inhalt die Papiere 
Bodelschwinghs bilden, die fast alle schon 1889 in der KZg. oder den PrJbb. gedruckt 
und auch von Sybel verwertet seien. — Blinds^^^j Achtundvierziger-Erinnerungen 
sind eine blosse Deklamation gegen die „Bübchen und Wichte", welche die deutsche 
Revolution auf das Treiben von Franzosen, Polen und Juden zurückführen. i"i-i92) _ 

Zu diesen würde dann freilich auch Prinz Kraft zu Hohenlohe- 
Ingelf ingen'^3) gehören, der die Thätigkeit polnischer Agitatoren in Berlin aufs 
Bestimmteste behauptet. Der 1892 verstorbene Prinz Kraft, der jüngste Sohn des 
Herrenhaus- und Ministerpräsidenten Fürsten Adolf, der hochgeschätzte Militärschrift- 
steller, Kommandeur der Artillerie des preussischen Gardekorps im Kriege 1870—71 
und langjährige Generaladjutant Kaiser Wilhelms I., hat seine Erinnerungen 1S81— 83 



I 12 : 428.) — 183) X Leben, Abenteuer n. Reisen Joh Friedrich Voigts, weilund Bärgers, Lohgerbers a. Stadtirachmeisters zu Eisea- 
berg, T. ihm selbst beschrieben. Bearb. u. neu her. t. M. Pfeiffer. Altenburg, St. Geibel. 1897. VIII. 2üöS. M. 2,00. — 184) X J- 
Nettelbeck, Bürger zu Colberg. E. Lebensbeschreibung, v. ihm selbst aufgezeichnet. Her. v. M. Mendheim. (= ÜB. N. 3851/5.) 
L., Fh. Reclam jun. 16". 518 S. mit Portrait n. Plan. M. 1,00. — 185) D- v. Malachowski, Erinnerungen ans d. alten Preussen. Nach 
e. hinterlassenen Autobiogr. bearb. L., Grunow. 1897. VIII, 252 S. M. 2,50. |[P. Holzhausen: AZg". 1897, N. 241 ; Qrenzb. 56», 
S. 437; LCBl. 1897, S. 1674,5; E. Foerster: ChristlWelt. 11, S. 1164.]| — 185a) O X Gräfin Elise t. Bernstorff geb. Gräfin 
V. Dernath. E. Bild aus d. Zeit v. 1789 — 1835. Ans ihren Aufzeichnungen. 3. Aufl. B., E. S. Mittler & Sohn. VIII, 340 S.; 
V, 270 S. M. 11,50. (Vgl. JBL. 1896 IV Ic:46.) — 186) X H. Ulmann, Ueber d. Memoiren d. Fürsten Adam Czartoryski : 
Wlssensch. Beilage z. Vorlesangsrerzeichniss d. ünir. Greifswald. Michaelis 1898. Greifswiild, Druck t. J. Abel. 48 S. — 
187) X^itl^ida V. Meysenbug, Erinnerangen an Mazzini: Cosmopolis 7, S. 821-40. — 187a) O X I^- Lebensabend 
e. Idealistin. Nachtr. zu d. Memoiren e. Idealistin. Mit e. Lichtdruck nach d. Original t. F. t. Lenbach. B., Schuster & 
Loefler. VIII, 475 S. M. 6,00. - 188) O (IV 1 b : 217.) ;[C. C: Grenzb. 57', S. 97-105.J! — 189) O (IV 1 b : 206.) 
KLCBl. 1898, S. 802; HZ. 81, S. 183; E. M ü s e b e o k: MHL. 26, S. 478/9.1] — 190) K. B 1 i n d, Achtundvierziger Erinnerungen : 
NFPr. N. 12009. — 191) O X Jakob Müller, Ans d. Erinnerungen e. Achtundvierzigers. Skizzen aus d. dtsch.-amerikanischen 
Sturm- u. Drangperiode d. 50er Jahre. Cleveland (Ohio). R. Schmidt, Printing 4 Co. M. 4,00. |LTh. B.: NationB. 14, S. 340.|] (In 
Deutschland zu beziehen durch R. Wirth, Frankfurt a. M., Hermannstr. 42.) — 191 a) O X (I V H^ = 2*2.) — 192) X F- Immen- 
hanser. Allerlei 48 er Erinnerungen: Geg. 52, S. 88-91. — 193) O Prinz Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen, Aus 
meinem Leben. 1. Bd. Vom Revolntionsjahr 1848 bis z. Ende d. Kommandos in Wien 1356. Nebst e. Lebensskizze u. d. Bildn. 
d. Vf. B., E. S. Mittler & Sohn. 1897. LIII, 379 S. M. 8,00. |[F. Hoenig: Zeitgeist 1897, N. 49; H. Onoken: DLZ. 
S. 1685-92; LCBl. S. 219-20: Grenzb. 57', S. 339-40; H. Granier: FBPG. 11, S. 268-71; H. D(elbrfick): Pr.Ibb. 91, S. 140; 
Jahresberichte ftlr neuwe dautsche Litteraturgesohiohta. IS. (4)^ 



IV Ic: 194-204 V. Michols, Allgemeines des l8./iy. Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. 

niedergeschrieben. Herausgeber ist der inzwischen auch verstorbene General- 
leutnant z. D. Arved von Teichmann. Es ist zweifellos ein die grosse Masse der 
Memoirenlitteratur hoch überragendes Werk durch die Schärfe der Beobachtung und 
die Frische und Kraft der Darstellung. Diese Vorzüge werden freilich leicht dazu 
führen, den Quellenwert etwas zu überschätzen. Packend anschaulich sind besonders 
die Vorgänge in den Strassen und Kasernen Berlins in den Märztag-en 1848 ge- 
schildert. Prinz Kraft war junger Artillerieleutnant und griff in den Strassenkampf 
unmittelbar ein. Auf die Einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden. Kritik übt 
namentlich Onckens Besprechung, wo betont wird, dass der Autor dort ungenau 
wird, wo er den Kreis der persönlichen Erlebnisse überschreitet. Doch auch ü. 
kommt zu dem Resultat, „dass wir kein Gemälde dieser Zustände besitzen, das mit 
gleicher Lebendigkeit entworfen wäre". Wichtig ist dann die Schilderung, die Prinz 
Kraft von den österreichischen Militär Verhältnissen macht, die er, 1854 als 
preussischer Militärattache nach Wien entsendet, mit allen erlaubten und verbotenen 
Mitteln zu studieren beflissen war. Im Vorbeigehen giebt er vortreffliche historische 
Porträts von Radetzky, Benedek, dem preussischen (xesandten Graf Arnim-Heinrichs- 
dorf usw. Wie ich aus den Besprechungen ersehe, hat übrigens Herm. Grimm Ver- 
anlassung gefunden, in den Zeitungen gegen das von Prinz Kraft kritiklos auf- 
genommene, freilich sehr verbreitete Gerede von der höchst romantischen Art seiner 
Verheiratung mit Gisela von Arnim Einspruch zu erheben. — 

Ein paar Einzelheiten untergeordneter Art wird man aus der Erzählung 
Jenners und einer ungenannten Schleswig-Holsteinerin erfahren. J en n er '''*) 
stammt avis Plön, hat 1848 als Kieler Student an der Insurrektion gegen Dänemark 
teilgenommen und die Gefangenschaft auf der „Dronnfng Maria" durchmachen 
müssen. — Eine ungenannte Vf. ^^^} hat die stürmische Zeit in Adelberg verlebt, wo 
ihr Vater Pastor war. Ihr einziger Bruder fiel als Student bei Bau; der Vater 
wurde drei Wochen lang in Kopenhagen gefangen gehalten. — Etwas bedeutsamer 
sind die in einem eigentümlich sprunghaften Stile geschriebenen Memoiren von 
Asta Heiberg, geb. Gräfin Baudissin, der Gattin des Inder schleswig-holsteinischen 
Bewegung so lebhaft beteiligten Advokaten Heiberg, der Mutter von Hermann 
Heiberg '"8). Auch einige litterarische Erinnerungen sind dabei von Interesse. Die 
Comtesse Baudissin lebte 1853 einige Zeit in Dresden und kam mit dem Tieckschen 
Kreis in Beziehungen ; andererseits war sie mit der Familie von Pogwisch gut bekannt 
und lernte auch die Enkel Goethes kennen, von denen sie einige charakteristische 
Züge berichten kann. — Die Erinnerungen H e n r i c i s ^^'') liegen nun in Buchform 
vor und haben noch zu Auseinandersetzungen mit K. S am w er i98~i9'") Veranlassung' 
gegeben. 200 j — 

Die Erinnerungen des Realschuldirektors Martin ^oi) an den Krieg 
J 870 — 7 1, der als Gemeiner im Regiment 105 bei St. Privat schon verwundet wurde, 
reihen sich der grossen Masse ähnlicher Ereignisse an.202-204j — 

Und so wäre denn die Berichterstattung bis zu der Stelle gelangt, wo das 
weitaus bedeutsamste W^erk der Berichtszeit zu besprechen ist: die „Gedanken und Er- 
innerung'en" des Fürsten Otto von Bismarc k. Nachdem die politische Presse lange 
zuvor über ihr Sein oder Nichtsein debattiert hatte ^o^j, sind sie nicht allzu lange, 
nachdem ihr Vf. die Augen geschlossen hatte, der Oeffentlichkeit übergeben worden^"*»). 
Sie hier in völlig ausreichender Weise zu beleuchten, ist nicht möglich. In den 
mannigfachsten Beziehung-en werden sie auch den Litterarhistoriker zu beschäftigen 
haben. Betrachtet man sie rein als Kunstwerk, so wird man nicht umhin können, 
manche Mängel hervorzuheben. Die Komposition ist eine lockere. Die 23 Kapitel 
des in der vorliegenden Gestalt nicht abgeschlossenen W'erkes fügen sich nicht 
immer fest aneinander. Manche Lücken sind auf bequeme Art durch eingeschaltete 
Briefe, andere gar nicht ausgefüllt. Viele Wiederholungen begegnen. Gewiss in 
der Technik des Buchmachens, obwohl sie ihm durch mancherlei Hilfsarbeiter er- 
leichtert wurde, es zur Perfektion zu bringen, hat Fürst Bismarck in seinem Alter 
nicht mehr den Ehrgeiz gehabt. Aber die Bedeutung eines Litte raturwerks beruht 

V. Z.: KonüMschr. S. 327/8; K. Foss: MHL. 26, 8. 474/7; J. v. H e 1 f e r t : ÖLB. 7, S. 729.]| - 194) Fr. Jenner, Jugend- 
erinnerungen e. alten Schleswig-Holsteiners. Neuwied u. L., Heusers Verlag. 58 S. M. 1,00. — 195) Erinnerungen e. alten 
Schleswig-Holsteinerin. Lübeck, Edm. Schmersahl Nachf. 117 S. M. 2,00. — 196) Asta Heiberg, Erinnerungen aus meinem 
Leben. 2. Auflage. B., C. Heyraanns Verlag in Komm. 1897. XI, 271 S. M. 5,00. IfGrenzb. 57', S. 319-22; F. P o p p e n - 
berg: Frau 5, S. 613/8.]| — 197) Henrici, Lebenserinnernngen e. Schleswig-Holsteiners. St. u. L., Dtsch. Verlagsanst. 
1897. VU, 191 S. M. 3,00. [[P. Ka 1 k o f f : DLZ. 1897, S. 462/4; LCBl. 1897, S. 393; CK: ChristlWelt. 11. S. 197; J. v. 
Helfe rt: ÖLBl. 6, S. 487/8.]l (Vgl. JBL. 1896 IV 1 c : 9.) — 198) id., Kaiser Wilhelm I. u. Bismarck; Herzog Friedrich 
zu Schleswig-Holstein u. Samwer: DR. 2il\ S. 160-78. 280-96. — 199) (IV 1 b : 271.) — 200) X Erinnerungen ans d. 
letzten Tagen e. dtsoh. Fürstentums. V. e. ehemaligen kurhessischen Offizier: Hessenland 12, S. 101/3, 112/4, 124/5. — 
201) Dr. Martins Kriegserinnerungen. Kleine Ausg. Mit d. Porträt d. Autors u. e. Vorw. Her. t. F. B r ü c k e r. Wies- 
baden, R. Bedhtold & Komp. VIII, 219 S. M. 1,50. — 202) O X 3. Verdy du Vernois, With the royal headqnarters in 
1870—71. London, Paul. 284 8. Sh. 10/6. — 203) X F- ▼• K e 1 1 e r , Kriegserinnerungen e. Feldpredigers: Geg. S2, S. 105/8. 
(Referat über B. Rogge „Bei d. Garde".) — 204) O X Th. Funck- Brentan o, Souvenirs de la guerre: NouvR. 111, S. 193-214. 



V. Michels, Alloemeines dos 18./19. Jh.: Memoiren usw. 1897, 1898. IV lc:2ü52or 

auch nicht auf der formalen Vollendung, sondern im letzten Grunde immer auf der 
lebendigen Persönlichkeit, die leiser oder lauter zu uns spricht. Keines Historikers 
Kunst aber wird die unmittelbare Wirkung zu ersetzen vermögen, welche von den 
Erzählungen des gewaltigsten Mannes ausgeht, den die zweite Hälfte des 19. Jh. ge- 
sehen hat. Die urwüchsige Kraft und Klarheit der Darstellungsgabe, die der 
Intensität des Denkens entspricht, zeigt sich kaum hier und da durch die allgewaltige 
Macht des Alters berührt. So anschaulich wie von Bismarck sind manche Vorgänge 
des Jahres 1848 nie erzählt worden. Einzelne Scenen sind von wunderbarer dramatischer 
Lebendigkeit. So das Gespräch Bismarcks mit König Friedrich Wilhelm IV. im 
Schlossparke zu Sanssouci, das durch die Königin Elisabeth unterbrochen wurde, im 
Juni 1848, oder die Fahrt mit König Wilhelm von Jüterbogk nach Berlin im Oktober 
1862 oder auch aus noch späterer Zeit der Zusammenprall mit der Kaiserin Augusta 
an jenem Abende, an dem sie sich blitzenden Auges abwandte und zu ilu'er Um- 
gebung sagte: „Unser allergnädigster Reichskanzler ist heute sehr ungnädig". Wer 
wird auch künftig A. von Werners Bild der Kaiserproklamation zu Versailles betrachten 
können, ohne dass sich vor seinem geistigen Auge das Bild belebte, der greise 
Kaiser die Stufen hinunterschritte, an seinem Kanzler vorbei, um, in diesem grossen 
Augenblicke ihn ignorierend, den Generälen die Hand zu reichen? Der histo- 
rische Quellenwert des Werkes wird nicht leicht überschätzt werden können. Was 
will es sagen, dass die Zahl der „neuen" Details eine nur kleine ist? Die Art und 
Weise, wie ein Mann von Bismarcks geistiger Bedeutung Personen oder politische Zu- 
sammenhänge beurteilt, bleibt unter allen Umständen lehrreich, mag der Historiker auf 
Grund anderer Quellen zu den gleichen Resultaten gelangt sein oder Anlass finden, ihm 
zu widersprechen. Vielleicht ist eher zu befürchten, dass die mächtige Persönlichkeit 
Bismarcks unwillkürlich gerade wahrheitsliebende Historiker in ihre Bahnen zwingt 
und sie nötigt, die Dinge so zu sehen, wie er sie g-esehen hat. Freilich für seine eigenen 
Pläne und Absichten bleibt Bismarck auf alle Fälle der berufenste Interpret. 
An seiner Wahrheitsliebe ist nicht der leiseste Zweifel berechtigt. Wie weit ihm 
sein Temperament immer gestattete, die Dinge richtig zu beurteilen, ist eine andere 
Frage. Dass er oft Bosheiten sah, wo die Unfähigkeit, seinen Einsichten zu folgen, 
vorhanden war, tritt auch in den Memoiren zu Tage. Da es ihm natürlich und 
ein Ausfluss seiner dämonischen Persönlichkeit war, dass er alles unter dem Gesichts- 
punkt des Staatsinteresses betrachtete, und da er vermöge seiner eminenten politischen 
Begal)ung auch stets mit der grössten Klarheit erkannte, was in einer bestimmten 
politischen Situation erforderlich war, so setzt er auch bei anderen unwillkürlich 
diese Fähigkeit bis zu einem gewissen Grade voraus oder doch die Bereitwilligkeit, 
auf das eigene politische Urteil zu verzichten. Immer rechnet er mit den realen 
Faktoren des politischen Lebens, aber solche Spielverderber hasst er gTimmig, 
die nicht aus einer inneren Nötigung heraus, sondern politischen Velleitäten oder 
Doktrinen zu Liebe andere Wege suchen als die seinen. Die Centrumspartei be- 
trachtet er wie eine freilich beklagenswerte Naturerscheinung; gewisse National- 
liberale behandelt er mit unverhohlener Verachtung. Bestimmte politische Rücksichten 
haben bei der Abfassung der xVIemoiren natürlich gewaltet, zumal in den Kapiteln, 
die verhältnismässig junge Ereignisse betreffen. Aber ganz verkehrt ist es gewiss, 
überall Finessen zn wittern, wo der Erzähler einfach mit der ihm von Jugend auf 
eigenen, grossartigen Offenheit verfährt. Gerade darin liegt die Bedeutung des 
Werkes, dass es manches wagt, wozu die meisten tlistoriker auch bei einem vollen 
Einblick in die Ereignisse schwerlich so leicht den Mut gefunden hätten, ohne dass 
dabei doch der politische oder menschliche Takt verletzt würde. Mit schonungsloser 
Gewalt reisst Bismarck manche Schleier entzwei, zerstört er manche Legende, von 
der man sich nur mit Widerstreben trennen wird. So wirksam haben wir uns den 
Einfluss der Kaiserin Augusta trotz allem, was wir wussten, nicht vorgestellt. Mit 
der grössten Bitterkeit wird ihrer gedacht. Freilich auch nie ist die geistige Be- 
deutung dieser Frau so scharf hervorgehoben. Die Schwächen Wilhelms I. sind 
niemals schonungsloser aufgedeckt. Und doch kann man nicht sagen, dass die 
Gestalt des alten Kaisers ihre sympathischen Züge irgendwie eingebüsst hätte. Ueber- 
raschend ist es für mich gewesen, dass nach Bismarcks Zeugnis die Gegnerschaft der 
Kronprinzessin nicht so gross oder nicht so mächtig gewesen ist, als man gemeinhin 
annahm, Dass irgend etwas anderes als das Bedürfnis die Dinge darzustellen, wie 
sie waren, etwa persönliche Eitelkeit dem Vf. die Feder geführt, wird nur die Ver- 
blendung behaupten können. Bismarck hatte ein volles Recht darauf, alles daran- 
zusetzen, dass das Werk seines Lebens, dass alles, was er gewollt, vollbracht und 
auch nicht vollbracht hat, der Nachwelt unverfälscht vor Augen stehe. Nicht 
allein um seinetwillen, sondern gerade um dieses Werkes willen. Märchen und 



205) X *»*- Seine Memoiren: NFPr. N. 12231. - 206) (IV lb:378.) — 207) X (IV Ib : 481.) |[HZ. 81, S. 377; H. t. 

(4)8* 



IVlc:208-2i8 Vv-Michels, Allgemeines des 18./li). Jh.: Memoiren nsw. 1897, 1898. 

Leg-enden niög'en für Unmündig-e nicht nur nützlich, sondern unentbehrlich sein; für 
Männer ist die Wahrheit erziehlicher. Darin aber liegt die Tendenz des Werkes, 
die in einzelnen Kapiteln, wie dem 12. und 13. („Rückblick auf die preussische 
Politik", „Dynastien und Stämme"), oder dem 29. und 80. („Der Dreibund" und „Zu- 
künftige Politik Russlands") noch besonders zu Tage tritt, diejenigen Kreise, die zur 
Teilnahme am öffentlichen Leben in irg-end einer Form berufen sind, zu ernstem 
politischen Denken, zum Hinausschauen über die Kirchturms- oder Fraktions- 
interessen, zum Rechnen mit den vorhandenen politischen Realitäten zu erziehen. 
Es sind nicht blosse „Erinnerungen", sondern es sind, wie schon der Titel sagt, zu- 
gleich die Ergebnisse eines langen und durch Erfahrungen immer von neuem ge- 
prüften staatsmännischen Denkens, die Fürst Bismarck der Nachwelt hinterlässt. — 
Den Druck des Gewaltig-en auf die amtliche [Tmgebung, „die Leidenschaften, die 
Arbeiten, die Spannung der Kräfte, die er forderte, und dazwischen wieder das 
leichte Spiel des Genius mit Dingen und Menschen" geben, wie versichert wird, 
A. von Tiedemanns Erinnerungen, an den Fürsten Bismarck ^o'') vortrefflich 
wieder. — 

G. von Diests mir ebenfalls unbekannt gebliebene Erinnerungen an 
Kaiser Wilhelm L ^o» j enthalten nach dem einstimmigen Urteil der Recensenten 
nichts Bedeutsames, liefern aber doch einige zur Charakteristik dienliche Anekdoten. — 

von Conrad j 209) giebt auf Grund langjähriger Bekanntschaft ein treffliches, 
durch Briefe unterstütztes Charakterbild des Generalfeldmarschalls K. F. v o n S t e i n - 
m e t z. Er zeig-t, wie sich mit den Härten und Schroffheiten des im höchsten Grade 
ehrgeizig-en und von Selbstüberschätzung nicht freien Mannes eine innere Weichheit 
verband und eine väterliche Liebe zu denen, bei welchen seine strenge militärische 
Zucht nach seinem urteil anschlug. '■^'o^u-) _ jjjg Künstlernatur des Generalpost- 
meisters H. von Stephan würdigt 0. von Werner^i^j. _ Bewegt sich unsere Memoiren- 
litteratur mit Vorliebe in den Kreisen derer, die in irgend einer Weise beim Aufbau 
des Reiches geholfen haben, so wird der Historiker mit einem vielleicht noch ge- 
steigerten Interesse zu Aufzeichnung-en derer greifen, die die Bismarcksche Politik 
bekämpft haben. Frhr. Langwerth von Simmern^is) erzählt uns seine 
menschliche und politische Entwicklung*. Wir lernen eine Persönlichkeit kennen, in 
der gewisse Anregung-en der Romantik noch nachwirken. L.s politische Grundsätze 
g-ehen nach seinem eigenen Geständnis zum Teil auf Anregungen zurück, die er im 
Heidelberger Korps „Vandalia" erhalten hat. Alles bureaukratische Wesen war ihm 
von früh an verhasst. Im preussischen Staat sah er es verkörpert. Die harte Schule 
nüchterner und pflichtmässiger Arbeit hat Frhr. von Langwerth bezeichnenderweise 
nie durchgemacht. Legitimistische Anschauungen, die er selbst als „ghibellinisch" 
bezeichnet, haben ihn früh seine Stellung gegen die von Bismarck erneuerte Politik 
Friedrichs des Grossen nehmen lassen. Er war grossdeutsch und österreichisch ge- 
sinnt, bis Oesterreich selbst seine deutsche Politik fallen Hess und die Ergebnisse des 
J. 1866 als unabänderlich anerkannte. Die durch Riehls Schriften beeinflusste 
Schwärmerei für die Kulturaufgaben eines echten und unverfälschten Niedersachsen- 
tums und die Vorstellung, dass dieses nur im alten Königreich Hannover gedeihen 
könne, haben ihn veranlasst, gegen die Annexion zu protestieren und ihn, ohne dass 
er besondere dynastische Interessen zu vertreten geneigt war, in die Reihen der 
W'elfenpartei getrieben. Die gewundenen Wege, welche die Partei nahm, waren ihm 
dabei unerfreulich; auch die Verbindung mit dem Centrum widersprach seinen 
Empfindungen. Er versuchte als Reichstagsmitglied seine eigenen Wege zu gehen, 
ohne dauernden praktischen Erfolg. So klingen seine Bekenntnisse in einen Moll- 
akkord aus. Bei Besprechung der parlamentarischen Verhältnisse fällt einiges zur 
Charakteristik von Bismarck, Bennigsen und Windhorst ab. A. F r a n z , der das 
Werk als weifischer Officiosus bespricht, protestiert zwar gegen die Beurteilung des 
letzteren. Der Unbefangene wird aber Züge, die so grundverschiedene Beurteiler 
wie Bismarck und Frhr. von Langwerth übereinstimmend hervorheben, als wesentlich 
betrachten dürfen. 214-217^ — 

Von den Reiseerinnerungen sind mir nur die Brückners-^*) 
zugegangen, flüchtige Skizzen eines modernen Schnellzugsreisenden von der Balkan- 



Petersdorff: FßPG. 11, S. 307.]| - 208)0 X(lVlb:264.) |[LCB1. 8. 802-; HZ. 81, S. 377; H. v. P e t e r s d o r f f : 
FBPG. 11, S. 297/8.]i — 209) (IV 1 b : 349.) — 210) O X Clotilde v. Schw artzkoppen, Karl v. Franyois. E. Soldaten- 
leben. Nach hinterlasienen Memoiren. 3. Atifl. B., Eisenschmidt 248 S. mit Bildn. M. 1,60. — 211) O X Batsch, Er- 
innerungen an Stosch (Sohlnss): DR. 22 % S. 352-66. — 212) 0. v. Werner, Erinnerungen an H. v. Stephan: ib. 22% 
8. 257-66. — 213) H. Frhr. Langwerth v. Simmern, Aus meinem Leben. Erlebtes u. Gedachtes. 2 Tle. B., B. Behr 
(E. Bock). VIII, 294, 283 S. M. 6,00. |[A. Franz: HPBll. 122, S. 1-26.J| — 214) O X W. Liebknecht, In d. Lehre 
(Erinnerungen): FrB. 9', S. 396-406. - 215) X QBL. 1894 14:360; IVlb:410; lc:13.) [H. Wzs.: ChristlVVelt. 11, 
S. 1202,3.] 1 — 216) O XK. Sehern, Lebenserinnerungen. E. Beitr. z. Gesch. d. Rheinlande im 19. Jh. 1818—85. Bonn, 
rianslein. Vlll, 346 ,S.; V, 286 8. M. 10,00. — 217) X (J'JL- 1897 I : -JÖ-J.) - 218) W. Brückner, Keiseerinner. 



V.Michels, Allg-emeines des 1H./19. Jh.: Memoiren usw. 1897, 189S. IV lo:2io-240 

halbinsel, hohen Tatra, Tirol, der Schweiz, dem Rhein, Italien ohne tieferen sach- 
lichen oder persönlichen Wert. ^'^'^^^I — 

Von dem Leben und Treiben auf der Kloster schule zu Rossleben g-iebt 
der Oberst von Renouard ein anschauliches Erinnerung-sbild^i'J). _ Nicht eigene Er- 
innerung-en an das Leben auf der Bonner Un i versität--^) im J. 1832 teilt Amm er mit, 
sondern Auszüg-e aus dem ersten Teil von F. W. Krug-s „10 Jahre aus meinem Leben", 
Elberfeld 1857. — Auch die „Altheidelberger Erinnerung-en" von Weiss223) ge- 
hören eigen thch nicht in diesen Zusammenhang. Es sind: 1. Tag-ebuchaufzeichnungen 
eines pommerschen Studenten aus den zwanziger Jahren, 2. Tag*ebuchaufzeichnungen 
eines norddeutschen aus den vierziger Jahren mit sehr skizzenhaften Porträts ein- 
zelner Heidelberger Professoren (Paulus, Creuzer, Czolbe, Moleschott usw.). — Dazu 
kommen die Erinnerungen einiger Schulmänner an ihre Thätigkeit. Unter ihnen 
scheint die als „nicht umfang-, aber inhaltsreich" bezeichnete Biographie K. R ö s s - 
lepg230) ein gewisses politisches Interesse zu bieten, da der Vf, ein Deutsch- 
böhme, 1857 als Lehrer nach Pest kam und 1861 bei der Vertreibung der „Cislei- 
thanier" zurückkehrte. Eingesehen habe ich sie nicht. -3i~233-) — 

Wichtige Beiträge zur Kenntnis des kirchlichen Lebens namentlich 
in den dreissiger und vierziger Jahren enthalten die Autobiographien von W. B e y - 
schlag und B. Rogge. Aber bei B.-^*"^^^) machen sich doch auch, namentlich in der 
Jugendzeit, die schöngeistigen Interessen geltend, und die Politik wirft zumal in den 
Sturmjahren 1848 — 49 starke Schatten. B. ist ein vortrefflicher Erzähler. Stimmungs- 
voll beschreibt er das alte Frankfurt seiner Kinderzeit, d. h. der dreissiger und 
vierziger Jahre. In leuchtenden Farben tritt uns Bonn entgegen, wo er seine 
ersten Studiensemester verlebte und mit G. Kinkel, Johanna Mockel und den fröh- 
lichen Maikäfergenossen in eng'e Verbindung kam. Nüchterner erscheint Berlin, 
die Hochburg der Hegeischen Philosophie, in die sich B. nie hineinfand; flüchtig be- 
gegnet uns hier Jakob Burckhardts bedeutsame Gestalt. Mit den Kämpfen, die B. 
als Vikar in Trier geg'en die katholische Umgebung zu bestehen hatte, schliesst 
der erste 1896 erschienene Band, während die Fortsetzung mit dem badischen 
Agendenstreit und B.s Kampf gegen die Heidelberger Theologen einsetzt, um dann 
zur Besprechung der ersten Jahre in Halle überzugehn. Schon bei der Beurteilung 
des ersten Bandes hat Eck nicht nur Einzelheiten zu korrigieren gefunden, 
sondern auch im allgemeinen darauf hingewiesen, dass B.s theologische Interessen 
sich mehr nach der praktischen und kirchenpolitischen als nach der wissenschaft- 
lichen Seite neigen, und auf die ungerechte Beurteilung- der Tübinger Schule auf- 
merksam gemacht. Gegen die Schilderungen aus der Karlsruher Hofpredigerzeit hat 
Hausrath, freilich von B. als befangener Kritiker von vornherein zurück- 
gewiesen, scharfen Einspruch erhoben und unter anderem die von B. gegebene 
Charakteristik L. Häussers als unzutreffend verworfen. -3^) — Auch bei B. Rogge -3') 
findet Eck die wissenschaftlich - theologischen Interessen wenig- betont. Ebenso 
treten die schöngeistigen hier mehr zurück"". Von ein«r Reihe von Professoren in 
Halle und Bonn giebt er dagegen treffliche Porträts. Von dem, was über Schulpforta 
gesagt ist, wo R. seine Schulzeit durchmachte, sind für litterarhistoriker besonders 
einige Koberstein charakterisierende Züge von Wert. 238- -^s) — 

2. vermehrte Anfl. Herrraannstadt, W. Knifft. I, 372 S. M. 3,00. - 219) X (JBL. 1894 IV 5:647.) |[Ito Brnns: PrJbb. 
87, S. 109-1 1.]| — 220) oX F. J. Pesendorfer, Reise-Erinnernngen ans d. schönen Frankreich. Mit vielen Original- 
ninstr. Wels, F. Franner. 1897. IV, 191 S. M. 2,40. — 221) O X E. Langer, Aus d. Adlergebirge. Erinnerungen u. 
Bilder aus d. östl. Dtsch.-Böhmen. Aus meiner Liedermappe. E. Kaiser Josefsfest. Prag, Doroinicus. 20] S. M. 4,00. — 
222) O X !"• Lindenberg, Südl. FrShüngstage. (Spanien. Tanger.) (Unterwegs u. Daheim.) Breslau, Schles. Buch- 
drucVerei. 209 S. M. 0,75. — 223) O X F. v. Breidenbach, Rrinnerungen ans alter n. nener Zeit, ßeiseskizzen vom 
Bodensee, Vorarlberg, Montavon u. Untersee. B., Seehagen. VI, 247 S. mit Abbild. M. 3,00. — 224) O X A. Jahn, 
Reise-Erinnerungen aus Spanien n. Süd- Frankreich 1881 n. 82. Mit kurzen biogr. Notizen u. e. Portr. Jahns. Bern, Wyss. 
VII, 92 S. M. 1,00. — 225) O X C. v. Vincenti, Auf d. Vortragstonr : VelhKIasMh. 2, S. 586-90. — 225a) O X W. 
Fritsch, Am ital. Kamin. Wahrheitsgetreue Mitt. u. Uandglossen aas meinem Leben für Christi. Leser. Frankfurt a. M., 
Schergens. 1897. III, 128 S. M.O.SO.- 226) O X C. Dorfeid, Hartraann. Reiseeindrücke: DZAusländUnterricht. 2, 8.1901. 

— 227) M. V. Renouard, Erinnerungen e. alten Rosslebers. B., .Schall * Grund, Verein d. Bücherfreunde. 1897. 98 S. M. 1,00. 

— 228) G. Ammer-Bnbenrathia, Vor 65 Jahren. Erinnerungen aus d. Bonner Sommersemester 1832: BnrschenschBll. 
11, S. 137-41, 161/7. — 229) Guido Weiss, Alt-Hoidelberger Erinnerungen: FZg. N. 114, 116. — 230) O X K. Rössler, 
E. Selbstbiographie. Karlsbad, Selbstverl. (Druck v. A. Pustet in Salzburg.) 1897. 80 S. M. 1,50. |[J. J.: MVGDB«. 36, 
S. 49-50.]| — 231) O X Th. N. Fassbind er: Aus d. Mappe e. alten Lehrers. Düsseldorf, Schwann. 1897. S. 205. 
M. 2,50. - 232) X (JBL- 1396 lY lc:31.) IfHöger: BBG. 33, S. 259-61.JI — 233) X E. Grnhl, Erinnerungen ans d. 
Leben d. Geh. Ober-Regierungsrats u. Kurators d. Univ. Bonn, Dr. 0. Gandtner. Vortr., geh. in d. Qymnasiallehrergesellschaft 
zu Berlin: ZGymn. 51, S. 1-24. - 234) (JBL. 1896 IV lc:23.) |[F. I m m e nh au se r: Geg. 52, S. 88-91; LCBI. 1897, 3.125; 
R. Bendixen: ThLBl. 18, S. 146; J. Reinhard: BLU. S. 503; A. H. Braasch: Protestant 1, S. 1438; S. Eck, ThLZ, 
22,8.393/5.11 - 235) W.Bey schlag. Aus meinem Leben, 2. Tl. Halle. Strien. 723 S. M. 10,00. |[A. H a u s r a t h ; 
ProtestMh. 2, 8. 442/3.]| — 236) O X J- Bernd t, Lebenserinnerungen e. dtsch. Theol.: PaedZg. 26, S. 101. — 237) B. 
Rogg